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Dienstag, 11. Oktober 1927

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

Nachmittags fand in Wilna eine große Protest­kundgebung der polnischen bürgerlichen Parteien gegen die Bedrückung des polnischen Schulwesen« durch die litauischen Behörden statt. Nach einer Reche von Reden wurde «in« Resolutton gefaßt, in der nach ausdrücklicher Unterscheidung zwischen dem litauischen Volke, gegen daS kein« Feindschaft be­steche, und den eS gegenwärtig beherrschenden Macht­habern, die Wiederherstellung der polnischen Schule in Litauen gefordert, gleichzeitig aber auch betont wird, daß keine Absicht bestehe, das Blut deS brüderlichen litauischen Volkes zu vergießen, noch seine Unabhängigkeit anzutasten. Endlich wftd in der Resolution Verwahrung eingelegt gegen die angebliche litauische Absicht, in die Verfassung die Bestimmung auszunehmen, daß Wilna die Hauptstadt Litauens sei.

Nach Informationen, die der Vertreter des W. T. B. in M o s k a u aus bester grelle erhielt»

Hessen, Hamburg, Anhalt, Bremen, Lippe, Lübeck, Meck- lenburg-Streliß und Schaumburg-Lippe sowie in dem ehemaligen Großherzogtum Nassau und in den Stadt­gemeinden Frankfurt a. M. und Hanau verbleibt es bei dem bestchenden Rechtszustand, soweit nicht durch Lau- desgeseß dieses Gesetz in Kraft gesetzt wird." Damit sind die sogenannten Simultanschulländer in ihrem bisheri­gen Rechtszustand erhalten. Im 8 1 ist die Bestimmung der Verfassung, daß die Jugend im Geiste der Völker­versöhnung zu erziehen ist, wiederhergestellt worden. Die Mehrheit in den Reichsratsausschüssen bestand aus den Ländern Preußen, Sachsen, Thüringen, Hessen, Baden, Hamburg, Bremen, Lübeck und Mecklenburg- Schmerin.

Es ist nicht anzunebmen, daß das Gesetz verab­schiedet wird, ohne daß alles für die Berücksichti­gung des Elternrechte? auf dem Gebiet des Schulwesens getan worden ist.

Der Schulkampf in Nassau.

Aus Limburg wird gemeldet: Die katl». Schulorganisation der Diözese Lim­burg erläßt folgende Aufforderung: „Die kath. Schulorganisation der Diözese Limburg, die den Willen der überragenden Mehrheit der katholischen Elternschaft Nassaus und Frankfurts im Jahre 1922 durch eine umfassende Unterschriftensammlung fest­gestellt hat, fordert im Namen dieser Elternschaft, daß das durch die Reichsverfassung garantierte Elternrecht auch durch das Reichsschulgesetz unter allen Umständen gewährleistet und damit die Möglichkeit geschaffen wird, auch in Nassau Bekenntnisschulen zu errichten, wo die Eltern dies verlangen. Die Katholiken Nas­saus sprachen die Erwartung aus, daß ihnen end­lich durch das Reichsschulgesetz das Recht auf die Schule ihres Bekenntnisses gewährt wird, in der sich die religiösen Güter und Werte der kath. Welt­anschauung in Verbindung mit dem deutschen Kul­turgut frei und fruchtbar entfalten können."

Ergebnis der Hamburger Mrgerschastswahlen.

Anwachsen der Stimmzahlen der Linksparteien. — Reden der deutschen Parteiführer. — Um die Wahlparole für 1928.

Spanien verhandelt über Marokko

Es will sich aus Nordafrika zurückziehen?

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:»: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051. :-:

Der Korrespondent der „Sunday Times" in Madrid meldet, der spanische Premierminister Primo de Rivera habe ihm in einem Inter­view 'angedeutet, daß Spanien sich möglicherweise aus Marokko zurückziehen werde und daß, wenn Großbritannien die Vermittelung über­nehme, ein sehr befriedigendes Abkommen zwischen Spanien und Frankreich in dieser Frage möglich sein werde. Der General fügte hinzu, daß Spanien nicht wünsche, Gibraltar zu besitzen.

