Nr. 211
Mittwoch, 14. September 1927.
Allheit uni» Geschlossenheit im Zentrum
Das Echo von Magdeburg.
Die Aufnahme -er Mitteilungen Dr. Köhlers.
Das „Berliner Tageblatt" schreibt zu dem Ve- , soldungsprogramm, das Reichsfinanzminister Dr. Köhler in Magdeburg mitgeteilt hat, u. a. folgendes:
Die Höhe der Gehaltsaufbesserung, die der Reichsfinanzminister Dr. Köhler in seiner Magdeburger Rede den Beamten verhieß, wirkte wohl nicht nur auf die unmittelbar Beteiligten, sondern auch auf die gesamte Oeffentlichkeit als eine Ueberraschung. Nach allem, was bisher aus der ersten Fühlungnahme zwischen den Beamtenvertretern und dem Reichsfinanzministerium laut geworden war, konnte man nicht daraus vorbereitet fein, daß die Regierungsvorlage Erhöhungen von 18 bis 33 Prozent bringen werde. Gestern erklärte Dr. Köhler, daß er eine wesentliche Steigerung der ursprünglich vorgesehenen Sätze im Reichskabinett beantragt und durchgesetzt habe: man darf wohl annehmen, daß diese Erhöhung erst in der allerjüngsten Zeit, nach den ersten Rücksprachen des Ministers mit Beamtenvertretern und Parlamentariern, erfolgte. Vielleicht erforderte die Ka- binettssitzung am Samstag deshalb so viele Stunden, weil es nicht leicht war, alle Bedenken zu überwinden, die neben anderen wohl auch der Sparkommiffar geltend gemacht hatte. Aber jedenfalls: es gelang, und der Entwurf Dr. Köhlers hat die Zustimmung des Reichskabi- »etts gefunden.
Jedermann wird es den deutschen Beamten g ö n - n e n, daß ihre Bezüge in einem solchen Maße aufgebessert werden sollen, daß die gesteigerten Kosten der Lebenshaltung einigermaßen ausgeglichen werden. Staat und Bolk haben das stärkste Interesse daran, daß durch auskömmliche Besoldungsverhältnisse der Beamtenstand vor wirtschaftlichen Sorgen bewahrt und damit in seiner Arbeitsfreudigkeit und Leistungsfähigkeit gestärkt wird. Zumal, wenn sich die Voraussage des Ministers bewahrheitet, daß die starke Mehrbelastung des Reichs- Haushalts — für die Beamtenbesoldung auf 155 Millionen, für die Renten der Kriegsbeschädigten auf 170 Millionen Mark jährlich berechnet — ohne Steuererhöhung zu tragen ist.
Mit starken Worten wandte sich der Minister gegen die Möglichkeit, daß die Erhöhung der Beamtengehälter das Signal zu einer neuerlichen Steigerung des allgemeinen Preisniveaus fein könnte. In der Tat liegt dafür keinerlei unmittelbare Berechtigung °or, wenn die erforderlichen Mittel ohne neue Steuerlasten aufgebracht werden können. Rückwirkungen auf die Lohnverhältnisse in der Wirtschaft werden allerdings nicht ausbleiben können, und es ist nicht von der
Von einem Schulkompromiß zwischen Zentrum und Deutscher Dolkspartei ist in der demokratischen Presse in den letzten Tagen viel die Rede gewesen. Einige Besprechungen, die ganz unverbindlnh zwischen dem Zentrumsabgeordneten Rheinland er und dem Abgeordneten der Deutschen Dolkspartei Runkel über das Gesetz stattgefunden haben, werden als der Beginn von Kompromiß-Verhandlungen zwischen Zentrum und Deutscher Volkspartei gedeutet. Schon der offizielle Pressedienst der Deutschen Volkspartei stellt fest, daß diese Mitteilungen jeglicher Grundlage entbehrten, und daß die Arbeiten zum Reichsschul- gesetz nicht früher ausgenommen würden, als bis der Reistag zusammengetreten sei. Richtig ist, daß die Deutsche Volkspartei die Simultanschulen, wie sie gegenwärtig in Baden, Hessen und Nassau vorhanden sind, erhalten wissen möchte, und daß sie darüber hinaus auch Thüringen in dieses Reservat einzubeziehen trachtet. Das ist aber keine neue Stellungnahme, sondern schon seit längerem bekannt und die Verhandlungen haben sich in den verschiedenartigsten Besprechungen, die nicht nur zwischen volksparteilichen und Zentrums-, sondern auch zwischen volksparteilichen und deutschnationalen Abgeordneten sich abgespielt haben, um diese Frag« gedreht.
