Einzelbild herunterladen
 

Nr. 213

Jretfog, 16. September 1927

'S

Sowjet-Rußland ist kein Paradies

demokraten, Dr. Otto

ohne Beaufsichtigung

es gelungen ist, in Rus. , ..... _

durch die Sowjetorgane und ohne Kontrolle des­sen, was er berichtet, sich umzusehen. In einer Berliner Versammlung der Jungsozialisten hat er dann seine Eindrücke wiedergegeben, worüber der

Staat hingewiesen.

Wie in Wahrheit die Dinge stehen, erfährt man aus Schilderungen neutraler Beobachter, die es allerdings schwer genug haben, sich über die Verhältnisse an Ort und Stelle zu unterrichten. So liegt auch jetzt wieder der Bericht eines Sozial- ~ ' ä n b e r vor, dem

Die deutschen Kommunisten und Bolschewisten können sich oft des Ruhmes nicht genug tun über die paradiesischen Zustände in Rußland. Nament­lich wird alles, was in Deutschland nach der sozialen Seite hin geschieht, in Grund und Boden ver­donnert und schlecht gemacht und dabei auf die an­geblich um vieles besseren ZrHände im Sowjet-

Der Aeltestenrat stellte fest, daß vom Reichsinnen­minister Dr. von Keudell nicht der Vorwurf ge­gen die preußische Regierung erhoben worden sei, daß sie die Verzögerung der Verabschiedung des Reichsschulgeseßes verschuldet habe.

fußt auf Ausdrücken, die aus dem Munde Lenins, des kommunistischen Parteipapstes stammen. Mit diesen Ausdrücken hat die Opposition bei der herr­schenden Gruppe, die von Stalin geführt wird, gutes Wetter machen müssen, mit anderen Wor­ten, die Erklärung Trotzkys ist in ihrem positiven Teile zugleich die Meinung der regierenden kom­munistischen Mehrheit. Wenn man nun in Frank- reich dem russischen Botschafter RakowsK einen Vorwurf daraus macht, daß er diese Erklärung mit Trotzky und Sinowjew zusammen unterschrie­ben hat, so trifft dieser Vorwurf zugleich die offi­ziellen Führer der Mehrheit, also Stalin und seine nächsten Regierungskvllegen.

Natürlich ist dieser Zusammenhang Frankreich bekannt und wenn man übersieht, wie man ge­flissentlich auch die Erklärungen übersieht, welche Rakowski und Tschitscherin in diesem Falle abge­geben haben, so läßt sich daraus der Schluß ziehen, daß man mit Rußland zu einem etwas distanzier­ten Verhältnis zurückgelangen will. Neben Ra­kowski stehen auch dessen Kollegen in Rom und Berlin, Kamenew und Krestinsky, mit ihrem Na­men unter der Oppositionserklärung, ohne daß die Berliner oder die italienische Regierung bisher da­ran Anstoß genommen hätten.

Der französische Ministerrat hat sich am zehnten September mit dem Fall Rakowski besaßt, ohne zu einem endgültigen Beschluß zu kommen. Die offizielle Meinung ist aber die gewesen, daß der russische Botschafter wohl seinen Pariser Posten aufgeben muß. Es ist kaum anzunehmen, daß das Votum Briands von dem der Mehrhest im Kabinett abweichen wird. Nicht anwesend bei die­ser Kabinettssitzung war der Handels- und Indu­strieminister Bokanowssky. der sich auf einer Rück­reise von Amerika nach Frankreich befindet. Bo- kanowsky wird wahrscheinlich'noch sein Urteil ab­geben müssen über die Aussichten der russisch-fran­zösischen Handelsbeziehungen. Trotz der sehr opti­mistischen Versprechungen, welche Rakowski immer wieder gegeben hat, ist man in französischen Wirt­schaftskreisen sehr skeptisch. Angeblich soll der Han­delsverkehr nicht über ein verhältnismäßig gerin­ges Maß russischer Einfuhr nach Frankreich hin­ausgekommen sein.

