rben, Kongregationen, Vereine und Gesellschaften, die manzielle Existenzsicherung der Kirche durch die in der Verfassung ausgesprochene Wahrung des Eigentums und ■oberer Rechte der Religionsgesellschaften, die Aufrecht- phaltung der auf Gesetz, Verordnung oder besonderen titeln beruhenden Staatsleistungen, die Abhängig- nachung einer etwaigen Ablösung dieser Staatsleistun- ren von einer einheitlichen Grundsatzgesetzgebung des Reiches, die Stellung der Kirche als öffentlich rechtliche Körperschaft in Verbindung mit dem kirchlichen Be» steuerungsrecht — alles das find Momente, die als
bedeutsame Abweichungen von dem landläufigen Trennungsgedonken
besonderer Erwähnung und Würdigung wert sind. Ver- hirebet man hiermit bie schul- unb bilbungspolitischen Lestimmungen der Reichsverfassung, vor allem zugunsten -er konfessionellen Schule, die verfassungsrechtliche Verankerung des Willens der Erziehungsberechtigten, die Sicherung eines konfessionell einwandfreien Religions- »nterrichts, die -Beibehaltung der katholisch-theologischen Fakultäten, so sind damit für die Erziehung der kommenden Generationen im Geiste unseres hl. Glaubens beachtenswerte Grundlagen geschaffen. Nichts ist leichter ,Is der Nachweis, daß diese Verfassungsbestimmungen berechtigten katholischen Wünschen und Forderungen ,eicht in allem entsprechen. Wer sie aber in Vergleich etzt mit dem Staatskirchenrecht anderer Trennungs- änder und sich bewußt bleibt, daß diese Verfassung das öchlußstück einer sogenannten Revolution darstellt, der vird zugeben müssen, daß der Kampf des deutschen Katholizismus um eine erträgliche Gestaltung der kul- ur- unb kirchenpolitischen Grundrechte nicht umsonst gewesen ist.
Das kultur- und kirchenpolitische Verfassungswerk von Weimar ist ein Anfang, nicht das Ende. Es ist ein System rahmenrechtlicher Sicherheitsnormen, die reichs- ,nd landesgesetzlich weiterer Entfaltung und Verwirkli- hung bedürfen. Sie sind kein bloßes Buchstaben- und Lchauwerk. Sie wollen Tat und Leben werden. Lange lenug hat der katholische Volksteil gewartet. In einer Selbstzucht ohnegleichen hat er der harten, aber unaus- Hlebbaren Tagesarbeit des politischen, sozialen und Wirtschaftlichen Wiederaufbaues den Vortritt gelassen md sich ihm mit einem an Heroismus grenzenden Opfer» ’nn hingegeben.
Aber gerade darum haben wir auch das Recht und ne Pflicht, uns daran $u erinnern, daß der Mensch nicht cur vom Brote lebt. Wir fordern vom Staate von dem Jenen deutschen Dolksstaat nicht nur Brot und Arbeit, ächt nur wirtschaftliche und soziale Aktivität. Wir erwarten und fordern von ihm auch Raum und Licht für nfere geistige und religiöse Eigenart,
freie« Raum für den Flügelschlag des katholischen Gedankens
uf allen Gebieten des privaten, des öffentlichen, des Gesellschaftlichen unb staatlichen Lebens. Freien Flügel- fchlag für ben katholischen Gedanken, zunächst auf den weiten Gebieten der kirchlichen Selbstverwaltung. Freien Weg für eine Jugendfürsorge, die Leibes- unb Seelen- Prüfte ber Jugenb harmonisch förbert. Freie Bahn für etne Wohlfahrtspflege, welche bie gewaltigen Antriebsmomente ber katholischen Caritas zur Entfaltung unb Auswirkung kommen läßt, statt sie burch bie Schablone staatlicher Bürokratie um ihren seelischen Schwung, um die Offenbarung ihres tiefsten Mysteriums zu bringen.
