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M 209.

Sonntag, 11. September 1927.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Acklendruckerei, Fulda

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Die älteste Sparkasse des Regierungsbezirks

Fuldaer flctlendruckerel, Fulda

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Die gesamte Presse hat sich mit dem Katholiken­tag in Dortmund beschäftigt, und ich muß gestehen, daß es kaum Veranstaltungen in unserem öffent­lichen Leben gibt, von denen so viel Freude und Kraft ausgeht, wie von diesen Katholikentagen. Unvergeßlich wird jedem Teilnehmer der Blick in das mächtige Stadion geblieben sein, das die von allen Seiten anrückenden Vereine in sich aufnahm. So weit das Auge reichte, zogen sie aus der Stadt daher, wie ein Strom, der kein Ende nehmen will. Und es ergoß sich dieser farbige Fluß, von hundert­fältiger Musik umrauscht, von Fahnenschmuck über­weht, immer neu, in jeder Welle wieder ein Bild für sich, in das Kollosseum hinein, das in seinem Riesenraum alles versinken ließ . . .

Beim Anblick dieser flutenden Herrlichkeit ge­hörte schon ein gewisses Maß von Leichtsinn dazu, überhaupt noch Gedanken zu haben, die nicht ganz fromm waren und sozusagen ein wenig weltlich. Immerhin, mir kamen doch solche Gedanken, wie zum Beispiel beim Anblick der Polizei. Niemals habe ich in Deutschland bisher so freundliche Poli­zisten und uniformiert» Ordner gesehen, wie in Dortmund. Sie lächelten unter ihren kriegerischen Helmen her, als wären bereits in aller Welt die Schwerter in Sicheln verwandelt. Spielend lenk­ten sie die Massen, jede Gruppe an den für sie be­stimmten Platz. Für mich hat in meinem ganzen Leben der Polizist immer etwas vom Herrgott gehabt, ja soviel sogar, daß ich mir bisweilen den Herrgott da oben nicht anders vorgestellt habe, denn als den gewaltigen Oberwachtmeister des Weltalls. In Dortmund habe ich eigentlich zum ersten Male gesehen, daß Polizisten Menschen sein können, liebe Menschen, die nichts anders wollen, als ihren Mitmenschen liebevoll auf den Weg der Ordnung zu lenken. Und es dankten die Mitmen­schen einfach dadurch, daß sie diesem lächelnden kategorischen Imperativ schlicht folgten und im Po­lizisten nicht mehr den Feind, sondern den notwen­digen Freund sahen. In der Sprache der Gelehr­ten müßte man sagen, die Polizei habe in Dort­mund den Eindruck einer vorzüglich pädagogisch ge­schulten Truppe gemacht.

Die noch so schöne Zerstreuung mußte aber dann ausgeschlagen werden, und wieder vertiefte ich mich in jenes erhabene Bild der Volksfrömmig­keit, wie es Zug um Zug sich vollendete. Rings auf den amphitheatralisch ansteigenden Galerien drängte sich Kopf an Kopf. Obwohl es an die Hun­derttausend sein mochten, die allein in diesem un­geheuren Ring saßen und standen, waren sie doch alle ehrfürchtig still, und es gibt nun einmal nichts Ergreifendes auf Erden, als ein ganzes Volk, das sich zum Beten schickt. In einer Kirche war es, nur daß das Gewölbe hier eins war mit dem blauen Himmelszelt, das in strahlender Sommerlichkeit wie eine festlich bekränzte Ewigkeit herabschaute. Als beim Eintreffen des Nuntius Pacelli die Musik den Hymnus „Tu es Petrus" anstimmte und als die feierlichen und starken Akkorde sich in immer größeren Kreisen hoben, über den Chor weg, über die Fahnen und Andächtigen in der Mitte, über die sie umsäumenden Scharen der Zuschauer, hin­aus in die Weite und hinauf in die Lüfte, da schien sich dieser äußere Vorgang im Innern des Herzens zu wiederholen, und es wollte das mächtig an­schwellende Gefühl die Brust schier zerreißen. Einen' Graukopf neben mir sah ich'weinen . . .

Wie es aber so geht, wird man selbst in den frommsten Stunden von dem Teufel der Zerstreu- —...... .............. I ■■ II ............

