Nr. 243
Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051
Die leweren Ausgaben des Reichs-Parlaments
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der Fuldaer Ac'tiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
>: Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
friedenheit in der umfangreichen Aussprache und den angenommenen Entschließungen.
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Nun steht noch die zweite Redner-Reihe zu dem gleichen Beratungsgegenstand bevor. Noch fern Ende der Debatte ist abzuschen. Aber an der gluck- hasten Erledigung der fteilich für den Augenblick nur formellen Bedeutung besitzenden ersten Etappe, die ihren Abschluß findet mit der Ueber- Weisung dieses Gesetzes an den .Ausschuß, 'st I« nicht mehr zu zweifeln. Der eigentliche Kamps hebt jetzt erst an.______________________
Dr. Knilling t-
Der frühere bayerische Ministerpräsident gestorben.
wtb. München, 20. Oft. (Eig. Funkm.). Der frühere Ministerpräsident Dr. von Knilling ist heute vormittag 9 Uhr in der Klinik von Dr. Lrndl an den Folgen einer Herzlähmung gestorben. Dr. von Knilling mußte sich einer Darmoperation unterziehen, die einen günstigen Verlauf genommen hatte. „ ,
Eugen von Knilling war 1865 zu München geboren. Er war im bayerischen Verwaltungsdienst und im Kultusministerium tätig. Ueber 6 Jahre — von 1912 bis zur Revolution — war er bayeri- scher Kultusminister unter Hertling und Dandl. Knilling, der der Bayerischen Dolkspar» tei, auch als Abgeordneter angehörte, war ein gewissenhafter und bewußt christlicher Staatsmann. Seine Tätigkeit als Ministerpräsident, tue m eine besonders schwere Zeit fiel, wurde durch gesundheitliche Verhältnisse Knillings in ihrem Erfolg beeinträchtigt.
Die Löhne der Reichsarbeiter.
Die für Mittwoch anqefetzte Besprechung des Reichssinanzministers mit den Tariforganisationen der Reichsarbeiter zur Neuregelung der Lohne konnte nicht stattfinden, weil, laut „Vorwärts", der Minister im letzten Augenblick zu einer Kabr- nettssihung gerufen wurde. Der Fmanzmml'ter sagte jedoch den Oraanisationen zu, daß die Besprechung in den nächsten Tagen, wenn waend möglich noch int Laufe dieser Woche, stattfmdet.
Protest der Polizeibeamten.
Der Verband preußischer Polizeibeamten (Gau Groß-Berlin) hatte zwei Versammlungen für die Beamten der Schutz- und Kriminalpolizei einbe- rufen, um gegen die in der neuen preußischen Besoldungsordnung vorgesehene Einstufung und gegen das neue Polizeibeamtengesetz Protest zu erheben. Sn den Versammlungen äußerte sich die Unzu-
Wettbewerbsindustrien.
Gegenwärtig stehen wir, weltwirtschaftlich g» sehen, vor folgender Situation: in Amerika und England ist der Preisindex in den letzten Jahren wesentlich gesenkt und damit die Kaufkraft des Schilling und des Dollars stark erhöht worden. In Deutschland verlief in der gleichen Zeit die Entwicklung umgekehrt: bei uns steigt der Preisindex und sinkt die Kaufkraft der Mark ständig. Dabei hat Deutschland erst etwa zwei Drittel seines Anteils am Welthandel wieder erreicht im Der- gleich zu 1913. So besteht die Gefahr daß anstatt Seiner weiteren Belebung der deutschen Wirt- aft zu kommen, durch eine neue Preisbewegung eine Drosselung der Wirtschaft herber- geführt und damit schließlich in eine neue große Arbeitslosigkeitsperiode hm- eingesteuert wird. Bei Gesamtbetrachtiing dieser Zusammenhänge wird daher weitgehend die Meinung vertreten, daß die Beamtenbesoldung in ge- ringerm Ausmaße, wie in Aussicht genommen, durchqeführt werden sollte, dafür aber nachdruck- lichst alle Möalichkeiten und Mittel aufzubieten seien, um in Deutschland, ähnlich wie in England und Amerika, zu einer P r ei s s e n k u n g zu gefangen und dadurch die deutsche Wirtschaft einem wirklichen und soliden Gesundungsprozeß entgegenzuführen. Statt vielem nur das nachfolgende Beispiel: Die Draunkohlenarbeiter Mitteldeutsch, lands streiken. Die Unternehmer geben zu, daß eine Lohnerhöhung notwendig sei, die sie aber ohne Kohlenpreiserhöhung nicht tragen könne. Die Ge« stehunaskosten betragen pro Tonne 15.— Mark, Frachtbasis Berlin 5.- = 20 - Mark, Klemhon- delsvreis Berlin 36.— Mark. Der Kohlenhandel verschlingt also mehr wie die Gestehungskosten.
