Fuldaer Zeitung
schöne Kindlichkeit unseres Wesens. Wie sagte doch soeben der kleine Hans? „Nun Mutter, foifte er, „daß ich mich nun auch noch in den Ferien waschen soll, ist doch eigentlich zuviel. Die Ferren fint) doch so kurz, und die Schule »st so lang. Und die Mutter hat gelacht dazu und den kleinen Stru- ivelkovf gründlich unter die Wasserleitung genom- men. Und als der kleine Hans nun schon gewaschen und mit hellen blanken Augen ins Dasein schaute, da war es wie ein Fest. Nun ja, man kann wirklich die Poesie bisweilen kommandieren. Und einen Theaterdirektor, der das versteht, den wünschte ich mir für diese betriebsame griesgrämige Menschheit von heute!
Der Mann im Monde.
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Actiendruckerei, Fulda
Rund um die Woche.
Die Theaterstücke enlstehen. - Spiele nicht mit Srlegsgewehr. — Sriegerverein und Schützenfest. - Der streitbare Bürgermeister von Treffurt. — Anitarismus und Föderalismus. - Das kleine Haus.
X» 239.
Sonntag, 16. Oktober 1927.
Vie Auslandsschulden.
In Essen erinnerte in einer stark besuchten Hauptvorstandssitzung der Ortsgruppe der Deutschen Bolkspartei der frühere Reichskanzler Dr. Luther daran, daß wir noch Auslands-Anleihen brauchen, weil unsere ganze Wirtschaft eine Verlust wirtschaft sei. Die deutsche Volkswirtschaft habe gegenwärtig etwa sieben Mil» liardenSchulden in Form ausländischer Anleihen. Drei Wege zur Besserung kämen in Betracht: Herabsetzung der Schulden, Erschließung neuer Märkte, Verbesserung des inneren Betriebs /Ersparnisse). .Eine Herabsetzung der Schulden fei unlösbar verbunden mit dem D a w e s p l a n. Die deutsche Regierung werde sehr bald zu dem Problem der Reparationslasten praktisch Stellung nehmen müssen. Deutschland sei es außerordentlich schwer gemacht, auf dem Weltmarkt vermehrten Absatz zu finden. Der Redner streifte dann die Schwierigkeit der Handelsvertragsverhandlungen und die Notwendigkeit neuer Kapitalbildung. Heute seien viele Fragen, die früher innerhalb der Wirtschaft sich automatisch regelten, zu Fragen der Politik und damit viel schwieriger lösbar geworden. Die Erhöhung der Beamtengehälter dürfte, weil sie zu spät gekommen fei, kaum ohne Nachteil für die Volkswirtschaft durchgeführt werden. Die Regierung müßte die große G e • fahr einer allgemeinen Gegenwelle abwenden. Den notwendigen Bedarf der Bevölkerung aus eigenen Bodenerzeugnissen zu decken, sei auch der einzige Weg. eine übermäßige Verschul- düng zu bekämpfen. Dr. Luther behandelte bann die Außenpolitik seit der Beendigung des Ruhrkampfes. Die deutsche Außenpolitik könne nur mit Mitteln des Friedens geführt werdey. Die Abrüstungsfrage müsse von Deutschland immer wieder in den Vordergrund gestellt werden, denn sie sei die praktische Probe auf die Friedensidee. Das französische Gesetz über die allgemeine Dienstpflicht fei das genaue Gegenteil der Abrüstung. Nachdem Dr. Luther auf die große Bedeutung der Tannenbergrede Hindenburgs für die Bekämpfung der Krieasschuldlüge hingewiesen hatte, behandelte er zum Schluß die Notwendigkeit, die Politik nicht von rein inner politischen Gesichtspunkten aus zu betreiben. ____________
* Die beiden Hauptgewinne der Preußisch-Süddeutschen Klaffenlotterie gezogen. Die beiden Hauptgewinne der I. Klaffe der Preußisch - Süddeutschen Klaffenlotterie tarnen bereits am Freitagmittag, dem ersten Ziehungstag, heraus und zwar fiel der Gewinn von 100 000 Mark auf die Nr. 30 900 nach Berlin, der Gewinn von 50 000 Mark auf die Nr. 83 862 nach Herford. Die Gewinner in Berlin sind meistens kleine Leute, die das Los in Achteln spielten. .....
