-- Rnzelmmmer 10 W. (mit UM. Beilage 15 Psg.)
FuldaerZertung
Anzeiger für die Stabt Aulda und den Landkreis Aulda. Amtliches Areisblatt.______
Nr. 205.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
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Mttwoch, 7. September 1927.
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54.Zahrg.
Was wird Gens bringen?
Die achte Dölkerbundsverfammlung ist in Genf eröffnet worden. Unter den 47 Vertretern Der Staaten dieser Welt sollen sich nicht weniger als 26 Außenminister befinden. Die höclsite Zahl der Außenminister angeblich, die sich bisher auf den Bölkerbundstagungen zusammengefunden hat. Was wird diese achte Tagung bringen? Es haben unter den europäischen Außenministern hier und dort bereits Besprechungen unter vier Augen stattgefunden, wobei Verhandlungengegenstand und Ergebnis geheim geblieben sind. Diese Art von Sonderbesprechung wird in den nächsten Wochen ganz offenbar neben den offiziellen Verhandlungen im Reformationsge^bäude einherlaufen. Wahrscheinlich wird auch hier wieder das Schwergewicht des diplomatischen Betriebs in Genf liegen. Kürzlich haben der Franzose de Jouvenel und der Engländer Lord Eecil ihr Vertreteramt im Völkerbund nie- dergeleqt, um dagegen zu protestieren, daß die europäischen Großmächte so wenig Interesse zeigen, das Prestige des Völkerbundes selbst zu erhöhen. Der Protest ist weithin gehört worden, daß er auch Erhörung finden wird, ist vorläufig kaum anzunehmen.
Die Tagesordnung der Völkerbundsversammlung enthält keine Punkte von weltbewegender Hochpolitischer Bedeutung, wenn auch einzelne zu einer allgemeinen politischen Aussprache und zu Liner Berührung der Probleme, die gegenwärtig die wichtigsten der Weltpolitik sind, wohl Anlaß Sebert können. Das eigentliche Interesse ruht auf Len Fragen, die eben dadurch zur Besprechung kommen, daß die Männer, die für sie zuständig sind, sich in Genf ihr Stelldichein geben. Man wird an der Tatsache nicht vorbeigehen können, Laß die deutsch-französische Verständigungspolitik trotz der Weiterführung der deutschen Entwaffnung und trotz der Reduzierung der Besatzungsarmee ins Stocken geraten ist und darum das Thema besprechen müssen: Wie wird der Friede und die Verständigung in Europa endgültig erreicht?
Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß die Franzosen ihren Plan fertig haben. Das Stichwort heißt: O st l o c a r n o. Nun hat Deutschland oft genug zu verstehen gegeben, daß es unmöglich sei, die Ostgrenzen in derselben Weise zu garantieren, wie die Westgrenzen nachträglich freiwillig anerkannt worden sind. Nun scheint es so, als hätten die Polen einen Ausweg gefunden. Jedenfalls kommen Privatmeldungen aus Genf, die nicht unwahrscheinlich klingen, daß Polen einen Vorstoß zur Sicherung seiner im Versailler Vertrag erreichten Grenzen gegen Deutschland über das im Locarnoabkommen erreichte Maß hinaus machen werde. Wie das geschehen soll, darüber erfährt die Frankfurter Zeitung folgendes: Da die Schlichtungs- und Schiedsmafchinerie des Locarnovertrages wie auch die Bestimmungen des Völkerbundes letzten Endes bei den deutsch-polnischen .Fragen kriegerische Verwicklungen nicht ausschlös- fen, würde es Polen.begrüßen, wenn Deutschland sich bereit finden wollte, im äußersten Falle den Haager Weltgerichtshof als letzte Instanz anzuer- ilennen. Briand soll mit einem solchen Plane einverstanden sein. Deutschland kann ihm aber unmöglich beistimmen, weil ihm daran liegen mutz, daß die Entwicklung im Osten in politischer Beziehung freibleibt. Gerichtshöfe, auch der Haager Weltgerichtshof, werden vorkommende Schwierigkeiten immer nur nach juristischen Momenten beurteilen und entscheiden können. Die Spannung zwischen der juristischen und der politischen Seite der Ostfragen kann mit einem solchen Plane nicht beseitigt werden. Deutschland kann nicht darauf verzichten, daß eben die Grenzziehung in seinem Osten in vernünftiger Weise revidiert wird, &. h. es muß darauf bestehen, daß ein bestehender Vertrag geändert wird. Um das zu erreichen, wird es bestimmt keinen Krieg anzetteln. Es wäre der falscheste Weg. Es wäre aber auch eine unmögliche und unehrliche Politik, wenn es den Wunsch Polens in der genannten Form einfach erfüllen wollte. Der Versailler Vertrag sieht Revisionsmöglichkeiten vor, Deutschland darf sie in seinem nationalen Interesse nicht sich verbauen und damit die Dummheiten von Versailles sanktionieren.
