Nr. 213
Jretfog, 16. September 1927
'S
Sowjet-Rußland ist kein Paradies
demokraten, Dr. Otto
ohne Beaufsichtigung
es gelungen ist, in Rus. , ..... _
durch die Sowjetorgane und ohne Kontrolle dessen, was er berichtet, sich umzusehen. In einer Berliner Versammlung der Jungsozialisten hat er dann seine Eindrücke wiedergegeben, worüber der
Staat hingewiesen.
Wie in Wahrheit die Dinge stehen, erfährt man aus Schilderungen neutraler Beobachter, die es allerdings schwer genug haben, sich über die Verhältnisse an Ort und Stelle zu unterrichten. So liegt auch jetzt wieder der Bericht eines Sozial- ~ ' ä n b e r vor, dem
Die deutschen Kommunisten und Bolschewisten können sich oft des Ruhmes nicht genug tun über die paradiesischen Zustände in Rußland. Namentlich wird alles, was in Deutschland nach der sozialen Seite hin geschieht, in Grund und Boden verdonnert und schlecht gemacht und dabei auf die angeblich um vieles besseren ZrHände im Sowjet-
Der Aeltestenrat stellte fest, daß vom Reichsinnenminister Dr. von Keudell nicht der Vorwurf gegen die preußische Regierung erhoben worden sei, daß sie die Verzögerung der Verabschiedung des Reichsschulgeseßes verschuldet habe.
fußt auf Ausdrücken, die aus dem Munde Lenins, des kommunistischen Parteipapstes stammen. Mit diesen Ausdrücken hat die Opposition bei der herrschenden Gruppe, die von Stalin geführt wird, gutes Wetter machen müssen, mit anderen Worten, die Erklärung Trotzkys ist in ihrem positiven Teile zugleich die Meinung der regierenden kommunistischen Mehrheit. Wenn man nun in Frank- reich dem russischen Botschafter RakowsK einen Vorwurf daraus macht, daß er diese Erklärung mit Trotzky und Sinowjew zusammen unterschrieben hat, so trifft dieser Vorwurf zugleich die offiziellen Führer der Mehrheit, also Stalin und seine nächsten Regierungskvllegen.
Natürlich ist dieser Zusammenhang Frankreich bekannt und wenn man übersieht, wie man geflissentlich auch die Erklärungen übersieht, welche Rakowski und Tschitscherin in diesem Falle abgegeben haben, so läßt sich daraus der Schluß ziehen, daß man mit Rußland zu einem etwas distanzierten Verhältnis zurückgelangen will. Neben Rakowski stehen auch dessen Kollegen in Rom und Berlin, Kamenew und Krestinsky, mit ihrem Namen unter der Oppositionserklärung, ohne daß die Berliner oder die italienische Regierung bisher daran Anstoß genommen hätten.
Der französische Ministerrat hat sich am zehnten September mit dem Fall Rakowski besaßt, ohne zu einem endgültigen Beschluß zu kommen. Die offizielle Meinung ist aber die gewesen, daß der russische Botschafter wohl seinen Pariser Posten aufgeben muß. Es ist kaum anzunehmen, daß das Votum Briands von dem der Mehrhest im Kabinett abweichen wird. Nicht anwesend bei dieser Kabinettssitzung war der Handels- und Industrieminister Bokanowssky. der sich auf einer Rückreise von Amerika nach Frankreich befindet. Bo- kanowsky wird wahrscheinlich'noch sein Urteil abgeben müssen über die Aussichten der russisch-französischen Handelsbeziehungen. Trotz der sehr optimistischen Versprechungen, welche Rakowski immer wieder gegeben hat, ist man in französischen Wirtschaftskreisen sehr skeptisch. Angeblich soll der Handelsverkehr nicht über ein verhältnismäßig geringes Maß russischer Einfuhr nach Frankreich hinausgekommen sein.