Durch Wüste und Wildnis.

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Die Kinder staunten bewundernd diesen Urwald an, Mf welchem vielleicht noch nie die Augen eines weißen Menschen geruht hatten . Saba tauchte jeden Moment <15 Dickicht, von wo dann ein freudiges Gebell erscholl.

Die kleine Nel war durch das Chinin, das Früh­stück und den Schlaf gestärkt. Ihr Gesichtchen belebte sich und war leicht gerötet, die Augen blickten heiter. Je­den Moment fragte sie Stasch nach dem Namen der ver­schiedenen Bäume und Vögel, und er antwortete, so gut er konnte. Zuletzt erklärte sie vom Pferde herabsteigen iu wollen, um viele Blumen zu sammeln.

Doch der Knabe meinte lächelnd:

„Gleich würden dich die „Siafu" aufessen."

„Was ist Siafu? Ist es etwas Schlimmeres als der Löwe?"

„Wie man es nimmt. Es sind Ameisen, die furcht­bar beißen. Es gibt ihrer viele auf den Zweigen, von welchen sie den Menschen auf die Schulter wie ein Feuerregen herabfallen. Versuche es nur vom Pferde zu steigen und ein wenig in den Wald zu gehen, und gleich wirst du zu hüpfen anfangen und zu quietschen wie ein Aeffchen. Selbst vor Löwen ist es manchmal leichter sich zu schützen. Manchmal gehen sie in langen Reihen und alles weicht ihnen aus."

„Aber du würdest dir mit ihnen Rat schaffen?"

,Zch? Versteht sich."

„Und wie?"

„Mit Hilfe von Feuer oder siedendem Wasser."

„Du kannst dir immer helfen," sagte sie im Tone stesiter Ueberzeugung.

Stasch schmeichelten diese Worte sehr, so sagte er fröhlich:

„Wenn du nur gesund bist, so kannst du das übrige mir überlaflen."

«Lch habe gar keine Kopfschmerzen mehr."

„Gott sei Dank! Gott sei Dank!"

Indem sie so plauderten, waren sie an dem Wald entlang gezogen, welcher nur von einer Seite an die

ung geplagt, und so waren meine Gedanken auf einmal bei den Reichsflaggen, die in'dem wunder­sam wirkenden Schwarz-Rot-Gold sich im frischen Wehen bauschten und dann ganz ruhig im Winde zu stehen schienen. Hier erfüllten sie bestimmt ihre Aufgabe; denn sie sammelten nicht Partei, son­dern Volk. In ihren Farben sah ich das alte Deutschland und das große Deutschland, das Deutschland, das die Besten unter unserer Jugend als heiligen Traum aus Weltkrieg und Revolution mit nach Hause gebracht haben. Du herrliche Fahne, die du geweht hast über den deutschen Stämmen in ihrer gewaltigen Vergangenheit, du Standarte unseres deutschen Ruhmes und unserer deutschen Einigkeit, du Standarte auch unserer deutschen Frömmigkeit! Wahrhaftig, du erfülltest an diesem Tage, was ein Redner später von den Deutschen forderte, daß sie nämlich vor allen Far­benunterschieden darauf bedacht sein sollen, die Gottesflagge wieder über den heimischen Gauen aufzuziehen.

Immer noch ist da unten ein Marschieren und ein Singen, ein Paukenschlagen und ein Trommel­wirbeln, als sei die ganze Menschheit zu diesem Fest gekommen. Sie trugen ihre Vereinsschilder daher, als trügen sie in ihnen das Symbol ihrer Heimat, und ganz Deutschland war da. Ganz Deutschland auf dem Wege zum Altar. Mögen sie Freude haben an ihrem weißen Turnerkleid, an ihrem Tambour, an ihrer Kluft, an tausend äußerlichen Dingen, es hat heute alles einen tiefen Glanz, den Glanz einer Seele, die in irdischer Schönheit auf­leuchtet. Da plötzlich eine Bewegung in der Ge­gend des Altars, wo das Violett der Kirchenfürsten sichtbar wird. Ein Bischof steigt auf die Kanzel, und der Lautsprecher stellt sich in den Dienst des Wortes Gottes ...

