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uld a er Z ertung

54.Zahrg

Freitag, 30. September 1927

Tlr. 225

Slrelemanii Wer Oie deutjch-sMzWen Beziehungen

Amerika gegen deutsche Anleihen?

* Die französisch-russischen Schuldenverhandlun- gen. Der Borsitzende der französischen Delegation für die französisch-russischen Schuldenverhandlun­gen, Senator De Monzie, hat einem Vertreter der Zeitung „La petite Gironde" erklärt, die in dem letzten Vorschlag der Sowjet-Regierung ins Auge gefaßten Ziffern erlaubten ihm nicht, den Vorschlag in seiner gegenwärtigen Form der Re­gierung zur Annahme zu empfehlen.

* Das spanische krönigspaar reist nach Marokko. Wie den Mittagsblättern aus Madrid gemeldet wird, wird das spanische Königspaar, begleitet von General Primo de Rivera, am 4. Oktober nach Marokko reisen und am 10. Oktober wieder nach Madrid zurückkehren.

Das Reich soll zahlen.

Vaden und die Besoldungsreform.

Aus Karlsruhe wird gemeldet:

In der am Mittwoch stattgesundenen Sitzung des landständ'schen Ausschusses des badischen Land­tags wurde folgende Entschließung gefaßt:

„Der landständische Ausschuß ersucht das Staats­ministerium, bei der Reichsregierung und beim Reichsrat mit allem Nachdruck dafür einzutreten, daß dem Lande Baden die zur Durchführung feiner Besoldungserhöhung erforderlichen Mittel seitens des Reiches zur Verfügung gestellt wer­den, sei es durch Verzinsung der Eisenbahnschuld des Reiches an das Land Baden, sei es in anderer Weife."

Finanzminister Dr. Schmitt gab in der Sitzung des landständischen Ausschusses nähere Erklärungen

wtb. Paris, 29. Sept. (Eig. Funkm.) Dr. Stre- femann hat dem Genfer Korrespondenten des „Pe­tit Parifien" ein Interview gewährt, in dem der Reichsaußenminister unter anderem erklärte: Die deutsch-französischen Beziehungen innerhalb des Völkerbundes können nur Beziehungen von abso­luter Freimütigkeit und Loyalität sein. Dadurch, daß wir über Locarno gingen, haben wir den Willen — nicht zu einer Kampfespolitik —, son­dern zu einer Politik der Zusammenarbeit verdeutlicht. Wir haben im Verlaufe der Arbeiten der Völkerbundsversammlung alles, was in un­serer Macht stand, versucht, dem Frieden zwi­schen den beiden Nationen zu dienen. Ich bin glücklich, heute sagen zu können, daß die deutsch- französische Zusammenarbeit zur Behebung des zu Beginn der Völkerbundstagung herrschenden Unbe­hagens und zur Erstickung gewisser Krisengerüchte beigetragen hat. Kann man das nicht schon als be­achtliches Ergebnis bezeichnen, das zum großen Teil der Zusammenarbeit unserer beiden Länder zu ver­danken ist? Wir, Briand und ich, haben, um ein bewundernswertes Wort des französischen Außen­ministers zu gebrauchen, auf jede Prestige-Po- litikverzichtet. Wenn diese Völkerbundsver­sammlung, die unter so pessimistischen Auspizien be­gann, beim Abschluß bei den Völkern den Ein­druck hinterläßt, daß man in Genf trotz aller Schwierigkeiten ehrlich und freimütig mit dem alleinigen Ziel der Wiederherstellung des inter­nationalen Vertrauens sprechen kann, dann ist man berechtigt, zu behaupten, daß die 8. Völkerbunds­versammlung, wenn sie auch zu keinen Aufsehen erregenden sensationellen Kundgebungen Anlaß ge­geben hat, doch sich um die Menschheit ver­dient gemacht hat.