Die letzte Völkerbundstagung im Frühjahr war bemerkenswert durch die Diskussion über das englisch-russische Verhältnis, die allerdings auch außerhalb der offiziellen Verhandlungen geführt wurden. Die Frage des englisch-russischen Verhältnisses hat in den letzten Wochen nicht mehr so wie damals im Vordergründe der Erörterungen gestanden, sie ist aber noch immer sehr akut und hat neuerdings durch den russisch-französischen Zwischenfall eine merkwürdige Parallele gefunden. Der russische Botschafter in Paris Rakowski hat sich durch die Unterschrift unter eine kommunistisch- propagandfftische Kundgebung, in der die Kommunisten aller nichtrussischen Länder aufgefordert wurden, für Rußland Partei zu ergreifen, den geharnischten Protest des Landes zugezogen, bei dem er beglaubigt ist. Die französische Regierung hat protestiert und die russische überlegt, ob sie ihn abberufen muß Rakowski hat den Aufruf in seiner Eigenschaft als Mitglied des russischen Zentralkomitees in Moskau unterzeichnet und gibt in einer eigenen Erklärung an, daß sich jener Aufruf nur auf den Kriegsfall bezöge. Aber diese Einschränkung wird seine Abberufung wohl nicht aufhalten können, zumal er ein Parteigänger Trotzkis und Sinowjews ist. Den Vorfall hat die französische Presse zu scharfen Ausfällen gegen Rußland veranlaßt, ja sie sind mitunter so scharf, daß man englische Einflüsse darunter vermutet. Es muß zu gleicher Zeit als auffallend vermerkt werden, daß die polnisch-russischen Sicherheitsverhandlungen ins Stocken geraten sind. Die Gründe, die dafür angegeben werden, sind nicht ganz einleuchtend, wenigstens nicht recht mit der Tatfache zusammenzureimen, daß Polen überhaupt diese Verhandlungen mit Rußland begonnen hat. Ohne Zweifel wird
Der polnische Vorschlag eines §st-8ocarnos.
wtb. Paris. 6. Sept. (Eig. Funkm.) Der Ha- vasvertreter in Genf berichtet über den polnischen Plan, der Vollversammlung des Völkerbundes einen Nichtangriffspakt vorzulegen, daß man allmählich nach der ersten Ueberraschung, die durch die begangene Indiskretion erfolgt sei, beginne, sich ernstlich mit diesem Plan zu befassen. Chamberlain habe zuerst den wahern Charakter der polnischen Initiative nicht begriffen und es handele sich nun darum, die Mißverständnisse im Laufe der kommenden Befprechungen zu beheben. Polen habe nie die Absicht gehabt, auf einem Umwege das Protokoll von 1924 wieder zum Leben zu erwecken. Seine Vorschläge zielten in ihren Grundzügen darauf ab, die Sicherheit der Mitgliedsstaaten des Völkerbundes zu erhöhen und den Frieden besonders in Ostpreußen sicher zu st eilen. Die Urheber des polnischen Vorschlages hätten versucht, die begangenen Fehler zu vermeiden, namentlich, indem sie nicht den interessierten Staaten zu enge Beziehungen aufzwingen wollten. Es sei auch für den Augenblick nicht die Rede davon, den Staaten eine fakultative Klausel betr. das obligatorische Schiedsgerichtsverfahren aufzuzwinger.. Außerdem fei nicht von Sanktionen die Rede, nicht einmal vom Begriff des Angreifers, sodaß der Vorschlag, wie es scheine, mit Leichtigkeit die Zustimmung einer großen Anzahl von Staaten finden werde. Es sei durchaus wahrscheinlich,, daß der polnisch ePlan — ob er nun von Polen allein oder von einer Gruppe von Staaten eingebracht werde — innerhalb weniger Tage eine konkrete Form annehmen werde, damit er an den ersten politischen Ausschuß des Völkerbundes verwiesen werden könne.
