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Und der Mensch?
lieber alle Werke Gottes ist es gestellt, daß er sie, daß er sich und sein ganzes Geschlecht immer mehr nach Gottes Wild forme, daß er dadurch die ganze Welt alS Kunstausstellung Gottes immer mehr vervollkommne, sie als Jubelhymnus immer machtvoll« gestalte, daß er als König und Prophet somit die ganze Schöpfung zum Lobe Gottes aufrufe.
Befürchten wir aber nicht, die Schöpfung gehe selbst leer dabei aus. Nächst der Offenbarung seiner Fülle erstrebt Gott Anteilnahme der Geschöpfe an feiner Fülle. Mit dem ewigen Einleben m
Nein und ja. Im Hinne eines Schemas nein, gibt nur Elemente, die bleiben, weil sie in der Natur des Menschen, in seinem Verhältnis zu der übrigen Kreatur und im Verhältnis beider zu Gott begründet sind, und die im Ablauf der Geschichte immer deutlicher erkennbar werden. Diese Elemente werden in leder Wirtschaftsordnung immer wieder zu finden sein. Das Bild erscheint nur verändert, weil sie verschieden an- geordnet und gruppiert werden können. Jenachdem ob sich mehr oder weniger vollkommen der Geist der Gerechtigkeit und Liebe in ihr ausdrückt, ja, gibt es eine christliche Wirtschaftsordnung. Aber ich glaube nicht, daß eine der historischen Phasen der Wirtschaftsgeschichte das Privilegium für sich hat, restlos das Ideal verwirklicht zu haben. Ich glaube vielmehr, daß es in jeder dieser Phasen Wellenberge und Wellentäler gab, Zeiten der praktischen Annäherung an das Ideal, und Zeiten des Verfalls. Wenn wir einen grausamen und unchristlichen Kapitalismus kennen gelernt haben, dür-
fen wir nicht glauben, eine jede Anerkennung und Geltung des Kapitals bekämpfender Sozialismus werde das Heil bringen. Er ist in nicht geringerer Gefahr, grausam und unchristlich zu werden.
Wenn dem so ist,
wie müssen wir (ein?
Die Vergangenheit ist uns gegeben, damit wir für die Zukunft lernen. Nicht an Wiederkehr des Gleichen fällen mir glauben, nicht an- magische Zyklen, die sich wiederholen müssen. Dem Geist der Geschichte und den Gesetzen, die er vorschreibt, sollen wir nachspüren. Das Gesetz für uns heißt aber: Bereit sein für jeden Weg, der aufwärts zu führen verspricht! Seitdem Gott sich den Menschen geoffenbart hat: seitdem Christus in die Welt gekommen ist, das Feuer zu bringen, damit es brenne, wird die Fackel der göttlichen Wahrheit durch die Jahrhunderte getragen. Jetzt haben wir sie zu halten. Wir dürfen sie nicht zu einem Lichte machen, das unter dem Scheffel brennt. Sie soll weit hinausleuchten in alle Bereiche des Menschenlebens: sie soll hinein- leuchten in die sozialen und die wirtschaftlichen Fragen der Zeit. Fürchten wir keinen Luftzug für sie. Aber vor allem, zweifeln wir nicht an ihrer Leuchtkraft. Hüten wir uns daher, an ihrer Statt Ersatzlichter in die Hand zu nehmen, die nichts mit den Flammen gemein haben, die aus dem Herzen Jesu schlagen, deren angebliche Kraft vielmehr aus der Unruhe ungeduldiger und leicht verzagender Menschenherzen kommt.
sind wir da gestellt!
Unser Glaube, er weiß uns Balsam für dir große Daseinsnot z« bieten.
Er weiß das Dasein zu deuten. Und verscheucht er auch jetzt noch nicht, wie einst das Schauen, alles Dunkel, fo erstrahlt er doch auf dem düstren Hintergründe, wie der glanzvoll-friedliche Regenbogen im finsteren Gewölk.
Was unser Glaube zu allererst betreffs Welt und Weltgeschehen lehrt, ist, daß beide nicht, wie der Unglaube behauptet, das erste und einzige, daß sie nicht eine selbständig für sich bestehende Große sind, daß es vielmehr vor ihnen und neben ihnen noch eine anders Welt gibt, eine viel größere und erhabenere:
die Gotteswelt.
