Anzeiger für die Stabt Fulda unb ben Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
Samstag, 8. Oktober 1927
Jlr. 232
FTOCKMIXWF
wtb. London, 7. Oft. (Eig. Funkm.). Auf der gestrigen Konferenz der englischen Arbeiterpartei in Blackpool wurden auch auswärtige Fragen erörtert, darunter das Genfer Protokoll, das russische Problem und die Frage der Verhinderung von Kriegen. Macdonald trat für eine freundschaftliche, aber feste Politik gegenüber Rußland ein. Er stellte die Behauptung in Abrede, daß die Abrüstungsvorschläge der Sowjet-Regierung von den kapitalistischen Ländern ignoriert worden seien und sagte, die Sowjet-Regierung habe keinen ernstlichen Schritt unternommen, um friedlich« Beziehungen mit anderen europäischen Staaten zu erreichen. Dieser wünschenswerte Schritt könne nicht unternommen werden, bevor die Bcziehunqen zwischen der russischen Regierung und der dritten Internationale vollkommen klar gestellt seien. Macdonald erklärte: „Wir stießen fast jedesmal, wenn wir ein Einvernehmen mit der russischen Regierung zu erreichen wünschten, auf die Propaganda einer Organisation, die das Wohlwollen gegenüber Rußland bei Millionen von Leuten zerstört, die wirklich dieses Wohlwollen zu zeigen wünschten."
wtb. London, 7. Okt. (Eig. Funkm.). „Daily Herald" schreibt zu der gestrigen Sitzung der Arbeiterpartei-Konferenz, daß aus der außenpolitischen Debatte sich als Hauptpunkt die gebie- terische Notwendigkeit ergebe, den Versailler Vertrag zu revidieren und alle Mihhellig- leiten zu beseitigen, die die Beziehungen zwischen
winnspanne der Banken ist damit erheblich gesteigert worden, und sie werden allerdings auf Koten der Gesamtwirtschaft trotz und gerade wegen )er jetzigen Diskonterhöhung ein recht gutes Ge- chäst machen.
Wie zur Verstärkung der Begründung seiner Auffassungen über die Gefährdung des deutschen Geldmarktes wird nun aus amtlichen Kreisen heraus eine Darstellung darüber gegeben, welches Ausmaß die Auslandsverschuldung der deutschen Länder und Kommunen angenommen hat. Die bisherige Verschuldung auf Grund solcher Ausländsanleihen mit fundierten, also langfristigen Anleihen, wird mit mindestens 5 Milliarden, für unfundierte, also kurzfristige mit unge- fahr 3 Milliarden, also eine Gesamtverscbuldung von etwa 8 Milliarden, angenommen. Darüber hinaus sind aber neue Ansprüche von solchen Anleihen für Länder und Gemeinden von 1 600 Millionen Mark gestellt, und dazu treten noch etwa 400 Millionen geplante, aber ebenfalls nicht abgeschlossene Ausländsanleihen von Staatsbanken, Kreditanstalten, Hypothekenbanken usw. Ferner sind Ansprüche angemeldet von etwa 100 Millionen Mark von Bayern, von 40 Millionen Mark für Hessen, von der gleichen Summe von Köln, von 50 Millionen Mark für die Schnellbahn Essen- Düsieldorf usw. Dieses Anwachsen der Ansprüche an den ausländischen Geldmarkt hat naturgemäß auch im Auslande, insbesondere bei den ausländischen Notenbanken Bedenken erregt, und nun er- sährt man aus amerikanischer Quelle, daß die gegenwärtige Zurückhaltung auf dem amerikanischen Geldmarkt auf die Neuformulierung der Richtlinien zurückzuführen sein soll, welche von den Leitern der verschiedenen Notenbanken vor kurzem aufgestellt worden seien. Der Reichsbankpräsi- dent Schacht läßt den deutlichen Hinweis darauf, daß er an der Verschärfung der Formulierung dieser Richtlinien verantwortlich mitbeteiligt sei, dementieren. Aber es ist sehr bemerkenswert, daß diese Dinge beginnen, in parlamentarischen Kreisen sehr starke Aufmerksamkeit, auch sehr starken Unwillen zu erregen. Besonders interessant ist, zu hören, daß von sozialdemokratischer Seite von der Reichsregieruna geradezu eine Untersuchung gegen den Reichsbankpräsidenten gefordert wird, mit der Maßgabe, den Reichsbankvräsiden- fen amtlich über die Zusammenhänge der Verhandlungen über die Preußen-Anleihe und dergleichen zu vernehmen und ber Oeffentlichkeit Aus klärung zu geben.
