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Beilage zur Zuldaer Zeitung

Für unsere Frauenwelt. "Nr. 223 vom 9. (DU 1927.

Das fremde Mädchen.

Ich sah dich groß auf einer Heide stehn, Verloren in der dunklen Abendluft, Umdämmert von der Herbstfsuer blauem Dust, Weit in die abendrote Sonne sehn.

Und aus den Tiefen stieg der Nebel auf. Umwob dich, sanft umsinkend, hüllend ein.

Hoch über dir zog Stern um Stern herauf.

Du standest ganz im Sichversunkensein.

Wie Baum und Stein und stummes Reh.

Mir war, als feist du nie in Stadt und Haus Gewesen, seist des Waldes Kind.

O, nun versteh ich deiner Auge fremdes Weh: Du sehnst aus Stadt und Stube dich hinaus Ju Baum und Strauch, die dir Geschwister sind.

Heinrich Lersch.

Das Urteil über den Nächsten.

Von Pater Busch -Bütgenbach (Neubelgien).

Mehr oder weniger steckt in jedem Menschen die Neigung zu kritisieren, und zwar zu kritisieren im Sinne des Tadels. Sind einmal mehrere Menschen beisam­men, so machen sie vielfach ganz unversehens einen Drit­ten, der abwesend ist, mit seinem Tun und Treiben zum Gegenstand ihrer Beurteilung. Die Damenkaffees ste­hen bekanntlich weit und breit in dem nicht gerade beson- ders rühmlichen Ansehen eines Tribunals, vor das un­weigerlich jeder große und kleine Missetäter geschleppt wird, damit man ihm etwas am Zeuge flicke. Ja man munkelt sogar, — und diese Nachsage muß sich nament­lich die Kleinstädterin gefallen lassen —, daß bei Ge- legenheit eines Ereignisses, das auch nur ein klein wenig von dem glatten Wege des Gewöhnlichen abweicht, so­gar um dieses unübersehbaren Punktes willen, eine Frau Rat oder Registrator, Frau Revisor oder Frau Inspektor an ihre „lieben Freundinnen" einen hohen Ruf zu einer „Sitzung" ergehen lasse, damit das ehr­würdige Richterkollegium dem interessanten Sensations­falle doch ja seine gewichtige Behandlung zuteil werden lasse unter der angenehmen Würze einer „gemütlichen Tasse Kaffee"! Wir selbst merken es oft garnicht, wie häßlich es dem feingestimmten Ohr eines wahren und ehrlichen Menschenfreundes klingen muß, wenn wir kleine Fehler und Derschen unserer Mitmenschen mit wichtigem Behagen an die große Glocke hängen und, an­statt die verleumderische Welt zu hemmen, mit eifriger Behendigkeit noch unser Teil dazu beitragen, dem Näch­sten Böses nachzusagen.

Wir sollen nicht Uebles nachreden, oder einen bösen Leumund machen, sondern unfern Nächsten entschul­digen, Gutes von chm reden und alles zum Besten kehren. 'Sonnten wir in dem Augenblick, in dem wir eilfertig in das verwerfende Urteil gegen unseren Näch­sten einstimmen, uns einmal selbst anfchauen mit dem Auge eines Zöllners, der in der Erkenntnis feiner eige­nen Schuld kein Auge für die Sünden der anderen hatte, her demütig sprach: „Gott sei mir Sünder gnädig". Wie unwürdig würden wir uns vorkommen, wenn wir uns das Richteramt über andere anmaßen, obgleich uns selbst noch soviele Fehler anhaften. Sind wir denn bes­ser als jener Pharisäer, der sich mit seinen guten Wer­ken brüstete und rief: „Ich danke Gott, daß ich nicht bin, wie andere Leute!" Hand aufs Herz, liebe Leserin, ent­springt nicht unsere Lust, nachteiliges über den Nächsten zu reden, eigenllich dem Verlangen, das eigene liebe 2ch in ein etwas helleres Licht zu stellen? Wenn wir ehrlich fein wollen, müssen wir doch gestehen, daß die Grundmotive recht unschöne und unchristliche sind, ja, daß sie ein beredtes Zeugnis oblegen von dem geheimen Eingeständnis unseres eigenen Unwertes. Wer nichts bedeutet, sucht sich durch den Schein ein Ansehen zu ver­schaffen. Diese Wabrheit findet auch hier Bestätigung, und die Welt läßt sich durch den bloßen Schein nur zu leicht blenden. Aber zarte Gemüter werden sich doch von dieser zwar menschlichen, aber nichtsdestoweniger tadelnswerten Eigenschaft, über andere mit geheimer Luft den Stab zu brechen, abgestoßen fühlen. " Milde Urteile fällen, begütigend und entschuldigend einlenken, wenn andere hart urteilen! Nachsicht walten lassen, das kleidet ganz besonders Frauen so ungleich schöner, als das Anlegen der scharfen Sonde des kühl wägenden Verstandes.