Ms dem heiligen Johannes, dem Seher von Pat- mos, die zukünftigen Weltereignisse im Bilde gezeigt werden sollten, da ward er zunächst im Geiste hinter die Weltenbühne entrückt. Und hinter dies« sichtbaren Welt sieht er nun eine ganz andere Welt: Einen Thron und darauf ein geheimnisvolles Wesen von unendlicher Majestät. Dieses Wesen ist Gott. Gott ist in der Tat vor, neben und über aller Welt. Er war von Ewigkeit da und außer ihm nichts. Er war lange vor 'Erschaffung der Welt der Einzige, und alles, was wurde, wurde von ihm. Dieser Gott ist nicht etwa ein gefühlloses, teilnahmsloses Wesen, er ist vielmehr ein persönliches Wesen, bas denkt, fühlt, Teilnahme zeigt, ja, ein Wesen, dessen Persönlichkeit in solcher Ueber- fülle sprudelt, daß sie sich in drei Personen, dem Vater, dem Sohn und HI. Geist, darstellen muß.
Dieses allmächttge, erhabene, heilige, gütige Wesen, daS aus sich ist, sich allein zum Dasein genügt, un- ahnbar ist jeder zerstörenden Gewalt, das alles m seinen Dienst zwingt, daS steht da
vor aller Wett und über aller Welt.
Die Nirche int heutigen Deutschland, ihre tage und ihre Hufgabe.
Von Prälat Dr. K a a s, M. d. R.
Eine Kirche, die zuinnerst mit ihrem Volke verbunden ist, wird ihm, auch in der Sphäre der öffentlichen und staatlichen Dinge, ein Kraft- und Lebenssaktor von entscheidender und schicksalhafter Bedeutung.
Sinnt man diesem Gedanken nach, so empfindet man es um so schmerzlicher als ein tragisches Verhängnis, "aß das neue Deutschland diese Mission der Kirche gerade in dem Augenblick zu verkennen begann wo das zusammengebrochene aus tausend ®un-bcn blutende, körperlich und seelisch zermalmte an sich unv feinen Führern verzweifelnde deutsche Volk bie mütterliche Hand, die tröstende und ausrichtende Samariter- Hilfe der Kirche dringender bedurft hatte, als je zuvor. An der gesammelten Krast, an der brüderlichen Soli- darität der christlichen Konfessionen sind damals die kultur- und kirchenpolitischen Novemberabsichten b-s Radikalismus zunichte geworden. Allem andern voran ist es die einheitlich geführte, auch politisch und pana- mentarisch wirksam werdende Kraftentsaltnng des katholischen Deutschland gewesen, die dem vorsturmenren Jakobinertum auf deutschem Boden Halt gebot und ^eine kirchen- und schulpolitischen Gewaltplane zum Scheitern gebracht hat. t , ., . mf,. •
Es genügt ein kritischer und vergleichender Blick in bie konfessions- und Wahlstalisiik dieser kampferfüllten Uebergangszetten,
um — nicht aus Ruhmredigkeit, sondern zu pflichtmäßi- aer ©teuer der Wahrheit und in berechtigter Verteidi- aung gegen ungerechte Anwürfe — die Afststrllung zu machen: Hätten damals die nichtkatholischen Christen Deutschlands die Sammlung und Konzentmtion, die seelische und organische Mobllmachung ihrer Be- kenntnisanhänger in gleichem Maße zu Derroirtltcben vermocht, wie der deutsche Katholizismus, d,e rechtliche Lage der Kirche in Deutschland in Verfassung, m Gesetz- gebung und Verwaltung mühte in ihrer Gesamtheit erheblich günstiger und gesicherter sein.