Jedenfalls ist die ietzige Diskonterhöhung ein sehr zweischneidiges Schwert. Gerade, was bisher der Reichsbank am meisten Sorge machte, nämlich die Hereinnahme der kurzfristigen ausländisch. Gelder, die ja vollständig unkontrollierbar ist, und bei
vom 21. Jahre ab das Stimmrecht zuzuerkennen, während sie es gegenwärtig erkt vom 30. Jahre an besitzen. Weiterhin nahm hie Konferenz eine Entschließung an, m der die Regierung zu dem Entschluß beglückwünscht wird, noch während des Bestehens des gegenwärtigen Parlaments sich mit der Frage der Ob erb aus re form zu befassen. Die Partei stellt allen Maßnahmen ihre Unterstüßunq in Aussicht, die notwendig, sind, um sicherzustellen, daß durch eine leistungsfähig« zweite Kammer der Ausdruck des Volkswlllens gewahrt bleibt.
Jahreskonferenz der britischen Arbeiterpartei.
Die Jahreskonferenz der Arbeiterpartei nahm eine Entschließung hinsichtlich Rußlands an und eine andere, die sich zugunsten «irrer besonderen Zusatzst euer auf das Einkommen aus Kapital ausspricht. Diese Zusatzsteuer soll gestaffelt werden und im Durchschnitt zwei Schilling je Pfund Sterling betragen. Jahreseinkommen unter 500 Pfund Sterling bleiben frei. Eine solche Zusatz- steuer würde einen Jahresertrag von etwa 85 Millionen Pfund Sterling abwerfen.
Auf dem konservativen Parteitag führte Premierminister Baldwin u. a. aus: es bestehe fern Grund, hinsichtlich der Aussichten für den Handel pessimistisch zu sein. Die Aussiihr nchme zu. Die Aussichten im Schiffahrtsgewerbe seien nicht ungünstig. Die Rückkehr zum Goldstandard habe sich als der Schlüssel für die Wiederkehr des wirtschaftlichen Gedeihens erwiesen. Der Generalstreik und der Streik der Bergarbeiter hätten dem Lande schwer« Lasten auferlegt. Weiter richtete der Premierminister an die Jndustriellenführer die Mahnung, mit den Arbeitern Hand in Hand zu wirken. Die Lage der Landwirtschast gebe Anlaß zu schweren Besorgnissen. Es müsse für eine Besserung der Marktvechältnisse gesorgt werden. Zur Frage der Oberhausreform erklärte Baldwin, die Regierung begrüße alle verständnisvolle und sachkundige Kritik.' Sie werde sich mit dieser Kritik den Herbst über befassen und erst später im Jahre mitteilen, zu welchen Entschlüssen sie gekommen sei.
Premierminister Baldwin erffärte, die Regierung habe beständig an der Herstellung stabiler Verhältnisse im In- und Auslande gearbeitet. Hinsichtlich der britischen Bemühungen int Auslande wolle er nur an die in Genf von Nansen geäußerten Worte erinnern. Baldwin führt« die Erklärung Nansens über die Stellung Großbritanniens zum Genfer Protokoll an und schloß diesen Teil seiner Rede mit den Worten: „Wenn Großbritannien zögerte, seine Verpflichtungen noch zu erweitern, so war der hauptsächliche Grund dafür, daß Großbritannien die bestehenden Verpflichtungen so ernst nimmt, daß es eifrig darauf hedacht rst, in keiner Hinsicht seine im Dienst der bereits bestehenden Verpflichtungen stehende Macht durch Eingehung neuer Verpflichtungen zu schwächen."