Wenn der Fall Rakowski wirklich zu einer Rück- berusung des Botschafters führen wivd, dann ist wohl kaum anzunehmen, daß ein neuer Ruß­landvertreter als Botschafter in Paris akkreditiert werden wird. Die Verhandlungen zwischen Tschit­scherin und der französischen Regierung beziehen sich bereits auf die Frage der Nachfolgeschast und Tschitscherin versucht mit allen Mitteln seiner Ueberredungskunst, die Franzosen dafür zu ge­winnen, einer neuen russischen Persönlichkeit das Botschasteragrement zu erteilen. Die Aussichten sind aber für ihn sehr schlecht, da alle Umstände des französischen Vorgehens eben darauf schließen lassen, daß man die enge Verbindung mit Rußland a uf l ö s e n will. So wird Tschitscherin am Ende froh sein, wenn es ihm gelingt, nur einen amt­lichen Geschäftsträger nach Paris zu delegieren. Wenn auch in der französischen Linkspresse der Vorstoß des Kabinetts gegen Rußland große Sor­gen geweckt hat und auch den Verdacht, daß er auf englische Einwirkungen zurückzuführen sei, so ist doch allgemein auch wieder der Unmut über die kommunistische Propaganda, insbesondere bei den Kolonialsoldaten, außerordentlich lebhaft.

* Die deutsche Tabakernte im Erntejahre 1926. Im Erntejahr 1926 (vom 1. Juli 1926 bis zum 30. Juni 1927) betrug die Zahl der Tabakpflan­zer 62 528. Der Flächeninhalt der mit Tabak be­pflanzten Grundstücke stellte sich auf 660 451 Ar. Interessant ist, daß der größere Test des Tabaks von kleineren Tabakpflanzern angebaut war. So hatten von den Tabakpflanzern 28 656 eine Ge- famtfläche von nicht mehr als 2 Ar, 1432 eine Ge­samtfläche von mehr als 2 Ar bis 4 Ar, 10 880 von 4 Ar bis 10 Ar, 14152 von 10 Ar bis 25 Str, 7028 von 25 Ar bis 1 Hektar und nur 380 Pflan­zer 1 Hektar und darüber angepflanzt. Die Menge de» geernteten Tabaks in dachreifem, trockenem Zu­stand betrug: 14 410 314 Kilogramm und durch­schnittlich auf 1 Hektar 2182 Kilogramm. Der mitt- lere Preis von 1 Doppelzentner Tabak stellte sich auf 130 RM., so daß der Gesamtwert der Tabak­erote 18 687 681 ausmacht.

* Der Zerfall der völkischen. Dieser Tage ha­ben die Völkischen, von der Oeffentlichkeit fast voll­kommen unbemerkt, einen „Parteitag" abgehalten. Es war eine traurige Heerschau über die kümmer­lichen Reste dieser einst freilich mehr mit Worten als mit Taten auf die Eroberung der deutschen Wählermassen losstürmenden Richtung. Sie hat sich im Laufe der Zeit durch ihre vollständige Ta­tenlosigkeit um alles Ansehen und jeden Respekt gebracht. Dazu kommt, daß es in kaum einer an­deren Parteigruppe so häßlich persönlich und klein­lich zuging, wie bei den Völkerischen, von denen jeder Einzelne ein „Retter" und Führer sein sollte. Nun ist es dahin gekommen, daß der Abgeordnete Henning auf diesem Parteitag sagen mußte: „Wenn die völkische Freiheitsbewegung zahlen- mäßig zurückgegangen sei, so liege das an den marxistischen Reden einiger national­sozialistischer Redner. Das hänge man Im Volke irrtümlich den Völkischen an. Es sei auch tat­sächlich offen auszusprechen, daß Männer,, wie Graf Reventlow und Stoehr beute Marxisten seien.-

. * EttmPdung eines belgischen MWonckks kn China. Rach einer Agenturmeldung aus Oude- naarde in Belgien ist ein belgischer Missionar mit feinen eingeborenen Gehilfen in der Mongo­lei ermordet worden.

In einer Unterredung mH der amerikanischen Arbeiterdelegation erklärte Stalin, für die Sowjet­regierung ist das Außenhandelsmonopol eine der unverrückbaren Grundlagen ihrer Politik. Die Sowjetregierung ist bereit, mit bür­gerlichen Staaten Nichtangriffspakte und Ab­rüstungsabkommen abzuschließen.

