Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Zeitung

1

Sonntag, 25. September 1927.

Rund um die Woche

Raum ohne Volk. — Vom deutschen Bauer. — Das kommende Beben.

ligion.

e

SW *5*

L

's

jr

3.

il

n.

n

e

;b

Segen ausging.

S).

Es blieb mir nur

in dem Moment,

keiner

erwachen?

i

>

Wie

r

Z

tr n

der Neger Gespräches Felsen ge-

Es viel

*r

>r

n

1

oer» Re»

ib u n

schneller zu deiner Kranken zurückkommst, alt ist sie?"

sich bewegte und daß während des ganzen alle schliefen: die einen das Haupt an den stützt, die anderen mit gesenkten Köpfen.

„Sie schlafen und werden nicht mehr fragte er, als könnte er es nicht fassen.

Und Linde meinte:

„Eine Totenkammer ist dieses Afrika."

die vorher den Blattern erlegen sind.

dieser Bursche übrig."

Jetzt erst fiel es Stasch auf, daß als er in die Schlucht herunterglitt,

Petersberg verbliebenen Liobareliquien zu sehen sind.

Mögen wie in früheren Jahren, so auch in die­sen Tagen recht viele Gläubige die Gnadenstätte be­suchen, von der aus jahrhundertelang so reicher

Doch die weiteren Worte unterbrach das Getrappel der Pferde, welche vor etwas im Dschungel erschraken, mit ihren gefesselten Füßen dem Felsen zusprangen, um den Menschen und dem Licht näher zu sein.

„Das bedeutet nichts, es find nur die Pferde", fuhr der Schweizer wieder fort. „Ich nahm sie den Mahdisten ab, die ich vor einigen Wochen besiegt habe. Es waren ihrer dreißig, vielleicht auch mehr. Aber sie hatten mei­stens nur Speere, während meine Leute mit Remington- gewehren versehen waren. Die stehen jetzt unbenützt da: wenn es dir an Waffen oder Pulver mangelt, dann nimm, so viel du willst. Nimm auch ein Pferd, damit du

r-

-r

a) y

=

I ■

..Acht Jahre," versetzte Stasch.

„Das ist ja noch ein Kind! Nasibu wird dir für sie Tee, Reis, Kaffee und Wein geben. — Nimm dir von den Vorräten ,was du willst, und hole dir morgen wie­der neue . . ."

„Ich komme wieder, um Ihnen nochmals von gan­zem Herzen zu danken und, so weit ich kann, auch zu Helsen."

Und Linde sagte;

hierher und legten sie in den leeren Steknsarg, da­mit sie auf die Fürbitte der hl. Lioba hin wieder gesunden möchten.

Seid 1907 steht der Sarg erhöht am Ostende des Altars, mit einem schmiedeisernen Deckel verschlos­sen, durch dessen vergittertes Fensterlein die dem

jener Rauch kam, ich hätte mir das mein ganzes Leben hindurch nicht verzeihen können."

Rach Verlauf einer kleinen Stunde wurde das Rau­schen des Wasserfalles ganz deutlich, und aus dem Qua­ken der Frösche entnahm er, daß er nahe dem Gestein war, auf dem er tags vorher Waflervögel geschossen. Beim Mondschein unterschied er sogar die darüber em­porragenden Bäume. Jetzt hieß es wachsam sein, denn das überflutete Gebiet war gleichzeittg eine Tränke für alle Tiere der Umgebung; die Flußufer waren nämlich sonst steil und unzugänglich. Aber es war schon spät und die Raubtiere verbargen sich samt der nachts errungenen Beute allem Anschein nach bereits in den Felsenhöhlen. Das Pferd wieherte ein wenig, als es die frischen Spu­ren von Löwen oder Panthern witterte, aber Stasch kam glücklich vorüber und sah bald auf der hohen Landzunge die schwarze Silhouette von „Krakau". Zum erftenmti empfand er in Afrika das Gefühl, nach Hause zurückzu- kehren.

Er dachte alle schlafend zu finden, aber er rechnete nicht mit Saba, deflen Bellen Tote hätte erwecken kön­nen. Gleichzeittg erschien auch Kali vor dem Baum und rief:

„Bwana Kuba zu Pferde!"

