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Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk

Nr. 206.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaqen: .Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk

Donnerstag, 8. September 1927.

jAnzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JU, auswärts 0,20 JUt. Reklamezeile: lokal 0,60 JUt, -auswärts 0,80 5Ut. Bei Wiederholungen Rabatt. >: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051.

54.Zahrg.

Die Bölkerbundssitzung in Genf.

Ein holländischer Mrüstungsvorstotz. — Der polnische pakt-plan.

In der Nachmittagssitzung am Dienstag, die der Generaldebate des Jahresberichts gewidmet ist, gab der italienische Senator (Tippten ein An­gebot der italienischen Regierung bekannt, wonach diese im Hinblick auf die Beratung des Filmwesens und besonders des Lehrfilms sich erbietet, ein in­ternationales Lehrfilminstitut mit S i tz i n R o m als Völkerbundseinrichtung zu stif­ten, diesem Institut einen der historischen Paläste Roms zur Verfügung zu stellen und es auf eigene Kosten zu unterhalten. Der Antrag wird auf dem üblichen Geschäftswege weiter behandelt werden.

Von politischer Bedeutung war die Rede des holländischen Außenmini- sters Beelaert van Blöckland. Die Ten­denz seiner Ausführungen ergibt sich aus einem Entschließungsentwurf folgenden Wortlauts:

In der Ueberzeugung, daß, ohne die Wiederaufrollung der Erörterungen über dasGenferProtokoll vom Jahre 1924, es wünschenswert ist, zu prüfen, ob der Augenblick gekommen ist, um das Stadium der Grund­sätze wieder aufzunehmen, die die Basis dieses Protokolls gebildet haben, und in der Erwägung ,daß es außeror­dentlich wichtig ist, daß die Versammlung die Arbeiten des Vorbereitungsausschusses der Abrüstungskon­ferenz fördert, beschließt die Versammlung, die Prü­fung der wesentlichen Grundsätze des Genfer Protokolls und die Schlußfolgerungen des Vorbereitungsausschusses den zuständigen Versammlungsausschüssen zu überwei­sen. "

Der Minister äußerte sich im Interesse des An­sehens und der Würde des Völkerbundes gegen eine Verminderung der jährlichen Ratstagungen, ohne einen übermäßigen Optimismus oder auch nur die Ueberzeugung von dem unbedingten Bedürfnis einer Ratsintervention /N jedem Fall von Differenzen zwischen den einzel­nen Nationen anzuerkennen. Eine gewisse Zag­haftigkeit des Völkerbundes erfordere noch nicht ra­dikale Aenderung der Methoden. Die Lebens­frage für den Völkerbund sei die Abrü­stung s f r a g e. Die Völkerbundsversammlung, jo führte der holländische Minister u. a. aus, mag sich ihrer großes Verantwortung bewußt sein. Im Augenblick scheint eine Verwirklichung der Herab­setzung der Rüstungen unmöglich, wohl aber scheint eine Beschränkung der Rüstungen heute schon er­reichbar. Mit Bezug auf das Genfer Protokoll meinte Beelaert van Blokland, „es ist nicht begra­ben, es schläft nur".

Weiter plädierte der holländische Außenminister für die Verwirklichung der Forderun­gen der Weltwirtschaftskonferenz und für den Kampf gegen den Protektionismus und als erste Stufe auf diesem Wege für die allgemeine Ein­führung von Handelsverträgen mit bedingungsloser Meistbegünstigung, denn die wirtschaftliche Abrü­stung sei neben der moralischen Abrüstung das wirksamste Mittel, um zur materiellen Abrüstung zu gelangen. Die Rede fand auf den meisten Bän­ken, besonders natürlich bei den kleinen Nationen, die den Bedingungen des Genfer Protokolls durch­weg zustimmten, lebhaften Beifall.

Sor ■ Schluß der Sitzung verlas Präsident G u a n i ein von Reichsaußenminister Dr. Str e- f e m a n n als Führer der deutschen Delegation an ihn gerichtetes Schreiben, in dem zur Kenntnis ge­bracht wird, daß die fünf Reichstagsabgeordneten Graf B e r n st o r f f, Dr. B r e i t s ch e i d, Professor Hoetzsch, Prälat Kaas und Frhr. v. Rhein­baben als Ersatzdelegierte an den Arbeiten des Völkerbundes teilnehmen.

