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Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

W. 231.

Erschein! sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaqen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer dlctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. >: Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk. :-:

Freitag, 7. Oktober 1927.

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54.Zahrg.

Der Ausschluß Trotzkis.

Ende Setembsr hat die offizielle kommunistische Partei in Rußland eine Geheimdruckerei d-r von Trotzki geführten Opposition entdeckt und damit festgestellt, daß die Trotzki-Bewegung syste- ^atisch an der Zermürbung der offiziellen Partei- hont weiterarbeitet. Die Entdeckung der Gebeim- druckerei führte zu dem Ausschluß von 14 Mos­kauer Parteimitgliedern, sie hat die weitere Folge e' bt, daß Wujowitsch aus dem Vcllzugsaus- der kommunistischen Internationale ausge. schlaffen worden ist. Auch Trotzki wurde ausge- schlossen, der nur stellvertretendes Mitglied dieses Ausschusses ist. Es ist damit zu rechnen, daß Trotzki und Wujowitsch, wie auch Sinowjew, der zu den engsten Mitarbeitern Trotzkis gehört, im Dezember aus dem Zentralkomitee der Partei überhaupt hinausfliegen. Die führende Gruppe Ctalin-Buckarin hat feit der Sitzung des Plenums des Zentralkomitees und der Internationalen Kon­trollkommission Anfang August ihre Stellung in Rußland festigen können. Es hat sich auch ge­geigt, daß die Absplitterungen in den außer- russischen Sektionen nicht den Boden gefun­den haben, der anfangs befürchtet worden . ist. DieRote Fahne" in Berlin konnte vor wenigen Tagen feststellen, daß seit dem Essener Parteitag sich die Absplitterungsbewegung ziemlich ver­flüchtigt hat. Eine öffentliche Probe über die Verteilung der Kräfte ist vor einigen Tagen bei den Wahlen in Altona und Harburg bei Hamburg vorgenommen worden. In Altona haben die Mehr­heitskommunisten an Stimmen gewonnen, während die Anhänger der abgesprengten Maslow-Gruppe ni ch keine vierhundert Stimmen aufzubringen ver- mochten, obwohl ihre Propagandatätigkeit unter keinerlei Zensur stand. Diese Entwicklung hat es der führenden Gruppe in Moskau leichter ge­macht. scharf zuzugreifen, und so ist damit zu rech­nen, daß die Rolle Trotzkis in wenigen Monaten ausgespielt sein wird.

Der Ausschluß Trotzkis wird von den Moskauer Zentralbehörden ausführlich begründet. Sie er­innern daran, daß er sich auf Grund der Ver- haltungen des Zentralkomitees am S. August ver­pflichtet habe, wie auch durch leine Erklärung vom 16 Oktober v. Is., die illegale Fraktionsarbsit gegen s:e Partei einzustellcn Obwohl Trotzki und seinen Genossen schon damals für den Fall neuer Disziplinarverletzungen der Ausschluß angedroht wurde, habe er sein der Partei und der ganzen Internationale gegebenes Versprechen in gröblich­ster Weise verletzt. Unter feiner Führung habe die Opposition die Bildung von eigenen Oraani» sationszentren offen fortaesetzt und das sei ein Der- such, di? Keime einer Partei Trotzki neben der kommunistischen Partei Lenins zu schaffen. Trotzki habe weiter versucht seine Derbinönngen m't b n ausländischen Renegaten-Gruppen auszuarbeiten. So mit der Maalow-Ruth Fischer-Gruppe 'N Deutschland und mit Souvorine in Frankreich. Auf diele Weise habe er außerhalb der kommuni­stischen Internationale und gegen sie eineBier te Internationale" schaffen wollen. Das Ver­halten Trotzkis fei umso schlimmer, als sich die internationale Laae für die Sowjet-Union äußerst verschärft hab«. Dabei sei doch die Sowjet-Union der erste proletarische Staat der Welt. Mit seinen Verleumdungen der Sowjet-Politik bade er ihre Position unter der internationalen Arbeiterschaft geschwächt und ihren Willen zur Verteidigung zu lähmen versucht. Der schlimmste Vorwurf, den die Parteileitung Trotzki zu machen versucht, besteht darin, daß sie ihm vorhält, daß er mst parteilosen bürgerlichen Intellektuel­len Verbindung gesucht habe, die mit offen sow­jetfeindlichen Elementen zusammenarbeiteten.

