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JVo 2U.

Samstag, 17. September 1927.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Actiendruckerei, Fulda

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Rathoiikentag und Mexiko.

Der Dortmunder Katholikentag hat sich mit vielen bedeutungsvollen Problemen beschäftigt. Diese Fülle der Darbietungen mag schuld darin fein, daß einzelne Aeußerungen nicht mit dem Gewicht in die Oeffentlichkeit gedrungen sind, das sie verdienen. Das gilt vor allem bezügliche Me­xikos Man wird sich erinnern, daß auf dem Breslauer Katholikentag aus berufenem Munde mit aller Schärfe gegen die Verfolgung der mexikani­schen Katholiken protestiert wurde, und daß dieser Protest in einer einmütig angenommenen Resolu­tion ihren Ausdruck fand. Leider ist inzwischen di» Verfolgung nicht aufgegeben, sondern mit ver­doppelter Grausamkeit fort geführt worden. Es muß daher von allen Katholiken, denen das Schick­sal der mexikanischen Glaubensgenossen am Herzen liegt, freudig begrüßt werden, daß auch auf der Dortmunder Katholikenversammlung die mexi­kanische Kirchenverfolgung zur Sprache kam, und daß sich zwei der prominentesten dort vertretenen Persönlichkeiten, Dr. Marx und Dr. Stegerwald erneut hinter jene Breslauer Entschließung gestellt haben. In seiner Eröffnungsansprache betonte der Präsident der Tagung, Dr. Stegerwald, daß die Wiederherstellung der Glaubensfreiheit in Me­xiko auch fürderhin eine der wichtigsten Aufgaben der katholischen Kirche bleiben werde und die tä­tige Mitarbeit der deutschen Katholiken verlange. Unter dem starken Beifall der Versammlung appel­lierte er an das Gewissen der Welt: „Wenn zwei Anarchisten zum elektrischen Stuhl geführt werden, protestiert die halbe Welt im Namen der Mensch­lichkeit, wenn aber, wie in Mexiko, die Gewissens­freiheit einer großen Nation brutal vergewaltig wird, rührt niemand einen Finger.- Diese Aus­führungen unterstrich und erweiterte Reichskanzler Dr. M a r x in der Versammlung des Reichsverban­des für die katholischen Ausländsdeutschen. Er schilderte die brutale Unterdrückung der mexikani­schen Katholiken durch eine glaube'nsfeindliche Re­gierung, deren offen ausgesprochenes Ziel die völ­lige Ausrottung des katholischen Glaubens auf me­xikanischem Boden fei. Kultur- und Kultusfreiheit sei wie bei den nationalen so auch bei den reli­giösen Minderheiten die Voraussetzung jeder Le­bensfähigkeit, wie viel mehr bei einer religiösen Mehrheit, die von einer Minderheit unterdrückt und mundtot gemacht worden ist.

Es ist bekannt, daß sich Mexiko seit 1910, als der Sozialismus Porfirio Diaz stürzte, in einem Zustande fortschreitender Auflösung, ähnlich wie Ehina, befindet, und daß nur durch die Ordnungs­mächte der Wiederaufstieg des Volkes herbeigeführt werden kann. Statt dessen zerstört die revolu­tionäre Regierung unter Berufung. auf die Ge­waltbestimmungen von Queretaro die Wurzeln der religiösen Kultur und Gesittung, die Grundfesten des Familienlebens und der beruflichen Einord­nung, um sie durch eine Gesellschaftsordnung zu ersehen, die in Rußland bereits den Beweis ihrer Unfähigkeit unzweideutig erbracht hat.

Es ist von feiten der deutschen Katholiken im­mer betont worden, daß sich ihre Proteste nicht ge­gen das mexikanische Volk in feiner Gesamtheit, sondern nur gegen eine Regierung richten, welche die Gewissensfreiheit einer erdrückenden Volks­mehrheit rücksichtslos vergewaltigt. Wer das eine Einmischung in die Angelegenheiten eines frem­den Staates nennt, vergißt, daß übernationale Werte die Katholiken der ganzen Welt verbinden, und daß die Solidarität der Katholiken in allen Elaubensangelegenheiten das Fundament der ka­tholischen Lehre bildet. Die katholische Kirche hat an diesem Gründsatz von jeher festgehalten, und es ist nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht der deutschen Katholiken, den verfolgten Glaubensbrüdern in Mexiko jedes Maß von mora­lischer Unterstützung angedeihen zu lassen.