Wenn der Fall Rakowski wirklich zu einer Rück- berusung des Botschafters führen wivd, dann ist wohl kaum anzunehmen, daß ein neuer Rußlandvertreter als Botschafter in Paris akkreditiert werden wird. Die Verhandlungen zwischen Tschitscherin und der französischen Regierung beziehen sich bereits auf die Frage der Nachfolgeschast und Tschitscherin versucht mit allen Mitteln seiner Ueberredungskunst, die Franzosen dafür zu gewinnen, einer neuen russischen Persönlichkeit das Botschasteragrement zu erteilen. Die Aussichten sind aber für ihn sehr schlecht, da alle Umstände des französischen Vorgehens eben darauf schließen lassen, daß man die enge Verbindung mit Rußland a uf l ö s e n will. So wird Tschitscherin am Ende froh sein, wenn es ihm gelingt, nur einen amtlichen Geschäftsträger nach Paris zu delegieren. Wenn auch in der französischen Linkspresse der Vorstoß des Kabinetts gegen Rußland große Sorgen geweckt hat und auch den Verdacht, daß er auf englische Einwirkungen zurückzuführen sei, so ist doch allgemein auch wieder der Unmut über die kommunistische Propaganda, insbesondere bei den Kolonialsoldaten, außerordentlich lebhaft.
* Die deutsche Tabakernte im Erntejahre 1926. Im Erntejahr 1926 (vom 1. Juli 1926 bis zum 30. Juni 1927) betrug die Zahl der Tabakpflanzer 62 528. Der Flächeninhalt der mit Tabak bepflanzten Grundstücke stellte sich auf 660 451 Ar. Interessant ist, daß der größere Test des Tabaks von kleineren Tabakpflanzern angebaut war. So hatten von den Tabakpflanzern 28 656 eine Ge- famtfläche von nicht mehr als 2 Ar, 1432 eine Gesamtfläche von mehr als 2 Ar bis 4 Ar, 10 880 von 4 Ar bis 10 Ar, 14152 von 10 Ar bis 25 Str, 7028 von 25 Ar bis 1 Hektar und nur 380 Pflanzer 1 Hektar und darüber angepflanzt. Die Menge de» geernteten Tabaks in dachreifem, trockenem Zustand betrug: 14 410 314 Kilogramm und durchschnittlich auf 1 Hektar 2182 Kilogramm. Der mitt- lere Preis von 1 Doppelzentner Tabak stellte sich auf 130 RM., so daß der Gesamtwert der Tabakerote 18 687 681 ausmacht.
* Der Zerfall der völkischen. Dieser Tage haben die Völkischen, von der Oeffentlichkeit fast vollkommen unbemerkt, einen „Parteitag" abgehalten. Es war eine traurige Heerschau über die kümmerlichen Reste dieser einst freilich mehr mit Worten als mit Taten auf die Eroberung der deutschen Wählermassen losstürmenden Richtung. Sie hat sich im Laufe der Zeit durch ihre vollständige Tatenlosigkeit um alles Ansehen und jeden Respekt gebracht. Dazu kommt, daß es in kaum einer anderen Parteigruppe so häßlich persönlich und kleinlich zuging, wie bei den Völkerischen, von denen jeder Einzelne ein „Retter" und Führer sein sollte. Nun ist es dahin gekommen, daß der Abgeordnete Henning auf diesem Parteitag sagen mußte: „Wenn die völkische Freiheitsbewegung zahlen- mäßig zurückgegangen sei, so liege das an den marxistischen Reden einiger nationalsozialistischer Redner. Das hänge man Im Volke irrtümlich den Völkischen an. Es sei auch tatsächlich offen auszusprechen, daß Männer,, wie Graf Reventlow und Stoehr beute Marxisten seien.-
. * EttmPdung eines belgischen MWonckks kn China. Rach einer Agenturmeldung aus Oude- naarde in Belgien ist ein belgischer Missionar mit feinen eingeborenen Gehilfen in der Mongolei ermordet worden.
In einer Unterredung mH der amerikanischen Arbeiterdelegation erklärte Stalin, für die Sowjetregierung ist das Außenhandelsmonopol eine der unverrückbaren Grundlagen ihrer Politik. Die Sowjetregierung ist bereit, mit bürgerlichen Staaten Nichtangriffspakte und Abrüstungsabkommen abzuschließen.