Trotzki ist die Antwort nicht schuldig geblieben. Er hat am 27. Seotember vor dem Präsidium des Exekutivkomitees Erklärungen abgegeben, die die­ses als eine Provokation empfunden mußte. .Er erklärt? offen, daß die Disziplin der boffchewisti- schen Partei für ihn nicht bindend fei. Die büro­kratisch? Disziplin auf Grund einer falschen politi­schen Linie fei fein Werkzeug des Zusammenschlus­ses, sondern ein Werkzeug der Desoroanisierung und der Unterminierung der Partei. Auch sons gebrauchte Trotzki eine Reihe von Aeußerungen, welche das Präsidium als beleidigend für die ganze Partei empfinden mußte. Er machte den Führern Bucharin und Stalin den Vorwurf, daß ibnen persönlich die Frage ihrer oroanifatorsichen Selbst"rbaltuna allen anderen Fragen voranaebe. Die Folg? bli"b denn auch nicht aus, einstimmig wurde beschlossen, Trotzi und Wujowitsch ai.szu- schließen.

Der jetzt kaltgestellte Trotzki, der engere frü­here Mitarbeiter Lenins, war ursprünglich kein Bolschewist, es waren aber persönliche Cigenschaf- ten, die ibn in die Nähe Lenins brachten und die ihn allmählich in tüe vorderste Reihe d»s, reno- lutionenren bolschewistischen Gedankens hineinscho- den. S»ine politische Eigenwilliakeit ist von ein'm starken Temperament anfefeuert. Die koste, zstl- klare und morbtöilline Natur Lenins zog ihn an. Lenin setzte ibn auch an di? Stelle, wo er mit seinem Temperament und seiner Organisastons- kraft. mit seinem Drang individuell und !mtio+;D zu schaffen, ein breites Det^tiaunafeld fand. Er machte ihn mm Organisator der roten Armee. Mit den geringfüafa?n Misteln, die ihm zur D'rfüguna standen, hat Trotzki in di"str seiner Stellung Außerordentliches gemistet. Die Armee schwärmt? für ihn Nost'ilch ist ihm ober fein Mangel an der Fähigkeit, sich einem unter» zuordnen, verhängnisvoll geworden. Wo er eine Organisation sich als Selbstzweck entwickeln sah, widersetzte er sich, so daß er schon einmal meh­rere Monate das harte Brot der Ber. bannuna esien mußte. Seine Verdienst" um die Revolution und seine Popularität retteten ihn vor schärferen Maßnahmen. Sein neuerliches Un- glück b-ffteht letzten Endes wohl darin, daß er die Organifations-Donzen", die heute die kommuni-

Keim VerMigmg Wischen Reich un- Andern.

Um die Mittel für die Befolöungsrefortn. Keine Steuererhöhung. Die Auslands - Anleihen. Die Kriegsfolgen lasten auf Deutschland.

Die Beratung der Länder-Finnanzminister ist zu Ende gegangen, o h n e daß eine Verständigung zwischen Reich und Ländern über die Aufbringung der Mittel für die Besoldungsreform erzielt wor­den ist Steuererhöhungen, vor allem auch eine Erhöhung der Umsatzsteuer, wie sie im Laufe der Erörterungen vorgeschlagen ist, sollen lautVoss. Ztg." jedenfalls vermie- den werden. *

Wie dieGermania" hört, findet am Donners­tag eine Ministerbefprechung und eine Sitzung des Reichskabinetts statt. Vermutlich wird in beiden Sitzungen insbesondere die Frage der Aus­ländsanleihen besprochen werden. An den Beratungen wird nach anderen Blättern auch Reichsbankpräsident Dr. Schacht teilnehmen. Ferner wird in den Kabinett-befprechungen das Problem der deutsch-polnischen Wirtschastsbeziehun- gen eine Rolle spielen, und zwar wird unter an­derem die Frage der Einfuhr polnischer landwirtschaftlich er Erzeugnisse nach Deutschland erörtert werden.