Das zweite Bedenken,, das in Verbindung mit der Reform der Beamtenbesoldung gegenüber stark vertret-« wird, liegt auf sozialem Gebiet, ißreite Ar^eiterkreile neben allmählich nichts mehr um das Gerede: Republik, sozialer Volksstaat sisw Sie sagen, der Inhalt des sozialen Volksstaates muß sich letzten Endes darin äußern, daß der Abstand der Menschen in gesellschaftlicher und soziale, Hinsicht sich allmählich verringert, im Vergleich zum Kasten- und Klassendeutschland der Vor. krieaszeit. Wahre Demokratie verlangt, daß die
Die Streikbewegung.
Mitteldeutschland.
Wie von Arbeitgeberseite verlautet, wird für die am 20. ds. Mts. vorgesehenen Verhandlungen vor dem Schlichter von Arbeitgeberseite kein neuer Vorschlag gemacht werden. Die Braunkohlemndu- strie steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß eine Erhöhung der Bergarbeiterlöhne solange nicht in Frage kommt, als der Reichswirtschaftsmrm- ster nicht eine Preiserhöhung zugeben I will. . > |
Im sächsischen Wirtschaftsministerium fand eine Verhandlung mit Vertretern der Leitung des Braunkohlenarbeiterstreiks statt, welche die Forde- I rung erhoben, es möchte die t e ch n i s ch e R o t - I Hilfe und die zu ihrem Schutz eingesetzte Sicher- heitspolizei aus den Betrieben der Sächsischen Werke in Böhlen und in Hirschfelde zurückgezogen werden. Da die Vertreter der Streikleitung erklärten, daß sie nur bereit seien, als Notstandsarbeiten die Versorgung der Wasserwerke, Kranken- Häuser und ähnlicher Anstalten mit Strom zuzu- lassen, die Stromversorgung für gewerbliche und landwirtschaftliche Betriebe sowie Straßenbahnen aber ausdrücklich ablehnten und auch die Strom- Versorgung der Haushaltungen nicht im erfordsr- lichen Umfange sicherstellen wollten, war der I Wirtschaftsminister nicht in der Lage, die tech- ! nische Nothilfe, 'ole nur für die Aufrechterhaltung des Betriebes in den elektrischen Kraftwerken eingesetzt ist, zurückzuziehen, da er nach der Derord- nung des Reichspräsidenten vom 10. November 1920 verpflichtet fei, die Stromversorgung der Bevölkerung, falls sie ganz oder teilweise bedroht ist, sicherzustellen.
Beginn der Einigungsverhandlungen.
Donnerstagvormittag um 11 Uhr begannen im Reichsarbeitsministerium die Einigungs- und Schlichtungsverhandlungen zwischen den Arbeit- gebern und Gewerkschaften im mitteldeutschen Kohlenbergbau. Dieser neue EiM- gungsve'rsuch wird unter dem Vorsitz des Schlichters im Reichsarbeitsministerium, Dr. Bahn, geführt. In unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß die Verhandlungen längere Zeit in I Anspruch nehmen werden.
Lohnherabsehung ffaff Lohnerhöhung.
Aus Essen wird gemeldet: Die Bergarbeiterverbände hatten den Zechenverband schriftlich um Verhandlungen über eine zw i s ch e nt a r i s - liche Lohnregelung ersucht. Der Zechen- v er band bedauert in seiner Antwort, dem Er- suchen nicht entsprechen zu können, da er eine grundlegende Aenderung der Verhältnisse nicht I anzuerkennen vermöge. Im übrigen habe sich die wirtschaftliche Lage des Ruhrberg.