Der „Petit Parisien" sagt hierzu: Man wird die interessanten Erklärungen Stresemanns mit um so lebhafterem Interesse lesen ,als sie mit dem Ton gewisser Stimmen, die aus Deutschland kommen, in Widerspruch stehen. Nachdem er dies gesagt hat, können wir Stresemann umsomehr wünschen, >-ß er den Mut, das Ansehen und die Kraft haben möge, um. sich herum den Geist einer Politik durchzusetzen, deren Vorteile und Pflichten er, wie wir selbst, habe abwägen dürfen. Jeder Fran­zose wird sich darüber nur freuen.

Die „B. Z." veröffentlicht das von Briand ge­schriebene Vorwort zu dem demnächst erscheinenden Buch „Das neue Deutschland" des französ. Journalisten Mortane. In diesem Vorwort heißt

Verschuldung der deutschen Kommunen und Länder prüfen, ob im Falle der Nichterfüllung der Dawesverpflichtungen irgendwie ein Rückgriff auf diese Anleihen möglich ist, bezie­hungsweise welche Vorrechte unter Pfandsicherung der Geliehenen Objekte für diese Dawesverpflichtun­gen gegeben seien. Man steuert also offenbar dar­auf hinaus, die Zinsen und Amortisationszahlungen aus den Länder- und Kommunalanleihen nötigen­falls mit zur Deckung der Dawesverpflichtungen heranzuziehen.

Wie ernst die Dinge liegen, ergibt sich daraus, daß man bereits von einer Absicht Amerikas spricht, bis auf weiteres jede neue Auflage von deutschen Länder- und Gemeindeanleihen zu untersagen. Man kann es vorläufig noch nicht glauben, daß Amerika eine derartige Taktik einschlagen würde, denn sie würde notwendigerweise dahin führen, daß die Länder und Gemeinden, allerdings dann unter Zubilligung eines wesentlich höheren Zinssatzes, versuchen müßten, aus dem einhei­mischen Kapitalmarkt die Gelder zu erhalten. Das aber hätte wiederum zur Folge, daß die In­dustrie, die dann um so viel weniger aus dem Jnlandsmarkt zur Deckung ihres Kapitalbedarfes herausholen könnte, mit verstärkten Ansprüchen an das Ausland herantreten würde. Ja, man kann den Verdacht nicht unterdrücken, daß gewissen amerikanischen Finanzkreisen eine derartige (Ent* micklung gar nicht einmal unlieb wäre. Daraufhin deutete auch die auffällige Betonung der Forde­rung der „P r o d u k t i v i tä t" der Bedürfnisse, die durch die Kapitalaufnahme gedeckt werden sollen. Bei industriellem Kapitalbegehr ist die Begründung der Produktivität recht leicht gegeben. Der ein- heimische Geldmarkt und insbesondere die deutsche Börse würde allerdings unter einer derartigen Ent­wicklung noch mehr leiden, als es gegenwärtig schon der Fall ist. Schon jetzt ist es kaum möglich, daß die Industrie und vor allem auch die Landwirt­schaft in den Hypothekenbanken und Pfandbrief- anstalten ihre Kapitalbedürfnisse aus dem heimi- ' ^»n Markt decken können und wie die Entwicklung der Dinge zeigt, haben die Länder und Gemeinden schon seit langem nach außen gehen müssen. Die Kurse, die augenblicklich für die festverzinslichen und Dividendenpapiere zu erzielen sind, reizen das private Publikum, dessen Beteiligung für eine leb­hafte Börsentätigkeit nun einmal unerläßlich ist, schon lange nicht mehr. Infolgedessen ist die Be- frtebtqung des Kapitalbedarfs aus dem inneren Markte heraus durch Neuausgaben von Aktien oder Neuauflegung von Pfandbriefen kaum noch mög­lich. Wenn nun durch Schwierigkeiten, die Amerika der Kreditaufnahme im Ausland bereitet, eine noch weitere Verschlechterung dieser Situation ein­tritt, dann kann und muß das sehr schwere Rück­wirkungen auf die ganze Gestaltung des Geldmark-

Von unserem wirtschaftspolitischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Der merkwürdigste wirtschaftliche Vorgang ist augenblicklich das Schicksal, das die Preußen- anleihe in Amerika gefunden hat. Dort haben sich amtliche Einflüsse geltend gemacht, die gegen diese Anleihe mit der Begründung, daß sie nicht ausschließlich produktiven Zwecken diene, Stellung genommen haben. Das muhte umso mehr auffallen, als der Abschluß mit dem amerikanischen Konzern (Harris, Forbes u. Co.) bereits erfolgt war und das übungsgemäß immer erst dann der Fall ist, wenn eine vorherige Befragung der zuständigen Stellen der amerikanischen Regierung erfolgt ist.