Wenn wir einmal in die Seele der Menschen bllcken könnten, wieviel gerechter würde unser Urteil fein. Wie­viel besser würden wir ihr Treiben verstehen, wieviel innere Kämpfe würden wir entdecken, wo die äußere Hülle glatt und das Wesen ruhig ist, und wie manches stille Heldentum da finden, wo wir von Schwächen re­den. Wenn wir uns dies vor Augen halten, müssen wir gestehen, daß wir selbst unter denselben Bedingungen ebenso gehandelt hätten. Daß uns doch das Rechnen mit

dem eigenen Temperament des Schwertes «des schar­fen Urteils beraubte.

Anstatt uns zu unberufenen Richtern aufzuwerfen, sollten wir lieber schweigen und aus den Fehlern unserer Mitmenschen eine Lehre für unser Verhalten ziehen. Das bedeutet nämlich im Grunde Aufbau der Seele, milde Einsicht und letztlich Verstehen und Ein­sicht für die Leiden und Schmerzen der Welt.

Etwas vom Kürbis.

Von Irene Brockhausen-Berlin.

Die kugeligen Kürbisfrüchte, die an Gartenhecken und Zäunen, am Bahnwärterhäuschen und im Lauben- land wie dicke, behagliche Tiere in der Sonne lagen, sind geerntet, und sorgfältig im Keller aufgeschichtet.

Uralt ist der Kürbis oder der Flaschenapfel, von dem es unzählige Arten gibt. Schon in peruanischen Gräbern fand man seinen Samen, doch sind die Tropen der alten und neuen Welt seine Heimat.

In Amerika ist Kürbispastete ein beliebtes Gericht, das bei keinem Festmahl fehlen darf. Am Tharnks- giving-day, dem Erntedankfest der Vereinigten Staaten, ziert sie den Tisch des Präsidenten, wie des einfachen Bürgers.

In Norddeutschland, wo der Kürbis gern von den Hausfrauen wegen seiner Wohlfeilheit gekauft wird, verarbeitet man ihn meist zu Marmelade. Auch mit Milchreis vermischt esien ihn die Kinder gern zu abend­licher Mahlzeit.

In Oesterreich und Ungarn dagegen wird der Kürbis gern als schmackhaftes Gemüse bereitet und ist so eine willkommene Zuspeise zum täglichen Tisch. Als Gemüse: Man schmort eine feingewiegte Zwiebel in Fett halb gelb, gibt dem in fingerlange, schmale Streifen geschnit­tenen Kürbis dazu, etwas Essig daran, Kümmel, Salz, Pfeffer und Zucker nach Geschmack, bann läßt man ihn weich dünsten. Vor dem Anrichten wird ein wenig Mehl daran gerührt, etwas sauere Sahne dazugegeben und mit dem Kürbis ausgekocht.

Auch wie Sauerkraut feingeschnitten und zubereitet schmeckt er gut. Man kann ihn auch ganz fein schnei­den und mit Kümmel, Salz und etwas Essig vermischt eine Stunde stehen taffen. Dann dämpft man ihn in Butter weich und läßt ihn mit sauerer Sahne auf.

Um einen wohlschmeckenden Salat aus ihm zu be­reiten, blanchiert man ihn in Salzwasser, hobelt ihn vor­her fein und bereitet ihn wie Gurkensalat zu. Gestill­ter Kürbis ist ebenfalls ein leckeres Gericht, nur braucht man dazu eine gute kleine Sorte. Diese wird geschält und überkocht, bann halbiert und mit Fleischfarce ge­füllt. Das Ganze wird bann in Speck unb Tomaten gedämpft. Den East verdickt man mit etwas Mehl und gibt sauere Sahne dazu.