Die nächste S i tz u n g ist auf Mittwoch, vormit­tag zur Fortsetzung der Generaldebatte einberufen worden.

Der holländische vorstotz.

Die am Dimstag von dem holländischen Außens- Minister Beelaert van Blokland eingebrachte Reso­lution ist ohne vorheriges Einvernehmen mit ein­zelnen Großmächten zustandegekommen. Da es sich in der Bezugnahme auf das Genfer Protokoll um ein Thema handelt, das auf bestimmte und seit den Verhandlungen von 1924 bekannte Widerstände stoßen dürste, steht dieses plötzlich auftauchende Pro­blem int Mittelpunkt der Genfer Erör­terungen und läßt den in den letzten Tagen am meisten besprochenen polnischen Plan zunächst in den Hintergrund treten. Wie man hier annstnmt, wird die öffentliche und sicher auch die Verhand­lung hinter den Kulissen in den nächsten beiden Tagen ausschließlich wieder vorwiegend der Fest­legung einer Stellungnahme zu diesem holländischen Anträge gewidmet sein. Es sind bereits verschie­dene Besprechungen zwischen dm einzelnen Dele- gationm in Aussicht genommen.

Der polnische Paktvorschlag.

Der Führer der polnischen Delegation in Genf, S o k a l, hat am Dienstagabend Briand und später in einer besonderen Besprechung den Vertretern der kleinen Entente und einiger baltischer Staaten den Wortlaut der in den letzten Tagen lebhaft be­sprochenen polnischen Initiative be­kanntgegeben. Der polnische Resolutionsent­wurf geht von einer Empfehlung der letztjährigen Völkerbundsversammlung auf erweiterte A n- wendungvonSchiedsverträgen ähnlich den in Locarno abgeschlossenen aus und erklärt dann einen Krieg als außer den Gesetzen stehend. In dieser Formel werde an eine V e r v o l l st ä n- digung des Art. 15 des Völkerbunds­satzes gedacht, der in einem Konfliktfall, über den kein einstimmiger Spruch des Völkerbundsrat<-s

erreicht werden kann, den Mächten die Berechti­gung zur Ergreifung solcher Maßnahmen gibt, die ihnen zu ihrer Verteidigung ihres Rechtes notwen­dig erscheinen, lieber die neue polnische Formel fand am Dienstagabend auch bereits ein Gedankenaus­tausch zwischen der englischen und der französischen Delegation statt.

„Times" meldet aus Warschau, von gut unter­richteter Seite verlaute, daß der polnische Vorschlag dahingehe, der Pakt soll die Gestalt ein^r gemeinsamen Erklärung aller Mit­glieder des Völkerbundes, sowie auch vonNichtmitgliedern annehmen, daß inter­nationale Streitigkeiten und Meinungsver­schiedenheit en inZukunftohneKriege geregelt werden sollen.

Tine amtliche polnische Erklärung

wtb. Warschau, 7. Sept. (Eig. Funkm.) Um in der Presse verbreitete ungenaue Nachrichten über den polnischen Paktvorschlag richtig zu stellen, teilt das polnische Außenministerium mit, daß die pol­nische Delegation in der Vollversammlung des Völ­kerbundes die Idee eines allgemeinen Nichtangriffspaktes zur Erörterung stellen werde, lieber die Form dieses Paktes könne gegenwärtig, bevor die Vollversammlung ihr Wort gesprochen habe, schwer etwas gesagt werden, doch solle dieser Pakt eine Weiterung der Völkerbunds­satzung darstellen, die aus den internationalen Be­ziehungen einen Krieg nicht vollkommen ausschlös­sen. Einem solchen allgemeinen Nichtangriffspakt könnten alle Mitglieder des Völkerbundes beitreten, allenfalls auch Staaten, die nicht zum Völkerbund gehören. Ed ist klar, daß ein solcher Pakt gegen nie­manden gerichtet sein würde und einzig die Festi­gung gegenseitigen Vertrauens zwischen den Völ­kern, die Vermehrung der allgemeinen Sicherheit und — was damit verbunden sei — die Hebung des Ansehens und des Einflusses des Völkerbun­des, zum Zwecke hätte.

