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uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblatk.

Jlt. 220.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. :-: Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Samstag, 24. September 1927.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 SUt. Reklamezeile: lokal 0,60 JUL, auswärts 0,80 SUI. Bei Wiederholungen Rabatt. :»: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Rr. 4051. :»:

54.Zahrg.

Dar Scho von Königsberg.

Das führende rheinische Zmtrumsorgan, die „Kölnische Volkszeitung", äußert sich zu dem Kö­nigsberger Parteitag der Deutschnationalen. Sie sagt u. a.:

Graf Westarp hat auf dem Königsberger Par­teitag in seiner programmatischen Rede: Unser Weg zur Macht in Reich und Ländern recht deutlich gesprochen. Die Rede war im ganzen maßvoll und loyal und gibt an sich keinen Grund zu irgendwelchen Beanstandungen. Sie zeigte den Willen zur Mitarbeit auf dem Boden der bestehen­den Verhältnisse nach wie vor und hat zweifellos im Zusammenhang mit den jüngsten Vorkommnis­sen und vor allem in der Propaganda der deutsch­nationalen Presse klärend gewirkt. Er hat sich mit dieser Propaganda nicht identifiziert, vielmehr eine Mahnung an die Parteipresse gerichtet, die Richtlinien, die das jetzige Kabinett als Grundlage und Voraussetzung für seine praktische Arbeit ver­einbart hat, zu achten und auch zu erfüllen. Dar­über hinaus hat er auch die Auslegung zurückge­wiesen, die diese Richtlinien von maßgebenden Presseorganen erfahren haben, die sich sogar als nicht daran gebunden erklärten und trotz der Bin­dung der deutschnationalen Fraktion unentwegt fortfuhren, eine gegen die Politik der eigenen Frak­tion gerichtete maß- und zügellose antirepublikani­sche Hetze zu treiben. Es bleibt abzuwarten, ob die deutschnationale Presse gesonnen ist, der Mah­nung des Parteiführers nun auch zu f o l g e n.

Darauf aber kommt es ganz entscheidend an. Eine noch so loyale Mitarbeit der deutschnationalen Fraktion innerhalb des Kabinetts, die ja auch nie­mals in Frage gestellt war und auch von unserer Seite aus immer anerkannt, viel weniger aber noch angezweifelt worden ist, ist und bleibt fruchtlos, wenn die W ä h l e r draußen im Lande in geradezu entgegengesetztem Sinne bearbeitet werden. Diese Tatsache muß auf die Dauer auch die Fraktionspoli­tik illusorisch machen und die gesamte Partei auf Wege bringen, die wir als Koalitionspartner nie­mals dulden können. In den Richtlinien ist dem gegenwärtigen Staat und seinen Symbolen Achtung und Anerkennung zugesichert worden, und wenn Graf Westarp auch selbst sich demgegenüber das Recht, für die monarchische Gesinnung einzutreten reserviert hält, so entspräche es dem Geist der Richt­linien nicht, daß die Dinge sich so entwickelten, daß sie anstatt weiter zum Staate hin ,vom Staate weg­führen, oder daß sie auch nur den Sinn des Volks­staates und feine innere Ausprägung in eine Rich­tung umbiegen helfen, die innerlich mit dem Wesen des Volksstaates und seiner Sendung am Aufstieg des gesamten deutschen Volkes nicht entspräche.

Die Richtlinien enthalten ja auch schon ihrer ganzen Entstehungsweise nach aus den damaligen materiell grundlegend entscheidenden Stunden der Regierungskrise mehr, wenigstens ihrem ganzen Geiste nach, als nur eine gewissermaßen rein tak­tisch - politische Uebereinkunft über einige vordrin­gende Fragen her Regierungspolitik. Gewiß liegt es uns fern, irgendwie von einem auch gefinnungs- mäßigen Zwang zu reden. Der wäre nicht nur un­möglich, daran ist auch nicht gedacht. Ebenso ist es aber auch unmöglich, daß die Beteiligung der Deutschnationalen an der Regierung dazu benutzt werden kann, indirekt eine Bewegung ins Werk zu setzen, die sich immer vordringlicher und immer be­wußter mit der Spitze gegen den Volksstaat insge­samt richtet. Der ganze Flaggen st reit dürfte in diesem Zusammenhang auch seine innere politi­sche Bedeutung haben. Er ist doch mehr oder weni­ger symbolisch geworden für gegensätzlich gerichtete politische Bewegungen und Willensäußerungen; es wäre töricht, das nicht zu sehen, selbst wenn man gerade bezüglich der Flaggenfrage auch viel nüch­terner denken kann. Wenn in der führenden deutschnationalen Presse andauernd in gleicher Weise wie vordem die Reichsflagge, von der man zum wenigsten verlangen muß, daß sie als Zeichen der Staatsautorität geachtet wird, in der widerlich­sten Weife herabgesetzt wird, so will man darin ja nur den gegenwärtigen Staat treffen.