Wenn man Kürbis als Marmelade einkocht, sollte man nicht vergessen, etwas Gewürz und Ingwer daran zu geben, um seinen Geschmack pikanter zu gestalten. Nach Art der Sodener Senffrüchte eingekocht, bildet er einen schmackhaften, besonders bei Herrn beliebter Nachtisch. Dazu nimmt man auf ein Pfund Kürbis ein Pfund Zucker. Der Kürbis wird überkocht unb muh er­kalten. Den Zucker läutert man in wenig Wasser unb legt den Kürbis bann in den heißen Jucker, um ihn mit Papier bedeckt an einem kühlen Ort stehen zu lasten. Am anderen Tage wird alles zusammen aufgekocht, was man am 5. Tage wiederholt. Dann kommt auf ein fßfunb Kürbis 140 Gramm braune» Senfmehl, das man mit einem Teil heißen Zucker vermengt. Die Senf­mehlmaste mischt man zu dem Kürbis. Dann füllt man ihn in gut schließende Gläser. Man kann auch andere, ebenso zubereitete Früchte, wie Pflaumen, schwarze Nüsse und Aepfel dazumischen.

Die pflege der Herrenkleider.

Don Elisabech Gebhardt- Ludwigshafen.

Herrenkleider sind das Schmerzenskind so mancher jungen Hausfrau. Wohl weiß man, daß durch sorgfäl­tige Bchandlung und Reinigung die Kleider des Gatten und der Söhne geschont werden, daß ihre Lebensdauer verdoppelt werden kann, aber das „Wie" der Ausfüh­rung macht mancher Frau stete Sorge. Nun kann der brave Ehemann die Arbeit feiner Frau wesentlich er­leichtern und unterstützen, wenn er beim Auskleiden die Anzüge stets sofort auf einen Kleiderbügel hängt, damit der Rock nicht verzogen wird. Die Hosen legt man in die alten Bügelfalten. Ausgezogene Klei­der dürfen nicht sofort in den Schrank gehängt werden, sie müssen mindestens eine Nacht lüften. Am anderen Morgen werden sie dann sorgfältig gereinigt. Am be­sten vermeidet man das noch immer beliebte Klopfen, es schadet nicht nur dem Stoff, sondern vor allem der Fas­son der Anzüge und Mäntel. Die Kleiderbürste für Herrenanzüge sei nicht zu hart. Gebürstet wird stets mit dem Strich. Auch der Glanz gewisser feiner Herren-

stoffe verschwindet bei zu hartem Bürsten. Flecken müs­sen selbstverständlich ebenfalls sofort mit den bekannten Fleckenmitteln entfernt werden, wozu man sich einen Lappen aus dem gleichen Stoff wie der Anzug hält, da man bann niemals über bas Ausreiben der Farbe zu klagen haben wirb.

Alle Teile des Anzugs, die mit Knöpfen besetzt sind, sollen langsam und gleichmäßig gebürstet werden, da man sonst leicht die Knöpfe abreißt. Ist ein Anzug faltig und unansehnlich geworden, so lasse man ihn aufbügeln. Das Iakett muß unter allen Umständen dem fachkundigen Schneider zum Bügeln übergehen werden, da die Hausfrau weder die schweren Eisen noch die K'llen ihr einen nennt, die zum Böneln eines Her- frenrockcs notwendig sind. Außerdem läßt sich ein ein­mal oerbügelter Anzug nicht mehr in Ordnung bringen. Hosen und Westen lassen sich dagegen sehr leicht im Haushalt bügeln. Zu diesem Zwecke erwärme man bas schwerste Platteisen sehr.stark, lege die Hose in die alten Falten auf eine weiche Unterlage, decke darauf ein nasses Leinentuch unb dämpfe langsam. Die Bügelfalten müs­sen in der Mitte der beiden Hosenbeine gerade Linie bilden und genau aufeinanderpassen. Wer es noch nicht gemacht hat, probiere zuerst einmal mit einer älteren Hose, aber es geht meist beim ersten Male schon sehr gut, sodaß sich viel Geld ersparen läßt, da die Hosen weit öfter gebügelt werden müssen, wie der weniger in An­spruch genommene Rock.

Auch auf Reisen gibt es ein sehr einfaches Mittel die Bügelfalten in der Herrenkleidung wiederherzustellen, das als Behelf der Junggesellen sich Jahrzehnte bewährt hat. Man legt die Hose in die vorhandenen Bügelfalten und bringt sie ganz glatt unter b i e Matratzen b e 5 Bettes. Dann schläft man ruhig eine Nacht da­rauf, holt sie am anderen Morgen heraus unb kann dann mit Freude feststellen, daß sich über Nacht eine tadellose Bügelfalte gebildet hat.

