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ldaerZertung

Anzeiger für die Lkadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Jtr. 223

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. :-: Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Mittwoch, 28. September 1927.

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54.Zahrg.

PrillnH oon Gens nach Paris abgereist.

wtb. Genf, 27. Sept. (Eig. Funkm.) Der fran­zösische Außenminister Briand ist entgegen seinem ursprünglichen Plane bereits heute mit dem Mit- tagszuge nach Paris abgereist.

Vermutlich wird die deutsche Delegation Mittwoch nachmittag abreisen und Donnerstag in Berlin eintreffen. *

Reichsaußenminister Strefemann hatte im Laufe des Montags mehrere Besprechungen mit anderen Staatsmännern. In der Wandelhalle des Dölker- bundsgebäudes traf er mit Briand zusammen. Dr. Strefemann gab Briand ausführliche Aufklärung über die Situation, in der sich nach der Tannen- bergreds des Reichspräsidenten und seinem eigenen Interview die Kriegsschuldfrage befinde. Briand hat nach Kenntnisnahme dieser eingehenden Aus­künfte sein volles Verständnis für die Lage der Reichsregierung angesichts der vorgebrachten Tat­sachen ausgesprochen.

In Genfer Kreisen zeigt man sich über die aus Brüssel gemeldete Tatsache einigermaßen beruhigt, daß die offizielle belgische Presse die aggressi­ven Stellen der Rede des Ministerpräsidenten offenbar auf höheren Wink gestrichen hat.

*

Aus Zentrumskreisen in Berlin wird uns ge­schrieben-

Das Echo des Interviews, das Strefemann dem Matin" Mr Aufklärung der Aeußerungen Hin­denburgs bei der Einweihung des Tannenberg- Denkmals gegeben hat, ist außerordentlich kritisch. Daß Hindenburg an der Stelle seines groß- ten militärischen Erfolges und in seiner Eigenschaft als Feldherr das Bedürfnis empfand, vor der Welt feierlich zu bekräftigen, daß er und mit ihm das deutsche Volk mit reinen Händen in den Krieg zur Verteidigung der deutschen Heimat geMgen sind, war absolut zu begreifen und M billigen. Daß Strefemann diesen Aeußerungen Hindenburgs seinerseits eine Erklärung in der Eigenschaft Strese- manns als verantwortlicher Leiter der deutschen Außenpolitik erfolgte, machte naturgemäß den Vor­gang zu einer großen staatspoliftschen Akfton. Sicherlich gibt es auch nicht ein einziges W o r t in Strefemanns Interviews, das man nicht unterschreiben und billigen könnte. Und dennoch muß man die Frage auswerfen, ob gerade in die­sem Zeitpunkt und in dieser Form diese Aktion notwendig war.

Wie wenig reif die gegenwärtige Zeit noch Mr Erörterung der Kriegsschuldfrage ist, hat das E ch o das wir nunmehr hören, wieder einmal erwiesen. Wie sind schon seit langem an das schlimmste ge­wöhnt bei den sogenannten Sonntagsreden, die in Frankreich bei der Enthüllung von Kriegerdenk­mälern gehalten werden. Am letzten Sonntag sind es gleich drei solcher Denkmäler gewesen, die Mini­sterpräsident Poincare im Elsaß einweihte, jedes einzelne mit einer besonderen Rede. Hielt er sich selber auch noch etwas in seinen AeußemnHen Mrück, so schlugen der Iustizminister Barthou und der General H i r s ch a u er Töne an, die an die schlimmsten und fanatischsten Epochen hinter uns liegenden Zeit erinnern. Der französische General Hirschauer brachte es sogar fertig, die Hin- denburg-Rede und das Stresemann-Interview als ungeheuerlich schamlos" zu bezeichnen, von deut­schen Fälschungen zu sprechen und zu erklären, daß Frankreich nun erst recht Anlaß M Mißtrauen gegen Deutschland habe und infolgedessen militä­risch gesichert so stark wie möglich dastehen müße.

