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Fuldaer Leitung

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Neue Preise ab 1. Oktober:

Am 1. Oktober 1927 tritt das neue Gesetz über Arbeitslosenversicherung und Arbeitslosenvermitt­lung in Kraft. Es ist vom Reichstag am 7. Juli dieses Jahres verabschiedet und am 16. Juli vom Reichspräsidenten vollzogen worden. In das Gesell, das ursprünglich nur bie Arbeitslosenversicherung regeln sollte, wurde auch die bisher durch das Arbeitsnachweisgesetz vom 22. Jui 1922 geregelte Arbeitsvermittlung einbezogen.

Träger der öffentlichen Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung wie die R e i ch s a n st a l l für Arbeitsvermittlung und Arbeits­losenversicherung. Sie ist zugleich die oberste Stelle für öffentliche Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung. Die Reichsanstalt gliedert sich in die Haupt st elle (das frühere Reichs­amt für Arbeitsvermittlung), die Landesämter und die Arbeitsämter, die an die Stelle der öf­fentlichen Arbeitsnachweise treten. Die O rga ne der Reichsanstalt sind die Derwaltungsausschusse der Arbeitsämter, die Verwaltungsausschüsse der Landesarbeitsämter, der Verwaltungsrat und der Vorstand der Reichsanstalt. Die Verwaltungsauv- schüsse sind paritätisch zusammengesetzt, sie be­stehen aus dem Vorsitzenden und den Vertretern der Arbeitgeber. Arbeitnehmer und der öffentlichen Körperschaften (Gemeinde und Gemeindeverbände). Dieselbe Zusammensetzung findet sich bei den un­teren Verwaltungsorganen des gesamten Appara­tes wieder.

Bei den Arbeitsämtern und der Hauptstelle werden nach Bedarf Fachabteilungen nut einem besonderen Fachausschuß gebildet. Obliaato- risch ist die Fachabteilung für Land- und Forst­wirtschaft und ein Ausschuß für Angestellte bei der Hauptstelle. Für die Entscheidung von Strei- tigkeiten wird ein Spruchausschuß bei, je­dem Arbeitsamt, eine Spruchkamm " bei ss- dem Landesarbeitsamt und ein Spruchsenat für die Arbeitslosenversicherung beim Rerchsver- sicherungsamt als oberste Spruchbehörde gebildet.

Die Reichsanstalt hat zwei wichtige Aufgaben: die Arbeitsvermittlung und die Arbeitslosenver­sicherung. Beide werden unparteiisch und unent- geltlich ausgeübt. Die Arbeitsvermitt­lung hat die besonderen Verhältnisse der freien Arbeitsplätze, die körperliche und berufliche Eig-

Politik":

Am Abend der Tannenberg-Feier sollte in Allen- stein ein Essen der Generale von Tannenberg stattfinden, zu dem, wie wir bereits mitteilten, General Heye, der Ches der Heeresleitung, eingeladen hatte. Das Festessen für die Herren der Reichsregierung sollte am Montag in Königsberg stattfinden.

General Ludendorff hatte zu diesem Festessen der Ge­nerale der alten Armee in Allenstein zugesagt, doch hörte er am Tage vorher durch Zufall, daß an diesem Gene- ralseflen merkwürdigerweise auch Reichskanzler Marx, Reichswehrminister Goßler, wahrscheinlich auch der preu­ßische Ministerpräsident Braun, ja sogar der frühere Se­kretär Eberts und jetzige Staatssekretär Hindenburgs, der Sozialdemokrat Meißner, geladen waren, also zu einem Dffiziersessen.

General Ludendorff wurde dadurch der Besuch des Festeffens für die Generale der Schlacht von Tannenberg selbstverständlich unmöglich gemacht."

Und warum das alles?

Weil das Tannenberg-Denkmal ein Jehova- Denkmal" ist.

Wieso das?

