Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblatt.
irr. 235.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
Mittwoch, 12. Oktober 1927.
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54.Zahrg.
Geldsorgen Bayerns.
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Das Reichsschulgesetz im Reichstag
Die ttanzlerreise zum Rhein.
Bei seinem Besuch in K o b l e n z erklärte Reichskanzler Dr. Marx, er freue sich, endlich Gelegen» beit gehabt zu haben, aus eigener Anschauung die Nöte der Stadt Koblenz kennen zu lernen. Im Reichsministerium für die besetzten Gebiete seien diese Verhältnisse bekannt und finden dort volle Würdigung. In dankbarem Gedenken für das treue Ausharren in schwerster Zeit werde das Reich auch weiterhin der Stadt Koblenz jeden nur möglichen Beistand leisten.
Aus dem Ergebnis der Vürgerschaftswahlen in Hamburg ist die starke Wahlbeteiligung bemerkenswert. Die Zahl der abgegebenen Stimmen ist gegenüber den Wahlen im Jahre 1925 um fast
Aus parlamentarischen Kreisen schreibt man uns:
Es gibt solche, die der Meinung sind, die ganze Schulfrage würde wesentlich einfacher diskutiert werden können und würde sich in viel weniger leidenschaftlicher Form abftielen, wenn man bereiten das deutsche Volk auf diese Dinge besser vorder ei'- tet hätte. Der Keudell'sche Entwurf sei wie auS der Pistole geschossen gekommen, und nun verstehe man sich gegenseitig nicht. Das stimmt nicht! Die Schulfrage ist schon immer zur Debatte gestanden. Wer glaubt aber, daß gewisse Kreise, die nun einmal den Entwurf nicht ruhig betrachten können, durch eine längere Vorbereitung sich leichter zu einer Verständigung bereit gesunden hätten? Denn darauf kommt es an, auf eine Verständigung!
Der preußische Entwurf zu einer Verbesserung des Reichsschulgesetzes hat recht, wenn er meint, die Frage sei so einschneidend, daß man ste mtt einer schwachen parlamentarischen Mehrheit über» Haupt nicht lösen könne. Mr stimmen dem zu. Mer daraus erfolgt für beide einander entgegen» stehenden Seiten auch die Besinnung auf ihre Kräfte: e§ sollte wenigstens der Fall sein! Denn weder die Anhänger der Simultan- fchule noch die der Bekenntnisschule find parlamentarisch so stark, daß sie einander frittieren könnten. Wollen sie beide wirklich das Gesek, so kann es nur werden auf dem Wege der Verständigung. Ringt man sich dazu nicht durch, dann fällt das Gesetz, das ist klar. Daran aber, sollte man meinen, haben beide Teste doch kein Interesse. Oder doch? Will man lieber die ganze Keudell'fche Arbeit unter den Tisch fallen lassen, um die Simultanschule in einigen Ländern zu retten? Wir können das nicht glmiben, obschon wir wieder in mancher Beziehung alauben, eher ein Scheitern der.Dor- läge ertragen zu können als die Anhänger der Simultanfchule und der Freien Schule. Mer er- strebenswert ist dieser Zustand nicht.
Wir suchen die Lösung auf der ehrlich anerkannten Formel: Jedem Deutschen die Schule, die er haben will. Mso uns Katholiken die ka- tbolische Schule! Daran müssen wir uns end- gültig gewöhnen, wenn wir uns zur Rattvn bilden wollen, daß die Vergewaltigungen der früheren Zeit undemokratisch und volksichädigend sind. Der Linken insbesondere mag gesagt sein, daß sie durch chr sinnloses Versteifen auf gewisse, absolut nicht lebenswichtige Dinge, das Zentrum auf dir Dauer
Der Reichstagspräsident wird laut „Vorwärts" den Reichstag zum Dienstag, den 18. Oktober, einberufen. Auf der Tagesordnung steht als erster Berattmqsgegenstanddie Schulvorlage. Außerdem enthält die Tagesordnung noch eine Reihe anderer Beratungsgegenstände.
