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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblatl

Dienstag, 4. Oktober 1927

M. 228

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

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Jas Hiadenburgjest in

Die Ehrungen des Reichspräsidenten v. Hinden­burg aus Anlaß seines 80. Geburtstages haben sich in Berlin in großartiger Weise abgewickelt. Im einzelnen wird berichtet: '

Am Samstag vormittag fuhren vom Kuratorium der tZindsnburg-Spende Reichskanzler Dr. Mar x, Reichs­arbeitsminister Brauns und Ministerialrat Karstedt beim Reichspräsidenten von Hindenburg vor, um ihm namens des Kuratoriums eine künstlerisch wertvolle Adresse zu überreichen. Der Reichspräsident dankte den Herren für die Ueberreichung und nahm die Urkunde, die auf Pergament in goldener und schwarzer Schrift ge­zeichnet ist, entgegen. Das Dokument lag in einer grü­nen Ledermappe, die am Kopf das Reichswappen zeigt, während in der Mitte die Worte zu lesen sind:Zum 2. Oktober 1927."

Reichsarbeitsminister Dr. Brauns konnte dem Reichspräsidenten berichten, daß bereits an 1500 Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene, die sich in besonderer Notlage befinden, Vorschüsse aus der Hindenburgspende von se 200 Reichsmark, also im Ge­samtbeträge von 300 000 Reichsmark überwiesen werden konnten.

Der Reichspräsident dankte in seiner Antwort allen, die an dem Zustandekommen dieser Spende mitgewirkt haben. Es sei ihm eine wirkliche Geburtstagsfreude, daß setzt Mittel zur Abhilfe besonders schwerer Notfälle bereit stehen. Er erbat ferner Vorschläge eines Beirats, mit dem er über die engültiqe Verwen­dung der Spende im einzelnen Beschluß fassen könne, und er gab der Erwartung Ausdruck, daß dies hoffent- lich Anfang November der Fall fein werde.

Das von der Reichsregierung als Geschenk überreichte Porzellan-Service ist eine erstmalige Nachbildung eines Werkes, welches vor 160 Jahren geschaffen wurde und welches über 500 Stücke, jedes in besonderer Ausfüh­rung, umfaßt. Die auf der Rückseite befindliche Herstel­lungsmarke enthält eine Widmung zum 80. Geburtstage des Reichspräsidenten.

Nachdem die Vertreter der Hindenburgspende etwa eine halbe Stunde beim Reichspräsideten geweilt hatten, erschien der Vizekanzler und Reichsjustizminister Hergt, um seine Glückwünsche abzustatten. Cs folgte dann eins große Reihe weiterer Gratulanten, darunter der Vize­präsident des Reichstages, Geh. Rat Dr. Rießer, das Präsidium des Deutschen Jagdschutzverbandes und Ge- heimrat D u i s b e r g, der im Namen des Reichsverban­des der Deutschen Industrie Hindenburg die Schenkungs­urkunde für das Stammgut der Familie des Reichs­präsidenten. Reudeck, überreichte.

Unter den übrigen Gratulanten sah man den Prä­sidenten der'Handwerkskammer Licker und den früheren Kammsrhrrr Oldenbura-Januschau. Gegen Mittag er­schien als erste Krieqsteilnebmeroraanisation der St a h l- h e l m. In einem mit der Reicksflagge und der Bundes- führerstandarte vergebenen Auto fuhren der Bundesvor- sitzende Fabrikant Seldte und Oberst a. D. Düsterberg mit Geschenken vor. Kurz darauf erschien eine Deputa­tion des Reichsbundes jüdischer Fronisol- d a t e n unter Fübruna des Hauvtmanns a. D. Dr Löwenstein und überreichte dem Reichspräsidenten als Ehrenaabe einen silbernen Schild mit den Bundesinitia­len. Auf eine Ansprache des Bundesvorsitzenden er­widerte der Reichspräsident, daß er ebenfalls der Ansicht fei, daß alle Kreise des deutschen Volkes zusammenhalten müßten zum Wiederaufbau des Vaterlandes.

Weiter übergaben Dr. Unger und Prof. Dr. Schneid- ler aus Breslau dem Reichspräsidenten namens des Reichsverbandes akademischer Kriegsteilnehmer eine Sammlung von Werken der im Kriege gefallenen deut­schen Dichter.

