Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk

Nr. 198

Dienstag, 30. August 1927

S4.Zahrg

Erscheint sechsmal wöchentlich. Mochenbeilaqen: Die Welt im Bild" und „Buchenb'ätter". Rotationsdruck ü'nd Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr 9 _________Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk. ' ;,i

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JU, auswärts 0,20 .TU. Reklamezeile: lokal 0,60 5U, auswärts 0,80 5U. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. 9lt. 4051.

Jur Frage Her europäischen Zollgemeinschast

Entschließungen der Interparlamentarischen Zrieüensunion

In dieser Diskussion ergriff der deutsche Rerchstagsabgeordnete Dr. Schneider das Wort, der mit Genugtuung feststellte, daß ein Vorschlag des deutschen Außenministeriums und des deutschen Wirtschaftsministeriums aus der Welt- wirtfchastskonferenz eine Reihe von Beschlüssen zur Lösung der Wirtschastsftagen zur Folge gehabt habe. Die Reichsregierung ihrerseits habe sich auf den Boden dieser Beschlüsse gestellt und bereits mit deren Durchführung begonnen. Als greifbares Ergebnis, das geeignet sei, eine Entsvannung in der gegenwärtigen Wirtschaftslage zu schaffen, be­zeichnete Dr. Schneider den Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertra­ges. Diesem Plus stehe leider auf der anderen Seite der Zollkrieg zwischen Deutschland und Polen gegenüber, der vielleicht für einzelne Nutznießer hüben und drüben von Vorteil sein möge, der aber für beide Völker nur Nachteile mit sich bringen müsse. Um zu einer wirklichen Zollver­ständigung zu kommen, niüsse man dem Beispiel Amerikas folgen und zunächst die Arbeit und die Industrie rationalisieren, alsdann eine Jnteressenverständigung von indu­striellen Gesichtspunkten aus organisieren, um schließlich nach und nach die Zollschranken fallen zu lassen. Im gleichen Sinne äußerten sich der französische radikale Abgeordnete Borel und Chambrun. Der Amerikaner Birton for­derte vollkommenen Freihandel und ein englischer Politiker äußerte sich in gleichem Sinne. Der bel­gische Abgeordnete Cranquart bezeichnete es als notwendig, zunächst einmal den Anfang zu machen durch Erweiterung der französisch-belgisch- luxemburgischen Verständigung. Wenn Holland und die Schweiz, so äußerte er, sich uns anschließm, werden wir sie aufnehmen. Selbst Deutschland wird willkommen sein. Wir haben nur einen Ge­danken, den Frieden zu sichern, und wir sind der Ansicht, daß, wenn wir dieses Ziel-erreichen wol­len, es unerläßlich ist, sich auf wirtschaftlichen Ge­bieten zu verständigen.

Die Debatte über die europäische Zollvereini­gung in der Nachmittagssitzung des Kongresses der Interparlamentarischen Friedensunion endete mit der einstimmigen Annahme der vom Bericht­erstatter Treub-Holland vorgelegten Resolu­tionen. Angenommen wurde gleichfalls ein Antrag des französischen radikalen Abgeordneten Borel, der statt der sofortigen Aufhebung der Zolltarife eine Graduelle fordert. Der belgische sozialistische Abgeordnete P i e r a r d wandte sich dagegen, daß zwischen Frankreich und Belgien die wirtschaftlichen Beziehungen gespannt seien. Reichsminister a. D. Dernburg-Deutsch- l a n d wies darauf hin, daß infolge des Krieges gewisse Staaten gegenüber anderen Staaten mär­

