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Fuldaer Zeitung

Rund um die Woche

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Bürsten-Boutk

Das Caf6

einfach

Die Conditorei

Täglich Künstler-Konzerte

Besitzer: Gus'av Hesse, Bahnhofstrasse 11 Tel 222.

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Radio-Programm.

Montag, den 31. Ott. 1927.

Mein weg nach hinkekhage«.

Sine Wandergeschichle von Ar. Donatus Pfannmuller. 211 ---------

um einen Donauwellenwalzer, sondern um jene wunderbare Musik, die von den Aetherwellen er­zeugt wird, und die man in England 9e*)ort ha­ben will. Auch Verjüngungsinstttute las e ich mir gefallen. Mit einigem Neid habe ich gelesen, daß man in Frankreich die ganze Sudkuste mit Affen bevölkern will, weil es angeblich in Europa an Affen fehle, um alle Menschen verlangen m kön­nen. Nur der Messingkäfer hätte draußen bleiben ollen, denn er ist das gefräßigste aller Tiere und er zerfrißt die Wohnungen eines ganzen Dorfes im Handumdrehen. Er soll wegbleiben, denn er ist eine entsetzliche Plage, und außerdem gibt es doch in Europa Habgier und Gefräßigkeit genug, nicht nur unter den Käfern. . .

Der Mann im Monde.

Kemal Pascha, Kirchenväter, Parlamentarier und Redekunst. — Diäten und Diät. — Reparations­agent und deutsche Freiheit. — Ariedenspfeifchen. — Affen. — Messingkäser.

Anfertigung und Verkauf jeder Art Bürsten, Besen und Pinsel.

MW m hen Millern des SknndesWls ^«l-L

Sterbefälle vom 31. Ott. bis 28. Ott. 1927.

21. Ott. Privatmann Witwer Franz Josef Beck, 68 I, 5 M, 10 T. 22. Witwe Gindchen Blaut, geb. Buxbaunx 85 I, 7 M. 23. Oberlandesgerichtsrat a. D. Geh. Justiz- rat Hermann von Winckler, 76 I, 2 M, 11 T. 26. Tag­löhner Konrad Faulstich aus Hilders, 56 I, 11 M. 27. Schüler Ostar Friedrich Hasenau aus Welters, 16 I, 5 M, 11 T. 27. Eisenbahntassenvorsteher a. D. Amand Schreiner, 71 I, 2 M, 26 T.

JV» 251.

Sonntag, 30. Oktober 1927.

r. »lat«.

Druck der Fuldaer «rttendruckerest Fulda

Frankfurter Vver.

Samstag, den 29. Ott., 7K Uhr: Tosco.

Sonntag, 30. Ott., 5% Uhr: Die Meistersinger

Nürnberg.

Montag, 31. Ott., 7 Uhr: Manon.

„Ach, guck entert, Emil, ich glaub, ich muh mir e neu Fedder kaufe. Der Brief da ist mer ja ganz gut gerate^ erber die ALreß is wie mit nem Bäsestiel geschriewe."

Der Meister nimmt den Brief, schaut ihn an, lacht und ruft mir zu: „Komm mal raus! Sich doch mal, wie schön die alte Kachrine noch schreiben kann."

Ich gehe hinaus und Meister Dorus zeigt mir den Brief. Mit mächtig dicken Strichen steht da geschrieben: An Franz Koller hn Beirifehe.

„D diese Schrift ist so Übel nicht, nur ein bißchen dick. —*

„Das mein' ich ja auch. Deshalb w« ich mer ja e neue Fedder kaufe."

„Mer, Frau Kachrine, wollt Ihr den Brief mit der Post schicken?" frage ich. . » .

„Ja, Jung, foö ich'n vielleicht selber hintrage? Fr«, lich will ich'n mit der Post schicke. Nur e Freimart muß noch drauf."

„Der Brief fommt aber in Ewigkeit nicht an, Frau. Da steht ja nicht der Ort drauf, wo der Franz Koller wohnt." ,

„Ach schwätz mer net. Da sieht- doch: — m, Beirische."