Irgendwelche bindende Erklärungen oder Abmachungen sind vor dem Zusammentritt der Fraktionen garnicht möglich. Es hat deshalb auch gar keinen Zweck, sich mit den demokratischen und sozialdemokratischen Presseerörterungen zu befassen, die einerfests von einer Nachgiebigkeit des Zentrums, andererseits von einem Umfall der Deutschen Volkspartei sprechen.
Die deutsche Reichsangehörigkeit.
Wie der Demokratische Zeitungsdienst mitteilt, brachte die demokratische Fraktion im Reichsrag einen Gesetzentwurf ein, der für ganz Deutschland ein einheitliches Bürgerrecht einführt und die besonderen staatsrechtlichen Landesangehörigkeiten durch die Reichsangehörigkeit ersetzt. Der Entwurf, der übrigens verfassüngsänderndenCharakter hat, sieht unter anderem noch vor, daß den Deutschösterreichern unter gewissen Voraussetzungen einen im Verwaltungszuge verfolgbaren Rechtsanspruch auf Einbürgerung in Deutschland gewährt werden soll, während sie gleichzeitig die österreichische Staatsangehörigkeit beibehalten können.
Die Herabsetzung des brikischen vesahungsheeres.
wtb. London, 13. Sept. (Eig. Funkm.) Times zufolge ist die Verminderung der Stärke der britischen Besatzungstruppen jetzt im einzelnen geregelt worden. Danach werden das II. Bataillon Shropshire-Light-Infanterie in Stärke von 700 Mann und etwa 300 Mann anderen Truppen, sowie Militärpolizei, Feldprediger, Krankenschwestern und etwa 1 Dutzend Stabsoffiziere zurückgezogen.
Parteioffiziös wird zu der am 7. Septbr. in Dortmund und von den Vorständen der Reichspartei und der Reichstaasfraktion herausgegebenen Kundgebung geschrieben:
Die Waffen nieder!
Entschließung der Sozialistischen Jnfecnaüonak zur Abrüstungsfrage.
Srf$efat fedjSmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild und Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckere, m Fulda. Fernsprecher Nr 9 _________Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
Der rote Schrecken.
9 Todesurkeile im Leningrader Spionageprozetz.
wtb. Moskau, 12. Sept. (Eig. Funkm.) In dem Prozeß gegen 26 Spione und Terroisten vor dem Leningrader Gerichtshof wurden 9 Angeklagte Mm Tode, 13 zu Gefängnisstrafen von 6 Monaten bis zu acht Jahren verurteilt, 4 wurden freigesprochen.
Die Kundgebung des Reichsvarteivorstandes in Verbindung mit dem Vorstand der Reichstagsfraktion des Zentrums vom 7. September reicht in ihrer Bedeutung weit über den unmittelbaren Anlaß hmaus.
Der Ruf ergeht an alle, diesem inneren Lebens» gesetz einer bewährten Partei zu dienen und die Bereitschaft der Gesinnung zu bekräftigen, die unsere deutsche Zentrumspartei im neuen Volksstaat zu
Hand zu weisen, daß die verhängnisvolle Kette „Steigerung der Produktionskosten — Steigerung der Verkaufspreise" wieder in Wirksamkeit tritt. Man kann nur hoffen, daß die relativ gute Lage der Allgemeinwirtschaft es ermöglicht, eine solche Entwicklung zu vermeiden. Die Reichsregierung jedenfalls ist gewillt, gegebenenfalls mit aller Energie dagegen einzuschreiten.
