Mein weg nach yinkelshagen.
Clne wandergeschichte von Fr. Donatas pfannmfiUer.
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4. Kapitel.
Zurück nach Deutschland.
Der Abschied ist vorüber und ich wandere zum Bahnhof. Unterweg» aus dem Marktplatz treffe ich Etelka, di« heut«, — es ist Markttag, — an ihrem Bücherstand Derkäuserin spielt. Ich muß chr versprechen, einen Brief zu schreiben, sobald ich roieber in Stellung bin. Aber Ungarisch soll ich schreiben. Das wird ein drolliger Brief werden bei meinem Ungarisch. Aber ich werde e» versuchen. Gefahr ist ja keine dabei. Und wo meine Weisheit mich im Stiche läßt, kann ich ja Deutsch schreiben. Der Vater mag es chr übersetzen. Geheimnisse haben wir nicht.
Ich löse eine Fahrkarte bis Rutka, der ungarischen Grenzstation droben Kn Iablunkagebirge. Sie kostet vier Gulden. Es mögen etwa 400 Kilometer Dahn- strecke sein bis dorthin, volle 14 „Zonen". Dann habe ich noch ein verhältnwrnäßig schmales Stück von Mähren zu durchwandern und werde bei Oderberg die "chle. fische Grenze erreichen. Don Oderberg, dem äußersten Zipfel Schlesien», bis Hinkelshagen ist» dann noch schrecklich weit, gegen 700 Kilometer, die alle pi Fuß durchwandert werden müssen. Mer ich bin jung, habe ein Paar vorzüglich« Wanderstiefel, mit denen ich die ganze Erde umlaufen kann, und dann ist» auch Früh- fing. Heute ist der 24. Februar 1892. Freilich, droben im Tatragebirge, in den Beskiden und im Riesenge- biege wird wohl um diese Zeit noch Winter fein. Hier unten wehen Frühlingslüfte.
3m Zuge sitzend studiere ich erst einmal mit Ruhe die neueste Eintragung in meinem Arbeitsbüchlein. E» hat große Mühe gekostet, eine Bescheinigung für meine halbjährige Arbeit bei Meister Molnar zu erhalten. Der Meister ist krank und kann vielleicht auch gar nicht Deutsch schreiben. Die Meisterin kann es noch viel weniger. Ich muß aber irgend einen amtlichen Ausweis über meine Arbeit in Händen haben, sonst könnte man
talttdng
in erprobten Qualitäten zu billigst Preisen.
Carl Seiher?, Fulda
Friedrichsmarkt 10 neben der Pfarrkirche.
Fuldaer Zeitung
Die Kirchervcrstlymfl in Mexiko
2. Blatt.
Druck der Fuldaer «ctteudruckerei, Fulda
JVe 242.
Donnerstag, 20. Oktober 1927.
Land die Fackel des Wissens entzün bet, b en en bot man bte Schulen geschlossen, bie Kollegien gestohlen, die bat man burch Gesetz von der Er ziehung ausgeschlossen; man bat s i e der Mittel zur Fortführung, ihrer ®tl' dungsarbeit beraubt, ihre Buche verbrannt u. die Eraebnisse ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit in alle Winde verschl-ubert. Eine stieb licke und fleißige Bevölkerung bat man gegeniei'i, aufgehetzt und ihr anstatt des Evanaeliums Chi ist die dreißig Silberlinge gegeben, mit denen es be stochen wurde, damit es seine Brüd»r morbe., Ta. Kreuz hat man ihren Hunden entrissen und ihn ei Fackel und Flint- aereickt. — Ah-r das alles wir nicht» nftNen. Man kann die ’Sihbofe verbannen, die Priester morden, bie Heiligtümer entweihen — die Geschickte b-r christlichen Kultur kann man damit nicht auslöschen, den Glauben wird man nicht t5t*n können. Es lebt auch b»ute noch Mar- tnrergeift in den beimaeluchten Brüdern. TaS dieser Seist nickt schwach werbe, mahnt Papst Piu, XT. zum Gehet für biesenigen, „bie Befolgung leiden um der Gerechtigkeit willen" (5Jlatth. 5, 10). Die Kirche wird nicht fterben; sie wirb mit Schriftus gekreuzigt werden. Sie wird keine mörderischen Waffen gebrauchen, um ihre Rechte durchzusetzen. Menschlicher Haß mag sie schmähen. Menschliche Bosheit mag sie verfluchen. Mensch- sicher Unglaube mag über sie spotten. Ihre Hoff, nung und ihre Macht liegt im Glauben!
