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erwidert habe, dieser Krieg habe vielen Schaden anyerichlkt, aber er habe der Welt eine große mo- ralische Notwendigkeit' vor Augen geführt, nämlich die, die notwendige Einigung unter den Menschen zu vervollständigen, damit sich ein solches liebel niemals wieder ereigne. Arbeiten wir also, so schloß Poincar«, an der ununterbrochenen Schaf­fung dieser notwendigen Einigung.

Wilson ist leider nicht die Persönlichkeit, die die unvoreingenommene Welt als Schieds­richter für die Kriegsschuldfrage ansehen wollen

von der Repko.

Aus Washington wird gemeldet: Zu beit Gerüchten, wonach der Generalagent für die Repa­rationen in Deutschland Parker Gilbert, von fei­nem Posten zurücktreten werde, weil er als Gou­verneur des Federal Reserve Board in Aussicht genommen sei, erfährt Associated Preß, daß zwar in verschiedenen Kreisen eine solche Möglichkeit ge- rüchtweise erörtert wird, es werde aber gleichzeitig darauf hingewiesen, daß infolge gewisser Bestim­mungen des Gesetzes über die Zusammensetzung der Federal Reserve Board Gilbert als Kandidat für den Posten des Gouverneurs zur Zeit nicht in Betracht kommt.

Nanu!

Die „Politische Wochenschrift", ein d e u t s ch nationales Blatt, das auch den dieser Partei angehörenden Verkehrsminister Koch zu seinen Mit­arbeitern zählt, schreibt anknüpfend an die erste große Genfer Rede Stresemanns:

„Bei dieser neuesten Rednerleistung unseres Reprä- , sentanten wandelt den deutschen Zuhörer beinahe eine leise Sehnsucht nach den Zeiten des immerhin ehr liehen Pazifisten Wirth an, der ja in einer solcher Lage wie der gegenwärtigen ganz bestimmt nicht blo| darauf Wert gelegt hätte, den frenetischen und verdächti­gen Beifall Frankreichs zu ernten, sondern auch ein klein wenig an die Sorgen Deutschlands gedacht hätte . . . Ach, wir wissen zu genau Bescheid! Der Redner, nicht»- als-Redner, braucht Beifall, und wenn er vor einem internationalen Forum spricht, redet er diesen nach dem Munde, gleichgültig, was man daheim dazr

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amlliches Areisblalk.

Einzelnummer 10 M. (mit Mir. Beilage 15 Psg.)

ettim

Nr. 216.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Dienstag, 20. September 1927.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 5U, auswärts 0,20 JU. Reklamezeile: lokal 0,60 5U, auswärts 0,80 M. Bei Wiederholungen Rabatt.

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54.Zahrg.

Irr brutsche Mlutionseutwurs zur Mriistungssrage

wtb. Genf, 19. Sept. (Eig. Funkm.) Im Ab­rüstungsausschuß wurde heute vormittag der pol­nische Antrag zur Verruf-Erklärung des Angriffskrieges nach kurzer Aus­sprache auf Vorschlag des Grafen Bernstorff sowie der Vertreter Frankreichs, Italiens, Finnlands und anderer Staaten durch Akklamation einstimmig und unverändert angenommen. Im weiteren Verlaufe hielt Graf Bernstorff eine län­gere Rede, in der er den von Paul Boneour am letzten Freitag eingebrachten Entschließungsentwurf behandelte und die genaue Trennung zwischen den technischen Vorbereitungsarbeiten für die Ab­rüstungskonferenz und der Prüfung der Sicher­heitsfrage verlangte. Schließlich brachte Graf Bernstorff eine Entschließung ein, in der unter Be­rufung auf eine Entschließung der vorjährigen Völ­kerbundsversammlung in Bezug auf Einberufung einer Abrüstungskonferenz gefordert wird, daß der vorbereitende Abrüstungsausschuß die technischen Arbeiten derart beschleunigt, daß die Abrü­stungskonferenz noch vor der näch stjähri- gen Völkerbundsversammlung einbe- rufen werden kann.