Die „Frankfurter Zeitung" schreibt:
Ein Urteil über die politische und finanzielle Tragweite der Reform ist erst möglich, wenn sie im Kabinett ihre letzte Form erhalten hat und in ihren Einzelheiten bekanntgegeben ist. Aus den Angaben Dr. Köhlers über die voraussichtliche Belastung des Etats geht nicht hervor, ob die Regierung gleichzeitig mit der Erhöhung der Beamtengehälter auch an Erhöhung der Angestellten- und Arbeiterbezüge denkt. Für die Hoheitsverwaltungen des Reiches würde eine solche Ergänzung in finanzieller Hinsicht nicht allzuviel ausmachen, weil die Angestellten und Arbeiter in diesen Res- forte nur gering an Zahl sind. Desto mehr fallen sie aber bei den Verwaltungen der Länder und Gemeinden und bei der Reichspost und Reichsbahn ins Gewicht. Wenn man sich schon entschließt, den Beamten durchschnittlich 20 Prozent zuzulegen, muß man sich auch im klaren sein, wie man sich den Angestellten und Arbeitern gegenüber verhalten will, muß man jedenfalls die Konsequenzen bis zu ihrem letzten Ende durchdenken. Um der Oeffentlichkeit die Urteilsbildung zu ermöglichen, wäre erwünscht, wenn sich die Regierung recht bald über ihre Pläne in dieser Richtung äußerte.
* Das Reichskabinett wird sich, dem „Lok.-Anz." zufolge, in seiner Dienstag-Sitzung mit laufenden Angelegenheiten beschäftigen. Die endgültige Ve- schlußfassung über die Besoldungsvorlage
zutreten, so habe er dies nicht geradezu abgelehnt, er halte aber gewisse Entwicklungen der allgemeinen Auffassung für notwendig, bevor auch nur eine fruchtbare Diskussion möglich fei. Er sei sich aber bewußt, daß bereits der Punkt erreicht sei, wo für jedes Volk der Beginn eines Krieges ohne Zustimmung des Völkerbundes trotz aller Vorteile zu teuer sei. Mit Gesetzen und Sanktionen werde dergleichen nicht erreicht. Die Völlerbundsgrund- sätze gewinnen eine immer stärkere moralische Kraft, die eines Tages nicht mehr bloß moralisch, sondern effektiv sein werden. Auf die Frage wegen der Ablehnung der allgemeinen Schiedsgerichtsbarkeit durch England erklärt« Chamberlain nach einem Hinweis auf die besonderen Bedingungen des. britischen Weltreichs: Ich möchte nicht, daß ein Bindestrich zwischen uns und den anderen Mächten, ein Trennungsstrich zwischen England und den Dominions würde. Auf die weitere Frage, ob Großbritannien einem Kontinentalpakt ablehnend gegenüberstehe, antwortete Chamberlain, daß Verträge wie die in Locarno abgeschlossenen auch anderwärts nützlich sein würden. Solche Abkommen inbezug auf alle Gefahren der Welt könnten dann später einen allgemeinen Akkord möglich machen.
. «x a i ■ -• - s, « rx , ■ . wtb. Drüffel, 13. Sept. (Eig. Funkm.) Der
deutsche Zentrumspartei im neuen Volksstaat zu Exekutivausschuß der S o z i a l i st i s ch e n I n - ihrer höchsten politischen Fruchtbarkeit empor- | ternationale hat den Bericht des holländi- heben mutz: scheu Delegierten Abarda über die Arbeiten des
Für Volk und Vaterland! vom Exekutivausschuß eingesetzten Sonderausschus-
Mr Einigkeit und Recht und Frecheitt fes für Entwaffnungsfragen entgegen genommen
, . Eine eindringliche Mahnung zur Partei - diszipIin — bei weitherziger Anerkennung der Meinungsfreiheit innerhalb der Partei — erschien den Parteiinstanzen ein Gebot der Stunde. Wollen wir Werbekraft und Schlagkraft der Zentrums- parter erhalten, dann müssen wir aus schwächenden Krampfen und Zuckungen endlich herauskommen. Es beunruhigt die Vorstände an sich nicht, wenn sich innerhalb der Partei die Meinungen jeweils drangen und . stoßen. Kriegsverlust und Umsturz Haden auch die Zentrumspartei vor politische Probleme gestellt, die sie früher nicht kannte. 93er« außenpolitische, Wirtschafts- und u Fragen sind vollkommen verändert uno verwickelter geworden als vordem. Die Gesamtheit der politischen Aufgaben im neuen Staats- ft»« unsere Parteizugehörigen lebendig-
Anteil nehmen sollen, ist in Breite und Tiefe AUuuchsen. ^ So kann eine „behagliche Ruhe" für von heute nicht oberstes Gesetz fein. AbA auch nicht die sich selbst zerstörende Unruhe.