Diese Verunglimpfung geht dazu auch noch Hand in Hand mit Bestrebungen ,die sich an den Umständen, mit denen leider die Tannenbergfeier belastet gewesen ist, vor allem aber an den ganzen Vorbereitungen, welche die schwarz-weiß-roten Ver­bände aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichs­präsidenten treffen, allzu deutlich charakterisieren. Wir sehen hier das Bestreben, den Geburtstag des Reichspräsidenten zu einer einseitig politischen Demonstration zu stempeln, die weiteste Kreise des deutschen Volkes abstößt und veranlassen muß, an einer solchen Geburtstagsfeier innerlich nicht teilzunehmen. Dieses Bestreben schlägt dazu den Wunsch des Reichspräsidenten s e l b st in den Wind, welcher dahin geht, das deut­sche Volk einig und geschlossen zu sehen. Eben noch hat er in einem Telegramm an den deutschnationa­len Parteitag der Erwartung Ausdruck gegeben, daß dessen Beratungen dazu beitragen mögen, die Einigkeit des Volkes zu fördern. Hoffentlich ist diese Mahnung Hindenburgs bei allen Anhängern der deutschnationalen Partei auf recht fruchtbaren Bo­den gefallen.

Jedenfalls kann man nicht weiter der Entwick­lung ruhig zusehen, wie sie von deutschnationaler Seite draußen im Lande gewollt und gefördert wird. Wenn die deutschnationale Fraktion es mit ihrer staatsbejahenden Politik auf dem Böden des gegenwärtigen Volksstaates weiterhin ehrlich halten will, und sie will es, dann liegt es schließlich an ihr S, für eine endgültige Abstellung der staatsschä- iden und verwirrenden Propaganda ihrer Presse und ihrer Unterführung zu sorgen. Wir hof­

fen, daß der Königsberger Mahnruf Westarps da­für den Anfang bedeutet.

In Saarbrücken hat der derzeitige Vor­sitzende der Zentrumsfraktion, Herr v. G u e r a r d, sich zu der Koalitionsfähigkeit der Deutschnationa- len geäußert und mit großem Nachdruck den Willen des Zentrums bekanntgegeben, den Regierungs­richtlinien unter allen Umständen Gel­tung zu verschaffen und die Achtung der Reichs­farben zu erzwingen. Abg. Guerard hat in seiner Saarbrückener Rede auch die Zusammenarbeit un­serer Reichstagsfraktion mit der Preuße n- Fraktion betont. Das ist der K r e u z z e i t u ng besonders in die Glieder gefahren. Sie macht ab­fallende Bemerkungen über die angeblich ganz im sozialistischen Fahrwasser schwimmende preußische Regierung, in der dasZentrum nichts zu sagen habe. Herr von Guerard möge hier einmal nach dem

Rechten sehen, wenn die Zusammenarbeit so vor­züglich sei, wie er sage. Wir zweifeln nicht, daß der Zentrumsführer sich beeilen wird, den Befehl der Kreuzzeitung so schnell wie möglich auszu­führen. Zentrumsführer und Zentrumswähler haben nämlich die „allergrößte" Lust, sich nach ost­elbischem Kommando behandeln zu lassen.

Der Abschluß des Parteitages.

v. Keudell für das Reichsschulgesetz.