Dazu kam, daß bei der Einweihung eines Denk­mals für den schon 1912 verstorbenen, übrigens hervorragenden belgischen Staatsmannes Beernaert der belgische Ministerpräsident Iaspar eine Rede hielt, die geradezu als provokatorisch bezeichnet werden mußte. Ohne daß irgendwie eine Ver­bindung mit dem, wie gesagt, schon im Jahre 1912 verstorbenen Staatsmann Beernaert uni) dem im

1914 ausgebrochenen Krieg bestand, hat der belgische Ministerpräsident Aeußerungen gegenüber Deutschland gemacht, die in ihrer Ungeheuerlichkeit selbst von französischen Brandreden nicht übertrof­fen werden konnten. Er sprach dabei von den Verbrechen derer, diereinen Herzens" sind und der Invasion derermit den reinen Händen". Das zielt auf die Aeußeungen Hindenburgs, und stellt eine Belewrgung nicht nur Hindenburgs, sondern des deutschen Silkes dar.

Ueberall in der Politik kommt es auf den Er­folg an. Es gibt wohl niemanden in Deutschland, der nicht mit Hindenburg und Stre se- mann der gleichen Auffassung in dieser sogenann­ten Krieasschlildfrage wäre, soweit das deutsche Volk in Frage kommt. Aber die besten und wohl­gemeintesten Aktionen müssen verpuffen und oft in ihr Gegenteil umschlagen, wenn nicht der ge­eignete Boden für die Behandlung vorhanden ist. Die lebenden und noch mitbeteiligten Faktoren sind nun einmal Parteien und werden als solche niemals die volle Objekftvität und Gerechtigkeit dem Gegner gegenüber aufbringen. Rur ein un- parteiisches Gericht und ein unparteiischer Schieds­spruch könnte die Wahrheit erbringen, aber d«M ist die Zeit noch nicht fortgeschritten genug. In

den letzten Jahren haben wir freilich beobachten können, daß die Erkenntnis dieser Frage Fort­schritte gemacht hat und daß die Gesthichte ein der Wahrheit und Gerechtigkeit entsprechendes Ur­teil zu bilden beginnt. Und gerade in den uns feindlich gcgenüberstehenden Ländern ist diese Ent­wicklung irrt Fortschreiten begriffen. Eine Debatte in der jetzt wieder von französischer und belgischer Seite geführten Form wird die Dinge nicht ver­bessern, sondern noch verschärfen und wird zur Aufklärung nichts, aber auch rein garnichts beitra­gen, sondern .bas Mißtrauen und die Feindselig­keiten nur noch von neuem schärfen.

Mit Schmerz und Bedauern müssen wir im deutschen Volke wieder einmal erkennen, wie die beste Meinung und die besten Absichten von außen mißdeutet werden. Das deuffche Volk ist in den Krieg gezogen nicht nur zur Verteidigung seiner Existenz, sondern auch zur Verteidigung seiner Ehre! Den Kampf um seine Existenz, nicht min­der aber, ja erst recht den Kampf um seine Ehre wird das deutsche Volk auch weiterhin mit fried­lichen Mitteln führen, bis die volle und reine Wahrheit vor aller Welt fesffteht. Man möchte nur wünschen, daß in d i e s e m Kampf das deutsche Volk ebenso einig und geschlossen sein unb auf­trete würde, wie das in jenen ersten Kampfestagen der Fall war.

Immer weiter!

Poincarö hielt in Bar-le-Duc als Vorsitzen­der des Generalrates eine Rede, in der er u. a. erklärte:

Wir wollten den Frieden, aber wir wollten auch unsere Sicherheit. Wir hielten darauf, daß Frankreich in der Lage wäre, sich zu verteidi- Sen, wenn es angegriffen würde. Wir hielten arauf, daß es außerhalb Freunde und Ver­bündete habe. Keiner von uns hat vor 1914 eine andere Politik befolgt. Keiner von uns würde den schmählichen Mut gehabt haben, den Krieg zu erllären oder ihn zu provozieren. Als er uns aufgezwungen wurde, haben wir aus vollem Herzen einen Krieg gewünscht, der nicht nur den Feind zurücktriebe, sondern auch Frankreich in seiner terri­torialen Integrität wieder herstellte und ihm mit der Wiedergutmachung seiner Schulden eine volle Sicherheit gewährleiste."

