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I T^k I mein grosses Lager in I4J/1 Denkmälern

aller Steinarten auf Allerheiligen.

Große Zahlungserleichterung.

Valentin Schreiner, Fulda ju Stein-u.Bildhauerei e Adalbertstr. 8.

Fuldaer Zeitung

Sonntag, 18. September 1927.

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Actiendruckerel. Fulda

Stuckfabrik

Brähler L Nüchter

Inh. H. Nüchter

Im Friedhofsgässchen — Fernsprecher 284

Kunststein - Kunstgranit - Terrazzo Kork-Estrich - Steinholzböden Terrazzomaterialien Kunst-Marmor Gartenkies

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zwei mur«

Keichspost und Reichsbahn.

Im Verwaltunqsrat der Reichspoft gab Reichs - xostminister Dr. Schätz! eine Uebersicht über die Auswirkung der letzten Gebühr en erhö hung. Er stellte dabei fest, daß ein Verkehrsrückgang da­durch nicht eingetreten ist. Die Gebühren sind in der veranschlagten Höhe eingegangen. Hierauf genehmigte der Verwaltungsrat die Richtlinien für den Sparkommissar, der, wie die anderen Reichs­verwaltungen, nunmehr auch die Geschäftsführung der Reichspostverwaltung nachprüfen soll.

Rach dem Mnansergehnis für den Monat August wird für das laufende Rechnungsjahr mit einer Mehreinnahme in Höhe von 146 Mil­lionen Reichsmark aus der Gebührenerhöhung zu rechnen sein. Doch läßt sich über das Jahresergeb- nis noch, kein abschließendes Urteil fällen. Die zu erwartenden Mehreinnahmen aus der Gebüh­renerhöhung werden durch die bevorstehenden Mehrausgaben, namentlich auch für die Be­amtenbesoldung großenteils ausgebraucht wer­den, so daß bei der Finanzlage der Deutschen Reichspost auch nach der Gebührenerhöhung sehr ernst bleiben wird. Gegenüber dem bei der Be­ratung der Gebührenvorlage festgestellten Bedarf bleibt nach wie vor eine ungedeckte Spanne bestehen. Daneben ist eine Anleihe in dem vorgesehenen Betrage von 174 Millionen Reichs­mark erforderlich. Es wird großer Anstrengungen bedürfen, um in der nächsten Zeit durchzukom­men, wenn die Deutsche Reichspost unabhängig vom übrigen Reichshaushalt sich selbst decken und ihre Ausgaben durch eigene Einnahmen bestreiten soll. Die Befürchtung, daß die Gebührenerhöhung einen außergewöhnlichen Verkehrsrückgang hervor- rufen werde, hat sich nicht bewahrheitet. Ebenso­wenig haben sich die zahlreichen Voraussagen einer Inflation nicht verwirklicht. Die Gesamtmeßziffer für Lebenshaltungskosten betrug im Juli 150, im August 146,6, so daß im August ein Rückgang von 2,3 v. H. eingetreten ist.

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Mein Freund Stresemann hatte wirklich eine lichte Stunde, als er in Genf seine große Frie­densrede hielt. Meisterhafter ist niemals eine poli­tische Situation ausgenutzt worden. Es bedurfte keiner besonderen Feinhörigkeit, um auch in der demokratische Völkerbundpresse eine gefährliche an­wachsende Verstimmung über das ewige Gerede, dem niemals Taten folgten, wahrzunehmen. Ganz unverhohlen sprachen sich darüber die kleinen Staa­ten aus, die in Genf vertreten sind. Das hat Stre­semann ausgenützt und sich kühn zum Führer die­ser Opposition gemacht. Das war es aber nicht allein. Alles Einerseits hat nämlich in Genf auch ein Andererseits. Und dieses Andererseits bedeu­tet, daß im Völkerbund, wie in manchem andern Bund, die Kleinen nichts zu sagen haben, die Gro­ßen aber alles. Damit mußte gerechnet werden. Der Angriff durfte nur mit Vorsicht vorgetra­gen werden. Und auch das hat Stresemann her­vorragend besorgt. Indem er seine Bereitwillig­keit erklärte, die internationale Schiedsgerichtsbar­keit anzuerkennen, zeigte er einen Friedenswillen, der auf der Gegenseite, namentlich in Frankreich, geradezu verblüffte. Während er also die großen Tiere mit diesem fetten Knochen liebevoll beschäf­tigte, prügelte er sie sanft auf der andern Seite, die es auch hier gibt — es war geradezu genial. Allerdings kann ich meine Bewunderung nur aus­sprechen, wie man sie etwa einem vorzüglichen Tanzmeister in einem Ballett ober einem Tierbän­diger in einem Zirkus ausspricht, denn es ist wirk­lich der Augenblick gekommen ,wo der Völkerbund in Gefahr gerät, den kleinen und doch so verhäng­nisvollen Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen zu machen.