Man rechnet in parlamentarischen Kreisen damit, daß die erste Lesung der Schulvotlage, die vom Reichsinnenminister von Keud'ell eingebracht wird, mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen wird. Sie soll dann einem besonderen Ausschuß zur Weiterberatung überwiesen werden.
mokraten 34 Vertretern der Deutschen V o l k s p a r t e i und der Demokratie gegenüber. __________
* Reichspräsident von Hindenburg empfing am Dienstag den preußischen Ministerpräsidenten Braun.
* Zeichnung eines deutsch-französischen Recksts- abkommens. In Ergänzuna des deutsch-französischen Handelsabkommen vom 17. August 1927 hat der deutsche Botschafter und der ftanzösische Außenminister am 4. Oktober 1927 zwei Rechtsabkommen über Fragen des deutsch-französischen Rechtsverkehrs gezeichnet. Danach sollen die Angehörigen der beiden Länder mit Einschluß der juristischen Personen von der Sicherheitsleistung wegen der Prozeßkosten befreit fein und der Rechtshilfsverkehr in bürgerlichen Angelegenheiten durch Zu- laffung der konfularischen Vermittlung anstelle des diplomatischen Weges vereinfacht und beschleunigt werden.
lotte erhalten.
Die Laqe im 2!satz.
Der Pariser „Temps" meldet im Anschluß an die Bildung einer Autonomistenpartei, die er als rein künstlich geschaffen bezeichnet und deren Vor- handensein er einen tatsächlichen Skandal nennt, sich gegen die elsässischen Zeitungen wie die „Wahr- beit", „Die Zukunft" und „Die Volksstimme . die Frankreich ungestraft beleidigen könnten. Die elfaf. fischen Patrioten, so erfrärt der „Temps", seien er. staunt darüber, daß die französische Regierung ent- rooffnet scheine. Sie machten ihr ihre Schwache zum Vorwurf und auch die Pariser Zeitungen schloßen sich diesem Urteil an. In der Tat, man habe jetzt genug, so erklärt der „Temps". Die erste Pflicht des Staates fei, die Sicherheit Frank- reiche zu gewährleisten, die Machenschaften ausländischer Agenten zu unterdrücken und den Verrat zu bekämpfen. Einige Polizeimaßnahmen hat- len schon guten Eindruck gemacht und „Die Zukunft" und „Die Volksstimme" könnten wohl von einer Diktatur im Elsaß und von der Pressefreiheit sprechen. Niemand wäre deshalb in Erregung geraten. Man wünsche viel eher etwas weniger Hof. kichkeit. Vielleicht wäre es angebracht, jenen Ge- setzentwurf wiederaufzunehmen, den das Kabinett der Nationalen Einiaung beim Ans-Ruder-Kom- men im Juli 1926 in der Kammer eingebracht und der den Zweck habe, gewisse gegen die territoriale Integrität des Landes gerichtete Propaganda zu unterbinden. Don den Behörden eine energische Haltung zu verlangen, sei sehr gut, aber man müsse ihnen die Mittel in die Hand geben, unter Wahrung der Loyalität energisch vorzugehen.
Calles meldet Sieg.
wtb Mexiko. 10. Oft. (Gig. Funkm.) Der Ehef des Stabes, General Alvarez, teilte heute abend mit, daß die Aufständischen unter Gomez und Almada am Sonntag nachmittag im Gebiete von Perote (Staat Veracruz) von den Bundestrup» pen in Sstündiger „Schlacht" entscheidend gefchla- gen wurden. 50 Aufständische wurden getötet, 100 verwundet, 600 gefangen genommen. Gomez und Almada entkamen. Aber die Bundestruppen setze« die Verfolgung fort.
Wie „Nogales Herold" meldet, find Generu. Paulino Fontes, der frühere Direktor der National Railway of Mexiko und 15 feiner Anhänger unter der Beschuldigung der Anstiftung zur Rekel- lion hingerichtet worden.
» Politische Personennachrichten. Wie der „Staatsanzeiger" mitteilt, ist der bisherige Mitar- beiter der Pressestelle beim preußischen Staats- Ministerium, Schriftleiter Dr. Hermann Katzen- berg er, zum Oberregierungsrat als Vertreter des Leiters der Pressestelle ernannt worden.
