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Anzeiger für die Lkadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblalt.

Nr. 209.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaaen- Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verla­der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr 9 _________Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Sonntag, 11. September 1927.

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Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr.' 4051.

54.Zahrg.

haltens durch eine etwas Fassung."

Schiedgerichks-

der

ZukunftZu lenken!

des die

Internationalen

Mitglieder des

Verbrechen darstellt, in Anbetracht ferner, daß ein feierlicher Verzicht auf jede Art des Angriffes da­zu geeignet ist, die Atmosphäre des allgemeinen Vertrauens zu schaffen, die dem Fortschritt der zum Zwecke der Entwaffnung • unternommenen Arbei­ten förderlich ist, erklärt die Versammlung das Fol­gende:

1. Jeder Angriffskrieg ist und bleibt untersagt.

2. Alls friedlichen Mittel müssen für die Regelung von Zwistigkeiten, welcher Art immer, angewandt werden, die sich zwischen Staaten einstellen sollten.

Die Versammlung erklärt, daß für jedes Mit­glied des Völkerbundes die Verpflichtung be­steht, sich diesen beiden Grundsätzen anzupassen.

Diese Formel entspricht inhaltlich im wesentlichen der vorgestern von den Juristen der beteiligten Mächte für die gemeinsame Deklaration vorgeschla­genen, ersetzt aber eine mehr in Wunschform ge-

Die britische Regierung ist, wie Chamber­lain am Dienstag in seiner il nterreduna mit der Presse erklärte, nicht bereit, irgendwelche neue Verpflichtungen in der gegenwärtigen Zest z'.i über­nehmen. Eine Neubelebung alter mit dem Proto­koll verbundener Streitfragen können nur von neuem zu einem ähnlichen Mißerfolg führen. Es ist bemerkenswert, daß die britische Ansicht von verschiedenen anderen Delegationen geteilt wird.

verpflichtendere

die Sitzung bes Reichrkabinettr.

Berlin, 10. Sept. (Eig. Funkm.). Wie das W. T. B erfährt, ist das Reichskabinett zu der angekündigten Sitzung zusammengetreten. Im Mittelpunkt der Be­ratung steht der Gesetzentwurf über die Besoldungsreform. In unterrichteten Krei­sen wird angenommen, daß die Sitzung sehr lange dauern wird.

An der Sitzung nehmen teil: der Reichskanzler, die Reichsminister Hergt, Curtius, Brauns, Köhler, Geßler, Koch, v. Keudell und Schätze!.

Wie die Blätter erfahren, kommt Dr. Strese- mann nicht nach Berlin.

*

Anläßlich der Schulungswoche der westfälischen Windthorstbünde in Soest sprach am Freitag abend Reichskanzler a. D. Dr. Wirth in einer öffentlichen Kundgebung. Er kam auf die letzten Ausführungen des deutschnationalen Ministers Dr. Koch zu sprechen und bemerkte, daß die Deutschna­tionalen in der Regierung ohne die republikani­schen Pioniere Ebert, Erzberger und Rathenau nie­mals Lorbeeren hätten pflücken können. Ob die Kreise, die heute hinter der Regierung stehen, die Gewährleistung bieten, daß das Primat der A u ß e n p o l i t i k konsequent durchgeführt werde, sei eine große Frage. Zur Flaggenfrage sagte der Redner, Schwarz-rot-gold sei das Symbol der deutschen Feriheitsbewegung, ein Zeichen der Hoffnung für Oesterreich. Dr. Wirth fuhr fort, die Feinde der Republik suchten mit der Debatte zum neuen Schulgesetzentwurf das Gebäude des Volks­staates zu unterwühlen. Er betonte, daß neben der Bekenntnisschule auch die Simultanschule bestehen müsse und wies die Behauptung zurück, er sei g e g e n die Bekenntnisschule. Die Erhebung der Simultanschule in die Sphäre edelsten deutschen Geistes sei eine ebenso hohe Aufgabe, wie die Siche­rung der Bekenntnisschule.

Dr. Wirth wird inzwischen erfahren haben, daß das deutsche Zentrum und die deutschen Katholiken im Kampfe für die Bekenntnisschule stehen. An dieser Realität läßt sich nicht vorbeikommen.

