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Nr. 208

54.Zahrg

Samstag, 10. September 1927

MeutWe Ankigebung Der SenlrumSparlei

Blättern

Unterredung Ztresemann-Vrian-

Verhaftungen tschechoslowakischer Beamter we­gen betrügerischer Manipulationen. Wie aus Prag gemeldet wird, wurde in Prerau der 40jät>nge Beamte des Gefällkontrollamts, Meixner, verhaf­tet. Auch in anderen Städten der Tschechoslowakei wurden neun andere Personen, die als Beamte der Steuerbehörden tätig sind, festgenommen. Die Ver­hafteten fälschten in den Jahren 1920 und 1921 als Angestellte der Finanzwache durch das Steueramt in Kaschau ausgefertigte Exportbewilligungen für Spiritus nach Polen. Der Spiritus wurde aber nicht ausqeführt, sondern im geheimen in verschie­denen Städten der Tschechoslowakei verkauft. Durch diese Manipulationen soll der Staat um rund zwei Millionen Kronen geschädigt worden sein. ]

In der letzten Zeit sind in gegnerischen Blättern von Parteimitgliedern Angriffe gehässiger und -ehrenrühriger Art gegen Persönlichkeiten, die Vettrauenspersonen der Partei in verantwortlichen Stellungen sind, erhoben worden. Die Vorstände weisen diese illoyale und jeder Zentrumsgesinnung bare Kampfesweise mit schärfster Entrü­stung ab. Wer mit solchen Waffen für seine poli­tische Meinung kämpft, kann nicht mehr als Zen- ttumsmann angesehen werden, geschweige denn als

Fürstenhof" eine zahlreich besuchte Sitzung des Parteivorstandes der Zentrumspartei in Verbin­dung mit dem Vorstand der Reichstagsftaktton statt. Nach einer eingehenden Besprechung der gegenwär­tigen politischen und innerparteilichen Lage wurde einstimmig nachstehende Kundgebung beschlossen:

Einer Agenturmeldung aus Konstanttnopel zu­folge soll kürzlich eine Anzahl Personen verhaftet worden fein, die der Mittäterschaft an dem geplanten Attentat auf das Leben Kemal Paschas bezichtigt werden. Wie verlautet, hätten einige von ihnen eingestanden, daß sie den Zug, in dem der Präsident nach Angora zurückkehrte,'mit Dy­namit hätten in die Luft sprengen wol­len.

gangen, die Simultanschule als die auch für die Erziehung des Kindes vorteilhaftere zu er­klären, eine Auffassung, die mit dem Standpunkt der Zentrumspattei unvereinbar ist.

Die Vorstände warnen die Patteiangehörigen aufs ernsteste, in der Sorge für die Sicherung der Konfessionsschule nachzulassen.

Wer den Schutz der konfessionellen Schule durch ein Reichsgesetz, soweit es an ihm liegt, durch per­sönliche Maßnahmen zu verhindern versucht, stellt sich außerhalb der Zenttumspartei.

Anläßlich dieser und anderer Vorgänge inner­halb der Partei halten sich die Vorstände für ver­pflichtet, erneut und mit Nachdruck darauf hinzu­weisen, daß Bestand und Erfolge der Zentrums­partei nicht bloß von der Einmütigkeit im Grund­sätzlichen, sondern auch von den verantwortungsbe­wußten Einordnung und Mitarbeit aller Partei­zugehörigen abhängig sind. Alle, die es ernst mit der Zentrumspattei meinen, müssen dessen einge­denk sein.

Dem Genfer Sonderberichterstatter des Alge- meen Handelsblad zufolge beabsichtigt die hollän­dische Völkerbundsdelegation im Gegensatz zu den in Genf verbreiteten Gerüchten keineswegs, nach der Fertigstellung der poln. Entschließung ihren eigenen von Beelarts von Blokland einge­brachten Abrüstungsvorschlag so ohne wei­teres fallen zu lassen. Die holländische Delega- tton werde vielmehr darauf bestehen, daß die hol­ländische Entschließung in der üblichen Weise in öen Kommissionssitzungen behandelt werde. Der Korrespondent fügt ihnzu, daß man sich allerdings m unterridjtefen Kreisen über das Schicksal dieses holländischen Vorschlages und die Entscheidung die- ses Konflikts zwischen dem Rechte der Kleinen und der Macht der Großen keinen Illusionen ylngebe.