Der Bundesvorstand desR e i ch b a n n e r s Schwarz-Rot-Gald" ließ dem .fierrn Reichsprä­sidenten eine künstlerisch ausgeführte Glückwunschadresse überreichen die folaenden Wortla"t hat: An den Herrn Reichspräsidenten Se. Exzellenz Paul von Beneckendorf und Hindenbura. Berlin Sehr aeehrter Herr Reichs­präsident! Zu Ihrem 80. Geburtstaae entbietet Ihnen, dem Oberhaupt der Deutschen Republik, das Reichsban- ner Schwarz-Rot-Kold. Bund der republikanischen Kriegsteilnehmer, die herzlichsten Glückwünsche. Der Bundesvorstand. I. 21.: Hörsing, Höltermann, Dr. Boh­ner, Hatzeimann.

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In Berlin herrschte am Samstag und Sonntag ein Riesenverkehr. Es waren allein mehr als 2000 Kraftwagen und Motorräder der R e i ch s h u l d i - gungsfahrt des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs aus allen Teilen des Reiches eingetroffen. Dazu kommen die tausende von Mitglie­dern der Kriegervereine, die an dem Reichs­kriegertag des Kyffhäuferbundes teilnehmen. Jnfvlge- desien waren alle Hotels, Pensionen und Hospize voll besetzt, Tausende von Schaulustigen besichtigten die Aus­schmückung des Brandenburger Tores, die Festdekorie- runq vieler Geschäftsbäufer und die Beflaggung. Das Fahnentuch in allen Farben roll am Samstag in Berlin ausverkauft gewesen sein.

* X

Nachdem nachmittags bei einer Feier auf der Rennbahn im Grünewald Konzert und Feuerwerk vor sich gegangen waren bei großem Masjenan- drang, weilte der Reichspräsident im Kreise seiner alten Kameraden, die in bunten Uniformen und reich mit Orden geschmückt erschienen waren. Das Zusammensein mit den Generälen erreicht? seinen Höhepunkt bei einem Festmahl im Zoo. Von dort fuhr Hindenburg gegen 9 Ubr am Samstag abend zur Wilhelmstraße zurück. Als der Wagen in die Wilhelmstraße einlenkte, erhob sich der brausende RufHindenburg kommt!" Hoch- und Hurrarufe erschallten und immer wieder jubelten die Mas­sen Hindenburg zu. Als er in sein Palais etn- trat, wurde er von dem bereits anwesenden Reichskanzler, von den ReiHsministern, den Ehef der Heere»- und der Marineleitung und der Generalität, sowie von den Freunden des Hauses begrüßt. Gegen 9^ Uhr marschierte die Wachttruppe mit ihren Spielleuten, begleitet von zahlreichen Fackelträgern auf. Ihr folgten die Fahnenkompagnie. Dann folgten die zehn Musik­korps unter Leitung des Armeemusikinspizienten Heckenberger, die mit dem Yorkschen Marsch an­gerückt waren und im Vorhof des Palais' Auf­stellung nahmen. Von ungeheurem Jubel begrüßt, betrat der Reichspräsident allein den prachtvoll mit Blumen geschmückten Balkon und salutierte. Un­ter atemloser Stille der gewaltigen Zuhörerschar spielte die Musik mit herrlichem Schwung den Marsch ^DeutMands Trevlchwur"- bann den In»

der ReiWaupWt.

vestiturmarsch der Ritter vom Iohanniterorden, von Richard Strauß, den Heeresmarsch Nr. 106, den Torgauer-Marsch und auf persönlichen Wunsch des Jubilars den Hohenfriedberger Marsch. Den Ab­schluß des Programms bildete der Große Zapfen­streich. Als die Musik intonierte,Ich bete an die Macht der Liebe", entblößten alle Zuhörer die Häupter und der Generalfeldmarichall zog seine Müße. Dann spielte die Musik die erste Strophe des 'Deutschlandliedes, die alle Anwesenden wieder­um entblößten Hauptes mitsangen Dann erfolgte der Abmarsch der Musikkorps.

