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-- Rnzelmmmer 10 W. (mit UM. Beilage 15 Psg.)

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Aulda und den Landkreis Aulda. Amtliches Areisblatt.______

Nr. 205.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk. :<

Mttwoch, 7. September 1927.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colone!) lokal 0,15 Ml, auswärts 0,20 Ml. Reklamezeile: lokal 0,60 Ml, auswärts 0,80 Ml. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

54.Zahrg.

Was wird Gens bringen?

Die achte Dölkerbundsverfammlung ist in Genf eröffnet worden. Unter den 47 Vertretern Der Staaten dieser Welt sollen sich nicht weniger als 26 Außenminister befinden. Die höclsite Zahl der Außenminister angeblich, die sich bisher auf den Bölkerbundstagungen zusammengefunden hat. Was wird diese achte Tagung bringen? Es haben un­ter den europäischen Außenministern hier und dort bereits Besprechungen unter vier Augen stattge­funden, wobei Verhandlungengegenstand und Er­gebnis geheim geblieben sind. Diese Art von Son­derbesprechung wird in den nächsten Wochen ganz offenbar neben den offiziellen Verhandlungen im Reformationsge^bäude einherlaufen. Wahrscheinlich wird auch hier wieder das Schwergewicht des dip­lomatischen Betriebs in Genf liegen. Kürzlich ha­ben der Franzose de Jouvenel und der Engländer Lord Eecil ihr Vertreteramt im Völkerbund nie- dergeleqt, um dagegen zu protestieren, daß die europäischen Großmächte so wenig Interesse zei­gen, das Prestige des Völkerbundes selbst zu er­höhen. Der Protest ist weithin gehört worden, daß er auch Erhörung finden wird, ist vorläufig kaum anzunehmen.

Die Tagesordnung der Völkerbundsversamm­lung enthält keine Punkte von weltbewegender Hochpolitischer Bedeutung, wenn auch einzelne zu einer allgemeinen politischen Aussprache und zu Liner Berührung der Probleme, die gegenwärtig die wichtigsten der Weltpolitik sind, wohl Anlaß Sebert können. Das eigentliche Interesse ruht auf Len Fragen, die eben dadurch zur Besprechung kommen, daß die Männer, die für sie zuständig sind, sich in Genf ihr Stelldichein geben. Man wird an der Tatsache nicht vorbeigehen können, Laß die deutsch-französische Verständigungspolitik trotz der Weiterführung der deutschen Entwaff­nung und trotz der Reduzierung der Besatzungs­armee ins Stocken geraten ist und darum das Thema besprechen müssen: Wie wird der Friede und die Verständigung in Europa endgültig er­reicht?

Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß die Franzosen ihren Plan fertig haben. Das Stichwort heißt: O st l o c a r n o. Nun hat Deutsch­land oft genug zu verstehen gegeben, daß es un­möglich sei, die Ostgrenzen in derselben Weise zu garantieren, wie die Westgrenzen nachträglich frei­willig anerkannt worden sind. Nun scheint es so, als hätten die Polen einen Ausweg gefunden. Jedenfalls kommen Privatmeldungen aus Genf, die nicht unwahrscheinlich klingen, daß Polen einen Vorstoß zur Sicherung seiner im Versailler Ver­trag erreichten Grenzen gegen Deutschland über das im Locarnoabkommen erreichte Maß hinaus machen werde. Wie das geschehen soll, darüber erfährt die Frankfurter Zeitung folgendes: Da die Schlichtungs- und Schiedsmafchinerie des Locarno­vertrages wie auch die Bestimmungen des Völker­bundes letzten Endes bei den deutsch-polnischen .Fragen kriegerische Verwicklungen nicht ausschlös- fen, würde es Polen.begrüßen, wenn Deutschland sich bereit finden wollte, im äußersten Falle den Haager Weltgerichtshof als letzte Instanz anzuer- ilennen. Briand soll mit einem solchen Plane ein­verstanden sein. Deutschland kann ihm aber un­möglich beistimmen, weil ihm daran liegen mutz, daß die Entwicklung im Osten in politischer Be­ziehung freibleibt. Gerichtshöfe, auch der Haager Weltgerichtshof, werden vorkommende Schwierig­keiten immer nur nach juristischen Momenten be­urteilen und entscheiden können. Die Spannung zwischen der juristischen und der politischen Seite der Ostfragen kann mit einem solchen Plane nicht beseitigt werden. Deutschland kann nicht darauf verzichten, daß eben die Grenzziehung in seinem Osten in vernünftiger Weise revidiert wird, &. h. es muß darauf bestehen, daß ein bestehender Ver­trag geändert wird. Um das zu erreichen, wird es bestimmt keinen Krieg anzetteln. Es wäre der falscheste Weg. Es wäre aber auch eine unmög­liche und unehrliche Politik, wenn es den Wunsch Polens in der genannten Form einfach erfüllen wollte. Der Versailler Vertrag sieht Revisions­möglichkeiten vor, Deutschland darf sie in seinem nationalen Interesse nicht sich verbauen und damit die Dummheiten von Versailles sanktionieren.

