uldaerZertung
Sonntag, 23. Oktober 1927
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es soll ihm auch nicht verdacht werden, wenn er Be< denken, die er hat, mitteilt. Durch die $ e r öf« fentlichuna eines derartigen Schrittes aber er- hält sie den Charakter einer Einmischung in die innerdeutschen Angelegenheiten, und eine solche mutz entschieden zurückgewiesen wer-
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
Familien mit Kindern.
Abg I or gier (Komm.) bezeichnet die Aufbesserungen für die unteren und mittleren Besol« dungsqruppen als vollkommen unzulänglich. Die Magdeburger Rede fei ein einziger Bluff und aufgelegter Schwindel gewesen. (Vizepräsident Dr. Rietzer ruft den Redner zur Ordnung). Ein Ministerialrat erhält im Monat eine Zulage von 200 Mark, ein Postschaffner 20—25 Mark.
Abg. Drewitz (Wirtsch. Vgg.) gibt eine kurze Erklärung ab, wonach sich seine Fraktion ihre Stel- -wnabme bis nach den Ausschußverhandlungen vorbehält.
Abg. Dr. Frick (Rats.) bezeichnet eine durchgreifende Besoldungserhöhung als unbedingt erforderlich angesichts der Notlage der Beamten. Lohnaufbesserungen für die übrigen Arbeitnehmer
Auch der Abgeordnete Scholz nimmt für die Deutsche Volkspartei diese Gedankengänge auf.
Der Führer der Bayerischen Dolkspartei, Abgeordneter Leicht, stellt die Notwendigkeit eines Einvernehmens zwischen Reich und Landern in der Deckungsfrage in den Vordergrund.
gen von Festlichkeiten in Berlin einen Umfang angenommen haben, der sich mit den w i r t s ch a f t l i ch e n und s o z i a l e n Verhältnis-
und Preissteigerungen würden freilich nicht zu vermeiden sein.
Abg. Henning (Völk.) meint, wenn man von einer Erhöhung der Ministergehälter und Abgeordnetengehälter absähe, könnten viele jetzt in der Vorlage noch bestehende Ungerechtigkeiten beseitigt werden. . v
Damit schließt die Aussprache. Die Vorlage wird dem Haushaltsausschusse überwiesen.
Dei Reichstag tritt dann in die Beratung der Novelle zum Reichsversorgungsgesetz ein, die von Reichsarbeitsminister Dr. Brauns begründet wird. Nach dem Entwurf sollen die Renten der Kriegshinterbliebenen um 9,3 Prozent erhöht werden. Die Mehraufwendung für das Reich beträgt jährlich 205 Mill. Darüber hinaus könne die Regierung nicht gehen.
Die Regierungsparteien und die Wirtsch. Vgg. lassen durch den Abg. Thiel (DVP.) eine Er- klärung abgeben, in der die Vorlage als ein bedeutsamer Fortschritt bezeichnet wird und Verdes- serungen für die Ausschußberatungen vorbehalten werden. . _ r _
Die Weiterberatung wird dann auf Samstag vertagt.
Der Brief des Reparationsagenten.
Das Schreiben des Reparationsagenten Parker Gilbert an das Reichsfinanzministerium, das sich I mit den finanziellen Auswirkungen der letzten von der Reichsregierung eingebrachten Vorlagen beschäftigt, findet in sämtlichen Berliner Blättern qrößteBeachtung. Es wird betont, daß von amtlicher deutscher Seite keinerlei Angaben über den Inhalt des Schreibens vorliegen, und daß man lediglich aus amerikanischer Quelle etwas über die Ausführungen Parker Gilberts erfahren habe. Danach soll Parker Gilbert zu der Schlußfolgerung gelangen, daß der Stand der I Reichsfinanzen die durch die Besoldungsreform, das Kriegsschädenschlußgesetz und das Reichsschulgesetz sich ergebende dauernde Belastung nicht vertrage. I Die dadurch bedingte Erhöhung der Reichsausga- I ben in den kommenden Etatsjahren mit ihren vol-
Auf dem posten.
Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat laut „Germania" in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, während der bevorstehenden R e i ch s t a g s f e r ien in jeder Woche und zwar Donnerstags nachmittags um 5 Uhr, Fraktionssitzungen abzuhalten, um die Fühlung mit den Ausschußberatungen (Schulgesetz und Besoldungsreform) aufrecht zu erhalten.