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Am Sonntag vormittag begab sich der Reichspräsident in die Dreifaltigkettskirche, wo Superintendent Gießl predigte über: Wer da säet mit Segen, der wird ernten mit Segen. Nachdem v. Hindenburg vom Besuche des Gottesdienstes zurückgekehrt war, begann die Reihe der Gratulationsempfänge mit dem Empfang der Reichs­regierung. Um 11,30 Uhr versammelten sich im Präsidentenhause Reichskanzler Dr. Marx, alle Reichs­minister, Staatssekretäre des Reiches, ferner die Präsi­denten des Reichsgerichtes, des Rechnungshofes, der Reichsbank und der Generaldirektor der Reichsbank.

Reichskanzler Dr. Marx richtete an den Reichspräsi­denten eine Ansprache, in der er ihm die Glückwünsche des Reiches darbrachte und ihm dafür dankte, daß er die ihm von der Vorsehung verliehenen hohen Gaben rückhaltlos dem Dienste des Vaterlandes geweiht habe. Jeder, der sich als Deutscher fühle, erblicke heute in dem Reichspräsidenten die reinste Verkörperung und das leuchtende Vorbild der selbstlosen Hingabe an das Ganze, der unbedingten Treue zur übernommenen Pflicht und des unerschütterlichen Glaubens an die Zukunft des Rei­ches und Volkes.

Der Reichspräsident erwiderte hierauf u. a.:

Mein besonderes Gedenken in dieser Stunde gilt un­seren Volksgenossen in den besetzten rheinischen Gebieten, deren Befreiung von fremder Besatzung zu unserer tiefften Enttäuschung noch nicht hat erreicht wer­den können. Ich begrüße Sie bewegten Herzens mit dem Wunsche und der Hoffnung, daß dem Lande am Rhein

I bald die Freiheit beschieden sein möge. Dies zu errei­chen, wird die vornehmste Aufgabe der deutschen Politik sein. Mein höchster Wunsch an diesem Tage ist der, daß unserem Volke die Einigkeit beschert werde. Es soll nur einen Streit geben, nämlich den Wett­streit, am besten dem Vater lande zu die­nen. Daß der Geist der Zusammengehörigkeit wach­sen und alle Deutschen beherrschen möge, daß Deutschland in brüderlicher Geschlossenheit aus den Niederungen der Gegenwart aufsteige zu dem Wege der Zukunft, zu einem starken, freien, einigen Deutschland, das ist der Herzens­wunsch, mit dem ich an meinem heutigen 80. Geburtstage das deutsche Volk in unbeirrbarem Vertrauen, in alter

| Treue grüße."

Nach dem Empfange der Reichsregierung sprach das preußische Staatsmini fterium unter Füh­rung des Ministerpräsidenten Braun dem Reichspräsiden­ten die Glückwünsche der preußischen Regierung aus. Hieran schloß sich der große Empfang der Vertreter der deutschen Länder, die sämtlich ihre Staats­und Ministerpräsidenten und sonstigen Regierungschefs nach Bersin entsandt hatten.

Im Anschluß fand ein

Empfang des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Pacelli, statt, der namens des diploma­tischen Korps, dessen Dopen er ist, dem Reichspräsi­denten eine künstlerisch auf Pergament geschriebene Adresse überreichte.

Der Reichspräsident dankte dem Nuntius in herzlichen Worten für feine guten Wünsche und bat ihn, feinen Dank den übrigen 'Missionschefs zu übermitteln.

Darauf empfing der Reichspräsident den Vorstand des Reichstages, die Vertreter der Wehrmacht des Reiches mit Reichswehrminister Dr. Geßler an derSpitze, das Präsidium des vreuhischen Landtages und schließlich den Oberbürgermeister und den Stadtverordnetenvor- steher der Stadt Berlin.

Die Reihe der Empfänge fand gegen 1,30 Uhr mittags ihren Abschluß in einem großen Empfang der Vertreter der alten Armee, in deren Namen Generalfeldmarschall von Mackensen dem Reichspräsidenten Glückwünsche aus­sprach. Der Reichspräsident erwiderte mit Worten herz­lichen Dankes und treuer kameradschaftlicher Gesinnung.

