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Fuldaer Zeitung

Sonntag, 23. Oktober 1927.

Rund um die Woche

Vas gelbe Fieber.

daß in Dakar die Epidemie des

EMR nur Mittelstratze 42.

6278

Der Mann im Monde.

Die für das Volkslied so typische, enge Verbindung

«nfe Haoas aus Marseille berichtet, erklärte die «-lobuna des von der west afrikanischen ei fte 'zurückkehrenden französischen Dampfers Aoaaan", daß in Dakar die Epidemie des Lrhen Fiebers Nachlasse und daß in den 14 Tagen ® , der Ankunft des Dampfers „Hoggan" in Da-

23 FieberfSIle festgestellt worden seien, von d-nen 10 tödlich verliefen. Dagegen berichtet die Besatzung des Dampfers „Hoggan , daß fte,160 Meilen von Las Palmas entfernt dem französischen Dampfer „Sybe l« begegnet sei, dessen gesamte Be atzung mit Ausnahme des Kapitäns und des 6riten Steuermannes am gelben Fieber erkrankt

die Reihe der Gesichte hervorruft. Ein wahres Mär- chenbild, prächtig in seinem Stimmungsgehalt, malt Storm, als das Kind Elisabeth inmitten einer färben- vollen Natur unter der Buche sitzt. Hier ist die Stirn- mung so stark, daß sie die Form der Prosa sprengt und

.viermal habe ich versucht, nach Amerika zu »««men. Do, letzte Mal bin ich bi, aufs Schiss gekommen. Da, zweite Mal erwartete mich ein Grüner in Berlin auf dem Bahnhof. Er fragte mich, wen ich hier suchte. Ich sagte, meinen Vater, und er sagt« darauf : ich will dich gleich mitnehmen, und — ou, war's. Dar dritte Mal war ich schon In Hamburg, aber mein Kamerad Fritz Fromm sagte einer Frau, daß wir nach Amerika wollten. Da nahm sie uns mit in ihre Wohnung und telephonierte an die Polizei.

Das ich mithatte? Ein Taschenmesser, Vater« alten Brotbeutel und meine Briefmarkensammlung, »eil ich unterwegs immer Marken verkauft habe, wenn ich Geld brauchte. Und dann hatte ich mir aus Mutter» Küche ja zwei Pfund Kathreiner, Malzkaffe« mitgenommen, den mit dem Bild vom Pfarrer Kneipp drauf. Ich hatte ihn mir zu Haufe gleich gemahlen. Und ick hab« ihn dann so gekocht, wie es hinten auf dem Paket abgedrurkt ist. Ganz genau so. Dos hat dann immer sehr schön gerochen, genau wie bei uns zu Hause am Kaffeetisch. Mir ist dann immer ganz froh geworden.

Mutter brauchte auch nicht zu schimpfen, weil 1d) ihr was weaqenommen habe. Denn sie sagt jo selbst immer, 12 Tassen Kathreiner kosten nm S Pfennige, und sie sagt auch, daß man gesund bleibt, wenn man immer Kathreiner trinkt. Und ich habe die vier Taae auch fein au-gehalten, bi, tch auf» Schiff kam. Also bitte!

Jetzt habe ich eingesehen, daß ick erst auf der Schule was lernen muß, damit ich richtig Geld ver­dienen kann. Sonst komme ich doch nicht bis nach Amerika,"

selbst: „In halbvisionärem Zustande — seit meiner Jugend haftete dergleichen an mir — hatte ich ein Menschenleben vorübergehen sehen" („Ein Doppelgän­ger"). Das Kinderidyll ist das erste Bild: die Märchen- szene im Walde mit ihrer vezaubernden Naiurschilderung, Reinhold und Elisabeth beim Pslanzenordnen unter dem Schnurren des Spinnrades, der Aufenthalt auf Gut Immenser, das nächtliche Erlebnis (Wasserlilie): sie alle bilden eine Reihe fein abgetönter Stimmungsbilder. Schwingt schon in dem Bilde „Daheim" ein dunkler, unheilvoller Ton (Erich) über dem Ganzen, so formt sich in dem Bilde „Meine Mutter hat', gewollt" ein Kernstück von größter Bedeutung. Eine kontrastie­rende Stimmung führt die Gestalt der Zigeunerin her- bei, mit der das Clement heißer Sinnlichkeit in die weiche Stimmungswelt hineinflackert. Bestimmte Schau­plätze, die für die Handlung wichtig sind, kehren an be­deutungsvoller Stelle wieder.