Der Glaubenskampf in Mexiko ist noch nicht zu Ende. Die Regierung ist vor dem einmütigen Wi­derstand der Katholiken zwar behutsamer gewor­den, aber sie hat noch keine ihrer Forderungen auf- gegeben. Noch schmachten Bischöfe und Hunderte von Priestern in den Gefängnissen, noch sind die meisten Kirchen des Landes den Gläubigen ver­schlossen, noch gilt es als ein strafwürdiges Ver­brechen, ein Ordenskleid zu tragen oder einer hei­ligen Messe beizuwohnen. Was die Sowjets durch kluge Spaltung und Nachgiebigkeit zu vermeiden wußten, das haben die merikanischen Machthaber erreicht: Eine geschlossene Einheitsfront aller glau­benstreuen Katholiken ohne Unterschied von Stand und Besitz zu schaffen, welche den Gedanken eines Nachgebens oder des Aufbaues einer mexikanischen Nationalkirche weit von sich weist. Wie einst die Chri- ftenverfolflungen der Antike, so haben auch die mexi­kanischen Verfolgungen das Gegenteil ihres Zweckes erreicht und eine Erneuerung des mexikanischen Ka­tholizismus herbeigeführt, deren Anlaß man viel­leicht rückblickend einmal als ein heilsames Werk­zeug des Himmels betrachten wird.

Tagungen.

— Tagung des hessischen Geschichlsvereins in Rin­teln. Der Verein für hessische Geschichte und Landes­kunde hielt seine diesjährige Jahresversammlung in Rinteln ab. Die Tagung begann mit einem Begrü- ßungsabend im Ratskeller, in dessen Mittelpunkt ein Mchtbildervortrag des Bezirkskonservators Dr. Blei- !>a um-Kassel über die Bau- und Kunstdenkmäler der Grafschaft Schaumburg, insbesondere über die drei alten Kulturstätten der Grafschaft, die Klöster Möllen­beck, Obernkirchen und Fischbeck stand. In der Haupt. Versammlung sprachen Universitätsprofessor Geheimrat Dr. Schröder -—Göttingen üher die Universität Rin­teln, Staatsarchivrat Dr. Gutbier-Marburg über die hes­sische Musikgeschichte. Der von Bibliotheksrat Dr. Israel-Kassel erstattete Jahresbericht wies eine Mit­gliederzahl von 1800 nach. Zum Ort der nächstjäh­rigen Tagung wurde Witzenhausen gewählt.

Neues aus Frankfurt.

=> von einem Auto gelötet. Im benachbarten Reu- 5seniburg wurde ein junges Mädchen aus Sprendlingen mit seinem Rade von einem Frankfurter Auto gestreift und fiel dabei unter den Wagen. Die Schwerverletzte kam in das städtische Krankenhaus und starb hier nach wenigen Stunden.

— Reue große Gifkschlangensendung für den Ioo. Im Laufe dieser Woche gelang es, die große Giftschlan- gensaimmlung des Aquariums durch die Neuerwerbung einer größeren Anzahl großer, farbenprächtiger Klap- perschlangen aus Nordamerika, die zum Teil noch nie in Gefangenschaft gezeigten Arten angehören und über­haupt zu den größten Seltenheiten gehören, zu berei­chern. Erwähnt seien nur Exemplare der wundervol- ka toten, dann der arünen Art und schließlich der be­

sonders merkwürdigen, wie die schon seit mehreren Jah­ren ausgestellten ägyptischen Sandvipern im Wüsten­sande lebende Sandklapperschlange. Durch diese Neu­ankömmlinge weist der Frankfurter Zoo eine Gift­schlangensammlung auf, wie sie wohl sonst nirgends mehr anzutreffen ist.

dem Nachbargebiet.

— Gemünden. Nach vorausgegangenem Streite er­schoß in Gochsheim in Unterfranken der 50jährige Landwirt Jakob Ludwig seinen Schwiegersohn Walter Schlotter. Schlotter kam spät abends nachhause und mißhandelte dann erst seine Frau und darauf auch seine Schwiegermutter und seinen Schwager. Als der Schwie­gervater dem Wütenden deshalb Vorhaltungen machte, versetzte dieser ihm einen heftigen Schlag ins Gesicht, worauf Ludwig einen Revolver zog und seinem Schwie­gersohn einen Bauchschuß berbrachte. Schlotter ver­starb noch in derselben Nacht. Der Täter wurde fest- genommen. .