Zur Begründung seines Montagvormittag im Abrüstungsausschuß eingebrachten Cmtschließungs- rntwurfes führte Graf Bernstorfs folgen­des aus: „Wir dürfen die gerade Linie nicht ver­lassen, die sich aus den bisherigen Arbeiten des Völkerbundes auf diesem Gebiete ergibt. Diese ge­rade Linie ist gegeben durch die Resoluttonen der Bölkerbundsversammlung. Die Völkerbundsver- lammlung hat im Jahre 1925 gesagt, die technischen Vorarbeiten für eine allgemeine Abrüstungskon­ferenz sollten so gefördert werden, daß die Kon­ferenz selbst einberufen werden könne, sobald vom Gesichtspunkt der allgemeinen Sicherheit zufrieden­stellende Verhältnisse gewährleistet sind. Dieser Zeit­punkt war inzwischen gekommen, das Vertragswerk von Loearno ist seither geschaffen worden; die Ini­tiative dazu lag bei Deutschland. Von allen Sei­ten hat die Völkerbundsversammkung des vorigen Jahres die Verträge von Locarno als einen eminent wichtigen Schritt auf dem Wege zur Organisation des Friedens bezeichnet. Der französische Vertreter im dritten Ausschuß war so durchdrungen von die­sem Fortschritt, daß er damals durchaus das Da­tum für eine allgemeine Abrüstungskon­ferenz für das Jahr 1927 zu fixieren wünschte."

Graf Bernstorff fuhr fort: Ebenso wie für die Sicherheit viel geschehen ist, hat man auch für die Schiedsgerichtsbarkeit viel getan. Auch auf die­sem Gebiet hat Deutschland sich durchaus nicht ne­gativ verhalten, sondern praktisch mitgearbeitet und hat jetzt einen neuen Beweis seiner positiven Ein­stellung geliefert, indem es sich entschlossen hat, die fakultative Klausel zum Statut des internationalen Gerichtshofes in seiner Solidarität anzunehmen. Je­des Völkerbundsmitglied hat also die Möglichkeit, durch Beitritt zu dieser Fakultativ-Klausel in ein schiedsgerichtliches Vertragsverhältnis zu Deutsch­land zu treten. Für die Abrüstung, dem dritten Punkt der bekannten Trilogie, ist dagegen bisher

praktisch nichts erreicht. Auf diesen Punkt müssen wir daher unsere Bemühungen konzentrieren. Einem weiteren Ausbau der Sicherheit und der Schiedsgerichtsbarkeit stehen wir aber in keiner Weise ablehnend gegenüber. Wir sind durchaus bereit, in dem gleichen positiven Geiste diejenigen Gedanken, die in dem Resolutions-Vorschlag von Paul Boncour enthalten sind, zu diskutieren. Man darf sich aber nicht in Widerspruch setzen zu der Basis, auf welcher die Bölkerbundsversammlung des letzten Jahres eine Abrüstungskonferenz ge­wünscht hat. Es muß klar unterschieden werden zwischen 1. Abrüstung auf der Basis des hohen gegenwärtigen Standes der Sicherheit und 2. För­derung des Problems der Schiedsgerichtsbarkeit und Sicherheit über den gegenwärtigen Stand hin­aus. Wir können nicht mit der allgemeinen Abrü­stungskonferenz warten, bis wir eine absolute Sicherheit geschaffen haben, sonst würden sich beide Bestrebungen behindern und praktische Ergeb­nisse nicht zustande kommen lassen. Abrüstung und Sicherheit müssen sich gegenseitig befruch­ten, dürfen sich aber nicht gegenseitig hindernd im Wege stehen. Für die Lösung der Probleme von Schiedsgerichtsbarkeit und Sicherheit an sich ist der vorbereitende Ausschuß nicht kompetent. Zur Be­arbeitung der allgemeinen Sicherheitsfragen ist der vorbereitende Ausschuß auch deshalb nicht geeignet, weil in ihm ebenso wie auch in der künftigen allge­meinen Abrüstungskonferenz bekanntlich Staaten vertreten sind und vertreten sein werden, die dem Völkerbunde nicht angehören. Diese Rücksicht­nahme ist meines Erachtens geradezu ausschlag­gebend. ,

Mein Vorschlag geht deswegen dahin, die dies­jährige Versammlung solle in einer ersten Ent­schließung dem vorbereitenden Abrüstungsausschuß eindeutige Richtlinien für seine weitere und beschleunigte Arbeit auf der Basis der gegen­wärtigen Sicherheitsverhältnisse geben. In einer zweiten Entschließung könnte dann die Auffassung der Versammlung zusammengefaßt werden über die Anregungen, die ihr von verschiedenen Seiten, insbesondere von holländischer, norwegischer, fran­zösischer und schwedischer Seite gemacht worden sind. ,

Dom Völkerbund.