Weich wie die Natur sind die Menschen. Sie sind Heb und stelenvoll, aber in ihrem Wesen ist nichts Festes. Reinhard, der poesievolle, gute Mensch, kann beim Abschied das erlösende Wort nicht finden und ver- scherzt sich so sein Glück selbst. Kann man mit seinem liebeleeren Geschick Mitleid haben? Nein! An Storms Menschen fesselt das seelenvolle Auge. In den dunklen Augen des Alten scheint sich „die ganze verlorene Jugend gerettet zu haben": Elisabeth sieht Reinhard „mit schwe­sterlichen Augen" an, und die Zigeunerin begehrt hastig, Reinhards Augen zu sehen, und dieser trinkt auf ihre „schönen, sündhaften Augen". Neben den Augen ist für Storm die Hand, die zarte Frauenhand der Ausdruck der Seele. So läßt er die Hand Elisabeths verkünden, was der Mund verschweigt: „So glitt sein Blick herunter und blieb auf ihrer Hand: und diese blasst Hand verriet ihm, was ihr Antlitz ihm verschwiegen hatte. Er sah auf ihr jenen feinen Zug geheimen Schmerzes, der sich so gerne schöner Frauenhände bemächtigt, die nachts auf krankem Herzen liegen".

Einen besonderen Stimmungsgehalt der Novelle bringt das starke Hineinweben volks liederartig er Elemente, die »um welenllicken Bestandteil werden.

sie fliegen über Land wie Mariengarn, hierhin und dort­hin, und werden an tausend Stellen zugleich gesungen. Unser eigenstes Tun und Leiden finden wir in diesen Liedern; es ist, als ob wir alle an ihnen mitgehoistn hätten."

Der Ausdruck der ganzen Tragik ist dann das echt volkstümliche Lied „Meine Mutter hat's gewollt", das die ganze Situation blitzartig erhellt. Es ist ein befon- derer Kunstgriff Storms, daß er dieses Lied, das Sern- stück der ganzen Novelle, durch einen Zufall zum Vor­schein kommen läßt:

Meine Mutter hat's gewollt, Den andern ich nehmen sollt': Was ich zuvor besessen, Mein Herz sollt' e» vergessen: Das hat es nicht gewollt.

Meine Mutter klag' ich an,

Sie hat nicht wohl getan;

Das sonst in Ehren stünde, Nun ist es worden Sünde, Was fang ich an!

Echt volksmäßig sind die Worte im 2, Vers der 2. Strophe. Sie lauteten ursprünglich: „Was ich st süß empfinde." So wird die begrabene Liebe wieder erweckt. Nun ist die schöne Welt dahin. Die blühende Erika ist verwelkt, die schönen Züge der Zigeunerin sind verstört, und ihre sündhaft schönen Augen blicken irr. Abschied. Leer liegt die Welt.

Ein lyrisches Gedicht, in der äußeren Form der Prosa, ist die Novelle „Immensee" mit ihrer reichen Gemüts­welt. 5n der ersten Fassung war das Leben Reinhards nach der Trennung geschildert: in kleinbürgerlicher Enge. Mit Recht hat der Dichter diesen Ausgang, der alle Stim­mung zerstört, beseitigt. In reiferen Jahren hat Storm Größeres geschaffen. Aber die Grundlage seiner Er- zählungskunst hat er in „Immensee" gelegt. Wie der Direktor selber später über diese seine Iugenddichtung dachte, sprechen seine Verse aus:

Aus diesen Blättern steigt der Duft des Veilchens, Das dort zu Haus auf unfern Heiden steht Jahraus und ein. von welchem keiner muß», Und das ich spater nirgends wird« stnd.

sich zum Vers formt:

Sie sitzt In Thymiane, Sie fitzt in lauter Duft; Die blauen Fliegen summen Und blitzen durch die Lust.

