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Sonntag, 9. Oktober 1927

Nr. 233

Serbisches Ultimatum an Bulgarien

Die Oktobertaguug des Reichstages.

Erklärungen Chamberlains Liber -en Merbun-

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Ml.

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Abschluß eines Abkommens und werde dann unter­suchen, ob wir es annehmen können, wovon ich überzeugt bin. Augenblicklich braucht England nicht zu intervenieren. Heber den Grundsatz der Internationalisierung von Tanger war man ja vollkommen einig, sodaß die zu lösenden Schwie­rigkeiten rein praktischer Art sind. Spanien, das nicht aufgehört hat, mit dem Völkerbunde zu­sammenzuarbeiten, wird, so hoffe ich, bald Gele­genheit finden, seinen Platz im Völkerbund wieder einzunehmen und aktiv in Genf mitzuarbeiten.

Zu der Unterredung Chamberlain-Briand glaubt Havas mitteilen zu können, daß sie sich auf folgende zwei Punkte bezogen habe: 1. Tan­ge r ft a t u t, 2. die Beziehungen zu Ruß­land.

Chamberlain habe Briand die genaue Bedeu­tung der Erklärungen auseinandergesetzt, die er Primo de Rivera gegenüber gemacht habe. Großbritannien würde glücklich sein, ein Abkom­men zwischen Frankreich und Spanien über die Tangerverwaltung verwirklicht zu sehen, und aus diesem Gedankengang heraus habe er z u m A u s - gleich geraten. England jedoch würde auch weiterhin nicht an den Verhandlungen zwischen Frankreich und Spanien teilnehmen wollen, son­dern sich darauf beschränken, das Abkommen das zweifellos zwischen den beiden Mächten Zu­standekommen dürfte, zu unterschreiben. Wohl­verstanden würde keine Rede für England davon fein können, an einem Mittelmeerpunkt Jtalien- Spanien-Griechenland teilzunehmen. Briand sei­nerseits dürfte Chamberlain von dem Stand der mit Rußland eingeleiteten Verhandlungen betref­fend die Abberufung Rakowskys unterrichtet ha­ben.

Chamberlain bei Briand.

Aus Paris wird gemeldet:

Entgegen der allgemeinen Annahme, daß Chamberlain und Briand erft im Anschluß an das Samstagmittag am Quai d'Orsay stattfindende Frühstück eine Unterredung haben würden, hat diese bereits Freitag nachmittag von 5 bis 6 Uhr unbemerkt stattgefunden. Das offiziell hier­über ausgegebene (Kommunique besagt: „Die bei­den Außenminister haben die gegenwärtig beide Länder interessierenden Fragen Revue passieren lassen. Sie haben noch einmal die Ueberein- stimmung ihrer Ansichten festgestellt."

Nach dem „Soir" ist der polnische Außenmini­ster Paleski in Paris eingetroffen und auch zu dem am Quai d'Orsay zu Ehren Chamberlains stattfin­denden Frühstück eingeladen worden.

Um Dr. Schacht.

Unter den Gesetzen, welche zur Durchführung des Dawesplanes notwendig waren, befand stm auch eines, das die Unabhängigkeit der Reichsbank von der Reichsregierung festlegte. Gegensätze, wie sie sich in den letzten Wochen zwischen der Politik des Reichsbankpräsidenten auf.der einen Seite und der des Reichsfinanzministers und ReichswirtfchaftsmlNisters auf der anderen Seite gezeigt haben, waren unter den früheren Verhältnissen nicht möglich gewesen. Tie Verselbständigung der Reichsbank und ihrer Po­litik gegenüber der Finanz- und WirtschaftspolMi des Reiches hatte ihren Grund darin, daß eine Sicherung für die Stabilität der deutschen Währung geschaffen werden mußte. Es ist ein ganz natürlicher Vorgang, daß sich die Politik des Reichsbankpräsidenten m der Hauptsache seitdem von der Frage bestimmen läßt: Ist die Mark gesichert? und: Wo zeigen sich Ge- fahren für die Währung? Aus der anderen Seite liegt dem Reichsfinanzminister und dem Reichswirt- schaftsminister außerordentlich viel daran, daß die Wirtschaft mit all ihren Verzweigungen in Gang bleibt, daß eine günstige Konjunktur geschaffen wird und damit die Zahl der Arbeitslosen auf einem möglichst niedrigen Stande gehalten wer­den kann. .. r,

