Nr. 196
Samstag, 27. August 1927
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des Locarno-Bertages geltend gemacht, einmal die
und überwältigt, das durch Offenheit unb Ehr- uchkert die Völker zur Nachahmung zwingt Als wlches würde ich es ansehen, wenn Frankreich au Deutschland sagte: Vom 1. Januar 1928 ab steht kein französischer Soldat mehr auf deutschem Boden, oder wenn Deuffchland zu Frankreich sagen wurde: Wir erklären offen, daß wir auf jede Vermehrung unserer Heeresstärke verzichten, weil ja die deutsche Abrüstung der Anfang der allgemtzi-
funden haben, und zwar waren diese Richter die andere Partei. Durch den Vorwurfderallei- nigen Kriegsschuld fühlt sich das ganze deutsche Volk in seiner Ehre getroffen. Es ist höchst bedauerlich, daß zwei Jahre, nachdem die ganze Welt den Locarno- Vertrag als ein Werk der Befreiung begrüßt hat, die Bedeutung dieses Vertrages an dieser bedeutsamen Stelle in Frage gestellt worden ist. Der Redner hat zwei Einwände gegen den Wert
mals hat der deutsche Reichstagsausschuß den Vorwurf gegen Belgien erhoben, daß es selbst seine Neutralität verletzt hätte. Es findet sich lediglich in dem Gutachten eines einzelnen Parlamentariers eine beiläufige Bemerkung über die Verwirkung der belgischen Neutralität durch Belgien selbst. Senator de Jouvenel hat ferner gegen den Gedanken einer Untersuchung der Schuld am Weltkrieg ein- gewandt, die Richter seien noch nicht geboren, die fähig seien, über dieses Problem zu urteilen. Man
würde ich schon darin, wenn England oder Amerika trotz des Scheiterns der Abrüstungsverhandlungen von sich aus erklären würde: Wir werden unsere Rüstungen um 20 Prozent vermindern und dadurch ein weithin leuchtendes Beispiel geben. Wir rufen nach dem Staatsmann, der einen solchen kühnen Schritt wagt, auch gegenüber dem Mißtrauen bei seinem eigenen Volke.
Zusicherung, die Deutschland gegeben worden ist für den Fall, daß auf Grund Artikel 16 des Völkerbundspaktes der Völkerbund eine internationale Execution verhängen sollte, zum anderen dem Abschluß des Berliner Vertrages zwischen Deutschland und Rußland. Was die erste Beanstandung anlangt, so handelt es sich um nichts weiter als um eine Anerkennung der besonderen Situation, in der sich das deutsche Volk durch seine Abrüstung befindet. Wie kann man es dem deutschen Volke verübeln, daß es bestrebt war, ohne die großen Kampfmittel der Ge'genwart, im Zustande der einseitigen Entwaffnung, das Elend von seinem Lande fern zu halten, das die Verwirklichung der kriegerischen Aktion für uns mit sich bringen müßte. Was den Berliner Vertrag anbetrifft, so ist dieser der Ausfluß des Bestrebens gewesen, gewisse Befürchtungen zu zerstreuen, die der Abschluß des Vertragswerkes von Locarno und der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund hervor- gerufen hatten, Befürchtungen in dem Sinne, daß Deutschland durch feine* Vereinbarungen mit den Weftmächten und dem Eintritt in den Völkerbund sich auf eine planmäßige antirussische Politik festgelegt habe. Diesem Ziele entsprechend enthält auch der Berliner Vertrag sowohl in seinen vier Paragraphen wie in dem darauf folgenden Notenwechsel nichts, was den durch Deutschland in Locarno und Genf übernommenen Verpflichtungen widerspreche. Besonders befremdet aber hat uns die Tatsache, daß Herr de Jouvenel die Beanstandungen gegen unsere Politik zum Anlaß genommen hat, um die FortdauerderBesetzung am Rhein nicht nur zu begründen, sondern sogar die Rheinlandbesetzung als einzig wirksame Friedensgarantie nach dem Osten hinzustellen. Wir sind der Ansicht, daß sowohl die Bestimmungen des Versailler Vertrages uns das Recht geben, die Räumung zu fordern als auch, daß die veränderten Umstände, die durch Locarno und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund geschaffen sind, für die Gegenseite die Verpflichtung begründen, Deutschland von den Lasten der fremden Militär- Okkupation zu befreien.
