Nr. 202
Samstag, 3. September 1927
. Eine deutsche Frau in der Leitung der internationalen Kinderhilfe. Der Generalrat der internationalen Kinderhilfe in Genf hat Frau Anna von Gierke- Berlin, die Präsidentin der deutschen Zentrale für freie Jugendwohlfahrt, in den Vollzugsausschuß gewählt.'
* Handelsvertragsverhandlungen zwischen Amerika und Frankreich. Nach einem Telegramm aus Washington sollen die Verhandlungen für einen Handelsvertrag auf der Grundlage der Meistbegünstigung nächstens von der französischen Regierung begonnen werden.
* Bevorstehende Einberufung der spanischen Nationalversammlung. (Eig. Funkm.) Nach einer Meldung des „Matin" aus San Sebastian wird der Entwurf des Dekrets zur Einberufung der Nationalversammlung dem König am 5. September vorgelegt werden. Die Eröffnungssitzung werde am 10. Oktober stattfinden.
t werden, wenn _ anbei im Stiche vak«i wurde unter
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaaen' Die Meli im Bild" und Buchenblätter". Rotationsdruck unbÄ der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr 9 x Monatlicher Bezugspreis 1.50 Mb >:
Rückkehr der Minister nach Berlin.
— Bersin, 2. Sept. (Eig. Funkm.) Wie die „B. Z." meldet, werden im Laufe der nächsten Woche auch die noch nicht in Berlin anwesenden Reichsminister von ihrem Erholungsurlaub zurückerwartet. Reichskanzler Dr. Marx will am Mittwoch wieder in Berlin fein. Er kehrt mit den katholischen Reichsministern, die gegenwärtig am Katholikentag in Dortmund teilnehmen, von dort zurück.
Auch Reichspräsident von Hindenburg wird sich im Laufe der nächsten Woche wieder von Dietramszell in Bayern, wo er seinen Sommerurlaub verbracht hat, nach Berlin begeben. ______________________
Prinz Wilhelm contra Domela.
—Berlin, 2. September. (Eig. Funkm.) Wie die „B. Z." berichtet, hat Prinz Wilhelm vo n Pre.ußen den Malik-Verlag verklagt, weil er fein Bild neben b em von Do - mela gebracht hat. Er fordert die Einstellung des Verkaufes des Buches, das Domela über feine Streiche a‘s angeblicher Prinz geschrieben hat. Er beruft sich darauf, daß er nicht als eine der Zeitgeschichte angehörige Person zu gelten habe. Aber auch wenn dies der Fall sei, müsse ihm das Recht am eigenen Bilde ebenso zugebilligt werden wie seinem Großvater, dem Exkaiser Wilhelm, der das Verbot eines Kaiserfilmes durchsetzte.
Ernste Besorgnis um das Schicksal der Kauadaflieger Der zum Ozeanflug gestartete „Blaue Vogel" kehrt nach wenigen Stunden zurück.
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♦ Huldiginigsflug für den Reichspräsidenten. Zehn Flugzeuge der Verkehrsfliegerschule München, besetzt mit deren Schülern, waren am Donnerstag vormittag in Schleißheim zu einem Flug nach Dietramszell gestartet, lieber dem Schloß in Dietramszell, wo der Reichspräsident Wohnung genommen hat, warfen sie für ihn eine Huldigungs- obreffe ab unb kehrten hierauf in geschlossenem Zuge toieber nach Schleißheim zurück.
* Die Beratung der Besoldungsreform. Nachdem die Finanzminister der Länder vom 28. bis 30. August in Dresden über die Besoldungsreform beraten haben, soll, wie der „Tag" meldet, am 8. September eine Besprechung der Vertreter der Beamtenverbände mit dem Reichsfinanzminister statt- ouden. Die Einzelheiten der Vorlage will dann -vr. Köhler in einer Rede auf der Beamten- tagung in Magdeburg am 11. September mittei-
Ein kommunistischer Waffenkransport beschlagnahmt. (Eig. Funkm.) In den späten Abendstunden des 31. Augusts wurde bei Grana im Landkreise Zeitz ein Lastauto mit 12 Infanteriegewehren und Infanterie- Munition angehalten. Die Waffen waren aus einem Versteck im Zeitzer Forst ausgegraben worden und sollten nach Halle gebracht werden. Sie gehören Kommunisten, die dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurden.
i ~n‘ 3p1 Reichsfinanzministerium wird über das Ausmaß der Gehaltserhöhungen strengstes Still- | schweigen bewahrt.