Driand ist Sonntagabend, wie beabsichtigt, in ©ettf wieder emgetroffen. Chamberlain hat ange­sichts der Tatsache, daß der ungarisch-rumänische Streitfall noch nicht erledigt ist, feine Abreise zu­nächst aufgeschoben. Um eine Erledigung dieses Konfliktes vorzubereiten, fanden zwischen verschie­denen fremden Delegationen Besprechungen statt. Reichsminister Dr. Sttesemann und die übrigen deutschen Mitglieder verbrachten den Sonntag größtenteils außerhalb Genfs.

*

Die „Chicago Tribüne" berichtet, es sei beab­sichtigt, auf dem Kongreß der amerikanischen Legio­näre am Dienstag den Entwurf einer Entschließung zugunsten des Abschlüsse eines ewigen Frie­dens p,a k t e s zwischen' Frankreich und Amerika gemäß der Anregung Briands vom 6. April d. I. vorzuschlagen.

@nüe»0urg5 Kundgebung zur KrieMulbsrage.

Die Feier in

Dem wunderbaren Sieg der deutschen Truppen über die Russen bei Tannenberg, dem leider eine Woche später die schicksalsschwere deutsche Nieder­lage an der Marne folgte, ist am Sonntag auf dem Schlachtfeld im Osten ein würdiges Denkmal ge­weiht worden.

In Anwesenheit des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers, der Reichsminister Dr. Geßler und Dr. v. Keudell und von Generalen der alten Armee, darunter Ludendorff, Mackenfen, Franeois und Morgen sowie einer vieltausendköpfi­gen Menge wurde das anderthalb Kilometer von Hohenstein entfernte Tannenberg-Nationaldenkmal eingeweiht.

Der Vorsitzende des Tannenberg-Nationaldenk­malvereins, Generalmajor a. D. Kahns, begrüßte den Reichspräsidenten mit einer Ansprache, in der er ihn willkommen hieß, und erklärte: Wie Tan­nenberg 1914 dank dem überragenden, verantwor­tungsfreudigen Führerwillen, dank glühender Va­terlandsliebe und Heimatliebe, dank der über alles Lob erhabenen Heldentaten der Mitkämpfer einst die Befreiung Ostpreußens aus bitterster Kriegsnot bedeutete, so soll der heutige Tag mit Gottes Hilfe befreiende Schicksalswende für Deutschland werden und den Geist von Tannenberg 1914 im deutschen ?e wieder wecken und wach erhalten in allen Zeiten.

Der Reichspräsident erwiderte hierauf mit Wor­ten des Dankes für den Willkommengruß und fuhr dann mit erhobener Stimme fort: „Das Tannen­berg-Nationaldenkmal gilt in erster Linie dem Ge­dächtnis derer, die für die Befreiung der Heimat gefallen find. Ihr Andenken, aber auch die Ehre meiner noch lebenden Kameraden verpflichtet wich dazu, in dieser Stunde und an dieser Stätte feierlichst zu erklären: Die Anklage, daß Deutsch­land schuld sei an diesem größten aller Kriege, weisen wir, das deutsche Volk in allen feinen Schichten, einmütig zurück. Nicht Neid, Haß oder Eroberungsluft gaben uns die Waffen in die Hand. Der Krieg war »ns vielmehr das äußerste, mit schweren Opfern des ganzen Volkes verbundene

Tannenberg.

Mittel der Selbstbehauptung einer Welt von Fein­den gegenüber. Reinen Herzens find wir zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen und mit reinen Händen hat das deutsche Heer das Schwert geführt. "Deutschland ist jederzeit bereit, dieses vor unparteiischen Richtern nachzuweisen!" (Stürmischer Beifall!)

