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MU bilirelmmmer 10 W. (mit MM. Beilage 15 Psg.)

uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblalk.

Ar. 229.

Mittwoch, 5. Oktober 1927

Neue Diskonterhöhung -er Reichsbank

ster Fahrt

ersitzenden des Kyffhäuserbundes Aschenbahn.^ Hindenburg stieg

CUUCVCIl |UIU, ealten. Der Pakt von

wtb. Berlin. 4. Oft (Eig. Funkm.) Die Reichsbank hat den Wechseldiskont von 6 Proz. auf 7 Proz. und den L o m b a r d z in s s a h von 7 auf 8 Proz. erhöht.

Der Diskontsatz der Gold-Diskontbank bleibt einstweilen unverändert auf 6 Proz.

wtb. Berlin. 4. Okt. (Gig. Funkm.) Wie der Ausweis der Reichsbank vom 30. September zeigt, hat sich die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 628,0 Millionen auf 2991,7 Mill. RM. erhöht. Die Bestände an Wechseln und Schecks für sich allein stiegen um 510,0 Mill, auf 2745,7 Mill. RM., wäh­rend die Lombardbestände um 118 Mill, auf 153,8 Mill. RM. angewachsen sind. Die Effektivbestände blieben mit 92,3 Mill, weiterhin unverändert.

An Reichsbanknoten und Renten­bankscheinen zusammen sind 684,2 Mill. RM. in den Verkehr abgeflossen und zwar hat der Um­lauf an Reichsbanknoten um 634,8 Mill, auf 4182,4 Mill. RM., derjenige an Rentenbankscheinen um 49,4 Mill, auf 988,9 Mill. RM. zugenommen. Demzufolge und unter Berücksichtigung, daß in der Berichtswoche Rentenbankscheine in Höhe von 1,4 Mill. RM. getilgt wurden, ist der Bestand der

Reichsbank an solchen Scheinen auf 518 Mill. RM. gesunken. Die fremden Gelder nahmen um 58,5 Mill, auf 629,7 Mill. RM. ab.

Die Bestände an Gold und deckungsfähigen De­visen zeigen eine Zunahme um 650 000 RM. auf 2005,9 Mill. RM. Im einzelnen haben sich die Goldbestände uml 149 000 RM. auf 1852,1 Mill. RM. vermindert, während die Bestände an dek- kungsfähigen Devisen eine Zunahme um 799 000 RM. auf 153,8 Mill. RM. erfahren haben.

DieDeckungderRoten durch Gold allein nahm von 52,2 Proz. in der Vorwoche a b auf 44,3 Proz, die durch Gold und deckungsfähige Devi­sen von 56,5 Proz. auf 48,0 Proz.

wtb. Newyork, 4. Okt. (Eig. Funkm.). Wie von der mexikanischen Grenze gemeldet wird, wurde Befehl er­teilt, alleAnhängerdesPräsidentschafts- kandidaten, General Gomez zu verhüt- t e n, der, wie auch ein anderer Kandidat. General «er- rano, angeklagt wird, mexikanische Bundestruppen zur Meuterei' aufgefordert zu haben.

i gewöhnliches Ver- Locarno bilden inner-

doch irgendwie geholfen werden müsse. Wettere Berattingen würden bereits am Dienstag in einer neuen Konferenz beginnen, zu der der preußische Finanzminister die Finanzminister der anderenLan- der eingeladen habe. Hinsichtlich des Steuer- vereinheitlichungsgesetzes wird im L'- kalanzeiger bemerkt, daß es voraussichtlich nicht so rasch werde erledigt werden können. Gegen das Gesetz lägen vor allem schwere grundsätzliche Be­denken der süddeutschen Länder vor. (Rach dem Tageblatt kommen diese Bedenken von bayeri- scher Seite). Das Liguidationsschädengesetz hin­gegen dürfte im Reichsrat wahrscheinlich eine große Mehrheit auf dem Boden der Regierungsvorsage finden. Von Bedenken des Reparations­age n t e n gegen das Gesetz ist laut „Voss. Ztg. den zuständigen Stellen nichts bekannt.