.__E'ne rieichsbannerkundgebung gegen den Pots-
Oberbürgermeister. Das Potsdamer ^Elchsbanner veranstaltete am Donnerstag abend auf dem Alten Markt eine Kundgebung gegen den Potsdamer Oberbürgermeister, der anläßlich eines amerikanischer Pressevertreter die Preußenfahne, nicht ober die Reichsfarben hissen Kundgebung selbst verlief ziemlich stürmisch da auf die Hochrufe des Reichsbanners politische Gegner mit einer Gegendemonstration antworteten. An mehreren Stellen kam es wahrend der Kundgebung zu kleineren Reibereien, so daß die Polizei die Ränder des Markt- platzes säubern mußte und die Menge in die Seitenstraßen abdrangte. Beim Abmarsch des Reichs- banners kam es zu verschiedenen heftigen Zusam- menstoßen zwischen Reichsbannerleuten und poli- tischen Gegnern. Eine Berliner Ortsgruppe des Reichsbanners geriet in eine Schlägerei. Die Po- lrzei schritt rn mehreren Fällen ein und nahm eine Anzahl Verhaftungen vor.
. * ,netrincr Alliers und Flaggenfrage. Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, beabsichtigt der Verband Berliner Hoteliers in Kürze die Initiative zu ergelfen, um gemeinsam mit dem Reichs- verband Deutscher Hotels eine für das ganze pteid) verbindliche einheitliche Stellungnahme der deutschen Hoteliers zur Flaggenfrage herbeizuführen. Zu diesem Vorgehen hat man sich, wie die I Korrespondenz weiter berichtet, vor allem entschlossen, um bei der Feier des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten keinen Mißton entstehen'zu lassen. Dre Verhandlungen dürften in der kommenden Woche beginnen.
hielt. Die scharfe albanische Kontroverse hat Italien zuguterletzt mehr geschadet als genutzt und der Reihe nach fielen Rumänien, Bulgarien und Griechenland von Rom ab. Sind auch die Meldungen über eine enge jugoslavisch-bulgarische Annäherung noch verfrüht, so ist doch Bulgarien aus der italienischen Kombination endgültig ausgesprungen. Aber das ersehnte Balkanlocarno bleibt dennoch in nebelhafter Ferne, da Ungarn ganz auf der Gegenseite steht. So ergibt sich die fast paradox erscheinende Tatsache, daß fetzt Frankreich der britischen These gegenüber Sowjetrußland näher gekommen ist, daß aber die kleinen Staaten, die beinahe fast alle schon für die anti-sowjetistische Front zu haben waren, jetzt ihre Bewegungsfreiheit wiedererlangt haben. Rumänien sucht Anlehnung an die Kleine Entente und will einem Konflikt mit Rußland ausweichen. Polen will von einem Krieg an feiner Ostgrenze überhaupt nichts wissen und die beiden slawischen Staaten in Mitteleuropa können sich schon wieder freier bewegen und werden sich nicht so leicht in eine anti-russische Bewegung hinein- dräugen lassen.
Damit aber konzentrieren sich jetzt alle antl-russischen Kräfte gegen das Reich. Man ist in Frankreich sich darüber im klaren, daß man die deutsche Regierung nur durch Zugeständnisse am Rhein wird gewinnen können. Aber in Paris sind es gerade die Militärs, die einerseits die Anlehnung an England wünschen unt> andererseits Deutschland nicht entgegenkommen wollen. Immerhin bemerkenswert sind einige deutschnationale Stimmen aus der allerletzten Zeit, die darauf hindeuten könnten, daß sich auch in Deutschland eine Wandlung vollziehen dürfte. Doch gilt Dr. Stresemann nach wie vor als fest und man zweielt nicht, daß er die deutschen Beziehungen zu Sowjetrußland nach wie vor dem Berliner Vertrag unterordne.