Die deutsche Delegation bekennt sich aus vollem
De Jouvenel schloß: „Wenn man so lange Zeit Gegner war, muß man sich langsam auf den Weg der Freundschaft begeben, anstatt durch Ueberstür- zung einen neuen Bruch herbeizuführen. Frankreich will den Frieden; aber es will seinen Frieden nicht trennen vpn dem Frieden der anderen. Ein Europa — ein Friede, das ist unser Grundsatz." De Jouvenel erntete für feine Ausführungen lebhaften
Senator de Jouvenel.
Auf die Rede des Reichstagspräsidenten L ö b e antwortete in der Nachmittagssitzung der Interparlamentarischen Friedensunion, in der die Diskussion über den Tätigkeitsbericht fortgesetzt wurde, S e- nator Henri de Jouvenel folgendes:Löbe i sagte, man müsse die Vergangenheit vergessen und aus ihr nur Lehren zurückbehalten, denn der Blick müsse in die Zukunft gerichtet werden. Eine vernünftige Politik müsse sich weniger mit den Beweggründen als mit den Folgen beschäftigen. Aus diesen Gründen sei eine Enquete über die Kriegsverantwortlichkeit gefährlich. Jeder Mensch soll sich vertragen und seinen Namen verteidigen. Aber man sehe, daß der Reichstag offiziell Dokumente veröffentliche, aus denen sich ergebe, daß Belgien feine eigene Neutralität verletzt haben soll. Die jetzige Generation sei noch zu jung, um in Ruhe die Kriegsereignisse zu beurteilen. Um das Friedenswerk zu fördern, müssen wir die w i r t s ch a ft- lichen Fragen über die territorialen Fragen stellen, sonst kommt es eines Tages zu einem Konflikt. Man müsse die Solidarität des Friedens organisieren, wenn nicht eines Tages die schreckliche Solidarität des Krieges kommen soll. Löbe sagte, er habe den Eindruck, daß man zurückhaltend mit dem Frieden fei; bas ist darauf zurückzuführen, daß zwei Europa beschlossen wurden: Ein Westeuropa, in dem der territoriale ftatus quo durch die Großmächte garantiert ist, und ein Osteuropa, in dem die Unterschriften zweier Großmächte, nämlich Englands und Italiens als Garanten fehlen. Deutschland habe auch das Abkommen mit Rußland getroffen in dem Augenblick, in dem es in den Völkerbund eingetreten fei, und Artikel 15 des Völkerbundsstatuts gebe Deutschland die Möglichkeit, falls Rußland gegen irgend jemand aggressiv vorgehen sollte, durch sein einfaches Vetorecht die Einmütigkeit, die für eine Aktion des Völkerbundes notwendig fei, zu verhindern. Löbe sagte ferner: Räumt das Rheinland am 1. Januar 1928, aber die militärische Rheinlandbesetz- u n g ist die einzige Garantie für den Frieden und für die Stabilität in Osteuropa, solange hinter der Fassade von Locarno sich noch etwas anderes ver- birgt, als das Bestreben des Völkerbundes zu einer einheitlichen, ganz Europa umfassenden Politik (Lebhafter Widerspruch innerhalb der deutschen Delegation).
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Ms erster Punkt stand auf der Tagesordnung die Diskussion des Geschäftsberichts des Generalsekretärs. Als erster Diskussionsredner gab der kanadische Senator Dandurant der Hoffnung Ausdruck, daß die Vereinigten Staaten, Enaland und Frankreich die Interparlamentarische Friedens-Union in ihrem höchsten Ziele, dem obliaa- tortfdjen Schiedsgerichtsverfahren, einen Schritt naher bringen würden. Der Vorsitzende der englischen Delegation Tregwen begrüßte mit ©emtatuung die m den letzten zwei Jahren durch das Abkommen von Locarno erzielte Stärkuna des Vertrauens. Er kritisierte die Haltung Rußlands, das es ablehne, seinen internationalen Verpflichtungen nachzu kommen. Er kennzeichnete den gegenwärtigen Wirtschafszustand als äußerst beunruhigend, umsomehr müsse man aber Deutschland und Frankreich Anerkennung zollen für den Ab- mstuß von Wstischaftsabkornmen, durch die sie zur Belebung des Handels beigetragen hätten.