W. Müller, Montabaur!
können. Ausländische Geistliche werden aus dem I Lande ausgewiesen.
Dabei beruft sich die merikamsche Regierung auf das „Gesetz" und ruft in die Welt hinaus, daß rn Mexiko von einer religiösen Verfolgung keine Rede fei!! _ . „ I
Die Wirkung der staatsichen Gesetze.erstreckt ich naturgemäß nickt allein auf die geistliche Ta» I tigkeit der Kircke, sondern sie bedeutet auch die Zerstörung der Werke der E r z i e h u n g und der Caritas. _ , .
Kein Geistlicher darf in einer Elementarschule unterrichten ober ein» höhere Lehranstalt leiten, es sei denn, er beuge sich unter Bedingungen, die er unmöglich erfüllen darf (Derf. 1917. Art. 3 und | Gesetz vom 21. Juni 26. Art. 4.) Alle religiösen Lehrorden sind unterdrückt und die Gründung wieher Orden ist verboten sverf. 1917, Art 130 und Gesetz vom 25. Rov. 26, Art. 15 und Gesetz vom 21. Juni 26, Art. 4). _ _ , . ,
Roch trauriger ist die Wirkung der Gesetze auf dem Gebiete der Caritas. Um die Kirche von der I Ausübung der Werke der Barmherzigkeit auszu- schalten, werben durch Gesetz karitative Anstalten konfisziert. Der Zusammenschluß von Mannern I und Frauen, die sich voll Selbstentäußerung in den Dienst der Caritas stellen, ist verboten. Die Folge davon ist, baß Mexiko heute ane-füllt ist mit zerstörten karitativen Anstalten. Die Kranken und Armen beben niemand, der sich ihrer erbarmt. Da» sind die „sozialen" Segnungen von Gesetzen einer sozialistisch-freimaurerischen Regierung!
(Präsident Calles wurde von zahlreichen Logen für seine Verdienste um das Maurertum zum Ehrenmitglied ernannt.)
Auch die religiöse Presse leidet unter den Gesehen. Unter schweren Strafen ist es verboten, bie Gesetze Mexikos zu kritisieren oder Hand'ungen öffentlicher Beamten zu mißbilsigen. Richt einmal weltlich- Matter dürfen sich ein solches Urteil gestatten. (Berf. 1917. Art. 130, Gesetz vom 21. Juni 25, Art. 13 und Gesetz vom 25. Rov. 26, Art. 16). Mehrere religiöse Blätter wurden auf Grund dieser Gesetze unterdrückt, ferner einige Tageszeitungen mit großem Leserkrei«. bie keinen refiaw- Charakter fragen, aber der Religion sympathisch gegenüberftauben.
Die Gesetze atmen desvotiscke Gewalt und U e • bertreibung der Staatsoberhoheit.
Die amerikanischen Bischöfe zeigen nun im zweiten Teil ihres Hirtenschreibens auf Grund von unbestreitbaren geschichtlichen Tatsachen, wie viel Gutes die katholische Kircke für M-riko geleistet hat und weisen einzeln die E n t st e l l u N g e n zurück, die man unter hem Volk verbreitet. Durch Unwahrheit stickt die Provaganba d-r Regierung die ’BoUsmeinung irrazuleiten. Sie hat dabei ein leichtes Spiel; denn Behauptungen sind sehr ra'ch aufaestesit und nur wenige 'nnnen sich die Mühe mach-n, das g-schicktsiche Mat»rial yi, b^rhtor- sch»n, um bi- Wahrheit zu finden. Die Bischöfe führen zum B-l-q ihrer B-ha'wiuvg-n die Quellen an. Der Einfachheit halber sind sie hier übergangen.