Von geradezu entscheidendem Einfluß auf die
Entwicklung der geschilderten Lage war der Aus - , _, . ... , „ --------,
gang der Marineabrüstungsfrage Di-> Schriftsteller Johannes Vereinigten Staaten haben das englisch-japa- ui sche Bündnis neu erstehen sehen, sie haben ihre Petroleumverträge mit Moskau in Ordnung gebracht und über alle Gegensätzlichkeiten in der Weltanschauung hinweg haben die Vereinigten Staaten alles Interesse an einer aktiven selbständigen Außenpolitik, der es nur erwünscht sein kann, wenn einem mächtigen Großbritannien, das sich mit Japan verständigt, eine drit te Großmacht gegenübersteht, die besonders im Fernen Osten ge- wichtig in Rechnung gestellt werden muß. In Washington will man unter allen Umständen lieber die Aufrechterhaltung des status quo, als eine Störung des Gleichgewichtes.
Leon Fraser, der bisherige Pariser Vertreter des Generalagenten für Reparationszahlungen, der, wie bereits gemeldet, wieder nach Nerv Port zurückgekehrt ist, erklärte, daß eine Revision des Dawesplans ausgeschlossen sei. Dagegen seinichtzuerwar- t e n, daß die festgelegten Jahreszahlungen von 1919 an über sehr viele Jahre hinaus geleistet werden könnten. Trotzdem bezweifle er indessen vorläufig, daß unter den Beteiligten eine Einigung über die Revision möglich sei. Gegenüber der von Bernhard Baruch und anderen Finanziers geäußerten Anschauung, daß der unausbleibliche Konflikt zwischen Reparationszahlungen und Ausländsanleihen die Revision herbei- führen müsse, bemerkt Fraser, daß die deutschen privatwirtschaftlichen Anleihen unbedeutend seien gegenüber den Riesenbeträgen des Dawesplanes. Ihre Amortisation sei auf viele Jahre verteilt, so daß eine Kollision beider Verpflichtungen kaum zu befürchten fei. Fraser fügte hinzu, Deutschland hindere in mancher Hinsicht selbst seine wirtschaftliche Erholung, wie beispielsweise durch den hohen Autozoll, der schädigend wirke, da es selbst keine Massenfabrikation von Automobilen besitze.
* Hochverratsanklage gegen einen Schriftsteller. Der Oberreichsanwalt hat jetzt, wie eine Berliner Korrespondenz meldet, die Anklage gegen den Schriftsteller Johannes R. Becher erhoben. Sie lautet auf Vorbereitung zum Hochverrat und Teilnahme an einer staatsfeindlichen Verbindung, Beschimpfung der republikanischen Staatsform und Gotteslästerung. Ihre Grundlage bildet der Roman „Levite oder der einziggerechte Krieg", die Gedichtsammlung „Der Leichnam auf den Thron" und schließlich ein Gedicht „An Hindenburg".
Seither hat sich im Weltbild vieles geändert. Rumänien ist wieder zur französischen Gruppe zurückgekehrt, Polen, das nach der Ermordung des Sowjetgesandten in einen schweren Konflikt mit Rußland verwickelt zu werden drohte, hat sich mit Moskau soweit verständigt, daß die Verhandlungen über einen Nichtangriffspakt jedenfalls demnächst wieder aufgenommen werden können. Lettland hat seinen Nichtangriffspakt mit Moskau bereits abgeschlossen und der italienisch- ungarische Vertrag, der größere Bedeutung besitzt, als man anfänglich zugeben wollte, hat die Kleine Entente in verjüngter -Macht neu erstehen lassen. Dazu kommen die einzelnen Phasen in dem Ringen um ein Locarno am Balkan. Die diesbezüglichen Bemühungen sind seinerzeit von der Türkei ausgegangen und immer dachte man daran, Ungarn einzubeziehen. Die Bestrebungen gehen bis auf die Zeit zurück, in der Horthy die vielbemertte Rede in Mohacs
Das dritte Reparationsjahr.