DieDeutsche Wochenschau" antwortet:

Nicht am Tage der großen Schlacht war die Ein­weihung des Denkmals, sondern ganz zufällig im An­schluß an das Neujahrsfest derJuden und Frei­maurer, und das war gut so, denn dem erstaunten Auge zeigte sich auf dem Schlachtfeld ein streng nach den Ge­setzen des heiligen jüdischen und steimaurerischen Symbols Jehovas errichteter Bau. Quadratische kunstlose Türme, durch kunstlose Mauer verbunden, und im Innern, im Ehrenhof", ein großer Kubus, vor dem bei der Feier der Reichspräsident betend den Helm abnahm.

Während vier Stunden, die ich auf der Tribüne vor dem Denkmal saß, hatte ich Zeit, mich über diese toll­kühne Verhöhnung unserer Rasse durch das auserwählte Volk und seine Levitenpriesterschar der Freimaurer zu freuen. Und durfte dabei über dem Eingangstor zum Ehrenfriedhof die zehn auf die Front des Torturmes ge­legten Schwerter bestaunen, die den jüdisch kabalistischen Baum, das heiligste Symbol der jüdisch-freimaurerischen Weltherrschaft mit seinen drei Säulen streng nach den Gesetzen der Kabbalah darstellen."

Wir haben das Tannenberg-Denkmal nicht selbst gesehen, es ist uns aber wie den meisten Deutschen aus Bildern bekannt. Auch manche Be­schreibung haben wir gelesen. Bisher hat, soviel wir wissen, niemand diesejüdisch-freimaurerische" Symbolik des Baues entdeckt. Das war Luden­dorff und seinen Geistesverwandten vorbehalten. Auch hier scheint wieder einmal das Wort zu gel­ten:Was kein Verstand der Verständigen sieht, Has ahnet in Einfalt ein kindlich Gemüt." Was

Ludendorff.

Die nationalliberaleW e s e r z e i t u n g", ein rechtsgerichtetes Blatt, schreibt:

In unseres Herrgotts großer Schöpfung laufen riqenartige Kreaturen herum; solche, an denen man kine Freude hat, und solche, bei denen das weniger ,er Fall ist. Die peinlichste Erscheinung ist wohl >,n Mann, der durch große Verdienste weit über feine Mitmenschen sich emporschwang, dann, seinem üaentlichen Wirkungsfeld entrissen, verbittert wird ind in dieser Verbitterung den Blick für Tatsachen «nd' das Gefühl für Takt verlierend, sich um seinen »iaenen Ruhm betrügt: ein Totengräber seiner ^bst. Das ist der Fall bei L u d e n d o r f f.

F Es waren in linksgerichteten Blättern Berichte Uber Ludendorffs Verhalten während der Tannen- Zergfeier zu lesen, die so unglaublich klangen, daß Dir uns scheuten, sie unseren Lesern mitzuteilen. | rrgbt liegt die neueste Nummer von Ludendorffs . sigenem Blättchen, derDeutschen Wochenschau", ',or uns, und wir müssen gestehen, daß wir, was zortgeleistet wird; denn doch nicht erwartet haben. Man höre und staune: das eigene Organ des Ge- aeralstabschefs des deutschen Heeres, das die Macht von Tannenberg gewann, überschreibt den Sericht über die Denkmalseinweihung in größter, iber die ganze Breite des Blattes gehender Schrift nit den Worten:Das Jehova-Denkmal - e i T a n n e n b e r g". In dem Artikel wird dann bestätigt, was man bisher nicht hatte glauben wol- I Jen, daß Ludendorff sich geweigert hatte, mit dem Reichspräsidenten im selben Wagen zu fahren, so- tnie daß er die Festtribüne ostentativ ver- I ließ, als der Reichskanzler und die Vertreter der I preußischen Regierung sie betraten. Wörtlich heißt I 15 (wir behalten die Hervorhebung im Druck bei): I Dann kam der historische Moment, an dem Hin- I I» e n b u r g, Mackensen und die anderen Generale I bie Feldherrntribüne bestiegen und den Reichskanzler I Marx, den Minister des Innern Grzesinski und den Der- I freier des Ministerpräsidenten Braun auf die Feltzherrn- tribüne Mitnahmen, um den Barademarsch abzunehmen!! I

Als der Feldmarschall diese Herren hinaufgebeten I hatte, verließ Feldherr Ludendorfs die Tribüne!!!