Mit Recht fragen sich die kleinen Mächte, was unter diesen Umständen der Völkerbund denn eigentlich bedeuten soll. Kurz, die Frage nach dem Sinn und Zweck dieses Bundes wurde aufgewor­fen, und damst war auch die große Krisis dieses Bundes aufgezeigt, die eines Tages ja doch akut werden muß, wenn in dem jetzigen Schema fottge- fahren wird.

Es blieb daher England garmchts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und sich mit der polnischen und der holländischen Ak­tton, die beide sicherlich von verschiedenen Motiven getrieben werden, aber doch auf ein gleiches Ziel hinsteuern, abzufinden. Und so kam' man dazu, eine Resolution dem Völkerbund zu unterbreiten, welche einmal jeden kriegerifchen Angriff untersagt und zum anderen fordert, daß internationale Strei­tigkeiten durch friedliche Mittel ausgeräumt werden sollen, lieber den Wortlaut dieser Entschließung ist freilich ein heißer Streit entbrannt, der zurzeit noch andauert.

Auf diese Basis kann selbstverständlich die deutsche Delegation ohne weiteres treten, denn Deutschland kann dem Völkerbund nur dann Sinn und Zweck zusprechen, wenn er, feiner Bestimmung entsprechend, auch wirklich drohende kriegerische Konflikte durch friedliche Mittel aus der Welt schafft. Das Dölkerbundsstatut hat ja für den Fall, daß alle Verständigungsmittel refultatlos ausge­schöpft sind, eine Kriegsmöglichkeit noch offen ge­lassen. Der holländische Vorschlag will jeden Krieg unmöglich gemacht wissen, wobei allerdings die Formulierung der Begriffsbestimmungen dar­über, wer der Angreifer ist, der Erreichung dieses I Zieles sicherlich nicht dienen würde.

Wenn man sich nun jetzt darüber geeinigt hat, I eine neue Resolution einzubringen und ihr zuzu- I stimmen, die den Angriffskrieg untettagt und den I Angreifer der internationalen Brandmarkung preisgibt, und wenn man sich des weiteren ver- I pflichtet, internationale Streitfälle durch friedliche Mittel auszugleichen, so liegt das ganz in der Linie dessen, was die deutsche Politik immer wieder ge­fordert hat. Ob freilich den Motten auch die Ta­ten folgen, muß man erst einmal abwarten. Vor­läufig kann ein Umblick in der Welt nicht allzu sehr Zu dieser Erwartung ermutigen, denn allenthalben 1

Amerika und Frankreich.

Geplante antiamerikanische Demonstration in Paris.

wtb. Paris, 9. Sept. (Eig. Funkln.) Die kom­munistischeHumanite" veröffentlicht heute einen grfneinfamen Aufruf der kommunistischen Partei und der kommunistischen Gewerkschaften und Ju­gendverbände als Antwort auf das von der Re­gierung für den 19. September anläßlich der An­wesenheit der amerikanischen Legion anberaumte Nationalfest durch einenNaiionaltag revolutionärer Demonstrationen" zu antworten.

(Eine Hede Mussolinis.

In der Schlußsitzung des 3. Internationalen Kongresses für die wissenschaftliche Organisation der Arbeit in Rom hielt Mussolini zunächst in französischer, dann in deutscher, schließlich in eng­lischer Sprache eine Rede, in der er auf die zahl­losen praktischen Anwendungen der Wissenschaft auf allen Gebieten des modernen Lebens uni), auf die Notwendigkeit hinwies, alles anzuwenden, was die Wissenschaft hinsichtlich der Hygiene der berufs­mäßigen Leistungsmöglichkeit des Arbeitsertrages und der Verwendung der Ruhestunden anrate. Er erklärte:

