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Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amkliches Kreisblakk.

Ar. 194.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen- Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr 9.

:»: Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk

Donnerstag, 25. August 1927.

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54.Zahrg.

Reichzfarben und Hotels.

Boykottierung verfassungsfeindlicher Hotels durch den Berliner Magistrat.

Der Magistrat Berlin hat in seiner Sitzung eom 17. August den Beschluß gefaßt, in Zukunft solche Hotels zu m ei den, die am Verfas­sungstage nicht die Reich.sflagge ge­hißt haben. Von diesem Beschluß werden folgende Hotels betroffen: Adlon, Bristol, Es.pl a- n a d e und K a i s e r h o f. Auf Grund dieses Be- slusses ist Oberbürgermeister Böß nicht in der Lage, der Einladung des Amerikanischen Klubs in Ber­lin Folge zu leisten, die für Donnerstag anläßlich der Anwesenheit des New Yorker Bürgermeisters Walker in das Hotel K a i s e r h o f ergangen ist. Neben der Absage an der Veranstaltung im Kaiserhof ist deitrerkenswert, daß sämtliche einge­ladenen Vertreter des Magistrats auch an einer Veranstaltung im Hotel Esplanade, das von dem Verband dec Funkindustrie in den nächsten Tagen veranstaltet wird, nicht teilnehmen wer- den.

Der vom Berliner Magistrat gefaßte Beschluß, daß Magistratsmitglieder die Hotels, die am Ver­fassungstage das hissen der Reichsflagge unterlas­sen haben, auch bei offiziellen Gelegenheiten nicht betreten werden, hat auf Seiten der Hotelbesitzer zu dem Beschluß geführt, eine Abordnung zu Oberbürgermeister Böß zu schicken, um diesem die Gründe für das Verhalten der Hotels darzulegen. Man will, wie die Hotelbesitzer er­klären, unter allen Umständen bis zur Ankunft des New Yorker Bürgermeisters Walker zu einer Verständigung mit dem Magistrat gelangen, um die peinliche Situation zu vermeiden, daß der Berliner Oberbürgermeister dem Oberbürgermeister von New York schriftlich die Gründe auseinander, setzen würde, die ihn verhindern, an dem Empfang im Hotel Kaiserhof tellzunehnien. Seitens der Hotelbesitzer wird versichert, daß man nach Mög­lichkeit zu einem alle Teile befriedigenden Aus­gleich gelangen wolle.

Auch das Auswärtige Amt hat den Ho­telbesitzern zu verstehen gegeben, daß es nicht an- gängig sei, am Verfassungstage die Fahnen der Verfassung nicht zu zeigen. Ein Beschluß, solche Hotels bei Veranstaltungen des Auswärfigen Am­tes zu meiden, wurde zwar nicht gefaßt, doch wurde auf die Konsequenzen hingewiesen, die eine derart einseitige Einstellung in Zukunft haben könnte._________________

Die Nmnestie-Zrage.

Jlvt Einzelbegnadiqungen zu Hindenburgs Geburtstag.

— Berlin, 24. August. (Eig. Funkm.) Wie die „V. Z." aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist in Preußen ebenso wie im Reiche zum Geburts- tag des Reichspräsidenten Hindenburg keine A m n e st i e zu erwarten. Die preußische Regie­rung will mit der Reichsregierung in dieser Frage konform gehen, und diese hat ihrerseits beschlossen, keine Amnestie zu erlassen, sondern lediglich eine Reihe von Einzelbegnadigun- gen auszusprechen. Der Stellungnahme Preu­ßens werden sich voraussichtlich auch die Regie­rungen sämtlicher anderen deutschen Länder an- jschließen. Dagegen werden in Preußen zum Ge­burtstage des Reichspräsidenten eine Reihe von Einzelbegnadigungen ausgesprochen werden. Wie S sich die Zahl beläuft, steht noch nicht fest.

nerhin ist mit einer erheblichen Anzahl zu rech­nen, da das preußische Staatsministerium für die Begnadigung aller Personen zuständig ist, die vor preußischen Gerichten abgeurteilt worden sind Bei den Gnadenakten, die der Iustizminister dem Staatsministerium vorschlagen wird, handelt es sich nicht lediglich um politische Straf­taten. Für die Begnadigung kommt auch eine Reihe von Fällen in Betracht, in denen die Tat in schwerer sozialer und wirtschaft­licher Notlage begangen worden ist.

* Deutschlands Vertretung im Mandaksausschuß. Wie mitgeteilt wird, gilt als bevorzugter Anwärter des edutschen Vertreters n der Mandatskommission des Völkerbundes der frühere Ostafrika-Gouver­neur v. R e ch e n b e r g, der seit Sommer dieses Jahres an den Arbeiten des internationalen Ar­beitsamtes über Zwangsarbeit der Eingeborenen teilnimmt. Rechenberg steht dem Zentrum nahe. ___________________

vom Reichsrat.