I b a u 5 in den letzten Monaten derart v e r s ch l echte r t, daß sie vielmehr Verhandlungen über eine
I Lohnherabsetzung als über eine Löhner- I Höhung bedingen würde.
Aus Bergarbeiterkreisen wird uns mitgeteilt: In den letzten Tagen fanden im Ruhr- I gebiet eine Reihe von Konferenzen und Derfamm- I jungen des Gewerkvereins christl i ch e r I Bergarbeiter statt, in denen eine Entschließung angenommen wurde, in der es heißt: »Die im Ruhrgebiet tagenden Dertrauensmännerkon- I ferenzen begrüßen die Kundgebung der Reichskonferenz des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter I zur Lohnfrage. Die Konferenzteilnebmer richten an die Regierung das dringende Ersuchen, die I unterbrochenen Derhandlunaen mit den Vertre- I fern des Deutschen Gewerkschaftsbundes wieder I gnfzunehmen. Die Aufbesserung der Dergarbeiterlöhne muß gleichzeitig mit dem Jnkrafttret-n der Besoldung s-rhöh- u n a erfolgen. Die Not der Bergarbeiter ist g r o ß und schnelle Hilfe ist deshalb dringend notwendig."
Volkspartei und Sd)ufgefefc.
In der Reichstaassit-ung am Mittwoch, über die an anderer Stelle berichtet wird, konzentrierte fuh das Interesse auf die Erklärung, die der Sprecher der Deutschen Dolksvartei über die Stellung seiner Fraktion zu dem Gesetz zu geben hatte. Es sprach der Abgeordnete Runkel, der die Deutsche Volkspartei schon bei der Weimarer Nationalversamm-' lnng in diesen Fragen vertrat. Di« Austnerksam- keit war deswegen gerade auf seine Miiteilunaen gerichtet weil es kein Geheimnis mehr ist. daß die deutsch-volksparteilichen Minister sich, wenn sie mich der Vorlage des Geleges an den R-ichstaa fernen Widerspruch entaegense^ten, doch ihre eigene Stellungnahme vorbei,esten und abbanmg machten von der Stellunonahnw der Fraktion der Volksvartei. Mit einer diesbezüglichen Erklärung ist dann auch der Abgeordnete Runkel sofort hervorgetreten. Es ergibt sich also die merkwürdige Tatsache, daß eine nicht unwichtige Re-
8m Befolbungsref rm.
Don Adam Siegerwald, M. d. R.
Die Ausführungen über den gleichen Gegenstand, die ich in der vergangenen Woche m wesi- fälischen Zentrumsversammlungen gemacht habe, haben in Beamtenkreisen eine gewisse Unruhe her- vorgerufen. Das kann nur von der bruchstuckweifen Veröffentlichung in den verschiedensten Zeitungen kommen, auf die ich keinen Einfluß habe nehmen können. In den Versammlungen selbst, m denen überall Beamte zugegen waren und m denen meistens eine Aussprache stattgefunden hat, war jedenfalls von einer „Erregung" nichts zu merken. In Westfalen habe ich nicht eme „Tagesrede" gehalten, sondern auch Zukunftsai at: ju streuen und die Zuhörer in größere staatspolitische, volks- und weltwirtschaftliche Zusammenhänge em- zuführen versucht. In Beamtenkreisen redet man viel von „Berufsbeamtentum"-, zu wenig aber denkt man darüber nach, daß in einem bemotra« tischen Staat (im Gegensatz zum iruheren Obrig- keits- und Beamtenstaat, dessen Wesen dann be- stand, daß er von Beamten geleitet und geführt wurde, während die breiten Volksschichten selbst in ihm an den Staatsgeschicken keinen ausreichenden Anteil genommen Haden), je großer der Kreis des Berufsbeamtentums ist, desto mehr das Berufs beamtentum selbst gefährdet wird. Daher sagte ich in Westfalen, daß zwei Millionen Berufsbeamte und demokratischer Staat, zutiefst gesehen, em W i d e r s p r u ch in sich selbst se,. Diesen D-n- gen müsse der Staatspolitiker ins Auge sehen, i as ist an sich nichts Neues, da beispielshalber E, en- bahn und Post schon heute eine andere Struktur aufweisen, wie im alten Staat; biete Unternehmungen dürften in absehbarer Zeit noch weiteren Wandlungen unterworfen fem. Auch» m den G
I meinden sind, wie in den fraglichen Versamw un- I gen ausgeführt, schon gewisse Wandlungen zu oe- obachten. An der größtmöglichen Sicherheit der Existenz und der Versorgung der Beamten im Jb
I ter braucht deswegen eine wesentliche Aend. .r ix I nicht einzutreten. Diese Fragen sind aber für ien I Augenblick nicht brennend; ständig aufschleben lassen sie sich freilich nicht.
