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Mittwoch, 21. September 1927

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* Zeilungsverbol in Ostpreußen. Wie der Staatsanzeiger meldet, hat der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, Siehr auf Grund des Ge- setzes zum Schuhe der Republik das „Ostpreußische Tageblatt" in Insterburg (Ostpreußen) auf die Dauer von drei Wochen, und zwar vom 19. Sep­tember dieses Jahres bis zum 9. Oktober^ dieses Jahres einschließlich verboten.

Reichsinnenminister Königsberg besucht und die Schilderungen der ostpreußischen Behörden über die Lage des östlichen Grenzlandes entgegenge­nommen. Bei dem Empfang der kommunalen Bl

Das unruhige Griechenland.

Maßnahmen gegen die Anhänger Pangalos.

wtb. Paris, 20. Sept. (Eig. Funkm.) Wie die „Chigaco Tribüne" aus Athen berichtet, hat der Ministerrat gestern unerwarteter Weise dem Befehlshaber von Athen und dem 1. Armee-Korps Befehl erteilt, sich bereit zu halten, um jede Meu­terei, die eventuell ausbrechen könnte, zu u rt = terdrücken. Diese Maßnahme sei auf Grund von Gerüchten von der Entdeckung einer neuen Pangalos-Bewegung getroffen worden. Man nehme an, daß einige Anhänger Pangalos ausgewiesen werden würden.

Ostpreußen und Reich.

Auf der Rückkehr van der Denkmalsweihe bei Tannenberg haben der Reichskanzler und der

Die Lage in Polen.

Mandatsnicderlegung eines polnischen Ab­geordneten.

wtb. Warschau, 20. Sept. (Eig. Funkm.) Gro­ßes Aufsehen hatte in Sejm-Kreisen hervorgeru­fen, daß der Führer der nationalen Arbeiter-Partei, Popiel, der in die bekannte Gasmaskenlieferungs- Affäre ,die zur Verurteilung eines polnischen Ge­nerals geführt hat, verwickelt war, sein Abgeordne- ten-Mandat niedergelegt hat.

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Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051 >:

Graf Westarp und Oesterreich.

In einem Artikel der „Kreuzzeitung", legt Graf Westarp dieStell ungnahmederDeutsch- nationalen Volkspartei zur Frage des Anschlusses Deutsch-Oesterreichs dar. Nach einem Hinweis auf die im Jahre 1919 vom Hauptvorstand der deutschnationalen Volkspartei gefaßten Ent­schließung, in der der staatsrechtliche Zusammen­schluß der deutsch besiedelten und geographisch zu­sammenhängenden Gebiete in Mitteleuropa als Grundlage der Forderung völkischer Gerechtigkeit bezeichnet wird, betont Graf Westarp, daß auch heute noch die deutsch-nationale Volkspartei den Anschluß Deutsch-Oesterreichs als eines der Hochziele nationaler Politik betrachte. Graf Westarp weist auf die Hindernisse hin, die dem Anschluß zurzeit entgegenstehen, der als ein ideales Zukunftsziel be­zeichnet wird, das gegen den feindlichen Willen durchzusetzen uns die Macht fehlt, das wir aber ge­meinsam in nüchterner Erkenntnis aller Schwierig­keiten und in zäher realpolitischer Arbeit vorzube­reiten haben. Den Ssrtikel der „Kreuzzei­tung" vom 22. Juni, in dem vielfach die A b l e h- n u n g des Anschlußgedankens durch die Deutsch­nationalen erblickt worden war, kennzeichnet Graf Westarp als „eine in Abwesenheit des Hau ptschriftleiters aufgenommene Privatarbeit". Zum Schluß seiner Ausfüh­rungen gibt Graf Westarp den Bedenken Raum, die sich aus gewissen Unterschieden der Stammes- eigenarten, der politischen konfessionellen Parteien > den politischen Verhältnissen gegen die unita- ristische Reichspolitik bei dem Anschlußgedanken geltend machen lassen und empfiehlt die Erwägung, ob nicht ein f ö d e r a l i st i s ch e r Aufbau nack dem Musters Bismarcks fördersamer sei.

Streseumnns Rückkehr aus Gens

Genf und die Weltwirtschaftsprobleme.