Dom stürmischen, immer wieder ausbrechenden Jubel der Menschenmengen, die bereits seit 2 Uhr in der Wil­helmstraße Aufstellung genommen haben, begrüßt, begab sich der Reichspräsident um 3.30 Uhr im offenen Kraft­wagen in Begleitung von Reichskanzler Dr. Marx zum Stadion, um dort die Huldigung der Jugend entgegen- zunehmen. Dem Wagen des Reichspräsidenten fuhr ein Wagen der Schutzpolizei mit dem Polizeipräsidenten Zörgiebel und dem Kommandeur der Schutzpolizei, Ober­sten v. Heymannsberg, voraus. In einem weiteren Kraftwagen folgten Staatssekretär Dr. Meißner und der Adjutant des Reichspräsidenten, Major v. Hindenburg.

Der Jubel der Menge pflanzte sich fort in den Stra­ßen, die der Reichspräsident auf feiner Fahrt postierte. Die Schulkinder, die den letzten Teil des Spaliers bilde­ten, jubelten dem Reichspräsidenten bereits begeistert zu, als fein Wagen in der Ferne sichtbar wurde. Dann drang aus vielen Taufenden jungen KehlenLobet den Herrn" in den sonnigen Oktobernachmittag hinein. Das Stadion war festlich geschmückt und zeigte im Oval reichen gärtne­rischen und Flaggenschmuck. Auch die Kinder selbst tru- I gen zur Ausschmückung bei durch helle Gewandung, Blu­mensträuße und Kränze in den verschiedensten Farben. Der Reichspräsident fuhr, begleitet von dem ungeheuren Jubel der Kinder und der sonstigen Zuschauer, rings um das Stadion herum. Nachdem er die Rundfahrt beendet hatte, wurde er vom Kultusminister Becker namens der deutschen Schulverwaltung und vom Oberpräsidenten Maier namens der Provinz Brandenburg begrüßt. Dann begab sich der Jubilar, umbrauft von nicht enden­wollenden Hochrufen, in die Soge, wo er von Ministern Preußens und des Reiches empfangen wurde. Nachdem alsdann Stille eingetreten war, fangen die Kinder eine Reihe von Liedern, zuletztIch hab mich ergeben". Als das letzte Lied verklungen war, erhob sich der Reichsprä­sident und sprach tiefbewegt folgende Worte:

Von Herzen danke ich, liebe Kinder, für die schönen Lieder, die ihr mir gesungen habt und die mich herzlich erfreut haben. Ihr habt gesungen von der Freude an der Heimat und der Siebe zum Daterlande. Saßt diese Worte nicht nur auf euren Sippen fein, sondern haltet 1 sie auch im Herzen. Haltet fest am Vaterlaiche und weihet

ihm eure beste Kraft. Das wollen wir heute geloben, in- » dem wir zusammen ausrufen: Deutschland, unser gelieb- I tes Vaterland, Hurra, Hurra, Hurra I!" ,

Begeistert stimmten die Zehntausende in den Rus ein I und fangen die erste Strophe des Deutschlandliedes. Nach I allen Seiten sich verneigend verließ der Reichspräsident, I nachdem er, um allen Kindern nochmals Gelegenheit zu I geben, ihn zu sehen, das Stadion umfahren hatte, den I Festplatz, immer wieder umtost von dem Jubel der ge- I wattigen Menschenmassen, um die Heimfahrt anzutreten. I

Der Abmarsch der nach Hunderttausenden zäh- I lenden Menschenmenge von der Feststraße war mit ei« I nigen Schwierigkeiten verbunden. Die Polizei I sperrte noch eine Stunde, Nachdem der Reichspräsident I sein Palais wieder erreicht hatte, den Hauptteil der Fest- I straße ab, um die Verbände durch die Seitenstraßen ab- I zulenken. Dennoch blieben lange Strecken für, Stunden I verstopft, und an dem StraßenpunktKnie" gab es I endlose Stockungen. Schließlich aber verteilten sich die I Massen und gegen 19 Uhr war der Verkehr überall wie­der normal. I

Den Abend verlebte der Jubilar im engsten Familien­kreise, während an seiner Stelle Reichskanzler Dr. M a rx die zahlreichen Oeburtstagsgäfte in prominenter Stellung zu Tische geladen hatte.