Die Missionare, bi* von Spanien kamen fanden ein verkommenes Lanb npr. Die Kultur des Lande» mar damals längst verschwunden. Mord und Kannibalismus waren zur Würbe religiöser Riten erhoben. Tote und Gefangene wurden nach dem Kampfe verzehrt. Gebratene Kinderleiber wurden unter den Vorräten be» Feindes gefunden. Die spanischen Missionare brachten Zivilisation. Ihre Gesetzessammlung hat man al» bas gerechteste Gesetzbuch bezeichnet, ba» je für die Urbevölkerung eines Landes ausgestellt wurde. Au» der indianischen Bevölkerung gingen in der Folgezeit zahlreiche große Männer hervor: Maler, Dichter, Redner, R-chtsgelehrte usw. Juan Esteban, ein einfacher Laienbruder der Gesellschaft Jesu,
war als Elementarlehrer so tüchtig, daß spanische Familien ihre Kinder über den Ozean sandten, um ihnen die Grundlage der originellen und vortrestlichen Lehrmethoden dieses Indianers zuteil wer- bfn$te Geschichte des Rückgangs der Erziehung in Meriko fetzt ein mit der Vertreibung der Keimten im Jahre 1767. Kurz nachher kam der Zerfall, der seitdem im Gange ist. Es gab wenige, die den Posten der alten Lehrer einnahmen. So mutzte Kolleg um Kolleg geschloßen werden. - Die inneren Wirren, bie in Mexiko schon über hundert Jahre das Volk nicht mehr zur Ruhe kommen tat- fen, haben zerstört, was drei Jahrhunderte des Friedens und der Kultur aufgebaut haben Die revolutionären Gedanken der Jakobiner waren es, die dem Volke die Ruhe raubten. — Geschlossene Universitäten, unterdrückte Kollegien, entle-r,e Schulen, konfiszierte Klöster, beschlagnahmte Kirchen, unfreie Presse, vergewaltigte Wahlurne — bas besagt genug. Die Bauten der Kirche die Denkmale der Erziehung und der sozialen Fürsorge stehen noch immer; leider dienen sie aber oft anderen, teils unedlen Zwecken. Solid und oft herrlich konstruiert sind viele Kasernen, Gefting- nisse, Hotels und Geschäftshäuser. Als der Besitz der Kirchen konfisziert wurde, zeigte es fich, iOB man ihn bedeutend überschätzt hatte, die Regierung löste weit weniger als die Hälfte des veia.i- Wagten Wertes. Die Stiftungen wurden oer- schleudert, die Gelber, bie zur Förderung der Anstalten der Erziehung und der Caritas, der Schulen, Waisenhäuser. Altersheime, Hospitäler, dienten, wurden für diese Zwecke nicht mehr bereit ge- stellt. Die Verfassung von 1917 hat den U eher griffen des Staates die Krone aufgesetzt. Präsident Calles kuckt
I st« nun durchzuführen, nachdem man anfangs lucht mit der vollen Strenge voraegangen war. Das ist der Dank der mexikanischen Regierung an die Kirche! Denen, die als erste in diesem
Auf dem Katholikentag zu Dortmund haben Dr Marx und Dr. Stegerwald erneut auf die Kirchenverfolgung in Mexiko hingewiesen und alle Katholiken aufgemuntert, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um mitzuhelfen zur Wiederherstellung der Glaubensfreiheit in Mexiko. Dr. Stegerwald sagt mit Recht: „Wenn zwei Anarchisten zum elektrischen Stuhl geführt werden, protestiert die halbe Welt im Namen der Menschlichkeit, wenn aber, wie in Mexiko, die Gewissensfreiheit einer großen Nation brutal vergewaltigt wird, rührt niemand den Finger". Diel zu wenig ist noch getan worden, um die Oeffentlich- feit auf ihre Aufgabe und Pflicht hinzuweisen. Die mexikanische Regierung, die es versteht, die Presse des Landes zu knebeln, verkündet der Welt immer wieder falsche Nachrichten. Schon von