Ach, ich armer Mensch, statt den Worten der Erbauung zu lauschen, horche ich auf einmal wie­der dem Teufelchen in mir, dem Predigtteufelchen, das sich immer einstellt, wenn es irgendwo predigt. Sei nur still, flüstert es, das mußt du ruhig über dich ergehen lassen. Nur keine Aufregung, es geht schon vorüber. . . Und dann sann ich nach über das Geheimnis dieses Lautsprechers und machte mir eine ganze Theorie zurecht über die Umformung der Beredsamkeit unter dem Einfluß des Lautsprechers. Das wäre ja beinahe ein Thema für eine Doktorarbeit, und zwar für eine, die bald geschrieben werden sollte. Der Redner, der sich mit diesem Instrument einläßt, soll sich klar darüber sein, daß man ganz ruhig sprechen muß, alle Ne­bengeräusche vermeiden und Deklamationen auf­geben. Fängt nämlich jemand an zu deklamieren oder gar zu schreien, so sagt der Lautsprecher, daß dies alles Blech sei. Wahrhaftig, die edelsten Ge­fühle verwandelt einem das Ding in Blech, ähnlich wie ein billiges Grammophon das tut. Also be­herrsche dich! Sprich Worte, die es in sich haben, die Seele zu fassen. Nicht wahr, einem Verliebten brauchst du den Namen des Geliebten nur eben ins Ohr zu flüstern, dann hast du schon sein ganzes Herz in Flammen gesetzt. Wahrhaftig, der Laut­sprecher und das Radio könnten für unsere deut­schen Redner eine Erziehung, zu einer ganz neuen Beredsamkeit der Innerlichkeit werden. Auch muß man es ihnen danken, daß sie es ermöglichen, nun auch auf großen Plätzen Redner sprechen zu lassen, die vielleicht keine starke Stimme, aber eine um so reichere Seele haben, während man früher doch bei jedem Festredner vor allem einmal feststellen

vischof und christl. Gewerkschaften.

Auf der großen Kundgebung, die aus Anlaß des Verbandstages des Zentralverbandes christ­licher Textilarbeiter am 14. August d. I. in F r e i- b u r g stattfand, führte Herr Weihbischof Dr. Bur­ger in seiner Ansprache u. o. aus, daß der 50. To- destag des sozialen Bischofs von Mainz, Frhr. v. Ketteler, Anlaß dazu gäbe, die soziale Heilkraft des Christentums besonders hsrauszustellen. Die Hellung der fozialenSchäden und die Heilung der Ärbeiternöte könne in erster Lime nur von innen heraus erfolgen. Ketteler habe bereits den Gedan­ken an die Spitze gestellt, „daß das Christentum und die Kirche auf die soziale Verhältnisse nicht unmittelbar und durch äußere, mehr oder ment« ger mechayjsche Mittel und Einrichtungen, sondern zunächst und vorzüglich durch den Geist einwirkt, den es den Menschen einflößt. So hat es ja auch die alte Sklaverei lediglich dadurch abgeschafft, daß es den Menschen seine göttliche Ideen und den Geist der Liebe mitteilte."

Im Hinblick auf: die auch von Ketteler erkannte große Bedeutung der christlichen Familie, im be­sonderen für den Arbeiterstand, führte der bischöf- liche Redner in spezieller Würdigung der Arbeit der christlichen Gewerkschaften noch folgendes aus:

„Sie wollen den Geist des Christentums hinein­tragen in eine Welt kalter Selbst- und Gewinn­sucht und diese Welt umgestalten nach den Grund­sätzen des christlichen Glaubens und der christlichen Liebe. Sie wollen die Arbeiterfamilie schützen und retten durch Ueberwindung der vor der verheirate­ten Frau bisher noch in weitestem Ausmaß ge­leisteten Fabrikarbeit. Einen anerkennenswerten Erfolg haben die Gewerkschaften in dieser Hinsicht skngst errungen durch das Rsichsgesetz vom 16. Juri d. I. über die Beschäftigung der Frauen vor und nach der Niederkunft. Gerade den in der Textil­industrie beschäftigten Frauen, deren tägliche Arbeit einen besonders starken Raubbau an den körper­lichen und seelischen Kräften bedeutet, wird dieses Gesetz zum Segen werden. Ziel muß aber blei­ben, Gattin und Mutter völlig aus der Industrie herauszunehmen und ihrem eigentlichen Gott ge­wollten Beruf zurückzugeben. Von der Erreichung dieses Zieles hängt das Wohl und die Gesundheit unseres Volkes ab. Voraussetzung zur Erreichung । dieses Zieles ist freilich eine Entlohnung des ver­heirateten männlichen Arbeiters, die ihm den Un­terhalt seiner Familie möglich macht.