Die Rnleihe-praxis.
In erneuten Beratungen zwischen Reich und Ländern sind nunmehr die R i ch t l i n i e n d e r Beratungs st eilen für die Begebung von Ausländsanleihen im großen und ganzen festgelegt worden. Es bedarf jetzt nur noch einer Unterbreitung der Abmachungen an die ein«
den.
<E$n nernünftioer vescklutz.
Des Reichskabinett und die gesellschaftlichen Verpflichtungen.
Die Besprechung der R e i ch s m i n i st e r beschäftigte sich, laut „Täglicher Rundschau", mit dem Uebermaß an gesellschaftlichen Verpflichtungen. Man war sich darüber einig, daß die Veranstaltun-
Aufrollung schwerer Mnanzprobleme.
D?e Verhandlungen im Reichstag. — (Ein Schritt des Reparationsagenten. Die dornigen Hufgaben der Reichsregierung. — Die (Einigung im Streife gescheitert. — wieder Parlamentsferien.
Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
In den Mittagsstunden des Freitag wurde von Berlin aus in Abrede gestellt, daß der Reparationsagent beim Reichsfinanzminister Dr. Köhler einen Schritt gegen neue Ausgaben des Reichs unternommen habe. Das Dementi war unhaltbar, da der Reparationsagent gleichzeitig in der amerikanischen Zeitung den Wortlaut I seines Schreibens in der Angelegenheit veröffentlichte. Im Reichstag waren schon im Laufe des Freitag Vormittag von verschiedenen Quellen Mitteilungen darüber eingetroffen, daß der Reparationsagent im Auftrage der Entente-Regierungen und als Sachwalter des Dawesplanes einen offiziellen Schritt bei der Reichsregierung unternommen habe, der gewissermaßen einem Einspruch gegen die geplante Besoldungsreform gleichkäme. Selbstverständlich mußten derartige Informationen einen starken Eindruck im Lager der Parteien machen. An amtlichen Stellen war eine positive und klare Antwort über diesen Vorgang in diesem Zett- »unkt nicht zu erhalten.
Wie uns von besonderer Seite mitgeteilt wird, handelt es sich um folgendes: Tatsächlich hat der Reparationsagent schon Einwendungen gegen das von der Reichsregierung beabsichtigte Liquida- tionsschädengesetz erhoben. Das lag aber damals daran, daß die Reichsregierung den Plan hegte, die dafür erforderlichen nach mehreren hundert Millionen Mark zählenden Aufwendungen auf dem Wege der Mobilisierung der Eisenbahnobligationen vorzunehmen. Dagegen hat der Reparationsagent Einspruch erhoben mit dem Vor- behalt, daß diese Obligationen lediglich für die Sicherheit der Dawesverpflichtungen vorbehalten blie- | ben.
In gleicher Weise ist nun jetzt ein Schritt des Reparationsagenten tatsächlich erfolgt. Er geschah in Gestalt eines Schreibens an den Reichskanzler, stellt aber keineswegs etwa ein Veto gegen die geplante Reform der Gehälter dar. Die Ausführungen des Reparationsagenten bewegen sich vielmehr in folgender Richtung: Es wird zum Ausdruck gebracht, daß Befürchtungen bestehen müßten, ob die optimistische Annahme der Reichsregierung, auch noch im nächsten und den übernächsten Jahren die Mehraufwendungen aus den höheren Steuererträgen und der Steigerung derReichseinnahmen überhaupt entnehmen zu können, zutreffend sei. Es wird befürchtet, daß, falls bei einer Verschlechte- rung der Wirtschaft diese Möglichkeit nicht gegeben wäre, die Reichsregierung dann Deckungsmittel in Anspruch nehmen müsse, die als S i ch e r- heitfürdieErfüllungder Dawesverpflich- ; Jungen reserviert seien.