Ein Sacco-VanzetN-platz.

wtb. Paris, 15. Sept. (Eig. Funkm.) Wie Litz kommunistische „Humanste" meldet, wird auf Grund eines Beschlusses des kommunistischen Ge­meinderates Elifchy ein Platz den Namen „Sacco- Vanzetti" erhalten. Aus diesem Anlaß ist eine große kommunische Kundgebung von dem Gemeinderat und den kommunistischen Ver­bänden angesagt worden.

• Hansibesttzerbefchwerbe gegen Oesterreich beim Völkerbund. Auf dem im Haag tagenden Kon­greß des Internationalen Verbandes der Haus­und Grundbesitzervereine wurde vonseiten der österreichischen Haus- und Grundbesitzervereine leb­hafte Klage über die rechtliche Behandlung der Hausbesitzer in Oesterreich geäußert. Das Ver­bandsbüro wurde vorn Kongreß ermächtigt, in die­ser Angelegenheit Protest beim Völkerbund winzu- reichen, der damit begründet werden soll, daß in Oesterreich die Grundsätze des internationalen Rechts über die Unverletzlichkeit des Privateigen­tums verletzt worden seien. Der Kongreß nahm ferner eine Entschließung an, die sich gegen die Zwangswirtschaft im Wohnungswesen richtet und in allen Ländern die Rückkehr zur freien Wirtschaft im Haus- und Grundbesitz als der normalen Wirtschaftsform fordert.

* Verhandlungen gegen die KPD.-Zenlrale vor dem Reichsgericht. Der Vierte Strafsenat des Reichsgerichts setzte in Leipzig die mehrfach ver­schobene Verhandlung gegen die alte KPD.-Zen- trale nunmehr auf den 4. Oktober an. Wegen Vor­bereitung zum Hochverrat und Vergehens gegen das Republikschutzgesetz haben sich die Reichstags­abgeordneten Fröhlich, Heckert, Remmele, Lindau, Pfeiffer, Schmidt, Stöcker und der frühere Reich»- tagsabgeordnete Schumann zu verantworten.

* Tvaenkig, Wahl zum OberprSfidenlen. Du» Provinzialausschuß der Provinz Sachsen hat jetzt fein Einverständnis mit der Ernennung des Äbg. Professors Dr. Waentig zum Oberpräsidenten die­ser Provinz gegeben.

uldaerZertung

Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakl.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotastonsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Die Ratrwahl in Senf.

Ablehnung der Wiederwahl Belgiens.

wtb. Genf, 15. Sept. (Eig. Funkm.) Die heute oormistag abgehaltene Sitzung der Völkerbun-ds- versammlung galt lediglich der Erledigung des bel- Kischen Antrages auf Wiederwählbarkestserklä- rung. Bei der Absttmmung hat Belgien die nö­tige Zweidrittelmehrheit von 32 Stimmen nicht erreicht, sondern 29 von 48 Stimmen für seinen Antrag auf sich vereinigen können. Mit diesem Ergebnis, das die soforstge Wiederwahl Belgiens in den Völkerbundsrat unmöglich macht, wird das Bild für die heute nachmittag um 6 Uhr ange­setzte Neuwahl der drei nichtständigen Rats- Mitglieder gänzlich verschoben. Nach Verkündigung des Abstimmungsergebnisses betrat Vandervelde die Tribüne, um eine kurze Erklärung abzugeben, dahin lautend, Belgien habe seine Kandidatur nach Ablauf seiner Ratsperiode auf Wunsch einer An­zahl anderer, besonders der Locarno-Mächte, auf­gestellt. „Die Mehrheit hat sich dagegen entschie­den", so führte er aus, „Die belgische Delegation ist aber durchaus davon überzeugt, daß das nega­tive Votum auf Grund von Motiven erfolgt ist, die durchaus achtenswert sind, und nichts mit ir­gendwelchen unfreundlichen Gefühlen gegen Bel­gien zu tun haben. Weiter möchte ich erklären, daß dieses Abstimmungsergebnis uns in keiner Weife hindern wird, in der aufrichtigsten und ent­schiedensten Mitarbeit an dem großen Werk des Völkerbundes fortzufahren, wie in der Vergangen- .heit." Während dieser Erklärung und nach ihrer Beendigung wurde Vandervelde ein außerordent- llch lebhafter Beifall zutest.