chenhafte Schulden hätten eingehen müssen. Jeder Schuldner sei darauf bedacht, seinen Ver­pflichtungen nachzukommen; aber da es für jeden Staat, welcher es auch fei, unmöglich sei, sich durch Zahlung in Gold seiner Schuld zu entledigen, müßte man den Export von Waren erleich­tern. Im gleichen Sinne äußerte sich L o u ch e u r, der als praktisches Beispiel für diesen Zustand die Schuldsumme Frankreichs bei den Vereinigten Staaten anführte. Loucheur wandte sich im übrigen gegen die Schaffung ei n e r europäischen Wirtschaftseinheit, die man der Wirtschaftseinheit der Vereinigten Staa­ten entgegenstellen müsse. Gewiß, man könne eine europäische Wirtschaftseinheit schaffen, aber wel­ches würde die Folge sein? Angenommen, mor­gen würden die Vereinigten Staaten von Europa verwirklicht werden, wo würde die Stahlindustrie sich niederlassen? Natürlich dort, wo sich Kohlen­vorkommen befänden; so würde der Fall eintre­ten, daß bei einer einzigen Nation sämtliche Mög­lichkeiten der Stahlproduktion sich befänden, / die doch die stärkste Waffe nicht nur vom wirtschaft­lichen, sondern auch vom politischen Gesichtspunkt aus fei. Von welcher Seite man das Problem der Abrüstung und das Wirtschaftsproblem an- schauen möge, man fei sich darüber klar, daß keines von beiden gelöst werden könne, solange die Frage der Sicherheit der Völker selber nicht gelöst fei. Das fei auch der Grund dafür gewesen, daß Frank­reich 1924 auf der Genfer Konferenz klar erklärte: Sicherheit durch Schiedsveffahren und durch die Verpflichtung her Völker, sich gegen ihre Angreifer zu wenden. Also Abrüstung, Schiedsgv- richtsverfahren und Sicherheit, das sei die Trilogie, die man auf wirtschaftlichem Ge­biet heute wiederfinde.

Der Streit um die belgische Neutralität.

Der Rat der Interparlamentarischen Friedens­union trat heute mittaa zusammen, um die vom Präsidenten Senator M a q n e t t e eingebrachte Tagesordnung, in der einmütig die Verletzung der belgischen Neutralität als ein höchst bedauerlicher und zu verwerfender Akt verurteilt wird, zu prüfen. Wie Havas berichtet, hat der Rat über seinen Beschluß nichts bekannt gegeben, doch glaubt die Agentur zu wissen, daß nach einer sehr böslichen Ausfvrache der Rat beschlossen habe, eine Sonderkommission zu bilden, um besonders zu prüfen, ob der Konferenz die Tagesordnung vorgelegt werden soll. Erst nach der Beratung dieses Unterausschusses wird her Rat seinen Be­schluß bekannt geben. Der von ihm ernannte Un­terausschuß besteht aus dem Vorsitzenden her In­terparlamentarischen Friedensunion, Baron Adels- ward, dem deutschen Reichstagsabgeordneten Pro­fessor Dr. S ch ü ck i n g und dem belgischen libe­ralen Abgeordneten Eoc. Hierzu ist zu bemerken: Infolge her Tatsache, daß der Rat zu feinem Ent­schluß gekommen ist. wurde die Diskussion über die Tagesordnung Magnettes, die auf sechs Uhr nachmittags festgesetzt worden war, auf D i e n s • nachmittag 4 Uhr vertagt.

Protest des volnischen Amnestie-Ausschusses gegen die Warschauer Negierung.

wtb. Paris, 29. August. (Eig. Funkm.) Wie Paris Matinal berichtet, hat der Ausschuß für die Amnestie in Polen Vertretern der Interparlamen­tarischen Friedensunion einen Protest gegen das Vorgehen her polnischen Regierung in Form einer Denkschrift überreicht, in der über Fälle von B c - einträchtigungen des p arlam entari - schenRechtes und der demokratischen Grundsätze durch die verschiedenen polnischen Regierungen in den letzten fünf Jahren berichtet wird. In Polen herrsche der weiße Terror. Die nationalen Minderheiten würden unterdrückt, die Regierung des Marschalls Pilsudski gleiche durchaus dem Faszismus.

Die m Pans tagende Interparlamentarische Friedensunion beschäftigte sich in ihrer Vor- und Nachmittagssitzung am Samstag mit bet Frage £.er Zollgemeinschaft.