I Um Sonntag haben die Neuwahlen des Par- Wrents der freien Stadt Hamburg, die hambur- EÄcn Bürgerschafts-Wahlen stattgefunden. Sie gatten folgendes Ergebnis:

I Demokraten 65 457 (letzte Bürgerschaftswahl ig24: 70622), Sozialdemokraten 249 233 (173 358), Zentrum 9784 (8503), Deutsche Volkspartei 72127 (74 834), Wirtschaftspartei 27104 (0), ^utschnationale 97 512 (90 626), Nationalsozialisten 1881 (früher mit den Völkischen zusammen 13 415), kommunisten 111294 (80110), Sparer 7729 (0). )anach würden sich die Mandate voraussichtlich oie folgt verteilen:

Demokraten 16 oder 17 (21), Sozialdemokraten 1 (53), Zentrum 2 (2), Deutsche Volkspartei 18 23), Wirtschaftspartei 6 (0), Deutschnationale 24 8), Nationalsozialisten 2 (4), Kommunisten 28 (24,) iparer 2 (0).

Die Wahlbeteiligung betrug 75 Pro­mt (66 Prozent bei der letzten Bürgerfchaftswahl) ei einer um 60 000 höheren Zahl der Stimmbe- lechtigten.

W. T. B. meldet am Montag vormittag: So­mit sich aus dem vorläufigen amtlichen Ergebnis ler Bürgerschaftswahlen, das aber kaum erheb- iche Aenderungen erfahren dürfte, erkcn» icn läßt, ist durch das starke Anwachsen der so- pildemokratischen und kommunistischen Stimmen »i gleichzeitiger Schwächung der bürger» chen Parteien eine nicht unwesentliche Ver­gebung der parlamentarischen Kräfteverteilung iad) links eingetreten. An sich verfügen So- aldemckraten und Kommunisten zusammen in der tuen Bürgerschaft über die absolute Mehr- eit, doch ist kaum anzunehmen. daß diese Mehr- eii p r a k t i s ch in Erscheinung treten wird. Es rfte vielmehr bestimmt damit zu rech­en sein, daß die bisherige Regierungskoalition m Sozialdemokraten, Demokraten und Deutscher elkspartei bestehen bleibt. »

Der Reichskanzler in Roblenz.

wtb. Koblenz, 10. Okt. (Eig. Funkm.). Reichs- infler Dr. Marx ist Montag vormittag tn Kob- "3, dem Ausgangspunkt seiner Reise durch ie besetzt en Gebiete, eingetroffen. Zu sei- tt Begrüßung hatten sich der Rcichskommissar r die besetzten Gebiete, Langwerth von Sim- ern, der Präsident der Reichsvermögensverwal- mg, Kollartz, und der Oberpräsident Dr. Fuchs, n Bahnhof eingefunden.

Um 11.30 Uhr findet im Rathaus eine Fest- png der Stadtverordnetenversammlung statt, in r Oberbürgermeister Dr. Russell den Reichs- nzler begrüßen wird. Dann begibt der Reichs- mzler sich zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz r. Fuchs. Nachmittags 4 Uhr findet beim eichskrmmisfar Empfang der Presse des «samten besetzten Gebietes statt. Die «is» wird weiter nach Mamz und Speyer führen, o Besprechungen mit den Ministern der beteilig- n Länder stattfinden. In Mainz wird auch iaatsprästdent Ullrich anwesend sein und in Peyer wird der Reichskanzler mit dem bayeri- kn Ministerpräsidenten Dr. Held und dem baye- Ichen Innenminister Dr. Stützet zusammentreffen.

Dr. Röhler spricht.

3m Rahmen der Feier des 25jährigen Beste­ns des Windthorstbundes in Karlsruhe hielt Achsfinanzminister Dr. Köhler eine große Rede, l.der er eingehend die politischen Tagesfragen vrterte.

Er wies darauf hin, daß auch heute und tn der der- ®9«n Regierung der Schutz der Republik der rundgedanke des Zentrums fei. Die Par- E", die in der Regierung zusammenarbeiteten, stünden i dem Boden der Derfasiung von Weimar und das 'der Boden der Deutschen Republik. Das Zentrum ^de darüber wachen, daß diese Grundlage in keiner uise verschoben werde und würde sich gegen die Wmpfungen der republikanischen Staatssorm zu weh- *®iffen. Die verfassungsmäßigen Reichsfarben seien "arz-rot-gold und ihnen sei jede Achtung und Ehrung «Nveisen, die jedes Volk für seine Farben verlangen itite.