*

Im Anschluß an die Kundgebung der führen­den deutschen Oberbürgermeister auf der Magde-

Bei dem Empfang des Reichstagspräsidenten L o e b e erwiderte Hindenburg auf dessen namens der Volksvertretung dargsbrachte Glückwünsche:

„Den Eid, den ich geleistet habe, werde ich halten. Das ist selbstverständlich und das sage ich Ihnen als Abgeordnetem, der Sie auch vorn Volke gewählt sind, wie ich vom Volke gewählt worden bin."

Danklelegramm des Reichsvräsidertten an Präsident Loolldge.

wtb. Berlin, 4. Okt. (Eig. Funkm.) Der Reichs­präsident hat folgendes Telegramm an Präsident Coo- lidge nach Washington gerichtet:

„Für die mich aufrichtig erfreuenden Glückwünsche, die Sie, Herr Präsident, anläßlich meines 80. Geburts­tages an mich gerichtet.haben, bitte ich Sie. meinen herz­lichsten Dank entgegenzunehmen. Der Freundesgruß des amerikanischen Volkes an das deutsche Volk, den Sie mir mit so anerkennenden Worten übermittelt haben, war mir eine besondere Geburtstaasfreude. Von Herzen erwidere ich ihn namens des deuttchen Volkes". »

Ebenso hat der Reichspräsident den anderen fremden Staatsoberhäuptern, die feines 80. Geburtstages gedacht haben, seinen aufrichtigsten Dank nebst seinen besten Wünschen übermittelt.

Außer den bereits gestern Genannten hat auch der Schah von Persien dem Reichsmäkidenten Glück­wünsche übersandt«

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotattonsdruck und Verlag der Fuldaer'Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

König von Siam, der Präsident von Liberia, die Kö­nige von Spanien und Bulgarien. „Als Vertreter der chinesischen Nation und der Regierung der chinesischen Republik" gratulierte Tschang Tso Lin, der Oberstkom- mandierende der Land- und Seestreitkräfte der chinesi­schen Republik.

*

Der Glückwunsch des Heiligen Vaters hat folgenden Wortlaut: „Zu Eurer Erzellenz 80. Geburtstag gratulieren wir aufrichtigst mit dem wärmsten Wunsche, daß der gütige Gott Eurer Excellenz Leben noch viele glückliche Jahre erhalte und auch weiterhin mit reichen Segnungen be­gnade zum Wohle des Deutschen Reiches."*

will oder nicht, die Welt in die Katastrophe von 1914 geführt hat. Wenn Hindenburg nicht jetzt, in Tannenberg die berüchtigte Rede über das reine Herz und die reinen Hände gehalten hätte, die die fürchterlichsten Verbrechen gegen das Völkerrecht, die die zivilisierte Welt kennt, begangen haben, hätte sicherlich die Ehrerbietung, die ihm anläßlich seines 80. Geburtstages dargebracht wurde, nicht den Charakter angenommen, den wir heute erleben. Das ist geeignet, alle diejenigen, die aufmerksam die Ereignisse verfolgen, nachdenklich zu stimmen. Der nationalistische Einfluß, so fährt der „Temps" fort, macht sich heute stark genug bemerkbar, um es wagen zu können, sich kühn auf das Gebiet der Außenpolitik zu begeben. Er ist im Schatten Hin­denburgs groß geworden. Er beeinflußt seine Re­den und bestimmt seine Haltung unter den ernste­sten Umständen. Dadurch beschränkt.er, verschleppt er, dadurch verfälscht er, das kann man sagen, die allgemeine Politik der deutschen Regierung, für die Reichskanzler Marx und Dr. Stresemann in Berlin und Genf die Verantwortung übernehmen müssen. Man kann sich unter diesen Umständen nicht dar­über wundern, daß die Feierlichkeiten zu Ehren des 80. Geburtstages Hindenburgs einen Eindruck schaffen, der die deutschen Republikaner und die Demokraten verwirrt, und daß die dadurch in Deutschland geschaffene Atmosphäre die Wirkung hat, daß man nicht ohne Melancholie den von Lo­carno bis Tannenberg zurückgelegten Weg be­trachtet.