^rt#i der regen Mitarbeit schöp- degabter polnischer Persönlichkeiten bedarf - ino^^u'u^partel kann nichts anderes wollen, als ^.^8^^Eudigbegrüßen, um sie in die Wege fruchtbarer Wirksamkeit yi leiten w jß notwendig
Weder Ungeduld noch Maßlosigkeit haben die Reichsparteileitung dazu veranlaßt, so zu beschließen, wie geschehen. Sie kann von ihren Beschlüssen der letzten Jahre rückschauend sagen, daß sie jederzeit bis an die Grenze des willigen Verstehens und geduldigen Abwartens gegangen ist.
Di« öffentliche Meinung der Partei im Lande will Geschlossenheit und klare, sichere Fühmng. Sie fordert int Hinblick auf die gesamte politische Lage und die herausziehenden Kämpfe unweigerlich Schluß mit nörgelnden und mißmutigen Diskussionen, Schluß mit Zank und Hader, Verdächtigungen und Gchässigkeiten hüben und drüben. Sie will wieder Freude haben können am Zentrumsgedanken und am politischen Werk einer in sich einigen Zentrumspartei. Das innere Lebens- gesetz unserer Partei, das unzerstörbare, verlangt nach positiver Arbeit und will nur sie.
FuldaerZettung
______Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Wie alljährlich, so fand auch diesmal aus Anlaß der Völkerbundsversammlung in Genf ein protestantischer und ein katholischer Gottesdienst statt. Das Mitglied der deutschen Delegation Reichstagsabgeordneter Prälat Dr. Kaas hielt in der katholischen Kirche Rotre Dame eine Predigt, die davon ausging, daß die furchtbaren Erlebnisse des Krieges und die Rot der Nachkriegszeit mit erschütternder Klarheit die sinnlose Dämonie des Krieges und die unlösbare Verbundenheit der Menschheit in Glück und Leid gezeigt habe. Es könne keine heiligere Mission geben als die, den Geist der übernatürlich verllärten Brüderlich- feit hineinzutragen in das eigene Volk und von hier aus die Brücke der Versöhnung und des Friedens zu denen zu schlagen, die die Engherzigkeit und das Mißtrauen eines unerleuchteten und ungezügelten Ratwnalismus voneinander getrennt hätten. . Die Angehörigen der katholischen Kirche müßten mehr als bisher zu Aposteln, ja, wenn notwendig, zu Märtyrern des Friedensgedankens toer- den. Wenn Europa sich nicht auf seine ideellen Grundlagen besinne, werde das geistige Führer- tum auf einen anderen Kontinent übergehen. Was die Propheten des Materialismus und des Macht- kultus auf ihren Kathedern predigten, hätten die Völler auf den Schlachtfeldern gebüßt. Erst die kommende Generation werde den Sieg über dm Dämon des Macht- und Gewattgeistes erleben. Kaas forderte zur brüderlichen Zusammenarbeit an der Schaffung einer friedlicheren Zukunft aus und betonte, daß dieser Gottesdienst die Mitarbeit der katholischm Well am Völkerbund nach außm hin bekunden solle. Er schloß mit dem Hinweis, daß der Brudersinn, der die engen Schranken der Rationen und Sprachm überbrücke, über dm bm- talen Macht- und Gewaltgedanken siegen müsse. Dem Gottesdimst wohnten zahlreiche Mitglieder der dmtschen Delegation sowie der ausländischm Delegationen bei, barunter der Bundespräsident Motta, ferner der Generalsekretär des Völler- bundes, Sir Eric Drummond. Die Predigt des deutschen Prälaten hinterließ auch bei den zahl- reichm andersgläubigen Hörern einen tiefen Eindruck.
Um die Schule.
um die Schulfrage geht rn,e? Höhepunkt entgegen. Das kann man ^besondere an der gegnerischen Presse fest- stelleN: Im Anschluß an die Verhandlungen und Auswirkungen des Dortmunder Katholikentags wird das Zentrum von allen Seiten her in feiner ötcniingnabme zu der Reichsschulgesetzvorlage bedrängt. Das „Berliner Tageblatt" faselte von einer ^eruervosität" zu der sich die „Empfindlichkeit m den leitenden Zentrumskreisen" gesteigert habe, r w, $Cr “zS1 Montag" macht der demokra-
puztflsttsche Schriftsteller v. Gerlach ungemein gehässige Bemerkungen gegenüber dem Zentrum, yr wendet das Wort „Kadavergehorsam" gegenüber den Zentrumsleuten an, die der Parole von Dortmund folgen und sagt weiter: „Die Disziplin tm alten preußischen Heer war fabelhaft. Sie war E . Dreck im Vergleich zu der katholischen Disziplin. Im Anschluß an den auch von uns be- handeltm Artikel Georg Beyer's im „Vorwärts" über den Katholikentag sagt Gerlach dann weiter: „Jawohl,, ber Bestand des Zentrums war unerschütterlich, ist, unerschütterlich und wird auch so bald nicht erschüttert werden. Man kann diesen Aand der Dinge bedauern, hassen, verfluchen. Er bleibt. Man muß mtt ihm rechnen."
