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Beilage zur Zulüaer Zeitung
Für unsere Frauenwelt. Nr. 207 vom 9. Sept. 1927.
Dar Glück.
Von Karta Ringel- Dresden.
Das Glück, würs nicht ein wertlos Ding, Wenn alles nach dem Kopf uns ging?
Liegt darin nicht erst der Genuß, Wenn man das Glück erkämpfen muß?
(Ein wenig Pädagogik.
Don Mathilde Z i l l e f f e n - Düsseldorf.
Die kleine Marie Rose war das einzige Kind ihrer vernünftigen Eltern, aber nicht nur das, sie war auch das Abgvttchen der alten „Oma", und das zärtlich geliebte Nichtchen der Tante Grete, die beide im gleichen Haushalt wohnten. Das von Natur aus sonnige, heitere Äeschöpfchen wurde von jedem mit einer besonderen Liebe geliebt. Aber wie verschieden wirkte sich diese Liebe aus. Vater und Mutter sahen in dem kleinen Wesen das junge Bäumchen, das sich biegen mußte, um nicht gebrochen zu werden, wenn es auch manchmal wehe tat und suchten ihm den Willen zu stählen und ihm den Weg zu einer frisch-fröhlichen Jugend zu ebnen. Die Großmutter hatte das einzige Bestreben, das schlanke, etwas zartfarbige Kind ganz an sich zu ziehen und es mit jener warmen Treibhausluft zu umgeben, die ein Feind jedes frischen Windhauches ist. Nur kein hartes, strenges Wort zu dem Kindchen, es könnte das junge Gemüt verbittern. Die Tante im Verein mit *.*r Großmutter sah in jedem harmlosen Schnupfen, jeder kleinen Erkältung gleich das große drohende Gespenst kommenden Siechtums und körperlichen Rüjganges. Und so kämpfte manchmal Liebe und Liebe einen zähen erbitterten Kampf.
Nun war das Verhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter ohnehin nicht besonders herzlich. Die alte Dame war eine Herrschernatur und konnte es der jungen Frau im Stillen nicht verzeihen, daß sie in ihre vermeintlichen Rechte eingegriffen hatte. Es gab viele bittere Stunden im Leben der jungen Frau und sie grämte sich oft darüber, daß man ihr auch die Fähigkeiten, ein Kind zu erziehen, absprechen und ihr in die Erziehung des Töchterchens hineinpfuschen wollte. Cs kam dadurch zu vielen Zwistigkeiten und ein Auseinandergehen beider Parteien wäre nötig gewesen, aber die Verhältnisse lagen nun einmal so ungünstig, daß hieran vorderhand nicht zu denken war.
Solange Marie Rose klein war, glitt sie spielend über diese Abgründe hinweg und verschenkte ihre Liebkosungen gleichmäßig an alle. Doch mit Heranwachsendem Alter wurden die Kinderaugen sehend und ein unheilvolles Ahnen dämmerte in dem kindlichen Gemüts auf.
Marie Rose wollte wieder einmal nicht ordentlich esien. Der Vater sagte: „Wenn du nicht mit uns fertig bist, dann stehen wir alle vom Tisch auf, und du mußt alleine fertig essen." Cs half nichts, Marie Rose hatte es nicht eilig. Sie blieb mit einer großen Portion im Rückstand. Vater, Mutter standen auf. ,zögernd schloß sich auch die Tante Grete an, aber die Großmutter blieb stumm sitzen u. schaute mitleidig auf das „arme Würmchen", das man so „quälte". Sie allein brachte es nicht fertig, im Interesse der Erziehung des Kindes auch einmal konsequent zu sein. Dem Kinde wäre bei seinem Ehrgeiz diese Lektion, allein sitzen bleiben zu müssen, ohne Zweifel beilslam gewesen, so aber hatte es das Gefühl, an der Großmutter einen Beistand bei feinen Unarten zu haben. Den Eltern blieb nur die Wahl, entweder die Großmutter in Gegenwart des Kindes auf das Verkehrte ihrer Handlungsweise aufmerksam zu machen und sie zum Verlassen des Zimmers zu zwingen ober dem Kind seinen Fehler durchgehen zu lassen. Die Situation war durch die lalsche Anhänglichkeit der Großmutter an das Kind schwierig geworden und löste eine Mißstimmung aus.