Das Verfassungswerk von Weimar und die seinen Spuren folgende Gesetzgebung und Ver- waltung auf dem Gebiete der Kirchen- und Kulturpolitik findet heute viele und herbe Kritiker. Niemand von uns denkt daran, sich über die Linie des rein Sachlichen hin- aus zum Verteidiger des kultur- und kirchenpoltt.fchen Ergebnis es von Weimar zu machen. Niemand von uns sieht darin das letzte Wort des neuen deutschen Staates an die Kirche. Niemand kennt die Lucken und Mangel besser als die, welche in vorderster Front Zeugen und Träger des erbitterten Ringens waren, das diese kultur. politischen Verfassungsartikel bei ihrem Entstehen umbrandete. Niemand hat aber auch stärker als wir gefühlt, wie schwach unsere Kraft, rote gering unsere Kampfreserven waren, nicht durch unsere Schuld, sondern dadurch, dah der evangelische Voiksteil der politischen und parlamentarischen Kampffront des christlichen Deutschland nicht diejenigen Kampfeinheiten einzureihen vermochte, die vermöge seiner zahlennMigen lieber* legenheit von ihm hätte erwartet werden dürfen. Die in der Wahlstatistik der ersten Jahre zu sinnfälligem Ausdruck kommende geringere Resistenzkraft des evangelischen Volksteils gegenüber dem erstmaligen Anstuim des sozialistischen und revolutionären Gedankens ist der tiefste und eigentliche Grund dafür, daß Weimar dem christlichen und auch dem katholischen Deutschland nicht mehr von dem gebracht hat, worauf es mit Recht Anspruch machen konnte. e
Immerhin wird jeder unbefangene Beurteiler zu- geben müssen, daß das kulturpolitische und kirchenpoli- tische Werk von Weimar
keine revolutionären Züge im Sinne des Jakobinertums
an seiner Stirne trägt. Es ist ein Typ für sich, d-, trotz allem Vorwärtsdrängen nach der Richtung der Trennung von Kirche und Staat den organischen Zusammenhang mit der deutschen Vergangenheit und ihren vielfältigen staatlich-kirchlichen Bindungen nicht verleug- net Will man den Typ von Weimar mit dem m an« berep Staatswesen herrschenden Staatskirchenrechte vergleichen, so wird man zugeben müssen, daß er dem wohlwollenden Trennungsgedanken des amerikanischen Staatsrechts formal und inhaltlich unendlich viel naher steht als dem brutalen und unhistorischen Trennungstyp des laizistischen Frankreich.
Dem wenn auch nur teilweise verwirklichten Gedanken der Trennung entspricht logischerweise eine gesteigerte, wenn auch nicht vollständige Freiheit der Kirche vor Einmischungen des Staates in ihren inneren Lebens- und Arbeitsbereich, eine erhöhte Freiheit in der Ordnung und Verwaltung ihrer Angelegenheiten, vor allem in der Besetzung der kirchlichen Aemter. Die verfassungsmäßigen Sicherungen für die Freiheit religiöser
Kehren wir zurück zu Gott!
Wer der Gottesglaube sei uns nicht nur ein Asyl, sondern auch ein Befehl. Wie Gott selbst tätig ist, verlangt er auch von uns die Tat. Wir sollen selbst mitwirken, die Unebenheiten des Lebens zu glätten, die Leiden und Nöte der Welt «inzudämmen und Kultur, Bildung und Wohlsein hier auf Erden zu fördern. Der Gottesglaube gebietet den Wiederaufbau der Welt. Aufbauen sollen wir das Glück der Völker, aber worin besteht es? Welchen von allen Plänen wollen wir zu dem unsrigen machen? Auf bau en ollen wir den Menschen selbst. Mer welches ist der Jdealmensch, den wir herausarbeiten müssen? Ist es der Genußmensch eines de la Mettrie? Ist «s der Humanitätsmensch eines Herder? Ist es der Psiicht- menfch eines Kant? Ist es der Mitleidsmensch eines Schopenhauer? Ist es der Uebermensch eines Nietzsche? Ist es der Gewaltmensch eines Stiemer? Wiederum sieht der Unglaube vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Jeder tritt mit seiner Idee an die Welt haran. Kann bei einem solchen Wirrwarr em geregelter Neubau des GesamÜebens stattfinden?
Zum einheitlichen Wiederaufbau der Welt brauchen wir einen großen einheitlichen Plan,
wir brauchen dazu aber auch bestimmte Baugesetze für das Einzel-, soziale und Völkerleben, das sind die Moral-. Rechts- unb Sittengesetze. Nun macht sich
Gott erhält der Mensch seine letzte Vollendung, seine vollkommene Befriedigung und sein höchstes Gluck.
Beide Zwecke, seine Ehre unb das Wohl der Welt, erreicht Gott mit ein unb demselben Vorgang, dem geordneten Weltgeschehen, denn je mehr die Welt mit all ihren Wesen, den Menschen eingeschlossen, sich entfaltet, umsomehr enthüllt sie Gottes Größe und wird sie ein Lobgesang zu feiner Ehre, unb je mehr die Wett mit all ihren Wesen sich entfaltet, gewinnt sie selbst Anteil am Sein und damit an Gehalt, an Gütern, an Glück. Ich weiß, was Sie sagen wollen: Wenn Gott nur das Gute bei der Schöpfung bezweckt,
wozu denn all das Ringen. Quälen und Leiden im Weltgeschehen?