Der Pariser „Temps" und das Pariser „Jour­nal des Debats" besprechen die Rede des Reichs- vräsidenten in Tannenberg. Der „Temps" stellt Betrachtungen auf allgemeiner Grundlage an und ücht wiederum in der ihm eigenen Weise in immer und immer wieder gleichen Wendungen zu beweisen, daß es zwei verschiedene Deutschland gebe und daß niemand wissen könne, welches von beiden den Sieg davontragen werde, sodaß im In­teresse des Friedens das von dem Blatt zum Aus­druck gebrachte Mißtrauen und der Ruf nach star­ken Vorsichtsmaßnahmen berechtigt erschiene. Es gebe in der Welt noch zuviel Groll und Ranküne, o schreibt das Blatt, als daß das Vertrauen ledig­lich durch das Prestiae einiger edler Formen wie-

Rückreise des Reichspräsidenten.

wtb. Berlin, 20. Sept. (Eig. Funkm.) Reichs­präsident von Hindenburg traf heute früh 6 Uhr an Bord des Kreuzers „Berlin" in Swine- münde ein und ist von dort mit dem fahrplan­mäßigen Schnellzuge 10,14 Uhr nach Berlin zu­rückgekehrt.

Der Reichskanzler in Arauenburg.

wtb. Königsberg, 20. Sept. (Eig. Funkm.) Reichskanzler Dr. Marx begab sich heute früh von hier im Auto nach Frauenburg, um dem Bischof Dr. B l u d a u einen Besuch abzustatten.

Aus Warschau wird gemeldet: Der National- demokratische Volksverband brachte zur letzten Sejmsitzung eine Interpellation ein, in der die Re­gierung aufgefordert wird, dem Terrorsystem, welches zur Zeit in Polen ausgeübt wird, ein Ende zu bereiten. Die Antragsteller weisen darauf hin, daß auf zwei oppositionelle Abgeordnete und vier Redakteure U e b e r f ä l l e verübt worden sind, und erinnern an den Fall des früheren Finanzmini­sters Zdziechowski, der in seiner Wohnung von Offizieren überfallen und verprügelt worden sei und an das unaufgeklärte Verschwinden des Generals Zagorski. Weiter brachten die Nationaldemokraten ein Mißtrauensvotum gegen den Unterrichtsmini­ster Dobrucki ein wegen seiner Sprachenverordnung, in der den Minderheitsschulen und der Minderheits­sprache eine Reche von Zugeständnissen gemacht worden seien._____________

General Heyes Amerikareise.

Die Meldung, daß der Chef der Heeresleiüing, General Heye, auf Einladung der amerikanischen Regierung demnächst nach den Vereinigten Staaten reisen werde, entspricht, wie die Tägl. Rundschau von unterrichteter Seite erfährt, insofern nicht den Tatsachen, als General Heye tatsächlich keine der­artige Einladung erhalten hat. Er wird vielmehr anfang Oktober nach Beendigung der Manöver sei­nen Urlaub zu einer privaten Reise nach Amerika benutzen.

— Berlin, 20. Sept. (Eig. Funkm.) Ueber die Rückkehr der Genfer Delegation ist, wie der B. Z. von zuständiger Seite mitgeteilt wird, eine defini­tive Entscheidung noch nicht getroffen worden. Es wird aber damit gerechnet, das Reichsaußen­minister Dr. Stresemann bis Ende der Woche w i e d e r i n B e r l i n ist.

Im zweiten Versammlungsausschuß, der seit Samstag die Ergebnisse der Weltwirtschaftskon- ferenz behandelt, faßte der französische Wirtschafts­vertreter Loucheur die Aussprache in einer länge­ren Rede zusammen. Er bezeichnete es als die wichtigste Aufgabe der Zukunft, die Kaufkraft in Uebereinstimmung mit der Produktion zu dingen. Er wies auf die ausschlaggebende Be­deutung der Kaufkraft der Arbeiterschaft hin. Die zahlreichen und meist mit Vorbehalt im Ausschuß angegebenen Zustimmungserklärungen zu den Ergebnissen der Weltwirtschaftskonferenz lassen die berechtigte Hoffnung zu, daß diese Ergeb­nisse verwirklicht werden können. Unter Bezug­nahme auf die Worte Stresemanns in der Völker­bundsversammlung erklärte Loucheur:

„Mit dem Abschluß des deutsch-französi- schen Handelsvertrag es haben zwei große Völker austichtige Anstrengungen gemacht, den Empfehlungen der Weltwirtschaftskonferenz Folge zu geben." Der Umstand, daß in dem deutsch- flanzösischen Handelsvertrag das Schiedsver­fahren für Handelsstreitigkeiten vorgesehen ist, veranlaßt ihn zu der Bemerkung, daß es eines Tages notwendig sein werde, den Ständigen In­ternationalen Gerichtshof im Haag durch eine be­sondere Abteilung zur schiedsrichterlichen Regelung von Handels st reitigkeiten zu erweitern. Zur Fortsetzung der Arbeiten der Weltwirtschafts­konferenz schlug Loucheur schließlich neben dem be­reits bestehenden 14köpfigen Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes die Schaffung eines allgemeinen Zentralkomitees vor, das sich wie folgt zusammen­setzt:

1. aus dem Wirtschaftausschuß ganz oder teil­weise, 2. aus etwa 20 vom Völkerbund zu erneu, nenden Vertretern aus Industrie, Handel und Landwirtschaft, 3. aus je drei vom Internationa­len Arbeitsamt zu ernnenenden Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern, 4. aus je einem Vertre­ter des Internationalen Ackerbauinstituts in Rom und der Internationalen Handelskammer.

Um den Entschließungen dieses Ausschusses be­sonderes Gewicht zu geben, müsse er direkt mit dem Völkerbundsrat verkehren können.

daß die Rede Hindenburgs den Anfang einer großen Aktion in der Kriegsfchuldfräge dar- stellsn würde. Der Wortlaut der Rede des Reichs­präsidenten zeigt indes, daß davon nicht die Rede sein kann. Hindenburg wollte die Gelegen­heit benutzen, von sichtbarer Stelle aus zu betonen, daß Deutschand den Spruch von Versailles nicht als einen gerechten Urteilsfpruch anerkennen kann. Und was er nack dieser Richtung sagte, ist längst Ueberzeugung-des gesamten deutschen Volkes und aller nicht mehr in der Kriegspsychose, befangenen urteilsfähigen Leute im Ausland. Daß dem Reichspräsidenten, dem militärischen 'Führer im Weltkrieg, diese Dinge besonders am Herzen lie­gen, und daß er eine Stätte, die so eng mit sei­nem Ruhm verknüpft ist, dazu benutzte, seine Stimme gegen diesen ungerechten Vorwurf zu er­heben, ist natürlich und auch für Frankreich kein Grund zur Aufregung. Auslegungen, die in der Rede des „Reichspräsidenten eine „Korrektur der Haltung Stresemann« in Genf" sehen wollen, ge­hen in die Irre. Die maßgebenden Regie­rungsstellen sind selbstredend über den In­halt der Rede unterrichtet gewesen. Trotz­dem dürste es kaum richtig fein, von einer diplo­matischen Aktion zu reden, denn zu deren Ein­leitung ist die Reichsregierung zuständig. Man kann der Meinung fein, daß die ganze Kriegs­schulddebatte überflüssig und nicht geeignet ist, den Frieden Europas zu befestigen. Aber wenn die Siegermächte, wenn vor allem Frankreich, immer wieder von der Schuld Deutschlands als einer fest­stehenden Tatsache reden, kann es Deutschland nie­mand verübeln, wenn es durch den Mund feines ersten Repräsentanten dagegen Verwahrung ein« legen und zum Ausdruck bringen läßt, daß es sich mit dem Urteil eines parteiischen Gerichtshofes und mit, der Propaganda für dieses Privaturteil nicht abfindet. Darin kann man keinerlei Angriffs- absichten oder Störungsversuche erblicken. Wenn die Kriegsgegner so von der Gerechtigkeit ihrer Sache überzeugt sind, mögen sie endlich auf den von Hindenburg wiederholten Vorschlag eingehen, den ganzen Fragenkomplex durch einen wirklich neutralen Gerichtshof untersuchen.zu las­sen. Die Ablehnung eines solchen Vorschlages spricht doch gerade nicht für ein reines Gewissen.

derhergestellt werden könne. Neun Jahre nach dem Kriege und acht Jahre nach der Gründung des Völkerbundes könne niemand aufrichtig behaupten, daß die moralische Mrüstung schon Wirklichkeit sei, der man die Sicherheit anvertrauen könne. Die Worte, die der Präsident der deutschen Republik ge­sprochen habe, seien in dieser Hinsicht belehrend.