der Frage Einheitsstaat oder Föderativ- ’«t erklärte der Minister: Das deutsche Volk kann sich ’ Luxus doppelter und dreifacher Verwaltung derselben Gelegenheit nicht mehr gestatten. Die enormen -fgslasten liegen so schwer auf ihm, daß jede noch ^dwie tragbare Vereinfachungsmöglichkeit ergriffen J“«n muß. Aber die Lösung des Problems, die bren- J» geworden ist, in unseren Tagen der allgemeinen "-soll und kann nicht durch Gewaltmaßnahmen erfolgen.

den W ä h r u n g s- und wirtschaftspoliti- lcn Fragen sagte der Minister: Unsere Währung gefestigt. Der mit ihr in engster Wechselwirkung wtbe deutsche Staatshaushalt ist in Ordnung. Ihn Ordnung zu erhalten, und zwar nicht lediglich durch "fiskalische Finanzpolitik, sondern durch wirtschafts- pernde Tätigkeit, läßt sich die Reichsregierung ganz Mers angelegen fein. Der am Freitag einmütig vom chskabinett, der Reichsbahn und der Reichsbank ge-

Beschluß über die künftige deutsche Anleihe- und chchastspolitik ist ein Ausfluß dieses Bestrebens. Re- "tionspolitisch befinden wir uns noch in einer i°«rgangszeit. Diese auszunutzen und alles das ” hur vorbereiten, sondern auch durchzuführen, was dem Eintritt in das Normaljahr erforderlich ist, l *hit dem 1. September 1928 beginnt, ist unsere Auf - 'und Pflicht. Wir haben das begonnene Werk unter ^cksichtjgung der wirtschaftlichen Lage fortzusetzen und i*r 3U sorgen, daß Steuerkraft und Steuerleistung ein- ,er angeglichen und sparsame Einnahmewirtschaft J ebenso sparsamen Ausgabewirtschaft gegenüber- M wird.

.?'te deutsche Regierung wird jetzt alles tun, was in Kräften steht, um die Einnahmen der für die (Er­

gung unter den großen Völkern der Gegenwart. Wir bekennen uns bewußt zur Arbeit am Staat und im Staat, unbeschadet der Verbesserungsbedürftigkeit seiner Einrich­tungen und unbeschadet unserer Stellung zu den Sym­bolen der Vergangenheit, deren Aufgaben wir beklagen und deren Jnehrenhalten wir uns von niemanden ver­bieten lassen werden. Eine an Geist und Körper gesunde Jugend, die über Parteigegensätze hinweg im Staate arbeitet und zur Zukunft aufblickt, wird durch tätige Ar­beit diese Zukunft am besten sichern.

Königsberg.

In der Hauptstadt Ostpreußens, in Königsberg, fand am Sonntag eine Neuwahl der Stadtverord­netenversammlung statt. Nach dem vorläufigen Er­gebnis erhalten die Kommunisten 12 Sitze, bi« Deutsche Volkspartei ebenfalls 12 Sitze, die Sozial- < • demokraten 15 oder 16 Sitze, die Deutschnattonalen 7, die Mieterliste 1, die Aufwertungspattei 1, die Demokraten 2 das Zentrum 1 oder 2. Rentnerbund und Volksrechtspartei erhalten keinen Sitz. Wahl­berechtigt waren 196 307. Gewählt haben 115 755, also etwa 59 Prozent.

3um Reichsschuloesetz.

Zu den abgeschlossenen Beratungen in den Reichsratsausschüssen 3 und 7 über die Fassung des Reichsschulgesetzes will das „B. T." folgendes er­fahren haben:

Die Fassung des Entwurfes, wie er aus diesen Be­ratungen hervorgegangen ist, schließt sich in allen we­sentlichen Punkten den preußischen Anträgen an, so insbesondere in der Definition der Volksschule, die der preußischen Fassung vollkommen entspricht. Es heißt u. a. in § 3: „Die Gemeinschaftsschule steht grund­sätzlich allen Kindern ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Weltanschauung offen"; in § 12a: „Don Amts­wegen einzurichtende neue Schulen sind Gemeinschafts­schulen"; in § 20: „In den Ländern Baden, Thüringen,