„Der Krieg ist verboten." Das ist eine inte­ressante Aeußerung. Ich wundere mich, daß man nicht schon längst auf diesen Ausweg verfallen ist. Man errichte doch überall an den Grenzen und be­sonders an den bedrohten Punkten in Europa Schilder auf, etwa: Das Schießen mit Kanonen ist in der Gegend von Wilna verboten. Oder: Hier werden keine Bomben abgeworfen . . . Nachdem man mit Glück schon einige neutrale Zonen auf der Welt hat, kann man ja einmal versuchen, die ganze Welt als neutral zu erklären. Da ich in der Nach­barschaft ein Haus habe, in dem es an häuslichem Streit nicht fehlt, werde ich morgen einfach ein Schild dort aufpflanzen: Aller Streit zwischen christlichen Eheleuten ist in diesem Hause verboten. . . . Oder ich werde auf dem nahen Spielplatz, wo den ganzen Tag die Jungen Fußball spielen, ein Schild anbringen: Raufen und Schreien ist hier verboten.... Morgen wird die Welt ein Paradies sein. Lieber Völkerbund, du hast wirklich den Stein der Meisen gefunden. Da baut England eine Rie­senluftflotte, da läßt Amerika einen Kreuzer nach dem andern vom Stapel, da bewaffnet Frankreich das ganze Volk, da schwingt Mussolini ohne Un­terlaß seinen Säbel, da ist die Rüstungsindustrie in allen Ländern lustig bet der Arbeit, und in Genf errichtet man ein Schild: „Krieg verboten."

Für mich ist das Problem des Pazifismus im­mer gleich mit einem anderen gewesen, nämlich mit der Frage der nationalen Erziehung. Diese beiden Dinge, so meine ich, könnte man nicht von einander trennen. Wir haben uns in Deutschland so sehr an die Schönheit der militärischen Paraden gewöhnt, daß alle unsere Volksfeste irgendwie

einen militärischen Einschlag erhalten. Ich will ehrlich gestehen, daß ich hier fühle, wie Millionen bei uns. Die dicke Trommel ist auch mein Ver- gnügen. Einen schneidigen Marsch muß ich von Zeit zu Zeit hören. Und doch, und doch . . . Wenn ich dabei denke an das, was am Ende dieser Märsche und am Ziel dieser Paraden steht, wenn ich des Grauens der Schlachtfelder gedenke, der Tränen der Mütter, des Ruins Europas. . . wenn ich bedenke, daß der nächste Krieg mit seinen Gift­gasen den letzten noch weit übertreffen wird, wenn ich weiter erwäg», daß bestimmt entweder schon an seinem Anfang, ganz gewiß aber an seinem Ende die Weltrevolution kommen muß, wenn ich das alles überlege, dann vergeht mir die Freude an diesen Dingen, die so lustig scheinen. Und da habe ich angefangen, mich selbst zu erziehen. Ich will mich der Heimat freuen. Ich will auch, daß mein Volk gesund und stark sei. Aber in unseren Inter­essen kann man sich einen Wandel denken. Die Art unserer Feste kann mehr menschlich als militärisch sein. Man weiß, daß die alten Preußenkönige man­chen alten Korporal später zum Schulmeister ge­macht haben, und ich meine, es könnten die Auf­gaben des Friedens und seine Feste nach und nach an die Stelle der Aufgaben des Krieges und sei­ner Märsche treten. Als neulich in dem Liederbuch eines großen Festkommerses auch das Lied stand: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ" und als ich dann an die Strophe kam:

Laßt klingen, was nur klingen kann, die Trom­meln und die Flöten!

Wir wollen heute, Mann für Mann, mit Blut das Eisen röten,

Mit Henkersblut, Franzosenblut — o süßer Tag der Rache!