Auf all biefen Gebieten harren bie grundsätzlichen Normen ber Reichsverfassung noch weiterer Entfaltung unb ehrlicher Verwirklichung. Diese organische Fortentwicklung zu verlangen und sie in verständnisvoller Zusammenarbeit mit anderen Aufbaufaktoren des deutschen Staats- und Volkslebens in schnellerem Tempo als bisher durchzuführen, muß unser aller Sorge und Ziel sein. Im Vordergründe dieser «töestrebungen stehen im gegenwärtigen Augenblick zwei Fragen, an de- nen bie Versammlung der deutschen Katholiken nicht vorubergchen kann: Die Konkordats- und die Schulfrage.
Es ist schwer, ja unmöglich, im gegenwärtigen Au- genblick.unb an dieser Stelle näher auf
die fonfotbafäre Frage
einzugehen, die im Lause der letzten Monate zu einem fiflnum contradietionis geworden ist. Soviel aber kann und muß mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit gesagt werden: Der deutsche Kacholizismus sieht in dem Konkordatsproblem keine Frage zweiter und untergeordneter Bedeutung. Für ihn ist die auf dem Wege staatlich-kirchlicher Vereinbarung sich vollziehende Neuordnung der im Gefolge des politischen Umsturzes ge. änderten Grenzfragen zwischen den beiden Gewalten diejenige Lösungsform, die dem organischen Zusammenhang mit der Vergangenheit, der Würde der Kirche der klaren Abgrenzung zwischen ben beiben Machtsphä- ren, ber in gutem Sinne verstandenen Freiheit beider
Partner innerhalb ihrer eigentlichen Lebenssphäre am besten entspricht. Wenn beide Teile mit dem ernsten Willen in die Verhandlungen herantreten, ihre gemeinsame Arbeit unter den Imperativ des Friedens und des ehrlichen Ausgleichs stellen, dann wird niemand vom außerkatholischen Standpunkt aus Veranlassung haben, dem im*Entstehen begriffenen Werke den Vorwurf der Preisgabe staatlicher Rechte oder gar ber Beeinträchtigung ber Interessen anberer Konfessionen zu machen. Wir brutsche Katholiken sehen in bem Abschluß einer Vereinbarung zwischen bem neuen deutschen Volksstaate unb ber katholischen Kirche bie Probe ba» für, ob bie neue Demokratie unb das Staatswesen, das ihrem Gedanken dienen will, bereit ist, auch ben überzeugten unb kirchlich empfinbenben Katholiken ein Haus auf deutscher Erde schaffen zu helfen, in dem er nach ben Lehren unb Vorschriften seines Glaubens leben unb wirken kann. Darüber werben wir uns aller- bings klar sein müssen:
Das Konkordat schützt das Eigenleben ber Kirche, aber es erseht es nicht. ______
Tod ober Geben der katholischen Kirche Deutschlands, Abstieg ober Aufbruch zu neuen Taten unb Siegen, sieches Altern ober kraftgeschwellte Verjüngung — biefe ichicksalsvollen Alternativen hängen nicht ab von dem Buchstaben staatlich-kirchlicher Grenzregulierungen, ,on- bem von den ursprünglichen Lebensenergien, bie das katholische Deutschland in seinem Schoße birgt. Aber gerade unter diesem Gesichtspunkte offenbart sich bie absolut zentrale und lebensentscheidende Bedeutung eines andern Problems, der Schulfrage. Sie hat bisher bei uns ohne Widerspruch die sakrale Stellung einer Grundsatzfrage gehabt. Diese ihre unantastbare Sonderstellung erscheint durch gewisse Auseinandersetzungen der letzten Zeit gefährdet. Gestatten Sie mir daher gerade hierzu ein verantwortungsbewußtes und offenes Wort.
Selbstverständlich haben alle diese der Sphäre des Religiösen und Kirchlichen angehörigen Fragen dadurch ihre taktische Seite, daß bie mehr ober minber günstige Verwirklichung der katholischen Forderungen von ber politischen unb parlamentarischen Lage, von ber Kräfte- Verteilung innerhalb der gesetzgeberischen Faktoren abhängig ist. Auseinandersetzungen über ben ober jenen taktischen Weg mögen baher unvermeiblich sein. Aber eine warnende Feststellung glaube ich doch aussprechen zu müssen, die all denen aus innerstem Herzen kommt, denen die Stilreinheit katholischen Denkens, bie Aktionseinheit katholischen Handelns über den wechselnden Taktiken des Tages steht:
Die Sortierung ber konfessionellen Schule ist ein wesensbestanbleil bes kulturpolitischen Aktionsprogramms ber beutfchen Katholiken.