♦ Angriff eines Arbeiters auf einen französischen Unteroffizier. Havas berichtet aus T o u r s : Hier beleidigte ein Arbeiter einen Unteroffizier, der eine Abteilung Soldaten in die Kaserne zurück- fiihrte Er stieß dabei antimilitaristische Drohungen aus. Schließlich versetzte er bern Unteroffizier sogar einen Faustschlag. Der Arbeiter wurde fest- genommen.
weoen Spionageverdackt verhaftet.
wtb. Warschau, 15. Okt. (Gig. Funkrn-). Gestern wurden auf dem Lemberger Flugfeld vier Mitglieder der geheimen ukrainischen Militärorganisation unter Spionageverdacht verhaftet.
Ausweisung von Litauern aus Polen.
wtb. Warschau, 15. Okt. (Gig. Funkrn.). Sm Faufe des gestrigen Tages sind 14 Litauer wegen angeblicher Tätigkeit gegen den polnischen Staat als lästige Ausländer aus Polen ausgemief en worden. •_____________
Ein berühmter Berliner Intendant hatte vor einiger Zeit ein neues Zugstück entdeckt, das aus etwa 10 Bildern bestand. Es war darin alles auf« gehäuft, was man für ein gewisses Publikum so braucht: Liebe, Abenteuer, Piraten, Donner, Blitz und Sturm im Ozean. Jedes Bild schloß mit Mord und Totschlag, und das führte zu einer eigentümlichen Verwicklung. Sm dritten Akt nämlich sollte einer der Hauptschauspieler tödlich verwundet werden und untergehen. Das aber gefiel dem Herrn nicht, und er tobte gewaltig, das sei doch keine Art, ihn schon im brüten Akte sterben zu lassen, während die übrigen Schauspieler noch ganze sieben Akte zu leben hätten, und also sieben Mal so oft in sämtlichen Illustrierten abphotographiert zu bewundern seien. Was tun? Man ruft die Stenotypistin und Schauspieler, Sntenbant unb Fräulein behandeln des Dichters unsterbliche Poesie und haben die Sache bald soweit fertig, daß jener Schauspieler im dritten Akt mit dem Leben davonkommt, um auch die sieben weiteren Bilder noch mit pielen und photographiert zu werden. Ach, wenn das Publikum wüßte, auf wie possierliche Art so manches Bühnenstück zufammengestellt wird! Und wie sehr der Dichter selber heute dem Theaterdirektor und dem Regisseur zu Willen fein muß. Nie hat der „Direktor" so energisch nach dem Rezept des Vorspiels aus Goethes Faust gearbeitet:
„Gebt Ihr Euch einmal für Poeten, So kommandiert die Poesie.
Euch ist bekannt, was wir bedürfen, Wir wollen stark Getränke schlürfen, . . . Ihr wißt, auf unfern deutschen Bühnen, Probiert ein Jeder, was er mag;
Drum schonet mir an diesem Tag
Prospekte nicht und nicht Maschinen."
Nun woll' ich allerdin.p nickt vom Theater der Kunst sondern vom Theater des Lebens erzählen. Ich meine nämlich, auch da fei ein brn» ter Akt gewesen, und es hätten nach der Absicht des großen Dichters, der das Welttheater lenkt, ich meine des göttlichen Dichters über den Sternen, einige Schauspieler untergehen sollen, um nie wieder aufzutauchen. Das ist aber nun luftig zu sehen, rote da einer nach dem andern wieder erscheint, den man für endgültig begraben hielt.