LautDofs. Ztg." hofft man die Vorarbei­ten zum Reichshaushalt 19 2 8 Ende Ok­tober abfchließen zu können, so daß der Haushalt ordnungsgemäß dem Reichstag am 1. November vorgelegt werden kann. Auch in Preußen ist man mit der Fertigstellung des Haushaltsplanes beschäftigt, der End« November dem Staatsrat zu- gehen wird.

Aus Berliner Zentrumskreisen wird uns ge­schrieben:

Die Kämpfe um die Preußenanleihe wie auch die Auseinandersetzungen über die neuerliche Diskonterhöhung der Reichsbank, schließ­lich mich die im Anschluß an die Besoldungsre­form und das Steuerrabmengesetz erfolgten De­batten über das Verhältnis von Reich zu Ländern haben die deutsche Oefsentlichkeit mit Macht wieder auf die wirtschastsvolitische Lage unseres Lande? hingewielen. Es gibt selbstverständ­lich niemanden im deutschen Volke, der die finanz- und wirtfchastsvolitischen Schwierigkeiten, die trotz der äußerlich günstigen Konstinktur vorliegen, nicht auf die Einwirkungen unserer Reparattons- und damit im Zusammenhang unserer Steuerverpflich- titna zurückführen würde. DaS Verhältnis von Reich und Ländern wäre befriedigender, wenn nicht die Daweszablungen das Steuerproblem so sehr erschwerten. Die Kapitalbildung für unsere Wirt- schäft wäre leichter, wenn die DaweSzahlungen nicht immer wieder den besten Rabm abschöpften, unsere Zahlungsbilanz wäre innerlich gesunder, wenn das einströmende Geld nicht in so hohem Maße aus Ausländsanleihen bestünde, sondern für ausge- führte Waren al? reeller Entgelt einliefe. Wäre die deutsche Wirtschaft im Auaenblick fähiger zur Kavitalsbilduna auS eigener Kraft, wäre wahr­scheinlich der Zahlungsmitteliimlaus geringer und die Preise für die Gegenstände de? täglichen LebenS wären niebriaer. Kurz und gut, die Daweszah- lunaen lasten schwer auf uns und drucken den Lebens­standard des ganzen Volles herab, besonders aber der unteren Einkommen Sklaven, da bei der best-ben- ben, durch Kartelle und Trust bestimmten Wirt- schaftSoraanisativn die Masse der Konsumenten all« öffentlichen Lasten zu tragen hat. Die europäische Zollpolitik tut ein klebriges baut, die Lebensunter­haltungskosten zu steigern. Diese ist aber ebenso wie der Dawesvlan eine Folge des Welt krieg es.

Der Weltkrieg ist also noch nicht liqui­diert und wir Deutsche leiden, da wir den wesent- lichen Teil der Kosten zu ttagen haben, am meisten darunter. Insofern haben gerade die minder- bemittelten Volksllassen in unserem Lande ein dringendes Interesse daran, daß unsere Repa- rationsvervflichtunaen in ihrer Höhe revidiert werden. Ein gewisser Schutz gegen zu weitgehende Barzahlungen' liegt in der Transferklausel des Dawesnlanes. Aber dieser Schutz ist nur ein tech- nisch-wäbnrngSnoliftscher, bet die wirtschaftliche Seite der At'ft>ringung der Lasten kaum berührt. So wird sich die Aufmerksamkeit aller Deutschen in dem Maße, wie die Lasten steigen und Zahlungen

sich häufen, immer heftiger auf die Frage konzen- trieren müssen, wie die Zahlungsverpflichtungen herabgesetzt und erleichtert werden können.