Die französische Linke und Barthou.

DerSoir", ein Blatt der Linken, schreibt zur Rede Barthous: Barthou, der Beginn der natio­nalistischen Kampagne, die in Frankreich dem Kriege vorausging, zur Stelle war, ist von der nationalen Einigung beauftragt worden, die Pole­mik mit Deutschland über die aufreizende Frage der Kriegsverantwortlichkeit zu vergiften. Man arbeitet gegen die deutsch-französische Annäherung, die eine unerläßliche Bedingung des Friedens ist, wenn man, wie dies Barthou getan habe, erklärt, daß Frankreich nach den Grausamkeiten, denen es zum Opfer gefallen ist, feine Toten nicht entehren lassen werde. Mögen doch die Auguren, die nur von der V e r g a n g e n h e i t leben, so schreibt das Blatt, vom Forum zurücktreten, mögen sie nicht durch ihre unaufhörlichen Anschuldigungen den Willen der beiden Völker, die die Versöhnung und den Frieden wünschen, ablenken.

Desserungvzeichen.

Bei einer Veranstaltung, an der Kriegsmim- fter Painleve teilnahm, würbe für großzügige Be­teiligung Frankreichs an derPresia" in Köln eingetreten.

Auf der Dritten Internationalen Konferenz für Psychische Forschung, die in der Sorbonne in Paris eröffnet wurde, sprach als zweiter Redner Prof. Dr. Driesch-Leipzig überBiologie und Meta­physik".

(Ein Urteil aus Amerika.

Die Baltimore Sun in Washington sagt in einem Leitartikel: Wäre die Rede Stresemanns in Genf, in der er bald für eine baldige Abrüstung eintritt, eine vereinzelte Kundgebung, so könnten Zweifler behaupten, daß das ein schlauer Trick Deutschlands sei, das Mr Einschränkung seiner Mstungen gezwungen wurde und nun seine Nach­barn veranlassen will, gleichfalls die Rüstungen zu vermindern. Aber wenn man Stresemanns Aus­führungen feit Deutschlands Eintritt in den Völker­bund in ihrer Gesamtheit betrachtet, zeigt sich klar die Aufrichtigkeit Deutschlands, das Stresemanns Genie zur führenden Natton in Genf gemacht hat. Ein Beweis dieser Aufrichtigkeit ist die Un­terzeichnung der Schiedsklausel, durch die sich Deuffchland in allen Fragen, auch in Bezug auf den Versailler Derttag, der Gerichtsbar­keit des Weltgerichtshofes unter­wirft. Ein weiterer Beweis ist die Präambel des fünften Teils des Friedensvertrages, der Deutsch­land das Recht gibt, feine Rüstungen zu vermeß- ren, falls die Nachbarn nicht gleichfalls abrüften. Statt dessen plädierte Strefemann für eine Ver­minderung der Mstungen und bezeugt dadurch den wahren Friedenswillen Deutschlands.

Die politische Lage.

Daß der Verlauf des deutschnationalen Partei­tages ein weitergehendes politisches Interesse fin­den mußte, liegt in den gegenwärtigen parlamen­tarischen Verhältnissen begründet. Die Deutsch- nationalen repräsentieren die stärkste Regie­rungspartei. Die Umstände, unter denen die Deutschnationalen in die Regierung kamen, sind noch in aller Gedächtnis. Ueberdies sind sie ja auch durch die Presseerörterungen der letzten Tage Über die sogenanntenRichtlinien" wieder in aller Gedächtnis zurückgerufen worden. Dabei haben sich Erörterungen abgespielt, die erkennen ließen, daß die grundsätzlichen Fragen heute noch ebenso bestritten sind, wie damals, als die Regie­rung gebildet wurde. Die Deutschnationalen waren aber klug genug, gerade auf dem diesmaligen Par­teitag es um dieser grundsätzlichen Ziele willen nicht zum Bruch kommen zu lassen. Ihr Bemühen, diese Ziele mit der Gegenwartspolitik in Einklang zu bringen, war offensichtlich.