Untergegangen fein sollte eigentlich der Mensch, der das Verslein „Spiele nicht mit Kriegsgewehr sich nicht gründlich gemerkt hätte. Es wird rote- der mit Kriegsgewehr gespielt, und auf dem Balkan wird fo.iar so damit gespielt, daß man jeben Augenblick fürchten muß, es könne ernst werden. Fängt aber in Europa die Schießerei einmal irgendwo wieder an, dann wird es damit gehen wie beim Hundegebell in einem schlafenden Dorf. Erst fängt der Spitz an zu kläffen, und schon meint des Nasars Pudel, auch er dürfe nicht stumm bleiben, was selbstverständlich den Dackel gegenüber auch nicht schlafen läßt. Bis schließlich alle Hassos, Packans. Greifs und Wolfs in Bewegung sind, und das stille Dorf von Gekläff tviderhnllt . . Ich will dem deutschen Volk seine Kriegervereine nicht nehmen, und das Schützenfest ist nun einmal ein unentbehrlicher Bestand unseres bürgerlichen Kirchenjahres. Aber es sollten diese Feste mehr der Pflege wackerer Kameradschaft dienen als dem bösen Kriegsgott, den wir doch zur Genüge kennen.
Noch eine andere Sorte von Schauspielern hätte eigentlich in jenem Schicksalskampf verschwin
den müssen. Ich meine die konsesfroneIIen Str eit Hähne Kennst Du das Stcwtchen Tref- I furt, das in der wunderschönen thüringischen Ge- genb liegt? Da auf der nahen Burg die neudeutsche Jugend ihre großen Treffen halt, und diese Jugend auch gern ihre Kapelle hat, so richtete I der Besitzer jener Burg einfach einen wichen Raum I für den 'Gottesdienst ein. Niemand wird behaup- I ten, daß durch solche Bauten das Wohl des deut- fchen Landes bedroht werde. Nur der Burger- I meister von Treffurt geriet darüber in einen gewaltigen Zorn, und es czrb hitzige Reden m dem I sonst so geruhsamen Stadtparlament von I furt. Wozu das alles? Die überwältigende Mehr- zahl der Katholiken und Protestanten bei uns bedankt sich für diese Art, die aus der Religion der Liebe einen Turnierplatz des Hasses macht. Möge I das Stadtparlament von Treffurt mitsamt seinem streitbaren Bürgermeister nur einmal eine frteb- liche Wallfahrt zur nahen Wartburg machen, wo Junker Jörg und Sankt Elisabeth ihren Burgfrieden halten, und wo das Lied der Wartburg- I länger noch heimlich von echter deutscher Art unb I Größe singt. Falls nicht gerabe der Eoange - lifche Bund dort oben zu Gaste ist!
Ja auch die sollten untergegangen fein, die von diesem Liede keine neue große Vorstellung I aus dem Weltkriege heimgebracht haben. Es geht jetzt bei uns im Lande um recht ernste Fragen. Einheitsstaat, Föderalismus, Partikularismus, und wie die schönen Dinge alle heißen, drohen die Gemüter zu entzweien. Der letzte große deutsche Städtetag ist da Zeuge recht ernster Auseinander- fetzungen gewesen. Möge doch bei solchen ©eteg«1’ beiten niemals das Schlagwort regieren. Möge man sich immer klar darüber bleiben, daß ein maschineller Unitarismus so wenig eine deutsche Lösung unserer Zukunstsgestaltung in sich brrct, wie ein romantischer Föderalismus, der die Notwendigkeit einer starken Zentralste walt nicht em- sieht! Das große Deutschland der Zukunft muß so eingerichtet werden, daß sich auch die einzelnen Länder darin wohl fühlen und ihre geschichtlichen Aufgaben erfüllen können. Es muß andererseits, um in der politischen und wirtschaftlichen Konkurrenz der Gegenwart bestehen zu können, eine starke Einhett barstellen. Wenn alle, die an tiefen Auseinandersetzungen beteiligt sind, nur immer den Blick auf unsere gemeinsamen deutschen Ideale richten, dann werden sie auch die einzelnen Fragen, die der Tag so mit sich bringt in wahrhaft deutschem Sinne entscheiden. Schlagworte aber und namentlich so unklare Schlagworte, wie sie heute vielfach üblich sind, können nur ver- wirren Die Gartenschere, mit der Ludwig xiv. die Hecken von Versailles beschneiden ließ, ist nicht das geeignete Instrument, mit dem man deutsche Innenpolitik machen könnte. Lassen wir immer ein wenig wachsen, was will und was noch gute Wurzeln hat. Wird der Baum etwas knorrig, fo entspricht das aanz der deutschen Eicke, immer noch iinserm besten Symbol. Wie heißt es kroch so schön:
„Fest und unerschütterlich w Stehen unsere Eichen . . .