Man ergeht sich deshalb in allerlei Mutmaßun­gen über dieGründe dieser veränderten Haltung. Sie werden nun in der Hauptsache darauf zurück- geführt, daß der R e p a r a t i o n s a g e n t, der ja schon in letzter Zeit gegen die Aufnahme von An­leihen in Amerika starke Bedenken hatte in der Be­fürchtung, daß dadurch die Reparationsverpflich­tungen noch eine weitere Erhöhung erfahren, Ein­spruch erhoben hätte. In dieser Form ist das Ge­rücht sicherlich nicht richtig. Wohl aber trifft es zu, daß durch den Reparationsagenten die steigende Verschuldung Deutschlands durch Kredite und Dar­lehen in Amerika kritisiert wird, und daß die damalige Aktion der Reichsbank zur Eindämmung der kurzfristigen ausländischen Gelder wesentlich mitbestimmt war, von dem Hinweis des Repara­tionsagenten auf die Gefahren eines solchen Zu­flusses und der Belastung für die deutsche Wirt- chaft.

Verschiedene Erörterungen innerhalb der deut­schen Presse über die Unmöglichkeit der Dawesver­pflichtungen haben die Besorgnisse, daß Deutschland Ziesen Verpflichtungen nicht werde gerecht werden können ober wollen, noch verstärkt. Bei wei­teren Kreditaufnahmen Deutschlands in Amerika wird also offenbar befürchtet, daß die Erfüllung der Repara wnsverpflichtungen darunter leiden könne. Wenn geltend gemacht wird, daß Anleihen nur zu produktiven Zwecken gegeben werden, so er­gibt sich daraus, daß sich Amerika ein bestimmtes Pfandobjekt sichern und im gegebenen Falle auch schadlos halten will. Gerade der gegenüber der neue geplanten Preußenanleihe gemachte Einwand, daß sie für u n p r o d u k t i ve Zwecke Verwendung finden soll, ist vollständig hinfällig, denn in der Hauptsache soll diese Anleihe für den Bau und Ausbau von Häfen und Kanälen, für Siedlungen und Meliorationen verwandt werden, alles Dinge, die in keinem Falle als unproduktiv angesprochen werden können.

Die Dinge haben einen anderen Hintergrund, nämlich, man will an den maßgebenden Stellen des Reparationsagenten auf Grund der bisherigen

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

tes, insbesondere aber auch der Zinsenfituation haben. . ,

Welche Nervosität diese Dinge in unseren eige­nen Bank- und Börsenkreisen hervorgerufen hat zeigt das allerdings geradezu törichte Gerücht, daß die R e i ch s b a n t selber das Zustande ommen der Preußenanleihe in Amerika nicht wünsche, ja daß aus Reichsbankkreisen heraus diese Anleihe hinter­trieben würde. Derartige Annahmen werden kol­portiert in jenen spekulativ eingestellten Krei­sen denen die Reichsbankpolitik in Bezug auf die in-'und ausländischen Kredite nicht gefällt und die allerdings ein persönliches Interesse daran hatten, wenn gewissen Machenschaften die Zügel locker ge­lassen würden. Daß die Reichsbank ihre größte Aufmerksamkeit dem Verhältnis zwischen inländi­scher Leistungsfähigkeit und ausländischer Schuld­verpflichtung widmet, liegt auf der Hand. Dazu ist die Reichsbank nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, denn sie ist verantwortlich für die Ge - samt wirtschaft. Denn darüber darf man ande- r-r eits auch gor nicht im Zweifel fein, daß durch eine mit den gegenwärtigen wirtschaftlichen Ver­hältnissen nicht vereinbare Kreditverschuldung na­mentlich der Kommunen, aber auch der deutschen Industrie an das Ausland Gefahren verbunden sind die die Beteiligten selber und letzten Endes i am st ä r f ft e n in ihren Wirkungen fühlen müßten.