Strefemann fahrt nach Berlnt '

Reichsminister Strefemann fährt in den nächsten Tagen von Gmf nach Berlin, um an einer Kabinettssitzung teilzunchmm, die sich mit der Besoldungsresorm beschäftigen wird, und um gleichzeitig über die Genfer Beratungen Be­rt ch t zu erstatten. Der Minister wird von Staats­sekretär Dr. Pünder begleitet und hofft, Mon­tag wieder in Genf einzutreffen.

Ob die Reise Sftesemanns, wie zimächst festge­setzt war, schon am Freitag stattfinden wird, ist durch den Verlauf der Nachmittagssitzung der Völ­kerbund sversammlung am Dimstag und ihrem mög- lichm Einfluß auf dm Verlauf der fommenben De­batte wieder etwas in Frage gestellt wordm. Nach den ursprünglichm Disposfticmm sollte diese Debatte im Laufe dieser Woche abgeschlvssm werden und dem Reichsminister Gelegenheit gebm, noch vor Freitag zum Wott zu kommen.' Ob sich dieses Programm nunmehr unverändert durchführen läßt, und ob nicht auch im weiteren Verlauf der Gmeral- debatte ein Eingreifen von deutscher Seite not­wendig wird, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehm.

Die Frage der Revision von Völkerbunds! Beschlüssen.

Das juristische Komitee des Dölkerbundsrats zur Prüfung der grundsätzlich enFrage, ob und unter welchen Bedingungen ein Dölkerbundsbeschluß auf­gehoben oder abgeändert werden kann, hat am Dienstag unter dem Vorsitz ds französischen Juri­sten Fromageot seine erste Arbeitssitzung abge­halten. Chile, Colubien, Salvador und China ha- ben zunächst darauf verzichtet, an den Arbeiten die­ses Ratskomitees teilzunehmen. Polen ist durch das polnische Mitglied des Danziger Hafenausschuf- fts Modrow, der in den ltzten Jahren die Frage der Westerplatte juristisch, bearbeitete, vertreten.

Me neuen Garnisonen für die delgischm Truppm.

Der Brüsseler Korrespondent des „Temps" be­richtet, daß die 900 Mann belgische Soldaten, die von der Besatzungsarmee zurückgezogen toetben sollen, künftig in Belgim, und zwar längs der deutschen Grenze, in Garnison gelegt werden sollen.

sich um zwei Jnfmiteriebataillone des 1. Lmlenregirnentes, die Aachen verlassen und das eine in Eupen, das andere in Malmedy Gar­nison blichen werden. Der Oberst und sein Stab werdm enbgültig nach Verv iers verlegt wer­den, wo das 3. Bataillon des Regimentes bereits seit mehreren Monaten in Garnison liegt. Auf diese Weise, so fährt der Korrespondent fort, wird für alle Zelten eine Linie längs der deutschen Grenze besetzt gehalten, die für die Zukunft oas vorgeschobene Element des in Lüttich liegenden Armeekorps bildet. Die Infanteriedivision, die die grundsätzliche Einheit der belgischen Truppen aus­macht, der dieses Regiment angehört, wird affo tcttsächlich in der Gegend von Aachen-Verviers- Eupm-Malmedy gruppiert bleiben und in der Lage sein, nötigmfalls in einigen Stunden die Konzen- ttierung aller Truppenteile durchzuführen.

* Außerordentliche parlamenkstagung in Polen. (Eig. Funkm.). Wie die der Regierung nahe­stehende Presse erfährt, hat der Staatspräsident die Verordnung über die Einberufung des Sejms und des Senats zu einer außerordentlichen Tagung un­terzeichnet. Man rechnet damit, baß die Eröffnung d^r Session erst nach dem 20. Sept, erfolgen wird.

Bevorstehende Nadinettssitzung.

Reichsfinanzminister Dr. Köhler hat den Wunsch geäußert, vor dem M. September, an wel­chem Tage er in Magdeburg über die Besoldungs­reform sprechen will, noch eine Rücksprache mit den anderen Regierungsmitgliedern zu nehmen. Zu diesem Zweck ist für Samstag 11 Uhr vormit­tags eine Kabinettssitzung anberaumt worden. Dem Berl. Tagebl. wird allerdings aus Genf gemeldet, daß Dr. Strefemann, der in dieser Woche kaum von Genf abkömmlich sein dürste, vor­aussichtlich eine Verlegung der Kabinettssitzung beantragen werde, da er unbedingt an den Ver­handlungen der Reichsregierung über die Beam- tenbesokdungsreform teilzunehmen beabsichtige.

