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S4.Zahrg^

Samstag, 1. Oktober 1927.

Reise des Reichskanzlers in die besetzten Gebiete

Jas Proaranttn der elsatz-lothringischen Autonomisten

liert werden. Die Todes

5. Die

Spanien und Tanger-Frage

wtb. Madrid, 30. Sept. (Eig. Funkm.)

im die

b arität üben würden.

3m mitteldeutschen Braunkohlenbergbau.

Nachdem die Mehrheit der Belegschaften mitteldeutschen Braunkohlenbergbau sich für

gewahrt werden. Die zuständigen Verwaltungs- organe der Gemeinden seien daher durch das Gesetz zu maßgeblicher Mitwirkung im Entschei- dungsv erfahren über die Schulart zu berufen.

* Gebäckpreiserhöhung in Berlin. Eine Ver­sammlung des Berliner Bäckergewerbes beschloß eine Erhöhung der Kleingebäckpreise für Groß- Berlin von 2% auf 3 Pfennig vom Montag, den 17. Oktober ab.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc. 9. X________Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

wtb. Paris, 30. Sept. (Eig. Funkm.) Die autonomistische ZeitschriftDie Zukunft" hat jetzt

preußischer Staatsrat.

Der Preußische Staatsrat stimmte dem Antrag der Arbeitsgemeinschaft zu, wonach die Reife­prüfung an den höheren Schulen bereits nach einem halben Jahr soll wiederholt werden dürfen, obgleich im Ausschuß der Dertreter der Staatsregierung sich gegen den Antrag ausge­sprochen hatte, da der geschlossene Lehrgang der Prima nicht unterbrochen werden dürfe. Zuge­stimmt wurde auch der Novelle zur Bereitstellung von Zwischenkrediten zur Förderung des Woh­nungsbaues, welche besagt, daß auf erste Hypo­theken aus Hauszinssteuern für den Wohnungsbau Darlehen insgesamt bis zu 120 Millionen bis zur Dauer von drei Jahren gewährt werden dürfen. Auch gegen die vom Ständigen Ausschuß des Landtages beschlossene Notverordnung über die Aufbringung der Schulbeiträge für Berufsschulen wurden Einwendungen nicht erhoben. Am Freitag nachmittag wird der Staatsrat seine weiteren Ar­beiten vollenden. Die Verordnung über die Bil­dung von Studentenschaften wird erst im kommen­den Tagungsabschnitt, der voraussichtlich in 14 Ta­gen stattfinden wird, zur Beratung kommen.

' * keine Beilegung des Flaggenkonflikts mit den Berliner Hotels? Das HotelKaiserhof" hatte zu Ehren des Kongresses der Fachpresse geflaggt. A ufdem Dache sah man drei Fahnen, in der Mitte die schwarz-weiße, an den Ecken je eine schwarz- rot-goldene und eine schwarz-weiß-rote. Das preu­ßische Handelsministerium, die anderen eingelade­nen preußischen Behörden und der Magistrat von Berlin haben, demB. T." zufolge es wegen die­ses Kompromisses abgelehnt, an dem imKaiser­hof" stattfindenden Bankett der Fachpresse teilzu­nehmen.

* Glückwunschadresse der Deutschen Nalional- partei in der Tschechoslowakei an Hindenburg. Aus Prag meldet ein Funkspruch: Eine Deputa­tion der Deutschen National-Partei überreichte dem deutschen Gesandten in Prag eine künstlerisch aus­gestattete Glückwunschadresse zur Weiterleitung an den Reichspräsidenten von Hindenburg, in der dem Führer der deutschen Heere zum Siege in 100 Schlachten, dem Vorbilde deutscher Treue und Pflichterfüllung in schwerster Not, dem Schirm­herrn deutscher Ehre gegen die Schmach der Kriegsschuldlüge, dem Mahner zu deutscher Einig­keit als Weg zu deutscher Macht, die in der Deut­schen National-Partei zusammengeschlossenen Su­detendeutschen zum 80. Geburtstag ehrfurchtsvoll- 'ten Glückwunsch entbieten.