»Die mächtige faschistische Regierung und die produzierenden Klassen Italiens werden die Ergeb­nisse des Kongresses berücksichtigen. Ich bitte Sie, bet Ihrer Rückkehr in Ihre Lättder daraufhinzu- weisen/ daß Sie ein Italien der Arbeit und der Ordnung kennen gelernt haben, das an seinem wirtschaftlichen Wiederaufschwunge und ferner für den Fortschritt der Menschheit und den Völkerfrieden arbeitet." In italienischer Sprache fügte Mussolini hinzu: Ich habe versucht, in der staatlichen Verwaltung wissenschaftliche Methoden anzuwenden. Die Einheit der Leitung verbot eine Verzettelung der Kräfte und Energien. Die aus­ländischen Kongreßteilnehmer werden bei dem nun folgenden Besuch verschiedener Gegenden Italiens die Anstrengungen feftfteHen können, die dieses m der Welt noch wenig bekannte Italien macht. Wahr­scheinlich werden viele Gemeinplätze revidiert, kor­rigiert öder ausgemerzt werden, denn neben dem alten Italien und dem dreitausendjährigen Rom gibt es ein modernes Italien der Landwirtschaft, der Industrie und der Marinewerften. Trotz aller Schwierigkeiten befinden wir uns, was die Indu­strie anbelangt, auf den ersten Plätzen. Wir ha­ben die sichere Gewißheit, daß die Krise glän­zend überwunden wird.

Maßregelung höherer Polizeibeamler in Genua.

Was Or. llöhler saft.

Die Besprechungen des Reichssinanzminislers mil den Leamlenverbünden.

Die Informationen, die Reichsfinanzminister Dr. Köhler am Donnerstag nacheinander den Ab­ordnungen des Deutschen Beamtenbundes, des Reichsbundes der höheren Beamten und des Allge­meinen Deutschen Beamtenbundes über die Grund- Züge der Beamtenbesoldungsreform gab, wurden als streng vertraulich erklärt.

DemVorwärts" zufolge haben die Beprechun- gen, die am Freitag fortgesetzt werden sollen, posi­tive Ergebnisse bisher nicht gebracht. DasBerl. Tagebl." weiß mitzuteilen, daß die von Dr. Köh­ler vorgetragenen Grundzüge des Entwurfs von den Beamtenverbänden als nicht ausreichend be­zeichnet worden seien. Wenn das Reichskabinett zu der Vorlage endgültig Stellung genommen hat, soll nach dem erstgenannten Blatt noch einmal mit allen Spitzengewerkschaften der Beamten gemeinsam ver­handelt werden.

Heber die Frage der Deckung der Mehrauf­wendungen für die Beamten will dieVoss. Atg." erfahren haben, daß der Reichssinanzminister ent­schlossen sei, keine Aenderung des Finanzausgleichs vorzunehmen. Die Länder würden infolgedessen gezwungen sein, die Mehrkosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Für Preußen käme eine Mehrausgabe von 150, für Bayern eine solche rwn ungefähr 4050 Millionen in Frage.

wtb. Berlin, 9. Sept. (Eig. Funkm.) Wie das Wolffbüro erfährt, hat Reichsfinanzminister 5. . Köhler dem Reichskanzler gestern über den augenblicklichen Stand der Arbeiten an der Be­soldungsreform Bericht erstattet. Dabei hat de: Reichsfinanzminister mit besonderem Nachdruck a- die Notwendigkeit einer alsbaldigen Verab­schiedung des Gesetzentwurfes hingewiefen. Nach­dem die Besprechungen mit den Vertretern der Be­amtenorganisationen, entgegen anderslautenden Meldungen, bereits abgeschlossen sind und auch die Verhandlungen mit den Finanzmini­stern der Länder schon stattgefunden haben, folgen heute Beratungen mit den einzelnen Reichsressorts, um die morgige Sitzung des Reichskabinetts vorzu- bereiten. An dieser Kabinettssitzung wird auch der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Zkh^afs lellnehmen. __________________

Der Reichswehrminister beim Reichpräsidenten.