Und dann der Ausdruck des Märchens:

Sie hat die gottmen Augen Der Waldeskönigin.

Seinen Höhepunkt erreicht das Zusammenweben mit der Natur in Reinhards nächtlichem Schwimmen nach der unerreichbaren Wasserlilie, die „fern und einsam über der dunklen Tiefe" lag. Sie wird zum Symbol der Novelle; sie bleibt die letzte Vision des Alten, die Ver­körperung des Unerreichten: „Allmählich verzog sich vor seinen Augen die schwarze Dämmerung um ihn her zu einem dunklen See; ein schwarze, Gewässer legte sich hinter das andere, Immer tiefer und ferner, und auf dem letzten, so fern, daß die Augen des Alten sie kaum er- reichten, schwamm einsam zwischen breiten Blättern eine weiße Wasserlilie."

Reich ist die Novelle an echter Dolksliedtragik. Wie im Liede, so ist auch hier Liebesleid das klagende Grundmotiv, das mit verhaltenem Schmerz das Ganze durchzittert. Wie im Volkslied brennt heimliche Siebe im Herzen beider, st heiß, wie kein Feuer und keine Kohle. Schmerzlich klingt die alte Weise von Scheiden und Meiden .als Reinhard von Elisabeth Abschied nimmt. Nur ein Brief hält die Beziehung aufrecht: ein Brief kündet vom verlorenen Sieb (Volkslied: .Hetzt kauf' ich mir Tinte und Feder und Papier"). Nun kehrt Mein- hard zurück. Mit schmerzender Seele muß er erfahren „mein Liebste ist verschwunden". Diese Bedeutung de, Volksliedes wird noch äußerlich unterstrichen durch Rein­hards Vorliebe für Volkslieder, die er sammelt. Dichte- risch geschaut, doch der Wirklichkeit nicht entsprechen«!» ist Storms Erklärung des Begriffs „.Volkslied": „Sie wer- ben aarnicbt eemaebt: ße wackle», li» lallen «u» her Quft

Baker Skaak, die Amselmukker unb die Befolbungstefotm. — Eine Boheme. ®®6 ®uique <uum der Dorfiersfrau. - Schul- unb Politik. - Neibharbt mit bem vollen firopf.

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M 9 Mr 1 biennal nach Amerika - beinahe!

Das Beispiel großer Abenteurer wirkt an­steckend. Glückt einem ein tolles Stück, so wollen hundert andere es ihm nachmachen.

Der Ruhm der Amerika—Europafahrer ließ den kleinen Hans Hrll aus Cottbus nicht schlafen/ Der braungebrannte Bengel erzählt unserem Bffrichterftotter:

Storms „Immenses".

75 Jahre seit Erscheinen der Erstausgabe.

Don Willi Beils. Hünfeld.

3m Jahre 1852 erschien die erste Einzelausgabe von derjenigen Novelle Theodor Storms, die den Ruhm des Dichters begründete und die wie keine andere Verbrei­tung gefunden hat. Bereits 1857 konnte die 5. Auflage erscheinen. Wenn Storm 1884, als bereits sein Lebens­werk fast abgeschlossen vorlag, in einem Brief an Gott- fried Keller klagt: „Nur Einzelausgaben der ältesten Sachen machen Auflagen," so denkt er an seine Früh- dichtung „Immensee", deren großer Erfolg, gemessen an seinen reiferen und wertvolleren Novellen der Folge- zeit, ihm unbegreiflich schien. Doch muß*er auch später noch von der dichterischen Schönheit dieser Jugendnooelle überzeugt gewesen sein, da er sie einmal seinen Eltern gegenüber „eine Perle deutscher Poesie" nennt

Es ist für Storms Novellen, besonders aus der Frühzeit, („Jmmensee" 1849) charakteristisch, daß sie aus der Lyrik hervorgegangen sind. Diese Herkunft erklärt ihren gerade für Storms Epik eigenen Charak- ter. Storms Lyrik ist echt: innerstes Erleben strömt in Verse aus. Zarteste Schwingungen einer tief fühlenden Dichterseele verdichten sich zum melodischen Ausdruck, und Rahmen. So weist die Lyrik die gleiche Bedeutung der (Erinnerung auf, die ja für die Novellen so charak- ieristisch ist.