Das klinget allen Deutschen gut, das ist die große Sache!.

ja, als ich das las, was gewiß nicht schlimm ge­meint war und kaum bedacht, da wurde mir doch schwül zu Mute. . . . Noch einmal Verdun? Noch einmal Flandern? Noch einmal Galizien, Rumä­nien und Saloniki? Meine lieben Studenten, laßt diese Musik ruhen, wenigstens so lange, als das Geschlecht noch lebt, das jahrelang an diesen Stät­ten gelitten hat. Ich lasse nichts kommen auf unsere Krieger, und ich lasse auch die Heldentaten nicht schmälern, die sie aus Liebe zur Heimat vollbracht haben, aber der Krieg der Zukunft wird ja kein Kampf zwischen Helden sein; sondern ein Morden mit Gift, Maschinen und allen möglichen nieder­trächtigen Dingen. Bauen wir doch lieber Woh­nungen, anstatt sie zu zerstören. Besiedeln wir doch lieber Land, als daß wir es erobern. ... Die Stunde ist gekommen, wo alle Friedensfreunde mit erneutem Eifer das Werk für den Frieden tun müssen. Schon liegt wieder ein Sprengstoff auf­gestapelt, groß genug, um ganz Europa in einen einzigen Friedhof zu verwandeln. . . .

Krieg verboten! So billig ist es nicht. Tief­gehende Aenderungen in der Auffassung bedürfen der Zeit. Was es heute braucht, das sind zwar Menschen, die fleißig alle Fragen studieren, vor allem aber solche, die sich gesunden Sinn bewahren und die noch wissen um das Geheimnis des Le­bens, um seine heiligen Quellen. Wie sagt doch Goethe: Ein Kerl, der spekuliert, nun, und so weiter.

£>er Mann im Monde.

Auf der Landstraße zwischen St. Ingbert und Bentrich geriet ein Lastauto auf unaufge­klärte Weise auf den Flußweg und überfuhr meh­rere Arbeiter. Ein Arbeiter wurde getötet, " weitere Arbeiter sowie der Führer des Autos

Nach dem Augustbericht der Deutschen Reichs­bahngesellschaft ist der Güterverkehr im Au­gust infolge der verspäteten Ernte nur unwesent­lich gestiegen. Die etwa 4 Prozent ausmachende Derkehrszünahme ist auf den vermehrten Absatz von Ruhrkahlen, den lebhaften Kartoffelabsatz und die großen Obsttransporte zurückzuführen. Sie Gesamtwagengestellung betrug 4 059 087, also 153623 Wagen mehr als im Juli. Der Kohlen­verkehr stieg im ganzen an. Die Transporte von Ruhrkohlen ins Ausland nahmen infolge des an­haltenden englischen Wettbewerbs ab. Der Ver­sand von künstlichen Düngemitteln ging infolge der ungünstigen Witterung um fast 10 Prozent zu­rück. Der Personenverkehr ging über den des Vormonats dieses Jahres, sowie über den glei­chen Monat des Jahres stark hinaus. Die Betriebs­einnahmen des Monats Juli beliefen sich auf 453,1 Millionen. Die Ausgaben beliefen sich für Betrieb und i Unterhaltung auf 297,7 Mill., für Erneuerung der Anlagen auf 64 Mill., für den Dienst an Reparationsschuldverschreibungen auf rund 45 Mill. RM. Die Einnahmen der Reichs­bahn sind im Juli erneut gestiegen. Für werbende Anlagen (Anlagezuwachs) entstanden Ausgaben in Höhe'von 42,3 Mill. Der Personalbestand erhöhte sich im Juli um 8732 auf 726 259 Köpfe.

Theater und Musik.

(■— Neues Schauspiel Arthur Sakhelms. Der Der- <ug S. Fischer in Berlin hat soeben ein neues Drama von Arthur Sakheim, Regisseur und Dramaturg am Frankfurter Schauspielhaus, „Der Zaddik", erworben. Das Stück wird demnächst den Bühnen zugehen.

den lebensgefährlich verletzt.

* Verzweiflungstat eines Familienvaters. D« Müller Josef Wiesinger in Frauen st ein, B» zirk Braunau am Inn, tötete durch Revolverschüsst seinen siebenjährigen Sohn, verletzte sein sieben Monate altes Töchterchen lebensgefährlich und ent­leibte sich hierauf selbst. Seine Gattin entging dem gleichen Schicksal nur dadurch, daß sie, als der erste Schuß fiel, aus dem Hause lief, um Hilfe herbei- zuholen. Die Ursache der Tat dürfte in mißlicher Verhältnissen zu suchen sein.