Der Reichspräsident gab sodann dem Wunsche Ausdruck, bchß an diesem Erinnerungsmal stets in­nerer Hader zerschellen möge, und schritt nach Oeffnung der Pforte zum Nationaldenkmal die Ehrenkompqgnie ab, begrüßte die erschienen Ehren­gäste und fuhr bann im Wagen die lange Front der kameradschaftlichen Vereine und der Mitkämp­fer der Schlacht bei Tannenberg ab. Die Abfahrt der Front dauerte etwa 1% Stunden. Inzwischen hatten sich die Fahnen der ehemaligen Regimenter und die Ehrengäste um die Rednerkanzel postiert. Nachdem der Reichspräsident mit seinen Begleitern in den Kre^» getreten war, folgte, eingeleitet durch einen Chonw, der Festgottesdienst, den der evan­gelische unio katholische Feldgeistliche abhielten. Flie­ger umkreisten »en Denkmalplatz. Mit Gebet und dem letzter» Vers des „Niederländischen Dankge­bets" schloss, der weihevolle Gottesdienst.

Reichspräsident v. Hindenburg trat bann an bie Rebnettkanzel heran, von ber aus Regierungs­baumeister । Krüger, dessen preisgekrönter Denk- marlsentwttrf zur Ausführung. gelangte, an alle feine Mitarbeiter herzliche Worte des Dankes rich­tete ,und den goldenen Schlüssel zum Tore des Denkmals dem Vorsitzenden des Denkmalsausschus­ses, Generalmajor a. D. Kahns, übergab. Dieser wiederum ließ durch einen Knaben und ein Mäd­chen auf einem Kissen mit einer kurzen Ansprache den Schlüssel dem Reichspräsidenten überreichen. Auf die Ansprache erwiderte der Reichspräsident mit folgender! Worten: „Möge der Geist von Tan­nenberg durch dieses Denkmal der Nachwelt erhal­ten bleiben!" (Lebhafte Zustimmung). Der Zug mit dem Reichspräsidenten an der Spitze bewegte sich nunmehr zst dem Nordtor des Denkmals, das > ber Reichspräsident öffnete. Durch die aswattigen 1

eichenen Türen durchschritt der Reichspräsident und die Ehrengäste das Tor und gelangten in das In­nere des Ehrenhofes. Hier hatten sich terrassenför­mig viele Hunderte von Fahnen der Verbände und die Chargierten der Universität Königsberg und ber Technischen Hochschule in Danzig aufgestellt, ein Bilb von rounberbarer Schönheit, von bem ber Reichspräsident sichtlich tief ergriffen war. Wuchtige Posaunenklänge begrüßten den Reichspräsidenten. Dieser legte sodann an dem in der Mitte des Ehren­hofes errichteten Altar einen goldenen Kranz zu Ehren der Gefallenen mit einem stillen Gebet nie­der. Zahlreiche weitere Kränze bedeckten schnell den ganzen Altar. Nach Gesangsvorträgen begab sich der Reichspräsident mit seiner Begleitung in den sogenannten Fahnenturm, wo er sich in das goldene Buch eintrug. Ein Rundgang durch die ganze Denk­malsanlage machte den Beschluß der Feier im Ehrenhof. Inzwischen hatten sich die Verbände auf der Straße nach Hohenstein zum Vorbeimarsch vor

dem Reichspräsidenten und den Heerführern geord­net. Auch hier bot sich den nach Zehntausenden zählenden Zuschauern ein farbenprächtiges Bild. Der Vorbeimarsch friit klingendem Spiel nahm über zwei Stunden in Anspruch. Nach seiner Beendi­gung begab sich der Reichspräsident im Kraftwagen nach Allenstein.

3n Königsberg.

wtb. fiönigberg, 19. Sept. (Eig. Funkm.). Mi! dem fahrplcmmäßiaen Zuge von Allenstein kommend traf der Reichspräsident am Montag gegen 11 Uhr hier ein. Mit dem gleichen Zuge trafen Reichskanzler Dr. Marx und Reichsminister Dr. von Keudell ein. Sie wurden auf dem Bahnhof vom Oberpräsidenten, deni Regierungspräsidenten und dem Oberbürgermeister emp­fangen. Dr. Marx und Dr. von Keudell oerschiedeten sich im Salonwagen vom Reichspräsidenten. Dem Herrn Reichspräsidenten wurden Blumen in den Sa­lonwagen gereicht; das auf dem Bahnhof befindliche Publikum bereitete ihm bei der Weiterfahrt des Zuges herzliche Kundgebungen.

