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Df>irhardt S Dortkraft verjüngt und stählt den Körper

Fuldaer Zeitung

aus dem Nachbargebiet

GottesdienstordnuM

8.30—9.30: Margenseier.

Nadio-Proyramm.

Samstag, den 22. Oktober.

funk-Iazzband.

Sonntag, den 23. Oktober 1927.

JVs 244.

Samstag, 22. Oktober 1927.

Veamtensragen.

= Die Reichszollbeamten zur Desoldungsregelung. Man schreibt uns: Der Bund Deutscher Reichszollbeam­ten E. V. Berlin, der mehr als Vierfünftel aller Zoll­beamten organisiert, nahm auf einer außerordentlichen Tagung in Berlin vom 9.-12. Oktober 1927 Stellung zur neuen Besoldungsordnung. Der Besoldungsgesetz­entwurf verwirklicht für die Zollassistenten und Zoll­sekretäre nicht den vom Reichsfinanzminister Dr. Koh­ler in Magdeburg herausgcstellten Grundsatz, daß ihrem Tätigkeitsgebiet nach vergleichbare Beamtengruppen m eine Besoldungsgruppe gehören und ihnen eme Auf­stiegsmöglichkeit gegeben werden soll. Der Zollbeamten

s. Blatt.

Cta(f „er Sulhaer Acttendruckerei. gulda

hat sich deshalb eine ungeheure Er reg u n g be- . mächtiqt, und sie fordern, daß die und

Zollsekretäre ebenso wie die preußischen , Sekretäre der Hoheitsverwaltungen in die neue Grupp 7 eingestuft und °l- Aufstiegsgrupp-^erhalten bleibt

mit einer gewissen Kündigungsfrist anstellte. Wie stark der Rückgang in der BankbeamtenslHast ein- zelner Banken ist, beweist folgende Tatsache. Lahre

Heute sind es nur noch 450.

-- Lin Beruf, der nicht überfüllt lst. dros. Dr. Brendel der wegen Erreichung der gesetzlichen Alters- ^renoei, oer uivH „ . 'b Astronom e an der hieß- ÄSÄ W

des Ministers die Lehrtätigkeit aufnehmen must

fen, da sich kein Nachfolger für ihn bisher fand. Lren del behält auch die Leitung der Sternwarte bei.

Sonntag, 23. Oktober. 7 Uhr Frühmeffe. 9 Uhr Hochamt uns Predigt in der Pfarrkirche zu Steinhaus. 2-/, Uhr nachmittags: Festpredigt und sakra­mentale Andacht in d er Kapelle. _ ,

Während der Oktav (vom 20.—27 Oktober) täglich | um 7 Uhr Amt und Gelegenheit zum Emofang der hl. Sakramente. Die Reliquien werden nach irdem Gottes- dienst aufgelegt. ,

Evangelischer Gottesdienst.

S o n n t a g, 23. Oktober. Zulda. Vormitt. 9'/, Uhr Sup. Rubl. 11 Uhr Kmdermttesdstnst. . «bend, ü Uhr Pfarrer Weber. — Großenlüder. Vormittags 9 /» Uhr Pfarrer Weber.

Dienstag, 25. Oktober. Zulda. Abends 8 Uhr Kirchenchor.

Mittwoch, 2ß. Oktober. Zulda. Abends 8 Uhr I Bibelstunde (Gemeindehaus).

Svangel. landerkirchl. Gemeinschaft, $ulba, Suttlarsir. 17.

Sonntag, 23. Oktober. Abends 8 Uhr Evangeli- fationsvortrag.