Sie erwächst mit unentrinnbarer Logik aus dem Daseins- und Lebensrecht ber Kirche, sie ist unveräußerliches Postulat ber christlichen Eltern- unb Erzieherrechte, sie gehört ber heiligen Sphäre jener Pflichten an, bie unserer willkürlichen Auslegung entzogen sind. Ihre Erfüllung iriäg ohne unb gegen unfern Willen gelegentlich an übermächtigen Gegenwirkungen ihre Grenze finben — niemals aber darf es für das katholische Deutschland eine Situation geben, wo wir selbst die Grundsätzlichkeit unb Unverzichtbarkeit dieser Forderung der Verdunkelung ober Abschwächung anheimfallen lassen. Keiner politischen Richtung unb keinem sonst auch noch so beachtbaren Personenkreise innerhalb des eigenen Lagers vermögen wir das Recht zuzugestehen, bie bisher lückenlose Grundsatzfront der katholisch-deut- scheu Kultur- und Schulpolitik zu lockern. Wenn wir es wollten, wir dürften es nicht. Auf die konfessionelle Schule verzichten, heißt auf die Zukunft eines starken Katholizismus verzichten; heißt unsere Jugend hinweg- sühren von ben klaren Quellen lebenbigen Wassers, bie ihr aus dem katholischen Glauben strömen, zu den trüben Zisternen einer rein diesseitigen ober religiös verflachten Weltauffassung; heißt sie bem nivellierenden und zersetzenden Milieu eines Unterrichts- unb Erzieh, ungssysterns überantworten, in bem für die Pflege, für das freudige Wachstum des katzolischen Gedankens kein Platz ist; heißt in das geistige und seelische Wachstum der Jugend Spannungen unb Gegensätze hineintragen, benen sie auf die Dauer nicht gewachsen ist; heißt zwi- scheu Schule und Elternhaus Klüfte aufreißen, bie keine Erziehungsarbeit ber Familie, keine Gegenwirkung ber Kirche zu überbrücken vermag. Auf bie konfessionelle Schule verzichten heißt bem beutfchen Katholizismus Wege weisen, an deren Ende eine Generation stände, ohne Bekennermut und heroischen Geist, ohne Tiefe undJnnerlichkeit, eine Generation, in deren Händen wir nur mit bekümmerter Sorge das heilige Erbe lassen könnten, das unsere Väter uns überkommen haben.
Zum Frieden geneigt, zum Kampf entschlossen geht das katholische Deutschland in die schulpolitischen Auseinandersetzungen der kommenden Wochen und Monate hinein. Mit heiligem Ernst in Wahrung seiner Rechte. Aber auch mit dem aufrichtigen Willen zur Respektie- rung anderer Rechte.
In dem geistigen Ringen um die endgültige Gestal. tung des Schulgesetzentwurfs werden wir bereit sein, der inneren Befriedigung unseres geistig und religiös zerklüfteten Volkes j edes verantwortbare Opfer zu bringen. Ein Gesetzentwurf aber, der beherrscht wäre von dem Gedanken der rechtlichen und sachlichen Deklassierung der Bekenntnisschule und der geroaltfamen Forcierung der anderen Schularten wird von uns mit unerbittlicher Festigkeit zurückgewiesen werden.
Niemals stand bie katholische Kirche unseres Vaterlandes vor solchen gigantischen Ausgaben^ und — sagen wir es offen — auch Schwierigkeiten äußerer und innerer Art, wie heute. Als die Revolution im sinkenden Jahre 1918 den Weg durch die deutschen Lande nahm, stürzten die Throne und bie Fürsten. Unerbittliches geschichtliches Geschehen vollzog sich in der Sphäre des Staatlichen. Aber es gibt keine Revolution, bie im rein Staatlichen ihr Genüge fände. Mit unentrinnbarer Naturnotwendigkeit greift sie über in die Domäne des Geistigen und Sittlichen, des Religiösen unb Kirchlichen. Die Krisis bes Autoritätsgedankens, die bei dem Uebergang von Monarchie zur Republik automatisch alle Bereiche des Politischen erfaßt, läßt sich ihren Weg ebensowenig vorschreiben wie die Lavaströme des Aetna. Die seelischen Abfallprodukte solcher Krisen sinh auch innerhalb des deutschen Katholizismus nicht zu verken- nen. Kein Vertuschungssystem, keine Jnterpretations- tünfte sind imstande, das schmerzliche Minus aus ber katholischen Bilanz der 'letzten Zeit auszumerzen. Ich halte es für ritterlicher und segensreicher, diese Dinge zu sehen, als sie zu bestreiten.