Zu dem polnischen Vorschlag eines Nichtangriffpaktes schreibt der „Temps": „Angesichts des Bestehens des Völkerbundsstatutes, das in gleicher Werse alle Mitgliederstaaten verpflichte, angesichts des Vorhandenseins der Locarnoverträge, die jeden Angriff irgendeiner der Mächte, die sie unterzeichnet haben, ausschließt und angesichts der hierauf einsekenden Entspannung der politischen Lage und Verständigungspolitik, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht, kann, man darüber erstaunt sein, daß schon der Gedanke eines Nichtangriffspaktes, dazu bestimmt, den Krieg außer Gesetz zu stellen, auf so lebhaften Wider st and stoßen mußte. Einerseits befürchten die Engländer, daß man sie indirekt zum Genfer Protokoll zurückführen will, andererseits scheinen die De u t s ch e n nicht geneigt zu sein, Polen die Zusatzgarantie zuzugestehen, die sie ihm bei den Locarnoverhandlungen verweigert hatten. Ueberdies zeigt sich ein Mißtrauen, weil man annimmt, daß ein derartiger Nichtangriffspakt, der eine Spitze gegen Sorojet» rußland haben würde. Ueber die Gründe, die Deutschland zur Opposition veranlassen sollen, äußert sich der „Temps" wie folgt: Deutschland wolle einerseits jedes Arrangement vermeiden, das so ausgelegt werden könnte, als bestätige^ Deutschland freiwillig die durch die Verträge festgelegten Ostgrenzen und anderseits will Deutschland, wenn man von ihm etwas verlangen sollte, was mit der allgemeinen Stellung, die Deutschland, seitdem Stresemann die Leitung der Außenpolitik ilber- nommen habe, einnahm, unvereinbar sei, sich sicher teuer bezahlen lassen. Ein Nichtangriffspakt würde deutscherseits nur im Austausch gegen eine vorzeitige Rheinlandräumung ins Auge gefaßt werden. Daspräftöialbüro des Völkerbundes
Dem Präsidialbüro der Völkerbundsversamm- lung gehören aufgrund der am Montag vorgenommenen Wahlen außer dem Schweizer Ehrenmitglied Motta und dem Vorsitzenden des Tagesordnungsausschusses de Brouckers an die sechs Vizepräsidenten der Völkerbundsversammlung Scialoja (43 von 47 abgegebenen Stimmen), Brian d, Chamberlain, S t r e s e m a nn (je 41 Stimmen), Nemour s-Haiti (28 Stimmen),
und Graf Mansdor f-Oesterreich (der in einem erforderlich gewordenen zweiten Wahlgang 32 Stimmen erhielt) und die sechs Präsidenten der Versammlungsausschüsse A d a t c i - Japan, D a n- d u r a n d-Canada, Bene sch-Tschechoslowakei, van E y s i n g a-Holland, H a m b r o-Norwegen, B e ch- Luxemburg. Die n ä ch st e Sitzung der Völker- bundsversammlung ist auf Dienstag nachmittag zum Beginn der Generaldebatte über den Jahresbericht angesetzt. Am Dienstagvormittag treten die sechs Versammlungsausschüsse zu ihren konstituierenden Sitzungen zusammen.
Der Streit um die Sitzordnung.
Die Durchbrechung der traditionellen Sitzordnung im Resormationssaal, die am Montag vormittag ein geführt und am Nachmittag bereits wieder rückgängig gemacht worden war, hat, wie wir hören, verschiedenen Delegationen Anlaß gegeben, Beschwerden und Wünsche vorzutragen. Diese gehen dahin, für die Zeit bis zur Fertigstellung des neuen Völkerbundsgebäudes einen Turnus einzuführen, der den einzelnen Mächten dasEin- nehmen wechselnder Sitze gestattet, denn einige unter ihnen, daunter Deutschland und England, sind durch die schlechte Akkustik und ihre Lage zu den Saalausgängen dauernd nicht unerheblich benachteiligt.