Lobes Rede.
Herzen zu dem Grundsätze des Rechtes anftattber Gewalt unb erhofft von ber Verwirklichung dieses Grundsatzes die endgültige Versöhnung des deutschen und des französischen Volkes, in der wir den Schlüssel erblicken zur dauernden Befriedung Europas.
Auch Brianb wirb sprechen.
Wie der „Temps" zu wissen glaubt, wird Außenminister B r i a n d am Dienstag im Verlaufe der Schlußsitzung ber Konferenz ber Jnrer- parlamentarischen Friedensunion das Wort ergreifen Das gleiche Blatt stellt fest, daß die genaue Zahl ber an der Konferenz teilnehmenden delegierte» 416 beträgt, darunter 35 Frauen.
Die Eröffnung her Interparlamentarischen Konferenz Poincar6 über Völkerversöhnung. — Lin offenes wort Löbes, De Iouvenels Erwiderung. — Deutscher Protest.
Stirn Reichsschulgesetz.
In einer Artikelreihe hat der Diözesan-Präfes Dr. R e tz b a ch in der katholischen Presse die Stellungnahme der katholischen Arbeiterschaft zum neuen Reichsschulgesetzentwurf bargelegt. Dabei bat fid) $r. Retzbach sehr eingehenb mit ber Po- $ßirt^5 beschäftigt. Unter Würbigung ber Persönlichkeit unb ber Grünbe Dr. Wirth's in btefer Frage macht bann Dr. Retzbach abschließenb folgenbe außerorbentlich beachtliche Bemerkungen: „Die katholischen Arbeiter wie ich persönlich stan- ben bisher treu zu Wirth unb seiner Politik, wenn wir auch in ben letzten Jahren seine Art nicht immer billigen konnten. Aber in ber Frage des Schulgesetzes hört bie Gefolgschaft auf. Auch Dr M * r, ber Verbanbspräses bes großen west- beutfchen Verbanbes katholischer Arbeitervereine der auch ein politischer Freund von Dr. Wirth ist,' lehnt dessen Auffassung über den jetzigen Entwurf m einem beachtlichen Artikel im Westfäl Volksblatt entschieden ab. Wir wollen die Regelung der Schulfrage nicht ad kalendas graecas verschoben wissen. Wir sehen es vielmehr als eine Pflicht aller Zentrumsabgeordneten an, zu tun, was mög- uch ist, um jetzt endlich nach den verschiedenen vergeblichen Versuchen, ein Reichsschulgesetz zu schaffen, das den Wünschen ihrer Wähler und der ständigen Haltung ber Partei entspricht. Wir bebauern "U^ttesste, baß Dr. Wirth in biefer grunbsätz- uchen Frage roieber eigene Wege geht unb keine Fühlung hält mst ben Wählern, ja, wie es scheint, nicht einmal mit ber Parteileitung. Es ist unerträglich, erst aus einer kulturliberalen Zeitung, roie es bas „Berliner Tageblatt" ist, unb zwar aus ber eigenen Feber unseres Führers erfahren zu muffen, baß er gegen ein so wichtiges Gesetz Front macht unb warum er bies tut. Solche Wege gehen, heißt nicht mehr führen — unb Dr. Wirth hat boch zweifelsohne Führerqualitäten — bies führt zur Verwirrung unb allgemeinen Schäbigung ber Zentrumspartei, bereu treueste Anhänger bie katholischen Arbeiter finb, eben weil sie neben bem Sozialen unb Wirtschaftlichen gerobe in ihr bie Vertreterin ber christlichen Kullurbelange erblicken, beren Wahrung zugleich im Staatsintereffe liegt."
Aus Anlaß ber Veröffentlichung ber amtlichen Reichsschulgesetzentwurf hat sich die Presse aller Parteien wieder mit diesem Gesetz beschäftigt. In den Blättern der Regierungsparteien wird ber Entwurf verteidigt, um so schär- ,1 "ber wird erneut von der Opposition abge- lehnt. Nachstehend einige Blättermeldungen:
In der deutschnationalen „Deutschen Tageszeitung' wird gesagt: „Auch bie Begrünbunq ist so klar unb übersichtlich gehalten, baß die Linke, ohne sich selbst lächerlich zu machen, kaum mehr w-rd behaupten können, sie brauche Wochen oder gar Monate, bis sie an Hand der Begründung das Wesen des Gesetzes ergründet hat."