Bei diesem Festessen in der Reichskanzlei hielt der Reichskanzler

folgende Rede:Meine sehr verehrten Damen und Her­ren! Einen Tag seltener Freude und besonderer Bedeu­tung haben wir heute erlebt. Den 80. Geburtstag un­seres hochverehrten Herrn Reichspräsidenten! Ich bin überzeugt, wir alle, die Vertreter von Reich und Län­dern, haben das innige Verlangen, am heutigen Tage uns zu vereinen, um uns in unserer Arbeit zu stärken im Aufblick zu der Persönlichkeit des Mannes, dem die Vorsehung den heutigen Tag geschenkt hat.

Uns alle beseelt nur ein Gefühl der Verehrung und ein Gefühl des Dankes gegenüber dem Mann, der nach einem an Geschehnissen und Taten überreichen Leben, besten Einzelheiten dauernd in der Geschichte fortleben werden, nicht gezögert hat, an seinem Lebensabend dem Ruf des deutschen Volkes zu folgen. Ich will hier nicht sprechen von seinen Taten als Feldherr, die sei­nen Namen über die ganze Welt getragen. Als das schwere Ende des Krieges gekommen war, und nach dem Hinscheiden des ersten Reichspräsidenten das Volk ihn rief, da hat er alle Bedenken und Hemmun­gen, die sich ihm naturgemäß aufdrängen mußten, hintan gefetzt, um mit seiner Persönlichkeit und seinem Namen für das deutsche Volk weiter zu arbeiten und ihm in der schwierigsten Epoche feiner Geschichte vorwärts zu helfen. Er konnte es in seinem tiefen Pflichtbewußtsein nicht verantworten, auszuruhen. Sein Entschluß, unbekümmert um alle Folgen dem Vaterland weiter zu dienen, war sofort gefaßt und hat sich al» überaus segensreich erwiesen. Immer mehr ist uns Reichspräsident v. Hindenburg zum Symbol gewor­den, zum Symbol des deutsch en Wieder auf- st I e g s, der nur in treuer Pflichterfüllung und tägli­cher Arbeit langsam Schritt für Schritt erkämpft wer­den kann. In dieser Arbeit geht er uns als Führer vor­an, und es würde in vielem, um unser Volk besser ste­hen, wenn seine immer wiederholten dringenden M a h - nungen zur Einigkeit, zum gegenseitigen mit­fühlenden Verständnis ein freudigeres Ohr gefunden hätten, als es teilweise der Fall war. Wir können nichts besseres tun, als in seinem versöhnlichen, sich selbst vergessenden Geiste unsere Arbeit für unser Volk zu verrichten. Die Faktoren unseres öffentlichen Lebens haben ihm heute in offizieller Form die Gefühle der Dankbarkeit und Verchrung zum Ausdruck gebracht, die uns alle beseelen. Sie auch hier persönlich zu erneuern, mar der Zweck, der uns vereint. Wir erflehen heute Gottes Segen und Gottes Gnade für unseren verehrten Herrn Reichspräsidenten und wünschen ihm, daß es ihm vergönnt fein möge, wie bisher das deutsche Volk vor­wärts zu leiten und den Augenblick herbeizusühren, wo Deutschland politisch frei, wirtschaftlich gekräftigt ist, und wo es auf kulturellem und sozialem Gebiet wieder an der Spitze der Völker steht.

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Ganze Möbelwagen von Glsickwun sch tele- g r a m m e n sind am Samstag und Sonntag für den Reichspräsidenten in Berlin eingegangen. .

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit­tet», hat die preuß. S t a a t s r e g i e r u n g aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichspräsi­denten in der Staatlichen Porzellanmanufaktur- Berlin ihr Porzellangemälde ausfuhren lasten. Die Bilder zeigen in feinster Porzellan­malerei nach historischen Borlagen gemalte Denk­würdigkeiten Alt-Berlins: Das Brandenburger Tor, die Alte Wache, das Leipziger Tor und Schloß Sanssouci. Jeder der Kunstwerke trägt die Wtd- mung der preußischen Staatsregierung.

Zwischenfälle.