Neue Erdstöße auf der Krim.

wtb. Moskau, 16. Sept. (Eig. Funkm.) Hept« nacht wurden in der ganzen Krim erneut Erdstöße verspürt. In Laspi stürzte der Eliasfelsen ab. Es wurde festgestellt, daß die während des Erdbebens über dem Wasserspiegel zwischen Sebastopol und dem Kap Lukull erschienenen Feuersäulen auf einen großen Einsturz des Meeresbodens zurückführen. Die infolge des Einsturzes hervorbrechenden Gase entzünden sich bei ihrer Verbindung mit der Luft und bildeten vom Ufer sichtbare Feuersäulen und Rauchwolken.

* (Ein Riefenkalb von 6 Zentnern. Ein Metzger in Bad Dürkheim hat ein Kalb geschlachtet, das bei einem Alter von acht Wochen ein Gewicht von sechs Zentnern erreicht bat. Das Prachtexemp­lar war eine Oldenburger Schwarzschecke.

* (Ehrung Hindenburgs durch den Berliner Ma­gistrat. Nach einem Beschluß des Magistrats Berlin soll das neu zu errichtende Stift in der Schönholzer Heide den Namen Hindenburgstift er­halten. Dem Reichspräsidenten werden darin 30 Zimmer mit Küche zur Unterbringung. von 30 Männern, Frauen oder Ehepaaren, die in Berlin wohn berechtigt sind, zur Verfügung gestellt. Dem Reichspräsidenten werden ferner 100 Neubauwoh­nungen für Kriegsbeschädigte mit einem Mietzu­schuß von jährlich 300 Mark je Monat zur Ver- füguna gestellt.

* Könnecke will zu einem Festlandrundflug star­ten. Wie bekannt wird, hat der in Köln weilende Flieger Könnecke feinen Plan, den Ozean zu überfliegen, zurückgestellt. Er hat sich nunmehr entschlossen, den bereits früher beabsichtigten Flug, an dem Graf Solms teilnimmt, auszuführen, lieber die zu fliegende Route wird augenblicklich das Kartenrnateri^l zusammengestellt. Die verän­derte Flugaufgabe hat auch bedingt, daß anstelle des für den Ozeanflug vorgesehenen Funkers Jo- Hannes ein anderer für diesen speziellen Zweck be­sonders geeigneter Funker tritt. Die Ausrüstung des Flugzeuges ist den Anforderungen des neuen Flugplanes entsprechend geändert worden.

von den Fluten verschlungen.

4 Autoinsassen ertrunken.

wtb. Paris, 17. Sept. (Eig. Funkm.) Nach einer Meldung des „Journal" aus Madrid ver­suchte auf der Straße Santa Coloma (Pros. Barcelona) das Auto eines Spinnereidirektors einen durch Regenwasser zum reißenden Strom gewordenen Bach zu durchqueren. Der Wagen wurde von den Fluten fortgerissen. Der Besitzer und der Chauffeur konnten sich durch Schwimmen retten, während die Frau des Be­sitzers, deren Schwester, seine Tochter und die Gou­vernante durch Ertrinken ums Leben kamen.

*

Rund um die Woche.

Balletmeister in Genf. — Krieg verboten. — (Ein Kommers. — Vergeht Verdun nicht!

„Gleich! gleich!"

Und der Knabe, welcher nie vor einer Gefahr zurück­schreckte, hob das Gewehr in die Höhe, umfaßte mit der anderen Hand einen verdorrten Lianenstengel und glitt an ihm hinunter. Der Elefant 'bewegte unruhig die Ohren, aber Nel sprang auf, umfaßte seinen Rüssel und sagte schnell: __#

„Fürchte dich nicht, — es ist nur Stasch!"

Stasch merkte sofort, daß es für die Kleine keine Ge­fahr gab, aber seine Füße zitterten noch und das Herz klopfte ihm so wild, daß er mit vor Schmerz erstickter Stimme rief: _____

„Nel, Nel, wie konntest du so etwas tun?'"