Aus seiner Sttmme erklang mehr Freude als Stau« nen, denn er glaubte so sehr an Stasch Macht, daß er sich nicht gewundert hätte, wenn dieser ein Pferd aus dem Nichts erschaffen hätte.

Aber da die Freude sich bei den Negern durch La­chen offenbart, so schlug er sich an die Hüften und lachte wie toll.

„Fehle da» Pferd," sagte Stasch, „nimm die Vor­räte, mache Feuer und laste Wasser sieden!"

Dann betrat er den Daum. Nel erwachte und rief ihn zu sich. Stasch schlug die Leinwand zurück und sah beim Lampenschein ihr blastes Antlltz und die weißen, mageren Händchen, die auf dem Plaid, mit dem sie zu­gedeckt war, ruhten.

„Wie fühlst du dich, Kleine?" fragte er heiter.

„Gut, und ich habe fest geschlafen, bis Saba mich ausgeweckt hat. Aber warum schläfst du nicht?"

(Fortjetzung folgt). /

Hans Grimm hatte mit seinem bekannten No- man den Titel „Volk ohne Raum" recht volkstüm­lich gemacht. Mit Recht aber hat man dagegen« gestellt ein anderes Wort, nämlich „Raum ohne Volk". Nicht irgendwo in Afrika oder in Asien liegt das dringlichste deutsche Kolonialproblem, es liegt vielmehr im deutschen Osten. Obwohl die Ziffern oft genannt werden, weiß man sie doch nicht genügend. Man weiß nicht, daß im Rittergutsland von Mecklenburg kaum mehr Menschen auf einen Quadratkilometer kommen, als in den Eissteppen Sibiriens. (Damaschke.) Man weiß auch nicht, daß jenseits der Oder, wie Dr. Köbisch neulich zeigte, „eine katastrophale Flucht aus den Landgemeinden" noch immer anhält. Es gibt auch in Schlesien weite Räume, die menschenleer sind. Besonders ist die­ses der Fall in Ostpreußen, wo in manchen Guts­bezirken die Zahl der Bevölkerung auf 4—12 Men­schen pro Quadratkilometer herabsinkt. Willst du Land erobern, kühner Deutscher, dann geh in den eigenen Osten und sorg, daß in das Schneckentempo der Besiedlung ein wenig Feuer kommt. Wozu in die Ferne schweifen, liegt das Gute doch so nah.

Man kann durchaus überzeugt sein von der Notwendigkeit des Großgrundbesitzes und seiner Rentabilität für das Volksganze, und dennoch muß man gestehen, daß es da Grenzen gibt und daß nicht ein Fünftel der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in den Händen von Wenigen zu sein braucht. Den 18 000 Großgrundbesitzern stehen in Deutschland über 4% Millionen mittlere und kleine Betriebe gegenüber. Das Wort Siedlung ist nun ja schnell ausgesprochen und hört sich leicht an. Tatsächlich ist es nicht nur ein technisch in jeder Hinsicht schwieriges Problem, sondern es verlangt auch Opfergeist von allen Seiten, vom Staat und von den Siedlern. Wenn oft genug gesagt wird, es liege das deutsche Schicksal am Rhein, so ist das im Grunde nicht richtig. Im Osten vielmehr ent­scheidet sich die Zukunft, und wir werden zu einem Zwergvolk werden, wenn es nicht gelingt, den uns dort zugehörenden Boden mit deutschen Bauern zu bevölkern. Es ist das nicht nur eine Frage der Volkszahl, sondern vor allem auch eine der Volks- Qualität