Also bitte, Ihr Schauspieler, die Ihr nickt mehr in die Zeit paßt, tretet gütig ab von der Dühn^: ein neues Geschlecht ist gekommen, das, die weiteren Akte auch ohne Euch spielt Es will wirken und arbeiten und froh sein dabei, lieber dos Gekrächz der Raben des Unterganges siegt schon hier und dort wieder der deutsche Humor und die
Die bevorstehenden sozialen Wahlen
Da durch Reichs^setz vom 8. April 1927 eine ein- heifliche Wahlzeit für alle Ehrenämter in der Sozialversicherung geschaffen wurde, fo endigen mit dem Schluß dieses Jahres die Amtszeiten der letzigen Inhaber der Ehrenämter der Reichsversicherungsordnung und des Angestelltenversicherungsgefetzes.. Nur in der Reichsknappfchaft läuft die Amtsdauer erst mit dem Schluß des Jahres 1928 ab. Die Wahlzeit der dann zu wählenden Vertreter endet aber ebenso, wie die in RVO., mit dem Schluß des Jahres 1932. Auch bleiben die Ausschuhmitglieder, die ihr Amt erst am 1. Januar 1926 angetreten haben, bis zu diesem Zeitpunkte in ihrem Amte. Alle anderen Krankenkassenausschuffe muffen Ende dieses Jahres neu gewählt werden. Die Wahlen werden durchweg, einer Anregung des Reichsarbeitsministers folgend, in der ersten Hälfte des Monats November stattfinden.
Die Krankenkassenausschüsfe, die in geheimer und in direkter Verhältniswahl von den volljährigen Versicherten gewählt werden, sind der Wahlkörper für alle weiteren Wahlen in der Sozialversicherung. Bisher wählten die Ausschüsse lediglich den Vorstand, der dann die Mitglieder der anderen Instanzen zu wählen hatte. Nunmehr ist diese Funktion des Vorstandes auf den Ausschuß übergegangen, der daher auch die Beisitzer beim Dersicherungsami, beim Ausschuß der Landesversicherungeanstalt, der bann seinerseits wieder den Vorstand der Landesversicherungsanstalt und die Beisitzer bei den Ober- Versicherungsämtern, beim Reichsverficherungsamt unb die besonderen Ausschüsse und Schiedsinstan- zen zu wählen hat. Wahlberechtigt und wählbar ist eher bei der betr.Krankenkasie voll-(21-)jährige Ber. ! sicherte sowie die Arbeitgeber, die regelmäßig mtn- destens einen Versicherungspflichtigen beschäftigen. Eine wesentliche Aenderung gegen früher liegt darin, daß das Recht zur Einreichung von Vorschlags- listen grundsätzlich den wirtschaftlichen (tartifabt- gen) Vereinigungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusteht.' Allerdings können auch von den Wahlberechtigten Vorschlagslisten eingereicht wer- den, wenn sie genügend Unterschriften tragen. Di« Vorschlagslisten der wirtschaftlichen Vereinigungen bedürfen der Unterschriftensammlung nicht.
Nicht nur die Krankenkassenmitcslieder, sondern die gesamte Oeffentlichkeit hat an dem Ausfall bet l Wahlen das allergrößte Interesse, weil in solchem Umfange früher nie zusammenhängend sozial« Wahlen stattgefunden haben. Unsere Sozialver- I sicherung, die mit einem Iahresetat von rund 3 I Milliarden Mark arbeitet, ist ein Machtfaktor von stärkster Auswirkung. Wie es den Versicherten nicht gleichgültig fein kann, wer die Kaffen ver- waltet' — denn nur eine gute Verwaltung sichert ihnen einen Anspruch auf Leistungen, die über die Mindestsätze hinausgehen — fo kann es der Och fentlichkest nicht gleichgültig fein, wer die Mitte! der Dsrsicherungsträger verwaltet. Es ist kein Ge> heimnis, daß die sozialistische „Bank der Arbeiter, I Angestellten und Beamten" mitgetragen wird voir
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vom Slektpo-
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Durch Wüste und Wildnis.