Der demokratische „Börsenkurier" bemängelt die Ausführungen über die Verfassungsmäßigkeit des Entwurfs, ber Artikel 146, ber in einheitlichem, unzerstörbaren Zusammenhang bie Neu- I gestaltung des deutschen Schulwesens regele, werde auseinandergerissen, die Vorschriften, die dem Gesetzgeber unbequem feien, sollten unberücksichtigt bleiben und nur die Anerkennung finden, bie mit feinen Absichten in Einklang stäuben. Mit solchen Mitteln ließe sich jebe Verfassunqsverletzuug rechtfertigen. ’
3m sozialdemokratischen „Vorwärts" wird aus- gesprocheu: „Die Begründung rechne also einfach alle Erziehungsberechtigten, die noch nicht offiziell aus der Kirche ausgetreten sind, zu Christen im Sinne ihres Bekenntnisses und folgere daraus das I Neckst, für ihre Sonderschulen eine bevorzugte I Stellung im Gegensatz zur Verfassung abzuleiten. I Gegen diesen Entwurf, seine Begründung unb I feine Vater könne es nur ben schärfsten Kampf I geben.
. 3« der „Magdeburgischeu Zeitung" äußert sich der Geschaftsstihrer des evangelischen Reichseliern- ^"i>es folgendermaßen: „Der Gedanke des deutschen Kulturstaates, ber bie gesamten Kräfte bes Volkstums, bie religiösen unb die sittlichen, bie getfngen unb bie körperlichen in feinen Dienst stellt, wirb gerate dadurch gewahrt, daß ber Ent- I wurf die Mannigfaltigkeit nicht reglementiert ober | uniformiert, sondern zur freien Hingabe fürs All- I gemeine zu gewinnen versucht. In diesem großen Rahmen ist es auch zu verstehen, wenn die I gesamte evangelische Elternschaft die staatliche I evangelische Erziehungsschule fordert."
Im übrigen wird bereits davon g^prochen, daß | per Entwurf nicht, wie ursprünglich beabsichtigt I m einer September- Tagung des Reichschgs I behandelt werden könne, sondern daß eine 23er-- I fmiebttng der Herbst-Tagung auf Anfang Oktober I Platz greifen müsse.
Dazu bemerkt die „Tägliche Rundschau", daß I inan von einer Verschiebung nicht reden könne selbst wenn die Nachricht sachlich zutreffen solle! I da man von vornherein bie Frage bes Termins I ®et Reichstagssitzung vollkommen offengelaffen I nr /■ ^ie es fcbeine, werde der Reichsrat erst | •iinfang Oktober mit der Durchberatung bes Eni- I tturfs fertig fein. Der Reichstag werbe infolge- I •eiten wohl wahrscheinlich frühestens in ber ersten I slktlmerwoche an die Beratung des Entwurfs ge- I len können. I
Verurteilung französischer Soldaten weaen ^ehorfamsnetroeiaerunq. (Eig. Funkm.) Das iegsaencht in Rouen hat einen Serganten zu em Jahre Gefängnis, einen Unteroffizier zu 18
' ®efängrtis und zwei Soldaten zu 10 irh Monaten Gefängnis verurteilt. Sie waren r sich. während eines Aufenthaltes in .Rff^vchenlager der Gehorfarnsverweige- e(etblfluna und ber Aufreizung von I Ä: °nCn 3um Ungehorsam schuldig gemacht
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaqen: Die Welt im Bild und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
FuldaerZertung
Anzeiger für die Akadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblatk
Genfer Sorgen.