♦

wtb. Berlin, 29. Sept. (Eig. Funkm.) Zu der von einer Zeitung gebrachten Meldung aus Was­hington, die von einer endgültigen Ablehnung der preußischen Anleihe durch die maßgebenden Stellen in Washington spricht, wird dem amtlichen preußischen Pressedienst von zuständiger Stelle mit­geteilt, daß nach einer hier vorliegenden Informa­tion fein Anhalt für die Richtigkeit dieser I Meldung vorliegt.

Ruch die polnische gmerika-Rnleihe gescheitert.

wtb Washington, 29. Sept. (Gig. Funkm.) Die mit I Unterbrechungen seit mehr als einem halben Jahr gc I führten Unterhandlungen über die große projektierte I Stabilisierungsanleihe des polnischen Staates beim I Bankers Trust sind hier gestern abend knapp vor ihrem I erhofften Abschluß abgebrochen worden. Die Re- | gierungspresse erhielt darüber in später Nachtstunde folgende amtliche Mitteilung: „Die Anleiheverhand- I (ungen haben zu keiner Einigung über die Höhe des I Emissions-Kurses der geplanten Stabilisierungsanleihe I geführt. Der von den Bankiers vorgeschlagene Kurs I wurde von der Regierung als dem Charakter der An- I leihe nicht entsprechend abgelehnt. Im Zusammenhang I damit sind die Unterhandlungen abgebrochen worden. I Unabhängig von dem Ergebnis der geführten Verhand- | langen, ist die Regierung entschlosien, im Maß der zur I Verfügung stehenden Mittel die im Verlaufe der An- I leiheverhandlungen ausgearbeiteten Grundsätze des I Stabilisierungsplanes durchzuführen"

Der Abschied von Genf.

Die deutsche Delegation hat Mittwoch abend die Rückreise von Genf nach Berlin angetreten. Zur Verabschiedung hatten sich der deutsche Untergene­ralsekretär Dufor-Feroboe. Generalkonsul Asch­mann und eine Reihe von deutschen Pressevertre­tern am Bahnhof eingefunden.

In der Schlußsitzung des Rates, die die Ver­tagung der Angelegenheit des griechischen Kreuzers „Salamis" auf die nächste Session des Rates im Dezember brachte, wies der deutsche Gesandte Göppert, der anstelle des Reichsministers Dr. Stresemann in der Schlußsitzung Deutschland im Rate vertrat, die vom rumänischen Außenmimster Titulescu vertretene Auffassung zurück, daß der Rat als Nachfolger der Botschafterkonferenz nicht nur das Investigationsrecht, sondern auch das Recht auf die Auslegung der dazu gehörenden Bestimmungen habe. Er betonte, daß der Artikel 213 dem Rat fein anderes Recht gibt, als das der Investigation, das heißt, das Recht zur Festster- lung, ob ein umstrittener Sachverhalt tatsächlich ge­geben ist ober nicht.

Der Brüsseler Korrespondent des „Temps" berichtet, die belgische Regierung wartet den mündlichen Bericht de Brouckeres über feine am Montag stattgefundene Unterredung mit Strefe- mann ab. Erst dann werde die belgische Regie­rung sich dazu äußern, ob es opportun sei, eine Er­klärung, betreffend die Weigerung Deutschlands, ein gemeinsames Kommunique über den Verzicht auf Bildung einer Enquetekommission zu veröffentlichen, zu geben.

es u. a.: „Jeder Tag trägt dazu bei, die Beziehun­gen zwischen beiden Ländern zu bessern. Im Rhein­land keine Zwischenfälle mehr! Offenbar verlangt man in Deutschland die Räumung. Aber kann man sich ernstlich über diese Forderung wundern? Man hat in Frankreich den Eintritt der d e u t sch- nationalen Minister in das Kabinett gefürch­tet. Haben diese nationalistischen Staatsmänner gegen die Politik Stresemanns gehandelt? Haben sie nicht sogar ein Programm mit unterschrieben zum Verzicht auf jeden Reoanchegedanken? War es nicht in diesem Teil interessant, diese Entwicklung, oder zum mindesten diese Anpassung, gerade bet denjenigen feststellen zu können, die bisher als un­sere unversöhnlichsten Feinde galten? Schwarzseher werden nicht müde, uns zu beunruhigen und zu entmutigen. Aber überlegen wir einmal genau: Die Deutschen haben ebensowenig Jnteresie wie wir daran, den Haß zu schüren."