Niemand verübelt es den Deutschnattonalen, wenn sie mit legalen Mitteln ihre Auffassun­gen über die Monarchie zur Geltung zu bringen suchen. Aber andererseits muß naturgemäß von einer Regierungspartei verlangt werden, daß sie, umsomehr, da sie das ausdrücklich versprochen hat, die gegebene Staatsform achtet und ihr auf Grund der gegebenen Verfassung gerecht wird.

Während so manches nach dieser Richtung hin auf dem deutschnationalen Parteitag, entgegen und unter betonter Abwehr verschiedener deutschnatio­naler Presieäußerungen der letzten Zeit, gutgemacht wurde, ist nun ober der ganze Eindruck dadurch wieder in Frage gestellt worden, daß Graf Westarp in seiner Schlußrede von derwesensfrem­den" Staatsform sprach und als Ziel der deutsch- nationalen Politik dieBefreiung" von dieserwe­sensfremden" Staatsform proklamierte. Dieses Wort wäre bester nicht gesprochen worden, denn all das Mißtrauen, das nun einmal auf Grund der immer wiederkehrenden Erörterungen über diese Dinge sich eingeniftet hat, wird und muß nun wie­der lebendig werden. Man fragt sich auch, wie die Deuffchnationalen es mit politischer Grundsatz­festigkeit vereinbaren können, einewesensfremde" Staatsform anzuerkennen und für den Schutz die­serwesensfremden" Staatsform sich ausdrücklich noch zu verpflichten. Und das ist doch geschehen in denRichtlinien", auf die sich die Deutschnationa­len bei Eintritt in die Regierung feierlich verpflich­tet haben. Daran läßt sich nicht rütteln und nicht deuteln.

Wenn es nun in der deutschnationalen Presse und insbesondere in derKreuzzeitung" so dar­gestellt wird, als beharre die Zentrumspreste eigensinnig" auf ihrem Standpunkt, so ist das wie­der eine vollständige Verdrehung der wirklichen Sachlage. Nicht das Zentrum hat den Streit dieKreuzzeitung" nennt es einenFederkrieg" um dieRichtlinien" angefangen, sondern die deutschnationale Presse unter Führung derKreuz­zeitung" selbst ist es gewesen, die verächtlich und höhnisch über dieseRichtlinien" sich äußerte und entgegen den eingegangenen Verpflichtungen der Deutschnattonalen die Symbole des neuen Staates herabsetzte unb beschimpfte. Dagegen haben wir uns gewehrt, das war unsere Pflicht, es war fein Eigensinn, es war Ausdruck des Bewußtseins der Verantwortung, die wir dem Staate unb dem Volke gegenüber haben.

Es ist in diesem Zusammenhänge übrigens be­merkenswert, was derBayerische Kurier" (Nr. 266) über die deutschnationale Politik sagt. Es heißt da:

Nach dem geltenden Koalitionsprogramm sollen Verfassungsänderungen nur im Einvernehmen mit den übrigen Koalitionsparteien in Angriff genom- me und verfolgt werden. Daraus ergeben sich auch für die agitatorische Vorbereitung einzelner Ver- faflungsänderungenBindungen", deren Anerken­nung man auch in der Rede Westarps vergeblich sucht."

Gerade diese Aeußerung sollte doch den Deutsch- itationalen zu denken geben. Irn übrigen wollen vir gerne zugeben, daß die Führung der deutschnattonalen Volkspartei bemüht ist, die Schwierigkeiten, die sich durch die Erörterungen her deutschnattonalen Presse in der letzten Zett für den Bestand der Koalition selbst ergeben haben, abzumildern. Das genügt aber nicht, wir werden autoritative Erklärungen darüber noch zu fordern haben.