Derartige Fülle wiederholten sich, bas häusliche Einvernehmen wurde getrübt, und die ganze Atmossphäre wurde für das .Kind eine ungünstige, denn die jungen Augen sahen nun alles in kritischem Lichte.
So entstehen die ersten Konflikte im Kindesleben. Sitte und Gesetz verlangen, daß das Kind den Eltern gehorcht. Ist ihm dies unbeauem. so wird es sich zu denjenigen halten, die ihm bei allen verdienten Strafen ihren Beistand entgegenbrinqen. und es wird das Gefühl in ihm entstehen, daß Vater und Mutter >5 nicht so gut mit ihm meinen, wie die Großmutter. Hier hilft nur ein energisches Durchareisen über den Kops der Großmutter hinweg, wenn diese nicht so vernünftig sein sollte, die Richtigkeit des Erziehungssystems einzusehen.
Allmählich war in Marie Roses Leben die Schul- fragt akut geworden. Die Großmutter weinte, daß ihr armes Herzchen nun Pflichten bekam, daß es mit den vielen anderen Kindern zusammensein müßte, daß es ihrer schützenden Obhut entrissen würde. Sie bedauerte dar arme Kind, dar sich aber selber riesig auf den Schulgang freute und nicht verstehen konnte, warum die
Oma es immer so mitleidig anblickt«. Anstatt dem Kinde den Mut zu stärken und ihm den neuen Lebensabschnitt in hellen Farben zu schildern, stimmte sie einen Klagegesanq an, bis der Vater in energischem Tone --"arisf. Grollend wie ein Ungewitter zog sich die alte Dame in ihre Gemächer zurück, und man vermied es peinlich, die Rede in ihrer Gegenwart auf die Schule zu bringen.
Als das Kind fiebernd vor Erwartung und stolz mit dem neuen Ranzen zur Schule trippelte, da stand Oma am Fenster und zerdrückte eine Träne im Auge. Und unten im Sonnenschein schritt das kleine Wesen mit munteren Schritten in sein neues Leben.
Etwas vom gestrickten domptet.
Von Emfi - Frankfurt a. M.
Besonders praktisch bewährt sich für kühle Tage wie für die Uebergangszeit die Strickmode. bte als Neuestes heuer das gestrickte Complet aus Wolle und Seide oder aus einem dieser Materials. Die Strickindustrie bringt jetzt ausschließlich licht-, wasch u. farbechtes Gewebe und nennt dies aus Wolle ober Seibenfäben brokatartig Gewirkte „Strick-Shetland". Kleider mit kurzer Jacke ober Iumperkleider mit geradegeschnittenem Mantel, oder Jackenkleider aus Strick-Shetland werden vielfach mit Seibenbtenben, Seidenpassepoils und Schals ausge- ftattet, um ihnen ein elegantes Ansehen zu verleihen. Dazu verwendet man ebenso weiß mit bunter Bordüre, als auch die bedeckten grauen, braunen, blonden und pfirsichfarbenen Töne. Die Manschetten, Passen und Bubikragen der Jumperbluie werden glatt gestrickt und unbroschiert gehalten, ebenso die kurze Gürteljacke, während bte Haupfteile des Kleides aus gemustertem Gewebe bestehen. Der neuartige Velours-Trikot wirkt, obgleich Strickerzeugnis, wie ein Seidenfrotte oder feiner Velourchifson. Man verarbeitet ihn hauptsächlich für Iumperkleider mit geknotetem Schalkragen und seidener Rockblende, sowie für Raglanmäntel mit trompetenförmig verbreiterten Aermeln und originellen Seidenblenden, die unterhalb des Kragens in der Rückenbahn beginnen upd sich nach vorn verbreitern. Das Fut- ter des Mantels und die Ausgarnierung des Kleides wählt man aus dem gleichen Seidenstoff und derselben Farbe wie die Blenden. Sehr hübsch nehmen sich zu diesen mabonnenblauen Velourstrikotkleidchen breite, weiße Lingeriewesten mit kleinen Halsschleifen aus.
Die Poesie der Spitzen.
Plauderei von Emmy Ficus.