Nach Genfer Informationen haben Kanada und F i n n l a n d die meisten Aussichten an Stelle Belgiens in den Rai gewählt zu werden.

Die Mrustungsfrage.

wtb. Paris, 15. Sept. (Eig. Funkm.) Der Ver- Ireier der Agentur Havas meldet aus Genf, es fei wahrscheinlich, daß die französische Delegation in der 3. Kommission einen allgemeinen Antrag ein­bringen werde, der die Frage der Sicherheit und der Abrüstung miteinander verbinden wolle. Der Antrag soll dek vorbereitenden Abrüstungskonfe­renz vorgelegt werden, die dieses doppelte Problem in seiner Gesamtheit behandeln soll. Hierbei sollen weder irgendeiner der Gedankengänge, noch irgend, einer der Texte des Protokolls a u s g e s ch l o s - s e n werden, dem Frankreich vor zahlreichen ande- fen Staaten zugetan sei.

„Vorwärts" berichtet.

Danach erwähnte er, daß ihm in Moskau ins­besondere die A e r m l i ch k e i t und Dürftig­keit schlecht ernährter Menschen aufgefallen sei. Denn die soziale Lage der arbeitenden Masse sei in Rußland alles andere als gut. Die Löhne seien erschreckend niedrig. Einschließlich der Ueberstunden würde ein Fabrikarbeiter höchstens bis zu 50—52 Rubel im Monat verdienen, das sind etwa 100 deutsche Mark. Dabei sei die Kauf­kraft des Rubels um die Hälfte gesunken. Ein ein- sacher Anzug koste in Rußland mindestens 240 Mark. Die Wohnungsverhältnisse seien sehr schlecht. Die Zahl der Erwerbslosen, die eine sehr niedrige staatliche Unterstützung erhalten, betrage .ungefähr eine Million. Ein außerordentliches Elend herrsche, und es zeige sich am grauenhaf­testen im Riesenheer der elternlosen und obdach­losen Kinder, die von Bettelei, Diebstahl und selbst von Prostitution leben. Alles in allem sei die so­ziale Lage Rußlands eine schlechte. Wenn es Ruß­land nicht in absehbarer Zeit gelinge, .vom Ausland auf dem Wege der Kreditgewährung Kapitalien zu erhalten, werde es neuen wirtschaftlichen Erschüt­terungen ausgesetzt fein. Das Rußland von heute sei kein Paradies und keine Hölle, aber ein Schattenreich, in dem die arbeitenden Massen ein schweres Leben führen.

Im übrigen werden die terroristischen Zustände in Rußland, da jede Meinungsfreiheit auf das bru­talste unterdrückt wird, am besten dadurch gekenn­zeichnet, daß in ein paar Tagen nicht weniger als 20 Todesurteile durch das Zentralorgan der russischen kommunisstschen Partei, die „Prawda", mitgeteilt werden. Wenn man sich des Lärms ge­rade der kommunistischen Presse anläßlich der Hin­richtung von Sacco und Vanzetst erinnert und dem gegenüber stellt, daß die 20 Todesurteile in ein paar Tagen zumeist gegen Personen, die lediglich als Gegner des herrschenden Regimes angeklagi sind, vollstreckt werden, dann haben die Kommuni- sten sicherlich kein Recht, von Ausschreitungen ber' Justiz in anderen Ländern zu sprechen.

Der Zall Rakowski.

Der stanzösische Außenminister Briand hat in Genf angekündigt, daß er gleich nach Erledigung der Ratswahlen, die am Donnerstag stattfinden, nach Paris abreisen werde, da der Fall Rokowski seine dortige Anwesenheit dringend erheische. Ra­kowski ist 'der russische Botschafter in Paris und hat fick durch seine Unterschrift unter, die Erklä­rung, die vor einigen Wochen die rufsische Oppo- sition abgeben mußte, in Frankreich unbeliebt ge­macht. In dieser Erklärung hieß es nämlich:

„Jeder ehrliche Proletarier eines kapitalistischen Lan­des muß aktiv für die Niederlage „feiner" Regierung arbeiten. Jeder ausländische Soldat, der nicht gewillt ist, den Sklavenhaltern seines" Landes zu helfen, muß zur roten Armee übergehen. Unser „vaterländischer" Krieg wird ein Krieg sein für die Sowjetrepublik, als Truppe der Weltarmee des Sozialismus. Unser „Krieg" ist „kein Ausweg zum bürgerlichen Staat, sondern zur internationalen sozialistischen Revolution."