An verschiedenen Orten kam es tn Berlin zu Zwi- schensällen und Zusammenstößen zwischen Teilnehmern am Huldigungszug für den Reichspräsidenten und poli­tisch Andersgesinnten, namentlich Mitgliedern des Ro­ten Frontkämpferbundes. Es wurden 60 Mitglieder des Roten Frontkämpferbundes feftgenommen und ins Po­lizeipräsidium eingeliefert, weil sie Festteilnehmer des Kyffhäuferbundes belästigt hatten. Wegen Beleidigun- gen des Reickspräsidenten wurden fünf Personen.fest- genommen. Verschiedenen Festteilnehmern wurden von Roten Frontkämpfern die Fahnen entrissen bezw. zer­rissen und Ordenszeicken abgeristen. Wegen Uebersalls und Verletzung von Festteilnehmern wurden 12 Verso- nen festgenommen. , ,

Die kommunistischen Versuche, die Hinden­burg-Veranstaltungen in Berlin zu stören, sind im all­gemeinen nicht ernsthafter Natur gewesen. Nur in einigen wenigen Fällen ereigneten sich einige Zwischen­fälle So überfiel nach einer Mitteilung desMontag eine Schar Kommunisten in der Annenstraße in der Nähe der Jannowitzbrücke etwa zehn bis zwölf Mitglie­der des Fridericus Rexordens. Die Kommunisten sollen Pistolenschüste abgegeben haben, wobei zwei Fridericus- leute durch Streifschüße verletzt worden seien. Schutz­polizei nahm die an dem Zwischenfall Beteiligten fest. Zu einem ernsteren Zusammenstoß mit der Sckutzpoli- zei kam es, dem gleichen Blatt zufolge, Am Wed­ding vor den Pharus-Sälen, wo die Kommunisten eine Versammlung abgehalten hatten. Kommunistische Demonstranten gingen mit Knüppeln und Steinwürfen gegen die Beamten vor, die von ihrem Gummiknüppel Gebrauch machten. Im Augenblick höchster Gefahr ga­ben mehrere Beamte Schreckschüsse und einer sogar ei­nen scharfen Schuß ab, der einen Kommunisten in die Oberschenkel traf und schwer verletzte. Der Polizei ge­lang es schließlich, die Demonstranten ausemandexzu- treiben. Don einem größeren Zusammenstoß zwischen Stahllielmleuten und Publikum auf dem

Dennewitz-Platz weiß die Welt am Montag zu berichten Hierbei sollen nach dem genannten Blatt von Den Stahlhelmleuten 25 Personen, darunter einige Reichs- bannerteute, verletzt worden sein.

Von der Berliner Polizei sind am Samstag Abend und im Verlauf des Sonntag etwa 200 Personen fest genommen worden, die jedoch alle nach Fest- stellung der Personalien wieder entlasten werden konn­ten. Es handelte sich meist um Linksradikale, die wegen Beschädigung von Fahnen, Belästigungen politisch «n- dersdenkender und üßiberftanbsleiftung mit der Poli­zei in Konflikt geraten waren.

Die Pariser Presse.

rotb. Paris, 3. Ott. (Eig. Funkm.). Die Morgen- blätter veröffentlichen Berichte ihrer Berliner Korre­spondenten über die Feier des Geburtstages des Reichs­präsidenten. Im großen und ganzen sind es S ch i. D e- r u n g e n der einzelnen Veranstaltungen. Soweit die Korrespondenten dazu Stellung nehmen, sind ihre Aus­lastungen fast ohne Ausnahme unfreundlich, mi findet die Huldigungen übertrieben und bezeichnet die Feier als Kundgebung des Nationalismus oder wenig­stens als Ausdruck der alten deutschen Neigung zur Heldenverehrung. Gewiß haben gewisse deugche Kreise eine solche Neigung, die das zulässige Maß hie und da überschreitet. Aber es gibt auch französisch? Charaktereigenschaften, die nicht jedem gefallen.

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In Rom fand in betAnima" aus Anlaß des Geburtstages des Reichspräsidenten em feier­licher Gottesdienst der deutschen katho- fischen Gemeinde Rom statt, bei der der greise deutsche Kurienkardinal Ehrte das TeDeuv» anstimmte. Die Beteiligung war sehr groß.

Die Begnadigungen.