Weiter sprach Baldwin seine Freude über die auf dem letzten Gewerkschaftskongreß gehaltenen Reden aus. Er vertraue darauf, daß der neue Ton, den er darin gehört habe, von Dauer sein werde. Der neue Präsident des Gewerkschaftskongresses habe seinen Glauben an di« Nützlichkeit gemeinsamer Beratung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern öffentlich zum Ausdruck gebracht. Im Hinblick auf die Depression in der Landwirtschaft sagte Baldwin, Großbritannien sei eins der wenigen Länder ohne irgendeine Einrichtung für langfristige Kredite gegen hypothekarische Sicherheit. Die Regierung beabsichtige, dem Parlament im nächsten Jahre einen entsprechenden Plan zu unterbreiten.
Diez a. d. Lahn besatzungsfrei.
wtb. Diez a. d. Lahn. 7. Off. (Tel.). Die hier »egenden 1400 Mann Besahungstruppen haben den Befehl erhallen, sich znm Abtransport nach Landau und Neustadt a. d. Hardt bereit zu halten, wie wir zuverlässig erfahren, sollen diese Truppen nur durch 200 wann Gendarmerie erseht werden, die jedoch fafernierl werden sollen, so daß nach dem Abzug der Defahungstruppen nunmehr sämtliche 64 Wohnungen, die bisher beschlagnahmt waren, vollkommen frei werden.
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bibat beim Zentrum in aussichtsreicher Stellung werden tonne. Auf meine bescheidene »rage: „Wie viele Versammlungen hat der Betreff sende denn schon fürs Zentrum gehalten oder wat hat er sonst getan", erhielt ich zur Antwort: „Wenn der Herr N. N. gewählt wird, tst er na- türlich auch bereit, für die Partei tätig 3« fein ?! Also zuerst das Mandat und dann die Arbeit fut die Partei! Früher war's anders; zuerst die Parteiarbeit und bann das Mandat!
Bei der Uebetfütte der gesetzgeberischen Arbeiten in ben letzten neun Jahren hat sich ganz vor selbst im parlamentarischen Betrieb ein gewisses Spezialistentum herausgebildet. Wer Spe- zialist sein will, der muß ein gewisses Gebiet be- sonders beherrschen. Das Spezialistentum in der Politik und im Parlament darf aber nicht dahm führen, daß die Kenntnis der Zusammenhänge ver- loren geht. Das Spezialgebiet darf nicht überschätzt, sonderen es muß dem großen Ganzen cm« und untergeordnet werden. .
Auch in der Parteiarbeit im Lande draußen stoßen wir immer mehr auf dieses Spezialistentum Die Berichterstattung geschieht nicht mehr, oder nur noch wenig in den allgemeinen Parteiversammlungen, sondern auf Tagungen der S ta n d es- und B e r u f s vereine jeder Art. Wenn es daran geht, Kandidaten aufzustellen, dann ist die Partei recht; wenn es aber gilt, in öffentlichen Versammlungen für die Partei zu werben oder ihr e Palitik zu vertreten, dann fehlt allzu oft dje Zeit ober ber Wille hierzu. Die Standes- oe reine aber, in die man geht und die das Sprungbrett für bas Mandat bieten, wollen ferne Parteivereine ober -Organisationen fein. Sie vertreten ihre einseitigen Standesinteressen — berechtigte und zu weit gehende — und wer nicht ihr« Wünsche restlos billigt, wirb verdammt.
Diele Entwicklung wird weiter gehen, sie führt zu einer Ueberwucherung der Wirtschaftsfragen und der Standesinteressen im ganzen öffentlichen Leben unseres Volkes und zur Vernachlässigung der großen außen- und innenpolitischen F r a g en, von deren guter Lösung auch die Lösung ber einzelnen Standeswünsche im wesentlichen abhängt. _
Was ich hier ausgeführt habe, geht alle Parteten an; die Zentrumspartei ist wenigstens weltanschaulich noch gebunden, aber auch bei ihr pochen die Interessentengruppen an die Türe. Sie alle haben Forderungen und üben viel Kritik; wenn es aber gilt, ernsthaft für die Zentrumspartei einzutreten, ist man da und bort überparteilich, neutral! So beginnt das eigentliche politische Leben zu verflachen unb zu versanden. Mancher Abgeordnete wirb zum einseitigen Standesvertreter, während er doch als Volks Vertreter gewählt ist. In dieser durch das geltende Wahlrecht begründeten und geförderten Entwicklung liegen die schwersten Gefahren^ für den Parlamentarismus überhaupt.