Man würde diese Erklärungen falsch verstehen, wenn man sie etwa als eine Kundgebung aus eige­ner freier Initiative der Oppositionsgruppen Ruß­lands betrachten wollte, die bekanntlich von Trotzky und Sinowjew geführt werden. Diese Erklärung ist vielmehr einer Forderung des Exekutivkomitees der kommunistischen Sntemationafe gewesen und

tages mitgeteilt, daß bis dahin weder das Schul­gesetz, noch das Liquidationsschädengesetz, noch die Vesoldungsordnung dem Reichstag vorliegen könn­ten. Diese Vorlagen würden vielmehr erst am 17. Oktober für die Reichstagsberatung fertig- gestellt sein.

Nach Schluß der Sitzung des Aeltestenrates trat der Fraktionsvorstand des Zentrums zu einer Sitzung zusammen. Neben der Besprechung des Reichsschulgesetzes erstattete der Abgeordnete v. Guerard Berichtzüber den Ausgang der Sitzung des Aeltestenrats. Seine Mitteilungen wurden le­diglich zur Kenntnis genommen, ohne daß ein Be­schluß gefaßt wurde. Es ist nunmehr wohl damit zu rechnen, daß der Reichstag erst am 17. Ot­to ber zusammentreten wird und daß der Präsi­dent dementsprechend beauftragt wird, den Reichs­tag zu diesem Termin einguberufen. Von einer Zwischentagung kann dann aber wohl kaum noch gesprochen werden, da der Reichs­tag anfangs November sowieso feine regulären Beratungen wieder aufnehmen sollte.

k . -

= Berlin, 15. Sept. (Eig. Funkm.) Der Ael- testenrat des Reichstags beschloß/ denReichstag am 17. Oktober einzuberufen. Davon soll nur dann Abstand genommen werden, wenn das Reichs- jchulgesetz auch dann noch nicht vorliegen sollte.

von ter deutschen Gstgrenze.

Eine polnische Grenzverletzung.

Der „Lokalanzeiger" meldet aus Repp en: Gestern nachmittag flog ein polnisches Flugzeug über Reppen, gerade zu der Zeit, als noch die Manövertruppen mit klingendem Spiel durch die Straßen marschierten. Der Flieger, der nicht sehr hoch flog, ging plötzlich nieder und landete. An der Landungsstelle traf sofort ein Oberlanv- jäger ein und nahm dem Flieger zunächst den von ihm mitgeführten Paß ab. Weitere Papiere, gab er an, nicht bei sich zu haben. Das Flugzeug trägt die Nr. V und ist in Posen stationiert. Der Flieg« ist ein polnischer Unteroffizier .Er hat einen Flug nach Krakau ausgeführt und wollte nach Posen zurückfliegen. Dabei will er sich in den Böen verirrt haben und wegen Benz'mmangels habe landen müssen. Durch den Bürgermeister ist die politische Polizei in Berlin telephonisch benach. richtigt worden. Das ist nun innerhalb kurzer Zeit der vierte Fall einer Grenzverletzung durch polnische Militärflugzeuge.

Der Kampf um die deutsch-' Schule.

Aus Kattowitz wird gemeldet: Die deutsche Minderheitenschule in Koschentin, Kreis Lublinitz, in Polnisch-Oberschlesien wurde von der Woiwod­schaft vor kurzem geschlossen mit der Begründung, daß nach dem Genfer Abkommen bio Zahl von 40 Kindern nicht erreicht sei. Tatsächlich kommen aber zu den für dieses Schuljahr angemelbetert 32 Kindern 16 aus dem Vorjahre, die rechtmäßig angemeldet, aber unberechtigt zurückgewiesez waren, sodaß die vorgeschriebene Zahl sogar überschritte» ist. Als die Erziehungsberechtigten am Ta« deS Schulbeginns ihre Kinder der deutschen Schure. zÜ- führen wollten, wurden sie erneut zuruckgewieien. Sie beschlossen, deshalb m den Schulst reik tu treten mit der Begründung, daß sie sich weigern-, ihre Kinder in polnische Schulen zu schicken. Daraufhin stellte die Polizeibehörde den streikenden Eltern nunmehr Strafbefehle wegen Schulversäurw nis in Höhe von drei Zloty für den Tag zu.