Im Leben der Frau ist die zarte, duftige Spitze, dieses Gebilde aus Tüll, Seide und Handwirkerei, von Anfang ihres Daseins an umflossen von einer eigenartigen Poesie. Spielt doch in allen bedeutungsvollen Stunden, an allen Abschnitten ihres Erdenwallens die Spitze eine führende Rolle! Der kleine Täufling, der kaum die Welt gegrüßt hat, trägt bereits ein Spitzen, kleidchen ober wenigstens ein spitzenbesetztes Taufkleid. In Gegenden, wo die Tauffeier in der Kirche abgehalten wird, breitet man zum Taufgang sorglich den Spitzenschleier über das winzige Menschlein, und der Taufstein, ist zumeist von köstlicher Spitzenbecke verhüllt. Späterhin hält bie Konfirmandin ihr ernstes Spitzentaschentuch auf dem Gesangbuch, bie Kommu- nifantin umhüllt mit bem spitzenbesetzten Tuch ihre gewichtige Festkerze. Auch bas erste Ballkleid zeigt um den Ausschnitt zumeist eine Spitze, die der erblühenden Kleinen Magerkeit gnädig verhüllen hilft. Und gar am Hochzeitstag! Da prangte bte Braut früher in spitzen- unterfütterter, spitzenüberrieselter Schleppe und bei den vom Schicksal bevorzugten Bräuten war selbst das At- laskleid hoch mit Spitzen ausgarniert, und manchmal siel noch ein köstlicher Spitzenschleier mit handgestickten Kanten über das duftige, weiße Bräutchen. Heutzutage kennt man die Bräute nur noch mit kurzem, ach! oft allzu kurzem Rock und knapper Schleppe und die Spitzenschleier sind unerschwinglich geworden. Aber gerade bei der Brauttoilette kann man kaum der Ausgar. nierung durch Spitzen entsagen, das feine Taschentuch ist reich mit Spitzen besetzt, der Brautstrauß steckt in zarten Spitzen-Manschetten, und wer in Schüben und Schränken noch köstliche, alte, ein wenig vergilbte Klo- ster- ober Handspitzen besitzt, heftet sie gern der Tochter an ihr Ehrenkleid.
So ist die Spitze fast untrennbar mit allen unvergeßlichen Stunden verknüpft, und dadurch voy einer zarten Poesie umwoben. Selbst in bie traurigen Ereignisse de, Menschenlebens spielt noch bte Spitze hinein. Denn wenn man einen Kranken zu Bett liegen hat, holt man bie besten alten Spttzenkopfkissen und Leintücher mit Klöppelspitzen herbei, um fein Lager freundlich zu schmücken. Und zum letzten Gang auf (Erben ruht manches bleiche Haupt auf spitzenumränder- ten Kissen ....
Die Mode hat sich neuetbings roieber der Spitze bemächtigt und ihr von neuem eine große, führende Rolle zugebacht. Es gibt nichts Duftigeres und Zarteres, als solch ein modisches, von Poesie umflossenes Spitzenkleid an seiner schönen Trägerin, ober eine weiche, silber- burchwtrkte Spitzenschleppe ober ein Abenbhut aus seidigen Blonden! Schabe nur, daß die Preise nicht für jedermann erschwinglich sind. Zudem sind die schönsten und kostbarsten der Spitzengewebe ohnehin sehr teuer oder überhaupt nicht aufzutreiben: Die point d'Alencon, die Venetianerspitze, die Brüsseler, Cluny, Mechelner wie überhaupt alle flämischen ober flandrischen Erzeugnisse, sibließlich die schlesischen und die spanischen Spitzen. Allerdings imitiert man heute die Valenciennes, die Cluny und bie lvanijche Spitze in geradezu hervorragender Weise! Zur Herstellung der nachgeahmten spanischen Spitze (bie aus einem breitmaschigen Tüll- arunb besteht, in welchen bas Muster in Seide ober Baumwolle hineingestickt wird) hat die vogtländische Maschinenfabrik eigens große Maschinen hergestellt, die im Tag 40—60000 Stiche liefern! Maschinenmäßig hergestellte Spitzen sind naturgemäß viel billiger als handgearbeitete, und werden heutzutage in jeder Art geliefert, in jeder Tönung eingefärbt. Wer Handarbeit vorzieht, vermag sich eine Art venetianifcher Spitzen selbst Herstellen: Jene point lace ober Bändchenarbeit, die man vor zirka zwanzig Jahren vielfach für Decken und Scheibengardinen arbeitete. Auch das Stopfen von handgearbeiteten Filet-Spitzen und Einsätzen auf fetbftcearbeitetem Tiillneiz macht viel Freude, und man erzielt dadurch schöne Wirkungen für Kleider und Blusen, auch für Vorhänge und Halbstores. Die ge. schickte Frauenhand kann sich immer Helsen, wo bas Bankkonto ober das Sparkassenbuch versagt.