Das „Journal des Döbats" fragt: Welches Ver­trauen kann man noch zu Männern haben, die die Ansicht vertreten, daß Deutschland 1914 keinen Fehler begangen habe? Muß man unter diesen Umständen nicht befürchten, daß die jetzt abge­schlossenen Verträge gegebenenfalls nicht mehr ge­achtet würden, als der Vertrag, der die Neutrali­tät Belgiens garantierte? Diejenigen, die in Frank­reich oder anderswo dieser Frage keine Bedeutung beilegen, beweisen die größte Leichtfertigkeit. Hier liegt der Prüfstein für die Aufrichtigkeit derer, die im Namen Deutschlands sprechen.

Die französische Presse sollte schreiben: Her

Bei einem abends von der Stadt Königsberg veranstalteten Essen in der Stadthalle ergriff nach der Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Dr. Lohmeyer und einer Ansprache des Oberpräsi­denten Siehr Reichskanzler Dr. Marx das Wort: Er ggh seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß es dank Oer 21 r b e it sfreudigkeit und dem Pflicht­bewußtsein auch in Ostpreußen wieder vor- värtsgehe. Aber die Grenzen dessen, was Ost­preußen aus eigener Kraft leisten könnte, seien er­dicht. Hier müsse das Reich helfen. O st p r e u- müsse zu einer nationalen Frage des Reiches werden. (Lebhaftet Beifall). -Er versprach, daß er sich in der Reichsregierung dafür emsetzen werde, Ostpreußen zu helfen, soweit es die llnanzielle und wirtschaftliche Lage des Reiches ge­statte (lebhafter Beifall). Auch der Reichskanzler schloß mit einem Hoch auf die Stadt Königsberg und die Provinz Ostpreußen.

Zur Hindenburg-Rede.

, Offenbar im Einvernehmen mit dem Reichs- ranzler schreibt die „Germania":

Nach Meldungen aus Paris hat dort die Rede, die der Reichspräsident von Hindenburg bei Tannenbergfeier gehalten hat, das „größte Aufsehen" hervorgerufen. Warum eigentlich? Herr I "I" care ist jahrelang jeden Sonntag von Dorf | öu Dorf gezogen und hat dort Kriegerdenkmale ; SJ“ Reden eingeweiht, die wahrscheinlich nicht dem tfr’eöen dienten. Gerade er bekundet das lebhas- Mte Interesse dafür, daß die These von der y/wgsschuld Deutschlands aufrechterhalten bleibt.

^ie Unfjattbarfeit und Ungerechtigkeit dieser Anklage hat der Reichspräsident mit Nach- z;ucr hmgewiesen. Hingewiesen und abgewehrt — R «lehr nicht. Einige Blätter hatten gngekündiat.

mitdemunparteiischenSchiedsgericht! Dann würde ohne viel Worte die Angelegenheit gestellt. Aber von dem Schiedsgericht wollen französischen Chauvinisten nichts wissen!

Rummel in Paris.

Der Besuch der amerikanischen Legionäre.

Am Montag setzten sich die amerikanischen Legio­näre unter starker Anteilnahme der Bevölkerung zu eine.rn Umzüge durch die Hauptstraßen der Stadt tn Bewegung. Die Legionäre marschierten nach den verschiedenen Staaten getrennt mit ihren Musikkorps. Ein außerordentlich starkes Aufge­bot von Polizei und Militär säumte die Straßen. Auf der offiziellen Tribüne, an der der Zug vor- brimarschierte. waren neben Marschall Foch ver-

Preutzen und Reichsschulgesetz.

Auf der Tagesordnung der Dienstag-Sitzung des preußischen Kabinetts steht die Beratung des Reichsschulgesetzentwurfes und die Stellungnahme des preußischen Kultusministeriums zu diesem Ent­wurf. Wie das „B. T." erfährt, vertritt der Kul­tusminister in seinem Gutachten die Auffassung, daß der Reichsschulgesetzentwurf verfassungs­ändernd ist. Im übrigen wird eine Reihe von Abänderungsvorschlägen gemacht und der Entwurf lediglich als eine Grundlage für weitere Verhand­lungen zwischen Reich und Preußen bezeichnet.