Freitag abends 8*/« Uhr: Bibel- und Gebetstunde. Jedermann ist herzlich einaeladen.____________________

- kersseld. In feierlichem Aufzuge wurde am Don- - nerLq das Lollsfeuer begraben Der Feuer- j meifter kam mit dem diesjährigen Begrabmsmeister >m Automobil auf den Marktplatz. Nachdem der Begrabms- n,-ister eine Ansprache gehalten hatte, in der er die Set- ben unb Beschwerden der Bürgerschaft der Stadtoerwalt- tung gegenüber zum Ausdruck gebracht hatte, wurde da «0Uer gelöscht . Anschließend flammte der Glockenturm her Stiftsruine in bengalischer Beleuchtung auf.

" - Hersfeld. Sein 25jähriges Di-nstlub - läum als Kreisvorsteher der ^ael,tischen Ge­meinde des hiesigen Kreises konnte Bankier Jakob Hahns dahier begehen. . . I

— Alsfeld. Dom Stadtvorstand wurde m mchtoffent- I kicher Sitzung B ü r g e r m e i st e r S t. Dolf i n g, des- I ten Amtszeit am 30. November d. 2- ab gelaufen war I auf weitere neun Jahre wiedergewahlU Seine hiesige I Amtszeit begann im Jahre 1909. Durch die vorgestrige Dertrauenskundgebung der Vertreter der Bürgerschaft I wurde er also zum drittenmalandieSpitzeder | städtischen Verwaltung berufen.

--- Gelnhausen. In den Wäldern um Lieblos, Roth und Gelnhausen weilte soeben eine Kommis­sion aus Kassel, die durch den neuerdings ausgetretenen Waldschädling, die „F i ch t e n b l a t t w e s p e , angerich­teten Schäden begutachtet und wirksame Maßnahmen zur Bekämpsung des Insektes erlassen hat. Das Insekt ist bereits weit verbreitet und tritt auch im Gelnhauser Stadtwalde stark auf. .

u. Langenselbold (Kr. Hanau). Hier wurde em junges Mädchen, als es nachmittags aus einem Hofe trat, von einem in rasendem Tempo die Straße herkommenden Kraftrad überrannt, über 10 Meter weit auf die Straße geschleudert und blieb mit schweren Verletzungen liegen. In besinnungslosem Zustand mußte es nach Hanau ins Krankenhaus eingeliefert werden.

--- Limburg. Ein 20jähriger Landwirtssohn in Mit­telfischbach wollte an dem in der Scheune aufgestell­ten Elektromotor zwei zusammengeknüpfte Kabel an- schließen um den Strom nach einem entfernten Platz zu leiten. Beim Einschalten berührte er die blankliegenden Drähte, wobei er einen elektrisch enSchlag erhielt, bet feinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Wiederbele­bungsversuche blieben erfolglos.

= Horchheim. Als die Feuerwehrleute an Haken­leitern emporkletterten, brach plötzlich ein Leiierhaken ab und ein Feuerwehrmann, der Vater von neun Kindern ist, und sich in Höhe des zweiten Stockwerkes des Uebungshaufes befand, stürzte in die Ties^ Er zog sich so schwere Verletzungen zu, daß er verschied.

töte wird das Wetter?

Der Luftdruckanstieg hat sich über West- und Nord- europa noch weiter fortgesetzt, doch haben sich gleich­zeitig die nordosteuropäischen Tiefdruckgebiete noch ver­stärkt. Unser Bezirk ist noch immer im Bereich der Rückseitenströmungen des letzteren, sodaß beständige trockene Witterung nicht wahrscheinlich ist.

Witterungsau^-sichten bis Samstag abend: Zeitweise ausheiternd, noch ganz vereinzelt Niederschlage, sonst wenig Verö"'' _

«athoNs<her Gottesdienst.

sakramentalem Segen.

Sonntag 23 Oktober. Hulda, vom. 1. Beichtgelegen. I s-STSPÄRrs* ää

Mehen «tt ®eleaennen « e MüttervereinS.