• Ein französisch-belgischer Niederlassungsver- fraq. Wie das '.Journal" aus Brüssel meldet, sind die'französisch-belgischen Verhandlungen über den Abschluß eines französisch-belgischen Niederlas- sungsvertrages nunmehr zum Abschluß gekommen. Das Abkommen fei von großer Bedeutung besonders für die zahlreichen in Frankreich lebenden Belgier. Künftig würden die Belgier in Frank- reich und umgekehrt die Franzosen in Belgien die Meistbegünstigungs - Klausel, betref. send die Aufenthaltserlaubnis, das Niederlassung», recht, die Betätigung in Handel. Industrie und alle» Berufen, genießen.
in eine pollttsche Situation hineinmanövriert, an I der lediglich die Reaktion eine Freude haben tarnt.
Di« Schwierigkeiten liegen auch nicht am stärk- | ften auf sozialistischer, sondern auf liberaler I Seite. Das ist natürlich, und wir haben dafür Verständnis. Diesen Kreisen ist als Erbteil des alten Staates die Toleranz immer schwer geworden, aber wir können fte ihnen nicht ersparen. I Es kommt darauf ckn, den bekannten Paragraphen I der Reichsverfassung nicht enge, sondern weitherzig I auszulegen: wer ihn enge auSlegt — denn man 1 kann wirklich alles mögliche in ihn hineminterpre- tieren. Wir begrüßen gerade deshalb die Preußischen Vorschläge, weil sie den ernstlichen Versuch der Verständigung machen, und trotzdem sie von einem in seiner Mehrheit linksgerichteten Kabinett kommen, doch nicht nur ehrsich und im Geiste der Verständigung mit dem Keudell'schen Entwurf sich | auseinandersetzen, sondern weil sie im Gegensätze zu weiten Kreisen der Liberalen und Demokraten einen ersten großen Vorstoß gegen die in diesen Kreisen behauptete alleinige Bev orrechtt- | gung der Simultanschule bedeuten. Ist man erst einmal so west, die unbedingte Bevorrechtigung der Simultanschule fallen zu lassen, so ist bis zur theoretischen Anerkennung der Konfessionsschule — praktisch wird ihr, die Gleichberechtigung schon heute niemand bestreiten können — ein wesentlicher Schritt zum Schulfrieden getan, und wir ringen ja um den Schulftieden!
Leider hat man den Eindruck, als wenn eS Kreis« gibt, bcnen es offenbar weniger um den Schulftieden als um den Schulkampf zu tun ist. Sie reizen durch eine offen zur Schau getragene BuchstabenDlrmachgiebigkest die Gegenseite unb verwehren ihr ben Willen zur Verständigung Die Eiferer in beiden Lagern sind schlecht beraten! Es kommt darauf an, dem Grundsatz, ben wir vertreten, eine Auswirkungsmöglichkeit zu geben, mit bet wir zufrieden sein können. Das ist das mm- beste, was wir verlangen müssen.
Wir können und werben bie Konfessionsschule nicht preisgeben, aber wft können auch nicht bulben, daß sie hinter ben anberen Arten zurück» gesetzt wird. Wir billigen ben anberen für ihre Schularten dasselbe zu: also warum ist eme Der» ftänbigung nicht möglich?
Wir geben bie Hoffnung dazu nicht auf. Das Ideal muß fein: Anerkennung der drei Schularten als gleichberechtigt, also auch Anerkennung der Konfessionsschule, und für das Schulgesetz eine möglichst große parlamentarische Mehrheit. Keine Vergewaltigung durch eme schwache Mehrheit, bie bei den nächsten Wahlen uns wieber einen neuen Schulkamvf und ein neues Schulgesetz beschert: bas können wft nicht ertragen. Wir glau- ! ben, daß, nicht zuletzt durch bie, freilich in Emzel» freiten noch fefir verbesserungsbedürftigen. Vorschläge der preußischen Regierung, da? umstrittene Problem einen wesentlichen Schritt zu seiner Lösung weiter gekommen ist!