Roman von Heinrich Sienkiewicz.
74s ---------
Stasch nickte, zum Zeichen, daß er einverstanden fei, blieb aber noch einige Stunden, denn er und King hatten es nötig, sich auszuruhen.
Er ritt erst gegen abend fort. Während seiner Ab- Wesenheit wurden die Leichen der im Kampfe gefallenen Samburu weggeräumt und in einen nahen tiefen Ab- gründ geworfen, über welchem gleich eine Schar Geier sich sammelte. Die Zauberer trafen Vorbereitungen zum Begräbnis Fumbas, und Kali übernahm die Herrschaft als der einzige Herr über Leben und Tod feiner Untertanen.
„Weißt du, wer Kali ist?" fragte Stasch das kleine Mädchen während der Wckkehr aus ßuela.
Rel blickte ihn erstaunt an.
„Dein Boy."
„Aha! Boy! Kali ist jetzt König aller Wa-Hima."
Rel war über diese Nachricht hocherfreut. Diese plötzliche Wendung, Dank welcher der ehemalige Sklave des grausamen Gebhr und bann Staschs demütiger Diener König wurde, erschien ihr etwas Außergewöhnliches und auch unerhört drollig.
Aber die Bemerkung Lindes, daß Neger wie Kinder feien, die vergessen, was gestern gewesen, war in bezug auf Kali nicht richtig; denn kaum waren Stasch und Nel beim Berge Doko angelangt, lief der junge Monarch ihnen eilig entgegen, begrüßte sie mit der gewöhnlichen Demut und Freude und wiederholte die bereits einmal ausgesprochenen Worte:
„Stali wird König der Wahima unb großer Herr König Kalis."
Unb er umgab beide mit abgöttischer Verehrung und beugte angesichts feines Volkes bas Knie vor Nel, da er aus Erfahrung wußte, daß der große Herr mehr um Bibi besorgt war als um sich selbst.
Als er sie feierlich auf den Gipfel bis zur Borna geleitet, übergab er ihnen die Hütte Fumbas, einem großen, in drei Kammern geteilten Schuppen ähnlich. Den Wa-hima-Frauen, die mit ihnen zusammen aus ßuela gekommen waren und sich an dem guten Msimu nicht satt sehen konnten, gebot er, in der ersten Kammer Gefäße voll Honig unb saurer Milch aufzustellen, unb als er erfahren, daß Bibi von ber Reise ermüdet eingeschlafen, befahl er den Einwohnern unter der Strafe des Abschneidens der Zunge die allergrößte Stille. Aber er beschloß sie noch mehr zu ehren unb als Stasch nach kurzer Rast wieder vor dem Schuppen erschien, näherte er sich ihm, verbeugte sich und sprach:
„Morgen wird Kali Fumba begraben lasten und für Fumba und Kali soviel Sklaven töten, wie viele Finger beide an den Händen haben; aber für Bibi und für großen Herrn wird Kali befehlen Faru, den Sohn Mambas, zu köpfen unb „mengt — mengt" Samburu."
Stasch aber runzelte bie Brauen unb blickte mit seinen Stahlaugen in Kalis Augen, worauf er versetzte:
,Zch verbiete btr es zu tun."
'.Herr!" sagte ber junge Neger unsicher, „Wa-hima köpfen immer bie Sklaven. Alter König sterben — köpfen — junger König werden — köpfen. Wenn Kall nicht köpfen lasten, Wa-Hirna denken, daß Kall kein König."
Stasch bllckte immer strenger.
„Also was?" fragte er. „Hast du nichts auf dem Lindeberg gelernt unb bist bu kein Christ?"
„Ich bin es, großer Herr!"