Der Berichterstatter, der frühere holländische Fi­nanzminister Treub, legte Sem Kongreß eine Reihe von Beschlüssen des Unterausschusses für diese Frage vor. U. a. wird hierin mit Bedauern eine Tendenz der Staaten festgestellt, ihre Zolltarife heraufzusetzen. Die Konferenz empfiehlt den Ab­schluß von regionalen Zollabkommen zwischen Län­dern, die besondere Gesamtinteressen hätten, jedoch nntet der Bedingung, daß derartige Abkommen nicht gegen einen Dritten gerichtet seien. Anderer­seits wird der Völkerbund aufgefordert, für die Annahme und Durchführung der Beschlüsse der Weltwirtschaftskonferenz durch die Mitgliedsstaaten zu sorgen. Schließlich wird der bereits mehrfach zum Ausdruck gebrachte Wunsch, die Paßvisa abzu­schaffen, wiederholt. Alle diese Resolutionen sollen sofort dem Völkerbund und den Regierungen über­mittelt werden.

Zum Konkurs der Himmelsbach G.

wtb. Freiburg i. Br„ 29. Aug. (Eig. Funkm.) Der Konkursverwalter der Gebe. Himmelsbach A. G. teilt mit: In der Gläubigerversammlung wurde bekannt ge­geben, daß als neuer Gläubiger der bayerische Staat eine Forderung von 3,5 Millionen ange­meldet habe. Der bayerische Staat verlange von der Konkursmasse die Zahlung des ganzen Holzes, das auf Grund der „Coupes-supplementaires" in den pfälzischen Staatswaldungen geschlagen worden ist, ferner Ersatz des Verlustes, der durch den vorzeitigen Einschlag noch nicht hiebreifer Bestände 'entstanden ist und die Bar- ausgaben für den Wiederaufbau der abgesorsteten Stre­cken, mit der Begründung, daß die Gemeinschuldnerin durch den Abschluß der Coupes-supplementaires-Verträge und ihre Durchführung sich dem bayerischen Staate ge­genüber schadenersatzpflichtig gemacht habe, weil sie ohne Genehmigung des Waldeigentümers über Staatswaldun- fien verfügt habe.

* Manbaksniederlegung in Hessen. Der Zen­trumsabgeordnete Arbeitersekretär Karl Felder aus Mainz wird sein Landtagsmandat mit hem 1. September niederlegen. Als fein Nachfolger wird der Parteisekretär her christlichen Gewerk- schäften Jos. W e s p - Darmstadt in den Landtag eintreten.

* Der deutsche Botschafter bei Driand. Der deutsche Botschafter in Paris, von Hoesch, hatte am Samstag eine neue Unterredung mit dem Außenminister Briand, in der allgemeine Fragen der deutsch-französischen Politik erörtert wurden. Der Botschafter brachte bei dieser Ge­legenheit Briand die Befriedigung zum Ausdruck, oif die deutsche Regierung trotz der bedauerlichen ^sihterfüllung einiger ihrer Forderungen über den Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertra­gs empfinde. Briand sprach in ähnlicher Weise die

Genugtuung der französischen Regierung über den erfolgten Abschluß aus.

* Zurückerstattung von amerikanischen Kriegs­trophäen an Deutschland. Nach einer Meldung des „Newyork Herold" aus Newyork wird Oberstleut­nant Crouse C o o k mit dem Hapagdampfer „Ham­burg" nach Deutschland abreifen, um etwa 5 00 Kriegstrophäen, darunter zahlreiche Orden und Ehrenzeichen, die an der Front gefunden und gesammelt worden "waren, an die ehemaligen deut­schen Kriegsteilnehmer zurückzuerstatten. Er er­klärte, daß er nicht mehr an ihrem Besitz interes­siert sei.

* Offener Brief der Kommunisten an den fran­zösischen Justizminister. Die französischen Abge­ordneten Cachin, Doriot und die übrigen 13 wegen antimilitaristischer Kundgebung im Gefängnis sitzen­den Kommunisten erklären in einem in der kom­munistischen „Humanste" veröffentlichten Vries an den Justizminister, sie würden, falls Marty die Vergünstigungen der politischen Gefangenen wegen seines offenen Brieses an Marschall Fach weiter entzogen würden, die öffentliche Meinung des gan­zen Landes mit der Angelegenheit befassen.