Die letzte Völkerbundstagung im Frühjahr war bemerkenswert durch die Diskussion über das eng­lisch-russische Verhältnis, die allerdings auch außer­halb der offiziellen Verhandlungen geführt wur­den. Die Frage des englisch-russischen Verhältnis­ses hat in den letzten Wochen nicht mehr so wie damals im Vordergründe der Erörterungen ge­standen, sie ist aber noch immer sehr akut und hat neuerdings durch den russisch-französischen Zwi­schenfall eine merkwürdige Parallele gefunden. Der russische Botschafter in Paris Rakowski hat sich durch die Unterschrift unter eine kommunistisch- propagandfftische Kundgebung, in der die Kommu­nisten aller nichtrussischen Länder aufgefordert wurden, für Rußland Partei zu ergreifen, den ge­harnischten Protest des Landes zugezogen, bei dem er beglaubigt ist. Die französische Regierung hat protestiert und die russische überlegt, ob sie ihn abberufen muß Rakowski hat den Aufruf in sei­ner Eigenschaft als Mitglied des russischen Zentral­komitees in Moskau unterzeichnet und gibt in einer eigenen Erklärung an, daß sich jener Auf­ruf nur auf den Kriegsfall bezöge. Aber diese Ein­schränkung wird seine Abberufung wohl nicht auf­halten können, zumal er ein Parteigänger Trotzkis und Sinowjews ist. Den Vorfall hat die franzö­sische Presse zu scharfen Ausfällen gegen Rußland veranlaßt, ja sie sind mitunter so scharf, daß man englische Einflüsse darunter vermutet. Es muß zu gleicher Zeit als auffallend vermerkt werden, daß die polnisch-russischen Sicherheitsverhandlungen ins Stocken geraten sind. Die Gründe, die dafür an­gegeben werden, sind nicht ganz einleuchtend, we­nigstens nicht recht mit der Tatfache zusammenzu­reimen, daß Polen überhaupt diese Verhandlungen mit Rußland begonnen hat. Ohne Zweifel wird

Der polnische Vorschlag eines §st-8ocarnos.

wtb. Paris. 6. Sept. (Eig. Funkm.) Der Ha- vasvertreter in Genf berichtet über den polnischen Plan, der Vollversammlung des Völkerbundes einen Nichtangriffspakt vorzulegen, daß man allmählich nach der ersten Ueberraschung, die durch die begangene Indiskretion erfolgt sei, be­ginne, sich ernstlich mit diesem Plan zu befassen. Chamberlain habe zuerst den wahern Charakter der polnischen Initiative nicht begriffen und es handele sich nun darum, die Mißverständnisse im Laufe der kommenden Befprechungen zu beheben. Polen habe nie die Absicht gehabt, auf einem Umwege das Pro­tokoll von 1924 wieder zum Leben zu erwecken. Seine Vorschläge zielten in ihren Grundzügen dar­auf ab, die Sicherheit der Mitgliedsstaaten des Völ­kerbundes zu erhöhen und den Frieden beson­ders in Ostpreußen sicher zu st eilen. Die Urheber des polnischen Vorschlages hätten ver­sucht, die begangenen Fehler zu vermeiden, na­mentlich, indem sie nicht den interessierten Staaten zu enge Beziehungen aufzwingen wollten. Es sei auch für den Augenblick nicht die Rede davon, den Staaten eine fakultative Klausel betr. das obligato­rische Schiedsgerichtsverfahren aufzuzwinger.. Außerdem fei nicht von Sanktionen die Rede, nicht einmal vom Begriff des Angreifers, sodaß der Vor­schlag, wie es scheine, mit Leichtigkeit die Zustim­mung einer großen Anzahl von Staaten finden werde. Es sei durchaus wahrscheinlich,, daß der polnisch ePlan — ob er nun von Polen allein oder von einer Gruppe von Staaten eingebracht werde — innerhalb weniger Tage eine konkrete Form annehmen werde, damit er an den ersten politischen Ausschuß des Völker­bundes verwiesen werden könne.