Diese ganzen Fragen haben bei der Debatte der Reichstagsvollversammlung, da es sich ja auch noch nicht um offizielle Mitteilungen handelt, naturgemäß noch keine Rolle spielen können. Um so mehr ! freilich werden sie nunmehr in den Ausschuß- (Beratungen eine Rolle spielen. Der Ernst und die Wichtigkeit der Deckungsfrage für die neuen Aufwendungen wird aber durch diese Vorgänge i ganz besonders stark wieder betont. Den Verhand- iungen des Ausschusses wird darum eine ganz außerordentliche Bedeutung zukommen, und es zeigte sich, wie richtig die Dispositionen der Regierungsparteien waren, als sie, in Voraussicht uiefer großen allgemeinpolitischen Wichtigkeit, den bevorstehenden Verhandlungen auch schon durch die Delegation ihrer Mitglieder entscheidendes Gewicht beilegten.
Die Relchstagssitzrmg.
gegenüber. Die zur Verfügung stehenden Mittel müssen sozial gerecht verteilt werden, um die wirk- Not lindern zu können. Die kinderlosen Fa- milien werden prozentual mehr aufgebessert als die
gäbe lediglich nur darin sieht, Agitation und Propaganda zu machen, die nicht gerade von einem hoch ausgeprägten Verantwortungsgefühl Zeugnis abregt. Den wenn er schroff betonen zu müssen glaubte, daß die jetzige Regierung Schuld wäre, daß die Beamten so lange warten mutzten, so mutzte man doch die Gegenfrage stellen, waS denn eigentlich die Sozialdemokraten getan haben, als sie in den verschiedenen Regierungen maßgebend und zum Teil führend gewesen sind.
Erat Westarp betont mit großem Nachdruck die wirtschaftlichen und sozialen Zu jammenbange dieser Frage. Er macht insbesondere cmf verschie- bene Anzeichen, so namentlich auf die fottschr«- tenbe Passivität ber Handelsbilanz und die zu- nehmende Verschuldung ber brutschen Wirtschaft an bas Ausland aufmerksam ,unb betont, daß alles barauf ankomme, eine neue Inflation zu verhüten. Es ist bemerkenswert, daß gerade bte Deutschnationalen unter biesem Gesichtspunkt bie Deamtenbesolbungsvorlage sehen.
Die Sentrumsfrafetton hatte als ihren Sprecher ben geschäftsführenden Vorsitzenden, Abgeordneten von (Suerarb vorgeschickt, ber bie Stellungnahme ber Fraktion zu diesem Probier- wie folgt umschrieb:
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Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.______:< ____________
len Reparationszahlungen würden Steuerer- Höhungen und vielleicht auch eine Gefährdung der Dawessicherungen bedingen. Wie die Blätter weiter erklären, handelt es sich nicht um einen f o r- mellen Protest Parker Gilberts, zu dem er nur bei Vorliegen eines Defizits berechtigt wäre.
Der „Lokalanzeiger" teilt mit, daß die Sorgen des Reparationsagenten Samstag in einer U n- terrebung zwischen dem Reichsfinanzminister und Parker Gilbert besprochen werden sollen.
Die „Germania" erklärt, daß man sich dem Schritt des Reparationsagenten gegenüber am besten so verhalten werde, wie es einem Vertrauensverhältnis zwischen Gläubiger und
D.D.Z. Berlin, 22. Oft. (Cig. Funkm.). Nach einem Beschluß des Aettestenrates des Reichstages ist in Aussicht genommen, heute bie Beratungen abzuschließen und erst am 22. November toiebei zusammenzutreten. Es soll bann bis zum 20. Dez. ohne Unterbrechung getagt werben. Ob heute noch bie Interpellationen zum Braunkohlenstreik beraten werben, wirb von ber Erklärung des Reichs- - - . - x _ , , arbeitsministers Brauns abhängen, die dieser zu
Abg. Schuldt-Steglitz (Dem): Meine Freunde Beginn ber heutigen Sitzung abgeben wirb. Die
stehen der Vorlage mit sehr gemischten Gefühlen sozialdemokratische Interpellation über die allge- "'-c"-----i mdne Wirtschaftslage wirb heute nicht mehr zur
Beratung kommen. In ben Tagungsabschnitt vom 22. November bis 20. Dezember soll auch bie erste Lesung des Etats für 1928 erledigt werden.