Das Ringen und Quälen und Leiden — es ist da. Ich leugne es nicht, ich fühl« es mit Ihnen unb weiß auch, daß es uns allen nur zu oft schwere Rätsel aufgibt. Besagt es aber etwas gegen den Satz, daß Gott mit dem Weltgeschehen nur das Gute wolle? Stammen denn die Unordnung, bie Zwietracht und die Leiden in der Welt von Gott? Der Neid des Teufels verursachte die Wamssünd«, unb an sie knüpft sich.der ganze Fluch, der bis heute noch auf dem Weltall lastet. SchreibenwiralsonichtGot zu, was andere verschuldet haben!
Wollen Sie einwenden: „Aber Gott ließ doch den Zusammenbruch der ersten Paradiesord- nung und damit all die kommenden Weltleiden. unb Weltkatastrophen zu," so bekunden Sie schon damit bte Ueberzeugung, daß keine Unheilsmacht uns ohne Erlaubnis Gottes anfallen kann. So ist es m der Tat.
Steine Macht kamt uns nahen, ohne baß Gott es will.
Gott, so sehen wir aber, will nur das Gute, und muß
es wollen. Gelänge es uns also auch nicht, m den Weltleiden einen vernünftigen Sinn zu entdecken, wir wüßten doch mit unfehlbarer Sicherheit, daß « da ist. Denn alles untersteht Gott - das ist ,edem Gläubigen Garantie genug, daß aus dem gegenwärtigen Chaos doch etwas Rechtes und Gutes hervorgehen muh.
Sehen wir bas nicht bereits int Werden begriffen? Nicht Gottes ordnend.« Macht schon am Werk? So verworren, so voll Unrecht und Unordnung das Weltgeschehen sein mag, es leben doch in ihm sechs sch u tz- g e i st e r, bie immer wieder auf die rechte Ordnung hm- weisen. Das ist das Naturgesetz, das ist das Pflichtgefühl, das ist bie Kirche Gottes. So sind alle m der Welt lebendig, sie alle erheben laut Einsprache gegen alle Unordnung unb Verwilderung, sie alle sind bestrebt, bie gerade Linie rechten Aufftiegs und rechter Ordnung in der Welt zu sichern. Sie alle sind nun doch von Gott in die Welt gesandt. Folgt daraus nicht, daß Gott schon jetzt am Werk ist, die ganze Schöpfung aus ihrem jetzigen Chaos wieder zu ihrem Ideal zurückzuführen?
Dies andere — es fall, es wird kommen.
„Ich schaffe", sagt Gott schon beim Propheten 3faia§, „einen neuen Himmel und eine neue Erde." Die se neue Schöpfung, sie ist erst das Endziel, die Vollendung, die Heimat. Wenn es aber so ist, bann verstehe ich, wie Gott in bieser Welt Leiben unb Prüfungen aller Art zulassen kann. Alles dient dem Ausbau der einstigen Verklärung. Alles das sind nur Geburtswehen, «ine neue schönere Welt zu gebären. „Die Leiden dieser Zeit sind nicht zu begleichen mit der Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden." Verstehen wir jetzt den Sinn der Leiden? Begreifen wir fetzt, daß sie kein« Anklagepunkte gegen den Willen Gotts zumGutenbilden? .
Wohl weiß ich, daß uns von dieser verklarten Welt nocki weite Strecken trennen, baß unser und des Weltgeschehens Weg noch durch viele Drangsale hmdurchgeht, aber als Trost dafür weiß ich auch noch em Letztes, das mich der Glaube lehrt: „Nahe ist der Herr allen, bie ihn anrufen, allen, bie ihn anrufen m Wahrheit... Der Herr schützt alle, die ihn lieben.“
Schwere Rätsel gibt uns bas ganze Weltgeschehen auf. Ratlos steht ihm d« Ungläubige von heute gegenüb«.
Wie ungleich besser ist da der Gottgläubige gestellt! Er weiß: Welt und Weltgeschehen sind nicht aus sich, nicht das Einzige, lieber ihnen steht Gott, der Drei- persönliche, der Allvollkommene, der Allmächtige. Er schuf Welt und Weltgeschehen und hält sie sicher in feinet Hand. Unb geht es durch Nacht und Drangsal hindurch, er führt sie doch zum Licht, zur Verklanmg.