Diese lyrische Charakter bringt einen reichen Stirn- Mungsgehalt hervor. In weichen, mimosenhaften Bil­dern, denen jede scharfe Umgrenzung fehlt, gleiten Men- fchen und Geschehnisse am Auge des Lesers vorbei. Traumhaft — holde Natur, verklärt in seliger Jugend- empsindung, schafft Stimmung in Umwelt und Hinter­grund.

So knüpft auch in .^Jmmensee" die Erinnerung an eine klare Situation an. Wir gehen mit dem freund- lichen, stillen Alten beim Abendsonnenschein hinauf in das von ahnungsloser Dämmerung umwobene Stüb­chen und erleben mit ihm durch das Mittel des gleiten­den Mondstrahls die resignierende Vision beseligender Sugenbbilber. Wie die einzelnen Stufen die „poeti- fchen Spitzen aus einem Lebensroman" hinzaubern, so i braucht auch die Sprache bei dem Reichtum des Gefühls i wenige Worte: „Elisabeth", sagte der Alle teile:

r. Blair.

Druck bet Fuldaer «ctieudruckerei, S«Iba

die Azetylenlaterne der Radfahrer geblendet und sprana in riesigen Sätzen auf die Radfahrergruppe zu. Das Tier fprar- dann in rasendem Tempo nach der Havel hinun r. Der gestürzte Radfahrer batte durch das Geweih des Tieres eine starke blu- sende Stoßverwundung davongetragen.

♦ Schöffemvahl mif blutigem Ausgang In Ober- fchlesien. Bei den Neuwahlen der Gemeindefchöf- fm in Emanuelssegen bei Königshütte wur­den drei Polen und ein Deutscher gewählt. Schon während der Wahl kam es zu unliebsamen Auf­tritten. Als nach der Wahl einige der Beteiligten bas Lokal verließen, warf der Gemeindeschöffe kLofta'ewicz dem von der deutschen Partei gewählten Schöffen Burzan ein Bierglas nach, das aber sein Ziel verfehlte und an der Wand zerschellte. Er stürzte sich dann hinterrücks auf Burzan und ver­letzte ibn schwer durch zwei Messerstiche in den Kopf._______________

Theater und Musik.

--- Der Exkaiser wehrt sich gegen seine Darstellung Aif der Bühne. Gegen die von Piscator in Berlin vorbereitete Aufführung des Tolftoifchen „Rasputin" mit einer Darstellung des früheren Kaisers Wilhelm II. hat dieser, laut „Vofsiscker Zeitung" durch seinen An- walt Einspruch erheben lassen. Er hat zunächst Piscator unmittelbar auffordern lassen, von seiner Dar- stellung abzusehen. Sollte Piscator dies ablehnen, fo Derbe er gerichtliche Entscheidung berbeifübren. Wil- beim II. beruft sich auf das unter seinem Regime erlas- iene Gesetz vom 9. Januar 1907, nach dessen Paragraph 62 „Bildnisse nur mit Einwilligung der Abgebildeten oerbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden dür­fen. — Wie das „Achtuhrabenbblatt" erfährt, beabsich- iigt der Berliner Theaterdirektor Piscator, es auf bte vom Kaiser angedrohte gerichtliche Entscheidung an- kommen zu lassen und unter allen Umständen die Ge­statt des Kaisers auf die Bühne zu bringen.___________

SlerbefSll« vom 14. 10. Hs 21. 10. 27.

14. oruVi SÄ Markus Goldsckrmdt «5 3 6 TO 24 I. Ilaria «erl rianna bzopa, $16 Oft: Privatin Witwe

geb Beck 49 3 11 St!\ 17. Olt.:

Sophie Kircher geb. <Sdjafer 52 3. 3 4 $orae

68 5. 7 TO. 23 ssaioar 19 Oft1 Metzgermet- aus Gläserzell 39 5. 3 M. 17 X. ^L) Hheftau reÄsysrsf»im ”» 9 TO. 26 T.