Dr. haslinde Oandrat in Arnsberg. In der Sitzung des preußischen Staatsministeriums ist der Minister des Innern ermächtigt worden, mit der kommissarischen Landratsamtsverwaltung zu be­auftragen; im Kreise Solingen (Regierungsbezirk Düsseldorf) den Redakteur Trimborn in Köln,'im Kreise Recklinghausen (Regierungsbezirk Münster) den Landrat Dr. Schenting in Arnsberg (Regierungsbezirk Arnsberg). Ferner wurde der Innenminister ermächtigt, dem Reichsminister a. D. Dr. Haslinde auf seinen besonderen Wunsch zu­nächst vertretungsweise, später kommissarisch die Verwaltung des Landratsamtes in Arnsberg zu übertragen. Mit seiner Uebernahme eines Landratsamtes gibt Dr. Haslinde ein Muster­beispiel dafür, wie man gerade im parlamentarisch regierten Staate dem Volke dienen kann. Das par­lamentarische System wird oft dahin mißverstan­den, als ob eine in ein hohes politisches Führer­amt berufene Persönlichkeit nach ihrem Ausschei­den aus diesem Amte ein für allemalerledigt" wäre. Dem ist nicht so. Das wohlverstandene parlamentarische Regime fordert vielmehr, daß je­mand, der eine solche Staatsposition innehatte, nach deren Wegfall sich dort wieder zur Verfü­gung stellt, woher er gekommen ist. Damit ver­gibt er sich gar nichts, er ehrt sich vielmehr nur selbst und bezeugt seinen Respekt vor der Volks­gesamtheit. Dafür ein Muster gegeben zu haben, ist das hohe Verdienst Dr. Haslindes. Möge es Nachahmung finden,

tum des elsaß-lothringischen Volkes werden. 6. El- saß-Lothringen muß seine Staatsbank sowie seine Po st Verwaltung haben. 7. Die Boden­reichtümer müssen Eigentum des Volkes wer­den. 8. Vereinigung der elsässigen Soldaten in eigenen Formationen, die in Elsaß stehen, mit Cadres in deutscher Sprache. 9. Die Sozial­versicherung muß auftecht erhalten und ver- beffert werden. 10. Städtische Einrichtun­gen müssen auftecht erhalten und die städtischen Freiheiten verstärkt werden. 11. Eine Arbeiter- kammer muß gegründet werden, um die Zahl der Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vermindern. 12. Eine vollkommene Reform der Steuern muß erfolgen, die dm Bedürf- nissm des Landes und seinen Entwicklungsmöglich­keiten entspricht. 13. Eine besondere Z o l l z o n e für das Elsaß muß eingeführt werdm, damit dieses sich gemäß feinen natürlichen Interessen ausdehnen kann. 14. Besondere Schulen für die Land­wirtschaft, das Handwerk, die Handelsange- fteltten und mittleren Techniker. 15. Das Stimm­recht für die Frauen. 16. Aufrechterhaltung des Status Quo in Schule und 'Kirche, was dis religiösen Fragen betrifft. 17. Entschädigung der Opfer des Krieges, der Revalorisierung, des Vertrages von 1919 und der Inhaber dmtsche, Kriegsanleihen.

* Die Familie Zagorski an Pilsudski. (Eig. Funkm.) Die Familie des polnischen Generals Zagorski hat an den Ministerpräsidenten, Mar­schall Pilsudski, ein Schreiben gerichtet, in dem sie bittet, einen Befehl zu geben, damit das geheim­nisvolle und Unheil verkündende Rätsel, das über dem Verschwinden des Generals Zagorski schwebt, gelöst werde.

* Gras Apponyi Dr. jur. h. c. Die Rechtsfakul- tät der Budapester Universität hat den Gra- fen Apponyi in Anerkennung seiner Verdienste bei der Vertretung Ungarns beim Völker­bund zum juristischen Ehrendoktor der Fakultät ernannt. Das Ehrendoktorat der politischen Wis- sensc! asten hat Graf Apponyi bereits vor längerer Zerr erhalten. m <.. .