Im Sinne der Verständigung werden wir ben Kampf für bie konfessionelle Schule fortsetzen. Das Zentrum kann mit umso ruhigerem Gewissen btefen Kampf führen, als es ber gläubige deutsche Volksteil ja nur ihm verdankt, daß wir mct)t 1919 bie Simultanfchule aufgezwungen echieltenl
(Ein Dementi Primo de Riveras.
wtb Paris. 11. Olt. (Gig. Funkm.) Das Jour, nal meldet aus Madrid: In einer offiziösen, gestern abend der Presse übermittelten Note dementiert General Primo de Rivera kategorisch bie Aeußerungen, die ihm in einem „fantastischen" Interview des Korrespondenten ber „Iunday Times in Madrid zugeschrieben würben. Die Note er- klärt, daß Primo de Rivera unb Chamberlain nicht bie Gibraltar-Frage angeschnitten hatten, daß sie auch nicht die Räumung Marok- kos durcki Spanien ins Auge gefaßt hatten. Primo be Rivera bestätigte bie Grflärungen Cham- berlains über bie von Spanien gestellten Forde- rungen auf ber Tanger-Konferenz, namentlich baß man Spanien notwendige Garantien gebe, damit weder Tanger noch fein Hinterland ein Derschwo- rungsherb für Schmuggler bleibe.
Die spanische Nationalversammlung.
Am Montag nachmittag wurde in Madrid bie spanische Nationalversammlung in Gegenwart des Königs, des Ministerpräsidenten unb sämtlicher Minister feierlich eröffnet.
Das Königspaar war kurz vorher von ferner Marokkoreife wieder in der Hauptstadt em- geftofien.
* Freudiges Ereignis im belgischen Königshaus. (Gig. Funkm) Prinzessin Astrid, bie Gemahlin bes belgischen Thronfolgers, wurde am Diens» tag vormittag von einer Tochter entbunden. Lie junge Prinzessin wirb den Namen Josephine Chor.
Um -en Arbeiisfrieden. .
Mmisterreden m ber Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.
r Die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeber-- I verbände gab einen Empfangsabend, an dem die I ReichsministerDr. Stresemann, Dr. Brauns I und Dr. Eurtius, der Direktor des Jnternatio» I nafen Arbeitsamtes, Thomas, Fontaine und I Oudegeest vom Verwaltungsrat des Internationalen I Arbeitsamtes, ber Vorsitzende des Allgemeinen Eewerkschastsbundes, Hermann Müller und viele I andere Persönlichkeiten des wirtschaftlichen unb kül- I turellen Lebens teilnahmen.
In seiner Begrüßungsansprache betonte Geheim- I rat Dr. ing. h. c. Ernst v. Bo rsig, fraß im nationalen wie im internationalen Leben alle Der- I antwortlichen sich um bie Förderung der Erkenntnis I bemühen müßten, daß es zu Aller Nutzen notwen- I big ist, mehr das Verbindende zu suchen, als I das Trmnende zu unterstreichen, bie gemeinsamen I Interessen zu erkennen und sich über Gegensätzliches I ruhig unb sachlich auseinanderzusetzen. Dieser Lett- I geb ante, so schloß ber Redner, liege unserer beut» I scheu Außenpolitik zugrunbe, bie, wie wft I hoffen, unter ber bewährten Führung Dr. Stress- I Manns sich immer weiter burchsetzen werbe.
Nach Geheimrat v. Dorsig bankte Reichsarbeits- I Minister Dr. Brauns im Namm des Reichskanzlers unb ber Reichsregierung für bie Begrüßungsworte. Er gab ebenfalls im Namen ber Reichsregierung seiner Freude darüber Ausdruck, daß bas bmtfche Unternehmertum von Anbeginn an bereitwilligst an ber Organisation des rnter* nationalen Arbeitsamtes mitaewfttt bat. Die Reichsregierung begrüßt das programmatische Vorgehen ber Arbeitgebervereinigung, daß das Endziel aller Arbeit ber Friede mit der Arbeitnehmerschaft sein muß. Das ist der beste Weg zum Wiederaufbau Deuffchlands, aber auch zllm großen kulturellm Fortschritt unter dm Nationen überhaupt.