Traversier in Boston.

wtb. Boston, 28. August. (Gig. Funkm.) Heute fand die Einäscherung her Leichen Saccos unb Vanzettis statt. An dem Leichenzuge, her sich 8 Meilen lang durch die Straßen bis zum Kre­matorium bewegte, nahm eine nach Tausenden zählende Menschenmenge teil. Miß Donovan vom Sacco- und Vanzetti-Koinitee hielt eine Rede, in der sie Saeco und Vanzetti als die Opfer krasse­ster Plutokratie, die die Welt seit den Zeiten des alten Rom gekannt habe, bezeichnete.

13vr llabinettssihmlg am Dienstag

An der Sitzung des Reichskabinetts am Diens­tag werden, wie das „B. T." berichtet, voraus­sichtlich nur Reichsaußenminister Dr. Strese- mann, Reichswehrminister Dr. Geßler, Reichsernährungsminister Schiele unb Reichs­innenminister v. Keudell teilnehmen. Ob Vizekanzler H e r g t unb Reichsverkehrsminister Dr. Koch anwesend sein werden, ist noch zweifel­haft. In der Sitzung selbst wird vor allen Din­gen die außenpolitische Lage besprochen werden. Eine besondere Rolle wird dabei zweifellos die Frage der Verminderung der Rheinlandbe- s a tz u n g spielen. Daneben dürste aber auch die deutsche Vertretung in her Mandatsko mm isson zur Sprache kommen. Es steht fest, baß die Frage der Neuverteilung der Mandate auf dieser Tagung des Völkerbundes durch Deutschland nicht ange­schnitten werden wird. Wer als deuffcher Vertre­ter in die Mandatskommission entsandt werden wird, steht noch nicht fest. Neben den außen­politischen Fragen werden noch laufende Angele­genheiten innerpolitischer Natur von den Ministern besprochen werden.

Die Beiolöimgsref^rm.

Die Verhandlungen über die Reform der Be­amtenbesoldungen, die während des Kuraufenthalts des Reichsfinanzministers in Maricnbad gepflogen werden, stehen, wie die „Voff. Ztg." meldet, un­mittelbar vor dem Abschluß. Dr. Köhler hat in Marienbad ausschließlich die Beamtensachverstän- digen her Koalitionsparteien empfangen unb ange­hört, n ämlich die Abgeordneten A l l e f o 11 e (Zentrum), Schmidt (Sn.) und Morath (D. V. P.). Auch über die Rückwirkung auf die Privatwirtschaft hat Dr. Köhler sich ausschließlich von Vertretern der Regierungsparteien unterrich- [ ten lassen. Die Opposition wurde nicht zu Rate gezogen. Die Vorlage soll so rechtzeitig fertig- gestellt werden, daß sie vom Reichstag noch in her kurzen Oktobertagung beraten werden tarnt

* Verhaftung eines angeblichen deutschen Spi­ons in Saargemünd. „Petit Journal" berichtet aus Saargemünd: Ein Reservist meldete seinem Vorgesetzten, ihm seien 1000 Franken für die Aus­händigung eines selbsttätigen Gewehrs, Modell 24, angeboten worden. Dadurch gelang es, einen aus Wiesbaden gebürtigen deutschen Reichswehr-Leut­nant festzunehmen, bei dem man Pläne von Mailly unb Bitsch sowie eine Liste fand, die Angaben über Offiziere unb Mannschaften unb deren Verwen­dung enthält. Anmerkung des Wolff-Büros: Diese Meldung muß mit großer Vorsicht ausgenom­men werden. Wie von zuständiger deutscher Seite hierzu erklärt wird, ist es völlig ausgeschlos- s e n, daß ein Reichswehroffizier mit Wissen und Billigung feiner vorgesetzten Stellen sich mit der­artigen Angelegenheiten befaßt.

* 23 neue Minberheilsfchulen in Osloberschlesien. Die polnische Presse bringt kommentarlos die Mel­dung, daß im kommenden Schuljahr in Ostober­schlesien 23 neue Minderheitsschulen eingerichtet werden.

Dos Besatzlingskoinproinitz.