* Briand wiederum als Kandidat aufgestellt. Die sozialrepublikanische Vereinigung des Departements Loire-Jnferieure hat als Kandidatm für die kommenden Kammerwahlen u. a. auch den Minister für auswärtige Angelegenheiten, Briand, auiaestellt. Briand bat die Kandidatur angenommen.

das angekündigte Programm der neugegründeten Partei der elsaß-lothringischen Autonomisten ver- öffentlicht, das von Pariser Blättern folgender­maßen wiedergegeben wird: 1. Die elsaß-lothrin­gische Rasse und Art muß aufrecht erhalten und unterstützt werden. 2. Die deutscheSprache muß die Grundlage des Unterrichts werden und den ersten Platz in der Schule, im öffentlichen Leben, in der Verwaltung und in der Kirche ein­nehmen. 3. Die Verwaltung des Landes muß den Bedürfnissen des Landes enffvrechen und aus dem Lande Gebürtige müssen an ihrer Spitze stehen. 4. Die Rechtssprechung muß verbes­sert werden. Die Wiedereinsührung der Schöffen­gerichte wird gefordert. Die Schwurgerichte müssen ihre Verhandlungen in deuffcher Sprache führen. Alle Schwurgerichts- und sonstigen Urteile, bei denen der französische Nationalismus die Wag­schale zu Ungunsten der Angeklagten hat beeinflussen können, muß revidiert werden. Den Opfern der Ausschüsse zur Prüfung der Naturalisierungsanträge müssen Entschädigungen gezahlt werden. Die Straf- anstalten müssen reformiert werden. Die Todes­strafe muß abgeschafst werden. Die Verbüßung der Strafe muß innerhalb des Landes erfolgen. 5. 2" elsaß-lothringischen Eisenbahnen müssen Eigen-

Stiftung im einzelnen und über die Arbeiten, die in Vorbereitung sind, um die Werke Walther Rathenaus zu erhalten und in seinem Sinne fort« Msetzen.

Hierauf ergriff Reichskanzler Dr. Marr das Wort zu einer Rede, in der er u. a. ausführte: Mit tiefer Bewegung gedenken wir des großen Mannes, der heute seinen 60. Geburtstag gefeiert hätte und dessen Leben ein so" jähes Ende fand. Von seinem Eintritt in das Reichskabinett ab rech­nen wir einen entscheidenden Abschnitt in der deut­schen Geschichte. Alle seine Eigenschaften waren in der Stunde, wo Wirth den großen Griff tat, ihn in die Regierung zu ziehen, für Deutschland von ungeheurem Wert. Die Welt verstand Deutsch­land nicht mehr. Sie sah ein Zerrbild. Da wurde Rathenau, indem er alle Eigenschaften und Kenntnisse zugleich in dM Dienst des Landes stellte, Deutschlands großer Interpret. Aber noch mehr: Zu gleicher Zeit ergriff er mit Erfolg die Initia­tive, mit der Verständigung auf wirtschaftlichem Gebiet einen praktischen Anfang zu machen. Sein ganzes Bestreben war, den guten Glauben im Ver­kehr zwischen Völkern und Einzelpersonen wieder herzustellen. Wir wollen heute nicht über seinen Tod klagen. Wir wollen danken, daß er gelebt hat, und ihm rote einem Lebenden die Huldigung zu seinem 60. Geburtstag bringen. Sein Tod hat sein Wirken nicht beendet. Wenn ich das sage, so spreche ich vor allem davon, daß sein Tod wie die anderen Ereignisse der Nachkriegsjahre Deutsch­land die Augen geöffnet hat über den Fluch der Blindheit und der Gewalt. Möge die heutige schöne Erinnerungsfeier dazu beitragen, der Welt zu- zurufen: Es fei der blutigen Opfer für die neue Zeit genug. Jetzt laßt die neue Zeit anfan- gen'

Als nächster Redner sprach Ge r ha rd t H a u pi- mann, der in beredten Worten ein anschauliches Bild Walther Rathenaus als Mensch, als Staats­mann und als Deutscher gab. Hierauf trug Ger­hardt Hauptmann einige Verse aus einer noch nicht veröffentlichten Dichtung vor, die die Zeit der Ruhr­besetzung zum Gegenstand hat und in der die Per­sönlichkeit Walther Rathenaus in ihrem Wirken und Schaffen verherrlicht wird. Er schloß mit dem Wunsch, daß all' das Gute und das Große seiner Natur dem deutschen Volke immer verständlicher werde und in sein Wesen immer mehr und mehr eingehen möge.