"tThrPfarramt mit Predigt, Kommunion d-r Kinder des 5 Schuljahres. V,10 Uhr Kalhedralamt m't Pr-d,gi. -/.II Uhr Christenlehre für die Funglmge. Id- Mr i-ue» hi Weife mit Predigt. Nachnntta S ^,2 Uhr I Andacht zum hl. Erzengel Mickael. 2 Ubr Christenlehre f b 4noftauen. ’/.3 Uhr Vers. d. MntterveremS m,t Nred n Segen 4 Uhr Pred u.Se-en. 7 Uhr Roienkranz. I Andacht 3 WerktagSaottesdienite: Jeden Morgen von I vlß_V,7 Uhr halbstündlich hl. Meßen mit AuSteil. der

I bi%om '/.8Uhr PfarrgotteSdienft mit ^-Kommunion. I 9 Uhr letzte hl. Meffe mit Austeilung der hl. Kom- munion ' Jeden Abend >/,8 Uhr wochentags Rosenkranz- I Andacht. - stadtvfarrktrche. Gelegenheit zum beichten. Samstag nachmittags 3—7, 7'/,—8 /, Uhr, Sonntag I

I c-gd 5iza__7 Ubr. Sonntagsgottesdlenste: 5’/« Uhr hl

Weffe ' 68/« Ubr hl. Messe u. Kommunion der grauen I und Kommunion des 5. Schullahres. SV- Uhr Pfarr

I amt und Predigt. 11 Uhr zweiter Schulgottesdienst I und Predigt. 9'1* Ubr Christenlehre für die Jünglinge in der Severikirche. Nabmittaas l1, Ubr Christenlehre für die Jungfrauen. 2'/, Uhr Bruderschaft vom bst Erzengel Michael. 3‘/< Uhr Andacht für den Mutter- I vermm Abends 7»/« Uhr Rosenkranz-Andacht Die Hb Kommunion wird von 5V,-7V, Uhr )ede halbe stunde

I gewendet außerdem um 8V- und 9*/. Uhr. Werktags I aoitesdienste: 6, 61-,, 7*'« u. 8 Uhr. Mittwoch, Freitag I u Samstag moreens 6 Uhr Beichtgelegttiherf; an allen I Tagen im Monat Oktober abends 7'/«Uhr Rosenkranz-A.— I vsarriirchr zum heftigen Geist. 7 Uhr Frühmesse; m der- I selben Kommunion des Muttervereins 8 Uhr Hochamt und Predigt. -/.ll Uhr Kindergottesd'enst und Ansprache >412 Ubr Christenlehre f. d. Jungfrauen. Nachm. A 3 Ubr Predigt und Andacht für den Mütterverem. Abends >^8 Uhr Rosenkranz-Andacht. Beichte: An allen Wochen­tagen eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst, an den Tagen vor Sonn. u. Feiertagen von V-4 - 6 Ubr abends. Kommunion-Austeilung: An den Wochentagen vor und nach dem Gottesdienst, an Sonn- und Fe'^iggen auch im Hochamt. - Sotalttät. V.W Uhr, Gottesdienst. - St Sturmiur-psarrtirche 7 Uhr Frühmesse mit A - spräche. 9 Uhr Hochamt mit Predigt. Die hl. Korn.

Frankfurt (428.6 W, W (272.7 gtr.).1^

19. mtnrfenfoiel aus Darmstadt. 15.30—10. xne Stunde der Jugend. 16-30—17.45: Ä01n^e|t^ ?8r^'? SHxL 17.45—1805: Die Lesestunde. 18.15—18.30. Dereinsnachrichten und andere g^^g^^gz.