Findet der Reichstag nicht Zeit, Kraft und Mut, das Wahlrecht rechtzeitig zu ändern, dann — und nur dann — wird auch die Frage der Errichtung einer Diktatur in Deutschland früher ober später akut werden. *
Vor beinahe 21 Jahren wurde ich im Wahlkreis Oberndorf-Schramberg in der Stichwahl nach heftigstem Wahlkampf in ben württembergischen
Line deutsche Schicksalsfrage.
Die, ohne jede Fühlungnahme mit den beteiligten Finanzkreisen, von der Reichsbank vorge- jtommene Erhöhung des Diskontsatzes öcn 6 Prozent, hat naturgemäß gerade bei der Börse sehr stark verstimmt. Wieder einmal ist gewissen Spekulanten das Konzept zerschlagen gerben. Sie waren schon wieder dabei, das Pub- Mm zu neuer Kauftätigkeit in Effekten cmzurei- ftn, unb sie konnten sich dabei auch auf die Unterstützung verschiedener Dankkreise berufen, die offenbar ber Meinung waren, daß bas Dörsengefchäft einen Tendenzumschwung nach oben mit sich bringe. Aber schon der Laie, um wie viel mehr der Geldfachmann, mußt« sich klar darüber sein, baß bei dem jüngsten Ansteigen der Zinssätze, die für allererste Wechsel schon aus 6 Prozent und mehr, bei Tagesgelb sogar über 8 Prozent gegangen sind, eine offizielle Bankrate von 6 Prozent nicht haltbar war. Dazu kam, daß ber Reichs- bankaus we i s eigentlich schon seit Monaren eine ständig steigende Inanspruchnahme der Geldmittel der Reichsbank auf« wies. Das konnte nicht ohne entsprechende Maßnahmen der Reichsbank bleiben, wenn sie den Eeldmark in Einklang mit der Leistungsfähigkeit der Gesamtwirtschaft bringen wollte. Denn, wenn man vernimmt, daß seit Januar be.r Umlauf derNotenum mehr als 800 Million en Reichsmark gestiegen ist, während andererseits die deckungsfähigen Devisen feit dieser Zeit um nahezu 300 Millionen abgenommen haben, wenn man ferner hört, daß wir gegenwärtig einichließlich der Privatbanknoten und der Scheidemünzen einen Zahlungsmittelumlauf in Deutschland von 6 Milliarden und 150 Millionen Mark haben, dann muß die jetzige Diskonterhöhung in sich doch schon als begründet erscheinen.
Sicherlich sind die wirtschaftlichen, insbesondere die geldtechnischen Gründe für das jetzige Vorgehen der Reichsbank gewichtig genug, um den Schritt zu erklären und zu rechtfertigen. Es wirft sich aber doch die Frage auf, ob nicht in unserer ganzen Geld- und Diskontpolitik gerade in diesem Jahre 1927 schwere Fehler gemacht worden sind. Sehen wir uns doch einmal die Entwicklung des Reichsbankdiskontsatzes im Laufe der letzten Jahre an. Bis zum Jahre 1925 war als Folge ber Inflation ber Reichsbanksatz immer mehr gesteigert worben. Am 12. Januar 1926 würbe ber damals mit 9 Prozent bestehende Reich-.bänk- satz auf 8 Prozent gesenkt. Zwei Monate später, am 27. März, erfolgte eine Herabsetzung von 8 auf 7 Prozent, und wieder nur kurze Zeit später, nämlich am 7. Juni von 7 Prozent auf 6!4 Prozent, und vier Wochen danach wurde auch dieser Satz auf 6 Prozent ermäßigst. Schon bei diesem Tempo ber Herabsetzung mußte man seine Be- denken haben, ob sie im Einklang mit ber Gestaltung der Wirtschaftslage überhaupt erfolgt sei. Damals aber hat der anhaftende große Zufluß ausländischer Gelder über die wirkliche Kapitalbildung in Deutschcmd hinweggetäuscht. Im Januar 1927 ist dann sogar eine Ermäßigung des bis dahin auf 6 Prozent stehenden Diskontsatzes auf 5 Prozent einae treten. Diese Herabsetzung ist selbst von den Reichsbankstellen damit begründet worden, daß man nunmehr wieder an einer normalen Zinsbildung angelangt sei. Heute zeigt es sich aber, daß dieser Schritt übereilt unb ben tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen in Deutschland noch keineswegs angepaßt war. Wie in vielen Dingen, so ist auch damals wieder bi» Produktivkraft der deutschen Wirtschaft stark über- schätzt worden, unb man hat sich fein rechtes Dilb darüber gemacht, in welchem Ausmaß die deutsche Wirtschaft aus eigener Kraft imstande ist, ihre Kapitalbedürfnisse zu befriedigen. Dieser Optimismus macht sich auch in ungünstiger Weise geltend, wenn bas deutsche Dolf in allen feinen Schichten, in einigen aber ganz besonders ftarf, glaubt, den Friedens st andarb der Lebenshaltung verlangen zu fönnen.