Möge es den christlichen Gewerkschaften immer mehr gelingen, den Geist des Christentums in das heutige wirtschaftliche Leben und die Gesetzgebung hineinzuttagen und. dadurch den Geist des Mate­rialismus und des Mammonismus, der unserem Volke so schwere Wunden geschlagen, wirksam zu überwinden." _____________

mußte, wie es um sein Mundstück stände und u» seine stimmlichen Register . . .

Nun aber genug. Wie kannst du nur bei eine? Predigt auf so unheilige dumme Gedanken kom> men! . . . Schon ist der Augenblick da, wo sich das Opfer vollzieht, und die unübersehbare Masse der Menschen in heiligem Schweigen das Hausft beugt oder niederkniet ... Da wurde es mir klar. An Größe der Rennbahn kann man das Dortmunder Stadion am Ende übertreffen. Die Buntheit der Trachten mag sich auf großen Sport- festen überbieten lassen. Am Ende ist es auch mög­lich, hier und dort noch gewaltigere Scharen zu­sammenzubringen. Einzig aber ist ein Fest, das sich mit allem Gepränge unserer Zeit schmückt und dies alles doch in den Dienst einer Idee, in den Dienst des Reiches Gottes stellt . . .

An diesem Sonntage habe ich den Himmel in meiner Seele getragen. Ich habe erlebt, was es um ein Volk ist, das einig ist in seinem Tiefsten. Ich habe die Volksgemeinschaft erlebt, wie sie herr­lich war in ihrer Gottesgemeinschaft. Ich glaube wieder an Deutschland. Ich glaube an die Zukunft des Christentums. Da drüben liegt die Stadt, und wir werden ja dahin zurückkehren. Heber den Schloten und über den Dächern brütet auch heute Dunst und Qualm. Aber das Volk, das von hier aus in feine Stadt kehrt, dieses Volk wird es in sich haben, seine Sadt und seinen Staat zu bauen nach dem großen Bilde der Gottesstadt und des Gottesstaates, den sie von nun an ihrer Sehnsucht tragen. Das Reichsideal des heimlichen Deutsch­lands schien für eine Stunde Wirklichkeit geworden. Du schöne Stunde, sei uns das Tor der Hoffnung das Morgenrot der Zukunft.

Der Mann im Monde.

Schlucht heranreichte. Die Sonne stand bereits hoch am Firmament und brannte mächtig; das Wetter-war herr­lich und am Himmel gab es kein einziges Wölkchen. Die Pferde waren von Schweiß übergossen und Nel klagte sehr über die Hitze. Aus diesem Grunde bog Stasch in die Schlucht, deren westliche Wand tiefen Schatten bot. Es war dort kühler und auch das Wasser, welches in den Vertiefungen nach dem gestrigen Guß übrig blieb, war verhältnismäßig kalt, lieber den Häuptern der kleinen Wanderer schwebten von einem Ufer der Schlucht zum anderen Pfefferfresser mit Purpurköpfchen, blauer Brust und gelben Flügeln; so erzählte der Knabe Nel alles, was er von den Sitten dieser Vögel aus den Bü­chern wußte.

„Weißt du", erklärte er ihr, „es gibt solche Pfeffer- frcffer, welche während der Brutzeit eine Baumhöhlung aufsuchen. Dort legt das Weibchen die Eier und sitzt darauf, und das Männchen verklebt die Oeffnung mit Lehm, so daß nur sein Kopf sichtbar wird, und erst wenn die Jungen ausgebrütet sind, zerbricht es mit seinem großen Schnabel die Oeffnung und läßt das Weibchen ins Freie."

„Und wie nährt es sich während dieser Zeit?"

„Das Männchen ernährt es. Es fliegt fortwährend herum und bringt ihm verschiedene Beeren."

„Und erlaubt es ihm zu schlafen?" fragte sie weiter. Stasch lächelte.