Unter nicht gerade günstigen Auspizien beschäf- flgte sich ber Reichstag in der Freitagssitmng nut ber Erhöhung ber Beamtengehälter auf ber ©runblage bet vom Reichskabinett einstimmig gebilligten Besolbungsformulare des Reichsfinanzministers. Zwischen'ber Reichsregierung unb dem Reichsrat hat sich eine Uebereinstirnmung in tier- schiebenen wichtigen Punkten nicht hetbeMhren lassen, sobaß bezüglich bieser Differenzpunkte dem Reichstag Doppelfassungen vorliegen. Der bisherige Verlaus ber öffentliche Debatte über biefe Frage ist nicht frei von allerlei Störungen gewesen. Zunächst hat eine starke Gruppe im Parlament bie Inangriffnahme dieses Problems schon im Frühjahr betrieben wissen wollen. Damals hat aber bie Reichsregierung — unb sie fanb dabei bie Unterstützung ber Mehrheit des Parlaments — noch abwarten zu müssen geglaubt, weil wir im Frühjahr noch in einer Depression ber Wirtschaft uns befanden unb bamals nur zögernb bie ersten Anzeichen einer Belebung der Konjunktur sich geltend machten. Tatsächlich hat sich nun zwischenzeitlich eine teilweise recht stark ausgeprägte Hochkonjunktur durchgesetzt, sodaß von diesem Standpuntt aus gesehen der jetzige Standpuntt für die Behandlung dieser Frage der bessere ist. Nun hat aber bie völlige Veränderung ber anfangs vorgesehenen finanziellen Grunblage eine merkwür- biqe Rückwirkung gehabt. Anfänglich war nämlich der Eesamtbedars für bie Besoldungserhöhung im Reich unb ihre Auswirkungen in den Landern und Gemeinden mit etwa sieben- bis achthundrtt Millionen Mark vorgesehen. Man war deshalb überrascht, als die Ankündigungen des Reichs- sinanzministers bei ber Beamtentagung in Magdeburg ein bis dahin nicht ermattetes Ausmaß dieser Erhöhungen zu erkennen gaben, sodaß bann bie Ueberrajchung um so großer wurde, als man feit»
Jrn Reichstag begründete bet Reichssinanzmimster
Dr. Röhler
seine Vorlage, die er zweifellos mit innerer Wärme verteidigte. Er schilderte zutteffend die unbesttett- bare Notlage ber Beamten, die seit drei Jahren aus eine organische unb systematische Regelung ihrer Bezüge warten müßten. Er hatte durchaus recht, wenn er die Bedeutung des Beamtentums sür den Staat und gerade für ben Staat von heute, charakterisierte. Den obersten Grunbsatz, baß bie Finanzen bes Reichs unter allen Umständen in Ordnung gehalten werden müssen, macht er sich durchaus zu eigen unb er spricht aus, batz bie Reichsr eaierung deshalb gerade bie Deckungs- frage besonders sorgfältig geprüft habe. Bezüglich dieser Frage glaubt et zusagen zu können, daß sowohl bie für bas noch lausende Etatshalbjahr 1927 erforderlichen Aufwendungen von 155 Millionen Matt durch Ausgaberninderungen und Einnahmesteigerungen gedeckt und ebenso die für das Etatsjahr 1928 erforderlichen Mittel beschafft werden können, ohne daß zu Steuererhöhungen aus diesem Anlaß übetgegangen werden müßte. Dabei machte Köhler die wichtige Feststellung, baß nicht nur ber Etat für 1927 ohne Defizit abschlie- ßen, fonbern auch ber Etat für 1928 in sich balancieren werbe. Köhler warb einbrmglich und leb- hast für bie möglichst beschleunigte Erle- bigung bieser Vorlage, um nicht nur den Beamten zu Helsen, sondern auch in bie organische Entwicklung bes beutschen Beamtentums Ruhe und Festigung zu bringen.
Darauf nahm ber sozialbemokratische Abgeorb- nete Steinkopf als Sprecher bet sozialdemokratischen Fraktion das Wott. der aber seine Aus
stellte, batz ber Mehraufwand für solche Erhöhungen für Reich, Länder und Gemeinden zusammen etwa bas Doppelte ber ursprünglichen Summe, nämlich 1,5 Milliarden Goldmark auSmachte.