„Bayern ist groß, Frau. Da gibt- sicher 200 Städte und 2000 Dörfer. Wie soll da die Post den Franz Kal­ler finden? Wißt Ihr denn nicht den Ort, wo der Franz Koller wohnt?"

Die Alte überlegt. Dann sagt sie: „Der Franz ist im Beirische, aber wort mal: Ich irtein', es ständ noch en Name in dem Brief vom Franz." Sie nimmt mir den Brief aus der Hand und jagt: „Ich tomm' gleich wieder." Und draußen ist sie. Die Ladenschelle tlin- gelt hinter ihr her. Meister Dorus lacht, und wir teu­ren in die Werkstatt zurück.

Nach einer Weile kommt die Baricke-Katt wieder. Wir stellen den AufenttM ihres Sohnes aus einem mitgebrachten Briefe fest, sie kauft sich eine neue „Fed- der" und ein „Kufert", ich schreibe ihr die Adresse und Meister Dorus klebt ihr die Freimarke auf den Um- schlag; einen halben Pfennig wird er bei dem Geschäsi wohl verdient haben. Aber die Baricke-Katt will sich nun auch dankbar bezeigen. Sie beginnt: „Emill Haste ebe den Kommandat die Straß nauf schieße ge- sehe? Gell, der hats pressant? Ich weiß oudj worum."

(Fortsetzung folgt.)

6. Kapitel. 3n Hinkelshagen.

Hinkelshagen ist eine stille kleine Stadt. Daß sie in Thüringen liegt, wurde schon erwähnt. Aber niemand braucht sie auf einer Karte oder in einem Lexikon auf- zusuchen, denn sie steht nicht drin. Es wohnen dort allerlei nette und liebe Menschen, es wohnt dort ein heiteres, munteres Volk. In Hinkelshagen weiß jeder, was der Nachbar die Woche hindurch kocht, weiß jeder, wieviel SchuDen Hans und Kunz auf der Sparkasse, bei der Vorschuhkasse und beim Geldverleiher hat, weiß jeder, wer das nächste Mal Bürgermeister wird oder Gemeinderat. In Hinkelshagen plagen sich die Leute von früh bis spät und wirtschaften mit den denkbar kleinsten Summen. Sie bedauern, daß man den Pfennig nicht in hundert Teile teilen und sich für einen zehntel Pfennig Wurst beim Metzger und für einen zwanzigstel Pfennig Brot beim Bäcker holen kann. Und sie bedauern, daß keine Eisenbahn den Weg zu ihrem Städtchen findet, denn Hinkelshagen ist arm. Aber die Hinkelshagener trösten sich über ihre Armut hinweg, sie sind stolz auf ihr alles Städtchen mit den noch teil­weise erhaltenen Mauern, und sie stecken voller Humor und lustiger Streiche. Wenn all der Schabernack, der in Hinkelshagen gespielt wird, vor dem Richter gesühnt werden sollte, dann hätten drei Richter das ganze Jahr hindurch Arbeit damit. Allein der Hinkelshagener Amtsrichter hat nicht allzuviel zu tust; meistens balgt er sich mit ein paar prozeßwütigen Bauern der Umgegend herum oder er geht auf die Jagd oder er begießt feine Blumen. Die Hinkelshagener Streiche werden einfach durch Gegenstreiche gesühnt. Dabei spielt sich bestän­dig ein lustiger und friedlicher Kampf zwischen den Christen und den ortsansässigen Juden ab. Sa tief die Hinkels auch bei den vermögenden Juden in der Kreide stehen, immer wieder müssen sie sich mit ihnen herum- necken. Es ist keine Bosheit dabei und es geschieht kaum einmal jemand ein ernstlicher Schaden, aber net­ten müssen sie und wenn sie morgen wieder zu dem

Tagungen.

— Drovinziollagung des Reichsbundes der Sinder- reichen. Die auf den 13. November anberaumte Pro- vinzialtagung des Reichsbundes der Kinderreichen in Limburg muß wegen Verhinderung des Berliner Redners auf den 20. November verlegt werden.