Wunderschönes ist über den Bauernstand gesagt worden anläßlich des großen deutschen Bauerntages in München, teils auch gelegentlich der landwirt­schaftlichen Ausstellung in Trier. Unser deutsches Volk ist erst spät in die Industrie gegangen und zeigt noch in manchen Industriestädten, wie zum Beispiel in Essen, deutlich den Uebergang der einen Zeit in die andere. Wenn dort ein besonders ru­higer und vernünftiger Arbeiterstand zu finden ist, dann kommt das daher, daß in ihm das Sauern» blut und die Bauernart noch lebendig sind. Wo Ar­beiter auch nur in geringem Ausmaß Anteil am eigenen Boden haben, da haben Sozialismus und Kommunismus ausgespielt. Im Bauernstand herr­schen auch noch gesundere soziale Verhältnisse über­haupt. Nicht, als ob es nicht auf dem Lande Elend genug gäbe. Die deutsche Scholle ist hart und gibt ihre Schätze nicht umsonst. Die Wohnungsverhält­nisse spotten auch auf dem Lande oft aller Beschrei­bung. Mit der Gesundheit steht es infolgedessen auch nicht glänzend, und es müssen die Frauen oft viel zu viel arbeiten. Tuberkulose ist zweifellos auf dem Lande verbreiteter als in mancher Stadt. Und doch sind das Dinge, die man an und für sich leicht abstellen könnte, und die jedenfalls nicht ver­hindern, daß die soziale Struktur der Landbevölke­rung besser ist als in der Industrie. Das kommt vor allem daher, daß auf dem Lande sich alles noch mehr um die Familie gruppiert und daß sie die Keimzelle aller weiteren sozialen Einrichtungen im Großen und Ganzen doch noch geblieben ist. Recht und Liebe können sich da noch leichter die Hand reichen, zumal wenn das Christentum tiefer in die Herzen eindringt. Der Mensch, der an der Scholle haftet, bleibt auch innerlich solider, als der frei*

„Es ist gut, wenigstens ein europäisches Gesicht zu sehen. Wenn du früher kommst, werde ich noch bei Dot­ier Besinnung sein. Jetzt packt mich wieder das Fieber, denn ich sehe dich doppelt. Stehen zwei neben mir? Nein! Ich weiß, daß du allein bist und daß es nur das Fieber ist. Ach dieses Afrika!" ; a

Und er schloß die Augen.

Eine Viertelstunde später kehrte Stasch aus diesem Lager des Schlafes und des Todes zurück, aber diesmal zu Pferde. Es war noch tiefe Nacht, aber er achtete keine Gefahr mehr, die ihm im hohen Gras begegnen önnte. Er hielt sich nahe am Fluß in der Annahme, daß die Schluchten in entgegengesetzter Richtung münden mühten. Die Rückkehr war auch bedeutend leichter, denn in der nächtlichen Stille vernahm man das Rauschen des Wasserfalles und auf der westlichen Himmelsseite stoben die Wolken auseinander, und außer dem Mond schien auch das Licht der Tierkreisgestirne. Der Knabe stach das Pferd mit den Spitzen der breiten arabischen Steig­bügel in die Flanken und galoppierte verwegen über Stock und Stein, im Geiste wiederholend: „Was sind Löwen und Panther! Ich habe Chinin für meine Kleine." Und jeden Moment griff er nach den Tiegeln, um sich zu vergewissern, daß er sie noch besitze und sein Erlebnis kein Traum gewesen. Verschiedene Bilder und Gedanken zogen ihm durch den Sinn. Er sah den ver­wundeten Schweizer, für den er eine tiefe Dankbarkeit empfand und den er um so wärmer bemitleidete, als er ihn anfangs für einen Wahnsinnigen hielt. Er sah den kleinen Nasibu mit dem kugelförmigen Schädel und die Reihen der schlafenden „Pagazi" und die an den Felsen gelehnten Remingtonläufe, die im Schein des Feuers blinkten. Er war beinahe sicher, daß das Gefecht, das Linde erwähnt, mit Smains Abteilung stattgefunden hatte, und der Gedanke, daß Smain vielleicht nicht mehr am Leben fei, berührte ihn eigentümlich.

Diese Träumereien verwirrten sich mit dem unaufhör­lichen Gedanken an Nel.

Er stellte sich vor, wie sie beim Anblick der großen Chinindose erstaunen und ihn gar für einen Zauberer halten werde. „Ach," sagte er sich, „wenn ich aus Feig- hrit nicht hingegangen wäre, mich zu überzeugen, woher

„Es ist das Lager des Todes.

„Und diese Neger?"

„Diese Neger schlafen und werden nicht wieder er­wachen."

„Ich verstehe Sie nicht."

„Sie haben die Schlafkrankheit. Diese Leute sind aus der Gegend der großen Seen, wo diese gräßliche Krank­heit herrscht, und sie verfielen ihr alle, bis auf diejenigen,

2. Statt

Druck der Fuldaer AcNendruckerei, Fulda

Tagungen.