Tatsächlich haben ja. wie sich vielfach feftstellen I läßt, bie Ankünbigungen über bie geplanten prozentualen Erhöhungen zu Preissteigerungen für bie wichtigsten Lebens- unb Bedarfsgegenstände in demselben prozentualen Umfang gefühtt. Daß diese Frage schließlich dann auch ihre Auswirkungen auf bie Löhne unb Gehälter ber Arbeitet und Angestellten, ferner aber auch auf die I finanzielle Situation ber Klein-, Invaliden- und I Sozialrentner haben werde, ist wohl anfängud) I nicht vorgesehen worden, ergibt sich nun jetzt I aber, nachdem bie Fraktionen gufammengetreten I sinb unb bie gesamten mit biefen Dingen verknüpf- I ten sozialen unb Wittschaftsftagen einer grünblichen Erörterung unb Prüfung unterzogen haben, in I voller Schärfe. Das hat bann zur ernsten De- hanblunz ber Frage geführt, ob unter biefen gegenwärtigen Verhältnissen und bei ben weitreichenden I finanziellen Folgen, nicht zuletzt aber bei der jetzt I schon zu beobachtenden Tendenz bet PreiSerhohun- | gen auf allen Gebieten des täglichen Lebens unb I des täglichen Bedarfs, ber jetzt vorgesehene Aus- gabenetat in biesem Umfang gehalten werden könne. I Wenn auch die Reichsregierung glaubt, bte Deckungssr age burch Denninberung bet Ausgaben einerseits, wie anbererseits burch eine Steigerung bet Einkünfte ohne Erhöhung bet Steuern burchMren zu können, so ist boch, unb zwar gerabe, weil bamit ber Vorwand für allgemeine Preissteigerungen wegfallen würbe, nachbrücklichst barauf zu achten, daß bte Preiskurve nicht aus Anlaß bieser Maßnahme ungerechtsettigt in bie Hohe getrieben wirb.
Wie wichtig im Parlament all diese Dinge angesehen werben, ergibt sich daraus, daß die Re- gietungSparteten nicht nur ihre Parteiführer zu I den Erklärungen ihrer Parteien über die Dorrna- im Reichstag vorgeschickt, sondern baß sie btefe Führer, weil es eben in bet Hauptsache auch bte großen politischen Probleme zu behanbeln gilt, als Vettreter ihrer Fraktionen in ben HaushaltsauS- schuß delegiert haben, bet bie Frage bet Deamten- besoldungserhöhung zu prüfen hat.
Die Verhandlungen im Reichstag, soweit sie in der Vollversammlung stattfanden, haben nur ein recht schwaches Spiegelbild dessen, was an all Diesen Dingen nach ber politischen, wirtschaftlichen unb sozialen Seite hin zur Erörterung steht und tote sich in biefen Dingen bie Meinungen schneiden und I streiten, unb wie stark bie Gegensätze sind. 3n der Tat scheint eS so, als wenn btefe Frage ber De- amtenbefolbungserhöhung zum Ausgangspunkt für bie Aufrollung des gesamten Problems unserer Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolittk gemacht werden soll. Darüber hinaus aber steht das ben Lebensnerv ber Struktur des Reiches berührende Problem: Länder und Reich beherrschend mitten in der Debatte, und bei all dem sind totr bet allen zusätzlichen Ausgaben, insbesondere auch im Hinblick auf den mit dem nächsten Jahre wirksam I werdenden Mehrbedarf von 400 Millionen Mark für bie Reparationszwecke immer I toieber bett Einspruch bes Reparations- agenten zu gewärtigen haben. Hemmungen von bieser Seite sinb in letzter Zeit wiederholt erfolgt unb mit ein Grund für bte vorläufige Unmöglichkeit ber Verabschiedung des KnegSschäden- gesetzes ist ja die Tatsache, baß ber ReparationS- agent bie vom Reich geplante Verwertung ber Reichsbahnobligationen für diesen Zweck nicht zu- läßt.