Zum Schluß las Artur Krausneck aus Walther Rathenaus Briefen vor.

schäften nach Revidierung der Lohntarisverträgq nicht stattgegeben werden könne. Die Gewerk, schaftsführer beantragten darauf hin, die Verhand, lungen zu vertagen, da sie beabsichtigten, beim Retchsfinanzminister persönlich vorsrellig zu merbeit

Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundei hatten eine Besprechung in der R e i ch s k a n z l e i; die unter dem Vorsitz des Reichskanzlrs und ick Gegenwart des Reichsarbeitsministers und andere, Regierungsvertreter stattfand. Die Gewerkschasts. Vertreter hoben hervor, daß eine Hebung des zy ffef liegenden Lohnniveaus für die Arbestcr und Angestellten in den staatlichen und privaten Betrie­ben eine Notwendigkeit fei. Ohne eine solche Auf­besserung fe- der zwischen Arbeitern und Angestell­ten einerseits pnd den Beamten andererseits nach der Besoldungsreform eintretende A b st a n d so groß, daß der Wirtschaftsfriede unmöglich ge­wahrt bleiben könne. Die Reichsregierung ver­sprach, wie derDeutsche" mitteilt, eingehende Prü­fung und Wertung der gegebenen Anregungen und vorgetragenen Wünsche.

Die Ztreikgesahr.

Berlin.

Während der Verhandlungen der Funktionär- konferenz der Berliner Straßenbahner, die sich für Ablehnung des neuen Schiedsspruches ausgespro- d-m hat, erschien eine Deputation der H o ch b a h- ner, die erklärte, daß bei einem Streik der Stra­ßenbahner die Hochbahnangestellten volle Soli«

Gemeinden und Reichsschulgesetz.

Anläßlich der Magdeburger Verhandlungen hat der Vorstand des Deutschen Städtetages auch zum Reichsschulgesetzentwurf Stellung genommen. Es wurde eine Reihe von Richtlinien aufgestellt; es wurde gefordert, daß die Erfordernisse eines geord­neten Schulbetriebes im Reichsgesetz völlig klar und im Einklang mit den BediHsnissen der Schulverwal­tung und den Schulfinanzen festgelegt werden müß­ten. Die in dem jetzigen Gesetzentwurf enthaltene Regelung sei durchaus unzulänglich. Die Rechte der gemeindlichen Selbstverwaltung als der gesetz­lichen Vertretung der Gesamtheit der Gemeinde­bürger müßten auch den Elternrechten aeaenüber

* Staatssekretär Dr. Ramm. Wie der amtliche preußische Pressedienst meldet, hat der preußische Landwirtschaftsminister Dr. S t e i ge r dem Staatssekretär Dr. Ramm anläßlich seines Uebertritts in den Ruhe st and in einem Handschreiben namens der preußischen Staats­regierung für die in jahrzehntelanger Arbeit gelei­steten Dienste gedankt und dabei insbesondere seine Verdienste hinsichtlich der Entwicklung der deut­schen Stickstoff- bezw. Dünger-Industrie und der Moor- und Oedlandkultivierung hervorgehoben.

, * Beratungen des preußischen Landwirtschafts- Ministeriums mit den preußischen Landschaften. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Landwirtschastsminffter Steiger am 28. September die Generaldirektoren der preu­ßischen Landschaften nach Berlin berufen, um mit ihnen die Mittel und Wege zu beraten, auf denen die Landschaften beitragen könnten, die der preu­ßischen Landwirtschaft aus der bevorstehenden Ab­deckung , erheblicher Personalkredite drohenden Schwierigkeiten zu mildern. Im Vordergrund der Erörterungen stand die Frage der Umwandlung kurzftistiger Personalkredite in langfristige Real­kredite.