Ein Sacco-VanzetN-platz.
wtb. Paris, 15. Sept. (Eig. Funkm.) Wie Litz kommunistische „Humanste" meldet, wird auf Grund eines Beschlusses des kommunistischen Gemeinderates Elifchy ein Platz den Namen „Sacco- Vanzetti" erhalten. Aus diesem Anlaß ist eine große kommunische Kundgebung von dem Gemeinderat und den kommunistischen Verbänden angesagt worden.
• Hansibesttzerbefchwerbe gegen Oesterreich beim Völkerbund. Auf dem im Haag tagenden Kongreß des Internationalen Verbandes der Hausund Grundbesitzervereine wurde vonseiten der österreichischen Haus- und Grundbesitzervereine lebhafte Klage über die rechtliche Behandlung der Hausbesitzer in Oesterreich geäußert. Das Verbandsbüro wurde vorn Kongreß ermächtigt, in dieser Angelegenheit Protest beim Völkerbund winzu- reichen, der damit begründet werden soll, daß in Oesterreich die Grundsätze des internationalen Rechts über die Unverletzlichkeit des Privateigentums verletzt worden seien. Der Kongreß nahm ferner eine Entschließung an, die sich gegen die Zwangswirtschaft im Wohnungswesen richtet und in allen Ländern die Rückkehr zur freien Wirtschaft im Haus- und Grundbesitz als der normalen Wirtschaftsform fordert.
* Verhandlungen gegen die KPD.-Zenlrale vor dem Reichsgericht. Der Vierte Strafsenat des Reichsgerichts setzte in Leipzig die mehrfach verschobene Verhandlung gegen die alte KPD.-Zen- trale nunmehr auf den 4. Oktober an. Wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Vergehens gegen das Republikschutzgesetz haben sich die Reichstagsabgeordneten Fröhlich, Heckert, Remmele, Lindau, Pfeiffer, Schmidt, Stöcker und der frühere Reich»- tagsabgeordnete Schumann zu verantworten.
* Tvaenkig, Wahl zum OberprSfidenlen. Du» Provinzialausschuß der Provinz Sachsen hat jetzt fein Einverständnis mit der Ernennung des Äbg. Professors Dr. Waentig zum Oberpräsidenten dieser Provinz gegeben.
uldaerZertung
Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakl.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotastonsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
Die Ratrwahl in Senf.
Ablehnung der Wiederwahl Belgiens.
wtb. Genf, 15. Sept. (Eig. Funkm.) Die heute oormistag abgehaltene Sitzung der Völkerbun-ds- versammlung galt lediglich der Erledigung des bel- Kischen Antrages auf Wiederwählbarkestserklä- rung. Bei der Absttmmung hat Belgien die nötige Zweidrittelmehrheit von 32 Stimmen nicht erreicht, sondern 29 von 48 Stimmen für seinen Antrag auf sich vereinigen können. Mit diesem Ergebnis, das die soforstge Wiederwahl Belgiens in den Völkerbundsrat unmöglich macht, wird das Bild für die heute nachmittag um 6 Uhr angesetzte Neuwahl der drei nichtständigen Rats- Mitglieder gänzlich verschoben. Nach Verkündigung des Abstimmungsergebnisses betrat Vandervelde die Tribüne, um eine kurze Erklärung abzugeben, dahin lautend, Belgien habe seine Kandidatur nach Ablauf seiner Ratsperiode auf Wunsch einer Anzahl anderer, besonders der Locarno-Mächte, aufgestellt. „Die Mehrheit hat sich dagegen entschieden", so führte er aus, „Die belgische Delegation ist aber durchaus davon überzeugt, daß das negative Votum auf Grund von Motiven erfolgt ist, die durchaus achtenswert sind, und nichts mit irgendwelchen unfreundlichen Gefühlen gegen Belgien zu tun haben. Weiter möchte ich erklären, daß dieses Abstimmungsergebnis uns in keiner Weife hindern wird, in der aufrichtigsten und entschiedensten Mitarbeit an dem großen Werk des Völkerbundes fortzufahren, wie in der Vergangen- .heit." Während dieser Erklärung und nach ihrer Beendigung wurde Vandervelde ein außerordent- llch lebhafter Beifall zutest.