. In mehreren Blättern wird es als staglich be-' zeichnet, ob die Beratung im preußischen Kabinett abgeschlossen werden kann, da der preußische Ministerpräsident Braun wegen schwerer Er­krankung seiner Gattin wohl kaum an den Verhandlungen werde teilnehmen können.

। Zu diesem Vorschlag Loucheurs im Zweiten i Versammlungsausschuß haben bereits verschiedene Redner im wesentlichen zustimmend Stellung ge­nommen. B r e i t s ch e i d legte Wert besonders darauf, dc»ß die 2lusgaben und Befugnisse des Wirtschaftsausschusses des Völkerbundes nicht geän­dert werden. Nach seiner Auffassung genügt die Ent­sendung eines Teils seiner Mitgieder in den Zentral­ausschuß, währender andererseits eine stärkere Ver­tretung der Arbeiterschaft für angezeigt hält. Der englische Vertreter unterstrich mit Nach­druck, daß der neue Ausschuß beratenden Charakter haben soll Sämtliche Redner verzich­teten im übrigen auf eine eingehende Erörterung des Vorschlages, da, wie sie betonten, die Ent­scheidung über die Zusammensetzung dieses neu zu schaffenden Zentralausschusses beim Rat liegt.

Der Vorschlag Loucheurs wurde aufBeschluß des zu­ständigen Versammlungsausschusses einem Unter­ausschuß überwiesen, in dem auch Deutsch­land vertreten ist. Die Aussprache ergab die grundsätzliche Zustimmung zur Schaffung des von Loucheur vorgeschlagenen Zentralkomitees, über dessen Zusammensetzung und Befugnisse dem Rat Vorschläge unterbreitet werden sollen. Die end­gültige Entscheidung über diese Frage liegt jedoch beim Rat. '

Kanadas Mahl in den Rai.

Aus O t a w a wird gemeldet: Premierminister Mackenail King berichtete in der Kanadischen Kammer über die Wahl Kanadas in den Völker­bundsrat, die ein sinnfälliger Ausdruck der An­erkennung der Individualität Kanadas als Nation und der hohen Achtung sei, die Kanada genieße. "(Er fügte hinzu, Kanadas Teilnahme an den An- gelegenheiten der Welt werde von den Grundsätzen der Duldung und des guten Willens aus- gehen, von denen es sich immer habe leiten lassen.

Bericht Banderveldes in Brüssel.

Im belgischen Kabinett erstattete der Minister des Aeußeren Vandervelde Bericht über die Um­stände, die bei der Abstimmung in der Völker­bundsversammlung zu der Ablehnung des Antrages auf Wiederwählbarkeit Belgiens geführt hatten. Der Minister äu­ßerte sich ferner über verschiedene Verhandlun­gen, die er in Genf mit den Außenministern an­derer Länder geführt hatte. Der Kabinettsrat nahm Kenntnis von seinen Erklärungen und bil­ligte seine Maßnahmen und die über die Ab­stimmung abgegebenen Erklärungen.

Nachdem bann der Reichskanzler nochmals hervorge- hoben hatte, baß die Auffassung der Reichsregierung über ihre Aufgaben gegenüber Ostpreußen bestimmt wird burch bas Bewußtsein, baß bie Reichsregierung mit der ihr vom Volke übertragenen Gewalt auch bas volle Maß ber Verantwortung übernommen hat für bie bestmögliche Erfüllung der unverjährbaren Pflichten, die beip Gesamtvolk aus der Abschnürung Ostpreußens erwachsen, gab er ber Hoffnung Ausdruck, daß die Ar­beit der Reichsregierung nicht nur die erhofften un­mittelbaren Früchte zeitigen, sondern darüber hir einen starken Rückhalt bilden werde für den Wi—. Mr Zusammenfassung ber Kräfte im Dienste fried lichen Wiederaufstieges.