Was die gegenwärtige Beamtenbesoldungs- I reform betrifft, so besteht darüber, daß viele Be- I amten eine materielle Besserstellung benötigen, I keine Meinungsverschiedenheit. Nur über das „Wie" und „Ausmaß" der Deamtenbesoldung be- I steht keine Meinungsübereinstimmung. Die ms- I ferierenben Auffassungen liegen auf voll sw i r i- I schaftlichem und sozialem Gebiet. Die gegenwärtig in Aussicht genommene Beamtenbesoldungsreform wirkt sich für Reich, Länder, Gemein, den, sonstige öffentliche Körperschaften, Reichsbahn und Reichspost auf die Dauer jährlich mit etwa W? Milliarden Mark Mehrausgaben aus. Weil es rotal falsch ist, was einige kapitalistische Blatter behaupteten, daß die Arbeiter in ber Pnvat- I Industrie den Beamten bereits lohnpolitisch voraus- I geeilt seien, wird eine Beamtenbesoldung in dem I vorgesehenen Ausmaße eine große Lohnb e « wegungs- und Teuerungswelle nach sich ziehen, so daß für die deutsche Wirtschaft ms- I gesamt Auswirkungen von vielen Milliarden Marl in Frage kommen dürften. Die Bergarbeiter haben seither im Reichskohlenrat im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister alle Anträge bet Unternehmer auf Kohlenpreiserhöhungen a b g e • I lehnt. Nun sagen sie: allein sind wir auch nicht die Dummen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in anderen Rohstoff- und auch in internationale»
♦ Bevorstehender Rücktritt ber norwegischen Remerung. Die Blätter in Oslo melden über- einstimmend, daß die Regierung ihr Rücktrittsge- such einreichen werde, wenn das neue Kabinett zu« ha«, eine niaji u»>u * a» « * - j fammentritt,. jedoch ist noch nichts darüber be- gspartet in einer außerordentLchwich- tannt, wie die Krisis gelost werben soll.
Zum Kriegsschädengesetz.
Die demokratische Reichstagsftattion hat eine Interpellation eingebracht, in der die Reichs- reaieruna u. a. gefragt wird, wann sie das Kriegsschädenschlußgesetz dem Reichstag zur Verabschiedung vorzulegen gedenkt und m wel- chem Umfange und wann auf die bevorstehende gesetzliche Schlußregelung der Kriegsschadenentschadl- aung den Geschädigten erhebliche Teilzahlungen im Dienste des Wiederaufbaues ihrer wirtschaftlichen Existenz und der damit eng verbundenen Förderung der deutschen Exportwirtschaft zuteil werden können.
tigen allgemeinen und kulturpolitischen Frage Nicht hinter der Regierungsaktion steht. Die Deutsche Volkspartei betrachtet allerdings, wie der Abgeordnete Runkel mittellt, diesen vorliegenden Gesetzentwurf als eine brauchbare G r u n dl a g e für weitere Verhandlungen. Mit auffallender Schärfe aber betont er, daß die Volkspartei gegenüber dem Entwurf vollkommenfreie Han d habe. Diese Bewegungsfteihest mtrnnt selbstverständlich das Zentrum für sich in gleicher Weise in Anspruch. Auch für das Zentrum ist, wie Wirschon wiederholt gesagt haben, dieser Gesetzentwurf nicht etwas Unantastbares, nicht eine Formulierung, die wir nur abzulehnen oder nur anzunehmen vermögen, sondern der wir eine ganze Reihe wesentlicher und wichtiger Derbessemngsvorschlage entgegenzustellen haben werden. Erst von dem Schicksal dieser Vorschläge werden wir im Zentrum bann unsere Stellungnahme abhängig machen.