In dem Interview des Madrider Korresponden­ten der „Sunday Times" mit Primo de Rivera führte dieser noch aus: „Meine vorher vereinbarte Zusammenkunft mit Chamberlain hat hervor­ragende Bedeutung für die Beziehungen Spaniens zu den anderen Ländern. Cs gab eine Zeit, wo Spanien viel dafür gegeben hätte, um Gibraltar, den Schlüssel zum Mittelmeer, sein Ei­gen zu nennen, aber jetzt ist es klar, daß es gut ist, daß dieser Punkt sich in den Händen Großbritan­niens befindet. Chamberlain, als der beglaubigte Vertreter der britischen Regierung, kam nach Palma um anzuregen, daß er namens der briti­schen Regierung, als völlig uninteressierter Partei, versuchen wolle, zahlreiche Schwierigkeiten von großer internationaler Bedeutung zwischen Spa­nien und unseren unmittelbaren Nachbarn zu re­geln. Ich habe seine Vorschläge bisher weder ab- gelehnt noch angenommen, denn es wird einige Bedenkzeit bedürfen. In der Vergangenheit hatte Spanien große Schwierigkeiten in Nordafrika. Frankreich, das die Souveränität über Marokko hat, steht unferen Interessen sehr nahe. Großbritan- niAt hat wenige oder gar keine Interessen in Nord­afrika, und ich komme schnell zu der Ueberzeugung, daß Spanien dort besser keine Interessen haben würde, da sie stets eine Quelle von Schwierigkeiten und großen Ausgaben für die spanische Regierung sind. —

Aber es ist immer ein gewagter Schritt, ande­ren Mächten Besitzungen zu überlasten, außer wenn ein sehr befriedigendes Kompromiß verein­bart wird; das wird vielleicht Chamberlain möglich sein. Es ist möglich, daß ein Vertrag mit unserem Nachbar zustande kommt, dem ein Plan g e - meinsamer industrieller Wohlfahrt und internationalen Handels folgen könnte. In der Vergangenheit waren die Bezie­hungen zwischen Spanien und Großbritannien ziemlich mittelmäßig, jetzt ist aber vollkommene Freundschaft hergestellt. Zwischen Chamberlain und mir werden' noch zahlreiche Besprechungen stattfinden, und es ist möglich, daß demnächst auch eine Reise nach Großbritannien unternommen werde, um mich mit dem britischen Kabinett über die von uns erörterten Fragen zu besprechen.

Ministerrat in Paris.

In dem in Paris abgehaltenen Ministerrat hat Minister des Aeußeren Briand, über die Be­sprechung mit Chamberlain berichtet, in der das vertrauensvolle Einverständnis festgestellt wurde, das hinsichtlich aller Fragen zwischen beiden Ländern besteht. Briand verlas außerdem die zwischen der französischen und der russischen Regie­rung über den Fall Rakowski gewechselten Noten. Der Ministerrat beschloß, daß die Mini­ster bis zum 14. Oktober davon absehen, sich aus Paris zu entfernen. Der Marineminister gab Kenntnis von den Zwischenfällen in Toulon. Der Ministerrat hat sich nicht mit der Frage beschäftigt, an welchem Tage die parlamentarischen Arbeiten wieder ausgenommen werden.

füllung des Dawesplanes erforderlichen Einkünfte sicher- zustellen. Das wird auch der demnächst zur Vorlage kommende Reichsetat für 1928 beweisen. Ich weiß mich in diesem Bestreben eins mit den Wünschen der gesamten deutschen Wirtschaft. Die Welt soll in ihrem Vertrauen auf Deutschlands gegebenes Wort und seine Arbeit zur Erfüllung dieses Wortes nicht enttäuscht werden. Der Reichsfinanzminister verwies dann auf die allgemeine Wirtschaftslage und sagte, vornehmste Aufgabe der Reichsregierung fei es, die Vitalität der deutschen Wirt­schaft zu fördern, sowohl durch eine entsprechende Han­dels-, wie durch eine entsprechende Finanz- und Zoll­politik.

Dr. Köhler schloß feine Rede mit einem Ausblick auf die gegenwärtige Regierungskoalition und die Stellung des Zentrums in derselben. Das deutsche Zentrum, sagte er, ist gegenüber feinen Koalitionsgenossen von rechts genau fo frei und unabhängig, wie in der Vergangenheit gegenüber feinen Koalitionsgenoffen von links. Darin liegt die Stärke des deutschen Zentrums, nirgends gebunden und nirgends sich bindend.

E)crgts Wahlparole.