• Italienische Schiffe wegen Fischens in stan- zösischen Hoheitsgewässern beschlagnahmt. Harms meldet aus Bizerta, daß französische Torpedoboots »erstörer des Flottenstützpunktes Bizerta, Die mit ber Küstenüberwachung betraut waren »wer große italienische Schaluppen beim AsHfang m französischen Hoheitsgewassern .überrascht haben. Die Schiff«' und das Fangmatertal wurden be­schlagnahmt. ,

graue Haare wachsen. Wir waren uns Knenug darüber, daß solche Fragen, müssm he ft”1 “J den Parteien behandelt werden, bo6 tott bm V« feien stehen sollten. Wir kömren doch n£t ent I«« wechselnden Reichstagsmehrhe.t auch die Methoden unserer Erziehung ändern. Danimhllfthle nichts, als jedem das Seme zu gönnen. WaS^e Kinder betrifft, so ist alles ber toten der Eltern. Mit Herzensangelegenheiten aber treibt man keinen Parteischacher. Sn btt $ » ziehungsfragen sind kerne politischen Tmtschobiekfe, Und nun sprachen wir über die AtigenGrund sätze in einem Volksstaat, von. ber Retfjert des Bürgers und von den notwendigen Refounen des Parlamentarismus. An unserem Tisch wir nämlich alle sozusagen Parlamentarier, rnch wegen der guten Supp en der PorftrerSsrau, sondern weil wir gegen alle deutsche ^.°h^ten ftttmuttg untereinander, obwohl wir gttvitz verschl ften Parteien angehörten, über Polrttk sprachen. Wir hielten das einfach für eine ®f&« be8 ®ta«* bürgers von heute, der sich verantwortlich suhlt für I alles, was im Staate geschieht. Aber Grund­satz, daß niemand sich dabei erhitzen dürfe und daß alle zuerst Menschen und Deutsche, seien und her­nach erst Politiker. An unferm Tisch hatte wahr- | hastig selbst ein Bayer friedlich mit einem Preußen RI können, und für alle Fälle £ noch der Löffel der Porttersfrcm mit fernem un-

. widersprechlichen Cuique suum ....

Trotz der wirren Zeiten gingen wir bann in schönster Eintracht m den Garten hinter dem HauS, um noch ein wenig das Schauspiel deS Herbstes zu genießen. Merkwürdig, wie diese Natur auf unS wirkte. Wie von selber vetttummfe die billige Red- seligkeit der Wohlgmährcheit. Die Men Beete nahmen uns gefangen, wo zarteste Oktoberssen im leichten Nebel träumten. Herb und weich zugleich senkten sie die Köpfchen, als lauschten sieSolwesgs Lied. Die Kapern hingen wild durcheinander, alS hätte ein Sturm sie zerzaust. Astern und Stroh­blumen aber, späte Kinder der alternden Natur, grüßten freundlich die Sonne, war doch der einzige Frühling, den sie kannten, eben der Herbst, der diesen Kindern zuliebe so mild und lieb fern kann, wie ein Großmütterchen, wenn es em Enkelkind auf den Armen wiegt. Dom Acker draußen horfe man von Zeit zu Zeit das Hot und HLh d^ Bauern, der über dem guten Wetter zur Feldbe­stellung schon den einen oder andern Erntekummer vergessen hat. So begräbt Hoffnung immerfort daS Leid, und so spinnt sie über alle vergangene Herr­lichkeit den immer noch herrlicheren Traum. Die großen Bäume aber stehen da, nachdem sie alle Kraft in sich zurückgenommen haben, ftumm unb stark. Wissend um das Dauernde in ihnen, daS immer nieder neue Frühlinge bringen wird, schen­ken sie spielend ber Vergänglichkeit Hre schönsten Farben. Künstler sind sie, die das Schicksal eines Sommers erfahren haben, unb bte nun des Lebens Reichtum malen in unerschöpflicher Farbenpracht. D, tote reich ist das Leben, so sudeln fte voll stillen Glückes, unb sie laben noch einmal die Sonne zum Fest, und es leuchtet in ben alten Kronen, und es flammt und es blinkt wie ein einziges unge­heures Märchen, so voll von Kinderglück, und Altersweisheit, wie nur der Tod sie erzählen kann, der nahende Tod, der schon hinüberblickt m das bessere Land und seine Farben dorther leiht, um sie noch einmal über die Täler ber Menschen zu zaubern .... Auf dem Giebel des Nachbarhauses aber sitzt eine dicke Taube. Sie hat das Gefieder gesträubt und den Schnabel in den mächtig vor- quellenden Kropf gesenkt. Ihr Auge scheint ver- drosselt zu blinzeln, und das ganze Tier sieht wahrhaftig aus, wie Griesgram und Neid .. . . Dieser böse Täuberich sinnt offenbar nach über bte Besolbungsreform und ärgert sich, daß er nicht mit dabei ist .... Watte nur, balde .... Dein Kropf ist ja noch voll genug .... alter Neibharbt .... Cuique suum....