Daß die bestehende Regierung dieser Frage ihre besondere Aufmerksamkeit zuwendet, ist selbst- verständlich. Und nichts wäre für sie günstiger, als wenn sie in dieser Beziehung alsbald mit einem Erfolg aufwarten könnte. Der Reichsfinanz­minister, Dr'. Köhler, hat gleich zu Beginn seiner Amtstätigkeit in einer Etatsrede angekündigt, daß er in diesem Sinne wirken wolle und er hat da­mit den Beifall gefunden, der für eine solche An­kündigung natürlich ist. Das Ausland, an das Deutschland feine Zahlungen leistet, ist von dieser Ankündigung weniger erbaut gewesen, zumal sie vor dem Hintergründe der vier deutschnationalen Minister geschah, die dem Kabinett angehören. Es dürste in der Tat nicht politisch klugfein, dem Dawesplan sozusagenin direkter Aktion" mit einer einfachen Feststellung zu Leibe zu rucken, daß die erforderlichen deutschen Steuerleistungen nicht mehr aufgebracht werden können. Etwa, indem man auf einenunausgleichbaren" Etat hin- wiese oder dasevidente" steuerliche Unvermögen der bereits ausgepowerten Wirtschaft. Eine solche Politik wäre doch zu billig und würde vor allem von dem interessierten Aussand nicht als genügend beweiskräftig empfunden werden. Wie eine War­nung hat das Wort des Leichsbankpräsidenten Dr. 'Schacht geklungen, das er bei feinem Aufent­halt in Amerika ausaefprochen hat: Der Dawes- plan funktioniert! Die Behandlung, welche der Versuch Preußens, eine 30 Millionen Dollar­anleihe zu bekommen, bei dem dortigen Staats­departement erfahren hat, zeigt bereits deutlich das Mißtrauen amerikanischer Kreise in die Loya- lität der deutschen Reparationspolitik. Solange wir unsere Daweszahlungen leisten, und solange die Ausgaben des Reiches keine offensichtliche Ver­schleuderung der Einnahmen bedeuten, so lange sich auch unsere Steuersätze der Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft anpaffen, bleibt ein solches Miß­trauen unberechtigt. Stber das Mißtrauen härmt nicht immer nur von Tatsachen ab, es wird leicht durch Imponderabilien der Politik geschaffen und ist nur schwer zu bannen, wenn es einmal er­wacht ist.

Insofern scheint es uns ein oberster Grundsatz unserer Reparationspolitik werden zu muffen, daß sie offen und klar ist und sich vor allem das Der- trauen des Treuhänders des Dawesplanes, des Reparafionsaoenten Parker Gilbert sichert. Eine Revision des Dawesvlanes muß von diesem Treu­händer befürwortet sein, ehe sie wohl überhaupt erreicht werden kann. Das setzt natürlich ein so enges Zusammenarbeiten von Reichsfinanzministe­rium und dem Reparationsagenten voraus, wie es unter den allgemeinen politischen Verhältnissen nur möglich ist

In seinem letzten Bericht hat Parker Gilbert an der deutschen Finanzwirtschaft m verschiedener Hin- sicht kritische Ausstellungen aemacht, die man durch­aus nicht insgesamt zu billigen braucht. Sehr aufoefollen ist aber fein Hinweis auf die Kostspie­ligkeit des deutschen Derwaltungsapparates, die durch b?n staatsrechtlichen Aufbau des Reiches mit feinen Ländern bedingt ist. Man weiß, daß auch die deutsche Wirtschaft mit allen ihren Verzwei­gungen auf diesen mißlichen Zustand aus steuer­politischen Gründen immer wieder zu lvrechen kommt, und daß auch von den deutschen Städten, wie die letzte Städietaguna bewiesen hat, in die­ser Hinsicht eine durchgreifende Reform verlangt wird. Ob man zu viel sagt, wenn man die Be­hauptung wagt, daß eine Revision des Dawes- planes ein Reform der deutschen Staatsstruktur zur Doraussetzuna haben wird? Die junge deutsche Generation, die heranwächst, kennt die politischen Vorbehalte und Vorurteile nicht mehr, die bei der älteren alle Reformbestrebungen hemmen. Die großen politischen Verbände wollen ohne Aus­nahme ein einheitliches Reich. Und so kann man sagen,, daß die wirtschaftliche und politische Ent­wicklung zu einer Verfaffungsänderuna in diesem Sinne hindrängen. Jedenfalls wird manche innere Reform in Deutschland die sinanzi-lle CFrfnarniffe bedeutet, notwendig fein, eh? die Unerträglichkeit des Dawesplanes beweiskräftig gemacht werden kann.

fttfche Vartef führen, für geistig unterlegen hab ten muß. Er kann diesen nicht gehorsam sein. 1 Seine mehrfachen Lonas!täl«»rk'ärun"en hh?n ra-hher feinen Ovvosiftonsgeist nur noch gestärkt, fo ist er denn jetzt gefallen.