1500 Will. Goldmark sind pünktlich bezahlt.
Der Generalagent für die Reparationszahlungen teilt mit, daß mit der am Donnerstag erfolgten Zahlung von 55 Mill. Goldmark durch die Deutsche Reichsbahngesellschaft Deutschland die für das dritte Jahr des Sachverständig genplanes vorgesehene Annuität von 15 0 0 M i l l. Goldmark voll bezahlt habe, mit Ausnahme eines Restbetrages von 20 Mill, auf Konto „Beförderungssteuer", der erst am 15. September fällig wird. Die heute seitens der Deutschen Reichsbahn erfolgte Zahlung stellt den am 1. September fälligen Restbetrag für die Zinsen des dritten Jahres auf die deutschen Eisenbahn- Reparationsschuldverschreibungen dar. Deutschland hat also alle während des dritten Jahres des Sach» verständigenplanes fällig gewordenen Zahlungen in vollem Umfange und pünktlich geleistet. Die Beträge, die im dritten Annuitätsjahr für lieber» Weisungszwecke verfügbar waren, beliefen sich in runden Zahlen auf 1568 Mill. Goldmark, von denen 1 382 Mill, im Laufe des Jahres tatsächlich überwiesen wurden. Die Ueberweisungen in fremder Währung beliefen sich im dritten Annuitätsjahr auf 49,45 Prozent der Gesamtüberweisung. Die Ueberweisungen vermittels Goldmarkzahlungen in Deutschland haben im dritten Annuitätsjahr den Betrag von 50,55 Prozent der Gesamtüberweisungen erreicht. Beim Abschluß am 31. 8. belief sich der Kassenbestand beim Reparationsagenten auf 185 Mill., wovon über 182 Mill, während der letzten Woche des Annuitätsjahres eingegangen waren.
kästen von je 2 Liter Ausmaß mit Lebensmitteln befestigt und an dem andern Ring eine Seine, durch die ein Rettungsboot aus Gummi heran- geholt werden kann, das mit Hilfe einer Flasche mit komprimierter Luft aufgeblasen werden kann. Es ist bis jetzt nicht bekannt geworden, ob das Flugzeug Funkentelegraphie an Bord hat.
Starke Gegenwinde auf dem atlantischen Ozean.
Die Wetterverhältnisse auf dem nördlichen atlantischen Ozean haben sich nach Mitteilung der deutschen Seewarte in Hamburg im Lause des Donnerstag keineswegs gebessert. Auf der ganzen für den Flug Europa—Amerika in Betracht kommenden Strecke zwischen Irland und Neufundland herrschen weiterhin ziemlich starke Gegenwinde aus westlichen Richtungen mit Stundengeschwindigkeiten von vielfach 5 0 S i= I o m e t e r n. Mit einer Aenderung des ungünstigen Flugwetters fei im Augenblick noch nicht rechnen.
Starten die Iunkersflieger noch?
wtb. Dessau, 2. Sept. (Eig. Funkm.) Prof. Hugo Junkers hat an die Besatzung der „Bremen", Koehl, v. Hünefeld u. Loose folgendes Telegramm gerichtet: Bezugnehmend auf telephonische Anfrage betr. Start der „Bremen" möchte ich Ihnen meine Besorgnisse nicht verhehlen, das Unternehmen zu so später Jahreszeit nochmals? in Angriff zu nehmen. Die langen Nächte und schnellwechselnde Witterungslage im September erhöhen das Risiko, sodaß der Flug vom Stand- punktderForfchungundEntwicklunn nicht mehr gerechtfertigt erscheint. Ich halte mich trotzdem nicht für berechtigt, mich den von Ihnen angeführten Gründen zu verschließen und stelle Entscheidung über den Start und dessen Zeit nach Ihrem Wunsche inJhreigenesEr- messen. Ich überlasse Ihnen diese Entscheidung um so unbedenklicher, als ich fest überzeugt bin, daß Sie sich durch öffentliche Diskussion, wie z. B. de- Startes in England oder andere Auswirkungen in Ihrer nüchternen Entschließung nicht beeinflussen lassen.