Dom Einlagern derwinterkartoffeln

Von Elsa S t a h l - Nürnberg.

Alles will verstanden fein, auch bas Einlagern von Winterkartoffeln. Vor allem, gehört dazu ein mariner, absolut frostfreier Keller, der von Zeit zu Zeit gelüftet und bequem gereinigt werden kann. Die Kartoffeln selbst müssen sauber fein, deshalb entfernt man vor dem Einlagern alle etwa noch anhaftenden Teile der Erdkruste. Nur völlig gesunde Ware darf eingelagert werden. Angefaulte Kartoffeln sind zu entfernen unb sofortigem Gebrauch zuzuführen. Die ßagertiften feien mäßig hoch, höchstens ein Meter, damit die Erwärmung nicht zu stark wird, was bas Keimen der Kartoffeln beschleunigt, wodurch sie in ihrem Nährwert eine be­trächtliche Minderung erfahren. Die Kartoffeln dürfen sich in der Kiste nur berühren, nicht drücken. Am unte­ren Rande der Kiste bringt man eine Klappe an, der die Kartoffeln zum täglichen Gebrauch entnommen wer­den, damit stets die Kartoffeln, die das meiste Gewicht zu tragen haben, am ersten Verwendung finden. Von Zeit zu Zeit, etwa alle fünf Wochen, müssen die Kar­toffelvorräte durchgelesen und alle angefaulten Knol­len entfernt werden. Ist im Winter bas Wetter mild, so lüfte man den Kartoffelkeller: steht starker Frost be­not, " fo müssen die Kartoffeln mit Säcken, alten Decken usw. abgedeckt werden. Daß der Kartoffelkeller, unge- ziefersrei fein muß, ist absolute Voraussetzung.

fius dem Srauenleben.

f. Geburkszeremonien in Japan. Die neugeborene Prinzessin erhielt bei der althergebrachten Zeremonie des „siebenten Tages" die Namen Sachiko Hisa. Nach­dem sie unter großem Gepränge gebadet worden war, wurden ihr nach altem Brauch Stellen aus den Klai- sikern vorgelesen. Im Anschluß daran vollzogen zwei Hofbeamte den üblichen Ritus zur Vertreibung der bö­sen Geister.

f. Dr. Anika Augspurg, eine der aus den freigebi­gen Latzern stammenden Vorkämpferinnen der Frauen­bewegung, feierte am 22. September ihren siebzigsten Geburtstag. Sie trug als eine der ersten Frauen einen Bubikopf, lange bevor der Bubikopf für das weib­liche Geschlecht auch nur bekannt war, und wurde des­halb verschiedene Male als verkleideter Mann angehal­ten, trotz ihres feingeschnittenen Frauengesichtes.

Die Frau als Erzieherin.

f. Widerspruch. Nicht jeder kindliche Widerspruch sclllte verdammt und von der Hand gewiesen werden. Im Gegenteil, eine solche kindliche, wenn auch scheinbar unvernünftige Gegenrede gibt sehr oft Einblick in den Charakter eines Kindes und zeigt, wie weit es nachzu­denken imstande ist. Solcher Widerspruch muß liebe­

volle Beachtung finden oder mit verständnisvollem Ein- gehen zurückgewiesen werden. Anders ist es natürlich, wenn es sich um einen fortdauernden unb grundlosen Widerspruchsgeist handelt, der nur seinen Widerspruch laut werden läßt, um zu widersprechen. Diesem muß mit aller Energie entgegengetreten werden, da er sonst sich unb anderen das Leben schwer macht.

Die $rau als Hausarzt.

f. Skrofulose Ausschläge sind nach ärztlicher Verord­nung mit äußerlichen Mitteln zu behandeln. Zweck­mäßig aber ist es, diese lokale Behandlung durch ein». Hg em eine zu unterstützen. Zu diesem Zwecke läßt man sich aus gleichen Teilen Stiefmütterchenkraut unb Walnußblätter eine Teemischung anfertigen und kocht 1 Eßlöffel der Kräutermischung mit drei Taffen Wasser auf 2 Tassen ein. Diese Portion ist im Lause eines Tages, mit Milch vermischt, zu trinfen. Ist Ver­stopfung vorhanden, so empfiehlt cs sich, der Mischung noch 10 Prozent von Harz befreite Sennesblätter zuzu- setzen.