Heues Dom kntterpntsch.

Der Ausschuß des bageritoen Landtages zur Untersuchung her Vergönne am 1. Mai und am 8 November 1923 (Hitlervutichj trat zu feiner ersten Sitzung zusammen. Die Presse wurde zur De- richterstal^nng z u g e l a f f e n.

Der Ausschuß b?Wfftiat» ftrh zunächst mit den Vorgängen vom 1. Ma' 1Q23. Wie der Vorsitzende bemerkte, barMte es sich habe! in erster Linie um die Fraoen. oh am 1. Mai 1923 von rechts­radikaler Feite ein Staatsstreich bea^stch- Hat gewesen fei od?r nicht Berichterstatter Graf V e st a l o z z a (Baver. Dolksnartei) wies darauf bin, daß die Sozialdemokraten am 1 Mai einen großen Umzug veranstalten wollten, und daß die Arbeitsaemeinfchaft der vater- ländlfchen Verbände dielen Umzug verhin- dem wollte. Der Verichf"rstgtfer erklärte, daß die Frage, ob am 1. Mai 1923 ein Staatsstreich beab­

sichtigt war. durch das Meineidsverfahren gegen Hitler soweit wie irgend möglich geklärt worden sei. Ausarund der Akten werd? nun diese Frage dahin beantwortet werden müssen, daß ein Be­weis dafür, daß von Anfang an ein Staats­streich geplant war, nicht erbracht ist, daß es sich wohl zun^fft um eine Machtprobe han­delte. Der Mitberichterstatter A^g. Dr. Högner (©otiofhemofrat) verwies darauf daß sich die na­tionalistische Bewegung Anfang 1923 zu einer N e- benregierung ai^o-'bilbet habe. Aus den Akten ergebe sich, daß Geldmittel für diele B"w?auna zum "roßen Teil aus der Schweiz geflossen seien. habe auch regelmäßig Sel­ber aus der Tschechoslowakei erhalten

H'-rauf wurde die B-richterstattuna vertagt. D-m Ausschuß trift dann in die Fragestellung und die Untersuchung der Vorgänge ein.

* Reise Generals Henes nach Amerika. Der Ehef der Heeresleitung, General Hepe, wird am 7. Oktober in Begleitung seines Sohnes und eines Offiziers feiner Umgebung eine längere Erhv» lungsreife auf dem HapagdampferHamburg antreten, die ihn in die Vereinigten Staa­ten von Amerika führen wird.

po!en und Litauen.

Ralionaiikätenkamps.

Zwischen den beiden Nachbarn, Polen und Li­tauen, herrschen wenig friedliche Beziehungen. Li­tauen hat in den Schulen einen Kampf gegen den polnischen Einfluß eröffnet. Polen antwortet jetzt mit Vergeltungsmaßnahmen. Nach den bis jetzt vorliegenden Wilnaer Meldungen haben die pol­nischen Behörden im Wilnaer Land insge­samt 48 litauische Schulen und 1 litauisches Lehrer- femtnar schließen lassen. Ueberdies wurden 20 li­tauische Politiker, darunter 10 Priester, fest- genommen _

Der polnische Wojwode von Wilna veranstaltete einen Presseempfang, um die von den polnischen Behörden gegen die ütauifchen Staatsangehörigen verhängten Vergeltungsmaß­regeln zu rechtfertigen. Er erklärte, daß sich ge=, ra'be bie Regierung des Marschalls Pilsudstis burch Verföhnlichkeitspolitik gegen die litauische Minder­heit ausgezeichnet habe. Alle Maßnahmen der pol­nischen Regierung wären von dem Bestreben.er­füllt aewesen, freundschaftliche Beziehun­gen zwischen den beiden benachbarten Staaten her- zustellen. Nun habe aber die litauische Regierung letzthin eine Maffenverfolgung der polnischen Be­völkerung eingeleitet und das polnische Schulwesen bis in bie Erunbsesten erschüttert. Dieses Vor­gehen habe bie polnische Regierung gezwungen, Vergeltung zu üben, aber nur gegen jene Volks­teile ber litauischen Minderheiten in Polen, bie an einer ausgesprochen feinblichen Aktion ge­gen den polnischen Staat teilgenommen hätten.