Das weiß der Gottgläubige. Darum gewinnen Welt und Weltgeschehen für ihn ein freundliches Gesicht. Ob sie ihm auch voller Rätsel scheinen, er spricht trotzdem getrost: „Der Herr ist mein Hirte, unb nichts rann , mir fehlen. Auf feiner Weide läßt et mich tasten. Mögen Ungerechtigkeit, Gewalttat in der Welt überhand nehmen, er verzagt nicht, denn er weiß: aus all dem Ringen erhebt sich, wie aus Geburtswehen heraus, eine bessere Welt. Und selbst, müßte er den Tag «leiben, an dem das ganze Weltall zusammenkracht, noch immer wütde et aufrechten Hauptes dastehen und mit dem Psalmisten sprechen: „Goll ist unsere Zuflucht und Stärke, der Helf« in den Drangsalen, die uns schwer trafen. Deshalb bangen wir nicht, ob auch die Erde bebt und die Berge ins Meer stürzen. Des Flusses Wogendrang erfreut die Stadt Gottes. Gott ist in ihrer Mitte, sie wird nicht wanken." So sieht sich der Gottgläubige inmitten des Geschehens der Welt auf sicheren Boden gestellt.
Groß sind die Drangsale, die uns umdrängen. Wer auch früher wurde die Christenheit von den erschütternden Katastrophen heimgesucht. Aber damals lebte m den Völkern des Abendlandes noch etwas, das ihnen Kraft verlieh, das Leben zu verstehen und es zu meistnn. Das war der Gottesglaube.
Dieser Gottesglaube ist vielen von uns entrissen oder dpch ermattet.
auch die moderne, vom Christentum losgelöste Mensch, beit ihre Moral-, Rechts- unb Sittengesetze. Aber — sinb sie nicht wieder so vielgestaltig wie die Menschen selbst? Sind sie dazu nicht auf durchaus subjektive Ansichten auf ^jaut? Sind sie nicht oft willkürlich? Unb dazu oft genug nicht von ber Tugend, sondern von der Leidenschaft, der Sinnlichkeit, dem Neid, der Habgier, von dem Gesetz des Sichauslebens diktiert?
Ist bei solchem Wirrwarr der ethisch« Wiederaufbau möglich? Wie anders ist da der Gottgläubige gestellt! Er weiß: Gott einen Welten- vlan das ist die lex aeterna. Nach diesem Plan hat er die Welt erbaut; nach ihm lenkt er sie, und nach ihm soll sie weiter ausgebaut werden Diesen Plan Gottes sieht der Gottgläubige cmsgesprochen m der gan- zen Naturanlage der Welt und des Menschen, m der gottgebenben sittlichen Ordnung, in den Moralgesetzen, in den Geboten unb besonders m den Weisungen dessen, ber gekommen ist, als Wort Gottes die gesunkene W^t roieber zu bem Ziele zu bringen, das ber Weltschöpfer dxxh Gottgläubige einen von dem einen Gott gegebenen, sicheren Bauplan besitzt, so nennt er auch ein sicher führendes Baugesetz sein eigen. Dieses Gesetz ist von Gott, der höchsten Wahrheit und Heiligkeit gegeben, darum irrtuntlos und heilig. Es ist von Gott, der höchsten Majestät gegeben dämm aller menschlichen Willkür und Leidenschaft entrückt. Es ist von Gott der höchsten Majestät, der tiefsten Weisheit, gegeben, 'danlni alle Verhältnisse umfassend unb ord- nek Es regelt das Leben der «"«Inen, >aS bet Familie, das der Bürg« >m Staate und das der Staaten zueinander. Es schützt das Lebem.das Eigentum. ie Ehre, die Ehe, bie Gemeinschaft: habet ist es unparteiisch und gerecht/ Es verpflichtet bie Volker zum Gehorsam gegen ihre Obrigkeit, ab« es gebietet auch den Obrtg. keilen, die Untertanen zu achten und gerecht zu behau- dein. Es sichert den Besitzenden Lren rechtmäßigen Besitz, aber es fordert auch für die Besitzlosen dreMog- lickkeit zum Besitz. Es ist einverstanden mit dem erwerb, aber wo die Erwerbssucht das Vermögen ber Welt in einigen wenigen Händen rus"mmenrafft, «i erhebt es laut Einsprache und ruft: Alle smd Gottes- kind«, gönnt auch anderen Teilnahme am Erwerb.
Und dieses Gesetz ist von dem «men Gott gegeben.