Erste und lebensnotwendige Voraussetzung für bie Elffüllung der Ausgaben, die heute vor der katholischen Kirche Deutschlands ausgebreitet liegen, ist die
Konzentration unserer seelischen Einheitsfront, bie Aktivierung derjenigen, die sich zur Jnaktivitas zur- rückgezogen haben, die Wiedergewinnung derer, die den lebendigen unb tätigen Zusammenhang mit dem Geben und Fühlen der Kirche verloren haben.
Niemals hatte das deuffche Volk, niemals der deutsche Staat die ftartmütige und opfersrohe Mitarbeit des katholischen Menschen, bie ausgleichende und versöhnende Funktion des katholischen Gedankens nötiger als in bem tobenden Chaos, das zwischen der Welt von gestern und ber von morgen brodelt und gärt. Wollen wir die Formung des neuen Deutschland den christentumsfernen unb christentumsfeindlichen Gewalten überlassen? Sie werden es nach dem Ebenbild ihres Geistes tun, der nicht unser Geist ist. Ist es nicht unsere heilige, selbstverständliche, religiöse Pflicht, zu ringen um die Seele des deutschen Menschen, des deutschen Volkes, des deuffchen Staates, um ihnen ein Gepräge aufzubrücken, bas mit bem Namen eines christlichen Deutschland nicht allzu schmerzlich kontrastiert? Noch klafft zwischen Namen und Wirklichkeit ein Abgrund, ber {eben Tieferblickenden schreckt. Unb wenn nicht alles täuscht, ist die Bewegung von Christus weg in beängstigend anschwellender Kurve begriffen. Die Religions- statistik der letzten Jahre dröhnt wie Sturmgeläut an unser Ohr. Sie redet bie Sprache, vor beren erschütternder Predigt jeder unzeitliche Optimismus erröten müßte. Was soll aus diesen Entwicklungen werden, wenn hier nicht bie katholische Aktion starke unb heilende Gegenkräfte mobilisiert? Je lauter bas Evangelium bes Diesseits feine Stimme erhebt, um so unentbehrlicher ist Me Kirche als berufene Künderin bes Cwigkeits- gebantens. In einer Menschheit, bie auf staatlichem Gebiete bem Autoritätsgebanken immer mehr entwächst, obliegt ber Kirche als Siegelbewahrerin bes übernatürlichen Autoritätsgebankens eine doppelt verantwortliche Sendung. In einer Gesellschaftsordnung, die in gigantischen Klassenkärnpsen sich zerfleischt, hat die Kirche die Mission, bas
Evangelium ber sozialen Gerechtigkeit und Brüderlichkeit
zu prebigen unb feine unbequemen Wahrheiten auch benen einzuhämmern, bie Christi Namen tragen möchten ohne bie Pflichten zu erfüllen, bie diesem Namen folgen. In einer Welt, in ber auf den Massengräbern des vergangenen Krieges sich langsam schon wieder die Lager zufammensinden für einen neuen noch furchtbareren Zusammenstoß, haben wir kacholifche Menschen die doppelt ernste Pflicht, mit lauter unb unerbittlicher Stimme bas Hohle Schwertchristentum zu bekämpfen, besten verlogene Romantik vergebens in dem Evangelium Unterschlupf sucht, unb alles baran zu setzen, um ben Friebensgebanken bei uns unb anderen die ihm gebührende Achtung und Forderung zu erkämpfen.