Während man in früheren Jahren elfenbeinweiße Spitzenkleiber auf rosafarbene Seide arbeitete, und schwarze über weißen Grund, bevorzugt die Mode Heuer gleichfarbene Satin-Unterkleider zu allen Spitzenüberkleibern. Brotsarbene, silbergraue, elfenbeinfarbene und schwarze Spitzen sind am beliebtesten. Helle, zarte Tüllspitzenschals flattern als kosende Umhüllung über Maulwurf sgrüuen Abendkleidern. Metalldurchwirkte Blondenspitzen erzielen dekorative Wirkungen.
Für unsere vogtländische und schlesische Spitzenindustrie, die so lange Zeit im Argen lag, ist es nur zu begrüßen, baß die Mode sich neuerdings auf das zarte Gebild aus Duft und Hauch geworfen hat. Hoffentlich sorgen unsere schönen Frauen und Mägdlein, daß die Poesie der Spitze gleichfalls an ihren Trägerinnen eine Wiedererstehung feiert!
Glfenbemkleinkunst.
Don Karl W i tz e l - Darmstadt.
In den letzten Jahrzehnten ist die Kunst der Bearbeitung des Elfenbeins, die man gewöhnlich als die königliche Kunst bezeichnet, bedeutend an Umfang gewachsen.
Schon früh hat sich der Mensch dieser Materials bedient. Auf «gefundenen ägyptischen und assyrischen Reliefs sind Aechiopier zu erblicken, bie, da sie üderwun- den, Elefantenzähne überreichen. Bei den Griechen nimmt bereits das Feld der Verwendbarkeit zu. Phi- bias schuf fein Tempelbild der Athena Parthenos aus Gold und Elfenbein. In Elis ersann ein Künstlergeist das Zeusbild für den Tempel in Olympia aus denselben Stoffen. Auch bie Herrscherstäbe der römischen Könige bestanden aus ihm. Ums Jahr 550 entstand bft Sessel des Bischofs Maxirnianus, der in der Sakristei des Doms zu Ravenna steht. Auf der Vorderseite befin« den sich Johann der Täufer mit den vier Evangelisten, an den Seitenwänden Bildet aus der Geschichte Josephs. Elfenbeindeckel verwendete man, um bie scholastischen Werke im zeitigen Mittelalter recht lange zu er- halten. Aus dem 9. Jahrhundert rührt ein solcher Einband eines Dyptichons vom Abte Tutilo, der in der St. Galler Bibliothek aufbewahrt wird. Auf bem einen Deckel ist Christus als Weltenrichter, auf dem anderen sind die Himmelfahrt Mariä und der hl. Gallus dargestellt. Im späteren Mittelalter und im Zeitabschnitt der Renaissance scheint man von dem Material etwas abgerückt zu sein, obwohl auch einige ausgezeichnete Schöpfungen dieser Epoche ihre Entstehung verdanken.
Im 15. Jahrhundert gewann man wieder mehr Interesse für Elfenbein, als man den geheiligten Stoff in bte Bürgerstube hereinnahm. Spiegel wiesen auf der Rückseite Reliefs aus Elfenbein, ihre Handgriffe waren elfenbeinern, Bestecke zeigten es. Im 17. und 18. Jahrhundert stieg diese Kunst zu höchster Blüte. Die Erzeugnisse dieser Zeit zeugen von einem gehobenen Geschmack, von einem Edelsinn der Formen, um die mancher Kitsch von heute errötend zurücktreten muß. In Nürnberg flössen aus dem Kunstsinn der Familie Pick Produkte, bie noch jetzt wegen ber Schöne und Glattheit "ihrer Linie nachhaltige Wirkung verspüren lassen.