Wenn Vater Staat einmal in ben großen ©adel greift, um einige feiner Kinder etwas aufzubesfern, dann erlebt man immer ein lieblich-komisches Lt» eignis. Es ist, als wenn die alte Schwalbe ober noch besser die Amselmutter den Jungen un Nest eine köstliche Atzung bringt. Schau nur zu, tote da die Schnäblein über ben Nestrand bmausstreben und sich weit öffnen unter unendlichem Gezwitscher. Wer wird den fetten Wurm bekommen? Gib ihn mir, gib ihn mit, bitte, bitte. Ich brn der ärmste, dem andern qehts noch gut, gib ihn mit, gib tf)tt

■ Und es gibt em Geschrei

mir, bitte, bitte .... —- — ->—. und ein Getue, als sei dieser Wurm des Schicksals letzter Sinn. Die schönen Vöglein scheinen aus. ein­mal nur noch Schnäbel zu fein,, offene, geffafpge Schnäbel, glucksende Löcher eines ungeheueren Appetits .... Man sollte es nicht glauben, daß aus diesen Schnäblein jemals eine unsterbliche Me­lodie, ein himmlischer Triller .eine sehnsüchtige Trauerweise erklingen werde, scheinen sie doch nur da zu sein, um Würmer zu fressen, schmutzige, feifte fveckiae Würmer ... . O Vater Staat, du Mnln manch; offene Schnäblein zu füllen sieh zu, ob du auch Würmer genug für sie alle hast.

Immer wat es friedlich zugegangen in unserer Boheme, wo eine dicke Pottiersfrau den großen Löffel als Szepter führte. Es gab da Beamte und Arbeitet, Gelehrte und Dichtet, unb immer hatten 1 sie sich vertragen. Aber heute ist bet Studien, assessot unter uns ganz wild geworden, als ihm | ber Kaufmann die Gehaltserhöhung nicht gönnen wollte, und ber Hauer, der einige Hundert Meter tief unter Erde wirkt, schrie es förmlich heraus, daß er etwas mehr verdienen müsse, als em Strecken- Wärter, der von Zeit zu Zeit einmal em paar Drähte stramm zu ziehen habe oder als em Pedell, der den ganzen Tag mit Akten spazieren gehe. Der Assessot wat denn auch vernünftig genug, zuzu- geben, daß das Los des Hauers unbedingt ver­bessert werden müßte und auch verbessert werden könne, anerwogen die Industrie doch nicht schlecht verdient habe, was natürlich den Direktor vom • an en Hüttenwerk in Hämisch brachte, sodaß er ein recht rührseliges Lied von Dawespatt und schweren Zeiten sang. Die dicke Pottietsfrau aber gab jedem aus ihrem Riesenlöffel die dampfende Erbsensuppe in den Teller, und es klatschte sedesmal wie ein Cuique suum, einem Jedem das Seme... Diese prachtvolle Suppe wirkte auf alle wie eine vorläufige allgemeine Gehaltserhöhung und tote eine grundsätzliche Erklärung, es werde m Zukunft alles besser werden unb die Sättigung aller Magen stehe sozusagen in sicherer Aussicht. Den erprobten Grund­sätzen unterer abenteuerlichen Tafelrunde gemäß verkündete ein Dichter unter uns das unveräußer­liche Recht des Menschen auf em gutes Mittags- mahl unb feierte es als bte einzig haltbare Grund- läge der Ruhe im Staate. Ja, es hange die edle Humanität und die nachmittägliche Behagllchkeit wesenhaft zusammen, und alle Staatslenker hatten bas gewußt. Darum gönnet einander, was jebem frommt. Unb noch einmal erzählte der Assessor von einer Beamtennot, bte vielen unter uns doch un- bekannt war, unb selbst ber Hauer war zufrieden, zumal wir alle versicherten, wir würden einmütig einen Antrag an die Industrie richten, da dte Fa- miste eines Bergarbeiters doch mit ihren fünf ober sechs Köpfen von ben nach allen Abgaben noch rest­lichen 160 Mark im Monat nicht leben könne . Nein, wir wollten alle verstehende Menschen bleiben und niemals die Magenfrage zur einzigen des Le­bens machen. Wirklich, es geht nichts über eine richtige Boheme, ich meine eine anständige, wo fo allerlei Titel und Würden in einer Gesellschaft zurücktreten vor dem Menschen unb ferner Seele. Wir waren gewiß ber interessanteste Mittagstisch im ganzen Viertel, und wir schwuren uns zu, daß keine Besoldungsaffäre unser gutes Einvernehmen stören werde, worauf ber Assessor denn in ber Freude seines Herzens eine treffliche Runbe ver- sprach, sobald er zum ersten Male die erhöhten Bezüge in ber Tasche habe ....