Je mehr bie Not ber Zelt uns zwingt, unseren Katholizismus hinauszutragen aus Kirche unb Sakristei, ihn wirksam werben zu lassen, auch in den großen Menschheitsfragen des öffentlichen, staatlichen, sozialen unb wirtschaftlichen Gebens, je zwingender bie Notwen- bigteit unb je brängertber bie Pflicht ist, in bem Kamps um bie Aufwärtsführung unseres Volkes unsere Kräfte brüderlich mit ben Hänben anberer zu vereinen, bie außerhalb unseres Glaubens, ja sogar Gegner unseres
Glaubens finb, um |o gebieterischer erhebt sich allerdings auch für uns
bie Michl, dafür Sorge zu tragen, daß wir über bem Gemeinfamen das nicht trüben und verdunkel» lasten» was uns eigen ist,
bie Reinheit unb Unmittelbarkeit, bie Stärke und gradlinige Klarheit katholischen und kirchlichen Denkens und Fühlens, katholischen Glaubens unb Wollens und — ich füge mit Bedacht hinzu — katholischen Handelns und Gehorchens.
Als gottgefanbte Gehrrneisterin unb Führerin in das übernatürliche Reich ber Gnabe kann bie Kirche auf bie autoritäre Geltendmachung ihrer Sendung nicht verzichten — in einer Zeit stürmischer und umstürzender Entwicklungen weniger als je. Der wahrhaft katholisch empfindende Mensch ist sich des Segens dieser Autorität so bewußt, daß die Schatten, die gelegentlich ihre Schritte streifen, ihn nicht schrecken. Die Kirche führt, aber sie gängelt nicht, sie mahnt und warnt, aber sie nörgelt nicht. Sie ist sich bewußt, daß ihre Autorität ein Korrektiv ber Freiheit ist, aber kein Ersatz. Sie gebraucht diese Autorität nur bann, wenn sie sich vor Gott bazu verpflichtet glaubt. Sie macht aus ihrer Autorität keine Fanggrube für ben Geist gefun. ben unb besonnenen Fortschritts. Sie ist keine Gouvernante, fonbern eine Mutter. Eine Mutter, bei ber auch bie herben unb strengen Seiten ihres Waltens immerdar umstrahlt bleiben von bem beherrschenden Ge« bensprinzip des Reiches Christi: der Liebe; einer verstehenden, gütigen, unter Umständen aber auch fordernden und heroischen Liebe.
Die glorreichsten und erfolggesegnetsten Zeiten des deutschen Katholizismus in der Vergangenheit sind gezeichnet durch ein vorbildliches Treuverhältnis zwischen Führerschaft und Masten, durch ein jedem außerkirchli- chen Einfluß trotzendes Band ftartmütigen Vertrauens und unerschütterlicher Einigkeit, vor allem zwischen den Trägern des kirchlichen Autoritätsgedankens unb denen, die dieser übernatürlichen Autorität anvertraut waren. Aus diesem Verhältnis erwuchsen die Kräfte, die in ben Zeiten ber kulturpolitischen Kämpfe ber deutschen Katholiken Herzen und Hände bes gesamten katholischen Volkes aller Berufe unb Schichten, aller Stände und Klassen in einheitlicher Kampffront sammelten und zum Siege führten. Mägen heute die Zeiten andere sein. Mägen die Probleme, die uns heute belasten, in ihrer Größe die Kämpfe von ehemals weit überfteigen. Mögen die Methoden und Wege ber Führer von ehedem heute nicht mehr ohne weiteres anwendbar fein.
3hr Geiss, der ein katholischer Geist war, muß auch unser sein.
Die religiösen und kirchlichen Ideale, aus denen die Aktionen früherer Tage hervorwuchsen, müssen unverbrüchlich auch unsere fein und bleiben. Mag der gärende UebergaNgscharakte» unserer Zeit die unvermeidliche Auswirkung haben, daß auch katholische Menschen vorübergehend politisch verschiedene Meae manoein, neben und über all dem, was Gegenstand der politischen Tageskämpfe ist, gibt es ein unantastbares Depositium an Grundsätzen und letzten Zielen, in deren Bejahung unb Derteibigung es für uns keine Unterschiede geben kann. Dieses kostbaren katholischen Erbgutes und der Verantwortungen, die auf ihm ruhen, uns bewußt zu werden und dieses Bewußtsein in benen wachzurütteln, wo es anfängt nachzulasten, ist nicht bie letzte Aufgabe, die ber jährlichen Heerschau ber beutschen Katholiken obliegt.