Fürsten und Könige liehen der Kunst ihre Antettnahme. Dichter widmeten ihr manchen Sang. Figuren wurden auf Kannen, Kreuze, Messer- und Gabelgriffe geschnitzt. Reliefs zur Versinnbildlichung ganzer Sagenkreise, von Heldentaten, Jagdgeschehnissen deuten auf die damalig« Richtung hin. Es läßt sich nicht abftreitett, daß italienischer Einfluß herübergespielt hat. Von diesem ©üb» lande stammt wohl auch ber Brauch, Einlagen in Möbel, Truhen, Kästchen einzuschließen.
Wenn auch bie europäische Kunst ber Bearbeitung des Elfenbeins sich einen guten Ruf erworben hat, so kann sie sich doch nicht mit den chinesischen Arbeiten auf eine Stufe stellen, noch viel weniger mit bett japanischen, bie einen so »armen Formenreiz verraten, daß wir schier vor einem kleinen Wunder stehen, das uns ungeteilte Anerkennung abzwingt. Ein Fächer, ein Becher, ein Kästchen ostasiatischer Herkunft sucht eben seinesgleichen, vielleicht sind wir in der Kleinkunst noch nicht so weit vorgeschritten.
e Die Zrau int Beruf.
f. Der Polizeidienst in Amerika wird gegenwärtig in 118 Städten auch durch Frauen besorgt, und die Zahl ber Stäbte mit weiblichen Polizeibeamten nimmt immer mehr zu. Gemeinhin arbeiten die Frauen in den Detektiv-, Sitten- und Vermißten-Abteilungen. In einzelnen Städten gibt es besondere Frauenabteilungen, in denen durch Frauen alles und jenes erledigt wird, was im polizeilichen Sinne die Frau betrifft, insbesondere auch die Fürsorge. Als erste deutsch« Stadt hat Köln der Frau ein neues Arbeitsgebiet geschaffen durch Einführung einer weiblichen Wohlfahrtspolizei für gefährdete, notleidende und verwahrloste Feranen.
Die Zrau als Hausarzt.
f. Meerrettich als Heilmittel. Geriebener Meerrettich wirb auf ein Stück Leinwand etwa in der Größe einer Hand gestrichen, bann auf den Oberarm, auf die Waden, Fußsohlen, auf den Nacken ober Rücken gelegt, wo man gerade Schmerzen empfindet, und dort so lange wirken gelassen, bis man ein beträchtlicher Brennen empfindet. Das Brennen rührt von bem im Meeret. kich enthaltenen Senföl her. Dieses Meerrettich-Pflaster ist eins der am schnellsten helfenden Mittel bei heftigen Kopf- und Zahnschmerzen, Ohnmacht, Schwin- befgefühl, Ohrensausen, Rücken- und Gliedersch-ne» zen usw. ___________
Die Frau in -er NÜche.
— Schinkenkipseln. 80 Gramm Butter, 2 Eidotter, 20 Gramm Hefe läßt man in 3 Löffeln Milch aufgehen. Dann wird die Masse mit etwas Salz, 150 Gramm Zucker zusammengearbeitet, nach bem Aufgehen leicht ausgewalkt, um hierauf mit dem Krapfenstecher ausge» stochen zu werden. In jedes Teigstück legt man einen halben Löffel Schinkenfülle, rollt es ein und biegt es tipfeiförmig. Mit zerlassener Butter werden die ausgehenden Kipfel bestrichen und dann langsam gebacken. — Für bie Schinkenfülle hackt man 120 Gramm mageren Schinken sehr fein, mischt ihn mit 30 Gramm Butter und zwei Eidottern, denen man ein in Milch geweichtes durch das Sieb getriebenes Brötchen hinzufügt.
— Geschälte Pflaumen und Pfirsische in Senf. Ein Pfund Früchte werben mit heißem Wasser abgebrüht, geschält, gekernt, in Hälften geteilt, und mit heißem dick eingekochten Zuckersaft übergossen. Dann läßt man sie 48 Stunden stehen. Hierauf wird der Saft abge» gossen, zum zweiten Male gekocht und abermals auf die Früchte gebracht. Nach drei Tagen wird der Saft wiederum abgegossen, worauf man bie Frucht einige Minuten, ja nicht länger, da sie sonst verfällt, in die siedende dick eingekochte Masse legt. Dann nimmt man sie heraus, verrührt ?0 Gramm Senfmehl in dem kochenden Zuckersaft, bis aller ein zäher Brei geworden ist und gießt diesen heiß über Pfirsische und Pflaumen.