Zu dem polnischen Vorschlag eines Nichtangriff­paktes schreibt der „Temps": „Angesichts des Be­stehens des Völkerbundsstatutes, das in gleicher Werse alle Mitgliederstaaten verpflichte, angesichts des Vorhandenseins der Locarnoverträge, die jeden Angriff irgendeiner der Mächte, die sie unterzeich­net haben, ausschließt und angesichts der hierauf einsekenden Entspannung der politischen Lage und Verständigungspolitik, die auf gegenseitigem Ver­trauen beruht, kann, man darüber erstaunt sein, daß schon der Gedanke eines Nichtangriffspaktes, dazu bestimmt, den Krieg außer Gesetz zu stellen, auf so lebhaften Wider st and stoßen mußte. Einerseits befürchten die Engländer, daß man sie indirekt zum Genfer Protokoll zurückführen will, andererseits scheinen die De u t s ch e n nicht geneigt zu sein, Polen die Zusatzgarantie zuzugestehen, die sie ihm bei den Locarnoverhandlungen verwei­gert hatten. Ueberdies zeigt sich ein Mißtrauen, weil man annimmt, daß ein derartiger Nichtan­griffspakt, der eine Spitze gegen Sorojet» rußland haben würde. Ueber die Gründe, die Deutschland zur Opposition veranlassen sollen, äu­ßert sich der „Temps" wie folgt: Deutschland wolle einerseits jedes Arrangement vermeiden, das so ausgelegt werden könnte, als bestätige^ Deutschland freiwillig die durch die Verträge festgelegten Ost­grenzen und anderseits will Deutschland, wenn man von ihm etwas verlangen sollte, was mit der allgemeinen Stellung, die Deutschland, seitdem Stresemann die Leitung der Außenpolitik ilber- nommen habe, einnahm, unvereinbar sei, sich sicher teuer bezahlen lassen. Ein Nichtangriffspakt würde deutscherseits nur im Austausch gegen eine vorzei­tige Rheinlandräumung ins Auge gefaßt werden. Daspräftöialbüro des Völkerbundes

Dem Präsidialbüro der Völkerbundsversamm- lung gehören aufgrund der am Montag vorgenom­menen Wahlen außer dem Schweizer Ehrenmit­glied Motta und dem Vorsitzenden des Tagesord­nungsausschusses de Brouckers an die sechs Vizepräsidenten der Völkerbundsversammlung Scialoja (43 von 47 abgegebenen Stimmen), Brian d, Chamberlain, S t r e s e m a nn (je 41 Stimmen), Nemour s-Haiti (28 Stimmen),

und Graf Mansdor f-Oesterreich (der in einem erforderlich gewordenen zweiten Wahlgang 32 Stimmen erhielt) und die sechs Präsidenten der Versammlungsausschüsse A d a t c i - Japan, D a n- d u r a n d-Canada, Bene sch-Tschechoslowakei, van E y s i n g a-Holland, H a m b r o-Norwegen, B e ch- Luxemburg. Die n ä ch st e Sitzung der Völker- bundsversammlung ist auf Dienstag nach­mittag zum Beginn der Generaldebatte über den Jahresbericht angesetzt. Am Dienstagvormit­tag treten die sechs Versammlungsausschüsse zu ihren konstituierenden Sitzungen zusammen.

Der Streit um die Sitzordnung.

Die Durchbrechung der traditionellen Sitzord­nung im Resormationssaal, die am Montag vor­mittag ein geführt und am Nachmittag bereits wie­der rückgängig gemacht worden war, hat, wie wir hören, verschiedenen Delegationen Anlaß gegeben, Beschwerden und Wünsche vorzutragen. Diese gehen dahin, für die Zeit bis zur Fertigstellung des neuen Völkerbundsgebäudes einen Turnus einzuführen, der den einzelnen Mächten dasEin- nehmen wechselnder Sitze gestattet, denn einige unter ihnen, daunter Deutschland und Eng­land, sind durch die schlechte Akkustik und ihre Lage zu den Saalausgängen dauernd nicht unerheblich benachteiligt.