Was Setteler bem Katholizismus feiner Tage zurief, was an Winbthorsts Grabe einst der Mund des Breslauer Kardinals mahnend aussprach, das hat heute der Vertreter der höchsten kirchlichen Gewalt in feierlichster Form unb mit beschwörender Eindringlichkeit wiederholt: Den
Rus zur Einigkeit.
Von der Größe und Bedeutung dieser Mahnung bis ins Innerste durchdrungen, greifen mir sie auf und geben sie weiter an alle Brüder und Schwestern im ganzen katholischen Deutschland: Laßt uns einig fein, wie bie Väter es waren. Laßt uns einig werden, wie sie es gewesen sind. Mögen Tagesprobleme politischen und wirtschaftlichen Denkens von uns verschieden geschaut und verschieden beurteilt werden. Wir leiden darunter, aber wir tragen es. Tragen es in brüderlichem Geiste und murren nicht.' Aber — in denjenigen Grundfragen unb Lebensfragen, bie der geheiligten Sphäre des Religiösen unb Kirchlichen angehören, gibt es für uns nur eine Meinung, nur ein Ziel, nur ein Wollen. In Zeichen solcher Einigkeit haben unsere Väter gesiegt. In diesem Zeichen allein wirb es auch uns gelingen, die riesenhaften Aufgaben zu meistern, die auf dem Wege der Zukunft liegen. Nur im Zeichen erneuter und wachsender Einigkeit werden wir imstande sein, einem Deutschland die Wege zu ebnen, über dem das versah, nenbe und heiligende Zeichen des Kreuzes steht, einem christlichen Deutschland, in dem diejenigen, die nach uns kommen, in Freuden und gesichertem Frieden ernten, was wir in Leid und Tränen säen.___________
G.MB.H.
& ^iSQrtWdrc^'eder Jlrt.
bewerbe und Jfcdndvirlxhaft.
•1 Sainttaitsriahen Dycksrhof- Ceinettf
WM p o-a
Jernmf'263~&t~265
ttrippenschau in Dortmund.
Die hn Rahmen des Dortmunder Katholikentages von der Lanbesgememschast der Krippen- freunbe in Rheinland und Westfalen veranstaltete, von zahlreichen Künstlern beschickte Schau ist äußerst stimmungsvoll zwischen Tannen aufgebaut. Einfach gehalten und voll innerer Wärme stt die im Vorraum aufgestellte holzgeschnitzte Flucht nach Aegypten von Professor Dr. Menser aus Bonn. Die eigentliche Schau beginnt mit der historischen Krippe. Di» in altitalienischer Technik ausgeführte Hauskrippe von Sebastian Osterrieder (München) spricht wegen ihrer Stille fehr an, dagegen ist seine große Krippe zu überladen und unruhig. Die topographische Krippenlandschaft daneben von dem Münchener Architekten Elsner dürste als Lehrobjekt für die Schule wohl geeignet sein. Einer der besten modernen Krippenkunstler ist der Bildhauer K u o l t - München. Durch seine handgemalte Porzellankrippe und seine maschinell von Friedrich Deckel hergestellte Holzkrippe führt er die Krippenbaukunst auf neue Wege und verbilligt die gute Künstlerkrippe. Tief empfunden sind auch seine schlichten Hauskrippen. Sie erinnern an die volkstümliche Art M. Schießls. Von den Münchener Meistem ist noch Otto Zehntbauer zu erwähnen. Trcch starker Verwurzelung in althergebrachten Formen schafft er dennoch malerische Krippen. Als der Romantiker unter den Krippenbauern kann der Tiroler Peter Seilemond gelten. Zierlich und fein, ganz von Waldzauber umsponnen ist fein Krippchen. Urwüchsiges Leben atmen seine originellen Einzelfiguren aus: der flötende Hsttenbub, der alte Hirt und die strickende Frau. Herber wirkt sein Landsmann Walter Kuen, der in moberner Art nach Ausdruck ringt. Seine Gestalten verraten Temperament und inneres Leben. Der Krip- penbeweguna gibt in Tstol Bruno Costa durch sein eigenes Schaffen und durch feine Schnitzschule in St. ! Jakob besten Anttieb. Als Stätte der Krippenschnitzer ist Oberammergau bekannt. Andreas Lang stellt lebensvolle hfftorizierende Figuren aus, die mit Stoff bekleidet sind. Eine auffallende Verwandtschaft mit diesen Figuren weisen die von Lamersvordermeyer (Kleve) bekleideten Gestalten auf, die sehr geschmackvoll , zusammenkomponiert sind. Bieder und nüchtern sehen j die plastischen Werke der Firma ©eorg Gang sei. Erben 1
len.