,n»fU5 ’ be'g Allgemeinen Deutschen Gewerkichasisbun- v»«. Die Leistungen der Arbeitslosenversicherung,

1M?Ä eMb. d-- MMj? des für Volksbildung: .Bildung und H°^bildung . 20.15: Bunter Wend. Anschließend bis 0.30. Rund

Erregung . tlCUCS CUS JlflltMUlt-

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wird um »kl Ubr und in der ^ühmefle ausgeteilt. Gemeinsame bl. Kom. der Frauen Nachm. ' Ubr Christen, lehre >02 Uhr Rosenkranzandacht. — Sbttinrche 6« Benebifttinerinnen. Sonnta 8 6 Ubr ^ventamt, nach- mittags 3 Ubr Vesper; Werktag? 6 Ubr stille Messe, -» Uht Konventamt, nachmittags 3 Ubr Vesver. _

Vormittags 8 Ubr Cberreolfcbulaotte8b.enft - mtoaels- Kirche. Nachm. 2 Ubr Bruderschaft von den 7 Schmerzen Mariä, Pred. u. And. — ßen-3ehl-«etm. 6 Uhr bl. Messe 8 Uhr Amt mit Predigt Werktags 6 Ubr hl. Mesie. Mittwoch abends 8'/« Uhr Segens, andacht. - Srauenbetg. H>. Muffen von 5 bt8 7 Ubr. 8 Uhr Bruderschaftsmesie mit Predigt. 9 Uhr Hoch­amt mit Predigt. Nachmittags 2 Uhr Kreuzwegandacht mit Predigt (auf dem Kalvarienberg). 5 Ubt ?reMat unb Andacht für die Ternären der Stadt Fulda. (Der für den vorigen Sonntag verkündeteMissi°nS.B,ttgg gz^zg. Morgenfeier. 11.30-12: DieEltern- roirb später abgehalten, an dem an de I ,unter Leitung von Dr. Flesch und M'ttelschn- der ganzen Diözese stattfindetO I Ubrer Ä Wehrhan): „Spielsachen (nachgeholt). Dor»

am Zranzo enwäldchen. Sonntag 6 /, “br b.1: mit trag oon Rektor K Wehrhan. 12-13: Werke von

Kommunion-Austeilung. Werktags: 7 Uhr hl. Mesie m I Nietzsche. Ausführende: Lotte Kleinschnn»

Kommunion-Austeilung, — Lednerz. 8/«Uhr Amt un I Oskar Ludwig Brandt (Rezitation). Erch

I Predigt. — Dieter,ha«. 10 Uhr Amt und Predigt. I Nsshtzfer (Am Kaim-Kantator). l^L0-lS: Feter zum ___ 75 Todestages Friedr Ludw. Jahn (15. DtU Pr°- ®otttsbicnftorbnung während bet $t. Wenbelinur-Vkt« sfranftaüet von der Turnerjugend

i« rieinhau,. | des Main-Taunusgaues der Deutschen Turnerschast. 16

bis 17: Konzert des Hausorchesters. 17—18. Die Stunde der Jugend (unter Leitung von Mittelschul. rektor K. Wehrhan: Aus dem deutschen Marchenborn, vorgetragen von Hanna Lungen. — Don guten Men- Mainischen Verbandes für Volksbildung: "Stunde der Heimat . „Das Lahntal", Dortrag und Dorlesung von Leo Sternberg. 19-19.30: Walter Gu eich und Sibert ftirte Vorlesung aus eigenen Dichtungen. 19o0. Uebertragunq aus dem Frankfurter Opernhaus: Jonny Ipielt auf, Oper in zwei Teilen, Tert und Musik von (Smft Krenek. Anschließend bis 0.30 Konzert der Rund» funk-Jazzband. _______________

bergen alle Energien, einer gütigenJ •

Kraft und Sdhöntieit, iura Aufbau aller KorperKrafte -

ei. .«ns.»

l.QSt anderer Art und uesexrxgcxi y

I. 1 111 ..............

mein Weg nach hilistelrhagen.

Clne wandetgefchichke von $t. Donatus Psannmüller.