--- 3. Kongreß für alkoholfreie Jugenderziehung. Im November d. I. wird in Berlin der 3. Kongreß für alkoholfreie Jugenderziehung stattfinden. Der erste Kon­greß dieser Art wurde 1913 in Berlin abgehalten, der zweite ebenfalls dort im Jahre 1922.

Wir wollen auch nicht zu romantisch sehen, kann auch in einem bäuerlichen Kirchenstuhl Hartherzigkeit, Unversöhnlichkeit und Pharisäertum sitzen, und es kann das Mein und Dein so starr wer­den wie der Stein, der an der Markgrenze steht.

MONOPOL

KM1Ö75*

zügige. Die Natur ist ja unmittelbarer Ausdruck von Gottes Schöpferkraft, und sich mit ihr binden, das verbindet zugleich mit Gott und

s.

8

Aber es ist da etwas in der Tiefe beim Bauern, das frei ist und stolz und herrlich. Und wo sich dieses vereint mit der Liebe und der Sanftmut des Evangeliums, da kommt eine prachtvolle Mischung heraus. Ich glaube, daß man auch der Seelsorge auf dem Lande im allgemeinen noch lange nicht die genügende Sorgfalt widmet. Es ist doch so, daß uns die Großstädte auf die Dauer nicht viel schaden können, weil ihre Bevölkerung immer am Sterben ist und bald einen einzigen Friedhof zurücklassen würde, wenn nicht immer frisches Blut aus dem Lande zugeführt würde. Ist aber der Zugang aus dem Lande wirklich religiös und auch soweit ge­bildet, daß er nicht gleich auf jeden Leim in der Stadt hereinfällt, so können auf diese Weise unsere Großstädte am ehesten dem Christentum zurück­gewonnen werden. Andererseits besteht eine Hoff­nung, daß diese Landflucht doch nach und nach zu­rückgedämmt wird. Ferngas und Stromübertra­gung werden es der Industrie ermöglichen, die Leute in den Dörfern zu lassen, und es gibt her­vorragende Volkswirte, die hier ziemlich rosig sehen.

Nun habe ich das Land gepriesen und wollte gerade abschließen mit einem Hymnus auf die Mut­ter Erde. Aber das fällt mir nun doch schwer, denn Mütterchen Erde scheint schwer erzürnt oder liegt in schmerzlichen Geburtswehen. Solange die Erdbeben und die Seebeben im fernen Osten waren, haben sie mich wenig beunruhigt. Jetzt aber kom­men sie in bedrohliche Nähe. Im Geiste sehe ich die Feuersäulen, die unheimlich über das Schwarze Meer geleuchtet haben. Einzelne Stöße gab es auch schon in Konstantinopel und in Wien sogar. Die Geologen sprechen davon, daß ein gewisses Fort­schreiten der Erdhebenbewegung zu spüren sei, und wenn sie miet) meinen, unsere Hauptstädte lägen in jedem Falle zu weit vom Strich, so frage ich mich, woher sie das so genau wissen können. Nach all der Beschäftigung mit astralen Dingen bin ich in etwa ein kosmischer und tellurischer Mensch gewor­den und wittere die Dinge wie das Kamel den Wü- stensturm. Da ich Leute in der Nachbarschaft habe, die mir an Witterung noch über sind, so halte ich gute Frenudschaft mit ihnen. Es gibt ja Menschen, die wenigstens drei Tage vorher genau wissen, daß ein Erdbeben kommt. Ich meine nicht Spiritisten und sonstige Propheten, die immer nur Dumm­heiten prophezeien, niemals aber eine ernste Sache, bei der einem das Haus über dem Kopf Zusammen­stürzen kann. Nein, es handelt sich um Propheten, bei denen es sozusagen reell zugeht. Die Erde mim- lich sendet vor einem Beben gewisse Strahlen aus, die sich wohl mit Wasserstoff verbinden und die jedenfalls sichtbar sind als feiner Nebel. Mit denen also halte ich mich gut, damit sie mir rechtzeitig Be­scheid sagen. Aber das muß ich schon sagen, daß mir kommende Schrecken bereits im Gemüte liegen, und ich bin infolgedessen schon ganz fromm ge­worden. Es ist doch gut, für alle Fälle wenigstens. Vielleicht versöhne ich dadurch noch die Mutter Erde, die wahrscheinlich satt ist, so verkommene Kinder, wie es die heutigen Nationen sind, so unchristliche und mißratene Söhne noch länger durch den Wel- tenraum zu schaukeln. Abends lege ich das Ohr an die Erde, ob es schon kommt, wie ein D-Zug, den man donnernd anrollen hört. Es tut sich was um im Universum, und es donnert der Gott von Sinai und zeigt, daß er noch da ist. ... Du um das goldene Kalb tanzende Menschheit, nimm dich