Daher die Ratlosigkeit, die Verzweiflung und eme er- schreckend um sich greifende Selbstmordepidemie auf d« einen Seite, auf ber anderen das grenzenlose Sichaus- leben, die sittliche Verwilderung, das Machtgefühl, die Vergewaltigung, der Kampf gegen alle. Man forscht viel nach den Totengräbern Deutschlands. Diele sind's, ab«, die hauptsächlich unserem Volk das Grab schaufelten, es sind bie, bie ihm den Gottesglauben raubten. Euch klage ich darum an, ihr ungläubigen Hochschullehrer, euch, ihr ungläubigen Schriftsteller, euch, ihr ungläubigen Volksverführer! Andere legten Breschen m unsern Bau, ihr aber entzogt ihm die Fundamente. Als ich zum letztenmal die Ehre hatte, auf einem allgemeinen Katholikentag zu reden, es war in Aachen im Jahre 1912 — habe ich daraus hmge- wiesen, wie ber Abfall von Gott unb seinem Glauben naturgemäß zum Zusammenbruch führen müsse. Der Zusammenbruch kam! Wollen wir aus dem Elend heraus, es hilft nichts, als daß wir denselben Weg zurückgehen, den wir hinabgeglitten sind.
,en sich nicht willkürlich vorausneymen, es läßt sich nur ihnen entgegen leben.
4. Bei allem Wechsel der Zeiten ist eines immer gleich geblieben: Die Menschen konnten unter dieser oder jener Gesellschaft^ unb Wirtschaftsordnung recht oder unrecht tun; sie konnten zu einander liebevoll oder lieblos fein; sie konnten das eigene und fremde Elend vermindern oder vermehren. So wird es auch immer bleiben.
Eine Wirtschaftsordnung, die durch sich leibff, nach Art einer Maschine, Gerechtigkeit und Liebe verbürgt, gibt es nicht.
Der Geist ist es, der lebendig macht, auch im sozialen Leben, und der Geist, der betörte und verkehrte Geist ist es ber die Menschen unglücklich macht. Das ist aber 'gewiß, je mehr bie Menschen sich selbst zum Mittelpunkt und Maß aller Dinge machen, je mehr sie sich, ihre Leistungen und ihre Doktrinen emporheben; je mehr sie die ökonomischen Gesetze über die sittlichen stellen; je mehr sie die Schuld an den Mängeln ihr« Zeit, ihrer Gesellschaft, ihrer Wirtschaft der Zeit, der Gesellschafts- unb der Wirtschaftsordnung zuschrer- ben; je mehr sie sich unb anderen einreden, mit einem anderen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem wurde das Paradies auf Erden kommen, umsomehr nehmen die Ungerechtigkeit und das Unglück überhand.
5. Wer aus unfruchtbarem Doktrinarismus heraus, anstatt alles daranzusetzen, in der gegenwärtigen ®e- iellfchafts- und Wirtschaftsordnung tunlichst vielen d>e Möglichkeit eines glücklicheren Leben zu schaffen, einem Zukunftsideal zuliebe Hatz gegen die Gegenwart aus- tat ist kein Freund der Menschen, sondern ihr Femd. Nicht darauf kommt es an, ob ein individualistisch« oder ein kollektivistischer Kapitalismus, eine Tyrannei ein. »einer ober der Massen die Freiheit erdrosselt; sie soll überhaupt nicht erdrosselt werden. Jede Theorie und Doktrin, die verlangt, daß um ihretwillen — damit sie recht behalte, nicht damit die Menschen glücklich« wer- den unb zwar die einzelnen Menschen, nicht das Phantom das Götzenbild einer Klasse, bie doch auherhalb
der einzelnen Menschen nicht existiert — d'e Gesellschaft umgestaltet, das Verhältnis von Arbeit und Kapital verschoben werde, ist unmenschlich.
Unter allen Götzen ist der grausamste, aber leider modernste Götze, der sich sozial nennende, in Wahrheit aber nur papierne Doktrinarismus.
Der Christ kann einem solchen Doktrinarismus nicht verfallen, ohne bem Christentum untreu zu werden. Denn das Christentum lehrt ihn, den Fing« Gottes in allem sehen, was geschieht, und darum die Tatsachen achten. Er befiehlt ihm, die Menschen zu heben, bie Men chen, rote sie leben, die Menschen, die ihm begegnen, die Menschen seiner Zeit, nicht eine Abstraktion von Menschen, nicht einen Gattungsbegriff, nicht einmal die Menschen, wie sie sein sollen, sondern wie sie eben sind. Zum Aergernis der Pharisäer ging Christus mit den Sündern um und atz mit ihnen.
Gibt es eine christliche Wirtschaftsordnung?
Das ist das Erste und das Letzte. In dessen Hand liegen letztlich unsere Geschicke, nicht in der blinder Kräfte oder ounkler Naturgewalten — bietet uns das nicht schon Sicherheit genug? Können wir da in allen Drangsalen nicht mit dem Psalmisten sagen: O, Herr, ich bin in großer Trübsal ... vor Gram schwinde» mein Leben unb meine Jahre in Seufzen ... doch ich vertraue auf dich, o Herr ... du bist mein Gott, in dem« Hand liegt mein Geschick" iPs. 30, 10—15).