Eine Rebe bes ReiWMMWers Ir. Köhler.

Bei der Jahresversammlung der f o m= "tunalpvlitschen Vereinigung der deut­schen Zentrumspartei, die in Köln statt- fanb, hielt der Reichsfinanzminister Dr. Köhler eine Rede Nachmittags um 5 Uhr war Reichsfincmz- mmtfter Dr. Köhler, der im Flugzeug von Ber- Im ab geflogen war und in Hannover eine Not­landung mitrnachen mußte, eingetroffen und er­griff, lebhaft begrüßt, das Wort.

Der Minister erklärte eingangs seiner Ausfüh­rungen,, daß er eine schwere Sturmfahrt hinter sich habe. Der Minister sprach dann zu der tfinge „Reichs- und Gemeindefinanzen und die ge­plante Rahmengesetzgebung des Reichs." Er wolle Gelegenheit nehmen, einmal vorn Standpunkt des Reichsfinanzministers zum Gesetzenttvurf über die Steuervereinheitlichung Stellung zu nehmen. Nach einem Ueberblick über die Entwickelung des Steuer­rechts erklätte er u. a.: Im Interesse der gesamten Wirtschaft müsse das Realsteuerrecht vereinheit- l i ch t und übersichtlicher werden. Er lehnte es hin­sichtlich seiner Finanzpolitik ab, im Halbdunkel wei­terzuarbeiten. Der Minister ging dann im ein-

$6f dos.. Dteuervereinheitlichungsgesetz ein und gab eine Uebersicht über die wesentlichsten Be­stimmungen der einzelnen Gesetzentwürfe. Das Wesentliche aus dem Entwurf über die Gewerbe­steuer sei die Bestimmung einer einheitlichen Meß­zahl für die Steuerbemessung und der Grundsatz, daß vor allem der Gewerbeertrag maßgebend sein soll. $on_ einer sofortigen allgemeinen Sen­kung der Reafftenern um 20 Prozent könne nie­mals die Rede fein. Das Ziel der Reichsregierung sei jedoch, in absehbarer Zeit eine allmähliche und beträchtliche Senkung zu erreichen.

Die Besoldungsreform des Reichs solle auch den Ländern und Gemeinden im Rahmen der Anpassung an die Verhältnisse maßgebend sein. Die Beamtenbesoldungsreform, bie nach langwierigen Beratungen im Reichskabinett nunmehr einstimmig angenommen wurde, fei eine notwendige und so­ziale Reform. Besonders 'verwahrte sich der Mini­ster gegen die Bestrebungen, bie Besserung, bie bie Beamtengehaltserhöhung bringt, durch Preiser­höhung auf dem Bedarfsmarkt wieder wettzu­machen. Die Reichsregierung werde dies unter kei­nen Umständen zulassen. Der Minister verwahrte sich gegen den ihm gegenüber erhobenen Vorwurf des Unitarismus und die ihm anläßlich des Steuer­

vereinheitlichungsgesetzes zugeschriebene Absicht, die Selbstverwaltung der Gemeinden zu zerschlagen. Durch den Gesetzentwurf sei ein wichtiger Fort­schritt auf dem Wege der Vereinheitlichung der Steuergesetzgebung gemacht. Die bewegliche Ge­staltung der Einnahmemöglichkeiten der Länder und Gemeinden sei bewußt eingeleitet und fortgeführt. Solange er Minister fei, arbeite er an der Ver­einfachung und Vereinheitlichung des deutschen Steuerwesens und damit auch an der großen Reform der öffentlichen Verwaltung. Die Ausführungen des Reichsministers wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