Nach Genfer Informationen haben Kanada und F i n n l a n d die meisten Aussichten an Stelle Belgiens in den Rai gewählt zu werden.
Die Mrustungsfrage.
wtb. Paris, 15. Sept. (Eig. Funkm.) Der Ver- Ireier der Agentur Havas meldet aus Genf, es fei wahrscheinlich, daß die französische Delegation in der 3. Kommission einen allgemeinen Antrag einbringen werde, der die Frage der Sicherheit und der Abrüstung miteinander verbinden wolle. Der Antrag soll dek vorbereitenden Abrüstungskonferenz vorgelegt werden, die dieses doppelte Problem in seiner Gesamtheit behandeln soll. Hierbei sollen weder irgendeiner der Gedankengänge, noch irgend, einer der Texte des Protokolls a u s g e s ch l o s - s e n werden, dem Frankreich vor zahlreichen ande- fen Staaten zugetan sei.
„Vorwärts" berichtet.
Danach erwähnte er, daß ihm in Moskau insbesondere die A e r m l i ch k e i t und Dürftigkeit schlecht ernährter Menschen aufgefallen sei. Denn die soziale Lage der arbeitenden Masse sei in Rußland alles andere als gut. Die Löhne seien erschreckend niedrig. Einschließlich der Ueberstunden würde ein Fabrikarbeiter höchstens bis zu 50—52 Rubel im Monat verdienen, das sind etwa 100 deutsche Mark. Dabei sei die Kaufkraft des Rubels um die Hälfte gesunken. Ein ein- sacher Anzug koste in Rußland mindestens 240 Mark. Die Wohnungsverhältnisse seien sehr schlecht. Die Zahl der Erwerbslosen, die eine sehr niedrige staatliche Unterstützung erhalten, betrage .ungefähr eine Million. Ein außerordentliches Elend herrsche, und es zeige sich am grauenhaftesten im Riesenheer der elternlosen und obdachlosen Kinder, die von Bettelei, Diebstahl und selbst von Prostitution leben. Alles in allem sei die soziale Lage Rußlands eine schlechte. Wenn es Rußland nicht in absehbarer Zeit gelinge, .vom Ausland auf dem Wege der Kreditgewährung Kapitalien zu erhalten, werde es neuen wirtschaftlichen Erschütterungen ausgesetzt fein. Das Rußland von heute sei kein Paradies und keine Hölle, aber ein Schattenreich, in dem die arbeitenden Massen ein schweres Leben führen.
Im übrigen werden die terroristischen Zustände in Rußland, da jede Meinungsfreiheit auf das brutalste unterdrückt wird, am besten dadurch gekennzeichnet, daß in ein paar Tagen nicht weniger als 20 Todesurteile durch das Zentralorgan der russischen kommunisstschen Partei, die „Prawda", mitgeteilt werden. Wenn man sich des Lärms gerade der kommunistischen Presse anläßlich der Hinrichtung von Sacco und Vanzetst erinnert und dem gegenüber stellt, daß die 20 Todesurteile in ein paar Tagen zumeist gegen Personen, die lediglich als Gegner des herrschenden Regimes angeklagi sind, vollstreckt werden, dann haben die Kommuni- sten sicherlich kein Recht, von Ausschreitungen ber' Justiz in anderen Ländern zu sprechen.
Der Zall Rakowski.
Der stanzösische Außenminister Briand hat in Genf angekündigt, daß er gleich nach Erledigung der Ratswahlen, die am Donnerstag stattfinden, nach Paris abreisen werde, da der Fall Rokowski seine dortige Anwesenheit dringend erheische. Rakowski ist 'der russische Botschafter in Paris und hat fick durch seine Unterschrift unter, die Erklärung, die vor einigen Wochen die rufsische Oppo- sition abgeben mußte, in Frankreich unbeliebt gemacht. In dieser Erklärung hieß es nämlich:
„Jeder ehrliche Proletarier eines kapitalistischen Landes muß aktiv für die Niederlage „feiner" Regierung arbeiten. Jeder ausländische Soldat, der nicht gewillt ist, den Sklavenhaltern seines" Landes zu helfen, muß zur roten Armee übergehen. Unser „vaterländischer" Krieg wird ein Krieg sein für die Sowjetrepublik, als Truppe der Weltarmee des Sozialismus. Unser „Krieg" ist „kein Ausweg zum bürgerlichen Staat, sondern zur internationalen sozialistischen Revolution."