OAtnMfrufA»

fernruf

Gottes-ienstorvnllng.

Hriedhofskapelle am zranzosenwäldchen. Sonntag:

<*/« Uhr hl. Messe mit Kommunion-iluSteiluna. Werk­tage 7*/« Uhr hl. Messe mit Kommunion-Austeiluna.

Verulkten gehen und bei ihm Geld pumpen müßten. So sind die Leute von Hinkelshagen und sie werden wohl auch kaum einmal anders werden. Sie sind stolz auf ihren spindeldürren Dechant, auf ihren dicken Bürgermeister und auf ihren ftalllichen Stadtpolizisten, der trotz seiner Jahre für den schönsten Mann im Orte gilt. Aber über diese drei Ortsgrößen, vor denen sie tief den Hut ziehen (ausgenommen ist der Stadtpoli­zist), machen sie heimlich ihre allerschönsten Witze.

Am Wend jenes 25. März saßen wir noch lange beisammen: die Meisterin, Herr Dorus und ich. Ich mußte von der wetten Well erzählen, aus der ich kam, und sie waren froh, daß man in Hinkelshagen so wenig weiß von dieser großen Welt. Nachher ging ich hinauf in die kleine Kammer, wo der wilde Christian schon schlief. Der hatte sich tti den beiden letzten Jahren zu einem großen, breitschultrigen Burschen voller Untu­genden ausgewachsen und respektterte mit seinen 17 Jahren weder die sanfte Meisterin noch den schwäch­lichen Meister. Zudem stammte er aus einer Gegend, die besonders reich mtt bösen Buben gesegnet ist. Die Meisterin hatte mir schon am Wend allerlei von Christians Untugenden erzählt und mich gebeten, ein scharfes Auge auf ihn zu haben. „Mir ist Angst da­vor, daß wir ihn noch ein ganzes Jahr behalten müs­sen," sagte sie. „Der gehörte eigentlich in eine Besse­rungsanstalt."

In den ersten Tagen nach meiner Ankunft benahm sich Christian ganz ordentlich gegen mich, dann wurde er frech. Ich tat, als ob ich nichts bemerkte. Wer bald merkte ich, daß er es darauf absah, mich zu ärgern. Einmal beobachtete ich ihn, wie er meine frischgeschärften Messer nahm, sie mit der Scheide über den Stahl einer Schere rieb, um sie stumpf zu machen und dann wieder auf meinen Arbeitsplatz legte. Ich schwieg auch dazu und tat, als hätte ich nichts bemerkt. Aber bald kam es doch zum Klappen. Er sollte mir nur die Kleisterschüs­sel ein wenig näher rücken, die er vor sich stehen hatte, da sagte er: „Hol' sie dir selber!" Ich verabreichte ihm für diese freche Antwort eine anständige Ohrfeige.

Da ergriff er eins der auf dem Tisch liegenden Mes­ser und drang auf mich ein. Wer blitzschnell hatte ich ihn auf den Boden gelegt, ihm das Messer aus der Hand gewunden und verbleute ihn nun nach allen Tonarten. Er setzte sich gewaltig zur Wehr, aber es nützte ihm

Hus dem Zuldaer Land.

■= Großenlüder. Heute, den 29. Oktober, wurde von den beiden letzten noch lebenden Kriegsteilnehmern aus 1870=71 der Auszüger Ambros Döllinger unter gro­ßer Teilnahme und der Erweisung der üblichen Krieger­ehrung begraben. Der 78jährige Benedikt Reith ist dann hier noch der einzige, der jenen Feldzug mitgemacht hat. Dieser kann mit seiner 70jährigen Ehefrau Therese Deu­ter am 27. November 1927 das seltene Fest der gol­denen Hochzeit feiern. Von den 12 Kindern sind 2 Söhne im Krieg gefallen, eine Tochter ist Oberin einer Franzis- kanerinnenniederlassung in Dremel (Holland). Es wer­den 9 Kinder mit ihren Nachkommen neben der ganzen Pfarrgemeinde, in der die Jubilars eine geachtete Stel­lung einnehmen, an dem Feste sich beteiligen.