— Eschwege. Vor einigen Tagen fand im Kreise Eschwege eine Besichtigung' der Frankenzuchtbestände durch eine Kommission des mitteldeutschen Franken­zuchtverbandes statt. In einer im Anschluß daran unter Vorsitz des Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Kammerherrn von Keudell, abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, die Versteigerung des mit- teldeutschen Frankenzuchtverbandes am 9. November ds. Js. nicht wie erst beabsichtigt war in Bebra, sondern aus Gründen verschiedener Art in Eschwege, in der Kochschen Reithalle abzuhalten. Zur Versteigerung kommen etwa 30 Bullen der Fran­kenrasse, teils aus dem Kreise Eschwege, teils aus Thü­ringen. Es handelt sich um ausgesuchte Tiere, sodaß jede Gemeinde Gelegenheit hat, dort eintn für den Re­gierungsbezirk Kassel gekörten Frankenbullen zu erwer­ben.

— Kassel. Die Aufräumungsarbeiten zur Freilegung des Sprengstollens im Basaltwerk Landsburg werden unter Aufsicht der Gewerbein­spektion Fulda mit dem größten Nachdruck betrieben. Wegen der noch immer herrschenden großen Stein­schlaggefahr muß jedoch äußerst vorsichtig vorgegangen werden. Die behördlichen Feststellungen haben bis jetzt noch keine Anhaltspunkte für die Entstehung des Un­glücksfalls ergeben können.

— Rengershausen (Bez. Kassel). Bei Reparaturar­beiten an der Antenne verunglückte der 27jährige Land­wirtssohn Jungmann von hier tödlich. Der Anten­nendraht kam mit der elektrischen Lichtleitung in Be­rührung. Erst nach Abstellen des Stromes könnte der iunge Mann aus seiner schrecklichen Lage befreit wer­den. Leider war der Tod inzwischen bereits eingetre­ten.

Wissenschaft und Forschung.

— Auf vorgeschichtlichen und römischen Spuren. Die umfassenden Ausschachtungsarbeiten für die Frank­furter Siedlungen aus dem rechten Niddaufer zwischen den Vororten Praunheim und Heddernheim fördern täglich neue überraschende Funde aus grauer Vorzeit und vor allem aus dem großen römischen Kastell Nida ans Tageslicht. Unmittelbar bei Praunheim wurden in den letzten Tagen zahlreiche Wohngruben mit reichen Beigaben aus der neolithischen Periode freigelegt und geborgen. Von größter Bedeutung sind jedoch die Er­gebnisse auf dem Gelände des römischen Kastels. Hier fand man dieser Tage zahlreiche Töpfergruben mit vie­len Keramiken. Dann werden die Reste des Forums mit den umgebenden öffentlichen Gebäuden von bedeu­tendem Ausmaß durch geschulte Arbeiter mehr und mehr freigelegt. In einem Gebäude fand man wertvolle Mosaiken, einen großen noch unversehrten Estrich und zahlreiche Marmorwandbekleidungen. Am Ostflügel des Kastells, dessen Grundmauern verfolgt und freigelegt werden, gräbt man eine Prunkvilla aus. In den Tie­fen eines Kellers fand man Reste einer Säule und gleich­falls sehr gut erhaltene Wandbekleidungen, ferner die Heizungsanlage und vor der Villa die Reste des Brun­nens. Soweit es möglich ist, werden die Grabungen, für die die Stadt die Arbeiter zur Verfügung stellt, unter der Leitung von Professor Gündel fortgesetzt, ehe die Bagger alles hinwegschleifen. Die Anhöhe, auf der das Forum sich ausbreitete, wird um etwa 2 bis 3 Meter abgetragen. Man hofft, wenn man in die Tiefe bringt, noch auf weitere überraschende Funde. Ueberrascht ist man immer wieder, daß die Mauerreste dieser Gebäude sich nur knapp ein halbes Meter unter der Ackerober- 'fläche befinden, ohne daß sie jemals von einem Pfluge berührt ober sonstwie entdeckt wurden.