Man würde diese Erklärungen falsch verstehen, wenn man sie etwa als eine Kundgebung aus eigener freier Initiative der Oppositionsgruppen Rußlands betrachten wollte, die bekanntlich von Trotzky und Sinowjew geführt werden. Diese Erklärung ist vielmehr einer Forderung des Exekutivkomitees der kommunistischen Sntemationafe gewesen und
tages mitgeteilt, daß bis dahin weder das Schulgesetz, noch das Liquidationsschädengesetz, noch die Vesoldungsordnung dem Reichstag vorliegen könnten. Diese Vorlagen würden vielmehr erst am 17. Oktober für die Reichstagsberatung fertig- gestellt sein.
Nach Schluß der Sitzung des Aeltestenrates trat der Fraktionsvorstand des Zentrums zu einer Sitzung zusammen. Neben der Besprechung des Reichsschulgesetzes erstattete der Abgeordnete v. Guerard Berichtzüber den Ausgang der Sitzung des Aeltestenrats. Seine Mitteilungen wurden lediglich zur Kenntnis genommen, ohne daß ein Beschluß gefaßt wurde. Es ist nunmehr wohl damit zu rechnen, daß der Reichstag erst am 17. Otto ber zusammentreten wird und daß der Präsident dementsprechend beauftragt wird, den Reichstag zu diesem Termin einguberufen. Von einer Zwischentagung kann dann aber wohl kaum noch gesprochen werden, da der Reichstag anfangs November sowieso feine regulären Beratungen wieder aufnehmen sollte.
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= Berlin, 15. Sept. (Eig. Funkm.) Der Ael- testenrat des Reichstags beschloß/ denReichstag am 17. Oktober einzuberufen. Davon soll nur dann Abstand genommen werden, wenn das Reichs- jchulgesetz auch dann noch nicht vorliegen sollte.
von ter deutschen Gstgrenze.
Eine polnische Grenzverletzung.
Der „Lokalanzeiger" meldet aus Repp en: Gestern nachmittag flog ein polnisches Flugzeug über Reppen, gerade zu der Zeit, als noch die Manövertruppen mit klingendem Spiel durch die Straßen marschierten. Der Flieger, der nicht sehr hoch flog, ging plötzlich nieder und landete. An der Landungsstelle traf sofort ein Oberlanv- jäger ein und nahm dem Flieger zunächst den von ihm mitgeführten Paß ab. Weitere Papiere, gab er an, nicht bei sich zu haben. Das Flugzeug trägt die Nr. V und ist in Posen stationiert. Der Flieg« ist ein polnischer Unteroffizier .Er hat einen Flug nach Krakau ausgeführt und wollte nach Posen zurückfliegen. Dabei will er sich in den Böen verirrt haben und wegen Benz'mmangels habe landen müssen. Durch den Bürgermeister ist die politische Polizei in Berlin telephonisch benach. richtigt worden. Das ist nun innerhalb kurzer Zeit der vierte Fall einer Grenzverletzung durch polnische Militärflugzeuge.
Der Kampf um die deutsch-' Schule.
Aus Kattowitz wird gemeldet: Die deutsche Minderheitenschule in Koschentin, Kreis Lublinitz, in Polnisch-Oberschlesien wurde von der Woiwodschaft vor kurzem geschlossen mit der Begründung, daß nach dem Genfer Abkommen bio Zahl von 40 Kindern nicht erreicht sei. Tatsächlich kommen aber zu den für dieses Schuljahr angemelbetert 32 Kindern 16 aus dem Vorjahre, die rechtmäßig angemeldet, aber unberechtigt zurückgewiesez waren, sodaß die vorgeschriebene Zahl sogar überschritte» ist. Als die Erziehungsberechtigten am Ta« deS Schulbeginns ihre Kinder der deutschen Schure. zÜ- führen wollten, wurden sie erneut zuruckgewieien. Sie beschlossen, deshalb m den Schulst reik tu treten mit der Begründung, daß sie sich weigern-, ihre Kinder in polnische Schulen zu schicken. Daraufhin stellte die Polizeibehörde den streikenden Eltern nunmehr Strafbefehle wegen Schulversäurw nis in Höhe von drei Zloty für den Tag zu.