— Wie groß ist Deutschland? Früher, b. h. vor dem Kriege, wußte dies sozusagen jedes Schulkind: 540 657 qkm. Heute wissen es nicht einmal die Gelehrten richtig! In bem uterbänbigen neuen Brockhaus-Lexikon steht mit Erwähnung bes Jahres 1925: 467 788 qkm im „Kleinen Herder", bem bekannten katholischen Handlexikon, wird die Größe Deutschlands für 1925 mit 472 030 qkm angegeben, in Regenhardts Geschästs- kalender für ben Weltverkehr mit 470 628 qkm. In anberen Büchern stehen wieder andere Zahlen. Wer Hai nun recht bezw. was ist nun eigentlich richtig?
— Gebiete, die zu mehreren Staaten gehörten. Das Rittergut Wolde bei Staoenhagen wurde lange Zeit von Preußen unb Mecklenburg beansprucht, so daß man , tatsächlich nicht wußte, wohin es gehörte. Nach 1870 wurde es bei Volkszählungen als zu Mecklenburg gehörig betrachtet, bei Reichstagswahlen als preußisch. Erst 1873 wurde es unter Mecklenburg und Preußen
aus. Diesen Figuren fehlt jeder besondere Typ. Ms Altmeister der bayerischen Krippenkunst gilt Sebastian ~.ße5rtt?tr> dessen historische Krippen bereits er» toabnt wurden. Er lieferte ehedem Krippen an Papst Pms X. und Wilhelm II. Die ausgestellte Barock- ttippe ist eine Reproduktion der Papstkrippe. In der 5V°sltl°n. und der technischen Ausführung ist sie trefflich. Vier interessante Krippen zeigen den Aus- blldilngsgang in ber Schnitzschule des Professors Dell' Antonio zu Warmbrunn (Schlesien). Diese Schule ist vielversprechend. Daneben stehen Krippen der beut« fd)en Hausratwerke in Breslau. Die Krippenfreunbe harten gut getan, wenn sie diese Machwerke, sowie den langst überlebten Krippenbogen der christlichen Kunst aus der Schau gelassen hätten. Eine Bewegung muß in ihren Zielsetzungen auch konsequent bleiben. Aner- kEnaenswert ist das ernste Streben der ostdeutschen Werkstätten für Arbeitsveredelung (Prof. Zutt, Neiße). ... Anschließend finden sich wenige, aber gute rheinische Künstler. Treffliche Krippchen hat Bildhauer Nagel (Trier) m Verbindung mit Karl Walter und Hamm gelchaffen. Klckartz aus Wittlich zeigt ein urwüchsiges Hochrelief, ^ohannknecht (Düsseldorf) läßt inftom- mer Weise ben heiligen Franz unb den heiligen Hieronymus nebst Augustinus mit ber Sybille bei ber Krippe stehen. Das ist alles gläubig unb voll Demut hingestellt, ganz in franziskanischem Geist. Die ganz moderne Kir- chenkrippe ans St. Anna in Essen-West mutet eigenartig an. -jnt ersten Augenblick erscheint sie grotesk uiw glomg, doch bei näherem Zusehen offenbart sich die Größe des Werkes. Kühn ist die bewegte Hinten« führung an ben Figuren unb hebt sie ins Monumentale. Bleibt auch manches schier unverständlich, ahnt der Beschauer dennoch den Willen zu neuartigem Schaffen.
da seine ursprünglich starren Formen immer mehr an Bewegung gewinnen.