Frankfurter Over.

Freitag, 16. Sept., 1% Uhr: Wiener Blut.

Samstag, 17. Sept., 7% Uhr: Hoffmanns Erzählun­gen.

Sonntag, 18. Sept., 7% Uhr: Fidelio.

Montag, 19. Sept., 1% Uhr: Anläßlich der 25jährigen Bühnentätigkeit Richard Breiterfelds am Frankfurter Opernhaus: Rigoletto.

Radio-Programm.

Samstag, den 17. September.

Frankfurt (428.6 m), Kassel (272.7 m). 11.55—12: Uebertragung des Glockenspiels aus dem Darmstädter Schloß. 15.30—16: Die Stunde der Jugend: Rhein- lieder. 16.30—17.45: Konzert des Hausorchesters: Wunsch-Nachmittag. Opern und Operetten. 17.45 bis

18.05: Die Lesestunde. Aus dem Roman JDer Ober- hof" von Karl Jmmermann. 18.15—18.30: Uebertra­gung aus Kassel: Stunde Haus und Garten. 18.30—19: Der Briefkasten. 19—19.30: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Zum bevorstehenden Franz- Schubert-Jubiläumsjahr". 19.30: Uebertragung all­dem Frankfurter Opernhaus: „Hoffmanns Erzählungen". Anfchl.: Uebertragung aus der Tanzklause: Tanzpra- gramm.

Sonntag, den 18. September 1927.

Frankfurt a. 7N. (428.6) Kastel (272,7). JM.Ofc Morgenfeier, veranstaltet von den Chören der Christu-» kirche 11—11.30: Elternstunde (unter Leitung von Dr. Hans Flesch und Mittelschulrektor K. Wehrhan): „Da, unverstandene Kind", Vortrag von Mittelschullehrer P. Grupp. 11.30 bis gegen 15.00 (3.00): Uebertragung von Tannenberg: Einweihungsfeierlichkeiten des la*- nenbergdenkmals. 11.30: Begrüßung des Reichspräsi­denten v. Hindenburg durch General Kahns, d. Vors. b. Denkmalausschusses, und Erwiderung des Reichspräsi­denten. Daran anfchl. bis 13.00 (1.00) Marschmusik, tnSM besondere Parademärsche von Truppenteilen, die bei Tannenberg gefochten haben. 13.30—13.50 (1.30—1.50): Feldgottesdienst. 14.00 (2.00): Posaunenchor im Innen- raum des Denkmals, Uebergabe des Denkmals an den Reichspräsidenten und Antwort des Reichspräsidenten. 14.30 (2.30): Sängerchor des Sängergaus Tannenberg. (Die gesamte Veranstaltung wird durch eine Schilderung umrahmt, die ein Sprecher der Orag von dem Festbilde, dem Denkmal und dem Schlachtfeld gibt). 15—16.00 (3—4.00): Die Stunde der Jugend (unter Leitung von Mittelschulrektor K. Wehrhan): „Aus dem deutschen Märchenborn", vorgetragen von Lehrer Albert Schirr. 16—17.00 (4—5.00): Konzert des Sängerquartett, Schmalbach i. T. 18—19.00 (6—7.00): Stunde de, Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung. 20 bi, 20.30 (8—8.30): Stunde der Frankfurter Zeitung. 20.30 (8.30): Der Carneval in Rom, Operette in drei Akten von I. Braun, Musik von Joh. Strauß. Must, kalifche Leitung: Kapellmeister Reinh. Merten. — Spiel­leitung: Alois Resni. Anschließend bis 0.30 (12.30): Uebertragung aus der Tanzklause.

wie wird dar Wetter?

Unser Bezirk liegt z. Zt. in der Vorderseite eine, über dem westlichen Teil des Kanals liegenden Wirbel, und damit im Bereich der wärmeren südlichen Winde. Allmählich wird auch die von der Rückseite des Wirbels vordrängende kältere Luft unser Gebiet erreichen und wieder Abkühlung verursachen.

Witterungsaussichten bis Samstag abend: Noch vor­wiegend bewölkt, einzelne Niederschläge, etwas kühler, südliche bis südwestliche Winde.

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I voi > n. ionr, ruiaa.