praktische Winke.
f. Ein Wink für den Flickkorb. Wenn man Löcher in gröberen Wolljachen (Strümpfen) stopft, nahm man bisher immer Wolle dazu, dies aber macht bie gestopfte Stelle unnötig kenntlich, da sie unweigerlich vergrößert wird. Nimmt man aber Seide in der passenden Farbe — vorausgesetzt natürlich, daß fein sehr großer Loch zu stopfen ist; dieses muß doch mit Wolle ausge- füllt werden, aber auch so, wie ich es mit der Selbe mache: mehr zufammepholen, die Maschen von allen Seiten gegenteilig Zlssammenfassen, anstatt einen großen Stopf hineinzubringen —, so wird man beim Versuch staunen, um wieviel kleiner bie Stelle werben kann, als dies gewöhnlich ber Fall ist. Man barf natur» lich nur so weit zusammenholen, wie es ohne Gefahr für bie Richtung ber Strickerei geschehen kann.
Testament barstellt. Auf blauem Grund sind die noch nicht recht proportionierten Figuren in üppiges Blattwerk hineingestellt. Recht drastisch sind bie einzelnen Vorgänge »iebergegeben, z. B. der Sündenfall, bie Vertreibung aus bem Paradies, Simfon und Delila.
Ein mehr stofflich als der Ausführung und des künst. lerischen Wertes halber interessantes Stück find bie sieben Darstellungen ber Sebalbustegenbe. Wir sehen ei. nen Mönch, der St. Sebald verhöhnt und dem deshalb von bem Leichnam bes Heiligen ein Auge ausgeschlagen wird. Dann eine Frau, bie eine Kerze wieder aufrichtet, die am Grabe St. Sebalds umgeknickt war, und der bie Ring« am Arme springen, die sie zur Buße trägt.
Wohl bas schönste Stück ber Ausstellung, eine Herr» liche Arbeit, die nicht genug zu rühmen ist, sind die acht Szenen aus bem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Selten hochwertig in ber Ausführung, ist dieser Gobelin etwa 1460 bis 1470 entstauben. Durch Säulen getrennt, werben die einzelnen Szenen auf dunkelblauem Hintergrund mit stilisierten Bäumen und Pflanzen bar« gestellt. Der Ausdruck der Gestalten ist ungewöhnlich richrend, die Linienführung von seltener Feinheit, die Abtönung ber Farben Zeuge unbedingter Künstlerschaft.
Sehr viel Raum nehmen vier große Behäng« mit Darstellungen ber Legende der hl. Katharina von Alexandrien (etwa 1420 bis 1460) ein. Die Legende wirb in voller Breite erzählt, auch an geringfügige Kleinigkeiten, wie der Hund, ber aus bem Bach trinkt und ber mehrmals in ber Wiedergabe vorkommt, wurden nicht vergessen. Wie auch bei bem Gobelin mit der
Darstellung der Sebalduslegende, sind hier bie braunen gäbert von Insekten herausgefressen. — Von den übrigen Wirtteppichen aus bem Ende bes 16. Jahrhundert» ist eine Grablegung ber heiligen Katharina nennenswert, bie auf getöntem Grund in den Farben sehr fein abgestuft ist und sich in ber Gruppierung sehr wirksam erweist. — Eine vierteilige Wiedergabe der Legende des heil. Laurentius ist wenig gut erhalten, aber auch in den verblaßten Farben reizvoll, schon durchaus Vorläufer der Renaissance, mit sehr wuchtigen, starken Figuren und breit ausladender Zeichnung, recht eingehend in ber Erzählung. Leiten diese Wirkteppich« schon aus dem Bereich des Gotischen hinaus, so ist „Das Martyrium des hl. Laurentius", eine flandrische Arbeit, schon Zeuge ber hochentwickelten Renaissancekunst und ber fortgeschrittenen Webtechnik jener Gegenden. Dieser Gobelin aus dem Besitz von St. Lorenz ist ein Produkt etwa bes Jahres 1530. Außerordentlich individuell sind die einzelnen Personen erfaßt, sehr überlegt und künstlerisch ist die Gruppierung, bie Anordnung be» perspektivischen Hintergrundes; die Neigung zu starker Bewegung fällt auf, deren Hinzielen nach der Mitte, ihre Konzentration auf die Gestalt bes Heiligen.