Zur Frage der vesatzungstruppen.

Entgegen einer Reihe von Zeitungsmeldnngen, i welche die bevorstehende Verringerung der Be­satzungstruppen betreffen, wird dem W. T. B. mitgeteilt, daß bisher bei keiner deutschen Behörde genaue Angaben darüber eingelaufen sind.

Me deutsche Unterzeichnung klausel.

Artikel 36, 2 des Statuts Gerichtshofes bestimmt, daß

I verstand hatte also auch diese Zahlung eigentlich im I ^0001^ er 1918 aufhören müssen!

I Der Rachstbeteiligte ist der Herzog von S ch l e s- w i g - Holstein, der es immer noch auf 204 000 X? . bringt, und dessen Verwandter aus derselben Linie, Herzog Albert, der noch 190 000 Mark bezo­gen hat: dazu kommen noch zwei andere Hessen w-t ie 157 000 Mark und einer 151 000 Mark, so- baß also allein die Hessen mit rund 1,4 Millionen beteiligt sind, eine Summe, die auch in der heuti­gen Zeit etwas bedeutet und jedenfalls bei dem verarmten Preußen einen nicht unbeträchtlichen Aderlaß darstellt.

Nun wissen wir wohl, daß einige der Fürsten die summen nicht ohne weiteres als Reineinnahme buchen und daß sie aehalten sind, aus dieser Summe Gebäude zu unterhalten und zu verwalten, und daß sie dazu wieder Beamte einstellen müssen, um diese Aufgabe zu erledigen. Aber selbst dies vor­ausgesetzt, sind diese Dinge unhaltbar Wenn man bedenkt, daß dein Hause Hohen,zollern „nur" 15 Millionen Barabfmdung zugestanden worden sind und diese Standesherren innerhalb zwei Jahren schon auf rund 2,3 Millionen Zahlung gekommen sind, so erhellt das Widersinnige dieser Maßnahme

* Der Stahlhelm gegen die Konfessionsschule. Eine Kundgebung der dem Landesverband Braun­schweig des Stahlhelm angehörenden Lehrer in Sa­chen des Reichsschulgesetzes rft außerordentlich be­merkenswert. In dieser Kundgebung wird die Be­kenntnisschule abgelehnt, weil sie „zwischen den ju­gendlichen Seelen die Wände der Konfessionen auf­richtet". Me Stahlhelmlehrer fordern die Gemein­schafts- also die S i m u l t a n s ch u l e und zwar mit der Begründung, daß ihr gesamter Unterricht durchglüht ist von der hohen Ethik des gemein­samen Christentums, als die geeignete Schulform, die allein national-verantwortliche und sittlich reffe Charakter erzieht" Der Stahlhelm Landesverband Braunschweig lehnt daher den Reichsschulgesetzenr- wurf in der jetzigen Fassung ab und ruft alle, die sich zu obigen Richtlinien bekennen, zur Mitarbeit auf. Man wird sich diese Stellungnahme des ^ahlhelm sehr gut merken müssen.

Streselliann uni) Srianö sprechen in Gens

Für den Weltfrieden.

Völkerbundes und im Wihang zur Völkerbunds­satzung genannten Sta-nen ein Protokoll unter­zeichnen können, in dem sie erklären, daß sie ohne besondere Abkommen jedem anderen Mitglied oder Staat gegenüber, der die Klauselverpflichtung über­nimmt, die Gerichtsbarkeit des Internationalen Ge­richtshofes für alle oder einzelne Rechtsstreitigkeiten als obligatorisch anerkennen. Deutschland wird voraussichtlich f iir fünf Jahre unterschreiben und ist damit di» einzige Großmacht, die bisher die Fakultativ-Klausel angenommen hat.