Zu diesen Ausführungen des französischen Blat­tes ist zu bemerken, daß das Bild sich jenseits der deutschen Grenze ganz falsch spiegelt. Die große Mehrheit des deutschen Volkes ist in erfter Linie eingeschworen auf den V o l k s st a a t und seine Parole des Friedens und der Versöhnung. Die Verehrung für Hindenburg gründet sich darauf, daß er diesem Staate in Treue dient.

D e Diskonterhöhung, zu der sich die Reichsbank nur aus dringendster Rotu > ndigkeit heraus ent­schlossen haben wird, ist nach dem Jubel des Hin­denburg-Nationalfestes der letzten Tage ein recht deutliches Zeichen, daß jetzt der E r n ft d e s A l l - tags wieder in seine Rechte tritt. Für die W i r t- s ch aft und damit für jeden einzelnen Volksgenos- ' sen, vor allem aber für die breiten Massen, bringt die Verteuerung des Geldes erhebliche Pro­bleme, die hoffentlich in sachlicher Arbeit, ungestört durch politische Zwischenfälle, gelöst werden können.

Zur Gratulation der auswärtigen Staatshäup- ter schreibt die Frankfurter Zeitung: Es fehlen ge­schlossen die Mächte von Locarno. Es haben sich weder der König von England, noch der König von Belgien, noch der Präsident der französischen Republik, noch Pilsudsti, noch Masaryk gemeldet. (Die Glückwunschadresse, die der Doyen des diplo­matischen Korps überreicht hat, hat mit dieser Sache nichts zu tun.) Warum von den genannten Ländern keine Glückwünsche eingelaufen sind, läßt sich denken. In der Tat wissen wir aus eigener Jnformatton, daß ursprünglich besonders herz­liche Grattilattonstelegramme von den übrigen Teilnehmern am Friedensweick von Locarno ge­plant waren. Die Idee war, auf diese Weise im Sinne der Versöhnungsarbeit unter den Völkern gute Stimmung zu machen. Doch dann kam die Tannenberger Rede! Daß nun aber über­haupt jegliche Glückwünsche von den Staatsober­häuptern Englands, Belgiens, Frankreichs, Polens und der Tschechosiowakei ausgeblieben sind, müssen wir Deutsche sür befremdlich ha" Locarno soll mehr sein als ein tragswerk, die Mächte von Lo< halb des Völkerbundes eine besonders intime Gruppe, ihre Außenminister pflegen .wenn sie in Genf sind, sozusagen fteundschastlichen Verkehr. Da wäre es ganz einfach Pflicht der betreffenden Staatsoberhäupter gewesen, sich auch im Kreise der Gratulanten einzufinden. Wenn man schon wegen Tannenberg irritiert war, z. B. in Paris und in Brüssel, so kennt die diplomatische Kunst doch Möglichkeiten, den Ausdruck abzutönen. Sich aber zum gänzlichen Schweigen untereinander zu ver­abreden, erscheint als ein Verstoß gegen internatio­nale Gepflogenheit.

i»on Horn, den Vorsitzenden des Kyffhäuserbundes jneben sich — die Aschenbahn. Hindenburg stieg dann die Stufen zur Ehrentribüne hinauf, wo ihn Reichswehrminister Dr. Geßler, Mackenfen, v. Be­low, v. Kluck, v. Hutier, v. Wetter, Kirchbach, v. Schroeder, der Chef der Heeres- und Marinelei- tung, sowie zahlreiche Offiziere des alten Heeres und der Reichswehr erwarteten. Es folgte der Ein­marsch der mehr als 3000 Fahnen. Stehend, die Hand am Helm, grüßte der Feldmarschall die Tau­sende von Fahnen. Ein Heroldsvorspruch, Dank- und Huldigungswünsche an Hindenburg: „Wir kön­nen die Glaubensfahne hissen, Deutschland wird leben und nicht untergehen!"; prächtige historische Gruppen zogen vorüber. Deutschritterorden — Landsknechte mit Hauptmann — Fahnenschwenker und Marketenderinnen — altmärkischer Landsturm aus der Schwedenzeit mit der historischen Fahne von Dannefeld — Kurbrandenburgische Dragoner Friderizianische Grenadiere mit Offizier und Spiel­leuten — Seydlitz-Kürassiere — Brandenburgische Ulanen aus der Zeit der Freiheitskriege — Schle­sische Landwehr 1813/14 — Düppelstürmer 1864 — 3. Garderegiment zu Fuß, die blauen Unifor-

Berliner Beratungen.