11.55—12: UÜbertragung des Glockenspiels aus Darmstädter Schloß. 15.30-16: Die Stunde der . gend (unter Leitung von Mittelschulrektor K. Wchrhan). 16.30—17.45: Konzert des Hausorchesters: Die Oper der Woche. Musikalische Leitung: Kapellmeister R. Merten 17.45—18.05: Die Lesestunde: Aus dem Roman „Auch Einer" von Fr. Th. Vischer. — Sprecher: O. W. Studt- mann. 18.15—18.30: Dereinsnachrichten und andere Mitteilungen. 18.30—19: „Arnold Böcklin, Vortrag zu seinem 100. Geburtstag von Prof. Dr. Wichert (nach- geholt). 19.30: Uebertragung aus dem Fwnkftlrter Opernhaus: Manon, Oper von Massenet. Anschließend: Hebräisches Gesangs-Konzert. Ausführender: Leo Ria- fanzeff (Bariton), Mitglied der „Habinah . — Mltum» kung: R. Merten (am Steinway-Flügel).

nichts. Offenbar hatte er den Streit gesucht, um zu Er­proben, ob er mich nicht überwältigen könne. — „So, mein lieber Christian, nun weißt du Bescheid. Ich lasse nicht mit mir spielen."

Als ich abends zu Bett gehen wollte, war Christian verschwunden. Er kam auch nicht wieder. Am näch­sten Morgen sand ich unter feinem Bett verschiedene Papierchen, die zum Einwickeln von Geld benutzt wor­den waren. Das Geld konnte nur aus der Ladenkasie stammen, die tagsüber meist unverschlossen blieb und zu der man von der Werkstatt aus leichten Zutritt hatte. Meister und Meisterin atmeten erleichtert auf, daß Christian das Weite gesucht hatte und nicht wieder- kehrte.

StA ((offen die Tage dahin. Wir hatten viel Ar­beit, und der Feierabend wurde oft spät hinausgescho­ben. Aber am Morgen waren wir nicht allzufrüh; das war so Sitte in Hinkelshagen. —

Von der Werkstatt aus können wir einen großen Teil unserer berühmten Stadt überschauen, denn un­sere Fenster gehen nach der Straße: Bergauf und bergab präsentiert sich ein großes Stück unserer kleinen Welt.

Früher als sonst geht heute der Stadtkommandant an unfern Fenstern vorüber, und er scheint es heute auffallend eilig zu haben. Mit Wucht stößt der kleine, dicke Mann seinen Stock aufs Pflaster, und der Halb- kreis, den der Arm des Bürgermeisters dabei beschreibt, ist größer als sonst. Meister Dorus wendet sich mir zu und sagt: „Der Kommandant wälzt sich ja im Galopp zum Rathaus hinauf. Da ist etwas nicht in Ordnung."

Ich kann nichts darauf erwidern, denn mein Blick ist noch nicht für die Kleinheiten von Hinkelshagen einge­stellt, wo schon der plötzliche Tod einer Katze eine Sen­sation bedeutet.

Gleich darauf klingelt die Ladenschelle, und der Meister folgt chrem Ruf. Die Verbindungstür zwischen Werkstatt und Laden bleibt offen. Ich schiele nach links. Ein altes Weiblein steht im Laden und hat einen Brief in der Hand. Die kenne ich noch von früher. Es ist die „Baricke-Katt" (Perücken-Kachrine). Den Namen hat sie von der Perücke, die sie trägt.

„Nun, Kachrine. was wünscht Ihr denn?" fragt Meister Doms.

Neues aus Frankfurt.

--- Der Fehlbetrag bei den Frankfurter Theatern. Wie wir vor einigen Tagen meldeten, ist auch in die­sem Theaterjahre wieder mit einem Defizit zu rechnen. Nunmchr hat sich die Arbeitskommission des Aussichts­rates der Städtischen Bühnen A.-G. mit dieser Angele» genhett beschäftigt, und beantragt, daß von den städti­schen Behörden der aus dem vergangenen Jahr stam­mende Fehlbetrag von 380 000 Mark übernommen wird, und weiter eine Erhöhung des Zuschusses für das neue Theaterjahr von 1.5 auf 1.8 Millionen gefordert.