Die $rau in der Küche.

f. Zwieback immer im Hause zu haben, ist sehr an- genehm, da sich das Gebäck lange frisch erhält. Man kann sich Zwieback leicht selbst Herstellen. 100 Gramm Margarine oder Butter verrührt man mit einem Eß­löffel Zucker unb bem nötigen Salz mit 2—4 Eiern unb gibt bann einen halben Liter Milch dazu, in wel­chem 70 Gramm frische Hefe mit etwas Mehl verquirlt wurden. Zuletzt fügt man noch 1 Pfund sehr gut er­wärmtes Mehl zu dem Rührteig, formt zwei bis drei läng­liche Striezel, läßt diese gut aufgehen und füglich bei! backen. Sind sie abgekühlt, schneidet man sie in die be­kannten dünnen Scheiben, die auf einem Blech im hei­ßen Ofen schnell knusperig gebacken werden.

Doppelsinnig. A.: „Aus Pommern kommen die meisten und größten Ochsen!" B.: „Das bezweifle ?t, die kommen aus Mecklenburg!" A.: „Na, hören Sje mal, ich muß das doch wissen, ich bin ja selbst aus Pommern!"

Jede zweite «acht von Berlin nach München.

Wenn einer, von Motorbooten dichtauf begleite*, in 9 Stunden von Dover nach Calais schwimmt, so wird er als gewaltiger Held gefeiert. Jedes Kind kennt seinen Namen, jeder Zeitungsleser seir Bild. Wer aber nennt jemals einen von den taufen Unbekannten, die Tag für Tag und Nacht für Nac' ihre unsichtbare Heldenarbeit verrichten, ohne da es ihnen irgendeiner besonders dankt! Wer tem zum Beispiel den Lokomotivführer Sjcinrim Hühnke, der feit 24 Jahren jede zweite Nacht den grauen_ Schlafwagenzug Berlin—Hab

unserem Berichterstatter

- - \

Jf )

»Ich kann Ihnen sägen: ein Höllenkrach ist vorne auf der Maschine I Meine 120 Fahrgäste, merken ja nichts davon. Die können schön tu schlafen. Die brauchen teilte Angst zu haben, do ihnen mit meinem Zug was passiert. Ich kenne meine Strecke so gut wie meinen Nachhauseweg vom Anhalter Güterbahnhof zu Muttern, die morgens schon auf mich wartet. Mit ’ner großen Kanne Kathreiners Malzkaffee auf dem Frühslü.cks- tisch. Ich trinke meine drei, vier Tassen und schlafe dann wie'n junger Gott bis nachmittags um dreie. Dann gehe ich in Zivil, mal mit Muttern, mal allein spazieren, bis es abends wieder los geht.

Ob ich auf Fahrt auch esse und trinke? S chs dicke Butterbrote mit Leberwurst und meine Zwei­literkanne Kathreiners Malzkaffee! Der schönt Herz und Nerven unb tut wohl! Ob heiß oder kalt, mit ober ohne Zucker! Er schmeckt sehr, sehr aut und — 12 Tassen kosten nur 5 Pfennige. Also bitte!"

Durch Wüste und Wildnis.

Roman von Heinrich Sienkiewicz.

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Da Sambo, welcher bei dieser Zeremonie durchaus notwendig war, nicht mehr da war, vertrat ihn ein alter Neger, der die Beschwörungsworte genau wußte. Diesel tötete zuerst ein Zicklein, entnahm demselben die fieber, teilte sie in einige große Stücke, drehte mit Händen unb Füßen an einem Spinnrad unb sprach bald Kali, bald M'Rua anblickend, feierlich:

„Kali, Sohn Fumbas, willst du ein Stückchen von M'Rua, dem Sohne M'Kulis, essen? — Und du, M'Rua, wlllst du ein Stückchen von Kali, bem Sohne Fumbas, elfen?"

.Wir wollen", ermiberten die künftigen Brüder.

„Wollet ihr, daß das Herz Kalis bas Herz M'Ruas sei unb bas Herz M'Ruas bas Herz Kalis?"

„Wir wollen!"

„Unb auch die Hände, die Lanzen unb bie Kühe?"

„Unb die Kühe."

„Unb alles, was jeder hat unb haben wirb?"

„Was er hat und haben wird."

„Unb daß es zwischen euch keine Lüge, keinen Ler- rat unb keinen Haß gebe?"