*

Die Obersekunda in der Oberrealschule in Königshütte wurde zu Beginn des neuen Schuljahres am 1. September nicht mehr eröffnet, obwohl 18 Schüler nach dieser Klasse versetzt waren. Eine beim Woiwoden vorstellig gewordene W- ordnung des Elternrates erreichte lediglich die Zu- sage, daß die in Frage kommenden Schüler in der Oberrealschule in Kattowitz Aufnahme finden sollten.

Litauen.

Das lltauische Innenministerium teilt mit, daß der Tauroggener Kreishauptmann Grisas nachts von unbekannten Tätern erschossen worden ist. Auch einer der Führer der litauischen Sozialdemo. kratischm Partei, der ftühere Landtagsabgeordnet« Nikolis, einer ber Urheber des Tauroggener Pat­sches, soll in einem Feuergefecht mit litauischer Polizei den T o d gefunden haben.

Anzeigen-Preise: Äleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 JUt. Reklamezeile: lokal 0,60 JUt, KA auswärts 0,80 JUL Bei Wiederholungen Rabatt. u^e4Juv'-y

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

Die spanische Nationalversammlung.

Wie Havas aus Madrid berichtet, hat Gene­ral Primo de Rivera Journalisten gegenüber sich über die Nationalversammlung geäußert und äusgeführt, wenn die 18 vorgesehenen Aus - fchüsse ernannt sein werden, würden alle wirt- schastlichm, kulturellen, gesetzgeberischen und Der- ifassungsftagen sowie die Fragen betteffend die öffentlichen Dienststellen und die Dienststellen, die innen politischen Charakter tragen, geprüft werden. In diesen Ausschüssen könnte ein Codex auSge- arbeitet werden, der dem Lande vorgelegt würde, dyS bereits in die Lage versetzt sei, sich selbst zu wjgteren. Die Nationalversammlung sei ein not­wendiger Uebergang. Man habe von einer Dik­tatur gesprochen und von Ungerechtigkeit. Das sei aber übertrieben. Jede persönliche Herrschaft sei ütts häßlich. Sie sei lediglich erträglich bei einem ihnen und tugenbfamen Manne. Er habe feine Ge- wisiensbisfe deshalb, weil er keine Ungerechttgleit Begangen habe. Man könne nicht von einer Dik­tatur sprechen in der gegenwärtigen Lage, die sich mit dem Höchstmaß von Erfolgen entwickle.

Ml spanischer Offizier in Marokko ermordet. 1 ^Havas berichtet aus Tanger: Unweit des Dorfes Mejaula wurde ein spanischer Offizier von Eingeborenen getötet. Zwei Soldaten sind verletzt worben. Dem bettesfendeN Stamm wurde eine Buße von 5000 Peseten auferlegt und fein Kaid verhaftet.

wieder Parlamentsarbeit.

In Berlin sind jetzt die parlamentarischen Ar­beiten wieder in Gang gekommen. Der Aeltesten­rat des Reichstages ist am Mittwoch zu einer Sitzung zusammengetreten, um sich endgültig über den Zeitpunkt für die Zwischentagung des Reichs­tages schlüssig zu werden. Der Strafrechtsausschuß des Reichstages nimmt feine Beratungen am 21. September auf, während der Haushaltsausfchuß sich am 22. September versammeln wird, um über Die Höhe der Vorauszahlungen auf die kommende Neuregelung der Beamtengehälter zu beschließen. Die erste Sitzung des R e i ch s r a ts nach der Som­merpause findet am Donnerstag statt.

Der Preußische Staatsrat hält am 28. September feine erste Sitzung wieder ab, der Hauptausfchuß des Preußischen Landtages am 26. September. Auf der Tagesordnung steht die Aus­sprache über die Steuervereinheitlichung. Die Voll­sitzungen des Preußischen Landtages werden bekanntlich am 11.’ Oktober wieder aufge­nommen werden.

Der Reichskanzler hatte dem Präsidenten Loebe mit Rücksicht auf die ursprünglich für den L. Oktober angesetzte Zwischentagung des Reichs-