14] ---------

Bald beginnt ein leichter Regen niederzurieseln, dann regnet es in Strömen und ohne Ende. Ich habe eine Art Landweg unter den Füßen, der gegen die deutsche Grenze hin führt, die freilich noch Wegstunden entfernt sein muß. Die Dunkelheit bricht schon sehr früh herein unb wird zur Finsternis. Merk­würdig, an meinem Wege liegt kein einziges Dorf, -tur anfangs, noch in Stadtnähe, lagen ein paar Höfe u. ein Weller. Ich tyafce Mühe, mich in der Finsternis auf dem Wege zu halten. Meine Müdigkeit wird immer größer, denn nach meiner Schätzung habe ich heute wohl 45 Kilometer, wenn nicht mehr, zurückgelegt. End- sich höre ich Hundegebell, sehe ein paar erleuchtete Fenster aus der Finsternis auftauchen und erreiche gegen 8 Uhr abends unb völlig burchnäßt ein Dors Ich bin auch am Ende mit meiner Kraft, benn heute rar wirklich bei mir Schmalhans Küchenmeister.

Vorsichtig taste ich weiter ins Dorf hinein, benn 'eit« dem ich ein paar erleuchtete Fensterscheiben ge'ehen habe, scheint mir hier die Dunkelheit noch größer als draußen im freien Felde. Dann höre ich eine Zieh- Harmonika wimmern, höre Stimmengewirr, und es sollt Heller Lichtschein aus einer Reihe von Fenstern auf die Straße. Das muß ein Wirtshaus fein, unb ich taffe „sich die steinerne Treppe hinauf. Im großen Haus­flur stehen Tische und Bänke, die von Gästen besetzt sind ' Und die große Gaststube nebenan scheint Über­füllt zu lein.

Die Gäste im Vorplatz schauen mich an, einer stellt eine Frage; ich verstehe ihn nicht. Aber dort reden zwei Deutsch miteinander. Ich frage sie nach dem Wirt. Nach einer Welle kommt ein junger Mann, um die Gäste zu bedienen. Es ist der Wirt. Ich frage ^hn. ob ich hier übernachten kann, freilich nur in einer echeune oder in einem Statte. Ich könne nichts bezahlen, ibet ich könne auch nicht mehr weiter. Das Wasser rinnt in kleinen Bächlein von mir nieder.

Er schaut mich einen Augenblick an, dann lagt er. So durchnäßt, können Sie nicht in einem Stalle mna- fen. Setzen Sie sich hier und warten Sie, bis die Gaste fort find. Dann können Sie brinn in ber warmen Stube schlafen."

Ich etze mich an einen der Tische. Es ist ganz warm hier, denn auch der Vorplatz ist der Gäste wegen ge­heizt. Dann kommt ein junges Mädchen und stellt em Mas dampfenden Grog vor mich hin.

Kunde ist ein Mensch, der in ein Geschäft eintritt und etwas kaust." Da ich mich als ganz junger Wander« bursche als Neuling, gerade anderthalb Stunden auf ber Wanberschaft befanb, ersuhr ich vom ersten alten Wan­derburschen, ben ich aus meiner Straße traf, daß ein „Kunbe" ein Handwerksbursche sei. Während ich ihn auf meinen flinkeren Beinen einholte, grüßte ich be­scheiden mit „Guten Tag!“ Er ober erwiderte: „Kenn, Kunde!" Sofort hatte er mich als „Grünen. ia als Grasgrünen erkannt und weihte mich auf dem gemein- [amen Weltermarsch in die Anfangsgründe der Kun­densprache ein. Er wollte mich auch in die Anfangs­gründe der „Fechtkunst" einwechen und führte mich in ein abfeitsliegenbes Dorf. Gerade als wir ins Dorf einbogen, tauchte zwanzig Schritte vor uns ein beritte­ner Gendarm auf, der uns sofort stellte. Wir waren unschuldig wie neugeborene Kinder, denn wir hatten noch nicht gefochten. Aber der Gendarm zog ein dickes Buch aus der Satteltafche und begann meinen Weg- genossen zu examinieren. Und siehe, der Gendarm kannte den Lebenslaus meines neuen Gefährten besser, als dieser ihn ’elbft kannte. Der wackere alte Böttcher aus Mölln ober Schmölln, - Till Eugenspiegel soll in seiner Heimat begraben fein, — hatte ein recht lange« und dazu gedrucktes Strafregister in dem dicken Buch des Gendarmen stchen. Es muß ein ekliges Gefühl für einen Menschen sein, zu wissen, daß seine Missetaten, auch wenn sie nur in „Landstreichen und Betteln be- stehen, in 10 000 Büchern gedruckt sind, und daß biete 10 000 Bücher sich im Besitze von ebenfooielen Gendar- men befinden. So ähnlich mag der arme Mensch füh­len wenn er einst vor seinem göttlichen Richter steht. Da' mag sein Haupt noch tiefer sinken vor Angst und Scham, als das des armen Fechtbruders an meiner Seite.