I in Acht.... Der Alarm im Monde.

Hm Grabe der heiligen €ioba. ^rsmncrung an ihren Todestag, den 28. Sep­tember 780.

Wenn die bunten Herbstbäume ihre huschenden Schatten auf die Erde werfen und die ozonreine Luft die Bergkette der Rhön klarer als sonst er­scheinen läßt, dann sind die Tage gekommen, in de­nen wieder glaubensfrohe Waller die Kultstätte der hl. Lioba, den mit seiner malerischen, altersgrauen Kirche gekrönten Petersberg, so eifrig aufsuchen. f)at der fromme Pilger den Berggipfel erklommen. M ihn das wunderbare Panorama, das in einem Kreis rund sich um ihn auftut, feine Sinne befan­gen und stimmt feine Seele klar, daß sie ganz in -er Erhabenheit schöpferischer Gottesgröße aufgeht. So durch die Naturschönheit wie von selbst auf den Höchsten eingestellt, umhaucht ihn heiliger Obern, toenn er das Gotteshaus betritt, das durch feine Fülle altchristlicher Kunst so tief und nachhaltig auf seine Seele wirkt. Karolingische, romanische und gotische Beiteile hüten Altäre und Zierstücke der Renaissance, des Barock und des Rokoko, die uns durch alle Jahrhunderte des germanischen Christen­tums begleiten und von erhabener Glaubensfreude und überstandenem Leid so eindringlich zu berich­ten wissen.

Uralte Steinbilder aus dem 9., 11. und 12. Jahrhundert grüßen den Altertums- und Kunst­freund als Zeugen weit hinter uns liegender Glau­bensgröße. St. Bonifatius, Pipin und Karlmann, die sich als glänzendes Dreigestirn zum größten Werke ihrer Zeit vereinigten, um die römische jkirche mit dem neuen Germanenreiche zu vermäh­len, treten uns in jenen Steinreliefs entgegen. Der Weltenrichter und Maria mit dem Jesusknaben Kehen den Blick des Besuchers auf sich und ver­senken uns in jene Zeit, in der die Kunst, wohl meist von Ordensleuten geübt, uns so glaubens­warm umfängt.

Das Halbdunkel der Krypta zwingt uns noch mehr in die christlich-germanische Vorzeit. Hier, wo in der Nordnische der Altar des hl. Johannes des Täufers einst stand, floß das Chriftenwasier über so manchen Chattenschädel, nachdem er Wo­dan, Freya und Tor abgeschworen, sich dem Wel­tenheiland beugte.

In der Mittelnische aber stand hinter dem Altäre der Steinsarg, der die Ueberrefte jener hohen Frau, der hl. Lioba, durch Jahrhunderte barg, als die Nichte des großen Missionsbischofs Bonifatius diesem eine so eifrige Mitarbeiterin wurde. Rabanus Maurus, der „primus praeceptor Germaniae", hatte sie am 28. September des Jah­res 838 in feierlicher Prozession hierher übertragen lassen, nachdem sie 56 Jahre lang in der Stifts­kirche zu Fulda nach dem Willen ihres Oheims ge­ruht hatten. In heiliger Verehrung war Rabanus stets gerne bereit, die vielfachen Wünsche frommer Seelenhirten zu erfüllen, wenn sie um Reliquien der hl. Lioba baten. Er hatte seinen Schüler Ru­dolf, den gelehrten Hofkaplan und Prediger des deutschen Kaisers Ludwigs des Frommen, beauf­tragt, eine Lebensbeschreibung von ihr zu geben, die heute noch die zuverlässigste Quelle für alle jene ist, die eine eingehende Beschreibung der Heiligen zu geben beabsichtigen. Rabanus aber wollte 4 Jahre später selbst Hüter ihres Grabes fein, nach­dem er der Abtswürde entsagt ,als einfacher Mönch auf dem Petersberg lebte, bis ihn das Vertrauen feines königlichen Herrn, Ludwigs des Deutschen, auf den Erzbischofsfitz von Mainz berief.