wtb Berlin, 9. Sept. (Eig. Funkm.) De- 'err Reichspräsident empfing heute den Reich Minister Dr. Geßler zum Vortrag,

wirtschaftliche Kampfbewegungen

Drohender Streik der Berliner Straßenbahn. I: der vom Deutschen Verkehrsbund einberufenen Ver sammlung der Straßenbahner, in der diese nach de: Ablehnung des Schiedsspruches durch die Funktionäre eine Entscheidung treffen sollten, wandten sich, wie eine Korrespondenz meldet, die Redner gegen den ergangc nen Schiedsspruch und forderten für das Straßenbahn personal und für die übrigen städtischen Arbeiter einen gültigen Manteltarifvertrag. Sie erklärten, daß sie di. Annahme des Schiedsspruches nicht empfehlen könnten Es wurde eine Resolution angenommen, in der du Straßenbahner ihre Forderungen wiederholten und er­klärten, den Kampf mit allen gewerkschaft­lichen Mitteln führen zu wollen. Der Vorsitzende des Betriebsrats der Hochbahner gab die Erklärung ab daß die Hochbahner bei dem Kampfe volle Solidaritö üben würden. Die weiteren Maßnahmen werden von den Betriebsversammlungen beschlossen werden. Di: endgültige Entscheidung kann jedoch erst fallen, wem d,e Direktion der Straßenbahn ihrerseits zu dem Schiedsspruch Stellung genommen hat.

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3n Dortmund fand am 7. September im Hotel I erst die weitere Beratung abzuwarten. Einzelne urftenhnf em# i/rMr#;A befnAM K^a Parteiangehörige sind bedauerlicherweise soweit ge-

(Englands Arbeiter und Moskau.

Dor dem Bruch.

Der Generalrat des englischen Gewerkschaftskon­gresses empfahl dem Kongreß, die Beziehungen zur Sowjetarbeiterbewegung abzubrechen. Diese Empfehlung, die eine Art Sensation hervorrief, wird beraten werden. Der Empfehlung ist ein Tele­gramm des Sekretärs des Allrussischen Eewerk- schaftsratts Dogodoff beigefügt, in welchem von dem Verrat und der Sabotage der Arbeiter­partei bei dem Generalstreik gesprochen wird. Tho­mas und andere Führer der Arbesterpattei werden als Verräter bezeichnet. Jnbezug auf dieses Tele­gramm heißt es in der Empfehlung, ein Kommen­tar hierüber sei nicht notwendig. Weiter heißt es, daß der Generalrat zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß keine Anzeichen dafür vorhanden sind, daß der Allrussische Gewerkschastsrat diejenigen Be­dingungen zu beobachten geben», die für ein Fort­bestehen des gemeinsamen englisch-russischen bera- tenben Ausschusses wesentlich wären. Der General­rat teilt habet bem Kongreß mit, baß es keinen Zweck haben könne, Verhandlungen mit bem All­russischen Gewerkschaftsrat fortzuführen, solange bie- ser nicht seine Haltung unb Politik änbert.

schwellt und gärt es, unb nutzen schließlich alle diplomatischen Versicherungen, wenn die ml l i t ä- rischen Kräfte her verschiedensten Länder, wie wir gerade augettbicklich beobachten können, an einer gerade in der letzten Zeit sich anfallend ver­schärfenden Kriegsrüstung zu Waiser und zu Lunde arbeiten. Soll die neue Genfer Resolution nicht nur Phrase fein und bleiben, so wird es notwen­dig fein, daß bet den verschiedensten Ländern eine vollständige Abwendung von den bisher beliebten Methoden Platz greift. Ob wir darauf rechnen können?

Lin dritter polnischer (Entwurf.

Wtb. Paris, 9. Sept. (Eig. Funkm.) Der Son­derberichterstatter desEcho de Paris" in Genf meldet, die polnische Delegation scheine nunmehr, nachdem auch der zweite Resolutions-Entwurf a b- gelehnt worden sei, sich nicht mehr mit der briti­schen und deutschen Delegation verständigen zu wollen. Sie werbe der Versammlung einen drit- t e n Entwurf, der die N o t w e n d i g k e i t e i n es Weichselpaktes enthalte, vorlegen, d. h. eines Nichtangriffspaktes, der stärker begründet fei, als der gestern vorgelegte zweite Resolutionsentwurf.