= Bon einem Lastauto überfahren und getötet wurde der Arbeiter Dröschet, der von der Arbeits­stelle kam und mit feinem Fcchrrad über den Platz der Republik fuhr. : lj J j

von den Hochschulen.

= Rektoratscvechfel an der Universität Frankfurt. Der Rektoratswechsel an der hiesigen Universität findet am 5. November tn einem besonderen Festakt statt. Der neue Rektor, Prof. Dreoermann, hält seine An­trittsrede über „Universität und Gegenwart."

== Hanau. Ein Arbeiter, der Deutschen Dunlop- Werke verunglückte durch Zerspringen einer Form, wobei er Verletzungen am Kopf davontmg und ins Landeskrankenhcms gebracht werden mußte.

= Darmstadt. In der Zellulosefabrik von Max Richter in Nieder-Ramstadt brad) Feuer aus. Infolge der in der Fabrik vorhandenen leicht brennbaren Ma­terialien verbreitete sich das Feuer mit großer Schnel­ligkeit. Der Dachstock stürzte ein und die oberen Stock­werke brannten vollkommen aus. Die Nieder-Ram- ftäbter und die Darmstädter Feuerwchr, die ebenfalls alarmiert worden war, bemühten sich erfolgreich, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken. Das Feuer selbst konnte aber erst nach Stunden gelöscht werden. Der Materialschaden ist sehr groß, soll aber durch Ver­sicherung vollkommen gedeckt sein.

— Diez a. d. L. Im Jahre 1929 sind 700 Jahre verflossen, daß der Stadt Diez unter dem Grafen Gott­fried von Diez die Stadtrechte verliehen wurden. Die Verleihung erfolgte im Jahre 1229 „in Anbetracht treuer Dienste in Kreuzzügen und beim Feldzug in Ita­lien, als Beweis Kaiserlicher Gunst" durch Kaiser Ludwig den Bayer. Es ist beabsichtigt, ein historisches Festspiel mit Szenen aus dem 30jährigen Krieg aufzuführen, mit dessen Verfassung die Münchener Dramatikerin Anna Schäfer betraut worden ist.

= Kassel. Am Hellen Tage brach auf der Domäne Trendelburg Großfeuer aus. Das Feuer ent­stand in der großen Scheune und ergriff mit unglaub­licher Schnelligkeit die ganze Scheune. Dem Feuer fiel der größte Teil der Futtervorräte und ungedrofchener Frucht zum Opfer. Außerdem brannte ein anliegender Pferdestall und ein Lagerraum teilweise nieder. 'Das Vieh und die Getreidevorräte konnten gerettet werden. Erst nachdem die Hofgeismarer Motorspritze den Brand­herd angriff, konnte man Herr des Feuers werden.