D'e Preutzen-Knleihe.

Aus Washington wird gemeldet: Die Aus­sichten für die Preußenanleihe haben sich innerhalb der letzten 24 Stunden erheblich gebessert. Im Staatsdepartement wurde erklärt, nach den inzwi­schen eingegangenen Informationen handele es sich nicht um eine Anleihe, gegen die die amerikanisch« Regierung Bedenken erheben könnte. Man wisse hier zwar nicht, wann die Anleihe aufgelegt werd», jedenfalls sei aber von amtlicher Seite nichts be­absichtigt, was eine Auflegung verzögern oder ver­eiteln könnte.

V * *

7 Das Bankhaus Harris, Forbes & Co. ermäch­tigte in seiner Eigenschaft als Führerin des Emis­sionssyndikats der Preußenanleihe den Vertreter des Wolffbüros, die Berichte über den Abbruch Vr Anleiheverhandlungen zu dementieren.

Methoden in der Tschechoslowakei,

Don Dr. Jos. Albert.

Seit dem Umsturz von 1918 ist die Tschechoslo, Datei das Land der geheimen und stillen Entwick­lungen gewesen. Dem Fremden, der es dann und wann aufsuchte, war es schwer, ein richtiges Bild über die Lage zu erhalten, und die tschechoslova- kische Regierung hielt diese Fremden mit größter Reserviertheit zurück. Noch heute herrscht der Vi- sumszwang, und mancher, der aus Vorkriegszeit die herrliche, böhmische Landschaft und das eigenartige, uns ergreifende Bild der Wälder und Berge liebt, wird durch die hohen Grenzgebühren von der Reise abgeschreckt. Es gibt Kurorte, die große Anstren­gung machen, das deutsche Publikum in ihre Bä­der zu locken und ihre Preise tief herabsetzen, aber abgesehen von dem weltberühmten Marienbad, Karlsbad und Franzensbad bleibt auch der Besuch dieser Bäder erheblich hinter den früheren Zeiten zurück.

Wenn Deutschland über die Tschechoslovakei et­was erfuhr, so war es in den letzten Jahren haupt­sächlich die Frage, wie die Deutschen ihren Existenzkampf gegen die Tschechisierung führten. Wir erfuhren von dem gewaltigen Abbau der deut­schen Beamtenschaft, von der Enteignung des Grund und Bodens und von der Errichtung tsche­chischer Schulen in rein deutschen Orten. Und in der Tat: wer heute das Land bereist, wird selbst in kleineren Ortschaften nicht selten einen ganzen Häu- serkomplex von Neubauten sehen, in denen die neu verpflanzten Tschechen neben den deutschen Urein­wohnern hausen. Schon dort, wo sich stromauf­wärts das Elbtal hinter Bodenbach, und Tetschen nach einiger Zeit weitet, treten vor anem zur Rech­ten die charakteristischen Erscheinungen auf. Und man sieht sie häufiger, je näher man Prag kommt.

Dieser Kampf der Deutschen mußte allerdings unser eigenes Vaterland seit 1918 am meisten in­teressieren. Er rückte ganz und gar in den Vorder- gründ, je engherziger uns die Politik Prags er­schien und je sttller und lautloser die Bewegung der Tschechen gegen die Deutschen vor sich ging. Gerade diese Stille erschien uns häufig erdrückend, und rott hatten das Bewußtsein, daß die Tschechoslovakei in politischer Beziehung das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sei. Es konnte jeden Tag eine neue. Verfügung kommen, ein neues Gesetz, das uns ir> gendwie überraschte. Und was an dieser Ueberrw schung fehlte, das ersetzte Benesch, der gewandte Außenminister bei einem Besuch in Rom oder Paris oder bei einer Rede in Genf zur Genüge.