„Wenn die Frau Pfefferkorn eine solche Lust zum Schlafen hat wie du in diesem Moment, so erlaubt er es ihr:"

3n der kühlen Schlucht übermannte der Schlaf das kleine Mädchen, denn am Vormittag hatte sie zu wenig geruht. Stasch hatte große Lust ihrem Beispiele zu fol­gen; doch konnte er nicht, da er sie halten mußte, damit sie nicht herunterfiel. Es war ihm unbequem auf dem breiten Sattel, den noch Hatim mit Teki Samala in Fa- schoda für das Kind errichtet hatte, nach Männerart zu fitzen. Er wagte aber nicht sich zu rühren, um sie nicht M wecken. Sie beugte sich unterdessen nach rückwärts, lehnte das Köpfchen an feinen Arm und schlief fest ein.

Sie atmete gleichmäßig und ruhig, so bedauerte Stasch das letzte Chininpulver nicht mehr. Auf ihren

Stasch gefiel diese Art von Jagd nicht besonders, so fing er zu fragen an, was für Tiere es noch im Lande der Wa-hima gebe.

Und sie sprachen über Antilopen, Strauße, Giraffen und Nashörner, bis das Rauschen eines Wasserfalles an ihre Ohren drang.

„Was ist das?" fragte Stasch. „Vor uns ein Fluß und ein Wasserfall?"

Kali nickte bejahend.

Und sie ritten in beschleunigtem Tempo, dem Brausen lauschend, das immer deutlicher wurde.

„Ein Wasserfall!" wiederholte Stasch neugierig.

Doch kaum hatten sie die erste und zweite Biegung hinter sich, als ein Hindernis, das nicht zu umgehen war, ihren Weg hemmte. Nel, welche vorher das Pferde- getrappel in den Schlaf gewiegt, erwachte.

„Machen wir schon das Nachtlager?" fragte sie.

„Nein, aber schau her! Ein Felsen schließt di' Schlucht ab," sagte Stasch.

„Was werden wir jetzt tun?"

„Sich neben dem Felsen durchzuschlängeln ist unmcig. lich, denn hier ist es ohnedies eng; wir müßen ein Stück' chen zurückreiten, auf die Höhe gelangen und das Hin­dernis umgehen. Aber bis zum Abend find noch zwei Stunden, so haben wir genug Zeit. Auch die Pserd- müssen ausruhen. Hörst du den Wasserfall?"

„Ich höre!"

„Wir werden in seiner Nähe rasten."

Dann wandte er sich an Kali und ließ ihn das Uft der Schlucht erglimmen und nachsehen, ob nicht noch wei­tere Hemmungen im Wege seien. Er selbst aber betra* tete aufmerksam den Felsen und rief:

„Er hat sich losgerissen und fiel erst vor kurzer Zer herab. Siehst du, Nel, die Bruchstelle? Er ist wedel mit Moos noch mit sonstigen Pflanzen bewachsen. Ick begreife . . ."

Und er wies mit der Hand auf den über dem Ufei wachsenden Baobab, dessen Riesenwurzel über der Wan! längs des Bruchstückes herabhing.

(Fortsetzung folgt). .

vier Arbeiter erstickt.

Rom, 10. Sept. (Eig. Funkm.) In einem Dorfe bei T u r i n wurden 4 Landarbeiter beim Säubern einer ziemlich tiefen Z i st e r n e durch die darin be- ,südliche Kohlensäure getötet.

wie wird das Wetter?

Der kräftige Tiefdruckwirbeh der zurzeit mit seinen Ausläufern unsere Witterung noch beeinflußt, wird ost­wärts abziehen. Bei England bilden sich jedoch bereits neue Druckstörungen aus, sodaß eine länger anhaltende Besserung der Witterung nicht wahrscheinlich ist.

Witterungsaussichten für Sonntag: Erneut aufkom­mende Verschlechterung der Witterung.

Technik und verkehr.