„2tlfo höre! Die Wa-himas haben ein schwarzes Gehirn, aber deines sollte weiß fein. Du, ber du ihr
König geworden, solltest sie aufklären und das lehren, was bu von Bibi und mir gelernt hast. Sie sind rote Schakale unb Hyänen, mache aus ihnen Menschen! Sage ihnen, daß man die Gefangenen nicht töten darf, denn bas Blut ber Unschuldigen straft ber große Geist, zu welchem Bibi unb ich beten. Die Weißen morben keine Sklaven, und du willst gegen sie noch ärger sein als Gebhr gegen dich war, du Christ! Schäme dich, Kali! Aendere die alten häßlichen Sitten der Wa-hima und Gott wird dich segnen und Bibi wird nicht sagen, daß Kali ein wilder, bummer unb schlechter Neger sei."
Ein grauenhaftes Gebrüll in ben Hütten ber Sauberer dämpfte feine Stimme. Stasch machte eine abwehrende Bewegung und fuhr fort: „Ich höre — es ist euer „schlechter Msimu", der das Blut und die Köpfe der Gefangenen will. Aber du weißt, was es bedeutet, und dich wird es nicht erschrecken. So sage ich dir folgendes: Nimm einen Bambusstab, gehe in jede der Hütten und prügle jeden Zauberer solange durch, bis er zu brüllen anfängt, lauter als seine Trommel. Und die Trommel wirf heraus in dir Mitte der Borna, damit die Wa-himas sehen, wie diese Schurken sie betrügen. Sage gleichzeitig deinen dummen Wa-himas, was du selbst ben Leuten M'Ruas seinerzeit erklärtest, baß bort, wo ber gute Msimu wellt, kein Blut vergossen werben barf."
Den jungen König schienen biefe Worte überzeugt zu haben, benn er blickte Stasch freundlich an unb sagte:
„Kall wirb bie Zauberer durchprügeln, bie Trommeln herauswerfen unb ben Wa-himas sagen, daß dort, wo der gute Msimu weilt, kein Blut vergosten werden barf. Aber was soll Kali mit Faru und den Samburu, welche Fumba getötet, tun?"
Stasch, welcher sich schon alles im Geiste zurecht- getegt und nur auf diese Frage gewartet hatte, versetzte fofortx
„Dein Vater ist tot und seiner auch; also ein Haupt für das andere. Du wirst mit dem jungen Faru ein Blutbündnis schließen, woraus die Wa-himas unb Samburu im Frieben leben werben und ruhig ihren Maniok bauen und auf die Jagd gehen können. Du wirst Faru von dem großen Geist erzählen, der ein Vater aller weißen und schwarzen Menschen ist, und Faru wird dick wie einen Bruder lieben."
„jtali hat jetzt ein weißes Gehirn," erwiderte de» junge Neger. Und damit schloß bas Gespräch. Einer Moment später erscholl roieber bas wilde Gebrüll, aber nicht mehr des „bösen Msimu", sondern ber Zauberer welche Kali durchprügelle. Die Krieger, welche unter King umringten, eilten schleunigst hinauf, um zu sehen was geschehen. Sie überzeugten sich halb mit eigener Ohren und aus dem Bekenntnis der Zauberer selbst, daß der böse Msimu, vor welchem sie bis jetzt gezittert halten, nur ein ausgehöhlter Stamm sei, mit einem Affenfell überzogen.
Als man dem jungen Faru verkündete, daß man ihm zu Ehren des guten Msimu und des großen Herrn nicht nur nicht den Kopf zerschmettern werde, sondern auch, daß Kali ein Stückchen von ihm und er ein Stückchen von Kali elfen werde, traute er seinen Ohren nicht; und als er erfuhr, wem er sein Leben verdanke, legte er sich vor dem Eingang zur Hütte Fumbas mit dem Antlitz zu Boden nieder und lag so lange da, bis Nel herauskam unb ihm aufzustehen gebot. Da umschlang er mit seinen schwarzen Händen ihr Füßchen und setzte es auf seinen Stopf, zum Zeichen, daß er fein ganzes Leben ihr Sklaoe^hleiben wolle.
Die Wa-himas waren über bie Befehle ihres jungen Königs sehr erstaunt, aber bie Gegenwart ber unbekannten Gäste, welche sie für bie mächtigsten Zauberer ber Well hielten, bewirkte, daß niemand zu widersprechen wagte.