Die beiden letzten Säle enthalten Eigenbaukrippen und Heimatkrippen. Erfteulich ist, daß auch die volkstümliche Reproduktionskrippe Fortschritte zum Guten macht und sich mehr und mehr vom süßlichen Kitsch abwendet. Unter den Eigenbaukrippen fallen wohltuend auf die Dennställe der Hocheifel von Klaus Zeyen (Birresdorf), die Burg von Knappstein (Köln) und das Dreikönigenpförtchen von Fromme. Erwähnung verdient auch das Rotenburger Motiv von Schäfer (Köln).
lieber die Preise der Krippen ließe sich noch viel sagen. Einzelne gute Krippen kosten 50 bis 70 Mk., andere dagegen mehrere hundert. Viele Künstler verkaufen zu billig. Aus den niedrigen Zahlen spricht ihre Not, ein trauriges Kapitel.
Die Ausstellung, die allgemein Beachtung verdient, wird viel Anregung bieten und zur Entfernung des Kitsches aus Kirche und Haus ihr Teil beitragen können. Im Anschluß an die Ausstellung werden öffentliche Vorträge gehalten, durch die auf die Bedeutung der Krippe hingewiesen wird. Ferner werden Anleittingen zum Bau der Eigenkrippe gegeben.
Dr. Philipp Huppert.
Paul Rautzenberg aus Hagen bietet geschmackvolle Stücke in Majolika. Das beste seiner Werke ist ein Krippenrelief in Terrakotta. Einen guten Ruf hat bereits Julius Mohrmann (Wiedenbrück) durch feine finnige Westfalenkrippe. Ebenfalls aus Wiedenbrück ist Hartmann, ein durchgebildeter Schnitzer, dessen Figuren aber wenig Leben haben. Bäumer aus Münster zeigt sich bedeutend ftischer. Einen eigenen Raum hat Prof. ©Untermann aus Bielefeld für sich inne. Seine Gestalten finb wegen ihres Humors anziehend. Im üb- j rigen hat ©Untermann sich zu seinem Vorteil entwickelt,
aufgeteilt. — Auch bie Stabt Bergedorf gehörte bis 1867 gleichzeitig zu Hamburg unb zu Lübeck. Erft in bem genannten Jahre tarn bie Stadt gegen eine Geld- entfdjäbigung an Hamburg. — Kelrnis-Moresnet, ein kleines Gebiet an ber deutsch-belgischen Grenze, wurde bis 1841 von Preußen unb Belgien gemeinschaftlich verwaltet. Mehrere Jahre lang dienten die Angehörigen dieses Bezirkes im belgischen Heer, bann im preu- ßischen. Ebenso wär es mit ben Gerichten. Die Prv- zeßführenden hatten die Wahl zwischen belgischen* unb preußischen Richtern. Diesem Zustand wurde erst 1874 ein Ende bereitet.
— Die nördlichste Eiche der Welt befindet sich in Tornea an ber finnisch-schwedischen Grenze. Sie ist ber Stolz der Stabt unb hat eine Geschichte, bie bis auf bas Jahr 1638 zurückgeht. Auf einer Hochzeitsreise nach St. Petersburg in dem erwähnten Jahre wurde nämlich eine Eichenpflanze von 2 Fuß Höhe gekauft, mit nach Tornea genommen unb dort zur Erinnerung an die Reise gepflanzt. Der Baum hat heute eine Höhe von 10,4 Meter unb einen Querschnitt von 20 Zentimeter. Er besteht aus zwei Stämmen, bie gleich kräftig finb. In feinen ersten Jahren mußte der Baurn gegen die Winterkälte geschützt werden unter Zuhilfenahme von Säcken und später von einem Gebinde. Auf diesem nördlichen Breitegrab, wo die Kälte zuweilen auf 30 bis 40 Grab anwächst, hat die Eiche an bie 300 Jahre zugebracht, aber in der langen Zeit wuchs sie durchschnittlich jedes Jahr 3 Zentimeter. Ihre Eicheln vermögen sich in bem kurzen hochnordischen Sommer nicht zu entwickeln.
— Allerlei Weisheit. Auf dem Mississippi-Strom gibt es eine Menge schwimmende Inseln, manche bis zwei englische Meilen lang, die einen starken Baum- bestand haben. — Die Fruchttraube ber Mauritia- Palme ist so groß und schwer, daß sie kaum von zwei Männern getragen werden kann. — Spinnen sind im Verhältnis zu ihrer Größe siebenmal so stark wie Löwen. — In Argentinien wird jeder junge Mann bestraft, der es unterläßt, seine Braut nach einer gewissen üblichen Zeit zu heiraten.
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