Es ist also mit einiger Bestimmtheit damit zu rechnen, daß die Wahlen zunächst eine Reinigung der Parteien von allen denjenigen Politikern brin­gen, die sich bis jetzt als ihr Spaltpilz erwiesen haben. Das gilt sowohl für die serbisch-radikale Partei wie für alle anderen auch. Anders aus­gedrückt heißt das, daß alle Politiker alten Stils, die der jugoslawischen Politik diesen Charakter der inneren Verworrenheit gegeben haben, verschwin­den werden. Die Reinigung des Parteiwesens wird dann weiterhin wahrscheinlich eine der ersten Taten der neuen Regierung sein, die den Reinigungsprozeß dadurch weiterführen wird, daß sie ein anderes Wahlgesetz bringt, wodurch dis kleinen und kleinsten Parteien ihre Existenzmöglich­keit verlieren werden.

Die neue Regierung wird sich dann daran ma­chen können, verschiedene vordringliche innerpoli­tische, vorzugsweise nationalpolitische Probleme zu (Öfen. Das Verhältnis zu den Slowenen wird gründlich revidiert werden. Wenn man den Slo­wenen einen eigenen autonomen Landtag gibt, wer­den diese sich auch im aktiveren Sinne an der Re­gierung beteiligen. Die Kompetenz der Selbst­verwaltung soll erweitert werden, Slowenien be­kommt eine Ausnahmestellung, während es in Ma­zedonien wahrscheinlich bei der bisherigen Verwal­tung bleiben wird.

Auch außenpolitisch dürfte sich der Kurs einer

In ihrem Höhepunkt steht jetzt die Genfer Ta- I gung. Am Freitag nachmittag hat der deutsche I Außenminister Dr. Stresemann eine Rede gehal- I ten, die inzwischen vom deutschen Reichskabinett I gebilligt worden ist. Arü Samstag vormittag I hat der französische Außenminister Briand sich I zu Stresemanns Ausführungen zustimmend ge- I äußert. 1

Die Kernsätze aus Stresemanns Ausführungen sind fol- I gende:

Vor allem bebaute ich. daß in den Ausführungen I des Vertreters Griechenlands ein so geringes Zutrauen I zu der fortschreitenden Gewalt einer etwaigen Manife- I station des Völkerbundes zum Ausdruck kam. Es ist I allgemein bekannt, daß für die diesjährige Tagung des I Völkerbundes der Gedanke einer Manifestation erör- I tert wird, die den Gedanken des Verzichts auf Angriff I und Gewalt zum Ausdruck bringen soll. Ist dem wirk- I lich so, daß eine feierliche Erklärung, abgegeben von I den hier vertretenen Nationen, nichts bedeuten würde I gegenüber dem gegenwärtigen Stande der Dinge? Es I mag fein, daß manchem der Weg vertragsmäßiger Bin- I düng wünschenswerter erscheint. Aber ich habe die Em- I pfindung, daß der Glaube und die Idee ebenso bedeu- I tenb fein können wie die juristische Formel. Nicht I d i e Paragraphen allein machen den Frieden, I sondern der Geist der Völker und das G e w i s- sen. ihrer verantwortlichen Lenker. Wir dürfen auch nicht sagen, die Abrüstung hängt von der Sicherheit ab, die Sicherheit hängt von dem Recht ab, das Recht hängt von der Moral ab, um schließlich in einem non possumus zu enden. Aus den vielen mißtönenden Stim­men der letzten Zeit würde es bebeutfam herausklingen, wenn bie verantwortlichen Staatsmänner sich bazu ver­ständen, zu erklären, baß sie den Willen zur Führung der Weltdinge in sich fühlen und deshalb in feierlicher und bindender Form ihren Willen zur Diffamierung dessen, der zu Gewalt und Angriff schreitet, noch ein­mal zum Ausdruck brächten.

Ich weiß nicht, ob unsere Erörterungen mit einer Erklärung abschließen werden, die diesen Gedanken zum Ausdruck bringt. Mich zu ihm im Namen des Reiches zu bekennen, ist mir Pflicht und Bedürfnis. Lasten Sie mich hier noch eine andere Frage berühren. Man hat es bedauert, baß bisher so menioe Staaten der Fakultativklausel des Internationalen Schiedsgerichts im §>aag beigetreten sind. Die Politik des Deutschen Rei­ches liegt durchaus in der hier anaeftrebten Richtung. Wir haben bas fett Jahren zum Ausdruck gebracht durch eine große Reihe von Schiedsverträgen, die wir mit verschiedenen Staaten geschloffen haben. Ich werde dementsprechend auch die Unterschrift unter die Fakul- tatioklausel im Namen des Reiches noch während die­ser Session vollziehen. Stresemann schloß mit den wir­kungsvollen Sätzen:

„Die Welt sehe uns im Wettstreb en um die Errei­chung der höchsten Ideale, aber sie sehe nicht wieder die Waffen der Völker gegeneinander gekehrt. Lassen Sie uns Zusammenwirken in dem Kampf, der der ar» beitsvollste, der schwerste, aber auch der ehrenvollste ist: Im Kample für den Frieden und die aus Frie­den und Gerechtigkeit beruhende große Entwicklung der. Völker."

Die Rede Stresemanns wurde an verschiedenen Stellen von Beifall unterbrochen, besonders die An- kündigung, daß Deuffchland die Fakultativ - klausel des Internationalen Schieds- aerichtshofes im Haag unterschreiben werde. Mit unserer Unterschrift verpflichten wir uns gegen­über allen Staaten, die ebenfalls diese Klausel unterschreiben, znr Annahme der obliga­torischen Schiedsgerichtsbarkeit für alle Rechtsstreitigkeiten. Praktische Bedeutung bat dies allerdings nur gegenüber denfenigen Staaten, mit denen wir ffoch keinen Schiedsvertrag abgeschlossen­haben. Es ist dabei im Auge zu behalten, daß wir mit allen großen Mächten und auch mit den mei­sten kleinen Staaten bereits solche Schiedsverträge haben, und nur noch wenige übrig bleiben. Die deutsche Ankündigung hat also mehr den Charakter einer großen grundsätzlichen Friedensgeste, eines feierlichen Bekenntnisses zu einem der höch­ste Ziele und Mittel der Friedenssichentng, näm­lich der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit.

Vie Deklaration.

Don Polen ist die vielbesprochene Deklaraffon nunmehr in folgender Form vorgelegt worden:

„In Anerkennung der Solidarität, die die inter- ^rlonale Gemeinschaft verbindet, beseelt von dem festen Willen, die Aufrechterhaltung des allgcmsi- n.en Friedens zu sichern, mit der Feststellung', daß ein Angriffskrieg in keinem Falle als Mittel zur Regelung von Mfferenzen zwischen Staaten dienen soll, und daß er auf diesem ein internationales

kntschadigung der Ztandesherrn.

Mit dem 1. Oktober wirb wiederum eine Rate für bie Entfchädigungszcchlungen an bie ehemaligen Standesherren fällig. Es han­delt sich um einen Betrag von etwa 170 000 Mark. Bei der letzten Ratenzahlung am 1. Juli hatte man die Hoffnung, daß die Entlchä- digungsforderungen bis zum 1. Oktober gere­gelt feien. Das ist nicht der Fall. Der alte und verdrießliche Streit über die Berechtigung dieser Forderungen der Standesherren wirb nun erneut aufleben. Daher wird nachstehend aus parlamentarischen Kreisen zu der Frage noch einmal Stellung genommen.

Bekanntlich schweben die Unterhandlungen wegen der Abfindung der ehemaligen Standesherren in Preußen. Bisher war man nur obenhin über die wichtigsten Posten orientiert. Nunmehr aber sind wir in der Lage, genaueres mitzuteilen, da der preußische Finanzminister auf eine Anfrage ans dem Landtag heraus die genauen Zahlen und die Personen, an die ausgezahlt werden muß, bekannt gibt. Wir halten diese Veröffentlichung für sehr zweckmäßig, da diese allein schon genügt hätte, um Schwierigkeiten zum mindesten abzuschwächen, denn es handelt sich um teilweife derart veraltete For­derungen, daß man wohl allseits das größte In­teresse Hit, diese Sache so bald wie möglich aus dem Wege zu schaffen. Bedauerlich ist nur. daß das Finanzministerium nicht längst diese Mittei­lungen aus eigener Initiative gegeben hat und erst durch eine kommunistische Anfrage dazu ver­anlaßt worden ist.