Drei Altarsteine, für die der hohe Gelehrte und gottbegnadete Dichter Raban selbst die metrischen Inschriften verfaßte und an denen er wohl oft das hl. Meßopfer feierte, sind noch heute beachtenswerte Altertümer dieser Grabkammer. Am Ende des 15. Jahrhunderts kamen die Gebeine der hl. Lioba wieder in die Stiftskirche, nur einige größere Kno­chenteile verblieben am Petersberg; der Steinfarg stand von da ab leer. Erfüllt von Vertrauen zur gro­ßen Heiligen, brachten im Laufe der Jahrhunderte von Sorgen erfüllte Mütter ihre.kranken Kinder

Hus dem Nachbargebiet.

= Bebra. Bei Wintersdorf verbrannte ein Poft« omnibus. Der Brand war dadurch entstanden, daß infolge Durchscheuerns der Kabelisolierungen Kurz­schluß entstand. Der Führer konnte zwar die Brand- Ursache beseitigen, aber nicht verhindern, daß der Wa- gen in Flammen aufging. Die zahlreichen Fahrgaste konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

= Lschwege. Im Dorfe Schonfeld erschoß ein Land- wirt auf dem Felde ncche dem Dorfe mit fern em Jagdgewehr eine schlesische Saisonarbeiterin und brachte sich bann selbst einen tödlichen Schuß bei. Der Grund zu der Tat, die großes Aussehen erregt, ist unbekannt. .

= Gießen. In der Liebigstraße stürzte bei Asphalt, arbeiten ein Kessel um und begrub zwei Ar- beiter unter sich. Durch den Inhalt wurden beide Arbeiter schwer verletzt und verbricht. Sie wurden in die Klinik überführt.

— Butzbach. Die Nachbargemeinde Münzenberg versteigert in diesen Tagen mehr als 2000 Zentner Tafel- und Wirtschaftsobst u. ISO Zentner Tafettirnen.

=> Darmstadt. Ein Mitglied der akademischen Flie­gergruppe Darmstadt, Hans Völker, ist aus dem Flug­platz Babenhausen tödlich verunglückt. Völker war mit kleineren Reparaturen am Flugzeug beschäftigt und wollte beim Verkästen der Halle den Propeller in die richtige Lage bringen, wobei der Motor plötzlich an- sprang und der Propeller ihm am Oberschenkel schwere Verletzungen beibrachte. Die Sanitätswache der Schutz- polizei Babenhausen leistete die erste ärztliche Hilfe uni verbrachte den Verletzten sofort in die Rochusanstali nach Dieburg, wo er seinen Verletzungen erlegen ist.

= Nassau <l C. Auf den Triebwagen 449, der nachmittags zwischen Koblenz «nd Nastau verkehrt, wurde kurz vor Nastau vom Sportplatz aus ein Schuß abgegeben. Die Kugel durchschlug das Fenster eines Abteils, zertrümmerte es, traf ein Kind ins Gesicht und verletzte dieses sehr erheblich. Die polizeilichen Nachfor­schungen nach dem Täter wurden sofort aufgenommen.

— Mainz. Vor wenigen Tagen wurde der 26 Jahre alte Dr. jur. Winhart aus Bodenheim am Südbahnhof von einem durchfahrenden Zug erfaßt und zu Boden geriffen. Der Bedauernswerte ist jetzt an den erlittenen Verletzungen im Städtischen Krankenhaus gestorben.

= Kreuznach. In einem Ort an der unteren Nahe trug man einen 90jährigen Kriegsveteran en zu Grabe, woran auch der Kriegerverein sich beteiligte, besten Vorsitzender eine Ansprache hielt, die ausklang in den Worten: „Dankbar wollen wir feiner gedenken und er lebe hoch, hoch, hoch!" Die Anwesenden und auch die Trauermusik hatten auch tatsächlich mit in die übereif­rigen Worte eingestimmt ! !