Der Vorbeimarsch begann; Ludendorff hatte bekannt- I üch durch die Ankündigung seiner Anwesenheit das I Reichsbanner und alle anderen republikanischen Verbände I gezwungen, von der Feier fernzubleiben.

Der General begab sich in die Anmarschrichtung der I Verbände; sie erkannten strahlend ihren Feldherrn, I und marschierten dort im Parademarsch I vorbei. Ihre Musikkorps begannen wie auf Befehl alle zu spielen, und so hatte das Volk den einsamen Platz I Lndendorffs im Ru zum Feldherrnhügel gemacht. _ Die I Augen leuchteten dem ihnen so nahestehenden Führer entgegen, die zweite Stelle war die Tribüne, auf der Generalshelme der alten Armee und Zylinderhüte der sozialdemokratischen und jesuitischen Führer buntge­mischt vereint waren, aber natürlich, wie sich dies a m jüdischen Neujahrsfest ziemt, die Zylinder in der ersten Reihe. Fremd und verwun­dert irrte der Blick der Vorb eimars chie- | renben auf diese buntscheckige Tribüne!

Die völkischen verbände, darunter der Tannenberg- Bund, weigerten sich, an jenen Zylindcrträgern vorbei- zumarschieren, und der Feldherr Ludendorff nahm ihren Vorbeimarsch am Schtnste gesondert ab."

So setzt sich Ludendorff wohl zur Vorfeier von dessen achtzigsten Geburtstag? mit dem Reichspräsidenten auseinander, dem weiter u. a. bescheinigt wird:

Feldmarschall Hindenburg begrüßte den Feldherrn Ludendorff in einer Form, die alle Anwesenden peinlichst berührte, und wich auch sonst jeder Begegnung aus, wohl in der Besorgnis, daß er seine Reichspräsidentenschast gefährdete (?!), dagegen wandte er sich stets freundlich znm Reichskanzler Dr. Marx und den sozialdemokrati­schen Ministern."

Ludendorff, dem es nicht darauf ankommt, an­deren Menschen die größten Beleidigungen in größ­ter Freigebigkeit an den Kopf zu werfen, ist für seine Person von geradezu mimosenhafter Emp­findlichkeit. Von Hindenburg, der doch wirklich der personifizierte Takt ist, fühlt er sich schlecht behan­delt, und das Zusammensein mit Deutschen, die politisch anderer Ansicht sind wie er, ist ihm ein Greuel. Wie derreine" Brahmane, nicht mit An­gehörigen anderer Kasten zusammen speist, so setzt sich ein Ludendorff nicht mit einem Marx, Geßler, Braun an denselben Tisch. DieDeutsche Wochen­schau" berichtet über diesen Akt Ludendorffscher

JV» 226.

Samstaft, 1. Oktober 1927.

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2. Blatt.

*--* Dtucf der Fuldaer Acfiendruckerel, Fulda

Zie Neuordnung der MeiMermittlung und die ArbeitWenverWrung.

der Berliner kurz in die Worte zusammenfaßt: Da staunste!" ,

Auf alle Fälle eine peinliche Entdeckung, tfragt sich nur: peinlich für wen?

*

DieRassische Zeitung" bemerkt noch zu der Angelegenheit: Was hätte der Berichterstatter des Ludendorffschen Wochenblattes erst gesagt, wenn er beobachtet hätte, daß der Führer des ostpreu­ßischenStahlhelm", Graf Eulenburg- Wicken, einen Kranz mit schwarz-wetß-roter Schleife am Kubus niederlegte und dazu die Worte fvrach:Dir woll'n wir unser Leben weih'n, der Flagge schwarz-weiß-rot", die Worte also, die von dem verstorbenen jüdischen Tingeltanael-Dtch- ter Robert Linderer stammen, der dasFlaggen- lied" vor vierzig Jahren als Schlager für seine GesangsposseUnsere Marine" im Berliner American Theatre" dichtete.

Aus dem Nachbargebiet.