Es ergibt sich, daß Preußen jährlich 1 831 570 Mark leisten muß und daß es seit dem 1. Januar 1924 schon 2 239 528 Mark geleistet hat. Davon hat das meiste der Landgraf von Hessen bekommen, der mit nicht weniger als 963 OÖO Mark Gelegenheit hatte, aus diesen veralteten Renten nicht unbedeutende Vorteile zu ziehen, bedeutendere jebenfaög als die übrigen „Souveräne", die be- kanntljch seit der Revolution auf irgendwelche Zivillisten verzichten mußten, da sie solche nicht mehr bezogen, während die obige Zahlung nichts anderes ist als die Entschädigung für den Verlust »er Souveränität. Nach dem gefunden Menschen- i

Jugoslawische wende.

Der junge Südslawen-Staat steht in diesen Ta­gen vor ziemlich bedeutenden Entscheidungen. Jetzt, am 11. September, finden die Reuwahlen für die Skupschtina statt, von denen man sich eine absolute Aenderung des bisherigen politischen Kurses Ju­goslawiens verspricht. Jnnerpolitische Ruhe und damit größere außenpolitische Machtmöglichkeiten kann man diesem Staate gerade im Interesse Euro­pas und auch im Interesse Deutschlands sehr wohl wünschen. Seit Jahren wird Jugoslawien von einer innerpolitischen Aufregung in die andere ge­stürzt. Dazu kommen die außenpolitischen Be­lastungen, die Jugoslawien vor wenigen Monaten bei dem Konflikt mit Italien beinahe an den Rand des Krieges gebracht hätten.

Eine Konsolidierung des jungen Südslawenstaa­tes ist also aus innen- und außenpolitischen Grün­den durchaus vonnöten. Es ist jetzt gelegentlich der Wahlen zum besseren Verständnis der Dinge notwendig, sich noch einmal in Erinnerung zurück­zurufen, was eigentlich zu den fortgesetzten inne­ren Schwierigkeiten geführt hat. Im Grunde ge- nommen, dürfte die Ursache darauf zurückzuführen sei, daß die großen serbischen Parteien sich als unfähig erwiesen haben, eine neue Staatsauf­fassung zur Richtlinie ihres Strebens zu machen und bei der Konstituierung des jugoslawischen Staates mit völlig unveränderter Einstellung ihre politische Tätigkeit entfaltet haben. Sie sahen in Jugoslawien weiter nichts als ein vergrößertes Serbien und erkannten nicht oder wollten nicht er­kennen, daß der 'jugoslawische Staat in seiner neuen Zusammensetzung neben anderen Problemen natio­nale Probleme äußerst subtiler Art in sich barg. Den Gipfel der Macht erreichte die serbisch-radikale Partei und die Gewalt- und Willkürwahlen vom Februar 1925 bedeuteten den Höhepunkt der An­wendung dieser Macht. Zwar bekamen sie damals durchaus noch keine einheitliche radikale Regie­rung zusammen, aber sie blieben doch die weitaus stärkste Gruppe im Parlament. Sie blieben dies fo lange, trotzdem sie rein äußerlich gesehen, immer noch eine Einheit bildeten, bis ihre eigene Politik dazu führte, daß sie sich in drei Gruppen spal­tete: linker Flügel, Zentrum, rechter Flügel. Da­mit hatten sie sich aber selbst jede Erfolgsmöglich­keit im Keime erstickt. Nach dem Tode Nikola Paschitsch war es für jeden Einsichtigen klar, daß sich dieses Parteigebilde nicht mehr lange würde halten können. Es ist ja auch ein unnatürlicher Zu­stand, daß eine Partei, wie die serbisch-radikale in einem Lande, wo kein Zwei- oder Dreiparteien« system herrscht, fast die Hälfte aller Mandate besitzt.

Geheimart Kast l, geschäftsführendes Präsidial- mitglied des Reichsverbandes der Deutschen Indu­strie, der aus der kolonialen Karriere hervorge- cingen ist, wurde vom Nölkerbundsrat in geheimer Sitzung zum deutsch en M i t gl i e d der M a n- datskommifsion ernannt.