Ohne Kapital ist eine dauerhafte günstige Wirt- schaftskonjunktur undenkbar. ..Die Kapitalbildung aus eigenen Kräften ist aber für die deutsche Wirr­schaft vorläufig deshalb schwierig, weil einmal bte Dawesverpflichtungen außerordentlich hohe Summen abschöpfen, dann aber auch, weil der sonstige Steuerbedarf des Reiches, nicht zuletzt infolge des kostspieligen staatsrechtlichen Aufbaues des Reiches, die Wirtschaft sehr belastet. So ist es selbstverständlich, daß man Hilfe im Auslande sucht, um mit ausländischem (Selbe den Kapitalbedarf zu befriedi^n. Rein finanz- und wirtschaftspolt-

Vas unruhige Mexiko.

wtb. Nervyork, 8. Oft. (Eig. Funkm.). Die Panamerican - Petroleum»Transport - Company gibt bekannt, adß ein Teil ihrer Einrichtungen in Mexiko nach Venezuela fortgebracht wurde, da die Lage in Mexiko zu unsiche r sei.

Berlin. 8. Oktober (Eig. Funkm.). Wie die 5. Z. von informierter Seite erfährt, hat Jugo­slawien von der bulgarischen Regierung in einer ' sehr kurz befristeten Rote Bescheid darüberver- stngl, welche Maßnahmen die bulgarische Regie­rung zu treffen gedenke, um in Zukunft ähnliche Vorkommnisse wie die letzten Ileberfalle der maze­donisch-bulgarischen Lomilatschl-Banden zu ver­hindern. Das bulgarische Kabinett trat sofort zu einer Beratung zusammen, die erst spät abends en­dete. Es heißt, daß die Entscheidung der bulgari­schen Regierung einem neuen Kabinelksrat am Samstag vorbehalten bleibt. Rach einer anderen Version soll aber die Entscheidung bereits g e f ä l ll sein, da angeblich die Frist bereits heute ablief.

Vor Einlauf dieser Meldung stellte sich die Lage auf dem Balkan wie folgt dar:

Es gibt in allen Staaten des Balkans, haupt­sächlich in den Lagern der demokratischen Linken, Kreise, die einem großen föderativen Balkan- Staat zustreben. Diese Zielsetzung geht vielfach von dem Gedanken aus, daß die schon fast spruch- wörtlich gewordene Uneinigkeit unter den Balkan­völkern in erster Linie den Einwirkungen von Mächten zuzuschreiben sei, die nicht zum Balkan gehören, die aber ein Interesse daran haben, diese große Halbinsel in politischer Unruhe zu erhalten, um von da aus weitergesteckte imperialistische Ab­sichten verfolgen zu können. Der Balkan den Bal- kan-VLlkern! ist ihre Devise. Dieses Ziel ist politisch sehr ideal gemeint, aber seine Verwirkli­chung scheitert an den realen Tatsachen. Die Dal- kanstaaten sind in sich nicht selbständig, sie sind finanziell schwach und damit den Interessen geld­kräftiger Großmächte auscjeliefert. Dann aber auch vermögen sich die Balkanftaaten bis heute nicht über ihre Grenzen peinigen. Sämtliche Fne- densschließungen der letzten Jahrzehnte, die den Balkan betrafen, haben Volksstämme unterdrückt, und unerlöste Gebiete zurückgelassen. Die Regie­rungen aber, die solche unerlösten Gebiete mit zu verwalten hatten, waren dieser schweren Aufgabe selten gewachsen, zumal auch das Temperament der Bewohner nicht leicht zu dämpfen ist.