Die Vesatzungsverminderung.

Aus Mainz meldet W. S. R.: Wie mir von zuverlässiger Seite erfahren, wird sich die noch in diesem Jahr stattfindende Truppenverminderungs­aktion für das englische Besatzungskontingent in der Weise auswirken, daß künftighin nur noch der rechtsrheinische Taunuskreis von englischen Truppen besetzt bleibt und in Bingen eine kleine Matrosenstation aufrecht erhalten wird. Die Eng­länder sollen bereit fein, Bingen und die zum eng­lischen Besetzungsgebiet gehörenden rheinischen Orte unter der Bedingung zu räumen, daß nicht die Franzosen an ihrer Stelle dorthin eine Be­satzung legen.

Gefährlicher Schieß-Fimmel.

Aus dem von der französischen Besatzung benutz­ten Truppenübungsplatz Grüneberg bei Trier ist am Samstag, den 21. September, von einer französischen Truppenabteilung mit kleinkalibrigen Granaten Scharfschießen veranstaltet wor- den. Dabei überflog ein Teil der Granaten die Weindomäne Avelsbach und schlug inner­halb der Domäne u. a. in unmittelbarer Nähe einer dort tätigen Abteilung von Domänenarbei­tern ein. Die Sprengstücke flogen bis dicht an die Arbeiter herein. Nur einem ganz besonderen Glücksfall ist es zu verdanken, daß dieser Schießerei feine Menschenleben zum Opfer gefallen sind, zu­mal da die Granaten über Zwei zur Domäne ge- hörenden und bewohnten Baracken hinwegqegan- gen sind, und auch die Schule der Kolome Avelsbach nur wenig außerhalb der Schußlinie liegt. Der Vorfall hat in der Bevölkerung mit Recht größte Beunruhigung hervorgerufen. Man empfindet es als unverantwortlich, daß in fried­lichen Gegenden ohne Ankündigung und Sichc- rungsmaßnahmen derartige lebensgefährliche Schießübungen abgehalten werden.

Vie Amnestie am 2. Oktober.

wtb. Berlin, 29. Sept. (Eig. Fu.ckm.). In einem Teil der Presse sind widersprechende Nach­richten über die bevorstehende Amnestie wiederge­geben. Wie den Blättern mitgeteilt wird, handelt es sich nicht um eine Vo 11amnestie, son- fcein um Einzelbegnadigungen. In Frage kommen nur Fälle, die vor Gerichten des R.iches -ur Aburteilung gelangt sind. Die Veröffent­lichung der zu Amnestierenden erfolgt noch recht­zeitig vor dem 2. Oktober.

*

In Wilmersdorf bei Berlin hat der deutschnatio­nale Führer, G r a f W e st a r p, zu deutschnationa­len Partei-Beamten gesprochen. Das „Berliner Tageblatt" behauptet, der Graf habe sich u. a. einen erheblichen Anteil an dem Zustandekommen der Hindenburg-Rede in Tannenburg zugesprochen. Weiterhin habe Westarp dazu aufgefordert, am 2. Oktober, dem 80. Geburtstage des Reichspräsi­denten v. Hindenburg, nur Schwarz-Weiß-Rot zu flaggen und außerdem den Tag als Werbetag für die D e u t f ch n a t i on a l e Partei zu be­nutzen. So könne man am 2. Oktober neue Mit­glieder dadurch gewinnen, daß man die Adressen von solchen Bewohnern feststellt, die schwarzweißrot flaggen und bisher nicht Mitglieder der deutschntl. Partei waren. Die Wahlparole für 1928 könne man noch nicht endgültig ausgeben, aber man müsse schon jetzt als eine der Parolen den Kampf für die Farben Schwarz-Weiß-Rot bezeichnen. Die Haupt­parole müsse der Kampf gegen die Sozialdemo­kratie in Preußen sein. Die Pressestelle der deutsch- nationalen Volkspartei stellt in Abrede, daß We­starp sich bezüglich der Hindenburgrede in obigem Sinn geäußert habe. Er habe sich gerade gegen die Versuche gewendet, die Rede des Reichspräsi­denten dadurch parteipolitisch zu entwerten, daß man sie auf deutschnationalen Einfluß zurückführt, während er andererseits die bekannte Tatsache der Zustimmung des Gesamtkabinetts besprochen habe. Ebenso sei es unrichtig, daß Graf Westarp dazu auf­gefordert haben foll, den 2. Oktober als Werbetag für die deutschnationale Partei zu benutzen.