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Ofentferße iußervetichfc

Kemal Pascha hat wirklich einen Weltrekord errungen, der über alle Kanalschwimmerei geht. Sechs Tage hat der Mann geredet, sechs Tage lang. Und er hat ein Publikum vor sich gehabt, das fähig war, ihm diese ganzen sechs Tage lang zuzuhören. Und es schloß nicht einmal mit einer allgemeinen Müdigkeit, sondern mit dem frischesten Aufruf an die türkische Jugend, den man sich den­ken kann. Ob es unsere Parlamentarier und Stadtoäter nicht reizen wird, sich am Rekord der Dauerreden zu beteiligen? Mich erinnert Kemal Pascha an die alten Zeiten einer blühenden Rede­kunst. So rangen in Athen miteinander Demosthenes und Aischines um den Kranz, und staunend lesen wir, die wir nur noch für Revuen und Kinovorstellungen Geduld ausbringen, und wo wir schon seufzen, wenn der Herr Pfarrer einmal ein paar Minuten länger bis zum Amen braucht, daß es ein Doll gegeben hat, so reich an Kultur, daß es jene Reden mit der größten Spannung sich anhörte. Damals ging es nicht um die Steigerung des brünstigen Rausches bei einem Boxerkampf oder bei einem Stiergefecht, sondern Seift und Kunst allein waren imstande, die Nerven fogar zu erregen. Man darf sich aller­dings nicht vorftellen, daß jene Redner es sich so leicht gemacht, wie viele heute. Auf das Sorgfäl­tigste mußten sie vorher ihre Gedanken ordnen» und nicht festlich genug konnte die Sprache fein, mit der ein Redner vor das Volk trat. Wenn Demosthenes sprach, so klang das wie das rhytmi- sche Rauschen des Ozeans, und alle großen Gedan­ken und alle heiligen Ideale wurden in der Seele eines vor Begeisterung trunkenen Volkes geweckt. Und diefe Rhetorik, so ganz Musik und Kunst, erzielte bisweilen realistische Wirkungen, wie wir uns das heute kaum mehr vorstellen können. Ci­cero sprach einst für seinen Freund Milo vor dem gewaltigen Cäsar. Auch er lebte noch in der Zeit der großen Redekunst. Ein Sklave, der hinter ihm stand, gab ihm den Ton an, als ob es sich um ein Orchester handele. Ja, es kam denn auch ein sol­ches Orchester von Gefühlen und ein solcher Sturm der Leidenschaft, daß Cäsar, der schlachterprobte, davon leichenblaß wurde und daß ihm die Buch­rolle aus der Hand fiel. Wir haben die Rede nicht mehr, denn die uns erhaltene ist nur eine spätere Niederschrift (dies den Philologen zuliebe, die auf Akribie sehen, mir ist es ganz gleichgültig). Diese Beredsamkeit sollte uns darum ehrwürdig sein, weil sie auch von den Vätern der Kirche, z. B. Chrysostomus, noch geübt wurde. Hier und da ist sie in den großen Parlamentariern Englands noch einmal aufgewacht und in dem gewaltigen Polen Peter Skarga. Auch die Franzosen haben ihren Bossuet, den sie neulich mit der ganzen Welt ge­feiert haben. 1848 lebte dergleichen auch im deut­schen Parlament, und noch Bismarcks Zeit hat Aehnliches hervorgebracht. Wir aber sind heute sachlich geworden. Zu deutsch heißt das langwel­lig. Begeisterung vertragen wir nicht mehr, weil sic eben Glauben vorausfetzt und eine Idee, für die es sich lohnt, in heiliges Feuer zu geraten.

Uebrigens haben unsere Parlamenta­rier ganz andere Sorgen, und ich habe wirklich Mitleid mit ihnen gehabt, als ich von den vielen Verpflichtungen las, die sie mit den Ministern des Reiches zu teilen haben. Es mußte doch jede Be­sprechung begossen werden. Bei jeder Zusammen­kunft war es unvermeidlich, sie mit einem guten Mahle zu beschließen. Man kann aber seiner Haupteslänge keinen Zoll zusetzen, und auch der

menschliche Magen hat eben nicht die Dimensionen der vier Mägen einer Kuh. Und so mußte man auf Mittel sinnen, den Konsum zu verkleinern, und man brachte das Opfer, das durch die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit nun einmal not­wendig geworden war. Bei einer großen Berli­ner Firma bestellte man ein paar hundert Tu­gendmäntel und Entsagungsriemen, und in sie ge­hüllt wird man in Zukunft bei trockenen Tischen sitzen und am Ende sogar die Zahl der Zigarren rationieren. Zu den Diäten wird sich die Diät ge­sellen, und es kann nicht ausbleiben, daß dieses heroische Beispiel im breitesten Volke Nachahmung finden wird. Als Ersatz für die ausgefallene Ge­nüsse möchte ich das Friedenspfeifchen der India­nerhäuptlinge empfehlen, denn es ist schmackhaft und billig u. wohl allein imstande, jene Atmosphäre der Versöhnlichkeit hervorzubringen, die der Verabschiedung von Äesoldungsreform, Schulge­setz und Reich-Länder-Fragen gewünscht werden muß. . .