Im übrigen ist die gegenwärtige innenpolitische Lage gekennzeichnet durch den Stand der Verhand­lungen über das Reichsschulgesetz. Eine außerordentlich bemerkenswerte Tatsache ist da­durch gegeben, daß die preußische Regierung, in der die Linke, insbesondere die Sozialdemokraten einen überaus maßgebenden Einfluß haben, nicht ankommen lassen wird und will. Die Abänderungs­vorschläge selbst entsprechen in vielen Punkten sicherlich nicht unseren Meinungen und Auffassun­gen über diese Dinge, aber wir werden uns in Toleranz über die entgegenstehenden Meinun- k " "useinanderzusetzen haben.

Die Stellungnahme der preußischen Regierung Mm Reichsschulgesetz dürfte nun aber der Sozial­demokratie selbst, wie der Linken überhaupt, hin­sichtlich der Agitation gegen dieses Gesetz eine be­deutsame Lehre sein. Es hat eine Zeit gegeben, in der die Verhandlungen wegen eines Reichs­schulgesetzes mit der Linken ziemlich weit gediehen waren. Heute in der Opposition und Agi­tation wird in der Linken viel von dem verleug­net. was sie damals auf dem Kompromißwege zu- iugevk» bereit waren. Wenn in diesen zweifellos

außerordentlich wichtigen grundsätzlichen kultur­politischen Fragen eine Kompromißmöglichkeit der Linken zum mindesten nicht fabotiert wird, dürfte die innerpolitische Situation eine wesentliche Be­ruhigung erfahren. Ein derartiges Verhalten der Linken würde im übrigen auch ungemein erziehe­risch gerade auf jene Gruppe innerhalb der Deut­schen Volksvartei wirken, die auch heute noch glaubt, nach dem Muster eines alten, in kulturpolitischen Dingen kämpferisch eingestellten Liberalismus in diesen Fragen vorgehen M können,

harter Wahlkamps in Danzig.

Aus Danzig wird gemeldet: In einer Watz- versammlung der Mttelstandspartei gab es einen Zusammenstoß mH Nationalsozialisten, die sich un- ter der Führung des Abg. Hohnfeld eingefunden hatten und die Versammlung störten. Die Natio­nalsozialisten bewarfen die Versammlungsteilnehmer mit Steinen. Ein Nativnalfozailst schüttete sogar eine Flasche mit Salzsäure in den Saal. Don der Polizei wurden vier Nationalsozialisten testgenommen, darunter auch der Ab» Hohnfeld.

Die mMSnjche Lage in China.

Havas meldet aus Schanghai, die militärisch Lage sei gegenwärtig unverändert. 50 006 Mann in Nanking und 20 000 Mann am Nordufer des Jangtse seien wegen völligem Mangel an Geld, Munition und Wintergetreide lahmgelegt. Die chinesischen örtlichen Bänken lehnten aus Wider­willen gegen das herrschende Regime jeden neuen Vorschuß ab. Borodin halte sich gegenwärtig m Sianfu auf, wo er General Feng-yu-stang berate. Der russische General Sälen habe sich in das chine­sische Büro für auswärtige Angelegenheiten in der Umgegend von Schanghai geflüchtet. 15 000 kom­munistische Soldaten aus der Provinz Jangtse seien in Swatau eingetroffen. Infolgedessen herrscht dort eine Art Terror. Eine Anzahl chinesischer Un­tertanen sei festgenommen ober erschossen worden. 60 Mann der Besatzung eines japanischen Torpedo­bootszerstörers hätten gelandet werden müssen, um das japanische Konsulat und die japanischen Ban, ken zu schützen. ___________

Die Veröffentlichung der Besoldungsvorlage. Zu der Frage, wann die Besoldungsvorlage ver­öffentlicht wird, wird den Blättern mitgeteilt, daß der Reichsfinanzminister sich vom Reichsrat die Genehmigung zur früheren Veröffentli- chung der Vorlage geben lassen will.

Die Besoidungsreform in Preußen. Montag abend waren die Vertreter der preußischen Beam- tenverbände bei Finanzminister Höpker-Aschoff zu Besprechungen über Einzelheiten der preußischen Besoldungsvorlage. Im wesentlichen handelte es sich dabei um die Einstufungen. Wie derLokal­anzeiger" erfahrt, wird sich das preußische Staats­ministerium erst am Donnerstag mit der Besol­dungsordnung entscheidend beschäftigen.