Der schwierigste Punkt bei allen Dalkanfragen ist die Frare der Mazedonier. Mazedonien möchte selbständig sein, aber dieses Land mit sei­nem zähen Volksstamm ist vollständig aufgeteilt über verschiedene Staaten und damit der Herd un­ablässiger Unruhen. Von mazedonischen Sorgen ist seit dem Weltkriege insbesondere I u g o s l a w i en geplagt. Es ist der Regierung in Belgrad bisher nicht gelungen, ihrer Herr zu werden. Da sich das Hauptquartier der mazedonischen Selbständig­keitsbestrebungen in Bulgarien befindet, greift der

Gegensatz zwischen den Serben und den Mazedo­niern auf das Verhältnis der Regierungen in Del- grab und Sofia über. Die zahlreichen Reibereien zwischen Mazedoniern und jugoslawischen Behörden haben bereits zu manchen Klagen des jugoslawi­schen Außenministeriums in Sofia geführt, ohne daß sie zu einem endgültigen Erfolge geholfen hat­ten. Die bulgarische Regierung scheint selbst der mazedonischen Bewegung nicht Herr zu sein, ja man sagt ihm nach, das ist aber noch völlig unbe­wiesen, daß sie die mazedonischen Uebergriffe und Attentate gegen jugoslawische Behörden dulde. Man wird' wohl nicht fehlgehen, wenn man an- nimmt, daß das mazedonische Temperament von den Politikern jenseits der Adria, nämlich tn Rom, gestärkt und angestachelt wird.

Die Spannung hat sich in den letzten Tagen durch die Ermordung des jugoslawischen Generals Kowaischewitsch außerordentlich gesteigert und reue diplomatische Schritte sind in Sofia erfolgt Der Mord geschah wenige Tage nach einem Komplott gegen das jm,«slawische Konsulat in Saloniki. Jetzt hat das Belgrader Ministerium scharfe Maßnah­men beschlossen, darunter eine völlige Grenz­sperre gegen Bulgarien. Die Erregung in Belgrad ist so groß, daß weitgehende Komplika­tionen befürchtet werden können. In A l b a n i e n aber liegt Italien auf der Lauer.

Neue vandenüberfalle.

Aus Belgrad wird gemeldet:

Nach im Ministerium des Innern eingegange­nen Nachrichten haben nachts mehrere Komitat- fchibanden das an der Grenze gelegene Dorf Kliff fura mit Handgranaten angegriffen. Es wurden ungefähr 20 Bomben geworfen, durch die die Zoll» ftation, die Gendarmeriestation und das Postamt beschädigt wurden. Mit Unterstützung der Ein­wohner organisierten die Gendarmen die Verteidi­gung bis zum Eintreffen von Verstärkung.

'In der Nähe der albanischen Grenze bei Stot- schiwir stießen Streifabteilungen auf eine starke Bande Komitatschis. Es entspann sich ein Kampf, in dessen Verlauf es den Gendarmen gelang, dis Bande zu zerstreuen und in die Flucht zu jagen. Von Monastir aus wurden Verstärkungen ent­sandt.

Rußlands. Die Resolution wurde mit 1831000 gegen 1071000 Stimmen verworfen.

Frankreich und Rußland.

Der sozialistische Abgeordnete Chausiy hat den Vorsitzenden der parlamentarischen französisch-rus- ischen Arbeitergemeinschaft um sofortige Einberu- ung dieser Gemeinschaft ersucht, um zu der P r e s- ekampagne gegen den Sowjetbot- chafterRakowsky Stellung zu nehmen,,die ernsteste Rückwirkungen auf die französisch-russi­schen Beziehungen haben könnte.