Die Arbeit der Ausschüsse.
wtb. Genf, 6. Sept. (Eig. Funkm.). Die sechs Ausschüsse der Völkerbundsversammlung nahmen heute vormittag ihre Arbeiten auf, beschränkten sich jedoch auf die Formalien. Das Hauptinteresse dürfte sich auf die Arbeiten des dritten des Abrüstungsausschusses konzentrieren, in dem der Vorsitzende B e n e s ch heute ankündigt, daß er neben der zur Zeit allein auf der Tagesordnung stehenden Frage einer Beschleunigung des Ratszusammentritts im Falle von Krisen alle im Zusammenhang mit dem Abrüstungsproblem stehenden Fragen der Gesamttagesordnung einbeziehen werde.
Die Truppenverminderuna.
wtb. Paris, 6. Sept. (Eig. Funkm.). Wie , „Journal" berichtet, wird auf Grund der Herabsetzung der französischen Effektivbestände im Rheinland das Hauvtauartier des 33. Korps,, der Ge- neralstab der 17. Mafchinengewehr-Halbbrigade und das 10. und 12. Maschinengewehrbafaillon am 25 Oktober aufgelöst werden. Gleichzeitig soll zurückgezogen werden ba* Hauptquartier der 41. Inf.- Division und der Stab nach Besancon sowie das 52. Pionierbataillon nach Toul.
*
Wie wir hören, hat der französische Außenminister im Namen der belgischen .britischen,, ftan- zösischen, italienifchen und japanischen Regierung dem deutschen Reichsaußenminkster eine offizielle Mitteilung über die letzthin beschlossene Verminderung der Besatzungsttuvven im Rheinland zugehen lassen. Briand bestätigt barift die Herabsetzung der gegenwärtigen Truppenstärke um 10000 Mann auf 60 000 Mann und fügt hinzu, daß diese Maßnahme in kürzester Frist durchgeführt werden soll. Ueber die Einzelheiten, insbesondere über die Erleichterungen, die Liefe Maßnahme für die Bevölkerung des befehlen Gebietes mit sich bringen wird, ist eine weitere Mitteilung in Aussicht gestellt.
Besprechungen Dr. Stresemanns in Genf.
wtb. Genf, 6 .Sept. (Eig. Funkm.). Heute vormittag stattete Reichsaußenminister Dr. Stresemann dem britischen Außenminister Chamberlain einen kurzen Besuch ab und empfing hiernach den litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras in Begleitung des Berliner Gesandten Sidzikauskas zu einer längeren Besprechung.
die russische Frage auch diesesmal wieder starken Raum bei den Außenministerbesprechungen ein« nehmen, d. h.: Da sie nicht losgelöst von der Frage des Ostlocarno betrachtet werden kann, ist das europäische Ostproblem in seiner vollen Brette auf- gerollt. _______________________
* Dvs Vorgehen gegen die reichsdeukschen Redakteure im TNemelland. (Eig. Funkm.). Chefredakteur Seubner und Redakteur Warm sind am Dienstag morgen von zwei Beamten der Landes- polizci in Ausführung des Auftrages der Kriegs- kommandantur in Memel festgenommen und der Staatspolizei zugeführt worden. Sie werden voraussichtlich am Dienstag vormittag mit dem um 10.30 Uhr abführenden Dampfer über Nidden nach Deutschland abgeschoben werden. Ebenfalls wurde Redakteur Brieskorn von der „Memelländischen Rundschau" in Heidekrug festgenommen und der Staatspolizei zugeführt. Auf welche Weise er nach Deutschland abgeschoben werden wird, ist noch nicht bekannt. «
— Internationaler Demokratischer Friedenskongreß in Würzburg. Der Siebente Internationale Demokratische Friedenskongreß nahm am Samstag mit der Er- öffnungsversammlung im Platzschen Garten seinen Anfang. Der Sonntag wurde ei'ngeteitet mit gottesdienstlichen Feiern, worauf sich ein großer Demonstrationszug für den Frieden und gegen ben Krieg, an dem sich auch das Reichsbanner, Arbeiter-, Turn- und Sportvereine beteiligten, durch die Stadt zum Marktplatz bewegte. Dort hielt der Pariser Abgeordnete ©agitier eine Ansprache. Nach ihm sprach'Reichstagsabgeordneter Dr. H e i I e, der im Hinblick auf die fremde Besatzung auf deutschem Boden und auf die Zustande in unserem eigenen Vaterlande betonte, daß ein anderer Geist zur
Führung kommen müsse, sowohl bei uns wie in Frankreich. Der Abend brachte eine Kundgebung der Jugend aller Lander für den Frieden, bei der die deutschen Dichter Lersch, Kneip und ,Dr. Leo Weis Mantel zur Jugend sprachen.