Die Arbeit der Ausschüsse.

wtb. Genf, 6. Sept. (Eig. Funkm.). Die sechs Ausschüsse der Völkerbundsversammlung nahmen heute vormittag ihre Arbeiten auf, beschränkten sich jedoch auf die Formalien. Das Hauptinteresse dürfte sich auf die Arbeiten des dritten des Ab­rüstungsausschusses konzentrieren, in dem der Vorsitzende B e n e s ch heute ankündigt, daß er neben der zur Zeit allein auf der Tagesordnung stehenden Frage einer Beschleunigung des Rats­zusammentritts im Falle von Krisen alle im Zu­sammenhang mit dem Abrüstungsproblem stehen­den Fragen der Gesamttagesordnung einbeziehen werde.

Die Truppenverminderuna.

wtb. Paris, 6. Sept. (Eig. Funkm.). Wie , „Journal" berichtet, wird auf Grund der Herab­setzung der französischen Effektivbestände im Rhein­land das Hauvtauartier des 33. Korps,, der Ge- neralstab der 17. Mafchinengewehr-Halbbrigade und das 10. und 12. Maschinengewehrbafaillon am 25 Oktober aufgelöst werden. Gleichzeitig soll zurück­gezogen werden ba* Hauptquartier der 41. Inf.- Division und der Stab nach Besancon sowie das 52. Pionierbataillon nach Toul.

*

Wie wir hören, hat der französische Außen­minister im Namen der belgischen .britischen,, ftan- zösischen, italienifchen und japanischen Regierung dem deutschen Reichsaußenminkster eine offizielle Mitteilung über die letzthin beschlossene Vermin­derung der Besatzungsttuvven im Rheinland zu­gehen lassen. Briand bestätigt barift die Herab­setzung der gegenwärtigen Truppenstärke um 10000 Mann auf 60 000 Mann und fügt hinzu, daß diese Maßnahme in kürzester Frist durchgeführt wer­den soll. Ueber die Einzelheiten, insbesondere über die Erleichterungen, die Liefe Maßnahme für die Bevölkerung des befehlen Gebietes mit sich brin­gen wird, ist eine weitere Mitteilung in Aussicht gestellt.

Besprechungen Dr. Stresemanns in Genf.

wtb. Genf, 6 .Sept. (Eig. Funkm.). Heute vormittag stattete Reichsaußenminister Dr. Strese­mann dem britischen Außenminister Chamber­lain einen kurzen Besuch ab und empfing hiernach den litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras in Begleitung des Berliner Gesandten Sidzikauskas zu einer längeren Besprechung.

die russische Frage auch diesesmal wieder starken Raum bei den Außenministerbesprechungen ein« nehmen, d. h.: Da sie nicht losgelöst von der Frage des Ostlocarno betrachtet werden kann, ist das europäische Ostproblem in seiner vollen Brette auf- gerollt. _______________________

* Dvs Vorgehen gegen die reichsdeukschen Re­dakteure im TNemelland. (Eig. Funkm.). Chefredak­teur Seubner und Redakteur Warm sind am Dienstag morgen von zwei Beamten der Landes- polizci in Ausführung des Auftrages der Kriegs- kommandantur in Memel festgenommen und der Staatspolizei zugeführt worden. Sie werden vor­aussichtlich am Dienstag vormittag mit dem um 10.30 Uhr abführenden Dampfer über Nidden nach Deutschland abgeschoben werden. Ebenfalls wurde Redakteur Brieskorn von der „Memelländischen Rundschau" in Heidekrug festgenommen und der Staatspolizei zugeführt. Auf welche Weise er nach Deutschland abgeschoben werden wird, ist noch nicht bekannt. «