Auf dem Deutschnationalen Parteitag sprach Reichsinnenminister Dr. v. Keudetl zum Schul­gesetz. Er führte u. a. aus: „Betrachten Sie den Kampf um die Berechtigung der Bekenntnisschule unter dem Gesichtspunkte des Ringens um die Gewissensfreiheit m unserem neuen Staate. Nach­dem einmal diese Frage in den Sturm der Mei­nungen hineingetragen worden ist, wird sie auch

Neues schweres Flugzeugunglück.

Der deutsche Botschafter in Washington unter den fünf Todesopfern.

wtb. Berlin, 23. Sept (Gig. Funkm.) Aus bisher unbekannten Gründen verunglückte das Flugzeug D. 585 auf der Strecke Berlin—Mün­chen in der Röhe von Schleiz. Der Flug­zeugführer und vier Passagiere sind tot. Der Dordmonteur Feiler ist schwer verletzt. Die Romen der Toten sind Botschafter Freiherr von Maltzan, Boll, von der Beichsbahndirekkion Berlin, Prokurist und verkehrsleiker der deutschen Lufthansa, von Arnim, und Flugzeugschüler der Verkehrssliegerschule, Osmers. Der Flugzeugfüh-

Strecke Berlin—München geflogen. Das Flug­zeug, eine Mafchlne des Typs Merkur, wurde Mitte Mai dieses Jahres nach Prüfung durch die deutsche Versuchsanstalt für tufksahrk von den Dornier-Merken an die deutsche Lufthansa gelie­fert und hat seit dem ohne jeden Zwischenfall Dienst getan.

ter Charlett ist Friedensflieger, hat viele Hundert- tausende von Kilometern auf Skreckenflügen zurück- gelegt und ist in letzter Zeit besonders viel auf der

Botschafter Freiherr von Maltzan, der 1924 Staatssekretär im Auswärtigen war. vertrat seit 1925 das Deutsche Reich bei der Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika i n Washington. Er hatte also einen der wich­tigsten diplomatischen Posten des Reiches inne. Maltzan war 1877 geboren, stand also im 50. Le- bensjahr.

Das Kernproblem

Von unserem besonderen Genfer Ver­treter.

Die Abrüstungsfrage, die auf der achten Bun­desversammlung so viel Staub aufgewirbelt hat, ist von bedeutenden Staatsmännern als das Kernproblem des Bundes bezeichnet wor­den. In dieser Form scheint uns jedoch die Be­hauptung nicht ganz zutreffend zu sein. Verfolgt man nämlich den Gang der Politik von heute, wird man feststellen können, daß fast alle Fragen erst in letzter Linie Fragen der reinen Politik, daß sie vielmehr zu erst Fragen der D ö l k e r-P sycholo- gie sind.

Infolgedessen kann auch hie Frage der Ab­rüstung nicht eher gelöst werden, als bis die wich­tigste Voraussetzung dieser Völkerbund-Arbeit ge­geben ist: das Vertrauen der Staaten zu einander.

Es kommt aber neben diesem starken Mangel an Vertrauen noch ein anderes, nicht weniger be­deutsames Moment in der Beurteilung der bis­herigen Mißerfolge in den Abrüstungsarbeiten dazu. Man möchte den Bankrott der Abrüstung in die Form der Frage kleiden: Wie kann der Völkerbund das schwerwiegende Problem der Ab­rüstung überhaupt lösen, wenn die Völker in ihm nichts anderes sehen, als eine platonische Jdeen- gcmeinschaft, die nicht einmal die Macht hat, ein­mal gefaßte Beschlüsse auch mirflid) zur Durch­führung zu bringen?

Das Problem kleidet sich damit in dieselbe Form, wie oben: Es führt letzten Endes zurück auf die Vertrauenskrise. Solange der Völkerbund wirklich kein Exekutivorgan hat, solange wird er auch nicht in der Lage sein, seinen Beschlüssen und den Paragraphen seines Paktes Geltung zu verschaffen. Was nutzen alle Theorien über Recht, Völkerrecht ufw., wenn der Theorie das fehlt, was zu ihrer Durchführung nun einmal notwendig ist?

Ein Rechtsgrundfatz oder eine moralische Ma­xims, wie die der Abrüstungsverpflichtung, wird sich niemals aus eigener Kraft durchsetzen können. Das Recht als solches ist für die Mehrheit der Menschheit nun einmal doch nichts anderes, als das mit den Mitteln der Macht aufrechterhaltrne Lebensmaxime der Gemeinschaft.