Wie der Sozialdemokratische Pressedienst mit­keilt, wird sich am Donnerstag dieser Woche der zu­ständige Ausschuß des Reichsrats mit dem deutsch-französischen Handelsver­trag beschäftigen. Nach der Zustimmung des Reichsrats und des handelspolitischen Reichstags­ausschusses wird der Vertrag in Kraft treten. Am 5. September wird sich ein weiterer Ausschuß des Reichsrat mit dem Gesetzentwurf über den end­gültigen Reichswirtschaftsrat befassen. Der haushaltsausschuß des R e i ch s t a g s soll, wie bisher geplant ist, erst in der Mitte des Monats September zusammentreten. Die Ausschüsse des Reichswirtschaftsrats nehmen im Laufe des September auch ihre Arbeiten wieder auf. Zur Beratung steht u. a. das A r b e i t s s ch u tz g e s e tz. Endlich tritt der Arbeitsausschuß zur Prüfung der Zollsätze zusammen, dem bereits eine Reihe von Sachverständigengutachten vorliegt.

Zaghlul Pascha f.

Der Führer der ägyptischen Nationalisten, der frühere Ministerpräsident Zaghlul Pascha ist am Dienstag nachmittag in Kairo gestorben. Er war ein scharfer Gegner der englischen Eingriffe in die innere Verwaltung Aegypten»

Nach -er Hinrichtung Saccus un- Vanzettis.

Protestaktionen

Die Nachricht von der gestern bereits gemeldeten Hinrichtung der beiden Italiener S a c c o und Vanzetti hat in der ganzen zivilisierten Welt ungeheures Aufsehen und große Entrüstung er­regt. Die öffentliche Meinung wendet sich ohne Unterschied der Partei und Weltanschauung ein­mütig und geschlossen gegen die Handlungsweise der amerikanischen Justiz, und betrachtet sie als einen Schlag gegen die einfachsten Begriffe der Humani­tät. Um die Sachlage richtig zu beurteilen, ist es angebracht, noch einmal an die Tat der beiden Italiener zu erinnern. Saeco und Vanzetti waren Anarchisten, die in Verdacht geraten waren, zwei Fabrittassierer in Massachusetts im April 1920 er­schossen und beraubt zu haben. Nach drei Wochen wurden sie verhaftet und auf Grund eines Jn- dizienbeweifes beide zum Tode verurteilt, obwohl die Zeugenaussagen in höchstem Grade unsicher waren. Einem Hilfsansschuß gelang es, die Doll- streckung des rm Juni 1921 gefällten Todesurteiles aufzuschieben. Es begann der sechsjährige Kampf um die Begnadigung ,bezw. um Wiederaufnahme des Verfahrens. Er ist erfolglos gewesen. Das Urteil wurde bestätigt, der Gouverneur Fuller weigerte sich, zu begnadigen und das Bundesge- richt erklärte sich als nicht zuständig. So wurde in der Nacht zum Dienstag die Hinrichtung voll­zogen. Wenn man die Entwicklung des Falles überschaut, so wird man das Gefühl nicht los, daß bei dem Fall politische und soziale Motive eine große Rolle gespielt haben. Sie sind begründet in der Furcht des Amerikaners gegen den Bolsche­wismus und in seinem Hasse gegen alle soziali­stischen Ideen. Dazu kam vielleicht noch der Stolz, durch das Todesurteil zu beweisen, daß man keiner­lei Einmischungen in amerikanische Angelegenheiten seitens des Auslandes dulde.

plane des verterdigungs-Kusschusses

Wie der Sacco-Vanzetti-Verteidigungsausschuß in B o st o n mitteilt, beabsichtigt er, die Leichen Saccos und Vanzettis, die in besonders konstruier­ten Särgen untergebracht werden, in verschiedenen amerikanischen Städten öffentlich zurSchau zu stellen. Vorläufig sind die Leichen in den Bostoner Geschäftsräumen des Ausschusses aufbe­wahrt worden.