Das stille und geheimnisvolle Tun der tschechi­schen Kreise ist allerdings ein auffallendes Merk­mal. Und es entspricht auch ganz diesem Tun, wenn über die Gegenbewegungen im Lande die Oesfent-

49 Anrelnllilllnec 10 Psa (mit UM. Beilaist 15 Pli.)

uldaerZeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

wtb. Berlin, 30. Sept. (Eig. Funkm.) Der Reichskanzler wird, wie den Blättern mitgeteilt wird, in seiner Eigenschaft als Minister für die besetzten Gebiete diese vom 10. bis 12. Oktober besuchen. Am Montag, den 10. Oktober, wird in Koblenz eine Besprechung mit dem Reichskommissar für die besetzten Gebiete vor sich gehen. Sodann wird der Reichskanzler eine Be­sprechung mit dem preußischen O b e r p r ä s i d e n- ten haben. Der Reichskommissar wird am Nach­mittag um 4 Uhr die Presse der besetzten Gebiete STee zu sich laden. Am Dienstag wird die svermögensverwaltung besucht werden. Es erfolgt dann die Weiterreise nach M a i n z, wo den Vertretern des besetzten hessischen Gebietes Gele­genheit zur Rücksprache gegeben wird. Am 12. ist der Reichskanzler in Speyer und trifft dort mit den bayerischen Vertretern zusammen. Am Donnerstag vormittag wird er wieder in Berlin Eintreffen.

w'eder daheim.

Die deutsche Delegation kam Donnerstag nach­mittag aus Genf in Berlin an. Zur Begrüßung des Reichsaußenministers und der übrigen Dele­gierten hatten sich auf dem Bahnhof u. a. in Ver­tretung des Reichskanzlers Staatssekretär Dr. Pünder, namens der preußischen Regierung Staatssekretär Dr. Weißmann eingefunden. Vom Auswärtigen Amt waren der stellvertretende Staatssekretär Ministerialdirektor Dr. Köpke, Ge­heimrat Martins und Graf Bassewitz und für die Presseabteilung der Reichsregierung 'Ehrendirigent Geheimrat v. Baligand mit verschiedenen Herren «schienen.

Rathenau-Gedenkseier.

Im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrats sand anläßlich des 60. Geburtstages Walther Ratbenaus eine Frier der Walther-Rathenau-Stiftung statt, zu der zahlreiche Vertreter der Reichs-, Staats- und öffentlichen Behörden, des diplomatischen Korps, der Länder und der Parlamente erschienen waren. Der Vorsitzende der WaltherRathenau-Stiftung teilte ht seiner Begrüßungsansprache auch mit, daß der Reichspräsident einer Erweiterung des Kurato­riums zugestimmt habe und daß nunmehr noch Gerhardt Hauvtmann, Bernhard Bern» bürg, Joseph Wirth und Reichstagspräsident L ö b e dem Kuratokium beitreten würden. Reichs- kunstwart Dr. Redslob berichtete sodann über tie

Kündigung des laufenden Lohntarifvertrages aus­gesprochen hatte, hat nunmehr die Leitung des Bergarbeiterverbandes finanzielle Vorbereitungen für den Fall eines Streiks getroffen. Von den deponierten Kassenbeständen des Deutschen Berg­arbeiterverbandes sind 2Vi Millionen Mark ge­kündigt und gleichzeitig ist die V e r d o p p e l u n g der Beiträge beschlossen worden.

x Der Tarif bet Reichsarbester.

Bei den Verhandlungen der am Tarifvertrag für die Reichsarbester beteiligten Gewerkschaften im Reichsfinanzmini st erium wurde dem Deutschen" .zufolge seitens des Reichsfinanzmini­steriums erklärt, daß dem Verlangen der ®e giert»

A nzeiaen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUt. auswärts 0,20 JU. Reklamezeile: lokal 0,60 5LM, auswärts 0,80 .TtJt. Bei Wiederholungen Rabatt, x ^nto Frankfurt a. M. Nr. 4051

wtb. Madrid, 30. Sept. (Eig. Funkm.) In einer halbamtlichen Verlautbarung werden die Meldungen einiger ausländischer Blätter, wonach die spanische Regierung eine Lösung der Tanger­frage vor der Reise des Königspaares nach Ma­rokko herbeizuführen wünsche, formell demen­tiert. Gleichzeitig wird erklärt, die Unterredung zwischen Primo de Rivera und Chamberlain stehe nicht im Zusammenhang mit der Tangersrage.