Die Voss. Ztg. teilt mit, daß am 9 Septem­ber die Finanzminister der größeren Länder in Berlin eine Aussprache mit dem Reichsfinanzmini­ster Dr. Köhler über die Besoldungsreform haben werden.

*

Die noch auf Urlaub befindlichen Reichsminister werden fast alle im Laufe der nächsten Tage rote» dkr nach Berlin zurückkehren, sodaß das Kabinett mit Beginn der nächsten Woche wieder einiger­maßen vollzählig sein wird. Reichskanzler Marx trifft am Donnerstag morgen, Reichsernährungs­minister Schiele am 10. Sept., Reichsjustizmini­ster Hergt am 9. Sept., Reichsverkehrsminister Koch Ende des Monats, Reichsarbeitsminister Brauns Ende dieser Woche in Berlin, Reichs­postminister Schätze! beendet heute abend, Reichs­innenminister v. K e u d e l l morgen früh den Ur­laub. Augenblicklich sind in Berlin die Minister Dr. Curttus und Dr. Geßler. Der Reichswehr- Minister wird sich aber demnächst zu den Manö- vern begeben.

Reichsfinanzminister Dr. Köhler wird am Donnerstag die Spitzenverbände der Beamtenschaft empfangen, um mit ihnen über die Besoldungs- reform zu verhandeln.

Preußen und die Vesoldungsreform

Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Im preußischen Finanzministerium sind im Laufe der letzten Wochen verschiedene Entwürfe zu einer Besoldungsordnung aufgestellt worden, um eine gerechte „unb be.r Notlage her Beamten Rechnung tragende Besoldungserhöhung durchzuführen, und welche Erhöhungen der heutigen Bezüge für die Staatsfinanzen trogbar sind. Diese Referentenent- würfe sind in den letzten Tagen Gegenstand ein­gehender Verhandlungen zwischen dem Reichs­finanzminister und dem preußischen Minister ge* wesen. Es ist damst zu rechnen, daß eine grund­sätzliche Einigung über die Erhöhung der Bezüge der vergleichbaren Gruppen im Reich und in Preu­ßen erzielt werden wirb. Der von Korresponden­ten und Leitungen veröffentlichte „vorläufige Re­ferentenentwurf" Preußens entspricht in keiner Weise den im Finanzministerium aufgestellten Ent­würfen und ist geeignet, Hoffnungen zu erwecken, die mit Rücksicht auf die Finanzlage nicht erfüllt wevden können. Der endgültige Entwurf der neuen Besoldungsorbnung kann erst bekannt gegeben werden, wenn die Beschlußfassung des preußischen Staatsministeriums stattgefunden hat. Zuvor sol­len jedoch noch Verhandlungen mit den Deamten- organifationen stattfinden.

* Der Flaggenstreit vor dem Berliner Skaill- parlamenk. Der Konflikt des Magistrats mit den Berliner Hotels wegen der Nichthisiung der Reichs­flagge wird demnächst auch die Stadtverordneten­versammlung beschäftigen. Die Rechtsfraktionen haben sich mit der Angelegenheit beschäftigt. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei wird folgende Anfrage einbringen: „Nach Zeitungsnachrichten hat der Magistrat den wirffchaftlichen Boykott gegen eine Anzahl geschäftlicher Unternehmungen ausge­sprochen. Diese Maßnahme steht derartig im Widerspruch mit den Aufgaben einer Stadtverwal- tung, daß sie kaum glaublich erscheint. Wir fra­gen daher an, wie der Magistratsbeschluß lautet."