* Kein Rücktritt Rakowskis. Nach einer Meldung der Havasagentur hat der Pariser Sowstt- botschafter Rakowski nicht die Absicht zurückzutreten.
* Der Zwischenfall m der Warschauev-Sowjet- botschaft. (Eig. Funkm.). Das Pilsudski - Blatt „Glos Prawdi" nimmt zu dem blutigen Zwischenfall in der hiesigen Sowjet-Gesandtschaft Stellung. „Glos Prawdi" stellt fest, daß die Ergebnisse der Untersuchung im Widerspruch stünden zu den Aussagen der Angestellten der Sowjet- Gesandtschast, die einen Notwehrakt festgestellt habm wollten. All dies erfordere rasche Aufklärung. Die verschiedenen Zwischenfälle, die in den Sowjet-Gesandtschaften vorgekommen wären, seien ein Beweis dafür, daß diese Sowjet-Agenturen eine Quelle von Gefahren für die öffentliche Ordnung darstellten.
* Admiral Ssgakichi Kato gestorben. Havas berichtet aus Tokio: Admiral Baron Sagakichi Kato, der die japanische Flotte bei der Belagerung von Tsingtau befehligt hatte, ist gestorben.
= Der Präsident des Metro-Goldwyn-Nlmkon- zerns f. (Eig. Funkm.). Der Präsident des Metro- Goldwvn-Film Konzerns, der in den Vereinigten Staaten über 300 Kinotheater besitzt, Marcus,Loew, ist gestorben.
Sine allfgrdrungene Abwehr.
Unter diesem Titel beschäftigt sich der hochverdiente und in ganz Deutschland hochverehrte badische Zentrumsführer Dr. Josef Schofer tm „Badischen Beobachter" (Nr. 240) mit gewissen, in der Tat außerordentlich bedauerlichen Erscheinungen, die sich in letzter Zeit im politischen Kampfe, namentlich auch in unseren eigenen Reihen, bemerkbar gemacht haben. Insbesondere wendet sich Dr. Schofer gegen die ungerechtfertigten Angriffe, die verschiedentlich gegen unsere Führer erhoben werden. Schofer spricht aus, daß er oft seine Zeit und Kraft dazu verwendet habe, ungerechtfertigte Angriffe auf Dr. W i r t h abzuwehren. Er anerkenne diese Pflicht auch heute noch. Schäfer sagt dann wörtlich weiter:
„Dieselbe Pflicht habe ich aber auch der Partei und ihren Idealen, habe ich ganz besonders der Ehre von anderen verdienten Führern gegenüber. Mein erster Artikel will dieser Pflicht dienen.
Zu diesen Männern rechne ich nicht an letzter Stelle auch den Herrn Reichskanzler Dr. Marx und den aus unserer badischen Heimat kommenden gegenwärtigen Herrn Reichsfi- n a n z m i n i st e r D r. K ö h l e r. Die Gerechtigkeit fordert die Anerkennung der hohen Verdienste von beiden Staatsmännern. Sie liegen auf dem allgemein vaterländischen Felde, sie liegen auf dem kulturpolitischen und sozialen; sie liegen aber auch speziell unter der Fahne des deutschen und badischen Zentrums."