Auf dem deutschnationalen Parteitag W e st s a ch s eA s hielt der Parteivorsitzende Reichsjustizminister Hergt eine Rede, in der er, ausgehend von der Hindenburgfeier, u. a. aus­führte:

Wir stellen mit Stolz fest, daß eine einheitliche Front hinter Hindenburg steht. Das ist der Sieg des Hinden- burggedankens. „Hindenburg als Erzieher!" ist die Parole des 2. Oktober. Der Hindenburggedanke ist die Synthese des llebertaufens und Zufarn- inenschweißens alter und neuer Zeit, der Gedanke sachlicher Arbeit ohne Parteidoktrin, der Ge­danke der Einigkeit im Sinne der deutschen Ideale.

Hergt führte weiter aus, erfreulich fei, daß Strefe­rn a n n sich hinter (doch wohl vor?) den Reichspräsiden­ten stellte, als dieser mit feiner Tannenbergrede die Kriegsschuldsrage aufrollte. Die Worte des Reichsprä­sidenten hätten programmatischen Charakter und Bedeu­tung, da die ganze Regierung hinter ihnen stehe. Der Redner kam dann auf die kommenden Wahlen zu spre­chen. Bei verschiedenen Koalitionsparteien fei das Be­streben vorhanden, sich zu distanzieren, um für die Wah­len Selbständigkeit zu gewinnen. Die Deutschnationale Dolkspartei werde als Wahlparole den Hindenburg- gedanken erwählen. Das Bestreben einzelner Parteien, die Koalition zu stören, sei eine Schädigung der vater­ländischen Interessen. Sollte dieses Bestreben gefingen, so müßte feine Partei allerdings jede Verantwortung ablehnen. Sie habe noch genug Parolen außer dem Hindenburggedanken: das Eintreten für die Reichs­wehr, für die nationale, soziale und christliche Welt­anschauung, für die s ch w a r z - w ei ß - r o te Flagge und andere. Die Rede des Patteiführers wurde mit jubelndem Beifall ausgenommen.

Reichstagsabg. Prof. Dr. Hoetzfch sprach über die Genfer Tagung. Die Stellung Deutschlands beim Völker­bünde charakterisierte er mit dem Satze: „Es gibt eine große internationale Börse und Deutschland muß dabei sein, um zu sehen, daß die Aktien nicht unter pari gehan­delt werden." Ein Ostloearno dürfe unter keinen Umständen herbeigeführt werden. Polen und Litauen er­forderten in unserer Außenpolitik größte Aufmerksamkeit. Die großen Ziele feien die Befreiung der Rheinlande, Re­vision der östlichen Grenzen und des Dawesgutachtens. An ihrer Verwirklichung müsse die deutsche Rechte betei­ligt sein und bleiben.

Strefemann.

National ist selbstverständlich.

In Porta bei Minden in Westfalen fand der Rerchsjugendtag der Deutschen Dolkspattei statt. In Anwesenheit des Parteiführers Reichsminister de» Auswärtigen Dr. Strefemann wurde eine äußerst eindrucksvolle Kundgebung veranstaltet, die von etwa 1500 Jugendlichen der Deutschen Volkspartei aus allen Gauen Deutschlands besucht war. Reichs­minister Dr. Stresemann führte in einer Rede u. a. folgendes aus:

Die Jugend der Deutschen Dolkspartei muß sich zu dem Gedanken der Volksgemeinschaft be­kennen, der das Nationale als selbstverständlich an- sieht und deshalb die Vertiefung des Gegensatzes zwi­schen den sich national nennenden Patteien und ande­ren Anschauungen zurückweift gegenüber dem Ge­danken der Anerkennung jeder staatsbürgerlichen Str- beit, die sich bemüht, Volk und Staat vorwärts zu brin­gen. Nicht in dem Gegensatz zwischen dem alten und dem neuen Deutschland, sondern in der Synthese zwischen beiden liegt die Voraussetzung für Deutsch­lands Dorwärtskommen. lieber Zusammenbruch und Nachkriegszeit heben sich zwei erfreuliche Gedanken her­vor, die Stärkung des Reichsgedankens, das Bestreben im Reiche aufzugehen, und der starke Zusam- menfjang der Kulturgemeinschaft mit dem Auslandsdeutschtum, der sich nie betonter gel- tenb gemacht t>at, als in der Zeit nach dem unglücklichen Kriege. So wie die Deutsche Volkspartei sich bekennt zur Sozialpolitik und zum sozialen Schutz des Schwä­cheren, so muß namentlich die Jugend sich bekennen zu dem ethischen Recht der Gleichberechtigung jedes Dor- wärtsstrebenden und jeden Gedanken an Bildungshoch­mut und Aufkommen neuer Klassengegensätze bewußt z u- rückweifen. Das ist nicht gleichbedeutend mit Nivel­lierung, denn im Sinne unserer liberalen Anschau­ung sollen wir den Weg frei lassen zur Emporentwick­lung des Einzelnen und zur Anerkennung höherer Lei- ftungen. ■ , •