— Oberlahnstein. Eine hier wohnende junge Frau erhielt einen Schnakenstich in den Arm, der, ttotz recht- zeitiger Amputation desselben, jetzt den Tod der Frau zur Folge hatte. Es scheint sich um eine Infektion mit Verwesungsgift zu handeln.

= Bittgen. In Winzenheim ließ ein Weingutsbe­sitzer 26 Grundstücke, zum größten Teil Weinberge, zur Versteigerung bringen. Die Angebote für die Wein­berge waren aber derart gering, daß der Zuschlag nicht erteilt werden konnte.

Elektr. Birnen billig-, billig

bei Fahrrad-Faulstich, Mittelstraße.

Schule und Volksbildung.

« Deutscher Berufsschultag. Die große deutsche Be- rufsschultagung, die alljährlich von den Städten, Gemein­den, Handelskammern, Handwerksvertretern, wirtschaft­lichen Organisationen und den Schulverttetern immer gart besucht wird, findet in diesem Jahre vom 1, bis 3. ttober in Koblenz statt. Bei der Bedeutung, die die Berufsschulfrage in unserm ganzen Wirtschasts-, Staats- und Volksleben hat, soll zu einer Reihe schwe- benber Tagesfragen Stellung genommen werden. Für die Oeffentlichkeit sind zwei aktuelle Vorträge vorge­sehen.

wie wird das Wetter?

Das Tiefdruckgebiet im Nordwesten hat sich noch ver­stärkt, aber gleichzeitig nordwärts verlagert. Sein Ein­fluß hat zwar etwas zugenommen und hat in ganz Mit- teleuropa mit westlichen Winden vorübergehend Nieder­schläge in Begleitung von Gewittern und Abkühlung ge­bracht. Da das Tief sich neuerdings wieder abzuflachen scheint, sind in den nächsten Tagen nur noch ganz ver- einzelt Niederschläge wahrscheinlich. Die Temperaturen werden die sommerstche Höhe der Vortage so rasch nicht wieder erreichen .

Wttterungsaussichten bis Sonntag abend: Wolkig — Vorwiegend Trocken — Mäßig warm — Westliche bis südwestliche Winde.

J—————

Durch Wüste und Wildnis.

Roman von Heinrich Sienkiewicz.

56] ---------

■ ,Lwei Anfälle — das ist bös," versetzte der Unbe­kannte, „aber Chinin kann ich dir geben, soviel du willst. Ich habe noch einige Tiegel, die mir nicht mehr nützen Jßnnen.'

Dann ließ er sich von Nasibu eine große Blechschachtel reichen,welche anscheinend die Reiseapotheke bildete, ent« nahm ihr zwei mit weißem Pulver gefüllte Tiegel und reichte sie Stasch.

„Dies ist die Hälfte von dem, was ich besitze. Es reicht für ein halbes Jahr."

Stasch hatte Lust, aus Freude zu schreien und begann ihm so begeistert zu danken, als handelte es sich um fein eigenes Leben.

Der Unbekannte nickte ihm einigemale zu und sagte dann:

„Gut, gut! Ich heiße Linde, bin ein Schweizer aus Zürich. Vor zwei Tagen hatte ich einen Unfall. Ein Wittes Tier hat mich schwer verwundet."

Dann wandte er sich an den Negerbuben:

(' „Nasibu, stopfe mir die Pfeife!!"

Dann zu Stasch:

„5n der Nacht steigt das Fieber und es schwindelt mkr alles vor den Augen. Aber die Pfeife erhellt die Gedanken. Du sagtest, ihr seid aus der Gefangenschaft der Derwische entflohen und verberget euch im Dschun­gel. Ist es so?"

V „3a Herr, ich sagte es."

z „Und was beabsichtigt ihr zu tun?"

- «Nach Abessinien zu flüchten."

/ «Ihr werdet den Madhisten in die Hände fallen, deren Truppen im ganzen Grenzdistrikt herumlungern."

„Mr können aber nichts anderes tun."

„Ach! Vor einem Mopat hätte ich euch noch helfen können. Aber jetzt bin ich selbst auf die Gnade Gottes .und auf diesen schwarzen Burschen angewiesen." y Stasch blickte ihn erstaunt an.

■Unb dieses Lager?"