tisch gesehen, ist die Aufnahme von Auslandsanlev- verwendet wird, durchaus zu begrüßen. Anoers

l XöUo-n firh hie Dinae an, wenn man das way runaspolitische und reparationspolitische Moment zur Beurteilung heranzieht. Das einlaufende Aus» landsaelld vergrößert den Zahlungsmittelumlauf tm LaL und übt so inflationiftiW ®jrfungen aus <7>:„ rn.pffg für die Mittel des täglichen Bedarfs Een wachsen, und tatsächlich hat die ziemlich un­beschränkte Aufnahme von Ausländsanleihen, ine SRWkorben sitz den L-benshai. t u n g si n d e x i n d i e H d h e g e t r, e b -n, ob­wohl es an Versuchen, die Preise zu senken. Nicht gefehlt hat. Die deutsche Zahlungsbilanz wird na- türlich zunächst durch die emlaufenden Auslands- aelder scheinbar gebessert, man kann fast Jagen, daß die im Daroesplan vorgesehene Transferierung deutscher Reparationsgelder tn dem Maße rote es bisher geschehen ist, nur deshalb Nicht die Wah rund gefährdet hat, weil die einlaufenden Au;- landsgelder ein bilanzmäßiges Aequwalent boten.

Aber je größer die Zinszahlungen werden, um- fomehr zeigt sich, rote problematisch die Ausländs­anleihen sind, wenn sie nicht zu wirkltch produk­tiven Zwecken verwandt worden sind. Aus diesem Grunde ist Dr. Schacht kritisch geworden und man muß ihm zuerkennen, daß ferne Warnungen durchaus berechtigt roaren. Nun ist na­türlich nicht anzunehmen, daß die Minister Dr. Curtius und Dr. Kähler nicht ebenfalls em In­teresse an der Niedrighaltung des Lebenshaltuncts- index und an der Vermeidung einer Wahrung?. krisis hätten. Wenn dem aber so wirklich ist, so dürfte es nicht schwer sein, zwischen den beiden Mi­nistern und Dr. Schacht eme Einig u n ll in der Behandlung der Ausländsanleihen zu finden. Nach den neuesten Meldungen soll eme Ver st andi- aung inzwischen ja auch gesunden fein.

" Die oanze Frage erhält aber noch durch ihre repnrotionspolMche' SciteemenpikantonDer-

Deutschnationalen, ganz anderer Ansicht sind.

Das „D. D. 3* erfährt: Die sozialdemo­kratische Reichstagsfraktion beschaff tigte sich mit dem Reichsschulgesetz. Die Aussprache ergab volle Einigkeit darüber, daß der Keudellsche Entwurf aufs schärfste abzul e h n e n tf und alle Bestrebungen zur Konfessronallsierung der Volksschule abzuroeisen sind. Don einer formulier­ten Stellungnahme wurde vorläufig abgeleben, oa zunächst das Ergebnis der Beratungen des Reichs- rates über die Anträge der Länderregierungen ab- gewartet werden soll. #

Das „V. D. Z."-Büro hört: Der Reichs- ratsausschuß für das Reichsfchulgesetz fetzte seine Beratungen fort. Nach Erledigung der er­sten Lesung des Reichsschulgesetzes vertagte sich der ^Am" Nachmittag tagte zunächst eine Unterkom- Mission des Besoldungsausschusses, wo­raus am gleichen Nachmittag die Vollkommisston für die Besoldungsreform ihre vertraulichen Bera­tungen wieder aufnahm.

Reichsminister v. keudell zum Reichsschulgefeh.

Aus Dresden wird gemeldet:

Im Rahmen der 7. Tagung des Deutsch- nationalen Lehrerverbandes, an der zahlreiche Vertreter der Ministerien, des Landtags, der christ- liehen Elternvereine und des neuen sächsischen Leh- rervereins teilnahmen, ergriff Reichsminister von Keudell das Wort. Er erklärte zunächst, daß die Reichsregierung den preußischen Abänderungsoor- schlügen zum Reichsschulgesetz nicht zustimmei» werde. ,

Er gebe der Zuversicht Ausdruck, daß man durch den Gesetzentwurf zu einem wirklicher Schulfrieden gelangen werde und stelle fest, daß der Entwurf. an den bestehenden Rechtszu- stand anknüpfe. „ , , .