Politik störte uns sonst in unserem Kreise nicht. Nicht einmal über das Schulgesetz ließen wir uns

unb wie er die Zeit oerwan- , Die für bas $0 tsUeb 0 y qe enge «=u„2

S.M. i„ nunpnb * zwischen Natur und Mensch Ist aucy sur „«jmmenjee

In lose aneinander gereihten'Bildern gleiten die ein- ' charakteristisch. Es ist der Fingerzeig^des^Mondes^der zelnen Erinnerungsvisionen vorüber. Der Zusammen- I hang läßt sich oft nur erraten. Daß diese Art des | Rückschauens dem Dichter eigentümlich ist, bezeugt er

fei-

* Die Ergebnisse der Referendarprüfung. Der vreußische Iustizmmister hat dem Landtag eine Uebersicht über die Ergebnisse der ersten juristischen Prüfung bei den einzelnen Oberlandesgerichten für tie Jahre 1925 unb 1926 zugehen lassen. Danach finb im Jahre 1925 nach ber Prüfungsordnung Lon 1913 1240 Kandidaten unb nach der Ausbil- bungsorbnung von 1926 deren 650 geprüft wor­den Im Jahre 1926 war die Zahl der Prüflinge ! nach der alten Ordnung 267, nach der neuen Ord­nung 1711. In beiden Jahren ist die Verhältnis- zahl ber N'chtbestandenen für die alte Prüfungs­ordnung schlechter als für die neue Ansbilbungs- ardnung, nämlich für 1925: 33,39 v. H zu 24,62 p. H. unb für 1926:39,70 0. H. zu 28,76 v. H.

* Die Massenvergiftungen in Hagen. Zu den Massenvergiftungen in Hagen, die durch den Genuß von Nußtorte verursacht wurden, wird be­achtet, daß die bakteriologische Untersuchung der lortenrefte ergeben hat, daß die Ursache der Er­krankungen in einem zur Typhusgruppe gehören- ben Bazillus zu suchen ist. — Sämtliche' Erkrankte befinden sich außer Lebensgefahr.

> • (Ein Radfahrer von einem Hirsch umgeranul. Gin seltener Unglücksfall ereignete sich im Ber - liner Grünewald, zwischen Kaiser-Wilhelm- Turm und Schildhorn. Drei Radfahrer bemerkten abends plötzlich auf der Ehausier einen großen Hirsch. Das Tier wurde wahrscheinlich durch

Bel Wtaö-Jan litt® tauft man elelhlffip Birnen non 5 Serien an zn erW'gten Breifee