= Gießen. Bei dem Umbau und der äußeren Her­richtung des großen Hauses der Firma Mettenheimer Hierselbst wurde eine interessante F ach w e r k - konstruktion mit wunderbaren Arabesken- schnitzereien freigelegt. Dieser Fachwerkbau ch nachher Meinung maßgebender Kreise eines der bedeutsamsten Zeugnisse alter Baukunst und gehört zu dem Schönsten, was man im oberhessischen Jfachmerthau bisher wieder aufgefunden hat. Zur Zeit sind Verhandlungen dahm im Gange, auch die Erhaltung dwses Fachwerkbaues vor der Wiederbewersung mit Verputz sicherzustellen, damit die Stadt dieses interessante Baudenkmal für alle Zeilen sichtbar bebalten kann.

= Gelnhausen. An der Kreuzung der Frankfurter- und Leipzigerstraße wurde hier das etwa sechs,ahrige Töchterchen eines Bahnbeamten von einem Kraftwagen überfahren. Das Kind war gegen die linke Lampe des Wagens gerannt und kam vor den Wagen zu liegen, dsjen Räder ihm über den Leib gingen. 3n bebe n k - lichemZustand wurde es in die elterliche Wohnung gebracht. Den Wagenführer trifft keine Schuld.

= Bad Dürkheim. Das amtliche Ergebnis für ®e- tränte und Schlachtungen zum Dürkheimer W u r ft- markt stellt den Verbrauch an offenen Weinen in den Hallen, Weinständen (Schubkärchlerständen) auf 60000 Liier, Flaschenweinen 10 000 Flaschen, Sekt 3000 Fla- schen, Bier 20 000 Liter fest. Der Verbrauch der otabt selbst ist darin nicht inbegriffen. Die Schlachtungen im hiesigen Schlachthause zeigen 50 Stück Großvieh und 500 Stück Kleinvieh. Der Verzehr ist also trotz der schlechten Zeiten nicht unbeträchtlich.

= Bad 7l au Helm. Dieser Tage ereignete sich m der hiesigen Bahnhofsvorhalle ein Vorfall, der einiges Dust sehen erregte. Ein hier tätiger Kaufmann fchfug sich dort mit feiner Frau herum, die in Frankfurt a. M. wohnt und ihrem Ehemann nach hier nachgereift mar. Der Vorfall hatte eine große Anzahl Neugieriger angelockt, die zum Teil eine drohende Haltung geaen ben Mann einnahmen, wodurch der erschien-ne Polizei- beainte an der Feststellung der Personalien gehindert wurde, sodaß bie Beteiligten mit zur Wache genommen »erben mußten. Die Ursache ber Auseinandersetzung ist in Familienstreitigkeiten zu suchen, da der Kaufmann seit einiger Zeit von feiner Frau getrennt lebt und mit einer Freundin hier ein Liebesverhältnis unterhält.

Neues aus Frankfurt.

Sunstgefchichklicher Fund. In ber St. Leonhards- kirche wurde vor einigen Tagen ein kunstgeschichtlicher ^unb gemacht. Arbeiter des Städtischen Tielbauamtes, die mit den Vorarbeiten zum Ginbau einer Luftheizung in der Kirche beschäftigt waren, stießen auf eine große Steinplatte. Unter Aufsicht des Bezirkskonservators Prof Dr Wichert wurde vorsichtig weitergegraben, wobei man unter dem lockeren Erdreich auf eine mäch­tige ©Satte aus rotem Sandstein stieß. Die Platte war sorgfältig behauen und zeigte die lebensgroße Ge­stalt des Leichnams Ehristi. Das Kunstwerk ist noch sehr gut erhalten. Es scheint em Werk aus ber zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ^u fein.