Dazu kommt noch, ein anderes, sehr schwerwie­gendes Moment in der Beurteilung des bishen- gen Mißerfolges der Abrüstung. Man erklärt mit großem Pathos, daß der Völkerbund eine große moralische Macht darstelle, die sich in der Welt Gel­tung zu verschaffen wisse. Nichts als Theorie I Wo ist denn die im Gewissen verpflichtende Auto­rität des Völkerbundes, die die Völker und Staa­ten unter Androhung des eventuellen Ausschlusses zwingen könnte, sich den Gesetzen dieser Genfer Institution zu unterwerfen? Hat nicht vielmehr die bisherige Politik und Geschichte des Burches klar gezeigt, daß eine bindende Verpflichtung prak­tisch nicht existiert? Was bedeutet denn der A u s - tritt verschiedener Mitalieder, nachdem eine Entscheidung gegen ihre Wünsche ausgefallen war? Doch nichts anderes, als das eine, daß die mora- lsche Macht und Autorität des Bundes eine fata morgana ist, die geeignet erscheint, die Völker über die realen Bedürfnisse und die tatsächliche po­litische Gestaltung zu täuschen, ihnen Sand in dre Augen zu streuen.

Es fehlt dem Völkerbund die bindende Kraft, die im Gewissen verpflichtende Autorität, wie sie etwa die Kirche darftellt. Eine solche Autorität zu begründen, ist graue Theorie.

Das Problem der Abrüstung ist bisher unge­löst, die Versuche zu seiner Lösung sind geschei­tert. Es hat keinen Zweck, davor den Kopf in

des Völkerbundes.

den Sand zu stecken und die Dinge nicht sehen zu wollen, so wie sie liegen. Diese Frage scheidet die Geister der Menschheit in zwei Lager. Bei­den fehlt der Glaube zur Tat, die Botschaft hör­ten sie wohl, und auch die Hoffnung ist ihnen noch geblieben. Doch mit dem Hoffen und Warten, wie der Grieche Politis sich ausdrückte, ist nichts getan. Mit Hoffen und Harren ist schon mancher zum Narren geworden. Das aber sollen die Völker nicht werden. Die Welt von heute trägt immer noch Menschen und keine Uebermenschen. Sie können sich vom realen Untergrund ihrer Welt­existenz nicht trennen. Unter diesem Gesichtswin­kel ist das Abrüstungsproblem auch ein philo­sophisch-psychologisches: Der Völkerbund sucht das uralte Lied der Menschheit mittels juristischer For­meln und Paragraphen zu lösen. Völkerleben läßt sich aber nicht in leere Abstraktionen pressen. Viel­mehr ist Dölkerleben Fleisch und Blut, dazu ge­eignet, recht konkrete Erscheinungsformen anzuneh­men.

Die Nachkriegszeit hat in der Menschheft eine große Sehnsucht nach Frieden wachgeru­fen. Ohne Zweifel stellt die Theorie dieser Sehn­sucht ein Ideal dar. Grundsätzlich betrachtet, ist die Lösung ungeheuer schwierig. Ideale lassen sich nicht verwirklichen, und, wenn sie verwirklicht sein sollten, dann sind es keine Ideale mehr. Die Ab­rüstungsfrage ist bis zum heutigen Tage eine sehr gut frisierte Maske der Siegermächte gewesen, die den Pakt als das betrachteten, was er tatsächlich ist: als das Mittel zur Durchführung der Friedensverträge. Mit dem Augenblick, mit welchem Deutschland als abgerüstet erklärt wurde, war für Frankreich vor allem feststehend, daß nunmehr nach anderen Mitteln zu suchen sei, um selbst die eigene Rüstung aufrecht zu erhalten.