* Verbot von Umzügen in Breslau. Nach einer Mitteilung des Polizeipräsidiums B r e s l au wurde Montag abend eine größere Stahlhelmabteilung bei dem Einmarsch in eine Breslauer Turnhalle aus dem Publikum heraus angepöbell. In der Halle wurde festgestellt, daß zwei Leute fehlten. In dem Glauben, daß diese von der Menge fest- gehalten worden seien, stürmten die etwa 200 Stahlhelmleute entgegen den Befehlen ihrer Füh­rer wieder auf die Sttaße und entfesselten eine Schlägerei, wobei auch zwei Schüsse fielen. Es gab zahlreiche Verletzte. Die herbeigerufene Schutzp'oli- zei griff mit dem Gummiknüppel ein und stellte die Ruhe wieder her. Verschiedene Verhaftungen wur­den vorgenommen und dabei auch ein Taschen- tesching beschlagnahmt. Aus Anlaß dieser Aus­schreitungen hat der Polizeipräsident bis auf wei­teres alle Versammlungen unter freiem Himmel, insbesondere alle Umzüge des Stahlhelms und der Frontsoldaten, Ortsgruppe Breslau und seiner Un­terorganisationen im Stadtbezirk Breslau verboten.

* Das Umschlagbild des Domela-Buches be- «cklarrahmt. ^\a. Funkm.). Der Umschlag des von Domela veröffenlichten Buches über seine Aben­teuer, auf dem das Bild des Prinzen von Preu­ßen dem Bilde Domelas gegenübergestellt worden war, ist, wie die B. Z. meldet nunmehr auf An­trag des Vertreters des Prinzen gerichtlich beschlag­nahmt worden, lieber die Einziehung und Ver­nichtung des Buckumfchlages wird vor dem Amts­richter in Charlottenburg im objektiven Verfahren demnächst verhandelt werden.

— Prof. Schrödinger komm! nach Berlin. Dr. Er­win Schrödinger, Professor für theoretische Physik an der Universität Zürich, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Berlin angenommen.

Leitgedanke der Hindenburg-Spende.

Bei der Geschäftsstelle der Hmbmburg-Spmdl gehen dauernd Anfragen nach der Verwendung der Spende ein. lieber die Verwendung der Spende hat bekanntlich der Reichspräsident selber dahin entschieden, daß sie ben Kriegsverletzten und den Kriegshinterbliebenen zugute kommen soll.

Das hindert nichts an der Tatsache, daß die Spende zunächst nichts anderes ist als eine Dan- keskund gebung des gesamten Volkes in Ge­stalt einer Ehrengabe für den 80 jährigen Reichs­präsidenten. Dieser Leitgedanke, verbunden milder von Hindenburg beabsichtigten Art ihrer Verwen­dung, gibt der Hindenburg-Spende ihren persön­lichen Wert für jeden Deutschen und macht jede ein­zelne Gabe zum Ausdruck des schuldigen Danket an Hindenburg.__________________

Die deutschen Reparationsleistungen.

Das Berliner Büro des Generalagenten für die Rs parationszahlungen veröfientlicht eine Uebersicht übel die Einnahmen und Zahlungen im dritten Annuität^ jähre bis zum 31. August 1927. Danach betragen dit Gesamteinnahmen des Monats August 1927 271760 091 Goldmark. Der Gesamtkassenbestand der dritten Annui­tät bis zum 31. Aug. 1927 beläuft sich auf 1 574 482 38t Goldmark. Zahlungen wurden im August in Höhe von insgesamt 257 OVO 900 Goldmark und im gesamten drit­ten Ännuitätsjahre bis zum 31. August in Höhe von 1388 995 187 Goldmark geleistet, dazu tritt ein Kassen­bestand am 31. August 1927 von 185 487192 Goldmark. Von den Gesamtzahlungen entfielen auf die Mächte im August 1927 246 739 373 Goldmark und im dritten Ar- nuitätsjahr bis zum 31. ' August 1927 insgesamt 1280 699 845 Goldmark. An Zahlungen erhielten in» August 1927 Frankreich 132 980494 Goldmark und al» dritte Jahresannuität bis zum 31. August 1927 insge­samt 638304121 Goldmark, das britische Reich 53 666 679 bezw. 302 512 709 Goldmark, Italien 15 094 302 bezw. 92774606 Goldmark, Belgien 11491692 bezw. 68 644 412 Goldmark und die Verei­nigten Staaten 18144 027 bezw. 98 777 266 Goldmari.'.