= Internationale Gepäckschein-Schwindler. In Aschaffenburg wurde dieser Tage mittels eines ge­fällten Gepäckscheines ber Soffer einer durchreisenden Dame aus der Aufbewahrungsstelle abgehoben. In dem I Koffer befanden sich neben anderen Gegenständen auch I wertvolle Schmucksachen und Juwelen.Der Diebstahl I wurde aber bald darauf entdeckt und sämtliche Juwe- I liere und Uuhrengeschäfte über einen eventl. auftauchen- ben Verkäufer verständigt. Bald meldete sich dann auch 1 «in Juwelier, de« ein*» bei Täter tie Sacke» ab»

nung, die persönlichen und Familienverhältniffe sowie die Dauer der Arbeitslosigkeit des Bewer­bers, die Berufsberatung außerdem die Lage des Arbeitsmarktes und die Berufsaussichten zu be- rücksichtigen. -

Der Arbeitslosenversicherung un­terliegen grundsätzlich dieselben Personen, die un­ter die Krankenversicherung fallen. Die Höchst­grenze liegt vom 1. Oktober dieses Jahres ab bet einem Gesamtarbeitsverdienst von 3600 Mark. Die Angestellten unterliegen d"r Arbeitslosenversiche­rung, soweit sie auf Grund des Angestelltenver- sicherungsgefetzes pflichtversichert sind, also bis zur Höchstgrenze von 6000 Mark. Auch die Seeleute sind in das Gesetz mit einbezogen. Reben den Erweiterungen stehen aber auch verschiedene Ein­schränkungen des Kreises der Dersicherungspfltch-

Der Anspruch auf Arbeitslosenun­terstützung ist von verschiedenen Doraussetzun- gen abbängiq, von Arbeitsfähigkeit, Arbeitswu- ligkeit, Erfüllung der Anwartfchaftszeit ufw. Das letztere ist der Fall, wenn der Arbeitslose m den letzten 12 Monaten während 26 Wochen in einer versicherung-pflichtigen Beschäftigung gestanden hat. Die Unterstützung gliedert sich in die Haupt- nnterstützung und die Familienzuschlage. Ihre Höhe bestimmt sich nach dem Arbeitsentgelt. Re­ben der Arbeitslosenunterstützung steht die K r i - senfiirsorae. Sie wird in Zeiten besonders ungünstiger Arbeitsmarktlage vom Reichsarbeits- minifter zuaelafsen. Bei ihr wird neben der Ar- beitrfähiakeit ausnahmsweise auch die Bedürftig­keit geprüft. Die Pflichtarbeit der Arbeitslosen hat Einschränkungen erfahren. Die Versicherung gilt nur für Arbeitslose unter 21 wahren und er­streckt M lediglich auf gemeinnützige Arbmten. Wo Lohnverkürzungen stattgefunden haben, kann nach wie vor Kurzarbeiterunter st ützung gewährt werden. _ ,

Sckili-ßlich sieht das Gesetz noch Maßnahmen zur Verhütung und Beendiguno der Arbeitslosig­keit vor, nämlich Reisekostenerstattung, Zuschüsse zur Arbeitsaus'-üstung und anderes mehr. Die bisherige vroduktive Erwerbslosen für- sorge ist als wertschaffende Arbeits­losenfürsorge in das Gesetz ausgenommen. setzen wollte und gab eine genaue Beschreibung des­selben. Der Täter selbst wurde einige Zeit darauf von Kriminalbeamten in einem Gasthof festgenommen. Es handelt sich um den Buchdrucker Rudolf Haftl aus Debenburg L Ungarn, der mit einem Komplizen zu­sammen in mehreren Städten Süddeutschlands, wie Nürnberg, Würzburg, Augsburg und Frankfurt der­artige Betrügereien verübt hatte. Der Komplize, em gereifter Alfred Banisch, hat wahrscheinlich rechtzeitig von der Verhaftung Hastls Wind bekommen und sich rechtzeitig aus dem Staube gemacht. Die beiden inter­nationalen Schwerverbrecher werden von den Staats» amoaltschasien Augsburg und Nürnberg gesucht.

Technik und Verkehr.