Zum Schluß nahm die Versammlung einstim­mig eine Entschließung an, in der es heißt: „Der Entwurf bewahrt bei der Gliederung die Einheit­lichkeit des Staates dadurch, daß er unserer Volks- heft gerecht wird und die Erziehungskräfte in Fa­milie, Gemeinde und Lehrerschaft zum Träger des staatlichen Erziehungswesens macht. Das gesamte Erziehungsrecht kommt in der einheitlichen Be­kenntnisschule am wirksamsten zum Aus­druck." _

Diese Entschließung hebt dieiemge des Cvan- gelischen Bundes, die oben mitgeteilt wird, voll­ständig aus.

D.D.Z. Berich. (Eig. Funkm.). Der Vor- stand der Zentrums-Fraktion des Reichs­tages ist für heute nachmittag einberufen.

Genf vor dem Kabinett.

wtb. Berich, 8. Ott. (Eig. Funkm:). Wie wir erfahren, ist das Reichskabinett heute vormittag 11 Uhr zu einer Sitzung zusammengetreten, um den Bericht Dr. Stresemanns über die letzte Völkerbundstagung entgegenzunehmen.

V. D. Z. Berich, 8. Oktober. (Eig. Funkm.) Der Aelteftenrat des Preußischen Land- tags ist nunmehr für Dienstag, den 11. Oktober, mittags 12 Uhr, einberufen worden, also eine Stunde vor Beginn der ersten Plenarsitzung des Landtags. Der Äeltestenrat soll sich darüber schlüssig werden, ob tatsächlich, wie vorgesehen, der Land­tag zunächst nur 4—5 Tage zusammenbleiben und dann eine Pause von etwa 2 Wochen einlegen soll. Die Entscheidung darüber wird nach der Menge des Beratungsstoffes getroffen werden. Zunächst sollen die Anträge wegen Hochwasser -und Ernteschäden erledigt werden. Die Beamtenbesoldungs­vorlage für Preußen dürste dann während der zweiwöchentlichen Pause nn Ausschuß vorberaten werden. Sie ist dem Landtag zugegangen.

Konkordat und Schulgesetz.

Auf seiner Tagung in Eisenach nahm der Evangelische Bund in der Frage des Konkordats eine Entschließung an, in der die Rechtsform des Konkordats mit aller Entschiedenheit abgelehnt wird und eine Regelung der Frage zwischen Staat und Kirche auf dem Wege deutscher Staatsgesetze vorgeschlagen wird. In einer zweiten Entschlie­ßung zum Reichsschulgesetz wird unbeding­tes Festhalten an der Staatsschule und an der un- eingeschränkten Beibehaltung der christlichen 6t- multanschule betont. ' •

Die Entschließungen des Evangelischen Bundes sind für den Ablauf der in Betracht kommenden gesetzgeberischen Maßnahmen ohne große Bedeu- tung," da die auf die evangelischen Kreise sich stüt­zenden politischen Parteien, besonders die

Chamberlain erklärte Pressevertretern u. a.:

Die letzte Völkerbundstagung war eine der interessantesten. Dank dem sehr offenen und loyalen Meinungsaustausch ist das Ver­trauen vollkommen wiederherge- stellt worden. Die während der letzten Jahre er« zielten Ergebnisse sind gewaltig gewesen. Zweifel- los wird der Völkerbund noch lange nicht der Schiedsrichter über Frieden und Krieg sein, dessen Urteil von allen angenommen würde. Es wird nicht das Werk einiger Tage, auch nicht einiger Jahre fein können. Aber bereits jetzt hat die ge­samte Welt größeres Vertrauen zum Völkerbund und dieser zu sich selber. Man hat seit dem letzten Jahre die Abkommen von Locarno ver­wirklicht, die gewissermaßen die Grundlage des neuen Europa sind. Diese Abkommen gelten, wie Stresemann selbst bemerkte, nicht nur für die Westgrenzen, sondern^ machen dank des Schiedsgerichtsvertrages künftig auch jeden Krieg zwischen Deutschland und Polen unmög­lich. Auf Grund von Locarno ist Deutschland in den Völkerbund eingetreten und jedermann hat fesfftellen können, daß Deutschland immer mehr eine Völkerbundspolitik betreibt und die Folgerungen, die sich für dies Land aus feinem Eintritt in den Völkerbund ergeben, zu zie­hen sucht. Wir haben außerdem in aller Oeffent- lichkeit die heikelsten Fragen erörtern können, die zunächst internen Beratungen vorbehalten werden mußten. Jedesmal, wenn ich aus Genf zurück­kehre, ist mein Vertrauen in den Völkerbund be­stärkt worden, unter der Bedingung wohlverstan- den, daß man den Völkerbund nicht als einen U e • b e r ft a a t ansieht, sondern als die Vereinigung souveräner Staaten, deren wichtigen Beschlüsse meistenteils einstimmig getroffen werden müssen. Hierfür ist offensichtlich viel Zeit notwendig, da die einzige uns zur Verfügung stehende Waffe die Ueberzeugung ist.

Indessen nehmen immer mehr Staaten und Regierungen die Gewohnheit an, an die Meinung des Völkerbundes zu appellieren und sich an ihn zu wenden, als eine Art Apellationsgerichtshof, wenn sämtliche diplomatischen Mittel versagt ha­ben. Ich glaube, daß aufgrund der am Schluß der letzten Tagung gefaßten Beschlüsse bald merk­liche Fortschritte auf dem Wege zur Abrüstung und Sicherheit sich bemerkbar machen werden.

Auf eine Frage betreffend seine Begegnung mit Primo de Rivera erklärte Chamberlain: Wir ha­ben über Tanger gesprochen. Heber die zwi­schen Frankreich und Spanien schwebenden Ver­handlungen bin ich unterrichtet. Ich erwarte den

Nach den Blättern soll der südslawische Gesandte in Sofia von seiner Regierung die Weisung erhalten haben, beim Ministerpräsiden­ten eine Demarche zu unternehmen. Der Ge- sandte soll der bulgarischen Regierung über die Maßnahmen an der Grenze Mitteilung machen, die für den Fall in Aussicht genommen worden seien, daß die bulgarische Regierung nicht in der Lage fein würde, den Hebertritt der Banden auf südslawisches Gebiet zu verhindern.

Westeuropa und Rußland.

Die englischen Arbeiter.

Aus Blackpool wird gemeldet. In der letz­ten Sitzung der Konferenz der Arbeiterpartei brachte Fenner Brockwey eine Resolution ein, in der der Vollzugsrat der Arbeiterpartei aufgefor­dert wird, Maßnahmen zu ergreifen, um ein in­ternational geeintes politisches Vorgehen der Ar­beiterklasse herbeizuführen. Dazu wird eine Kon­ferenz zwischen Vertretern der Arbeiterinternatio­nale, der Sozialistischen Internationale, der Drit­ten Internationale und der angeschlossenen soziali­stischen Parteien oder die Anwendung anderer an­gebracht erscheinender Mittel vorgeschlagen. Der Antragsteller führte u. a. aus: Es bedarf der E i n- beit der Arbeiterklasse zur Bekämpftma der Reaktion in Europa, des Imperialismus und im Osten der Kriegsdrohung gegen Rußland und der vom Kapitalismus angeftrebten Isolierung

wtb. Berlin, 8. Ott. (Eig. Fünkm.). In par- lamentarischen Kreisen wird , die Meldung eines Berliner Morgenblattes, wonach mit einer Oktober­tagung des Reichstages nicht mehr zu rechnen sei, als unzutreffend bezeichnet. Es wird versichert, daß von den beteiligten Stellen alles aufgeboten wird, damit der Reichstag am 17. Oktober zusammen treten kann.

Wclmmkr IIW («it UM. 15 W uldaerZerlung Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatt.--

'M P.20 A Neklamezeile: lo al 0^) 54.Zahrg.