Dr. Schofer wendet sich bann gegen die Tendenz von politischen Bildern, wie sie in der „Deutschen Republik, namentlich in Heft 43, erschienen sind und in denen insbesondere Dr. Marx und Dr. Köhler in ihrem politischen Ansehen und Wirken herabgesetzt werden. Dr. Schofer sagt dazu:
„Wir im Süden haben sicherlich Sinn und Verständnis für Humor und loben ihn. In diesen Bildern ist er aber leider ersetzt durch eine gewisse politische Bosheit und eine wohl gewollte Irreführung und das auf Kosten zweier hervorragender Führer des Zentrums, und auf Kosten des badischen Zentrums. Dagegen setzen wir uns entschieden zur Wehr!"
Dr. Schofer spricht aus, daß diese Karrikatur, bei der Dr. Köhler dargestellt wird als gebrochener Mann, am linken Fuße gefesselt und von Dr Marx von links nach rechts gezogen, deshalb bedenklich erscheint, weil sie in einer Zeitschrift erscheine, die auf dem Titelblatt die Bemerkung trägt: „herausgegeben von Reichskanzler a. D. Dr. Wirt h". Ferner finde man auch den Namen Dr' Köhler unter den Mitarbeitern. Jedermann wisse, daß die Herren Dr. Wirth und Dr. Köhler manches Jahr gemeinsam unter der Fahne des Zentrums Reichs- und Landespolitik getrieben haben. Diese Sachlage hätte nach der Auffassung Dr. Schofers auch bei politischer Meinungsverschiedenheit respektiert werden müssen, wenn man noch eine gewisse Linie des Taktes und des Anstandes anerkennen wollte. Daß diese überschritten sei, könne nicht bestritten werden, es feststellen zu müssen, sei für ihn peinlich.
Dr. Schofer schließt dann seine Ausführungen mit folgenden Worten:
„Ich bin überzeugt, diese meine Stellungnahme wird von der badischen Presse vom Bodensee bis in den Taubergrund einmütig begrüßt. Ihre Traditionen sagen: „Wir schützen die Ehre unserer
Führer!" „ . ,
Wir möchten unsererseits dazu bemerken, daß diese Stellungnahme des hochverehrten und hochverdienten badischen Parteichefs nicht nur im Badener Land, sondern in ganz Deutschland verstanden, gewürdigt und gebilligt wird.
Die Befolöungsfrage.
Zur Bereinigung der zwischen Preußen und dem Reich noch schwebenden Streitfragen m der Beamtenbesoldungsreform findet, wie eine Korrespondenz meldet, am Mittwoch eine Besprechung der Vertreter der preußischen ßanbtagsfrattionen mit dem preußischen Finanzminister statt. Bei ten noch vorhandenen Streitpunkten handelt es sich vor allem um die Pensions- und Diätarsrage, sowie um die Stellung der Beamtinnen.
Im Zusammenhang mit der allgemeinen Besol« bungsreform ist in Preußen eine nicht unroeient- liche Besserstellung ber preußischen L e h r e r s cha f t geplant. Die Lehrer ftanben bisher in Gruppe Vil bis IX, wobei ber Aufstieg tn Gruppe VHI nach dem Dienstalter erfolgte, dagegen der Aufstieg in die Gruppe IX von dem Freiwerden einer gehobenen Stellung abhing. Man denkt nun an eine Zusammenlegung ber Gruppen VII bis IX als gemeinsame Besoldungsgrunblage für alle Lehrer.
Reichsfinanzminister Dr. Köhler ist am Montag nachmittag mit Flugzeug vom Dortmunder Katholikentag nach Berlin zurückgekehrt und hat, dem Börsenkurier zufolge, die Geschäfte wieder über- nommen. Er hatte bereits die ersten Befprechun- gen über die bevorstehende Besoldungsreform.
* Polnische Grenzüberschreitung in Weskpreu- ßen. (Eig. Funkm.) Wie die Weichsel-Zeitung meldet, überschritt am Sonntagabend gegen VAX Uhr in ber Gegenb von Garnsee eine polnische Patrouille in ber Stärke von 7—8 Mann bie Grenze. Der Führer ber Patrouille gehört einer größeren Abteilung an, bie im Graubenzer Gebiet an Manövern teilnimmt. Der Bevölkerung von Westpreußen hat sich infolge ber Häufigkeit der Grenzverletzungen während der letzten Tage begreiflicherweise eine starke Erregung bemächtigt.