Hierauf ergriff Reichsminister Dr. Stresemann das Wort zu einer Ansprache, in ber er ausführte: In allen Säubern unb Völkern zuckt noch bie Erschütterung nach, bie im Gefolge des Krieges bie Umwälzung ber geistigen unb sozialen Verhältnisse mit sich gebracht hat. Der Weltftieg wird viel zu viel bewertet nach materiellm Dingen statt nach ben geistigen Umwandlungen unb Umwälzungen. War bie Weltwirtschaftskonferenz ber Ausbruck des Suchens nach einer Verständigung ber Wirtschaft, so ist bas Suchen nach bem sozialen Frieden bie notwmbige Ergänzung dazu. Dabei bebeutet ber Geist mehr als bie Paragraphen, bie Freiwilligkeit mehr als ber Zwang. Daß Deutschland {eben Weg gehen wirb, ber zum sozialen Frieben führt, ergibt sich aus seiner eigenen Sage als großes Industrieland unb aus ber Notwendigkeit, Frieden unter fernen Volksschichten zu halten. Daß es alles tun wird für ben Ausgleich zwischen ben Arbeitsbedingungen ber einzelnen Völker, ergibt sich aus seiner Stellung als Export- mdusftielanb, bie erheischt, daß unter gleicher Sonne unb gleichem Schatten bie Wirtschaft ber Völker sich vollzieht.
Die Bestrebungen bes internationalen Arbeitsamtes finb Bestrebungen, bie auch eintnünben in bie großen Grunblinim bet deutschen Anßen- politik. Sie sind gegeben durch ben Gedanken ber Verständigung, des Msieinanderarbeitens unb des Kämpfens für bie friedliche Entwicklung aller Völker. Seit Jahrm hat die deutsche Außenpolitik nur diesem Ziele gedient. Wer bas bezweifelt, der verkmnt bie Kräfte des Verstandes und des Gemütes, die sich im deutschen Volke für diese Friedenspolitik emsetzm. Reichspräsident von H i n d e n b u r g fft für uns die Verkörperung beffen, wie man in Pflichterfüllung über bie Grenze des üblichen Mets hinaus sich jenen seelischen Ausgleich erringt, ber bie Voraussetzung ist für bie Verwirklichung der großen Idee ber friedlichen Verständigung. Der Minister gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß die bewegten Zeiten unter drei Gesichtspunkten stehen mögen: Ehrliche Verständigung aller Arbeitschafsenden, Ausgleich der Wettbewerbungsverhältniffe unter den Völkern, um durch sozialen Frieben die Basis zu schaffen für Frieden und Verständigung unter ben Völkern.
Aus München wird gemelbet: Finanzminister Dr. Schmelzte gab im Landtag ein Spiegelbild ber bayerischen Finanzen unter befonberer Berücksichtigung ber bevorstehenden Neuregelung ber B eamtenbefolbung. Seine Darlegungen entrollten ein recht düsteres Bild. Der Mehrbedarf, ber durch die Desotbungsreform not- wendig wird, beziffert sich auf. 58 Millionen. Die Gefamtschuldenlast Bayerns ist bereits auf 335 Millionen angewachsen, bie für Verzinsung unb Tilgung jetzt bereits 21 Millionen im Jahre und von 1929 ab einen Betrag von 34 Millionen erforderlich machen. Bei den Steuern usw. fei mit Ginnafrmefteigerungen im allgemeinen nicht zu rechnen. Die Entschädigungen, bie das Reich für Post unb Eisenbahn unb für die Finanz- und Zoll- gebäube zu zahlen habe, feien immer noch rückständig. Die Errichtung einer eigenen Landes- finanzverwaltung fei ein unaufschiebbares Bedürfnis geworden. Die Staatsvereinfachung werbe in diesem und im nächsten Gtatsjahre noch keine Einsparungen bringen können. Der Minister faßte fein Expose dahingehend zusammen, daß eine Dek- kung nur möglich sei auf bem Wege, daß bas Reich Bayern neue Einnahmequellen eröffne.