In Ergänzung zu dem Bericht des WTB. über die Aussprache von Mitgliedern der Reichsregie- rung mit den in Berlin anwesenden Chefs der Länderregierungen erfährt der Lokalanzeiger, daß die Inausficktnahme einer Sondersitzung von Ver­tretern der Reichs- und Länderregierungen mit be­sonderer Rücksicht aus die, Besoldungsre- form erfolgt sei. Eine Neugestaltung der Be­ziehungen zwischen Reich und Ländern sei in man­cherlei Gestalt denkbar. Sie könne durch eine Ver­fassungsänderung oder aber durch eine Aenderung des Finanzausgleichs vorgenommen werden. Was die Besoldungsreform anbetrifft, so vertreten nach wie vor die Länder den Standpunkt, daß sie bei Durchführung der Reform vom Reich unter­stützt werden müßten. In der Besprechung soll sich nach dem oben zitierten Blatte die allgemeine Ueberzeugung ergeben haben, daß den Ländern

Am Montag hat der Reichspräsident aufs neue anstrengende Repräsentationspflichten erfüllen müs­sen. Im Stadion waren die Mitglieder des Kyff- Häuser-Reichs-Kriegerbundes angetreten. In lang­samster Fahrt umfuhr der Präsident — den General

Der Dank Hindenburg«.

Reichspräsident von Hindenburg läßt folgen« tuen Erlaß bekanntgeben:

An das deutsche Volk! Aus dem ganzen Vater« lande, von Angehörigen aller Schichten des deut­schen Volkes und von zahlreichen Deutschen jenseus unserer Grenzen, die sich mit der alten Heimat in diesen Tagen besonders verbunden fühlen, sind mir zu meinem 80 Geburtstage viele taufend Glück­wünsche und Zeichen treuer Gesinnung beschert worden. Mein Geburtstags wünsch, durch Beschaffung neuer Mittel die große Dankesschuld abtragen zu helfen, die wir alle den Kriegsbeschä­digten und Kriegerhinterbliebenen gegenüber tra­gen, ist durch die aus allen Kreisen unseres Volkes imd von den Deutschen im Auslande bereitwillig gegebenen Beiträge zur Hindenburgfpende in herz­erfreuender Weise Rechnung getragen worden. Der schöne Grtrag wird dazu helfen, manche Rot unter den Opfern des Krieges zu lindern.

Gern würde ich allen, die sich so in Wünschen und Gaben zusammenfasjen, einzeln danken. Aber die große Fülle dieser Geburtstagsgrüße macht es mir unmöglich. Mir bleibt daher nur übrig, alle, die dem Gefühl der Verbundenheit mit mir und meinem Streben für das Vaterland so güti­gen Ausdruck verliehen haben, auf diesem Wege meiner herzlichsten Dankbarkeit zu versichern und ihnen zu sagen, daß mich ihr Gedenken tief ge- rübrt und herzlich erfreut hat. Mit gleichem Emp­finden habe ich die Begrüßung entgegengenom­men, die mir bei meiner Fahrt durch die Streßen Berlins von der Studentenschaft, den kamerad­schaftlichen Verbänden und den übrigen Organisa­tionen und Parteien sowie den vielen Tausenden meiner Mitbürger zuteil wurde. In besonderer Erinnerung werde ich die so eindrucksvolle Huldi­gung behalten, die mir die deutsche Jugend, der unsere Arbeit und unser Hoffen gilt, im Sta­dion in so herzlicher Weise darbrachte. Ihnen allen gilt mein inniger Dank.

In diesen verschiedenen Kundgebungen sehe ich nicht nur die Ehrung meiner Person, sondern das gemeinsame Bekenntnis zum Vater­land, zur Gemeinschaft des deutschen Volkes, das trotz aller Not und Sorge des Tages hier freudigen Ausdruck fand. Das erfünt mich mit besonderer Befriedigung und stärkt in mir die Hoffnung, daß das Streben nach Einig­keit und Zusammenschluß den Kampf der Meinungen in dem Widerstreit der Interessen in unserem Volke überwinden wird. Möge ein jeder, der meiner in Worten und Grüßen gedacht hat, an feiner Stelle an diesem Werk mitarbeiten und zur Erreichung dieses großen Zieles, in dem unsere Zukunft liegt, mithelfen.