Anfang an ruft sie in die Welt hinaus, daß sie liberal sei und baß es eine religiöse Verfolgung in Mexiko nicht gebe. Plutarco Elias Calles erklärte im Oktober 1926: „Zum Schluß wünsche ich die Tatsache zu betonen, daß ein wirkliches religiöses Problem in Mexiko nicht vorliegt. Ich will damit sagen, daß es so etwas wie eine Verfolgung religiösen Charakters gegen religiöse Glaubensvekenntnisse oder Feindseligkeit seitens der Regierung gegen die Dogmen oder die Ausübung irgend einer Religion nicht gibt!" Präsident Calles spielt bis zur Stunde den Harmlosen. — Im Dezember vorigen Jahre» haben die katholischen Bischöfe der benachbarten Vereinigten Staaten Amerikas ein gemeinsames Hirtenschreiben erlassen, um die Gläubigen und auch bte nichtkatholische Welt über bie traurige religiöse Lage in der Republik Mexiko zu unterrichten. Dieses Hirtenschreiben ist auch in deutscher Sprache erschienen, hat aber in Deutschland leider sehr wenig Verbreitung gefunden.
Einige Gedanken des sehr ausführlichen Hirten- briefs seien hier wiedergegeben, Es ist wohl hinreichend bekannt, daß in Mexiko eine retigions- feindliche Regierung unter Präsident Calles, eine Verfolgung gegen die katholische Kirche einge- leitet hat. Eine schwere Heimsuchung ist über die gläubigen Katholiken hereingebrochen, und unsere merikanischen Glaubensbrüder haben um des Gewissens willen viel zu leiden. Der Hl. Vater, Papst Pius XI. hat bereits bie Gläubigen der ganzen Welt aufgefordert, sich mit ihm zu vereinen tm Gebet zu Gott für die bedrückte Kirche Mexikos. Er bekundet feinen Schmerz darüber, daß auf diese Weise der „Frieden Cbrifti tm Reiche Christi", den er mit aller Kraft erstrebt, so gestört werde. Unsere heutige kranke, leidburchmühlte Welt bebarf so notwendig ben Frieden Christi und den Segen, der von der Religion ausaeht. — Der Ruf des Hl. Vaters muß mit vielfältiaen Stimmen in alle Welt laut hinavsaerufen werden, ohne Unterlaß
A u f dem Weae der Verfassung wlll man in M-riko die Relioion vernichten. (Das mag auch hie Kühnheit erklären, mit der bie mexikanische Revieruna behaupten kann, es bestehe überhaupt keine refiaiöfe Versolmmg. Alle Priester können wriWehren, unter der Bedinguna, daß sie die Gesetze des Landes anerkennen. Es ist aber klar, daß kein wahrhaft katholischer Priester Jemals diese ungerechten Gesetze anerkennen kann.) Nach der aeaenroärtiaen Verfassung non Meriko hat keine religiöse Gesellschaft eine juristisch-gesetzliche Existenz (Verfassung von 1917: Artikel 130 und Gesetz vom 25. November 1926 Art. 5 ), das heißt: es gibt amtlich keine Kirchen in Mexiko; eine Kirche kann nichts besitzen; es steht ihr nicht das Recht zu, so viel Eigentum zu besitzen, als zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich ist. Die Kirche ist keine juristische Persönlichkeit und kann in keiner Weise den gerichtlichen Klageweg be
freiten, um ihre Rechte zu schützen. Sie ist ohne «gliche rechtliche Stellung. Mitglieder des Klerus verlieren durch ben Emvfang her Weihe ihre bürgerlichen Rechte (Df. 1917, Artikel 37 3). Eine Kircke kann nicht das Defitz-Reckt auf die Gebäude beanspruchen, in denen der offizielle Gottesdirnst abgehalten wird. lVf. 1917, ^rt. 27, und Gesetz vom 25. Nov. 1926, Art. 6). Sie kann keine Stiftungen besitzen (Df. 1917, Art. 27 2 und Gesetz vom 21. 6. 26, Art 21 und Gesetz vom 25. Nov. 26. Art. 6.)