Das Foreign Office gibt amtlich bekannt, daß zwischen England, Frankreich und Belgien über die Stärke der Besatzungstruppen im Rheinlands eine Regelung erfolgt sei. Einzelheit en werden nicht bekanntgegeben, Ein Beamter des Foreign Office erklärte, daß eine proportionierte Herabsetz­ung der Truppenstärke im Rheinlande stattfinden werde. Die Gesamtzahl der Truppenstärke werde 60 000 Mann betragen. Reuter zufolge verlautet, daß die französische Regierung ihre Truppen um 8000, die britische und die belgische Regierung um insgesamt 2000 Mann herabfetzen werden. Die Ge- famtherabsetzung der Rheinlandtruppen würde d a­her 10000 Mann betragen.

Zu dem in der Frage der Herabsetzung bet Rheinlandtruppen erzielten französisch - britischen „K o m p r o m iß" auf der Basis der letzten Vor­schläge des britischen Kabinetts berichtet die „Ti­mes" aus Paris: Die britisch-französischen Mei­nungsverschiedenheiten sind überwunden. Die fran­zösische Regierung hat grundsätzlich die Auslegung der Funktionen des Besatzungsheeres nach der bri- ttschen Version angenommen, daß nämlich der HauptzweckdesBesatzungsheeresdie Garantie für die deutschen Zahlun­gen gemäß dem Dawesplan sei. Die Frage der Sicherheit ist nicht erörtert worden. Die britische Regierung stimmte einer Herabsetzung um nur 10 000 Mann zu. Es werde erwartet, daß Frank­reich davon 8000 Mann zurückziehen werde. Es be­stehe guter Grund zu der Vermutung, daß es sich hier um die endgültige Lösung der Frage handelt, und daß die französische Regierung die Annahme dieses Vorschlages noch vor dem Zusammentritt der Genfer Konferenz vornimmt. Die Gesamtzahl der Truppen im Rheinland würde dann etwa 60 000 Mann betragen, und es verlaute, daß die belgische Regierung ebenfalls mit dieser Lösung der Frage einverstanden ist. Der „Times"-Berichterstatter gibt zu, daß in Paris eine Tendenz besteht, die Locarnoabkommen so zu behandeln, alsobsieniemalsabgeschlossen worden wären und jedenfalls wertlos für die Wiederherstel­lung und die Aufrechterhaltung des Friedens seien.

Pertinax berichtet dem „Daily Telegraph" aus Paris, die Frage der Verminderung der Rhein­landtruppen könne jetzt als erledigt betrachtet wer­den. Etwa 1800 britische, 1100 belgische und 6800 französische Soldaten würden zurückgezogen wer­den.

* Rückreise von Amerikanern aus Frankreich. Der „Jntransigeant" berichtet aus Cherbourg, daß 1500 Amerikaner wieder nach den Vereinigten Staaten zurückgereist sind und daß 1700 weitere ihre Schiffsplätze belegt haben. Dies ist, wie das Blatt schreibt, ein außerordentlich ernst zu neh­mender Hinweis, der erlaubt, abzuschätzen, wie teuer Frankreich ein Abend internationaler Mobili­sierung zu stehen kommt. (Gemeint ist die Ma­nifestation in Paris gegen die Hinrichtung von Sacco unb Vanzetti.)

Auf dem Flug um die Welt.

wieder ein geglückter Transozeanflug.

Die amerikanischen Piloten Brock unb Schles, die von D e t r o it aus mit ihrem Flugzeug „Stolz von Detroit" 5,14 Uhr amerifani« konischer Zeit zu dem Transozeanflug gestartet waren, sind am Sonntag morgen 10,33 Uhr auf dem Flugplatz Croydon bei London gelan­det, haben also die erste Etappe ihres Weltfluges in etwa 24 Stunden zurückgelegt . Der gelbe Ein­decker näherte sich dem Flugplatz bei schönstem Sonnenschein mit großer Schnelligkeit unb landete vollkommen glatt unter den Beifallsrufen einer vielhundertköpfigen Menge. Die Flieger wurden bei ihrer Landung von Äerttetern her Behörden bewillkommnet und fuhren bann sofort im Auto nach Lonbon. Sie erklärten, sie hätten eine glän­ze n b e Ueberfahrt gehabt fühlten sich aber trotzbem ermübet. Der Start zu her zweiten Etappe ihres Welffluges würbe morgen früh 8 Uhr erfolgen.