Eine Rede Vriands.

wtb. Genf, 10. Sept. (Eig. Funkm.). Zu Be­ginn der Vormittagssitzung am Samstag beschloß die VAkerbundsversarnrnlung auf portugiesischen Antrag, alle die Mandatsgebiete betreffenden Fra­gen dem politischen Beratungsausschuß zu über­weisen. Nach Wiederaufnahme der Generaldebatte schilderte der österreichisch- Delegierte Graf Stens« borff die Leistungen bes Völkerbundes auf dem Ge­biete der internationalen geistigen Zusammenarbeit unter Betonung ihre werbenden Wirkungen für den Völkerbund.

Hierarff bestieg unter dem lebhaften Beifall des vollbesetzten Hauses um 10.40 Uhr Briand die Red­nerbühne. In mehr als einstündiger Rede zog er die Bilanz der bisherigen Ergebnisse der General­debatte und zerflückte mit der ihm eigenen lieber» zeugungskraft und der starken Eindringlichkeit sei­ner Rednergabe und der persönlichen Wirkung alles, was gegen die Arbeit des Völkerbundes ober einzelner feiner Organe vorgebracht worden war. I neuen Regierung darauf richten, etwas aus der Dabei nahm er bei Beginn feuer Rede an vielen I Zwangslage heraus zu kommen, in der sich Sugo« Stellen auf die gestrige „mutige und edle" Rede I flawien feit Monaten, wenn nicht länger, befindet, von Dr. Stresemann Bezug. Er ironisierte I Da wäre zunächst die Verständigung mit Bu l- in oft sehr glücklich gewählten und wirksamen Wor- I g a r i e n, durch die Jugoslawien einige Rückenstär- ten die Ausführungen der Redner der General- I jung gegenüber Italien erzielen würde. Der Weg bebatte, die jedenfalls Mangel an Vertrauen in I dazu könnte über einen Handesvertrag gehen, der die gemeinsame Arbeit zeigten und bekannte sich I die wirtschafüichen Beziehungen zwischen diesen in einem mit starkem Beifall aufgenommenen I beiden Staaten regelt, weiterhin wird man sich mit Schlußwort zu der Ueberzeugung, daß der Frie- I Bulgarien bezüglich Mazedoniens einigen, fee ns gebaute auf dem Wege über bie, wobei man ben bulgarischen Minbe ehesten einiges Schiedsgerichtsbarkeit triumphieren | Entgegenkommen zeigen wird. In die Verstäudi- müsse. | gungspolitik wird selbstverständlich auch Ungarn

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nicht zu denken ist, darüber kann es ebenfalls nach I niMfnmiftfte «Re­ber Hohenzollernabfindung keinen Streit geben. «üd

Aber gerade die Mitteilung der bestehenden For- berungen ergibt auch die Notwendigkeit einer r a- I pbett, so

scheu Erledigung. Unter diesen Umständen kann I E?un e $te Annäherung noch eine b.sser. werden man es sich ersparen, auf Einzelheiten eiuzugehen, , rc!men.

die in der heutigen Zeit aerobe.™ drollig wirken riayr man alles das zusammen, was von ben würden und geeignet wären, bas Ansehen der ehe- Wahlen in Jugoslawien erroarret w-rd fo kann maligen Regierenden noch weiter herabzusetzeu. man sehr wohl von einer Wende der jugoslawischen Aber mir haben daran kein Interesse, vorausgesetzt, , Politik sprechen.

baß es zu einer raschen Regelung kommt. Man, wird jedenfalls ein gut Stück innerpolitischer Ge- | * Obctbomprebiger Dr. Conrad gestorben. Der

schichte weiter Jein, wenn diese Dinge endlich er- , Vizepräsident des Ev. Oberkirchenrates, Oberdom- ledigt sind und das deutsche Volk es nicht mehr | nr-diaei- Di- Tir (T n n r«h „$„er

nötig hat, über Vergangenes sich ,zu streiten, fom , ? . , 5 ber ""besehen­

dem imstande ist, den Blick wieder mehr auf die, ’ten Kauzelreduer Berlins, ist Freitag abend an Zukunftzu lenken! 1 den Folgen eines Herzschlages gestorben