*

Die Verteidigung und Förderung der Kon­fessionsschule hat feit je zu den vornehmsten Aufgaben und Grundsätzen bet Zentrumspattei ge­hört. So ist noch in ben Richtlinien des Jahres 1922 unb ebenso in bem von bet Zentrumsfrak­tion bes Reichstags einstimmig gebilligten Mani­fest vom 21. 1. 1927 der gesetzliche Schutz her konfessionellen Schule, sowie die Wahrung der Gewissensfteiheit unb bes Elternrechts, als ein wesentliches Ziel ber Zentrumspolitik festgestellt.

3n Verfolg dieses Standpunktes hat die Zen- trumspattei wiederholt den baldigen Erlaß eines Reichsschulgesetzes zur Ausführung des Att. 146 der Verfassung und damit die Sicherung der kon­fessionellen Schule im Sinne dieser Verfassungs­bestimmung gefordert. Der z. Zt. zur Beratung vorliegende Entwurf eines Reichsfchulgesetzes ent­spricht, vorbehaltlich notwendiger Verbesserungen im Einzelnen ,diesem Verlangen.

Die Vorstände ber deutschen Zenttumspartei unb ber Reichstagsfraktion des Zentrums sprechen des­halb einmütig ihre schärfste Mißbilligung darüber aus, daß Angehörige bet Zenttumspartei, sogar der Zentrumsfraktionen, in öffentlichen Kund­gebungen sich bereits jetzt gegen den vorliegenden Reichsschulgesetzentwurf ausgesprochen haben, ohne

Worte, Worte!

Don unserem besonderen Genfer Vertreter.

_ Der polnische Paktvorschlag und nach ihm ber hol­ländische Vorstoß haben die trägen Geister von Gens in starke Bewegung gebracht. Aber bald ge­lang es der prachtvoll funktionierenden Beschwicb- trgungsmaschinerie, die Wogen zu glätten. Das Ergebnis sind: Wotte, Worte! Was ging denn eigentlich in Genf vor? Gleich von Anfang an munkelte man, daß sich unter dem Deckmantel einer fc ziemlich nichtssagenden Tagesordnung gar bald überraschende Dinge vollziehen werden. Es war durchgefickert, daß Polen etwas besonderes vorhabe Polen ist in Locarno nicht befriedigt worden. Wäh­rend die Westgrenzen durch die Locarno-Abma­chungen stabilisiert wurden, ist das bei dem Osten nicht der Fall. Dort ist die Frage offen gelassen worden, eine Korrektur mittels besonderer'friedli- cher Abmachungen zu erzielen. Dieses Element der Unsicherheit, das damit in der Tat für Polen gegeben ist, sollte nun ausgeschaltet werden da­durch, daß die Locarno-Abmachungen auch für die Ostgrenzen Deutschlands gelten sollten. Es ist na­türlich gar nicht daran zu denken, daß Polen auf eigene Faust etwas derartiges unternehmen würde. Zwetffellos stand Frankreich dahinter, das ein Jn- terefie baran hat, die englische Garantie auch für den Osten zu erhalten. Man hatte von Paris aus nach Deutschland hin den Typ gegeben, daß man gegen den Abschluß eines 1 solchen Ost-Locarno- *anes und die Verpflichtung, keinen Anschluß an Oesterreich zu vollziehen, die Frage der Rheinland- raumung auf anderer Grundlage behandeln wolle. Es war gut, daß man sich in Deutchland davon nicht auf bas Glatteis locken ließ.