Sie aber erklärte ihm, daß sie nichts Böses getan; denn der Elefant sei gut und schon ganz zahm. Sie habe ihn nur ansehen wollen, aber er habe sie erblickt und sie zurückgehalten. Er habe sie geschaukelt, und wenn Stasch wolle, so würde er auch ihn schaukeln.

Dabei nahm sie mit dem einen Händchen das Ende des Rüssels und näherte ihn Stasch, und die andere Hand hin und her bewegend, sagte sie zum Elefanten:

„Schaukle Stasch auch!"

Das kluge Tiere begriff ihren Wunsch sofort und Stasch befand sich auf einmal in der Luft. Es lag ein so krasser Gegensatz zwischen seinem noch erzürnten Ant­litz und diesem Schaukeln in der Luft, daß der kleine „Msirnu" Tränen lachte und händeklatschend rief:

„Noch mehr, noch mehr."

Da es unmöglich ist, ernst zu bleiben, wenn man auf der Spitze eines Elefantenrüssels schwebt und unwill­kürlich die Bewegungen eines Pendels ausführt, so fing auch Stasch zu lachen an. Aber da er merkte, daß nach einer Weile die Bewegung langsamer wurde und der Elefant ihn auf den Boden zu setzen beabsichtigte, so fiel ihm etwas Neues ein. Den Moment benützend, in welchem er sich in der Nähe des riesengroßen Ohres befand, griff er danach und schwang sich auf den Nacken des Tieres.

„Er soll begreifen, daß er mir folgen muß," rief er zu Nel hinüber. Und mit der Miene eines Herrschers und Gebieters klopfte er ihm auf den Kopf.

„Aber wie wirst du jetzt herunterkommen?" fragte Nel von unten

„Das ist eine Kleinigkeit," versetzte Stasch.

Und indem er die Füße über die Stirn des Elefanten herunterhängen ließ, umschloß er mit ihnen den Rüssel und glitt daran wie an einem Baumstamm herunter.

„So komme ich herunter." /

Dann zogen sie beide noch Dornen aus den Füßen des Riesen heraus, wobei er sich sehr geduldig erwies.

Inzwischen fielen die ersten Regentropfen, und Stasch beschloß sofort, Nel nach „Krakau" zu begleiten, aber ein unerwartetes Hindernis begegnete ihnen.

Der Elefant wollte sich von Nel nicht trennen, und so oft sie sich zu entfernen versuchte, zog er sie mit dem Rüssel wieder an sich. Die Lage war schwierig und an­gesichts des Widerstandes des Elefanten konnte die fröh­liche Unterhaltung ein böses Ende nehmen. Der Knabe wußte nicht, was er anfangen sollte, denn es regnete immer stärker und es drohte ein Gewitter. Beide zogen sich ein wenig gegen den Ausgang zurück, aber der Ele­fant folgte ihnen.

Endlich blieb Stasch zwischen ihm und Nel stehen, richtete seinen scharfen Blick aus die Augen des Tieres und sagte leise zu Nel:

„Lauf nicht, sondern gehe langsam zurück bis an den schmalen Eingang."

„Und du, Stasch?" fragte das Kind.

„Geh zurück," wiederholte er nachdrücklich, „sonst muß ich den Elefanten töten."

Auf diese Drohung hin folgte das kleine Mädchen sofort, um so mehr, da es dem Elefanten schon sehr ver­traute und überzeugt war, daß er Stasch nichts antun werde.

Der Knabe stand vier Schritte von dem Riesen ent­fernt und wandte feine Augen nicht von ihm.

So verflossen einige Minuten, da folgte ein drohen­der Moment. Die Ohren des Elefanten bewegten sich einigemal, die kleinen Augen blinzelten und der Rüffel hob sich plötzlich in die Höhe.

Stasch erblaßte.

„Der Tod," dachte er.

Aber der Koloß wandte sich plötzlich dem Rand der Schlucht zu, wo er stets Nel aefeben. und blies lo trau­rig wie nie zuvor .

Durch Miste und Wildnis.

Roman von Heinrich Sienkiewicz.