Reichshaushaltsplan 1928.
Am Donnerstag fand, der „Tägl. Rundschau" zufolge, im Reichsfinanzmrnisterium eine Ressort- besprechung über die Aufstellung des Reichshaushaltsplan für 1928 statt. Vom Reichsfinanzministerium war der Grundsatz für den neuen Haushaltsplan ausgestellt worden, daß keine neuen Beamtenstellen geschaffen werden sollten. Wie das Blatt meldet, wird jedoch von den übrigen Reichsministerien die Notwendigkeit der Einstellung von neuen Beamtenstellen in den Etat 1928-29 vertreten werden. — Der preußische Finanzminister H ö p k er - Aschoff, so berichtet das Blatt weiter, weilte in diesen Tagen bei dem Reichsfinanzminister Dr. Köhler in Marienbad, um mit ihm über die Frage der Besoldungsreform zu verhandeln.
Die brittschen Bemühungen um die antirussische o^nt waren nach verschiedenen Richtungen hin an gesetzt. Man muß dies auseinanderhalten, um • ~®9e am Vorabend der neuen Tagung
in Genf richtig würdigen zu können. Vor allem war Chamberlain bemüht, Frankreich zu einer offenen Stellungnahme zu be - wegen Frankreich stand damals mitten in den Wirtschaftsverhandlungen mit der sowjetrussischen Delegation und beide Partner waren schon sehr nahe daran, in der Schuldenfrage zu einem Ausgleich zu kommen. Die Anleihe an die Sowjets unb Erdölkonzessionen an Frankreich standen in greifbarer Nähe. Und obwohl es sich die ftanzö- stsche Regierung sehr wohl überlegte, ftanzösische Chancen m den Wirtschaftsverhandlungen mit Moskau den Engländern zuliebe aufzugeben, blieben diese Verhandlungen selbst schließlich ergebnislos und seither hat sich in Paris manche Wandlung vollzogen .Weitere britische Bemühungen waren der Gewinnung der kleinen Staaten gewidmet. Rumänien war bereits in italienisches ^«Mfer eingeschwenkt, Ungarn für die englische Richtung in Mitteleuropa gewonnen, Jugo- flauten formte leicht überwältigt werden, wenn London es nur in einem seiner ließ, selbst die Tschechoflo Druck genommen und Frankreich war ans erseh en' m Prag seine diesbezüglichen Einflüsse geltend zu machen. Die entscheidenden Schritte behielt sich Chamberlain gegenüber Deutschland vor. An der Geschicklichkeit Dr. Stresemanns scheiterten alle feine Mühen. Als es klar wurde, daß die Kompensationen an Deutschland nur auf Kosten Frankreichs erfolgen konnten, erkrankte Briand prompt an einer Mandelentzündung und die Tagung fand ein jähes Ende.
Die Radio-Station R u gb y sandte am Donnerstag nachmittag an alle Schiffe auf hoher See die Mitteilung, daß sie keinerlei Nachricht von dem „St. Raphael" und seiner Besatzung, den Fliegern M i n ch i n und Hamilton und der Prinzessin Loewenstein-Wertheim erhalten habe.
Auch in Newyork liegt keine Meldung eines Dampfers vor, daß er den Fliegern begegnet wäre. Sämtliche Anfragen an die zwischen Amerika und Europa sowie in umgekehrter Richtung verkehrenden Schiffe blieben erfolglos.
Die Besorgnisse, die man für die Flieger hegen muß, sind um so begründeter, als inzwischen das Wetter über dem Atlantik sich außerordentlich verschlechtert hat. Sowohl die Hamburger Seewarte, als auch die englischen und amerikanischen Wetterstellen berichten von einem ausgedehnten Tief, das über den Ozean wandert, und das schwere Stürme, Regen und Nebel mit sich bringt. Die gleiche Witterung herrscht über der kanadischen Küste. Man befürchtet, daß die englischen Flieger a b g e st ü r z t oder zum mindesten vom Kurs abgewichen sind.