„Keinen Haß."

„Unb daß der eine den anderen nicht bestiehlt!"

„Nie!"

„Und daß ihr Brüder werdet."

„Ja!"

Das Rad drehte sich immer schneller. Die ringsherum versammelten Krieger verfolgten seine Bewegungen mit wachsendem Interesse.

„So!" rief der alle Neger, „wenn aber einer den anderen verraten würde, ihn bestehlen, vergiften oder töten, dann soll er verflucht sein!"

„Er soll verflucht sein!" wiederholten die Shrieger.

.Und wenn er ein Lügner ist, der auf Verrat sinnt, bann soll er das Blut seines Bruders nicht verschlucken unb es vor unseren Augen wieder herausgeben!"

„Dor unseren Augen!"

„Und er soll sterben!"

„Er soll sterben!"

„Wobo soll chn zerreißen!" ।

„Wobo!"

„Oder der Lowe!"

„Oder der Lowe!"

„Der Elefant, bas Rhinozeros unb dep Büffel sollen ihn zertreten."

„O! unb ber Büffel!" wieberholte ber Chor. t „Unb die Schlange soll ihn beißen!"

„Die Schlange."

„Und seine Zunge möge schwarz werden!" „Schwarz."

„Und feine Augen mögen im Kopfe verschwinden." „Im Kopfe."

„Und er soll auf dem Kopf, mit den Fersen nach oben gehen."

»Ha! mit den Fersen nach oben!"

Nicht nur Stasch, sondern auch Kali biß sich auf bie Lippen, um bas Lachen zurückzudrängen, und unter» dessen wiederholten sich immer noch schrecklichere Be­schwörungen und bas Rab drehte sich fo schnell, daß die Augen seine Windungen nicht mehr verfolgen konnte. Das dauerte so lange, bis ber alte Neger Kraft unb Atem verlor.

Dann ließ er sich auf ben Boden nieder und nickte nach beiden Sellen schweigend mit dem Haupt. Nach einer Welle erhob er sich, nahm ein Messer, ritzte Kali am Arm, benetzte ein Stück fieber mit feinem Blut und schob es M'Rua in den Mund: dann benetzte er ein zwei­tes Stück mit dem Blut des Königs unb schob es Kali in ben Mund. Beide schluckten fo schnell, daß es hörbar war und die Augen ihnen herausquollen, worauf sie sich bei den Händen faßten zum Zeichen treuer, ewiger Freundschaft.

Die Krieger riefen freudig:

„Beide haben geschluckt, keiner hat es herausgewor­fen, so sind beide aufrichtig, unb es gibt keinen Verrat zwischen ihnen."

Und Stasch dankte im Geiste Kali, daß er ihn bei dieser Zeremonie vertreten hatte, denn er fühlte, daß er beim Schlucken des Stückchens von M'Rua den Beweis von Unaufrichtigkell und Verrat geliefert hätte.

Don dem Moment an drohte den kleinen Wanderern keine Gefahr mehr seitens ber Wilden, auch kein unver­hoffter Ueberfall; man umgab sie mit größter Gast­freundschaft unb brachte ihnen beinahe eine Verehrung entgegen, wie die Neger sie nur ihren Gottheiten zollen.

Diese Ehrfurcht steigerte sich, als Stasch auf seinen von Linde geerbten Barometer sah und Regen Dorausfagtc, und der Regen noch am selben Tage so reichlich fiel, als wollte die „Massika", die schon längst vorüber war, den Rest ihrer Vorräte der Erde schenken. Die Neger wa­ren überzeugt, daß der gute Msimu ihnen diesen Regen geschenkt, und ihre Dankbarkeit für Nel kannte keine Grenzen. Stasch scherzte, daß er, nachdem sie die Gott­heit ber Neger geworden, seine Reise allein fortfetzen und sie in dem Dorfe M'Ruas zurücklassen müsse, wo die Neger chr eine Kapelle aus Elfenbein errichten unb ihr Bananen und Bohnen barbringen würden.