Schon als am 10. Juni 1927 wiederum die Heraufsetzung der Banfrate von 5 um ein volles Prozent auf 6 Prozent erfolgte, war man sich klar, daß die Diskontfenkungspolitik vom Januar sich nicht bewährt hatte, und mehr und mehr stellte es sich ja im Laufe der Zeit heraus, daß sie ein vollkommener FMfchlag war. Ganz kraß tritt, das in die Erscheinung im jetzigen Augenblick, da rote» herum der Diskontsatz um ein volles Prozent, unb zwar von 6 auf 7 Prozent gesteigert wird, was naturgemäß die Erhöhung auch der anderen Zinsraten, insbesondere des Lombardsatzes, der jetzt mit 8 Prozent feftliegt. mit sich bringt.
Wie schwierig die gegenwärtige Situation ist, ergibt sich daraus, baß die im Reichsbankgesetz vorgesehene Deckungsguote für die Noten mit 40 Prozent ganz knapp erreicht ist, während wir früher eine erhebliche Ueberbecfung hatten. Zwar steht bie Deckung ber Noten durch Gold allein immerhin noch auf 44 Prozent, bie Deckung durch Gold und deckungsfähige Devisen mit 48 Prozent, aber wenn man zu ben Reichsbanknoten auch noch bie Rentenscheine nimmt, bann haben wir eine Deckungsguote, bie unter 40 Prozent liegt, nämlich nur mit 36 Prozent bei reiner Golddeckung unb mit 39 Prozent bei Deckung durch Gold und Devisen.
Die Politik ber Reichsbank hat unter den ob« waltenden Umständen allerdings sehr starke Angriffe erfahren. Das hat aber diejenigen, bie unmittelbar mit biefen Dingen in Verbindung stehen, nämlich die Banken, nicht daran gehindert, aus ber jetzigen Diskonterhöhung ein sehr gutes Geschäft zu machen. Sie haben nämlich die Ha» benzjnsen, also die Zinsen für Guthaben, nur um ein halbes Prozent erhöht, während die Zinsen für Echulben naturgemäß bas volle Prozent aufgebtirbet bekommen, wozu bann noch eine ent« fprechenbe Steigerung für bie Zinsen und Provi-
Die politische Soge in England.
Baldwin auf dem konservativen Parteitag. — Macdonald auf der Jahreskonferenz der Arbe'ter-Partei.
Auf der Jahresversammlung der konservativen
Partei wurde eine Entschließung angenommen, in _______ „...... „ , . . .
der der Remeruna anemvfoblen wird, den Frauen ' den europäischen Nationen vergiften.
Um bas Wahlrecht.
Von Abgeordneten A n d r e - Stuttgart.
Aus der jüngsten Tagung der badMen Zen- trumspartei wurde bedauert, daß ® a*)l . form im Reiche nicht vorangebracht werd«. Wenn nicht alle Anzeichen trugen, wrrd der neue Reichstag nochmals unter dem seitherigen Listen wahlrecht gewählt werden.
Der Vorstoß des badischen Zentrums ist^ berechtigt. Unter dem jetzt bestehenden Listen« Wahlsystem wird nicht nur der Bildung neue' Partei- und Interessengruppen der Weg geebnet ändern es geht auch die notwendige lebendig Verbindung zwischen Abgeordneten unk Wählerschaft weitgehend verloren.