— Internationaler Demokratischer Friedenskongreß in Würzburg. Der Siebente Internationale Demokra­tische Friedenskongreß nahm am Samstag mit der Er- öffnungsversammlung im Platzschen Garten seinen An­fang. Der Sonntag wurde ei'ngeteitet mit gottesdienst­lichen Feiern, worauf sich ein großer Demonstrations­zug für den Frieden und gegen ben Krieg, an dem sich auch das Reichsbanner, Arbeiter-, Turn- und Sport­vereine beteiligten, durch die Stadt zum Marktplatz be­wegte. Dort hielt der Pariser Abgeordnete ©agitier eine Ansprache. Nach ihm sprach'Reichstagsabgeordne­ter Dr. H e i I e, der im Hinblick auf die fremde Besatzung auf deutschem Boden und auf die Zustande in unserem eigenen Vaterlande betonte, daß ein anderer Geist zur

Führung kommen müsse, sowohl bei uns wie in Frank­reich. Der Abend brachte eine Kundgebung der Jugend aller Lander für den Frieden, bei der die deutschen Dichter Lersch, Kneip und ,Dr. Leo Weis Man­tel zur Jugend sprachen.

* Kein Rücktritt Rakowskis. Nach einer Mel­dung der Havasagentur hat der Pariser Sowstt- botschafter Rakowski nicht die Absicht zurück­zutreten.

* Der Zwischenfall m der Warschauev-Sowjet- botschaft. (Eig. Funkm.). Das Pilsudski - Blatt „Glos Prawdi" nimmt zu dem blutigen Zwischen­fall in der hiesigen Sowjet-Gesandtschaft Stel­lung. „Glos Prawdi" stellt fest, daß die Ergeb­nisse der Untersuchung im Widerspruch stün­den zu den Aussagen der Angestellten der Sowjet- Gesandtschast, die einen Notwehrakt festgestellt habm wollten. All dies erfordere rasche Aufklä­rung. Die verschiedenen Zwischenfälle, die in den Sowjet-Gesandtschaften vorgekommen wären, seien ein Beweis dafür, daß diese Sowjet-Agenturen eine Quelle von Gefahren für die öffentliche Ord­nung darstellten.

* Admiral Ssgakichi Kato gestorben. Havas berichtet aus Tokio: Admiral Baron Sagakichi Kato, der die japanische Flotte bei der Belagerung von Tsingtau befehligt hatte, ist gestorben.

= Der Präsident des Metro-Goldwyn-Nlmkon- zerns f. (Eig. Funkm.). Der Präsident des Metro- Goldwvn-Film Konzerns, der in den Vereinigten Staa­ten über 300 Kinotheater besitzt, Marcus,Loew, ist gestorben.

Sine allfgrdrungene Abwehr.

Unter diesem Titel beschäftigt sich der hochver­diente und in ganz Deutschland hochverehrte ba­dische Zentrumsführer Dr. Josef Schofer tm „Badischen Beobachter" (Nr. 240) mit gewissen, in der Tat außerordentlich bedauerlichen Erschei­nungen, die sich in letzter Zeit im politischen Kampfe, namentlich auch in unseren eigenen Rei­hen, bemerkbar gemacht haben. Insbesondere wen­det sich Dr. Schofer gegen die ungerechtfertigten Angriffe, die verschiedentlich gegen unsere Führer erhoben werden. Schofer spricht aus, daß er oft seine Zeit und Kraft dazu verwendet habe, unge­rechtfertigte Angriffe auf Dr. W i r t h abzuwehren. Er anerkenne diese Pflicht auch heute noch. Schä­fer sagt dann wörtlich weiter:

„Dieselbe Pflicht habe ich aber auch der Partei und ihren Idealen, habe ich ganz besonders der Ehre von anderen verdienten Führern gegenüber. Mein erster Artikel will dieser Pflicht dienen.

Zu diesen Männern rechne ich nicht an letzter Stelle auch den Herrn Reichskanzler Dr. Marx und den aus unserer badischen Heimat kommenden gegenwärtigen Herrn Reichsfi- n a n z m i n i st e r D r. K ö h l e r. Die Gerechtig­keit fordert die Anerkennung der hohen Verdienste von beiden Staatsmännern. Sie liegen auf dem allgemein vaterländischen Felde, sie liegen auf dem kulturpolitischen und sozialen; sie liegen aber auch speziell unter der Fahne des deutschen und badi­schen Zentrums."