Abgebrochener französisch. Ozeanflug
wtb. Le Bourget, 2. Sept. (Eig. Funkm.) Das Farman-Flugzeug „Blauer V o g el", das heute vormittag um 6.32 mit den Fliegern Givonund C o r b u an Bord auf dem Flugplatz Le Bourget aufgeftiegen war, ist nach dem Abflughafen zu rück gekehrt. Es ist nach Entleerung der Tanks gegen 10 Uhr auf dem Flugplatz Le Bourget gelandet.
Der „Blaue Vogel" hat ein Leergewicht von 4000 Klg. und ein Gewicht mit Belastung von 11500 Klg. Er ist ein Farman-Doppeldecker mit Zwei Motoren von je 500 PS. Der Apparat führte 9600 Liter Benzin mit. Er hat bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 140 Kilometern einen Aktionsradius von 7000 Kim. und kann sich 60 Stunden in der Luft halten. Jeder der beiden Flieger hat einen Fallschirm und Rettungsringe. An dem einen der Rettungsringe sind zwei Blech-
„®te anti-russischen Einkreisungsversuche werden also in Genf jedenfalls fortgesetzt werden unter veränderten Umständen, deshalb nicht in abgeschwäch- tem Maße, der Erfolg wird aber nicht leichter zu erringen sein als auf der vorigen Tagung, wo er ganz ausblieb. Immerhin sind starke Kräfte am Werk, um wenigstens Deutschland zu einer klaren Stellungnahme zu zwingen. In der vorderen Front stehen dabei die Franzosen, deren Aktionsradius allerdings da- durch gehemmt wird, daß sie die Rechnung selbst bezahlen müßten. Die Situation gestaltet sich also derart vielseitig, daß sich für tüchtige Politiker unb schlaue Diplomaten ein reiches Betätigungsfeld bieten wird. Der Völkerbund selbst kann daraus an moralischer Kraft und an tatsächlichen Erfolgen wenig gewinnen, er steht vielmehr im Begriffe, von fetufe zu Stufe zu sinken. Die deutsche De le/ äatJ,0!? lvwd allerdings Gelegenheit haben, ihre ftaatsmannischen Fähigkeiten vor einer Welt «iS1 e5 Gegenkräfte zu bewähren, ^eder Erfolg, der ihr beschieden sein wird, wird der Erhaltung des Weltfriedens dienen.
» EinselMmmer 10 Pia (mit Mr. VeilM 15 W Fuldaer Zeitung ______Anzeiger lür die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Die Weltlage in Genf
1 , Die letzte Genfer Tagung stand ganz im Zeiten des Abbruches der englisch-russischen Bezic hungern Wenn auch in den offiziellen Sitzungen kein Wort über dieses wichtige Ereignis gesprochenwurde, so bemühte man sich, hinter den Kulissen umso eiftiger, die Stellungnahme der einzelnen Machte und Staaten zu dem großen Konflikt zu erkunden. Es kann heute keinem Zweifel mehr unterliegen, daß der englische Außenminister seinen ganzen Einfluß dahin auszuüben bestrebt war um die sogenannte sowjetistische Einheitsftont zustande zu bringen. Erst als keinerlei Aussicht mehr war, sie auch mir zum Teil zusammenzuschmieden, ftejlte man alle diesbezüglichen Versuche in Abrede. England hatte niemals daran gedacht, andere Staaten gegen die Sowjetunion in diplomatische Kombinationen zu bringen. Trotzdem war gerade der englisch-russische Konflikt der entscheidende Au - l°ß dazu, daß die letzte Völkerbundstagung so sang- und klanglos auseinanderlief und daß der Völker- bund selbst seither nur mehr propagandistische Zwecke verfolgen konnte, ohne in die großen politischen Zages fragen auch beratend einzugreisen.