Das frühere Wahlrecht mit seinen Haupt- uni Stichwahlen hatte auch große Mangel, aber es gab doch jedem Wahlkreis s e i n e n Abgeordnetem taugte er nichts, dann flog er bei der nächsten Wahl im Regelfälle durch. Jetzt braucht der einzelne Abgeordnete oder neue Kandidat nur eme starke Wirtschaftsgruppe hmter sich zu haben und In seinen Berufskreisen womöglich einseitig und radikal aufzutreten, und er erbringt damit den Beweis, daß er das Zeug für einen tüchtigen „Volksvertreter" in sich hat. Ob es aber auch ein wirklich begeisterter und opferbereiter Parteiangehöriger ist, der den Mut hat, in feinen eigenen Berufskreisen unpopulär zu scheinen ober zu fein, weil die Interest en des ganzen Volkes für ihn ausschlaggebend sind, wird vielfach als weniger wichtig an-
Vor einigen Tagen war em Vertreter einer ©tanbesorganifation bei mir, um zu fonbteren, ob bei ber Landtagswahl in Württemberg im Jahre 1928 nicht ein mit Namen genannter Herr Han-
Anzeigen.Preise: Kleinzeil« (Colonel) lokal 0,15 JUl, . / auswärts 0,20 JUl. Reflamezeile: lokal 0,60 .O, auswärts 0,80 Del Wiederholungen Rabatt. j «
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den Kommunen noch unkontrollierbarer als bei den Banken, denen man jetzt die Spezialisierung der Zweimonatsbilanzen vorgeschlagen hat, dieser Zufluß also wird ja durch die Gewinnchance die jetzt geboten ist, nur noch erhöht. Bereits jetzt zeigen die internationalen Geldmärkte Anzeichen ber Nervosität barüber, ob nicht nun mehr flüssige Gelber aus ihren Märkten nach Deutschland fließen, unb gerabe in England, wo diese Sorge mit am stärksten auftritt, ist man in Erwägungen darüber eingetreten, ob nicht auch dort eine Diskonterhöhung Platz greifen soll. Von kurzfristigen Gel- bern aber, die der Wirtschaft ja doch entzogen und nur zu Svekulationszwecken benutzt würden, hätte die Wirtschaft keinen Nutzen. Es würde eine unsolide, weil auf unsicherer Grundlage stehende Spe- fulationstätigfeit an der Börse wiederum einsetzen, die letzten Endes nur einigen wenigen und insbesondere den ausländischen Interessenten Nutzen brächte, mährend die notwendigsten Bedürfnisse der inneren Wirtschaft darunter leiden müßten. Man sieht also, wie die Gelbmarktverhältnisse augenblicklich voller Gefahren sind, und wie im Zusammenhang mit ben Finanznöten des Reiches unb ber Länder, die ja ietzt zu großen politischen Auseinandersetzungen führen müssen, diese Dinge die all-rftärfft» Aufmerksamkeit der gesamten Oeffentlichkeit erfordern.
Die klnle'liepolM.
Der auf Freitag angesetzten Beratung des Reichskabinetts, bie burch bie am Donnerstag ab« gehaltene Chefbefvrechung vorbereitet worben ist unb an ber auch Reichsbankvräsident Dr. Schacht teilnimmt, wird von den Blättern größte Bedeutung boigernessen. Es geht dabei um die Richtlinien, nach denen die Beratungsstelle für Ausländsanleihen ihre Beschlüsse fassen soll unb um die Zusammensetzung der Beratungsstelle. Wie es in der Voff. Zig. beißt, besteht hierüber innerhalb des Reichskabinetts eine einheitliche Auffassung. Der sozialdemokratische Pressedienst weiß Mitteilung über die Vorschläge Dr. Schachts zu machen. Danach soll flir die Genehmigung einer Anleihe Einftimmigkeit ber Beratungsstelle erforderlich sein, während bisher Stimmenmehrheit genügte. Ferner soll die Beratungsstelle durch eine Berufuimsinftanz ergänzt werden, die das Reichskabinett fein soll.
Nuhland und Frankreich.
In einer französischen Note, bie soeben oorbe« breitet wird, soll die Abberufung des Vertreters der Sowjet-Renubliken in Paris. Rakowski, nunmehr mit allem Nachdruck gefordert werden. Tschitscherin hat es abgelehnt, von sich aus ben ra« bikalen Sowjet-Vertreter zurückzurufen.
— binzeimmm 10 W (rit ZM. BellW 15 W.)
FuldaerZeitung