Auch, in der sozialdemokratischen Presse wird gegenwärtig scharf gegen das Zentrum Stellung genommen. Heinrich Schulz sagt in einer vom Vorstand der Sozialdemokratischen Partei herausgegebenen Broschüre, daß das Zentrum mit seiner Zustimmung zu diesem Gesetz „eine Todsünde wider bcn heiligen Geist der Republik begehe". Sodann wird in der sozialdemokratischen Presse jetzt die Parole ausgegeben, das Zustandekommen des Schulgesetzes mit allen Mitteln zu verhindern.
soll erst am Samstag erfolgen. Eine Aussprache über die auswärtige Politik ist noch nicht VOlnCrDUltv.
™SS61' roann Sr' Slrei Bei «ment tpreffeemnfmg in Senf Monte der I mann nach Berlin zuruckkehrt. | englische Außenminister Sir Wften Chamber-
Iain, daß die Verhandlungen während der nunmehr ab geschloffenen Generaldebatte der Völlerbundsversammlung einen wesentlichen Unterschied gegenüber den früheren ergeben hätten, da sie deutlicher, offener und freier geführt wurden. Er bat eindringlich, in den Zusammenkünften der Großmächte (wie sie ja bisher diesmal noch nicht stattgefunden hätten) keinen Angriff auf die Existenz oder auch nur auf den Geist der Völlev- bundsversammlung und natürlich erst recht nicht auf den Rat zu erblicken. Im Grunde geschehe dabei dock nichts andeKs, als daß man dem Völlerbuno die etwaigen Uneinigkeiten der Großmächte erspare und damit für beide Teile nur Nutzen stifte, ohne die Arbeiten des Völlerbunoes zu beeinträchtigen. Die Zusammenarbeit im Völkerbunde mache das gegenseitige Verständnis der Schwierigkeiten und Eigentümlichkeiten jedes ein» Seinen Landes notwendig. Man solle nicht die unausweichlichen Schwierigkeiten der Geschichte, Tradition und der besonderen Lage dieses oder jenes Landes als Böfen Willen auslegen. „Wir wollen nicht Verpflichtungen übernehmen ober zu übernehmen scheinen, bie wir vielleicht nicht halten können." Wenn man ihn trotzdem aufforbetie, über diese Frage in bie weitere Diskussion ein-
. Ähre Bestimmung ist, die innerparteiliche Lage ^r Entspannung und bie Partei selbst stärkerer Geschlossenheit im Wollen unb Handeln entgegen« zuführen.
Aus Meinungsverschiedenheiten des Augenblicks heraus geboren, atmet diese Kundgebung doch wobl- htenbe Ruhe und Sicherheit. Sie entspricht in allen ihren Teilen einem einmütigen Willen. Nicht bte leiseste Dissonanz hat die Verhandlungen in ^ortnnmb getrübt. Ein starkes Vcrantwortlichkeits- gefuhl der gemeinsamen Sache gegenüber, einSich- b-ef innen auf das, was wir in der überlieferten Zentrumspartei haben und eine große Klarheit über das, was fein und was nicht fein kann, frei« herrschten diese Dortmunder Beratungen.
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Der Ausgangspunkt der Kundgebung ist eine politisch-parlamentarische Tagesfrage, der Kampf um die gesetzliche Sicherung der konfessionellen Schule im Rahmen eines Reichsgesetzes. Hier stehen wir vor überliefertem Gut, vor einem Wesensziel des kulturpolitischen Programmes der Zentrumspartei. Wer diese Erundsatzforderung verneint, , wer also die konfessionelle Schule grundsätzlich ablehnt und bewußt und planmäßig ihren Schutz durch ein Reichsgesetz zu verhindern fucht, der stellt sich außerhalb der Reihen des Zentrums.