Die zweite Wahrheit, die uns« Glaube kündet, lautet:
Welt unb Weltgeschehen sind nicht ans sich selber da. stehen nicht unabhängig von Gott da; Gott vielmehr schuf beide. Aus sich nahm Gott den Plan zur Gründung der Welt, aus sich die Ideen zu allen Dingen der 'Welt. Ms sich allem den Antrieb zur Schaffung der Welt — wie könnte schlecht und unheilvoll sein, was aus Gott, dem ewigsten, heiligsten, liebreichsten aller Wesen stammt. Jedes Ding in der Welt ist ja ein Gedanke Gottes, ein Widerschein ferner Größe, ein Zielpunkt seines heiligsten Willens; *»n jedem ist er so zugegen, jedes unterstützt er mit fernem Wirken — fo ist
bas ganze Weltall mm Gott erfüllt, von Gott durchleuchtet, non Gott getragen,
es ist gleichsam eine Riesenmonstranz.
Fragen wir ferner: Warum rief Gott die Schöpfung ins Dasein? Ms dunklem Naturdrang? Wer er ist ja bie Freiheit und Ungebundenheit selb«! Ans Laune! Aber bei ihm ist alles reinste Ueberlegung! Um Nutzen zu haben? Wer hat die Sonne Nutzen, wenn sie von ihrem Lichte mitteilt? Um an inner« Größe ober an Glück zu gewinnen? Ab« er besitzt ja die ganze Fülle!
Warum schuf also Gott die Welt? Aus Gutheit! Er sah sich in feiner Fülle unb gedachte von fernem Ueberfluß anderen mitzuteilen, unb da er andere nicht öorfartb, schuf er sie unb schenkte allen einen Abglanz feiner Vollkommenheit. Und wie Gott alles aus Gutheit schuf, fo trägt er auch alles, nachdem er es geschaffen bat, tn Siebe. Gott liebt alles, was da ist. Auch uns! Und wie Gott die Welt auS Gutheit schuf, so
schuf er sie auch zum Guten.
Die dritte Wahrheit, die uns« Glaube kündet. Er schuf sie zunächst, um sich, den Unsichtbaren, kundzu- geben, um seine unsichtbare Größe sichtbar erstrahlen zu lassen. Lobt schon jedes Werk den Meist«, so sollen Welt und Weltgeschehen chn, den Weltenschöpfer, loben. Und je mehr diese Welt in rechter Kulturarbeit sich entfaltet, umso lauter klingt ihr Lob zum Preise des Höch-
Wie bereits in unserem gestrigen . Berichte über den Katholikentag in Dortmund mitgeteilt wurde, wurden in der öffentlichen Versammlung am Sonntag nachmittag zwei bedeutsame Referate gehalten. In meisterlicher Redeform sprach der Berliner Jesuitenpater Cohausz über: „Das Welt» geschehen im Lichte des Gottesglaubens", währenv der bekannte Zentrumspolitiker Prälat Dr. Kaas-Trier, ebenfalls ein glänzender Redner, über „Die Kirche im heutigen Deutschland, ihre Lage und ihre Aufgaben" sprach. Politisch bedeutsam waren die starken Kundgebungen, die sich an die klaren Schulforderungen des Redners knüpften: „Zum Frieden geneigt, zum Kampfe für die Bekenntnisschule entschlossen", so ist die Stimmung der deutschen Katholiken für die kommenden Auseinandersetzungen. Die Versammlung unterstrich die Gedankengänge des Redners durch stärksten Beifall. In tiefer Ergriffenheit nahm die Versammlung die Abschiedsworte Dr. Kaas', der unmittelbar nach der Versammlung zur Dölkerbundstagung in Genf fuhr, entgegen und ging auseinander in dem Gefühl, einen unvergeßlichen Tag erlebt zu haben. Nachstehend geben wir die Hauptgedanken der beiden Reden wieder.
(Die Redaktion).
Das Weltgeschehen im Lichte des Gottesglaubens.
Von Otto Cohausz, S. J.
Balsam für die Wunden unseres Volkes zu suchen, den Arzt für ihre Heilung zu finden, hat sich die diesjährige Katholikenversammlung hierher zusammengefun- ben. Aber,
wrlche find denn di« Hauptwunden unserer Zeit? Ist es unsere traurige politische St«Ilung in der Welt? Ist es unsere D«armung? Ist es
ein einheitliches und alle Klassen und Völker gleichmäßig verpflichtendes Gesetz.