Im übrigen hielt, was recht bemerkenswert ist, für die kulturpolitische Auffassung der Deutschen Volkspartei, der Abgeordnete Runkel ein g*"'6"8 Plaidoyerfürdie Einheitsschule, er aussprach, daß die Volkspartei ihre große Tradition-welche denn? etwa die des alten Nationalliberalismus?—verleugnen würde, wenn sie dieses Ziel der Einheitsschule ausgeben würde. Besonders beachtet wurde weiterhin die Schärfe, um nicht zu sagen Schroffheit, mit der der Sprecher der Deutschen Volkspartei jede direkte oder indirekte geistliche Schulaussicht brüsk ablehnte.
Es kam während dieser Ausführungen zu einem recht interessanten Zwischenspiel. Als Ab- geordneter Runkel glaubt, für die SmmltanAule das Land Baden, ja selbst Dr. Wirth als Kron- zeugen in Beschlag zu nehmen, holt er sich eine gründliche Abfuhr von Dr. Wirth, der lhm m drastischen Zwischenrufen antwortet, und schließlich, als der Abgeordnete Runkel chn weiter aufS Glatteis locken wollte, ihn unter stürmischer Heiterkeit des Hauses schachmatt setzt mit dem Zwischenruf: Jetzt weiß ich wenigstens, was Regierungspartei ist! In der Volkspartei steckt man verlegen die Kopfe zu-
Die F i n a n z m i n i st e r der L a n d e r sind km Reichsfinanzministerium unter dem Vorsitz oes Reichsfinanzministers Dr. Köhler zu einer Sitzung zusammengetreten, die den Fragen der Beratungsstelle für Ausländsanleihen gilt.
Held für Schacht.
Der bayerische Ministerpräsident Held sprach Mm ersten Male in seiner Eigenschaft als H a n - be I s m i n i ft e r im Haushaltsausschuß des Landtages über die allgemeine wirtschaftliche Lage. Die deutsche Währung sei absolut gesichert. In diesem Zusammenhang stellte er sich auf die Seite des R e i ch s b a n k p r ä s i d e n t e n D r Schacht, der mit seiner Stellungnahme hinsichtlich der Buslandskredite auf dem richtigen Weg fei. Von der bayerischen Wirtschaft konnte Held Mitteilen, daß auch sie an der aufsteigenden Konjunktur der letzten Zeit teilgenommen habe. Als verhängnisvoll bezeichnete Held aber die augenblickliche Konzentration des deutschen Geldes in Berlin.
Im Reichstage hielten Donnerstag vormittag , Mehrere Ausschüsse Sitzungen ab, nämlich der Handelspolitische, der Siedlungs-Ausschuß und der Feme-Ausschuß. Auch der Aeltestenrat des Reichstages trat bereits um 11 Uhr zusammen. I Verschiedene Fraktionen, nämlich die Sozialde- mokraten, die Deutschnationalen, die Deutsche I Volkspartei und die Demokraten hatten für mittags Fraktionssitzungen einberufen, wahrend die Wirtschaftspartei sich nach Beendigung der Plenarsitzung versammeln will.
Auf der Tagesordnung der Vollsitzung des Reichstages, die wieder um 13 Uhr beginnt, steht als erster Punkt die Fortsetzung der Debatte über bas Schulgesetz. Es steht noch ber größte Teil ber zweiten Redner-Gar- I nitur aus; infolgedessen ist es noch fraglich, ob die I weiteren Punkte der Tagesordnung sämtlich erledigt werden. Unter ihnen befinden sich die Han- besöerträge mit Frankreich und Japan, ferner aber auch die erste Lesung der Besoldungs- neuregelung und der Gebührenerhoy- ungfürbieKriegsbeschäbigten.