Das Kirchengebäude ist Eigentum der Regierung, obwohl das Volk es bezahlt hat und es erhalten muß. Die Regierung gestattet dem recht- mäßigen „Eigentümer" nur bie Benutzung der Gebäude je nach dem Belieben der staatlichen De- amten (Df. 1917, Art 27 2 und Gesetz vorn 21. Juni 1926, Art. 22).
Eine Kirche darf keine Häuser für Bischöfe, Priester, Prediger oder Lehrer besitzen. Luch darf sie keine Borkehrungen treffen für die Zukunft; denn sie darf kein Seminar haben zur Heranbildung des Klerus, der bie durch Tod und Krankheit entstandenen Lücken ausfüllen könnte. (Nach Mitteilung der katholischen Wochenschrift „Nord- Amerika" (Philadelphia) hat Spanien in liebevoller Weise es übernommen, für die Ausbildung von Priesterkandidaten für Mexiko zu sorgen. Es wurden zu diesem Zweck bereits 120 Freistellen für mexikanische Theologen in ben spanischen Semtnarien gegründet. Die ersten 17 dieser jungen Bewerber sind am 28. Juni 1927 in Spanien eingetroffen, wo sie in der herzlichsten Weise ausgenommen wurden. Ihre Ausreise aus Mexiko war mit Schwierigkeiten und Gefahren verbunden. Der Führer dieser ersten Expedition, der Priester Thomas Lozano, berichtete, daß bei einer Fortdauer der Verfolgung die Absicht besteht, die sämtlichen Seminaristen Mexikos — über 2000 — allmählich alle nach Spanien zu bringen und sie dort bis zur Priesterweihe ausbilden zu lassen.)
Der Staat betrachtet die Tatsache, daß eine Kirche ein bestimmtes Gebäude benützt, als hinreichenden Grund für die Annahme, daß es der betreffenden Religionsgemeinschaft gehört. In diesem Fall kann die Regierung einschreiten und das Gebäude beschlagnahmen. Wenn sich ein Geistlicher auch nur eine Wohnung mietet, so kann diese aus bloßen Verdacht hin mit Beschlag belegt und eingezogen werden. Verwandten von Geistlichen droht der Verlust ihres persönlichen Besitztums durch Konfiskation. Bloßer Verdachts ist hinreichender Grund für die Annahme, daß dieses Ci acutum nur im Namen der Kirche v-rwaftet wird. (Derf. 1917. Art. 27 2). Alles Eigentum, das religiöse Gesellschaften für Zwecke der Erziehung und der Caritas verwenden, unterliegt der Konfiskation. (Derf. 1917, Art 27 2 und Gesetz vom 21. Juni 26, Art. 4). Um es der Kirche unmöglich zu machen, ein Gebäude irgendwelcher Art zu erwerben, bestimmt bas Gesetz, daß im Falle einer Beschlagnahmung kein Geschworenenprozeß statt- finben kann, falls der wirklich« Eigentümer das Gericht anruft. (Gesetz vom 25. Nov. 26 und Berf. 1917, Art. 130). Die Kirche Mexikos kann also nichts besitzen, kann keine Vorkehrungen treffen zur Bestreitung ihrer laufenden Ausgaben, kann keinen Klerus für die Zukunft heranbilden. Um nun aber auch ausländische Geistlich« abzu- wehren, die bann vielleicht den Seelen zu Hilfe eilen würden, bestimmt das Gesetz (vom 21. Jun 26, Art. 1 und vom 25. Nov. 26, Art. 8 und eDrf. 1917, Art. 130), daß nur einheimische mexikanische Geistliche kirchliche Funktionen vornehmen
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mich wegen Landstreicherei einsperren. Ich will zux Polizei gehen und mich abmelden: aber di» Meisterin wehrt ab. Ich bin, wie ich erst jetzt erfahre, überhaupt nicht angemeldet, ich existiere nicht in Szarvas. Jetzt wird es ungemütlich. Irgend ein gestempelte» Papier mutz ich in Händen haben, sonst gehe ich einfach nicht fort. Da schickt mich die Meisterin zu ihrem Schwiegersohn, dem Schreiner, der nebenbei allerlei Aemtchen verwaltet. Ich soll ihn um Rat fragen. Und er weitz Rat. Er bescheinigt mir in meinem Büchlein, daß ich von .... bis .... bei Meister Molnar als Buch- bindevgehüffe gearbeitet habe, und drückt unter seine Unterschrift einen schönen Stempel mit der Aufschrift: A Szarvasi Jpartestelt. Was das heitzt, weitz ich nicht genau. Soweit mein Ungarisch reicht, heitzt es: Der Szarvaer Gewerbeverein. Ich bin mit diesem Ausweis zufrieden. Wem er nicht genügt, mag sich an den Aussteller halten.