Die ZentrMnsfraktion hegt schon seit Jahren den Wunsch nach einer Neugestaltung der Besttdungs- grunblage für bie Beamten unb sie hat bte Berechtigung bieser Forderung immer wieder anerkannt. Die Fraktion hat es außerordentlich bedauert, baß bisher feine Möglichkeit zu einer durchgreifenden Regelung bieser Frage lich bot. In ben letzten Jahren haben wir uns unter dem Druck großer Arbeitslosigkeit befun- den und in einer Zeit, in der zwei Millionen Arbeit-- lose vorhanden waren, und gleichzeitig die dringenden Bedürfnisse der Invaliden-, Sozial- und Kleinrentner befriedigt werden mußten, um sie den wirtschaftlichen Anforderungen gegenüber wenigstens in etwa zu wapp- nen, war es unmöglich, für diese Zwecke außerordentliche Aufwendungen zu machen. Erst mit ber Festigung der Wirtschaftslage konnte man dazu übergehen, Es barf auch nicht vergessen werben, daß bie von dem, Dem Zentrum angehörenden, Finanzmimster geführte Finanzpolitik die materielle ® tun bla g e für bte Beorbnung dieser Dinge gegeben hat. Die Zentrums fraftion begrüßt es daher daß ^e Reichsregierung be- schlossen hat, ben lang gehegten Wunsch ber Beamten tchaft auf eine Erhöhung ihrer Bezüge zu erfüllen. Allerdings muß diese Vorlage auch vom wirtschäft- lidjen und finanziellen Standpunkt aus betrachtet werden. Es wäre, wie ber Redner des Z-ntrE durchaus zutrefiend ausführte, auch der Beamtenschaft selb» ein schlechter Dienst erwiesen, wenn Mit ber Erhöhung ihrer Bezüge gleichzeitig auch eine Der- teuerung ber Lebenshaltung eintreten wurde, die bann bie Auswirkungen dieser Erhöhung wieder zunichte machen müßte. Das Zentrum fordett daher eme genaue Prüfung, ob genügende Sicherheiten vorhanden lind ober geschaffen werden können, um nicht nur den Be-
! J'mn'f ängTrn Gewähr dafür zu bielen. daß nicht aus I Schuldner förderlich sei.
bitten Maßnahmen des Reiches unberechtigte Preisstei- I Die „Deutsche Allgemeine Zeitung schreibt: „Es
gerungen erwachsen. Abgeordneter von Gu^ard oer- I gewiß nichts dagegen einzuwenden, wenn der
weist darauf, daß angesichts dieser wirtichaftlichen Trag- l Revarationsagent die Reichsregierung um Infor- weite des Problems in Kreisen der Arbeiterschach de mationen zu seiner eigenen Orientierung bittet, und
Äi SrtÄ I --Ilm’ «"» E °°'d°»l daß das gesamte Volk ein großes Interesse an einem arbeitsfreudigen unb pflichtbewußten Beamtentum hat. das bann aber auch auf einer wirtschaftlichen Basis zu stehen vermag, bie ihm die Erhaltung dieser Arbeit^- freubigfeit ermöglicht. Die Zentrumsfraktion ist sich einig in ber Anerkennung des Berufsbeamtentums und seiner Leistunaen unb Opfer im Interesse der W«1 dierung der Staates Die Bedenken, bie von verschie-
I denen Ländern unb Gemeinden wegen ber Deckung s- I frage geäußert »erben, finden beim Zentrum ernste Würdigung. Darum sprach Herr von Guerard auch namens der Zentrumsfraktion aus, daß es Aufgabe der Reichsregierung bletbe, btefe Bedenken
I einzelner Länder und Gemeinden sorafältig zu prüfen. I Die Zentrumsfraktion erwartet mbefien, daß m gemeinsamer Arbeit in Reich, Ländern unb Gemeinden entsprechende Maßnahmen getrosten werden, um eme
I großzügige Dermaltungsreform in Angriff zu nehmen. I Der Derwaltungsorganismus von heute ist I vittiach noch auf Verhältnissen aufgebaut, die vor ole. -----, ,----, - ... r - •
I len Ia hrzehnten bestanden, in der heutigen fen nicht mehr »ertragt Man ist deshalb I wirtschaftlichen Entwicklung aber nicht mehr die richtige I au(jj Kabinett der Ansicht, daß man Einkadun-
Einpasiung. finden. Ditte herbeizuführe^ lwgt auch im gen zu derartigen Veranstaltungen nur noch in ÄVS54ÄS-m» Folg- tollen tinne.
’ÄÄ I Der Reichstag geht heim.
I Ziele wird die Zentrumsfraktion im Ausschüße an die Lösung all bitter Fragen herantteten.