Das erste Fernheizwerk Süddeutschlands. Aus Ludwigshafen wirb gemeldet: Die Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsneubau unb bie Pfalz- werte A.-G. bauen zurzeit im ehemaligen Städtischen Elektrizitätswerk bas erste Fernheizwerk in Süddeutsch, land. Die Vorzüge einer zentralen Wärmeversorgung,

die sich in Barmen, Hamburg, Kiel, Dresden Braun- schweig und anderen deutschen Städten bewahrt hat, will die G. A. G. auch ihren Mietern zugute kommen lassen Durch eine zentrale Wärmeversorgung wirb die Feuersgefahr auf ein Minimum beschrankt U'w eine saubere, bequeme unb hygienische Art der ^Heizung er­möglicht. Die Straßen bleiben von den durch den Haus­brand verursachten Kohlen, und Aschenfransporten be- freit, auch die Rauch, unb Rußplage wird wesentlich gemildert.

Vie Nirchenverfolgung in Mexiko.

Calles hat wieder Tendenznachrichten, in die Welt gesetzt. Angeblich sollen 38Aufständische sich unter dem Befehl eines katholischen Pnesters bei Los Mezquites im Staate Ialisco verschanzt haben. Bei einem vierstündigen Kampf, nut diesen Aufständischen", hätten die Bundestruppen 14 Aufständische getötet und zwei gefangen genom­men, darunter auch den Priester, der vor em Kriegsgericht gestellt und kurzer Hand Otnge* richtet wurde. Bei einem Zweiten dreistündigen Gefecht im Staate Ialisco ließen die Aufständischen 18 Tote und mehrere Verwundete auf dem Kampf­platz zurück. Daß die Truppen des Herrn Calles nicht vor derHinrichtung" katholischer ^rieftet zurückschrecken, ist bekannt. DerAufstand der Katholiken aber besteht bekanntlich darm, daß sie die Maßnahmen der merikanischen Kulturkampfer nicht anerkennen können.

Wissenschaft und Forschung.

= Professor Einthoven gestorben. Im Diakonissen­haus in Leiden ist ber bekannte Physiologe und Medi­ziner Pros. Einthoven im 67. Lebensfahre gestorben. Einchooen hat sich besonders durch die U n t e r s u: th u ng des Herzschlags verdient gemacht. Zur beisiren Durchführung dieser Untersuchungen erfand er tm -kiyre 1913 das Saitengalvanometer. Für diese Erfindung, an deren Bervollkommnung er viele Jahre gearbeitet hat, wurde ihm im Jahre 1924 der Nobelprets für Heil­kunde und Physiologie verstehen. Der Verstorbene war auch Mitarbeiter verschiedener wissenschaftlicher Zeik- fdjriften.

Theater und Musik.

Vas wiener Engagement Richard Strauß'. Wie dasNeue Wiener Abendblatt" erfährt, ist der Vertrag, ber Richard Strauß für weitere drei Jahre, wie schon im abgelaufenen Jahre, zu je 20 Dirigentenabenden in ber Saison ber Wiener Staatsoper verpflichtet, von ihm und der Bunbestheaterverwaltung unterfertigt worden. Strauß hat seine neue OperDie ägyptische Helena", Text von Hosmannsthal, vollendet. Die Ur­aufführung wird im Juni 1928 an ber Dresbenei Oper ftattfinben. Die Premiere an her Wiener Staats- oper dürfte erst im Spieljahre 1928-29 erfolgen.

von den Hochschulen.

-- Würzburg. Der Vorstand der Würzburger Uni- versitäts- und Poliklinik für Ohren-, Nasen- unb Kehl- kopfkrankheiten, Professor Dr. Paul Man ässe, als Forscher und besonders als erfolgreicher Operateur auf feinem Gebiete eine erste Autorität in Deutschland, ist er gelegentlich einer Erholungsreise in Rom im Eisenbahn- zug von einem tödlichen Schlaganfall ereilt worben.

wie wird das Vetter?

Der Tiefdruckwirbel im Nordwesten hat sich seit gestern wesentlich abgeflacht. Da die Verflachung des Tiefdruckwirbels weitere Fortschritte macht, wird fern Einfluß auf die Witterung Mitteleuropas nur vorüber- gehend etwas zunehmen. Nennenswerte Niederschlage treten dabei jedoch in unserem Gebiet nicht auf.

Witterungsaussichten bis Samstag: Wolkig bis auf« heiternd, trocken, Temperaturen etwas ansteigend, schwache Luftbewegung.