Der Zug fährt über ebenes Laich in der Richtung auf Szolnok. Dort muß ich umsteigen und habe 2 Stunden Aufenthalt. Man hat mir prophezeit, daß ich dort Arbeit bekäme und zwar in einem ganz bestimmten Geschäft. Dort gibt» immer Arbeit, denn jeder Gehüif- bleibt nur 14 läge. Daran ist die Meisterin schuld, die so geizig sei, daß sie jedes Restchen Heftzwirn, und wäre es auch nur 3 Zentimeter lang, das der Gehüife etwa fallen läßt, wieder aufhebt. Sie knüpft es wieder zusammen, und es mutz verarbeitet werden. Im ganzen Möld ist diese Meisterin bekannt. Ich habe nicht bie Absicht, in Szolnok hängen zu bleiben, denn mein Vier-Guldenbillet reicht bis zur Grenze. Aber um di« Zeit de» Aufenthaltes abzukürzen, gehe ich in bie Stadt. Und am Markt stehe ich plötzlich vor dem Hause, m dem die berühmte Meisterin wohnt. Em „Meistergeschenk" gibt» bei dem allbekannten Geizkragen sicher nicht, trotzdem reizt es mich, einmal um Arbeit vorzusprechen. Ich trete ein. Die Szarvaser Propheten hatten recht. Die Meisterin, eine ältere, hagere Person mit einem Geiergesicht, will mich einstellen. Sie spricht sogar Deutsch. Da muh ich mich nun aus der Klemme ziehen. Ich zeige ihr meine Fahrkarte nach Rutka. Rur aus Langeweile hätte ich vorgesprochen, um die Frau Meisterin einmal kennen zu lernen. Ich
hätte schon in Ezarva» von ihr reden hören. Da beginnt sie auf Ungarisch zu schimpfen, und ich ziche mich bescheiden zurück.
Wieder bin ich auf dem Bahnhof. Ich habe mir in der Stadt Lebensmittel gekauft für die lange Fahrt, Brot und Speck. Speck ist das ungarische Rationalesien. Nun warte ich auf meinen Zug. Szolnok ist Knotenpunkt für mehrere Bahnen. Dann kommt der Portier und ruft mit erstaunlicher Zungenfertigkeit zum Einsteigen ab. Einige größere Stationen meiner Strecke habe ich mir notiert, und ich glaube sie aus dem Wust der Ortsnamen herausgehört zu haben. Drautzen stehen zwei Züge zur Abfahrt bereit und ich Nettere in den einen in dem zweifelhaften Gefühl, ob es der richtige fei. Auf den Bahnhöfen haben es alle so eilig. Das wirkt ansteckend. Die Mitreisenden erzählen von Ezegled und Budapest, wo sie hinwollen. Ich spitze die Öhren. Ezegled liegt ja in der großen Pußta, und nach Budapest darf ich nicht mit meiner Zonenkarte, sonst verliert sie ihren Wert. Dort beginnen und enden alle Zonen. Ich frage einen Mitreisenden, ob wir auf dieser Strecke nach Hatvan kommen. Das ist eine der größeren Stationen, die ich berühren muß. „Rem — nein." Hatvan liegt in einer anderen Richtung, Er tröstet mich: „Ezegled ist auch eine schöne Stadt, schöner als Hatvan. Und wenn'» dir dort nicht gefällt, kannst du immer noch nach Hat» van fahren."