Der vorstotz der Sozialdemokraten. |
V.D. Z. Berlin, 20. Okt. (Eig. Funkm.). Der Aellestemat des Reichstages hat hmte das Arbeits- Programm für den Rest dieser Woche ftstgekegt. Darnach soll am heutigen Donnerstag die erste Lesung des Schulgesetzes beendet werden. Für Freitag ist die erste Beratung des Besoldungsgesetzes in Aussicht genommen. Für Samstag ist die Beratung über die Erhöhung der Kriegsbeschadig- tenbezüge vorgenommen. Außerdem sollen noch einige kleinere Vorlagen auf die Tagesordnung kommen, die ohne Aussprache ben Ausschüssen Angewiesen werden können, zum Beispiel das von den Demokraten beantragte Dersorgungsgesetz. Für Samstag ist auch die Besprechung ber ^nterpel- lation und Anträge zum «Bergarbeiteritreif rn Aussicht genommen, falls nicht inzwischen der Streik beendet fein sollte. Die Erledigung der sozialdemokratischen Interpellation zur Wirtschaftslage wurde vom Aeltestenratab- gelehnt, weil sie bei der Fülle des übrigen Stoffes nicht mehr in dieser Woche behandelt werden könnte und der Aestestenrat daran festhalt, am Samstag eine Pause in den Verhandlungen des Reichstages eintreten zu lassen. Wie rott Horen, werden sich die Sozialdemokaten damit ledoch nicht zustieben geben, sonbern im Plenum noch einmal bie Beratung biefer Interpol! a- \ion beantragen.
Das Reichsfinanzministerium hat den Entwurf des Beamtenbesoldungsgesetzes dem Reichstag in der Form zugeleitet, die sich aus ber verschiedenen Auffassung zwischen bem Reichs- finanzministerium unb bem Reichsrat über eine Reihe von Bestimmungen ber neuen Besoldungsordnung als notwendig erwiesen hat. Die Paragraphen, über bie eine Uebereinftitnmung nicht erzielt worben ist, sind in ber Vorlage in Doppelfassungen geführt. In ber Begründung der Regierungsvorlage betont bet Reichs- finanzminister bie unvermeidliche Rückwirkung der Neuregelung auf Länder und Gemeinden, lehnt aber die Aenderung des Finanzausgleichs ab. Auch eine ®emal)rung von Reichsdotationen an bie Länder aus Amaß derBe- foldungsneuregelung wird entschieden abgelehnt. In ber Einzelbegründung hält die Regierung gegenüber den Reichsratsbeschlüssen durchweg an ihrem Entwürfe fest.
Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amiliches kreisblakl.______
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im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag I Twittlfl. 21. OltODCt 1927. I auswärts 0,80 5LM.. Bei W'ederholungen Rabatt. J
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Sowjet-Jubiläum.
wtb. Paris, 20. Okt. (Eig. Funkm.). Etwa 60 Delegierte des allgemeinen Arbeiterverbandes kommunistischer Richtung unb der republikanischen Frontkämpfervereinigung haben gestern Pans verlassen, um sich zur Teilnahme an der Feier des 10jährigen Bestehens der Sow- j et-Re publik nach Rußland zu begeben. Auch drei Mitglieder ber sozialistischen Partei hatten die Einladung, nach Rußland zu kommen, angenommen. Der Parteivorstand hat jedoch erklärt, daß Mitglieder der Partei, die sich zu den Iubiläurnsfeierlichkeiten nach Rußland begeben, sich a u ß e r h a l b der Partei stellen.
Ruhe in Spanien.
Der Pariser Havasagentur wird aus Perpignan folgendes telegraphiert: _ , ...
Die im Ausland verbreiteten Nachrichten von einem syndikalistischen Gewerkschaftsstreik und einer carliftischen Bewegung in Barcelona unb Katalonien sind unrichtig. In Barcelona wird überall gearbeitet. In ganz Katalonien ist nicht nur keme Streikbewegung zu verzeichnen, sondern im Gegen- teil eine Wiederaufnahme der Handelstätigkeit. Auch sind keinerlei Polizei- oder Sicherheitsmaß. nahmen für den Fall einer derartigen Bewegung getroffen worden. Was die Streikbewegung tn Asturien betrifft, fo wird dort die Arbeit in immer stärkerem Maße wieder aufgenommen. .
Havas berichtet aus Perpignan, daß König Alphons von Spanien nach seinem Aufenthalt in Barcelona, aber vor seiner Reise nach Neapel am 26. Oktober sich nach Lot begeben wird, um dort ein neues Stadtviertel einzuweihen, dessen Straßen Namen nach verschiedenen südamerikanischen Republiken erhalten.