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Die Obersekunda in der Oberrealschule in Königshütte wurde zu Beginn des neuen Schuljahres am 1. September nicht mehr eröffnet, obwohl 18 Schüler nach dieser Klasse versetzt waren. Eine beim Woiwoden vorstellig gewordene W- ordnung des Elternrates erreichte lediglich die Zu- sage, daß die in Frage kommenden Schüler in der Oberrealschule in Kattowitz Aufnahme finden sollten.
Litauen.
Das lltauische Innenministerium teilt mit, daß der Tauroggener Kreishauptmann Grisas nachts von unbekannten Tätern erschossen worden ist. Auch einer der Führer der litauischen Sozialdemo. kratischm Partei, der ftühere Landtagsabgeordnet« Nikolis, einer ber Urheber des Tauroggener Patsches, soll in einem Feuergefecht mit litauischer Polizei den T o d gefunden haben.
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Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.
Die spanische Nationalversammlung.
Wie Havas aus Madrid berichtet, hat General Primo de Rivera Journalisten gegenüber sich über die Nationalversammlung geäußert und äusgeführt, wenn die 18 vorgesehenen Aus - fchüsse ernannt sein werden, würden alle wirt- schastlichm, kulturellen, gesetzgeberischen und Der- ifassungsftagen sowie die Fragen betteffend die öffentlichen Dienststellen und die Dienststellen, die innen politischen Charakter tragen, geprüft werden. In diesen Ausschüssen könnte ein Codex auSge- arbeitet werden, der dem Lande vorgelegt würde, dyS bereits in die Lage versetzt sei, sich selbst zu wjgteren. Die Nationalversammlung sei ein notwendiger Uebergang. Man habe von einer Diktatur gesprochen und von Ungerechtigkeit. Das sei aber übertrieben. Jede persönliche Herrschaft sei ütts häßlich. Sie sei lediglich erträglich bei einem ihnen und tugenbfamen Manne. Er habe feine Ge- wisiensbisfe deshalb, weil er keine Ungerechttgleit Begangen habe. Man könne nicht von einer Diktatur sprechen in der gegenwärtigen Lage, die sich mit dem Höchstmaß von Erfolgen entwickle.
Ml spanischer Offizier in Marokko ermordet. 1 ^Havas berichtet aus Tanger: Unweit des Dorfes Mejaula wurde ein spanischer Offizier von Eingeborenen getötet. Zwei Soldaten sind verletzt worben. Dem bettesfendeN Stamm wurde eine Buße von 5000 Peseten auferlegt und fein Kaid verhaftet.
wieder Parlamentsarbeit.
In Berlin sind jetzt die parlamentarischen Arbeiten wieder in Gang gekommen. Der Aeltestenrat des Reichstages ist am Mittwoch zu einer Sitzung zusammengetreten, um sich endgültig über den Zeitpunkt für die Zwischentagung des Reichstages schlüssig zu werden. Der Strafrechtsausschuß des Reichstages nimmt feine Beratungen am 21. September auf, während der Haushaltsausfchuß sich am 22. September versammeln wird, um über Die Höhe der Vorauszahlungen auf die kommende Neuregelung der Beamtengehälter zu beschließen. Die erste Sitzung des R e i ch s r a ts nach der Sommerpause findet am Donnerstag statt.
Der Preußische Staatsrat hält am 28. September feine erste Sitzung wieder ab, der Hauptausfchuß des Preußischen Landtages am 26. September. Auf der Tagesordnung steht die Aussprache über die Steuervereinheitlichung. Die Vollsitzungen des Preußischen Landtages werden bekanntlich am 11.’ Oktober wieder aufgenommen werden.
Der Reichskanzler hatte dem Präsidenten Loebe mit Rücksicht auf die ursprünglich für den L. Oktober angesetzte Zwischentagung des Reichs-