Bezüglich der kommenden Genfer Völkerbunds- verhandlungen find die Vorerörterungen unter den beteiligten Kabinetten über bie Regelung ber B e- fatzungsfrage bis jetzt noch nicht abgeschlossen. Die beutsche Reichsregierung ist bei biesen sich hauptsächlich zwischen Paris unb Lonbon augenblicklich abfptelenben Besprechungen mehr unb mehr in bie Rolle bes passiven Zuschauers gebrängt. Von Englanb aus wirb zwar offensichtlich ber Versuch gemacht, auf bie französischen Militärkreise im Sinne ber englischen Herabsetzungswünsche einzuwirken, aber ber Wiberstcmb, nicht nur ber militärischen, sondern auch ber poli- tisch-radikalen Kreise in Frankreich gegen eine nennenswerte Herabsetzung ber Besatzungstruppen im Rheinlanb ist stärker als je zuvor. Man streitet sich um Ziffern unb Zahlen unb bietet barnit ein sehr unerquickliches Bilb von einem Schacher, ber um bie wichtigsten Laubes- unb Volksinteressen Deutschlcmbs getrieben wirb. Denn nicht auf ein paar tausend mehr oder weniger Soldaten, die im Rheinland stehen, kommt es an, sondern auf die Beseitigung eines unwürdigen und mit ben zwischenzeitlich geschaffenen internationalen Verträgen unvereinbaren Zustandes. Wie bie Verhanblungen gegenwärtig liegen, bieten sie in ber Tat keinenAn- laß zu befonberen Erwartungen unb barum wirb bie Position ber beutfdjen Delegation, bie sich nach Genf begiebt, diesmal ganz besonders schwierig sein.
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Als deutscher Vertreter in der Mandats-Kommission ist der bem Zentrum unb eine Zeitlang auch ber Reichstagsfraktion bes Zentrums ange= börenbe frühere Gouverneur von Ostafrika, Freiherr von Rechenberg, in Aussicht genommen.
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lieber ben Staub ber französisch-englischen Verhandlungen über die Verminderung der Besatzun gstruppen im Rheinland schreibt das „Journal des Debets", bie englisch- französische Besprechung hierüber habe keine Fortschritte gemacht. Da ber Völkerbunbs-rat vier Tage früher als bie Vollversammlung zusammen- Iritt, sich also am 1. September versammeln muß, ist es sehr wohl möglich, baß bie Frage nicht vor biesem Zeitpunkt gelöst wirb. Man hat ben Eindruck, daß das englische Kabinett die Lösung lieber vertagt, weil es wünscht, daß bie Angelegenheit zu einer Besprechung Anlaß gibt, an ber auch Reichsminister Strefemann teilnimmt.
Mit ber Frage ber Verminderung bes Besät» zungsheeres im Rheinlanb befaßte sich am Donnerstag ein englischer Kabinettsrat.
In Anwesenheit von etwa vierhunbert Par-nen Abrüstung fein soll. Einen solchen Schritt lamentanern aus 35 Staaten ist am Donnerstag ----- " " - - ' - - > “ -
in Paris bie 24. Iahreskonferenz ber Interparlamentarischen Friebensunion eröffnet worben. Nach Ansprachen bes zum Vorfitzenben ber Tagung gewählten Prüsibenten bes französischen Senats 2) o u tn e r unb bes französischen Senators Merlin ergriff Ministerpräsident Poincar« das Wort, um im Namen ber französischen Re- gierung bie Teilnehmer zu begrüßen. Poincars gmg bei feinen Ausführungen aus von ber Weltausstellung in Paris, ben damals bezeichnenden Fortschritten ber Technik und ber Wissenschaft, sowie von dem großen Aufblühen ber Menschlichkeit, bie durch den Krieg jäh unterbrochen worden sei.
rfAr e b e ® $ r i e g e s fei die, baß man in noch stärkerem Maße jedes Werk unterstützen müsse, das ber Annäherung biene, nicht aber etrna, daß dadurch die einzelnen Nationen ihre straft und ihre Vitalität verloren hätten oder ver- lieren müßten. Das Vorhandensein unabhün» l"..9.er Nationen, so erklärte der Minister- praftbent, bie einanber nacheifern unb sich nicht wehr feindselig gegenüberfteben, ist eine der uu- erlaßlichen Garantien für ben Fortschritt der Zivilisation. Keiner von uns, wessen Landes Bür- ger er auch sein möge, würde darin einmütigen, nur ein Weltbürger zu sein. So wünschenswert unb fo notroenbig auch die Harmonie zwischen ben Soffern ist, so fuhr Poincare fort, so läuft sie oft Wc-fabr, durch unvorhergesehene Bestimmungen gestört zu werben, sei es nur, baß hier unb bort Interessengegensätze, Rivalitäten, Eigenliebe, intensive Vorurteile, vielleicht sogar nur ein in gewissen Kreisen gepflogener Hintergedanke vor- bonben finb. Aufgabe ber Interparlamentarischen Union muß es besbalb sein, soweit als möglich bas zu beseitigen, was bie Nationen entzweit, unb bas zu festig en, was fie einander näßer bringt.