Würde dieses Gesetz und dieser Plan Gottes von allen befolgt, stände es um das Wohl der einzelnen und Völker nicht besser als heute? . „ „
Um was geht also der Kampf un Weltgeschehen? Nicht in erster Linie um wirtschaftliche Dinge, mchtum die politische Vorherrschaft, nicht, um ben Fortschritt der Erdenkultur, sondern um die Entscheidung für Gott oder den Satan. Das ist der tiefste Sinn des Ganzen! Alle sind wir vor diese Entscheidung aestellt. Und heute erheben wiederum beide Reiche nut erneuter Macht ihren Werberuf, wieder hat für di« Welt eine neue Entscheidungsstunde geschlagen. Ob 11e sich Gott oder dem Satan ergebe, das -.st bie schicksalschwere Frage der gegenwar- tigen S tunbe.
bte Verelendung der Massen? Ist es die drückende Lage unserer Arbeiterschaft? Ist es die Erwerbslosigkeit? Ist es die W o h - nungsno t? Ist es der hoffnungslose Blick in die Zukunft? Ist es die soziale Zerklüftung und gegenseitige Verfeindung? Ist es der kulturelle Niedergang und die sittliche Verwilderung? Ja, sie alle sind da, und sie. zernagen Deutschland das Herz, wie einst die Geier den verstoßenen und an den Felsen geschmiedeten Prometheus. „ . , , ,,
Aber über alle diese Nöte ragt noch eine viel größere gespensterhast in unser Dasein hinein. Das ist
die allgemeine Daseinsnot.
Nicht nur von Nöten, sondern auch von Ungereimtheit aller Art sieht sich heute der Mensch umgeben. Er sieht den einen Teil der Menschheit wie Prass« schwel- gen, den anderen wie den armen Lazarus hungern. Der eine kleidet sich in kostbare Gewänder, ber andere muß sich mit schäbigen Lumpen begnügen, der eine wird vom Glück mit Gaben überschüttet, ber andere vom Unglück wie vorn Schatten verfolgt. Und wie im Einzelleben, genau so geht es auch im Völkerleben. Die rohe Gewalt siegt, das Recht wirb vergewaltigt, die Lüge triumphiert, und die Wahrheit wird ans Kreuz geschlagen. ' Dazu kommen noch all die anderen Unheilsmächte: Kriege, Pest, Hunger, Unwetter, Erdbeben, Vulkanausbrüche. Und so ist es nicht nur setzt, fo war es, soweit wir bie Geschichte zurückverfolgen können, stets. Wie einen Lavkoon mit seinen Kindern, so sieht sich
bie ganz« Menschheit von den Schlangen der Leiden und Schmerze» umschlungen
und sich bäumend vor Qual, richtet sie ihren Blick fragenb zu dem Weltgeschehen hinauf.
Ist da kein Balsam zu finden? In d« von Christus losgelösten Geisteswelt nicht! Denn, was ist dieser „Modernen"-Welt unb Weltgeschehen? Woher kommt es? Wohin geht eS? Was soll es? Di« Welt mit ihrem Weltgeschehen sinb das Einzige. Außer ihm gibt es nichts. Wenigstens keinen überweltlichen persönlichen Gott — darin sind alle modernen Ungläubigen einig. Und der Mensch, was ist er anders, als ein Atom, ein Rädchen in diesem Getriebe, von ihm ins Dasein gerufen, von ihm umhergeschleudert, von ihm in alle seine Schm«zen und Sloten verstrickt, von ihm am eigenen Busen erdrückt! Ohne persönliches Weiterleben nach bem Tod! Ohne Lohn und Entgelt für alle Mühen! Kann eine solche Weltanschauung uns Beftiedigung gewähren?
Dem vom Glauben losgelösten Menschen bleibt das Weltgeschehen stets ein dunkles Rätsel, die ewig alte Sphinx, aller Befrag« spottend! Kein Wunder, wenn sich soviel Pessimismus üb« die müde geworbene Welt lagert, wenn ber Schrei nach Erlösung so schrill allen Taumel durchdringt, wenn ein Carl Hauptmann ausruft: „Wer gäbe Antwort jewoh«, wohin? Gott in Erden und Himmelsgründen, könnt' ich dich finden! Wollt' ich wie ein Jakob dich eifern umklammern, bis du erhörtest unser Jammern! Herrn und Gott ist alles nur Spiel? Zeig uns ein Ziel!" Wie ungleich besser