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Wie den Blättern zufolge verlautet, dürfte es an­läßlich des bevorstehenden 80. Geburtstages des Reichspräsidenten v. Hindenburg zu einem fr red­lichen Ausgleich des Flaggenstreits zwischen dem Berliner Magistrat und den Berliner Hotels kommen. Als erstes Zeichen hierfür darf die Tat­sache angesehen werden, daß das Hotel Kaiserhof am Donnerstag auch die schwarzrotgoldene Reichs­fahne hissen wird und zwar aus Anlaß des Fest­essens, das der Internationale Verband der Fach­presse für die Reichs-, Staats- und städtischen Be­hörden veranstaltet. Kommunale Vertreter werden demzufolge an der Veranstaltung teilnehmen.

vor L"hn-ttämpsen.

Außer von einem Verkehrsstreik ist Berlin für eie bevorstehenden ersten Oktobertage auch von einem Streik im Gast wirte ge werbe be­droht. Der Konflikt im Berliner Gästwirtsgewerbe hat sich so zugespitzt, daß in den Kreisen der Ho- telanqestellten bereits alle Vorbereitungen für einen Streik getroffen worden sind. Drei vom Zentral- verband einberufene Versammlungen nahmen zur Lage Stellung und stimmten einmütig für die Vorbereitung zum Streik. Arn Samstag wird ein Schiedsgericht zusammentreten, das eine Beilegung der Lohndifferenzen versuchen soll.

Die Lohnforderungen der Reichsarbeiker.

Die am Tarifvertrag für die Arbeiter der Reichs­verwaltung beteiligten Organisationen haben vor einiger Zeit in einem an das Reichsfinanzministe­rium gerichteten Schreiben darum nachgesucht, den Reichsarbcitern ab 1. Oktober eine außertarif­liche Lohnzulage zu gewähren. Daraufhin sind jetzt den Organisationen zu einer hn Reichs­finanzministerium stattfindenden Verhandlung Ein­ladungen zugegangen, in denen laut „Vorwärts" gleichzeitig darauf hingewiesen wird, daß das Reichsfinanzministerium nicht in der Lage sei, eine allgemeine Lohnzulaqe zu gewähren, sondern sich darauf beschränken müsse, örtliche Lohn­ausgleiche vorzunehmen.

* Der preußische Staatsrat Der preuß. Staats­rat trat am Mittwoch nachmittag zu einem auf drei Tage berechneten Sitzungsabschnitt zusammen. In einer kürzeren Eröffnungssitzung wurde eine Reihe von Vorlagen ohne besondere Aussprache er­ledigt. Zugestimmt wurde u. a. der allgemeinen Verfügung des Justizministers über die Wahrneh­mung richterlicher Geschäfte durch die Beamten der Geschäftsstelle bei den Arbeitsgerichten. Der Mim- sterialbefchluß über die Verstaatlichung der Palizei- verwaltung München-Gladbach wurde zur Kennt­nis genommen. Die Kommunisten hatten Verwah­rung gegen die Verstaatlichung von Polizeiverwal- hingen eingelegt. Zum Schluß wurde noch einer Vorlage auf weitere Verlängerung des Polizei- kestengefetzes zugestimmt.

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