Dann, nachdem wir schon durch ein paar Stationen durch sind, kommt auch der Schaffner einmal zu un». Da sieht er die Bescherung.
„Io, do mußt holt wieder zurückfohren und Streck» nachzohlen."
Ich mache ihm klar, daß ein Handwerksbursche keine überstüffigen Moneten hat, und daß der Portier in Szolnok mich mit seinen verzwickten 6tationsnamen irre gemacht hat.
- Da lacht er und sagt: „O der ist stotz, daß er bi« Stationen s» schön und schnell ausrufen kann. — Aber waitztk Ungarisch Sprach i» dach faine Sprach: schöner wie Daitsch — Will dir etwa» sagen: Fährst mit bis Ezegled und blaibst dort auf Perron stehen. In halbe Stund fährt main Zug wieder zurück nach Szolnok.
Fährst wieder mit mir. Soll dich nix kosten, wail du bfft Banderl» legeen" (Wanderbursche).
Und so geschah es. In Ezegled blieb ich auf dem Banhsteig, bis der Zug wieder zur Rückfahrt fertig war. Der freundlich« Schaffner winkte mir zu, und so fuhr ich mit ihm wieder die Strecke zurück. Ich hatte ungefähr 120 Kilometer kostenlos gefahren. So kam e», daß ich erst am Spätnachmittag die Reife in der Richtung auf Rutka antrat. Ich fuhr die Nacht durch und den ganzen folgenden Tag. Unzählige Ortsnamen wurden ausgerufen, doch sie interessierten mich nicht Nur einmal horchte ich auf, al» der Ruf Ealgo-Tarjan erscholl. Das war der Name des Kohlenbergwerks, in dem der lustige Bergmann aus Lugosch gearbeitet haben wollte, als wir beim Inspektor des schönen Gutes in Siebenbürgen so herrlich bewirtet wurden.
Als ich am Morgen nach einer durchrüttelten Nacht erwachte, befanden wir uns in den Bergen. Es war kalt und da» Land war mit einer dünnen Schneedecke bedeckt. Hier war noch kein Frühling. „FülekI" rief bet Schaffner. Das Ungarisch, bas die Mitreisenden hier sprachen, schien mir anders zu klingen, schwerer unt rauher. Auch bas Slavische mischte sich wieder zwischen bas Magyarische. Dort vor uns lag das Tatragebirge, dahinter die Waldkarpaten, dann kommt Galizien. Die Gegend ist öde und arm. Die Bahn zieht an den Höngen der Berge hin und schlägt gewaltige Kurven. Weil vor uns tauchen zuweilen die Gipfel der hohen Tatra auf. Ein Mitreisender erklärt mir die Gegend. Da tm Gebirge wird viel Bergbau getrieben. Da link» im Gebirge liegt Schemnitz mit einem Erzbergwerk Dann geht» in vielen Windungen nach Schemnitz. Wir fahren link» an der hohen Tatra vorüber, überall Waid »nd Felsen, hin und wieder ein halbverstecktes armes Dorf. Es geht schon gegen Abend, da hält der Zug in Turocj-et. Marton. Bald werden wir an der End station der ungarischen Staatsbahn in Rutka fein. Mu ist nicht ganz leicht ums Herz. Nun beginnen für rmd; die Sorgen wieder. Meine Kaste ist recht klein gemolken. In Rutka muß ich irgendoo übernachten Das kostet Sev>. Und morgen beginnt der weite, weite Fußmarsch Hier ift’s noch Winter.
tFcrtjetzung rolat)