Neue Einrichtungen in Mexiko.

Die Indianer helfen Calles.

Aus Mexiko wird gemeldet: General G o m ez, der in der Stadt Perote im Staate Vera Cruz von den Regierungstruppen belagert wurde, ist gefangen genommen und hingerichtet worden.

Nach' Meldungen von ber amerikanischen Grenze, aus Nogales (Arizona), sind bei Stra­ßenunruhen in Mexiko-Stadt mehrere Per­sonen getötet und zahlreiche verwundet worben.

In C l p a s o eingetroffene Meldungen aus ber Stabt Mexiko bestätigen, daß bie Regierung Cal­les bie Lage beherrscht. Die Deputierten- fammer hat 30 ihrer Mitglieder, die Gegner von Calles sind, ausgestoßen. Die Meldung, daß Ge­neral Dominguez, Häuptling ber Paqui - In­dian e r, die Bundestruvpen befehligte, welche Serrano und 13 feiner Anhänger gefangen nah­men. wirb in mexikanischen Kreisen für sehr be­deutsam gehalten, da bie Pagui allgemein als Geg­ner von Calles galten.

Das Büro bes Präsibenten Calles gibt bekannt, bas drei weitere aufftänbifche Generale gefangen« genommen unb hingerichtet wurden. Es stehen nur noch zwei Gruppen von Aufständischen unter Waffen. Beide befinden sich in Veracruz.

Spanten und Marokko.

Spanischer Sönigs-vesuch.

In Ceuta sind bas spanische Königspaar unb Primo be Rivera gelandet. Sie wurden, wie es in dem Bulletin heißt, von einer großen Menge Spanier unb Eingeborenen begeistert begrüßt.

Wie die Blätter berichten, macht sich in ber spanischen Marokkozone ein ®teberaufle­be n ber Raubzüge ber dortigen Stämme be­merkbar, bie es besonbers auf Viehherden in ber internationalen Zone abgesehen hoben.

Noch neueren Feststellungen wollten die spani­schen Anarchisten das Königspaar am 1. Okto­ber durch ein Bomben-Attentat ums Leben bringen. Die Polizei entdeckte den Anschlag unb nahm 40 Verhaftungen vor.

Französische Soreen.

Ausweisung unfiebfamer Ausländer.

Nach demIntransigeant" sind feit dem 1. Ja­nuar 856 Ausländer als unerwünscht aus Frank­reich ausgeroiefen worden. Don diesen sind 159 über bie Grenze abgeschoben worben. Die übri­gen haben sich, wie bas Blatt bemerkt, bamit be­gnügt, ber Ausweisung soweit nachzukommen, baß sie ihren Wohnsitz in Frankreich wechselten.

An ber Kote d'A zur finb scharfe polizeiliche Maßnahmen getroffen worben, um bie borkige Gegenb von unerwünschten Elementen burchweg zu säubern. Insbesonbere sollen ohne weiteres unliebsame 9ru5fänber ausgewiesen wer­den, bie sich als Ruhestörer bemerkbar mo? chen.

Der Meinungsstreit im Elsaß.

Wie ber Straßburger Korrespondent bes Temps" melbet, hat die elsässische Dvlksvereini- gung ein Manifest veröffentlicht, das sich gegen bas Programm der Autonomisten- Partei ausspricht, weil diese, wie erklärt wird, auf den Separatismus binauslgufe. Die­jenigen, bie es ausaearbeitet hätten, schienen sich keinem Zweifel barüber hinzuaeben, daß sie die Wahrung d?r berechtigten regionalen Int-ressen aufs schwerste schädigten. Die Dolksvereinigung lehne eine derartige Rolitik ab und werde nur eine solche befolgen, die feinen Zweifel über bie französische Nationalität ber (Fffäffer lasse unb vereinbar sei mit ber Einheit bes französische» Staates.

Die französisch-belgischen WirtschaftsverHand- lnngen. Wie Havas ans Brüssel meldet, werden die französisch-belgischen WirtschastSverbandlungen in der kommenden Woche wieder aufgenommen werden.