Wenn auch einer der schönsten Gobelins aus St. Sebald in dieser Schau fehlen muh, so ist doch hier ein« Ausstellung geschaffen, bie selten instruktiv un» ,«<:uß. reich lokale Reste eines einstmals sehr rtitfan Schatzes zusammenfaßt und bem Beschauer ein Bi» St» .tr.r.t ber Gobelinwirkerei in früher Zeit, ihrer CtfytRa« und Entwicklung gibt.
Fleischbrühwürfel
H -
geben — in kochendem Wasser aufgelöst—vorzügliche Fleischbrühe; sie ersparen das Auskochen von teurem
Suppenfleisch.
Gotische Gobelins.
Von Heinz Neuberger.
Es gibt auch Ausstellungen, bie im Verborgenen blühen. Don solch einer sei hier die Rebe. Der Be- fucher des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg kann auf seinen Wanderungen durch bie vielen Gänge und Säle vielleicht an einen Raum kommen, vor dessen Türe ihn ein schlichtes Plakat darauf aufmerksam macht, baß hier eine Ausstellung „Gotischer Gobelin»" untergebracht sei. Gewöhnlich wird er vorbeigehen, übersättigt von bem vielen, was er schon in den überreichen Sammlungen in sich aufgenommen.
Und doch geht er hier an einer Schatzkammer vorbei. Denn dies« Gobelins, aus ber Zeit vom Jahre 1400 bis zum Ende des 16. Iahchunderts, sind Selten, heilen von unermeßlichem Werl« und fast unsagbarem künstlerischen Gehalt. Sie sind zum großen Teil Nürnberger Arbeiten und entstammen den Kirchen St. Lorenz und St. Sebald, den beiden berühmten kirchli- chen Baudenkmälern der alten Reichsstadt.
Der gotssch« Wirkteppich ist heute gar selten gewor- den. Doch er war ein häufiger Zierrat in der deutschen Kirche, im deutschen Bürgerhaus und Rittersaal. Und wenn auch damals schon eine ansehnliche Zahl der zierenden und wärmenden Wirkteppiche aus Frankreich und Flandern kam, so wissen wir doch von deutschen Arbeiten bes 12. und 13. Jahrhunderts, bie uns in 1 Fragmenten erhalten sind. Reiche Schätze an deutschen I Aobelins des 14. bis 16. Jahrhundert aber wären in |
unserem Besitz, hätte bie Zeit des Barocks nicht jeden Sinns für vergangene Kunst, also auch für den Gobelin ber frühen Zeit entbehrt.
So kommt es, daß die wenigen erhaltenen Stücke zum Teil in recht wenig erfreulichem Zustande sich befinden. Die hier ausgestellten Wirkteppich« bilden eine Ausnahme. Zwei Stücke stammen aus bem Jahre 1400. Das eine stammt wohl aus bem Kloster von St. Ka- tharina oder bem 0. St. Klara, neben benen bas Frauen. Hefter von Eichstätt noch als Hauptursprungsort ber bayerisch-fränkischen Wirkteppiche anzusprechen ist. Dieser Gobelin stellt bie Auffindung bes Kreuzes Christi durch die Kaiserin Helena bar, unb zwar sind nebeneinander ohne irgendeine Trennung zwei Vorgänge festgehalten: Auf blauem Hintergrund mit ornamen- tierten Zweigen sehen wir, wie Helene den Platz bezeichnet, an bem gegraben werden soll, dann, wie von drei ausgegrabenen Kreuzen das Christi an der Wunderwirkung der Auferstehung eines Toten erkannt wird. Noch etwas unbeholfen in ber Gruppierung, zeigen bie einzelnen Figuren in ber sehr zarten und bufttgen Ausführung keinerlei ausgeprägte Physiognomie. Diese ist etwas stärker auf bem zweiten Wirkteppich besfelben Jahres zu finben, aber ber Gestaltungsreichtum bes Künstlers war nicht unbeschränkt; benn bie zwölf Propheten, bie zwischen Spruchbändern stehen, sind wohl individualisiert, aber manche Gestalt muß wiederholt wer. den und wird nur durch die Farbe unterschieden.
Um bas Jahr 1420 sind wohl die Bruchstücke eines Wirkteppichs entstanden, der fünf ©eenen aus bem alten