Bald darauf und später wohl hundertmal las ich die ausführliche Antwort auf die Frage: Was ist ein Kunde. In der Herberge war sie hier und ba unb bort auf die Wände gekritzelt, und sie lautete: „Ein Kunde ist eine in Lumpen gewickelte Maschine, die von „Kohl­dampf" in Bewegung gesetzt und von einem Orte zum andern getrieben wird." —-

Paßte diese Definition an jenem Morgen auf mich, als ich mit leerem Magen aus jenem namenlosen Dorfe an ber Schlesisch-Mährischen Grenze schritt? So zierw sich. Wenn auch meine Kleidung nicht in den Bereich ber Lumpen gehörte unb ich selbst nicht zu ben Cum- pen gezählt werben möchte, so trieb mich doch bet „Kohldampf", der Hunger, auf meinem W-Ze voran Gerade die Angst, einmal in dem dicken Buche der Gen barmen verewigt zu werden, hat mich davon abgehalten,

von dem „guten Rechte" des Handwerksburfchen Äe- brauch zu machen und nur im Falle dringender Rot zu „fechten". ___

So „schob" ich denn auf eiligen Füßen in der Rich­tung auf Iroppau dahin. Die Dörfer bekamen deutsche Namen, ein Stück Brot jur Stillung des Hungers war bald gefunden, und ich merkte, daß ich mich in Oester- reichisch-Schlesien befand. Jetzt, unter der beutschreben- den Bevölkerung, roar es mir gleichgültig, ob ich mich auf deutschem oder österreichischem Boden befand. Ja, innerhalb ber österreichischen Grenzpfähle gefiel es mir noch bester, als auf deutschem Gebiet. Die Oesterreicher sind halt gemütliche Leute, bas muß man ihnen lassen. Und bie jugendlichen österreichischen Landjäger mit ihren Federhüten waren von ben Kunden um minde­stens 100 Prozent weniger gefürchtet als die preußischen pickelbehaubteten unb schnauzbärtigen Gendarmen. Wiederholt bin ich mit solchen Landjägern zusammen- getroffen. Da gäbe aber fein strenges Verhör, sondern eine gemütliche Unterhaltung. Ja. sie bestaunten wohl gar den jungen Dachs, ber auf das Woher unb Wohin einfach sagte: „Ich komme aus Serbien und will nach Leipzig." Daß einer, ber die Tafchen voll Geld eine solche Reise nicht zu Fuß macht, wußten sie selbtt. Also mußte sich ber Handwerksbursche seinen Lebens­unterhalt durch Fechten erwerben. Das war klar St» ließen daher den fechtenden Wanderburschen, besonders, wenn er jung und gut gekleidet war, in Ruhe und kümmerten sich kaum um ihn. Aehnlich benahmen sich 'die Zollbeamten an der Grenze. Ihnen waren die Handwerksburfchen ein gleichgültiges Volk. In jenen Tagen, als ich mich bald auf deutschem, bald aus öfter- reichlichem Boden befand, je nachdem es mein gerader Weg erforderte, und ich wohl zehnmal die Grenze über- Ichritt, hat mich nur ein einzigesmal ein Grenzer ge­fragt, ob ich etwas Verzollbares in meinem Berliner habe. Meine Antwort ist: „Ich weiß nicht, was sie gern verzollen möchten. In meinen Sachen wird wohl nicht viel Verzollbares sein." Da winkt er gnädig ab.