w Reichstagpräsibent Löbe, der mit 1 s La[r begrüßt wurde, gab bem Wunsche Aus- I ® r ,K .die diesjährige Konferenz zur
Konsolidierung des Friedens bei- h u n möge. Seit zwei Jahren habe man aut ,.?rm Wege der Verständigung ernste Probleme rannen unb es fei zu hoffen, daß der gleiche
BHn Hh h^icnr> ^,ra5,cn. eingeschlagen würde. I venei emieie zur ietne Ausführungen lebhaften
ÄbäiS,?*; s**u’w*fel“nsber'oini|d"n ®er[tän»imngenein",et'u(ff.nb ehraeSn fri .S,e Dl-kuffmn Üb-r d-n TS«,I-ll-b-rlch, 3u oft offne man bie Wunden, bie aufaebört Interparlamentarischen Fnebensumon wirb L batten zu bluten. Die Gebeimverbanblungen seien I vormittag fortgesetzt.
gleichfalls geeignet, bas Mißtrauen ber Völker mt I , __
wecken. Mißtrauen aber fei schlimmer als Haß ElNS -kutsche GegeNeMaNMg. WtofÄ PftäS S«öf. ml». 26. Stug. (eig. gunhn.) $,of. werden. Der DJledjanismusbesffiiblnÄE Schuckmg ergriff in ber heutigen Sitzung ber beite mit äußerster Langsamkeit BeimUeb^- mterparlamentarlschen Union bas Wort zu einer gang vom Wort zur Tat sei ein Versagen Erklärung, m der er u. a. ausführte: Die deutsche festzustellen. Wenn Frankreich uns erklären würde ^ru£?e VW sich genötigt, in dieser Debatte über a™1, Sanitär 1928 wird kein Franzose mebr auf bte Weltpolitik noch einen Redner sprechen zu laf- deutschem Gebiete sieben, bann würde man ein 1en' ba 9eroiffe AusführungenbeJou- Wort aussvrechen, bas der Sache ber Menschbeit DeneIs über bie beutsche Politik bei unserer dienen wurde. , • I Gruppe starkes Befremden erregt haben.
* Ich fürchte sagen zu müßen, daß diese Ausführun-
Ueber seine Ausfüiin,«^»^ , I ?en bem großen Stile ber internationalen Verstän-
Löbe bem Pariser Vertret^- w’'I b'9ung nicht gebient haben. Zunächst war in bie- Aufklämng^ Ich bin ™ fen Ausführungen ein tatsächlicher Irrtum. Nie-
ausgegangen von beAl mft eTlu n q TcTK ' ma(s bat ber beuttoe Reickstaasausfchuß ben Vor- ratiönsfrage aus der Atmosphäre der Sanktionen und Gewaltmaßnahmen auf die ber srieb- sichen wirtschaftlichen und schiedsgerichtlichen Ber- stanbigung. Die Welt hat diese Wendung als An- sang einer versöhnlichen Lösung der noch offen siebenden Fragen begrüßt Heute kann man, wenn nicht emen Rückschlag, so doch einen Stillstand feststellen Die Grunde für diesen Stillstand sind einmal bas Wühlen m alten Wunden und das.... - ■ - _________________
Servorsuchen ber früheren Sünden sowie die I tonnte sich dieser Auffassung vollständig anschließen, Heimlichkeit der Diplomatie und bie * wenn man nicht vor ber historischen Tatsache stcinbe, militärischen Vorbereitungen die das ! b°si sich ^ben boch in der Vergangenheit Richter ge- Mißtrauen wecken. Es fehlt in unseren Tagen an | t"**s'*" -----------
bem ffeiwilliqen Entgegenkommen, das bezwinat I