Die unverhüllte Ablehnung Chamberlains gegen diesen Vorschlag hat die Entwicklung der Dinge in Genf in andere Bahnen gelenkt. Und nun sind die Holländer auf den Plan getreten. Sie haben, was bei der Abhängigkeit Hollands von England und feinen Kolonien außerordentlich wel bedeutet, einen mutigen Vorstoß im Sinne der Wiederaufnahme des Genfer Protokolls unternom­men. Hinter dieser Aktton stand aber nichts an­deres, als das Aufmucken der kleinen Nattonen ge­gen die großen, die sich immer wieder zu geheimen Konventtkeln zusammenschließen unb die kleinen Staaten vor vollendete Tatsachen stellen. Gerade die neutralen Länder haben ein großes Interesse daran, rote Me Behandlung der Abrüstungsfrage der^Schkedsgerichtsbarkeit und vor allem die Frage der Behandlung drohender kriegerischer Konflikte unter den Nattonen erfolgt. Es sind eindringliche und empragfame Worte gerade von den Vertre- ton ber Heinen Nationen in ber Vollversammlung des Völkerbundes gesprochen worden über die SdjrerfWett der Kriege der Zukunft, unb zur Unterstützung dessen haben wir gerade dieser Tage ^urch die Preße erfahren, daß alle bisher neu er­fundenen Kriegsmittel schon wieder durch abermals neue Erfmbungen in ihrer Wirksamkeit übertroffen werden. Es wurde gleichzeittg festgestellt, daß heute schon das Heeresdudget ber Mächte, das ins­gesamt etwa 1500 Millionen Dollar zur Zeit aus­macht, schon wieder an ben Stand von 1913 her- onreicht. Daß Mefe Entwicklung, daß insbesondere der schwere Fehlschlag der Abrüstungskonferenz auf der Tagung dieses Bundes, der doch zur Verhü­tung von Konflikten, die zu kriegerischen Zusam- I menstößen führen können, gegründet worden ist I überhaupt nicht einmal erwähnt wird, mußte die I «einen Mächte verstimmen. Dazu kommt, daß I man sich in Genf mit Bagatellen beschäftigt, ohne I bte augenblicklich gärenden Bewegungen in den ver- I schtedensten Ländern und ihre möglichen Folgen I für die Ruhe und den Frieden Europas zu beach- I ten.

* Snrifdjenfall auf dem Zionistenkongreß. Der Vorsitzende der politischen Kommission des in Basel tagenden Ztomstmkongresses, ber Amerikaner Ste- ppen Avise, stellte in dieser Kommission ben An- 9' einf. amerikanische Ziomstenkommission zu Wahlen, die über bte Frage ber Erfüllung des Mandats mit ber Mandatarmacht England ver­handeln solle. Er begründete seinen Anttag damit, baß die fuhrenben Männer in ber Zionisteribewv- gung in England nicht so frei handeln könnten wie die amerikanischen Zionisten. Die Amerikaner un­ter der Führung Lipskys traten diesem Anttag ent­gegen, woraus W l s e d e m i s s i o n i e r t e und den Kongreß verließ. Er ist nach Paris abgereift. Er wird nächsten Samstag den Rückweg nach Amerika antreten.

FmdaerZeriung

______Anzeiger für die äkadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

wtb. Rom, 9. Sept. (Eig. Funkm.) In Genua wurden auf Grund einer Untersuchung der Polizei- btreftor und zwei Polizeikommissare in ben Ruhestand versetzt, gegen zwei weitere Kom-

, I m,ffare wurde zum Zwecke der Entlassung ein Di-

non 9 6ept (Eig. Funkm.) Heute vor- I sziplinarverfahren eingeleitet, während zwei andere

mittag 9,30 Uhr empfing Reichsaußenminister Dr. I Kommissare strafversetzt wurden. Mehrere andere

Stresemann den Besuch Driands zu dem Zwecke, I höhere Polizeibeamte wurden in sonstiger Weise

sich mit ihm über bas weitere Vorgehen angesichts disziplinarisch bestraft ober versetzt.

ber durch den polnischen Abänderungsanttag zu I

öer ursprünglich beantragten Deklaration geschaffe- I xpy TTüvhM

uen Lage zu verständigen. Nach allgemeiner An- HUS ÖCr EUrKkl.

fugt scheint nunmehr ein Einvernehmen darüber zu I Aufdeckung einer Verschwörung gegen Kemal Pascha, bestehen, daß im Falle des Fortbestehens ber Schwierigkeiten von Seiten Polens von den übri­gen bisher beteiligten Mächten auf bte Deklaration tn threr ursprünglichen Form verzichtet wirb unb alle vorliegenden und noch zu erwartenden Anträge zur Frage der Sicherheit und Abrüstung in üblicher Weise den Weg durch bte Versammlung nehmen werden.