Deutschland hatte materiell abgerüstet und schon griffen die Heuchler einer besseren Menschheits- Zukunft nach den verwerflichsten Mitteln. Deutsch­land soll nunmehr auch moralisch abrüsten! Denn diese Abrüstung sei ja >doch die Voraus­setzung der materiellen. Noch in den letzten la­gen konnte man diese Perfidie im „Temps" lesen. Der Zweck des Mannövers liegt auf der Hand. Man will etwas fordern, von dem man die Un­möglichkeit einer Durchführung im Rahmen der Staatsgesetze vorher genau weiß. Moralische Ab­rüstung bedeutet Fallenlassen der eigenen Psyche und Aufoktroyierung einer fremden. Warum aber will Frankreich dies von Deutschland verlangen? Warum läßt es neuerdings dieses undurchführbare psychologische Problem in den Vordergrund tre­ten? Doch nur deshalb, weil es weiß, daß sich die Gesetze der Seele und des Herzens nicht mit staatlichen Zwangsmitteln herbeiführen lassen und daß daher Frankreichs Forderungen und Rufe nach einem gänzlich abgerüfteten Deutschland n i e m a ls erfüllt sein werden.

Frankreichs Ruf nach moralischer Abrüstung hat aber auch noch einen anderen Fehler. Sein stän­diger Druck in der Richtung einer moralischen Ab- rüstung erzeugt das Gegenteil von dem, was es erwartet. Reaktion ist die notwendige Folge des französischen Kampfrufes. Frankreich treibt ein gefährliches Spiel mit der Welt, Frankreich ist der Ausgangspunkt einer kommenden Kata­strophe, Frankreich sucht angeblich den Frieden und will aber den Krieg . Unbewußt vielleicht. Das sei zugegeben. Aber seine Methode führt dazu.

Moralische Abrüstung fordern, heißt nur einen neuen Vorwand suchen, um sich selbst an den ein­gegangenen internationalen Verpflichtungen vor­beizudrücken, heißt nicht anderes, als die Un- möglichkett der Abrüstung. die man anderen auf«

diese Regierungskoalition überdauern. Wir werden nicht ruhen, bis dieser Gedanke — ohne Rücksicht auf die Parteiverhältnisse — zum Siege getragen worden ist. Darin beruht das Recht in der aus Not geborenen erhöhten Freiheit, darum zu kämp­fen, daß unsere Kinder erzogen werden gemäß der alten Art und dem Ruhm unserer Väter. Hiermit treten wir ein um den Kampf um die Gleich­berechtigung der Bekenntnisschule, in den Kampf um die wahre Gewissensfreiheit auch auf diesem geistigen Gebiete und wir fühlen uns getragen in diesem Kampfe von dem Bewußtsein der freiwilligen Unterordnung der selbstbewußten Bindung unter das Ewige, unter den Begriff, in dem wir die wahre Freiheit umschließen.

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Nach Minister v. Keudell richtete Graf Westarp ein Schlußwort an den Parteitag. Er betonte, daß Voraussetzung unseres gemeinsamen Ausstiegs die Einigung des Volkswfllens zum Glau­ben an eine nationale Zukunft des deutschen Vol­kes sei. Die Parole der Deutschnationalen Volks­partei sei die alte: „HinzumbeutschenJde- alismus!" Die lebhafte Teilnahme, die das deutsche Volk dem Schulgesetzentwurf entgegenbringe, sei ein erfreuliches Anzeichen dafür, daß in aller Enge wirtschaftlicher Not der deutsche Idealismus noch lebendig geblieben sei. Der deutsche Idealis­mus bedürfe aber in feinem Blute des freien preußischen Staatsbewußtseins und des Staats­willens. Ein Volk, das die Freiheit seines Staates verloren habe, dürfe, wenn es gesund bleiben wolle, kein Ideal haben, das ihm höher steht als die Be­freiung seines Vaterlandes. Preußisch-kon­servative Staatsauffassung leite die Deutsch- nationale Vollspartei in der politischen Arbeit. Aus der unbedingten Hingabe an den Dienst des Staates ergebe sich der Wille zur Wehrhaftigkeit. Heiße Vaterlandsliebe und opferwillige Wehrhaftig­keit, Zucht und Ordnung, Pflicht und Ehre seien die idealen Kräfte, die in unserem Volke zu neuem Leben erweckt werden müßten, auf daß es sich im Innern von undeutscher Art und wesensfremder Staatsform» nach außen vom Joche der Knecht­schaft befreie. Dahin weise die Partei deutscher Idealismus und preußisches Pflichtbewußtsein.