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In Tuntenhausen wurde die Herbstta gung des bayerischen patriotischen Bauernvereins abgehalten. Unter den Ehren­gästen befand sich auch Ministerpräsident Dr. Held. Dr. Horlacher (Bay. Vpt.) sprach über Fragen der Reichspolitik. Er wies auf die Bedeutung der Weltanschauung int Rahmen der allgemeinen Poli­tik hin. Dann "behandelte der Redner hauptsächlich wirtschaftliche Fragen und wandte sich bei Besprech­ung der Steuerfragen im Interesse der Aufrechter - Haltung der Selbständigkeit Bayerns ent­schieden gegen das Reichsrahmengesetz. Zur Frage der Bearntenaufbessemng bemerkte er, daß die bayerische Volkspartei zwar eine Erhöhung der Beamtengehälter für notwendig erachte, aber gleich­zeitig fordere, daß daS Reich den Ländern für die ihnen erwachsenden Mehrausgaben eine finan­zielle Beihilfe gewähre. Ministerpräsident Dr. Held, bekanntlich ein geborener Nassauer, führte u. a. aus, daß nicht nur in Berlin, sondern auch in Bayern Leute seien, die das Heil für das ganze! deutsche Volk im Unitarismus, im Einheitsreich sehen, ohne Rücksicht auf die einzelnen Stämme. Wir wollen aber unsere Selbständigkeit be­wahren, nicht um das Reich dadurch zu schwächen, sondern weil wir die Ueberzeugung haben, daß die Kraft des deutschen Volkes in der Mannigfaltigkeit der Stammeseigentümlichkeiten liegt, deren Kräfte geschichtlich geworden und bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben sind. Geheimrat Dr. Heim nahm gleichfalls gegen die Zentrali- sierungs- und Unitarifierungs-Tendenzen entschie­den Stellung. Der Entwurf des Steuervereinheit- llchungsgefetzes bedeute bie völlige Mediati­sierung der Länder.

Und poincarö?

Ailf einem von ber französischen Regierung zu Ehren der amerikanischen Legion gegebenen Bankett hielt ber Befehlshaber ber Legion, Sa­vage, eine Rebe, in ber er auf bie demokratische Zusammensetzung der Legion hinwies. Ihr Ziel sei gemäß ihrem Statut die Festigung des Frie­dens und die Verteidigung ber Gerechtigkeit, Frei­heit und Demokratie. — Namens ber französischen Regierung begrüßte Ministerpräsident Poin - ca re bie amerikanische Legion. Er hob den An­teil des amerikanischen Heeres am Kriege hervor und schilderte die Gründe der Vereinigten Staaten, schließlich in den Krieg einzugreifen.' Er erklärte hierbei, es sei wahrscheinlich, daß sie sich abseits gehalten hätten, wenn sie nicht die Notwendigkeit empfunden hätten, eine Reihe beleidigender Her­ausforderungen anzunehmen, die ihnen das ver­blendete Deutschland hingeworfen habe. Poincars ging bann auf bie Frage des U-Bootkrieges ein unb erklätte, am 10. Februar 1917 fei die „Ca­lifornia" torpediert worben, wobei brei amerika­nische Kinder ums Leben gekommen feien. Gleich­zeitig habe das Hohenzollernreich in Mexiko üble Intrigen gegen die Vereinigten Staaten anzuzet­teln gesucht. Das fei zu viel gewesen. Präsident Wilson habe einen Kriegsrat einberufen unb die Bewaffnung ber Handelsschiffe angeorbnet, sowie ben Kriegszustand zwischen den Vereinigten Staa­ten und ber kaiserlichen Regierung erklärt. Weil also Deutschland das Völkerrecht bei ber Führung des U-Bootkrieges verletzt habe, hätten bie Ver­einigten Staaten sich auf bie Seite ber einen Par­tei gestellt. Sie hätten biefen schweren Entschluß gewiß nicht gefaßt, wenn sie nicht Englanb, Frank­reich, Belgien, Italien unb bie anderen Alliierten als bie Verteidiger einer gerechten Sache angesehen und wenn sie es nicht für ihre Pflicht gehalten hätten, an ihrer Seite für bas Heil ber Freiheit einzutreten. Poincar - brachte alsbann die Dankbarkeit Frankreichs zum Ausdruck und erinnerte zum Schluß an ein Gespräch, das er vor der Abreise Wilsons nach Amerika am 27. 6. 1919 mit diesem hatte. Er habe Wilson erklärt, man habe bie Be­mühungen vereinigt, um ber uneinigen Menschheit ein gerechtes Statut zu verschaffen, worauf Wilson