Minister Dr. Noch spricht.

Vor den evangelischen Arbeitervereinen tu Gleiwitz sprach am Montag abend Reichsver­kehrsminister Dr. Koch. Er beleuchtete die gegen­wärtige politische und wirtschaftliche Sage und wandte sich dann gegen den Marxismus und dessen Auswirkungen.

An der Tributleistung Deutschlands an das Aus­land, jo führte der Minister etwa aus, und an der Tatsache, daß immer noch fremde Truppen in deutschem Gebiete stehen, ist zu erkennen, daß noch viele Schlacken der letzten Vergangenheit wegzu- räumen sind, um den Weg freizuhalten für den Aufbau in Deutschland. Derjenige, der sich zum «lassenk am pf und Kl assen haß bekennt, hat das Recht verwirkt, von einem nationalen Staat zu reden, denn dieser umfaßt alle Stände und alle Schichten. Die evangelischen Arbeiter­vereine sind sich darüber klar, daß Gegensätze zwi­schen Arbeitnehmern und Arbeitgebern bestehen, die schwer überbrückbar sind. Aber sie sagen sich, daß in diesem Kampfe das Bewußtsein vorhanden fein muß, daß beide zueinander gehören als Deutsche und als Menschen. Der Marxismus hat bewiesen, daß er nicht imstande ist, aus der Not her­auszuführen. Durch die Forderung der schnellen und durchgreifenden Nationalisierung hat er ein Erwerbslosenheer geschaffen. Er hat ver- «esten, daß in den Produktionsprozeß auch der Mensch gehört. Sozialpolitik kann nicht ohne Staats- und insbesondere nicht ohne Wirtschafts- pefitit betrachtet werden. Sie kann auch nicht ohne Rücksicht auf die finanziellen Verpflichtungen Deutschlands betrieben werden. Die evangelischen Arbeitervereine sind zusammengeschlosten in einer großen Idee: Versöhnlichkeiten müssen geschaf­fen werden und jeder hat seine Pflicht als Staats­bürger zu erfüllen.

* Luxemburgs Unabhängigkeit. Nach in Luxem­burg vorliegenden Meldungen werden zwischen Bel­gien und Luxemburg und Frankreich und Luxem­burg in den nächsten Wochen Schiedsverträge unterzeichnet, welche zusammen mit dem Völker­bundspakt und ähnlichen Abkommen mit Deutsch­land Luxemburgs Unabhängigkeit garantieren sol­len.

Freie" Gewerkschaften

und Christentum.

Die freien Gewerkschaften betonen, wenn sie auf den Mitgliederfang in christlichen Arbeitnehmer-- kreisen ausgehen, bekanntlich ihre religiöse Neutralität. Die parteipolitische Neu­tralität, die sie früher ebenfalls verkündeten, halten sie heute allerdings weder theoretisch noch praktisch mehr aufrecht. Sie empfehlen ihren Mitgliedern klipp und klar sich parteipolitisch nur in den s o- z i a l i st i s ch e n Parteien zu organisieren und zu betätigen. Einzelne Zentralverbände der freien Ge­werkschaften sind bereits dazu übergegangen, die Mitglieder, die eventuell noch nationalen Verbän­den angehören, glatt vor die Wahl zu stellen, ent­weder aus der freien Gewerkschaft oder aus den nationalen Verbänden auszutreten. Der letzte Kie­ler sozialdemokratische Parteitag hat sich u. a. auch mit der Gewinnung der christlichen Arbeiter für die sozialdemokratische Partei und für die mit ihr Inerten freien Gewerkschaften beschäftigt und dabei empfohlen, ans taktischen Gründen die religiösen Grunde der christlichen Arbeiter möglichst zu scho­nen. Aber ebensowenig, wie die Katze das Mausen lasten kann, können die freien (lies sozialdemokra­tischen) Gewerkschaften die Verächtlichmachung der christlichen Religion und Kirchen unterdrücken. Das zeigt ihr neuerliches Dorgehen bei der Verbreitung