Dr. Schofer wendet sich bann gegen die Ten­denz von politischen Bildern, wie sie in der „Deut­schen Republik, namentlich in Heft 43, erschienen sind und in denen insbesondere Dr. Marx und Dr. Köhler in ihrem politischen Ansehen und Wir­ken herabgesetzt werden. Dr. Schofer sagt dazu:

„Wir im Süden haben sicherlich Sinn und Ver­ständnis für Humor und loben ihn. In diesen Bildern ist er aber leider ersetzt durch eine gewisse politische Bosheit und eine wohl gewollte Irrefüh­rung und das auf Kosten zweier hervorragender Führer des Zentrums, und auf Kosten des badi­schen Zentrums. Dagegen setzen wir uns entschie­den zur Wehr!"

Dr. Schofer spricht aus, daß diese Karrikatur, bei der Dr. Köhler dargestellt wird als gebro­chener Mann, am linken Fuße gefesselt und von Dr Marx von links nach rechts gezogen, des­halb bedenklich erscheint, weil sie in einer Zeitschrift erscheine, die auf dem Titelblatt die Bemerkung trägt: „herausgegeben von Reichskanzler a. D. Dr. Wirt h". Ferner finde man auch den Namen Dr' Köhler unter den Mitarbeitern. Jedermann wisse, daß die Herren Dr. Wirth und Dr. Köhler manches Jahr gemeinsam unter der Fahne des Zentrums Reichs- und Landespolitik getrieben haben. Diese Sachlage hätte nach der Auffassung Dr. Schofers auch bei politischer Meinungsverschie­denheit respektiert werden müssen, wenn man noch eine gewisse Linie des Taktes und des Anstandes anerkennen wollte. Daß diese überschritten sei, könne nicht bestritten werden, es feststellen zu müs­sen, sei für ihn peinlich.

Dr. Schofer schließt dann seine Ausführungen mit folgenden Worten:

„Ich bin überzeugt, diese meine Stellungnahme wird von der badischen Presse vom Bodensee bis in den Taubergrund einmütig begrüßt. Ihre Tradi­tionen sagen: „Wir schützen die Ehre unserer

Führer!" „ . ,

Wir möchten unsererseits dazu bemerken, daß diese Stellungnahme des hochverehrten und hoch­verdienten badischen Parteichefs nicht nur im Ba­dener Land, sondern in ganz Deutschland verstanden, gewürdigt und gebilligt wird.

Die Befolöungsfrage.

Zur Bereinigung der zwischen Preußen und dem Reich noch schwebenden Streitfragen m der Beamtenbesoldungsreform findet, wie eine Kor­respondenz meldet, am Mittwoch eine Besprechung der Vertreter der preußischen ßanbtagsfrattionen mit dem preußischen Finanzminister statt. Bei ten noch vorhandenen Streitpunkten handelt es sich vor allem um die Pensions- und Diätarsrage, sowie um die Stellung der Beamtinnen.

Im Zusammenhang mit der allgemeinen Besol« bungsreform ist in Preußen eine nicht unroeient- liche Besserstellung ber preußischen L e h r e r s cha f t geplant. Die Lehrer ftanben bis­her in Gruppe Vil bis IX, wobei ber Aufstieg tn Gruppe VHI nach dem Dienstalter erfolgte, da­gegen der Aufstieg in die Gruppe IX von dem Freiwerden einer gehobenen Stellung abhing. Man denkt nun an eine Zusammenlegung ber Gruppen VII bis IX als gemeinsame Besoldungsgrunblage für alle Lehrer.

Reichsfinanzminister Dr. Köhler ist am Montag nachmittag mit Flugzeug vom Dortmunder Katho­likentag nach Berlin zurückgekehrt und hat, dem Börsenkurier zufolge, die Geschäfte wieder über- nommen. Er hatte bereits die ersten Befprechun- gen über die bevorstehende Besoldungsreform.

* Polnische Grenzüberschreitung in Weskpreu- ßen. (Eig. Funkm.) Wie die Weichsel-Zeitung meldet, überschritt am Sonntagabend gegen VAX Uhr in ber Gegenb von Garnsee eine polnische Patrouille in ber Stärke von 7—8 Mann bie Grenze. Der Führer ber Patrouille gehört einer größeren Abteilung an, bie im Graubenzer Gebiet an Manövern teilnimmt. Der Bevölkerung von Westpreußen hat sich infolge ber Häufigkeit der Grenzverletzungen während der letzten Tage be­greiflicherweise eine starke Erregung bemächtigt.