Und doch sind das alles geringe Note einer andern gegenüber, die mich erschreckt hat wie em Gespenst. Im Hintergründe der Bühne erschien da auf einmal Parker Gilbert, der Repara­tionsagent. Er trug einen Dreizack tn der Hand und sagte Quos ego, zu deutsch: Euch will ick! ge­nau so, wie der Poseidon bei Vergil. Ei, fuhr es mir durch den Sinn, ist der Herr auch noch da? Ein langes Aktenstück soll er verfaßt haben, um unserer Regierung seine Meinung über die Haus- haltungsgelder zu sagen. Polnische Zustande! Grab deutscher Freiheit. Aufsicht, Pensionat, Ku­ratel, Fürsorgeheim, Kontrolleur, diese und andere liebenswürdige Worte fielen mir ein, deren letztes Scharfrichter hieß. Nun, ich will nicht Hetzen. Nur von dem Schmerz meiner Seele muß ich sprechen, daß der Mann noch da ist. Es muß so sein, ich weiß es. Natürlich finde ich mich drein. Wo viel Schulden sind, da Hilst vor dem Bankerott nur noch die Geschäftsaufsicht. Aber wie ich meine, so sollte das deutsche Volk doch die Empfindung be­halten, wie demütigend dieser Zustand ist. Und es sollte aus dieser Empfindung heraus schaffen, Tag und Nacht, ohne Unterlaß, es sollte heilige Trauer fühlen, es sollte den Weg der Entsagung gehen, der an seinem Ende eine neue Freiheit sieht. Ver- zeihung, das sind wieder Empfindungen aus der Zeit des Demosthenes und wohl aus einer noch früheren, soll doch auch er in der Versuchung zwi- chen Geld und Freiheit nicht siegreich geblieben fein. Um es noch einmal deutlicher zu sagen, ich will nicht einen kriegerischen Imperialismus und einen eitlen Nationalismus, aber ich will doch das stolze Gefühl erhalten wissen, daß die Begriffe von Ehre und Freiheit für ein Volk keine leeren Phra­sen sein dürfen. Uns droht der Kosmopolitismus, ein ganz und gar schales Weltbürgertum. Berlin ist die kosmopolitischste Stadt der Welt. Der Straßenbahnverkehr wird nach Newporter Modell geregelt, neue Straßenbahnwagen zeigen das Mo­dell Paris und die Autobusse Modell London. Man hat schon gesagt, daß wir mehr Nachahmer des Fremden als Schöpfer einer eigenen Welt seien. Ja, man hat uns die Japaner des Okzi­dents genannt. ...

Selbstverständlich will ich dem Guten und Scho­nen, was das Ausland bringt, mich nicht ver­schließen. Wer kein Meister ist, muß eben Lehr- junge werden. So gibt es allerhand, was noch kommen kann, so zum Beispiel die neue Musi!! der Aetherwel l e n. Gib Acht, es geht nicht

Wie wirb bas Wetter?

Der von Westen neu hereinbrechende TiefdruckwirbÄ scheint einen südlicheren Weg als seine Vorgänger neh­men zu wollen und wird dabei auch unsere Witterung beeinflußen, sodaß im südlichen Teil des Bezirks der Ein­tritt von Regenfällen wahrscheinlich ist.

Witterungsaussichten für Sonntag abend: Wolkig bis bedeckt, einzelne Regenfälle, leichte Abkühlung, doch noch mild, auffrischende südwestliche Winde.

Schriftleiter: Dr. phll. Johannes Kramer, Verantwortlich für Politik und Heimatliches Dr. Kramer, für den Roman und die „Buchenblätter" A n t o n Weßler, für den übrigen Text und die Unterhaltungs­beilage Dr. rer. pol. Karl Austermann, alle in Fulda. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei I. Parzeller._____________

Linden-

Schneiden und -Pflegen

serwellen-Maniküren