— Flugverkehr Januar bis Juli. Das erste Halb­jahr 1927 ergibt über den planmäßigen Flugverkehr der Deutschen Lufthansa A.-G. folgendes Bild (runde Zah­len): Passagiere: 40 000, Gepäck in Klg.: 430 000, Fracht in Klg.: 275 000, Post in Klg.: 140 000, zurückgelegte Ki­lometerzahl: 3 800 000. Im Monat Juli zeigte sich ge­genüber dem Vormonat eine weitere Steigerung im Pas­sagierverkehr um rund 4000. Die Inanspruchnahme der Kabinenplätze war in diesem Monat so groß, daß die intensive Frachtwerbung zurückgestellt werden mußte. Aus diesem Grunde ist in diesem Monat'auch keine Steigerung der Frachtbeförderung zu verzeichnen.

von den Hochschulen.

-- von der Frankfurter Universität. Der Direktor des Universitäts-Bibliothekswesen Dr. Richard Oehler wurde vom Herrn Minister für Wissenschaft Kunst und Volksbildung beauftragt, vom Wintersemester 1927-A ab in der' Philosophischen Fakultät die Bibliotheks- Wissenschaft in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten.

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Atem horchend, fühlte er, daß die Gefahr des Fiebers vorüber war, und überlegte:

„Die Schlucht führte immer bergauf und jetzt sogar ziemlich steil. Wir sind immer höher gekommen und das Land wird immer trockener. Man muß nun eine hoch­gelegene Gegend finden, die gut geschützt und mit klarem Wasser versehen ist. Dort wird man die Kleine einige Wochen oder vielleicht die ganze Regenzeit hindurch aus» ruhen lassen. Manch andere hätte ein Zehntel dieser Strapazen nicht ertragen, aber es ist notwendig, daß sie ausruht. Nach einer solchen Nacht hätte eine andere sofort Fieber bekommen und sie . . . wie ausgezeichnet sie schläft! Gott fei Dank!"

Dieser Gedanke versetzte ihn in gute Laune, und da er auf Nels Köpfchen, das an feiner Brust ruhte, herab­blickte, sagte er fröhlich, aber nicht ohne Staunen:

„Merkwürdig, wie ich die kleine Fliege lieb habe. Es ist wahr, ich hatte sie immer lieb, aber jetzt noch mehr."

Da er nicht wußte, wie er sich diesen Fall erklären sollte, so meinte er:

„Wahrscheinlich weil wir soviel zusammen durchge­macht haben und weil sie sich unter meinem Schutz be­findet."

Und er hielt die „Fliege" mit großer Vorsicht am Gürtel mit feiner Rechten fest, damit sie nicht aus dem Sattel fallen und sich das Näschen verletzen konnte. Die Karawane bewegte sich schweigend vorwärts, nur Kali summte zu Staschs Ehren:

„Großer Herr töten Gebhr, töten Löwen und Büffel! yah! Großer Herr töten noch viele Löwen! yah! Viele Fleisch, viele Fleisch! yah yah!!" —

„Kali," fragte Stasch leise, „jagen die Wa-hima auf Löwen?"

„Wa-hima graben Gruben; wenn Löwe in der Nacht hineinfällt, Wa-hima lachen."

„Was machen sie bann?"

„Wa-hima werfen viele Speere, bis Löwe ist wie ein Igel. Wa-hima ziehen Löwe heraus und essen ihn. Löwe ist gut."

Und er strich sich in der ihm eigenen Art über den Magen,

Soziales.

— Tagung der Deulfchen Vereinigung für firüppel- fütfotgc. Die Deutsche Vereinigung für Krüppelfürsorge veranstaltet am 16. und 17. Sept, in Darmstadt eine Mitgliederversammlung. Freitagabend findet ein Empfang der auswärtigen Teilnehmer durch die Stadt Darmstadt im Hotel „Zur Traube" statt; Samstags vor­mittag ist in der Otto Berndt-Halle eine Mitgliederver­sammlung.

Gotlesbienftordnnng.

fkriebbofskapelle am 5ranzosenwSldchen. Sonntag kV« Uhr hl. Messe mit Ansprache und Kommunion-Aus­teilung. Werktags 7 Uhr hl. Messe mit Kommunion. Austeilung.

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Schriftleiter: Dr. phll. Johannes Kramer, Verantwortlich für Politik und Heimatliches Dr. Kramer, für den Roman und die „Buchenblätter" A n t o n W e ß l e r, für den übrigen Text und die Unterhaltungs­beilage Dr. rer. pol. Karl Austermann, alle in Fulda. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei I. P a r z e 11 e r.

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