Aber Nel war seiner sicher, und sich auf den Zehen erhebend, flüsterte sie ihm in ihrer Art zu: „Du wirst mich nicht zurücklassen! Dann fing sie aus Freude zu springen an, in der Meinung, daß, wenn die Neger io gut seien, bie ganze Relle bis zum Ozean leicht und schnell vonstatten gehen werde. Es geschah bie£ vor bem Zelt angesichts der Menge, und als der alte M'Rua den springenden Msimu erblickte, fing er auch auf sei­nen krummen Seinen zu hüpsen an in der festen lieber- zeugung, er liefere damit ein Beispiel der Frömmigkeit. Seinem Beispiel folgten die Minister, ihnen die Krieger, diesen die Frauen unb die Kinder, kurz, das ganze Dorf sprang und hüpfte herum, als wären alle irrsinnig geworden.

Stasch ergötzte sich an dem von der „Gottheit" gegebe­nen Beispiel derart, daß er vor Lachen beinahe zu Boden gefallen wäre. Doch in derselben Nacht erwies er dem frommen König und seinen Untertanen einen wirklichen Dienst, denn als Elefanten bas Banenfeld überfielen, ritt er ihnen auf King entgegen unb schleuderte zwischen das Rudel einige Raketen. Die Verwirrung, welche die „feu­rigen Schlangen" verursachten, übertraf feine Erwartung. Die riesengroßen Tiere erfüllten, von rasender Angst er­griffen ,bas ganze Dschungel mit ihrem Gebrüll unb Ge­trappel ,unb in blinder Hast davoneilend, stürzten sie sich gegenseitig um und zertraten einander. Der mächtige King verfolgte die davoneilenden Gefährten mit außer­ordentlicher Lust, und verschonte sie weder mit dem Rüssel noch mit den Zähnen. Nach einer solchen Nacht konnte man sicher sein, daß lange kein Elefant mehr die Plantagen des alten M'Rua beschädigen würde. Im Dorfe herrschte auch große Freude darüber, unb bie Ne­ger verbrachteil die ganze Nacht mit Tanzen, wobei sie

Hirsebier unb Palmenwein tränten. Kali hatte von ihnen viele wichtige Dinge erfahren, beim manche hatten von einem großen Wasser, bas im Osten liege und von Ber­gen umschlossen sei, gehört. Für Stasch war es ein Be­weis, baß jener See, von bem er in der Geographie nichts gelernt hatte, wirklich vorhanden sei, wenn sie in der Richtung, die sie einschlugen, sortwanderten, endlich das Volk der Wa-himas erreichen würden. Da die Sprache Kalis und Meas sich von der M'Ruas fast nicht unter­schied, so schloß Stasch, daß der Name „Wa-Hima" wahr­scheinlich eine örtliche Benennung fei, und die Völker, die am Strande ded „Basso-Narok" wohnen, dem großen Stamme der Schilluk angehörten, welcher am Nil be­ginnt und sich in unbekannter Weise gegen Osten er» streckt.

39.

Die ganze Bevölkerung begleitete ben „guten Msimu' und nahm unter Tränen Abschieb, indem sie eindringlich bat, wieder einmal M'Rua aufzusuchen und an sein Volk zu denken. Stasch dachte eine Weile nach, ob er die Neger nicht auf jene Schlucht aufmerksam machen sollte, in welcher er die von Linde hinterlassenen Vorräte, die er mangels von Lastträgern nicht mitnehmen konnte, auf­bewahrt hatte. Er gab aber nach reiflicher Ueberlegung diesen Gedanken auf; der Besitz solcher Schätze würde nur Neid und Streit bei ihnen Hervorrufen und die Gier den Frieden ihres Lebens stören. Dagegen erlegte er einen großen Büffel, dessen Fleisch er ihnen zum Ab- schiedsschmaus zurücklieh. Der Anblick der großen „91 tja= ma" hatte sie auch getröstet.

Die folgenden drei Tage hindurch zog die Karawane durch unbewohnte Gegenden. Die Tage waren schwül, aber die Nächte zufolge der hohen Sage so kalt, daß Stasch Mea befahl, Nel in zwei Decken einzuhüllen. Sie durchzogen jetzt öfters Bergschluchten, welche manchmal kahl und felsig, manchmal aber so dicht mit Pflanzen be­deckt waren, daß man nur mit Mühe durchdringe» konnte. Am Rand dieser Schluchten sahen sie groß- Affen, manchmal auch Löwen und Panther, biel siet, t- 'ben Felsenhöhlen verbargen. Stasch erlegte einen solche», auf die Bitte Kalis, ber sofort bas Fell an leg:.1, berrtr bie Neger gleich erkennen konnten, baß sie es mit cutei Persönlichkeit von königlichem Blut zu tun fcoit-n.

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