Berlin, den 3. Oktober 1927.

gez.: von Hindenburg, Reichspräsident.

Berlin feiert weiter.

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Um das Deutschtum der Ostmark.

Aus Kattowitz wird gemeldet: Der pol- Nische Staatspräsident Noscicki weilte in Königs- Hütte, um dort die Enthüllung eines Denkmals für die Gefallenen der Aufständischen, vorzunehmen und der Eröffnung des Stadions beizuwohnen. Bei der Enthüllunasfeier hielt Noscicki eine Rede, m der er die Unifizierung Oberschlesiens mit dem übrigen Polen als eine dringende Not­wendigkeit bezeichnet, wobei er die Bedeutung der Industrie für das Staatsganze hervorhob. Dem Festakt wohnten Vertreter der kommunalen und staatlichen Behörden sowie der Wirtschaft und aller Parteien bei.

In Lemberg sind unter den Mitgliedern der von Dmowsfi gegründeten nationalistischen Organi- satton „Lager des großen Polens" Ver- Haftungen vorgenommen worden, da feftgefteut wurde, daß die Festgenommenen die bekannte ano­nyme Flugschrift, in der einer Reihe von Pilsudsk,- treuen Offizieren der Vorwurf gemacht wird, G e« neral Zagorski umgebracht zu haben, vervielfältigt und verbreitet haben. Die Verhaf­tungen haben in Lemberg großes Aufsehen erregt, zumal es sich fast durchweg um Angehörige der gebildeten Stände handelt.

von den vemschnationalen.

Aus zentrumsparlamentarischen Kreisen schreibt man uns:

Die Politik der Deutschnationalen ist gegenwär­tig einigermaßen umstritten. Nicht nur in ihren eigenen Reihen, sondern auch in ihrer Beurteilung in anderen Parteien; man schwankt dort zwischen dem Glauben, daß sie sich doch noch zu einer posi­tiven Mitarbeit auf die Dauer entschließen werden und dem nicht minder oft ausgesprochenen Pessi­mismus, daß sie eines Tages wieder in ihre alten Agitationskünste zurückfallen würden.

’ Veranlassung zu dieser zwiespältigen Veurtet- hing haben übrigens die Deutschnationalen selber gegeben. Niemand tarnt sagen, daß die Königsber­ger Politik etwa sehr klar gewesen sei. Sie läßt der Deutungen viele zu und bei den Folgerungen kommt es nur auf das Temperament an. Inner­halb des Zentrums kann man sehr deutlich beobach­ten, daß zum mindesten Mißtrauen weite/ vorhanden ist.

Trotzdem glauben wir nicht, daß die Deutsch- nationalen im Augenblick die Absicht einer wirkli­chen Schwenkung haben. Gewiß war die Rede ihres Führers am Schluffe der Tagung eine be­denkliche Leistung, besser gesagt eine recht undiplo­matische Entgleisung, aber man darf nicht verges­sen. daß es eben eine Schlußrede war. Jeder, bet das politische Leben kennt und zumal jeder, der di« Schwierigkeiten der Deutschnationalen in ihren eigenen Reihen kennt, wird zum mindesten mensch­lich diese Entgleisung verstehen; es ist übrigens nicht die erste, die sich der deutschnationale Führer leistete.

Worauf es ankommt, das ist der g a n z e G e i ft derTagung; ihn kann man nicht an einer ein­zelnen, zumal nicht an einer Schlußrede messen. Es bleibt doch die Tatsache vor allem bestehen, daß der Flaggenagitation ein Riegel vorgeschoben wurde, und dies mar eine der Hauptsorgen des Zentrums; auch bezüglich der Agitation für die mo­narchische Staatsform wurde soviel Wasser in den deutschnationalen Wein gegossen, daß man zum mindesten die Absicht anerkennen muß, dem Zen­trum seinen berechtigten Klagen gegenüber sich er­kenntlich zu zeigen.

Wir geben allerdings zu, daß immer noch etn unerquicklicher Rest bleibt, aber er wird noch lange bleiben bei einer Partei, die so mühsam

pariser Betrachtungen.