Der vorliegende Gesetzentwurf ist der fünfte Versuch einer sinn- und vernunftgemäßen Anwendung der Bestimmungen der Reichsverfassung auf unser Dolksschulwesen. Der Entwurf ist nichts Vollkommenes. Er enthält zweifellos Mängel und Lücken. Die Kundgebung der Vorstände spricht ganz offen von „notwendigen Verbesserungen im einzelnen". Damit ist auch zum Ausdruck gebracht, daß die freie Meinungsäußerung der Parteiangehörigen zu den vorliegenden Mängeln des Entwurfs keineswegs unterbunden fein sollen. Die „schärfste Mißbilligung" der Parteiknstanzen gilt nur jenen, die voreilig über den Gesetzentwurf als Ganzes den Stab brechen und damit gewollt ober ungewollt bie politisch-parlamentarischen Widerstände mehren und das Zustandekommen eines guten Reichsschulgesetzes damit überhaupt gefährden. Will die Partei das Ziel, dann kann sie unmöglich geschehen lassen, daß aus eigenen Reihen Unsicherheit unb Verwirrung ober gar eine Lähmung ber Energien in bie Partei hinekngetragen wirb.
ist auf der anderen Seite Selbstzucht und Bereitschaft zur Einordnung in das Ganze. Wer sich zu einer Parteigemeinschatt bekennt, übernimmt damit auch Rücksichten und Pflichten gegenüber anderen. Und e§ kommen auch wohl Augenblicke, wo bie öffentliche Vertretung höchstpersönlicher Meinungen zurückstehM muß, vor allem bann, wenn bie verantwortliche Parteiführung nach reiflicher lieber« legung unb pflichtgemäß eine Entscheidung gefällt hat.
Nicht von allen Auseinandersetzungen der letzten Jahre innerhalb unserer Zentrumspartei kann gesagt werden, büß sie notwenbig waren, und nicht von jeder, daß sie in Formen vor sich gingen, bie einem Austausch unter Parteifreunden entsprachen. Die Parteiinstanzen müssen bar auf bringen, baß ber Austrag von Meinungsverschiebenhei- tm ober politischen Gegensätzlichkeiten möglichst in ber eigenen Parteipresse unb nicht außerhalb geschieht, unb daß sie von einem Geiste getragen bleiben, ber Verstänbigung unb Zusammenhalt will und nicht das Eegmteil.
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In letzterem Zusammenhang stehen wir vor Erscheinungen, die nach Form und Inhalt neu sind in der Geschichte ber Zentrumspartei. Wir meinen bie lieblose, gehässige, aus einem entarteten Miß - trauen hervorgewachsene Kritik an Parteimaßnahmen unb führenden Persönlichkeiten durch Par- teiangehörige in fremden Blättern. Der betreffenbe Passus ber Kundgebung ber Vorstände kennzeichnet denjenigen, der in den letzten Wochen in folcher Kampfesweise besonders aktiv hervorgetreten ist, so klar, daß niemand int Zweifel darüber sein kann, wer • damit gemeint ist. Dabei leitet die Parteiinstanzen keine Ueberempfindlichkett. Partei- und Fraktionsmaßnahmen unterstehen selbstverständlich der Kritik ber Parteiangehörigen. Auch führende Persönlichkeiten sind in ihrm polmschm Handlungm nicht über alle Krittk ergaben. Hier aber handelt es sich um anderes. Die erhobenen Vorwürfe und Anllagen lassen bei dem Verfasser, der weder Vertrauensperson der Partei noch Abgeordneter ist, nicht bloß den Mangel an genauer Kenntnis aller zur Urteilsbildung notwendigen Einzelheiten erkennen, sie Taffen die gute Absicht vermissen,, ber Partei zu dienen und ihrer politischem Aufgabe zu nützm. Sie zersetzen, ver- toirren, zerstören. Ein positiver, polittscher Sinn ist darin nicht mehr erkennbar. Darum erhebt fich hier die Erklärung der Vorstände zum schärfsten Ausdruck. Es ist nicht Sache von Partei- oder Fraktionsvorständen, Ausschlußverfahrm einzuleiten oder durchzuführm. Das bleibt ben kompetenten Organisationen Vorbehalten. Die Meinung ber Parteileitung geht zur Gmüge aus der Fassung des Schlußsatzes ihrer Kundgebung hervör.
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