Der Pilot Schlee erklärte in einem Interview, bas Flugzeug „Stolz von Detroit" hätte brei Stunben lang die Orientierung verloren, als es in einer Höhe von 5000 Fuß über biden Wolken über bie Grafschaft Devon flog. Zuerst hätten ble Flieger geglaubt, sie wären über Irland. Da aber die Küste anders aussah, seien sie auf 200 Fuß herabgegangen, lieber einer Ortschaft hätten sie einen Zettel niederfallen lassen mit her Frage, wo sie sich befänden. Jemand habe in bitten Buchstaben mit Kreide auf den Boden geschrieben: Seaton, Grafschaft Devon, unb bie Küstenwache« habe die Nationalflagge gehißt. Nun hätten sie Pescheid gewußt. Schlee sagte weiter, auf ihrem Fluge hätten sie nichts gegesien, aber viel Wasser getrunken. Betriebsstoff hätten sie noch für acht Stunden gehabt. Ihre Mafchine befinde sich in tadelloser Verfassung.

Die beiden Flieger berichten weiter, daß sie in Höhen von 200—10 000 Fuß geflogen sind. Das Flugzeug geriet sehr oft in der Dunkelheit in Luft­löcher, die es wie einen Stein 200 bis 300 Fuß durchsacken ließen. Ihre Geschwindigkeit betrug durchschnittlich 80 Meilen die Stunde, war jedoch ehr verschieden. Von 355 Gallonen Benzin, die beim Start an Bord genommen wurden, ist unge­fähr nur die Hälfte gebracht worden. Schlee er­klärte weiter: Wir versuchen einen Rekord für den Flug um bie Welt zu schaffen, her von Evans aufgestellte Rekorb ist 26 Tage unb wir versuchen, ihn zu brücken. Am Sonntag nachmit­

tag begaben sich bie beiben Flieger nach Croybon, um ihre Maschine zu besichtigen, an her Mechaniker ben ganzen Tag gearbeitet hatten.

Der „Stolz von Detroit" nach München gestartet.

wtb. Lonbon, 29. Aug. (Eig. Funkm.) Das Flugzeug „Stolz von Detroit" ist heute vormittag 8.31 Uhr zum Fluge nach München gestartet.

(Ein Flugzeug nach Amerika unterwegs.

Ein am Sonntag um 21 Uhr auf her Insel Va­lentin (Sübwestirlanb) aufgefangener Funkspruch bes Dampfers „California" berichtet, baß ein Ein­becker auf 51 Grab nörblicher Breite unb 24 bis 25 Grab westlicher Länge in 1000 Fuß Höhe g e - sichtet würbe, her in westlicher Richtung flog.

Anmerkung bes WTB.: Nach ben Informatio­nen, bie wir zu biefer Melbung eingezogen haben, kann es sich nicht um ein beutsches Flug­zeug hanbeln. K ä n n e tf e, ber bekanntlich einen Zweihecker fliegt, ist noch in Köln. Von Junkers würbe auf Anfrage erklärt, daß bie „Bremen" unb „Europa" noch in Dessau seien. Die übrigen in Vorbereitung befindlichen beutfchen Ozeanflugpro­jekte sinb nach Ansicht eines von uns befragten her- oorragenben Fachmannes noch nicht fo weit ge- biehen. Unter biefen Umständen liegt die Annahme nahe, daß es sich um ein englisches ober franzö­sisches Flugzeug handelt, vorausgesetzt, daß die Be­obachtungen ber „California" richtig gewesen sinb,

Dos Wetter über dem Atlantik.

wtb. Hamburg, 29. August. (Eig. Funkm.) Die Wetterlage auf hem Ozean hat sich, wie das Seeflugsreferat ber beutschen Seewarte in Ham­burg heute vormittag mitteilt, wieher verschlech­tert. Aus bem Raum zwischen Grönland und Labrador ist ein neuer Ausläufer eines Tiefs süd­ostwärts vorgestoßen. Unter seinem Einfluß fine bie Winde neuerdings stark aufgefrischt. In ziem­lich großem Umfange fällt Regen. Auch das übet dem westlichen Atlantik liegende Hochdruckgebie! ist wieder abgeflacht und zeigt Verfallserscheinun­gen. Für einen Flug von Europa sind somit die Wetterverhältnisse wieder recht ungünstig geworden.