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Diese Unterhaltung dauerte ziemlich lange. Dann -achte sich die Kleine etwas anderes aus. Als sie sich wieder am Boden befand, versuchte sie an dem Vorder­fuß des Elefanten wie an einem Baum emporzuklettern ober versteckte sich unter feinem Riesenkörper und fragte, wo sie sei. Bei diesen Scherzen bemerkte sie aber, daß a in den Dorderfüßen und noch mehr in den Hinter­füßen viele Dornen stecken hatte, von denen er sich nicht befreien konnte; denn erstens vermochte er mit dem Rüffel nicht die Hinterfüße zu erreichen und zweitens hatte er Angst, den Finger, der das Ende des Rüffels bildet und ohne welchen er feine ganze Geschicklichkeit und Gewandtheit verloren hätte, zu verletzen. Nel wußte gar nicht, daß derartige Stacheln eine wahre Plage für die Elefanten in Indien und noch mehr für die im afrikanischen Dschungel sind, da das Dschungel meistens aus dornigen Pflanzen besteht. Ihr tat es nur leid um den braven Riefen; so hockte sie zu seinen Füßen nieder und zog behutsam die Dornen heraus, wobei sie unauf­hörlich versicherte, daß sie nicht einen einzigen Dorn zurücklassen werde. Er begriff sofort, was sie meinte; und die Beine am Knie einbiegend, zeigte er ihr, daß auch zwischen den Hufen, welche die Zehen bedeckten, Dornen staken, die ihm noch größere Qualen verursach­ten.

Unterdessen kehrte Stasch von der Jagd zurück und fragte Mea gleich nach Nel. Auf die Antwort, daß das Fräulein sicher im Baum sei, wollte er schon in das Innere des Baobab sehen, da glaubte er ihre Stimme in der Schlucht zu hören. Seinen eigenen Ohren nicht trauend, erreichte er mit einem Sprung den Rand der Schlucht. Er wurde starr vor Schrecken. Das Kind hockte zu Füßen des Riesen und dieser stand so ruhig da, daß man ihn, wäre nicht die Bewegung der Ohren und des Rüssels gewesen, für aus Stein gehauen halten konnte.

„Nel!" schrie Stasch.

Sie versetzte fröhlich, ohne ihre Arbeit zu unter­brechen:

Stasch entfernte sich ruhig und fand hinter dem Felsen Nel, welche ohne ihn nicht nach „Krakau" zurück- kehren wollte.

Der Knabe hatte große Lust ihr zu sagen: „Siehe, was du getan! Beinahe wäre ich durch dich zugrunde gegangen," aber es war keine Zeit für Vorwürfe, denn der Regen verwandelte sich in einen Guß, und man muhte so schnell als möglich in den Baum flüchten. Nel war gänzlich naß geworden, obwohl Stasch sie mit seinen eigenen Kleidern schützte.

Im Innern des Baumes ließ er sie sofort von der Sie­gerin umkleiden. Er selbst band im .Herrenzimmer" Saba los, denn der Hund war angebunden worden, um Stasch während der Jagd die Tiere nicht zu verscheuchen; dann durchsuchte der Knabe nochmals alles genau, ob er nicht noch ein bißchen Chinin fände.

Aber er fand nichts. Nur am Boden des Tiegels, welchen er vom Missionär in Chartum bekommen hatte, war ein wenig weißes Pulver, das aber höchstens hin­reichte, um sich die Fingerspitzen weiß zu machen. Er beschloß aber, siedendes Wasser in diesen Tiegel zu gie­ren und dieses Spülwasser Nel zu trinken zu geben. Als es bann zu gießen aufhörte und die Sonne wieder schien, ging er hinaus, um die Fische, die Kali gefangen hatte, anzufehen. Der Neger hatte mit einer Angel aus dün- nem Draht gegen fünfzehn Stück gefangen. Die meisten waren klein, aber drei waren von der Länge eines Zolls, silbern gesprenkelt und erstaunlich leicht. Mea, die am Ufer des blauen Nils groß geworden, kannte die Fische und meinte, sie seien sehr gut zum Essen und sprängen abends sehr hoch über das Wasser. Beim Zubereiten stellte es sich heraus, daß sie deshalb so leicht waren, weil sie im Innern sehr große Luftblasen besaßen. Stasch nahm eine solche Blase von der Größe eines Apfels und ging damit zu Nel.

„Siehst du, das befindet sich in den Fischen. Aus mehreren solchen Blasen könnte man eine Scheibe fiy unser Fenster fertigen."

Und er wies auf die obere Deffnung.

Nach kurzem Nachdenken fügte er hinzu:

„Und noch etwas!"

—r- _ ^Fortsetzung folgt).

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