20 Prozent gewachsen. Sie betrug damals: 527 461, sie betrug am Sonntag 647 402 Stimmen, bas ist ein Mehr von runb 120 000 Stimmen.
Außerordentlich bemerkenswert an diesem Stimmenzuwachs ist ober auch, baß er hauptsächlich ben Sozialisten und ben Kommunisten zugute gekommen ist. Von bem Mehr von 120 000 Stimmen finb fast 103 000 Stimmen auf die sozia- listische unb kommunistische Partei entfallen, also mehr als 80 Prozent. — Die Sozialdemokraten gewannen über 70 000 Stimmen, b. h. über 40 Prz., bie Kommunisten runb 32 000 Stimmen, d. fr. ebenfalls 40 Prozent.
Wie schon bei ben Wahlen in den preußischen Unterelbe-Gemeinben hat sich auch hier gezeigt, daß bie Zersetzungsarbeit innerhalb ber kommunistischen Partei ohne Erfolg geblieben ist. Bei ben bisher veröffentlichten Wahlresultaten werden die kommunistischen Splittergruppen überhaupt nicht genannt. Die rechtsradikale Partei der Nationalsozialisten hat fast 40 Prozent verloren. Die Deutschnationalen haben knapp 10 Proz. gewonnen, bas ist eine Vermehrung ber Stimmen, bie ber Verstärkung ber allgemeinen Wahlbeteiligung im Verhältnis bei weitem nicht gleichkommt. Die Demokraten unb die Deutsche Volkspartei, bie mit ben Sozialdemokraten bie bisherige Hamburgische Regierung blldeten, haben einige Tausend Stimmen verloren, was natürlich in an- betracht ber erhöhten Wahlbeteiligung nicht unbedeutsam ist. Diese Stimmen werben hauptsächlich der Wirtschastspartei zugute gekommen fein, bie zum erftenmale auftrat unb 27 000 Wahlzettel gewinnen konnte.
Bisher bestand der Senat aus 8 bürgerlichen unb 7 sozialdemokratischen Mitgliedern. Die Form I dieser Regierung dürfte erhalten bleiben, da sie weiterhin eine Mehrheit in ber Bürgerschaft hat. Doch werden bie Sozialdemokraten wob! auf eine Aenderung der Zahlenverbältnisfe im Senat hinstreben, da die Zahl ihrer Sitze in der neuen Bür- gerschaft weit mehr beträgt als die Zahl der Sitze der Demokraten und der Deutschen Volkspartei zusammengenommen. Allerdings diese Ueberlegen« freit bestand schon in der alten Bürgerschaft, doch war sie nicht so groß. Damals standen 53 Sozialdemokraten zusammen 44 Vertretern der Deutschen Dolkspartei und der Demokraten gegenüber, nach dem neuen Wahlresultat stehen 63 Sozialde-
töenn das Zentrum fehlt!
$u dem sozialdemokratisch-kommunistischen Wahlsieg in Hamburg.
Auf der Tagung des Evangelischen Bundes in Eisenach hat, wie an anderer Stelle dieses Blattes mitgeteilt wird, der Bonner Pastor Kremers die vermittelnde politisch-parlamentarische Rolle des Zentrums durch grobe Schimpfreden im Stile des 16. Jahrhunderts herabzusetzen versucht. Wie es aber wohl in Deutschland, wenigstens in weiten Teilen, aussähe, wenn das vermittelnde Zentrum nicht wäre, das lehrt jetzt wieder der W a fr l a u s • ausgang in Hamburg, der eine große Mehrheit der marxistischen Stimmen gebracht hat. Da in Hamburg nicht viel Katholiken wohnen, fehlt dort die Mittelpartei fast ganz. Von ber nicht katholischen Hamburger Bürgerschaft haben weit über die Hälfte rote und ritzerote Stimmzettel abgegeben. Wieviel Aufbauarbeit im Sinne des Christ entu ins und der Bibel könnte hier an ber Wasserkante geleistet werden! Wieviel Energie, die in Wut- schreie gegen Rom und das Zentrum durch den Evangelische Bund verpulvert wird, könnte frier mit Erfolg zum Einsatz kommen!