Die Versammlung erhob sich von den Plätzen und brachte dem Grafen Westarp eine Ovation dar. Mit dem Gesänge des Liedes „Ich hab mich ergeben" wurde sodann der Parteitag geschlossen.

Das vesoldungs-problem.

Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde am Donnerstag nach Ablehnung weiterge­hender Anträge der Linken einstimmig folgender Vorschlag des Reichsfinanzministeri- ums über 'die Vorschußzahlungen an die Beam­ten angenommen:

Mit Wirkung vom 1. Oktober bis zur Verab- schiedung des neuen Besoldungsgesetzes sollen an monatlichen Vorschüssen erhalten die Beamten der Besoldungsgruppen 1—5 Verheiratete 25, Ledige 20 Mk., Besoldungsgruppen 6—8 Verheiratete 30, Ledige 25 Mk., Besoldungsgruppen 9—11 Verhei­ratete 50, Ledige 40 Mk., Besoldungsgruppen 12 und darüber Verheiratete 70, Ledig« 60 Mk. Warte- gelb- und Ruhegehaltsempfänger und Empfänger von Hinterbliebenenbezügen sollen 10 Prozent der Wartegelder ufw. aber unter Ausschluß der Frauen- und Kinderzuschläge erhalten. Offiziere und Sol- baten der Reichswehr sowie Polizeibeamte des Reichswasserschutzes sollen erhalten in Besoldungs­gruppe 1 und 2‘ Verheiratete 5 Mk., Besoldungs­gruppen 3—8 Verheiratete 15 Mk., Besoldungs­gruppe 9 Verheiratete 30 Mk., Besoldungsgruppe 10 (Hauptleute usw. mit mehr als zwei Dienst- jahren) Verheiratete 50 Mk., Besoldungsgruppe 11 Verheiratete 50, Ledige 35 Mk., Besoldungs- gnippen 12 und höher Verheiratete 70, Ledige 60 Mark.

Der Lohnkampf bei der Reichsbahn.

Zu der ablehnenden Haltung der Reichsbahn­verwaltung gegenüber dem Wunsche, die Löhne der Eisenbahnarbeiter möglichst noch vor dem 1. Oktober zu erhöhen, nahmen, dem „Vorwärts" zu­folge, die Berliner Funktionäre des Einheitsver­bandes der Eisenbahner Deutschlands in einer gro­ßen Konferenz Stellung. Es wurde eine Entschlie­ßung angenommen, in der die Eisenbahner an die Gesamtarbeiterschaft und an die Oeffentlichkeit ap­pellieren, sie in ihrem Kampfe zu unterstützen.

gezwungen hat, zuzugeben, bedeutet nur bas eine, daß man fordert, um zu fordern.

Frankreichs moralischer Abrüstungstheorie läuft parallel die „Si ch erh e it s" -T h e s e. In den ersten Nachkriegsjahren hörte man kaum etwas von der Sicherheit. Nachdem aber die Jahre flüch­tig dahinrollten und Frankreich den Zeitpunkt der Innehaltung feiner eigenen Verpflichtungen immer näher kommen sah, wurde die These der Sicherheit aufgefunden, um ein weiteres Mittel an der Hand zu haben, selbst die Abrüstung nicht durchzusühren. Früher hieß es, Deutschlands Abrüstung bringe mit sich im Gefolge die allgemeine und die fran­zösische Sicherheit im besonderen. Diese These hat auch der Vater von Versailles in feinem Juni- Brief 1919 anerkannt. Heute, wo nunmehr diese, nach eigener französischer Auffassung, Vv rau Ät­zung eingetreten ist, ruft der Chorus der Unehr­lichen: Erst muß die Sicherheit gemährterftet 'ein und bann erst können wir die Abrüstung propa­gieren und auch durchführen. Was aber heißt do»? Kann überhaupt ein Staat ober jede andere Ge­meinschaft bie Sicherheit garantieren0 Nein! Es gibt keine absolute Sicherheit, sonberr, nur eine r e- lative. Dann aber auch bebeurei, vor her 2!b- rüftung bie Sicherheit fordern, ei,', unmittelbares Zugestänbnis an das Nichtlebenwollen eine# Vol­kes. Frankreichs ständig sinkende Vitalität bat bie