Zur Feier von Hindenburgs 80. Geburtstag schreibt der Pariser „T e rn p s": Die in Berlin und in ganz Deutschland organisierten Feste haben einen Charakter angenommen, der ziemlich eigenartig anmutet. Man ist betroffen von der Tatsache, daß man vor allem den früheren Kriegsführer des kai­serlichen Deutschlands und nicht so sehr den Präsi­denten der deutschen Republik durch Demonstratio­nen huldigen wollte, die in der Hauptstadt den An­schein einer wirklichen Vergötterung angenommen haben. Man wird nicht weniger betroffen fein durch den Ton der Kommentare der meisten deutschen Zeitungen, die aus' diesem Anlaß den Geist des alten Deutschlands zitieren, dessen stärkste Verkör­perung Hindenburg ist und der trotz allem, ob man

men der Vorkriegszeit — Sturmttupps 1918. Hin­denburg war tiefbewegt. Sicherlich hat er bei dem glänzenden militärischen Schauspiel an das Blut und Grauen des Krieges gedacht, an die zerfetzten Leichen und an die Tränenströme der ver­lassenen Frauen und Kinder der Gefallenen.

Amerika und Hindenburg.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Prä­sident Coolidge, telegraphierte an Hinden­burg: „Wir sprechen Ihnen die herzlichsten Glück­wünsche aus gelegentlich Ihres Geburtstags, der das achtzigste Jahr Ihres vollen, tätigen Lebens abschließt. Wenigen nur ist es vergönnt, ihrem Ge­meinwesen mit solch bemerkenswertem Beispiel zu bienen, wie Sie es durch unwandelbare Treue zur Verfassung getan haben. Mögen Ihnen noch viele Jahre beschieden sein, wie jetzt getragen von der Zuneigung und Bewunderung des deutschen Volkes, dem das amerikanische Volk eine Botschaft aufrichtiger Freundschaft sende t."

Die gesamte amerikanische Presse bringt aussühr- ttche Schilderungen über Hindenburgs Geburts­tagsfeier in Bersin.

*

Außer Coolidge hat der öfterretSjifdje Bundespräsi­dent Hämisch im Namen des „stammverwandten Oester­reich" telegraphiert. Ferner der P a p st, der ungarische Reichsverweser, die Könige von Schweden, Dänemark, Norwegen, der Präsident von Finnland, der jchweizeri- lche Bundespräsident, der Präsident von Lettland, der

burger Städtetagung für den Einheitsstaat hat jetzt, wie die „Voss. Ztg." hört, der Deutsche Städtetag mehrere Staatsrechtslehrer beauftragt, positive Vorschläge zu machen, in welcher Weise die Verwaltung der öffentlichen Körperschaften im Sinne des Einheitsstaates umgestaltet werden könnte.

Calles in Nöten?

Revolke der Garnison. — Ein merkwürdiger „TNanöver-Rachlgefecht".

Drei Kompagnien der Garnison in Mexiko ha­ben gemeutert. Statt Greuelmärcken über die Ka­tholiken muß der mexikanische Staatsdraht jetzt Beschwichtigungsmeldungen loslassen. Der Stabs­chef des Herrn Calles mißt, wie er verlauten läßt, „der Revolte der drei Kompagnien wenig Bedeu­tung bei und drückte sein volles Vertrauen in die Fähigkeit der Regierung aus, die Situation zu be­herrschen. Die Vorgänge selbst haben sich in äußer­ster Ruhe abgespielt. Die Meuterer, die ungefähr den siebenten Teil der Gesamtgarnison darstellen, marschierten um Mitternacht in voller Ordnung durch die Straßen und verließen die Stadt. Wo­hin sie sich gewandt haben und w e s h a l b sie re­voltierten, ist zur Zeit noch unbekannt. In der Nacht hörte man Geschützdonner, der stellen­weise Beunruhigung verursachte; es soll sich jedoch herausgestellt haben, daß es sich um ein Man ö- vernächtgefecht in der Nähe der Vororte ge­handelt habe. Die Stadt ist ruhig. Sie hat ihr ge- wöhnliches Aussehen." — Na, na!