Hörden antwortete Reichskanzler Dr. Marx auf die Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Lohmeyer mit einer Rede, in der er u. a. ausführte:

„Was mich hierher geführt hat, war vor allem das tiefempfundene Bedürfnis, jene unmittelbare persönliche Fühlung mit allen Kreisen der Bevölkerung herzustel­len, die für den leitenden Staatsmann immer eines ber wertvollsten Motive feines Handelns bildet. Es lag mir aber auch daran, namens der Reichsregierung Ihnen hier die Versicherung abzugeben, daß' wir uns u n • löslich eins mit Ihnen fühlen und aus diesem Gefühl der innigsten Schicksalsverbundenheit es als eine der vornehmsten Pflichten des Reiches b'etrachten, Hand in Hand mit dem preußischen Staat an Ihren Nöten in jeder nur möglichen Weife helfend teilzunehmen. Ich komme von Tannenberg und Sie werden mir recht ge­ben, daß sich nicht in Worte fassen läßt, was das Ergeb­nis des gestrigen Tages für den verantwortlichen Lei­ter der beutfdjen Politik bedeutet, der zur Seite des Befreiers Ostpreußens auf dem blutgetränkten Boden ber Befreiungsschlacht den Volksgenossen, die hier ihr Leben für die Heimat Hingaben, in ehrfürchtiger Dank­barkeit huldigen durfte. Neben diesem Erlebnis des Sichverfenkens in eine große Vergangenheit steht als zweiter gewaltiger Eindruck der Anblick dessen, was noch mitten im Ringen des Völkerkrieges aus den Trümmern der zerstörten Siedelungen dank unentwegten Schaffens­mutes neu entstanden ist. Nur mit Wehmut vermögen wir auszubrücken, wie glücklich die Entwicklung von Handel und Wandel, von Gesittung und Wohlstand hät­ten verlaufen können, wäre sie nicht durch das furchtbare Unheil des Weltkrieges und verhängnisvoller noch durch die Neugestaltung der Grenzen im Gefolge des unglück­lichen Kriegsausganges unterbrochen worden."

Der Reichskanzler erinnerte bann an bie Schaffung des Ostpreußenprogrammes un,b fuhr fort: Wohl finb auch andere Gebiete des deutschen Reiches durch neuge­schaffene Grenzverhältnisse auf das empfindlichste in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gehemmt worden und deshalb berechtigt, vom Reiche Hilfe zu erwarten. Die Reichsregierung hat aber — und dies gilt ganz beson­ders hinsichtlich des sogenannten Sofortprogrammes von 1926 und des Grenzfonds von 1927 — stets im Auge L behalten, daß nirgends sonst in deutschen Landen, ja | überhaupt, ruckst.irgendwo..aus lltew. eura.p Lischeu. Kontinent, eine auf bas engste mit beni Gesamt- törper bes Reiches wirtschaftlich und kulturell verfloch­tene Provinz durch künstliche Abschnürung zur Insel gemacht worden ist und das deshalb die völlige Ausnahmestellung der ostpreußischen Grenzge­biete in einer entschiedenen Bevorzugung bei der Zu­messung der Reichshilfe zum Ausdrück kommen muß. Die Reichsregierung ist entschlossen, diese Politik in dem durch die e r n ft e Finanzlage leider nun ein­mal unerbittlich gezogenen Rahmen auch in Zukunft folgerichtig fortzufetzen. Dabei denkt sie keineswegs nur an die finanzielle Unterstützung einzelner kultureller, charitativer oder wirtschaftlicher Unternehmungen. Viel- ■ mehr gedenkt sie, darauf Bedacht zu nehmen, daß der Produktionsförderung eine Lastensenkung und insbe­sondere eine allgemeine Kreditverbilligung pa­rallel geht. Das Reichskabinett besitzt volles Verständ­nis für den Wunsch Ostpreußens, seine Bedürfnisse und Anregungen bei einer damit besonders zu betrauenden Stelle innerhalb der Reichsregierung in Berlin zur Sprache bringen zu können. Ich kann Ihnen auch ver­sichern, daß ich dem Gedanken der sichtbaren Zusam­menfassung in eine jederzeit zur Entgegennahme ostpreu­ßischer Wünsche bereiten Reichsstelle durchaus sympa- tisch gegenüberstehe.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc 9 Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

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Anzeiger für die Stabt Aulba unb ben Landkreis Fulba. Amtliches kreisblatt.