Erfreulicherweise tritt der Gegensatz der Kon­fessionen immer mehr zurück, gegenüber dem deut­schen Gedanken. Unser Ideal ist nicht die Erziehung nach Konfessionen, sondern das Miteinanderleben und das Miteinanderaufwachsen aller deutschen Menschen, un­beschadet der durch Tradition und Geschichte herbeigeführ­ten Olaubensgefinnung. Unsere deutsche Jugenderzie­hung ist nur möglich auf vaterländischer Grundlage, darf aber nicht aufgehen in Abtrennung gegen andere und in Chauvinismus, sondern muß einmünden in die große Völkerentwicklung. Wir erstreben Frie­den und Verständigung unter den Völkern, verlangen aber die praktische Durchführung unserer Gleichberechtt-

erscheint die Gefahr eines Abbruchs der diplomati­schen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Frankreich beseitigt.

Der polnisch-litauische Konflikt.

Pilsudski in Wilna.

Aus Anlaß des siebenten Jahrestages der Be­setzung WilnaS durch Polen fanden in Wilna große Feierlichkeiten statt, an denen auch Marschall Pilsudski, von der Wilnaer Bevölkerung stür­misch begrüßt, teilnahm. Am ftühen Nachmittag begann unter dem Vorsitz PilsudskiS eine bedeut­same politische Konferenz, an der der Minister des Innern, der Unterrichtsminister, der Leiter deS Ministeriums des Aeußern in Vertretung Zaleskis der Direttor der Ostabteilung des Ministeriums des Auswättigen und der polnische Gesandte in Riga sowie der Wojwode von Wilna teilnahmen. Die Konferenz, an der später noch der Kommandeur des Grenztruppenkorps an der polnisch-litauischen Grenze teilnahm, befaßte sich in der Hauptsache mit den Repressalien Litauens gegenüber der polnischen Minderheit und mit der Haltung der pol- Nischen Regierung in dieser Angelegenheit.

, XflT Melnuinnier 10 W. (mit UM. Beilage 15

uldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Wie sich die polnische Ostagentur aus Kowno melden läßt, wird in Litauen an der polnischen Grenze in mehreren tausend Exemplaren eine von einer Reihe militärischer und patriottscher litauischer Verbände gezeichnete Flugschrift, die den Namen „Zur Tat" trägt, verteilt. In dieser Flugschrift werde zum Kampf gegen Polen und zur Eroberung der Jahrhunderte alten litauischen Hauptstadt Wilna aufgefordert.

Die Spannung auf dem Balkan.

Wie Reuter erfährt, sind die Großmächte bereit gewesen, der bulgarischen und der jugoslawi­schen Regierung zur Mäßigung in der Ange­legenheit der Grenzzwischenfälle zu raten. Bisher liegt kein Vorschlag auf Verweisung der Angele­genheit an den Völkerbund vor, und man hofft in maßgebenden Londoner Kreisen,, daß sich ein 1 solcher Schritt auch nicht als notwendig erweisen wird.

I InDelgrad fand die feierliche Beisetzung des I am 5. Oktober in Schtip erschossenen Generals ; Kowatschewitsch statt. An den Feierlichkeiten nah­men sämtliche Mitglieder der Regierung, zahlreiche Abgeordnete und viele Persönlichkeiten des mili­tärischen Lebens teil.

Die drei Urheber des Attentats gegen General Kowatfchewifch sind in einer Grotte des Maleschge- birges in der Nähe der Straße, die von Radowitfch nach der bulgarischen Grenze führt, durch die Be­zirksmiliz entdeckt und angegriffen worden. Nach einem Feuergefecht, das die ganze Nacht an­dauerte, fanden die Angreifer im Inneren der