Unter den 75 auf Vorschlag des Reichsjustiz- ministers Begnadigten befindet sich, wie eine Kor­respondenz meldet, auch der Führer des st r i n e r Putsches, Major Buchrucker, die Schetde- mann-Attentater Hustert und Delfdnager, sowie eine große Anzahl von Kommunist^, die I vom Reichsgericht bezw. vom Staatsgenchtshof I zum Schutze der Republik verurteilt worden ftnb-

Äratzenbahnstreik m Berlin.

wtb. Berlin, 3. Okt. (Eig. Funkm.). Die Funk- tionäre der Berliner Straßenbahnen haben be­schlossen, den Streik zu proklamieren. Er soll morgen früh 7 Uhr beginnen.

Chamberlam und primo de Rivera.

Wie Havas aus Palma meldet, ist die Yacht Delphin" mit Chamberlain an Bord am 30. Sep­tember nachmittags 5 Uhr und der KreuzerHaime mit Primo de Rivera abends gegen 10.30 Uhr in Palma angekommen. General Primo de Rivera begab sich sofort an Bord desDelphin"., Em m letzter Stunde veröffentlichtes Kommunique betont, daß diese Unterredung, die von vorn herem zwischen Chamberlain und Primo de Rivera vereinbart gewesen sei, in der Hauptsache bezweckt habe, den gegenseitigen Wunsch, sich kennen zu lernen, zu beftiedigen. Das Kommunique fügt hmzu, es sei sicher, daß in dieser Unterredung ein Meinungs­austausch über die w e l t p o l i t i s ch e n Fragen stattgefunden habe. So habe General Primo de Rivera erklärt, daß kein Abkommen und keine Verständigung über die Haltung beider Länder über die Fragen, die den Gegenstand der Unterredung gebildet hätten, erfolgt sei. Chamberlain beab- sichtige, Valencia und wahrscheinlich Barcelona zu besuchen und sich dann nach Marokko zu begeben.

* Zentrum und Bayerische Volkspartei. In Ber­lin hat eine gemeinsame Besprechung führender Persönlichkeiten des Zentrums (darunter me Abg. Guerard und Joos) sowie der Bayerischen V.nks- partei (5fbg. Leicht und Dr. Heim) stattgefunden, deren Ziel die Herstellung einer engeren Ar­beitsgemeinschaft zwischen den beiden Par- feien, besonders aber zwischen den Reichstagsfrak­tionen ist. Die Bemühungen um die Herstellung einer solchen Arbeitsgemeinschaft sind bekanntlich schon seit mehreren Monaten im Gange. Die Der- Handlungen haben in der jüngsten Zelt erhebliche Fortschritte gemacht

* (Ein neuer großer Sommunisten Prozeß. Am kommenden Dienstag fall vor dem Reichsgericht in Leipzig der große Prozeß gegen die Zentrale der Kommunisten stattfinden. Angeklagt sind wegen Vergehens nach 7, 8 und 9 des Republikschuz- qesetzes, Vorbereitung zum Hochverrat, Teilnahme an einer staatsfeindlichen Verbindung, Unterstützung zum Sprengstoffverbrechen usw. die Reichstagsab- geordneten Heckert, Koenen, Remmele, Stocker, Hoernle, Hans Pfeiffer, sowie der preußische Land- tagsabgeordnete Hugo Eberlein, der Redakteur Ru­dolf Lindau, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und Redakteur Georg Schumann aus Berlin. Sollte der Prozeß durchgeführt werden, so dürfte, wie der Sozialdemokratische Pressedienst meint, wochenlang weiter nichts als Broschüren verlesen werden, da ganze Stöße von Akten und Schriftep vorliegen. t

* Beginn der spanischen Nationalversammlung. Nach einer Havasmeldung aus Barcelona erklärte General Primo de Rivera, daß die Eröffnung der Nationalversammlung am Nachmittag des 10. Oktober stattfinden werde.

China.

Aus Schanghai wird gemeldet: Die Nanking. Regierung veröffentlicht halbamtlich eine Prokla­mation, In der General Yen Tsi-fchan (Provinz Schansi) die Militärverwaltung von Nanking von seinem Entschluß benachrichtigt, sich im Kampfe gegen Marschall Tschang Tso-lin aus die Seite bet Nationalisten iu stellen,