In ben österreichischen Städtchen werde ich, wenn lch zu den Meistern „umschauen" gehe, gemobnlich zum Obermeister genügen, wo es 20 Kreuzer Meisiergeschen gibt Aber auch ber eine ober anbere Meister gibt außerdem noch 5 Kreuzer, so daß man ganz gut durch- kommt. Für 15 Kreuzer bekommt man in ber fier- berge ein Bett, dann bleiben immer noch ein paar Kreuzer für ein schmales Abendbrot und am Morgen für eine Taste Kaffee. Man lernt auf der Walz recht bescheiden sein.

^Fortsetzung folgt)

„Fräulein, Sie irren. Ich habe nichts bestellt. ^Jch suche nur ein notdürftiges Quartier für die Nacht

„Ich weiß schon. ' Mein Bruder hat es mir gejagt. Aber trinken Sie nur, es wird Ihnen gut tun. Sie sind ja ganz durchnäßt." .

„Ich danke Ihnen, Fräulein." Sie gcht lächelnd davon. Die Geschwister sind Juden, barmherzige Iu- den, denen ich ein gutes Andenken bewahrt habe bis auf den heutigen Tag.

Der heiße Grog tut mir wohl bis in die Seele. Eme wohlige Müdigkeit überkommt mich. Ich betrachte das Treiben um mich her. Bergleute, Zöllner, Arbeiter, Soldaten gehen da aus und ein. Ich vermeine auch zwei deutsche Artilleristen zwischen den österreichttchen Grenzwächtern und Soldaten zu erblicken und kann mir dies Beisammensein nicht erklären. Die Grenze muß ganz nahe sein. Einer ber Arbeiter setzt sich zu mir, beginnt eine Unterhaltung und schiebt mir fein Schnapsglas hin. Ich tue ihm gern Bescheid, denn der Alkohol wärmt mich. Ein paarmal kommt auch das Fäulein zu mir und sagt ein paar freundliche Wort«. Sie hat mir ein zweites Glas Grog bringen wollen, aber ich habe es abgelchnt, um nicht unbescheiden zu sein. Endlich brechen die letzten Gäste auf, es ist wohl 11 oder 12 Uhr. Nach ihren Reden haben sie noch einen längeren Weg vor sich.

Das Fräulein ruft mich in die Gaststube. Da ich totmübe bin, lege ich kurzerhand meinen Berliner als Kopfkissen aus eine Bank und lege mich nieder. Da lagt das Fräulein: „Nein, das kann ich nicht ansehen, so können Sie nicht schlafen." Und sie geht hinaus und kommt nach kurzer Zeit mit einem Kopfkisten zurück, has ich unter den Kopf lchieben, und mit einem Mantel, mit dem ich mich zudecken soll.

Diese Fürsorge tut mir sehr wohl. Und als ich dann im Dunkeln auf meiner Bank Hege, fasse ich den En'- lchluß wenn ich einmal reich bin, werde ich die schönste goldene Brosche kaufen und sie dem barmherzigen Iu- denmädchen bringen. Leider habe ich bis heute diesen Vorsatz nicht ausführen können und sogar den Namen des Dorfes' vergessen. Aber das Dorf würde ich schon noch wiederfinden.

Schade daß die beiden freundlichen Geschwister am nächsten Morgen so lange schliefen. Ohne Dank und Gn-ß und vor allem mit nüchternem Magen mutzte [ch weiterziehen, well sich die Dienstleute nicht um nnch kümmerten. —

5. Kapitel.

Durchs Schlesierland und Sachsen.

Was ist ein „Kunde"? - Am letzten Tage meiner Lehrzeit hätte ich auf diese Frage geantwortet: „Em