* Die ostpreußische presse an Dr. Skresemamr. Der Verband- der ostpreußischen Presse hat am Dienstag an Reichsaußenminister Dr. Strefemann folgendes Delgeramm abgesandt: Bei Begrüßung der aus dem Memelland ausgewiesenen reichsdeu> scheu Kollegen Leubner, Warm und Brieskorn in Königsberg richten wir an Sie die dringende Bitti, die Kollegen vor der Vergeroaltig'Mg durch bi» litauischen Behörden zu schützen, und unbedingt ihr» Wiedereinstellung bei den memelländischen Blätter» durchsetzen. Die Ausweisung steht im Widerspruch zur Memelkonvention und im Gegensatz zu der« feierlichen Versprechen des litauischen Ministerpräf^ deuten.

* (Ein polnischer General wegen Bestechung m3 Zuchthaus bestraft. In dem Warschauer Proze» gegen den polnischen Drigadegeneral Zy m i er s k ( den früheren stellvertretenden Intendanzchef im polnischen Kriegsministerium, der angeklagt mal, bei Militärlieferungen, die er selbr vergeben Hai, bestochen worden zü sein, wurde am Dienstag das Urteil verkündet. Zymierski wurde für schuldig ei* könnt, zum Schaden des Staatsgesetzes gehandelt zr haben und die Bestechungsgelder empfangen z» haben. Der General wurde zu fünf Jahre» schweren Kerkers und Ausstoßung aus dem polnischen Heeresverband verurteilt. Sein Mitar^ geklagtr Oberftteutnant Burgiell Monczynski muri» freigesprochen.

♦ Riesenunterschlagungen eines jugoslawischer Beamten. Nach einer Blättermeldung aus Belgrad ist der Kassierer des Ministeriums deS Innern, Simon Stetttsch, auf Anordnung deS Untersuchungsrichters verhaftet worden, da er der Unterschlagung von 1645 000 Dinar bezichtet toitii Der Kassierer behauptet, daß er diese Summe auf direkte Weisung des damaligen Innenminister» Maximowftsch der Kasse entnommen und ohns ordentliche Buchung dem Minister zur Verfügung gestellt habe. Er wies dem Untersuchungsrichter Photographische Dublikate jener schriftlichen Wei­sungen vor, die über die Verwendung der (summa vorliegen. Die Originaldokumente will er eist «a der Hauptverhandlung vorlegen, weil er befürchte^ ■ daß sie ihm gestohlen und vernichtet werden könnten,

* Autijapanische Kundgebungen in der Maud« schurei. (Eig. Funkm.). „Daily Mail" berichtet aug Tokio, daß die anttjapanische Bewegung in be« Mandschurei täglich stärker werde. In Mukden zer­trümmerten am Samstag etwa 25000 Mensche» bei einer Kundgebung die Scherben der japanische» Läden. In der Zone der süd-mandschurischen Bah« sind alle Hochschulen, die von Japan für chinesisch« Studenten unterhalten werden, geschlossen worden. „Daily Mail" glaubt, daß die Lage in der Mand- fchurei rasch einer Krise<'zustrebe. Die chinesischen Behörden ignorierten die schärfften Proteste To- kios.

Die Neligionskämpfe in Indien.

wtb. London, 7. Sept. (Eig. Funkm.) „Times" berichtet aus Bombay über Zusammenstöße in Nagpur in der indischen Zentralprovinz, die in­folge eines Konfliktes zwischen Hindus und M o- hammedanern entstanden sind, daß Panit herrsche und das Geschäftsleben still stehe. Trotz bet Ankunft eines Sonderzuges mit britischen Truppen dauern die Zusammenstöße, allerdings in kleinerem Ausmaße, an. Viele Mohammedaner haben ihre Familien weggeschickt. Die Verluste betragen jetzt über 100 Verletzte, von denen 36 Hindus sind und 15 Tote, darunter 9 oder 10 Mohammedaner Gestern stellten die Militärbehörden Maschinenge wehre in den Ausschreitungsmittelpunkten auf „Daily Telegraph" meldet aus Nagpur, daß auch in über 200 Fällen Passanten angegriffen wurden. Die Unruhen begannen am Samstag. Seither sind alle Fabriken, Schulen und Läden geschlossen. Die Lage belfere sich jedoch