Ein weiterer Plan des Verteidigungsausschus­ses ist, von Sacco und Vanzetti Totenmasken anfertigen zu lassen, die dann in großer Zahl ver­trieben werden sollen.

wtb. Boston, 24. Aug. (Eig. Funkm.) Mehrere Verbände, die mit Sacco und Vanzetti sympathisie­ren, haben einen Aufruf zu einer National-Kon- ferenz in Newyork erlassen, die die Unschuld der Hingerichteten Italiener bewei­sen soll, hinsichtlich der Beisetzung Saccos u.Vanzet- tis ist noch nichts Endgültiges bestimmt worden. Der Verteidigungs-Ausschuß gibt aber jetzt bekannt, daß eine Aufbahrung in den Städten der O st st a a t e n unmöglich ist. Die Leichen werden am Sonntag in Boston verbrannt wer­den. Vanzettis Asche wird von seiner Schwester später nach Newyork, London, Paris, Berlin, Stock­holm und anderen Städten gebracht werden, bevor sie in Italien beigesetzt wird.

Möglichkeit eines Justizirrtums?

Der Newyorker „World" schreibt im Leitartikel, auch wenn man den besten Willen habe, zu glau­ben, daß mit Sacco und Vanzetti die wirklich Schul­diger. hingerichtet worden sind, so könne man doch den Zweifel darüber nicht los werden, ob sich nicht ein großer Justizirrtum abgespielt habe. Vor allem sei es gehoten, daß die Freunde Saccos und Vanzettis keine direkte Aktion unterneh­men. Ausschreitungen von beiden Seiten dürften auf keinen Fall die im Laufe der Zeit auftauchen­den Tatsachen verdunkeln, die allein die öffentliche Meinung Amerikas überzeugen könnten.

Dombenexplosion in einer Kirche.

3n der katholischen St. Josephskirche in Cleve­land explodierte heute eine Bombe. Einige Kirchen­fenster und Fenster benachbarter Gebäude wurden zertrümmert. Verletzt wurde niemand. Die Polizei glaubt, daß die Bombe von Anhängern Saccos und Vanzettis herrührt.

Das Echo in Deutschland.

Blutige Zusammenstöße in Leipzig.

Das Polizeipräsidium in Leipzig teilt mit: Die Kommunistische Partei, der Rote Frontkämp- fcrbund und einige kleinere linksstehende Organisa­tionen veranstalteten am Dienstag abend in der sechsten Stunde auf dem Reichsgerichtsplatz eine politische Kundgebung gegen die Hin­richtung von Sacco und Vanzetti. Im Anschluß daran zog der größte Teil der Demon­stranten nach dem Meßplatz, hierbei kam es zu schweren Ausschreitungen. Bei dem Ver­such der Polizeibeamten, der Straßenbahn Durch­fahrt zu verschaffen, gingen die Teilnehmer des Umzuges sofort gegen die Beamten in der rohesten Weise vor. Sie entrissen einem Beamten das Seitengewehr und schlugen auf ihn ein. Ein anderer Beamter wurde abge­drängt, von hinten umfaßt und zu Boden gewor­fen, getreten, geschlagen und durch Messerstiche im Gesicht verletzt. Diesen Beamten gelang es nur mit Hilfe von Sttahenpassanten, sich auf einem Straßenbahnwagen in Sicherhett zu brin­gen. Ein dritter Beamter wurde durch Messer­stiche in den Bauch schwer verletzt, so daß er ins

in aller Welt.

Krankenhaus übergeführt werden mußte. Weiter trug eine Anzahl Beamter leichtere Verletzungen davon. Während die Beamten die Ordnung wie­der herzustellen versuchten, stürmte ein Teil der Demonstranten unter dem Ruf: „Rache für Dan- zetti! Jetzt stürmen wir die Wache! Schlagt die Hunde nieder!" nach der in der Nähe gelegenen 7. Polizeiwache und versuchten, in diese ein« zu drin gen. hierbei bewarfen sie die die Wache verteidigenden Beamten mit schweren Pfla­stersteinen und Eisenstäben, welche sie offenbar von vornherein bei sich führten, da in der Nähe dec Wache eine Straßenbaustelle nicht liegt. In ihrer Bedrängnis gaben die Beamten einige Schüsse ab, durch die, soweit bis jetzt festgeftellt werden konnte, zwei Angreifer verletzt wurden. Beide wurden in das Krankenhaus gebracht, wo einer von ihnen g e st o r b e n ist. Der herbeige­rufenen Verstärkung gelang es, die Ordnung wie­derherzustellen. Es wurden einige Verhaftungen vorgenommen.

Trauerdemonstration im Berliner Lustgarten.

Die „Rote Fahne" veröffentlicht einen Aufruf der kommunistischen Organisationen zu einer Trauerkundgebung für Sacco und Vanzetti, die Dienstag abend im Lustgarten stattfinden soll.

Proteststreik bei Benz.

Wie die „Neue Badische Landeszeitung" mel­det, teilte der kommunistische Stadtverordnete Böh­ler bei einer auf dem Mannheimer Marktplatz ver- anstalteten Kundgebung der Kommunistischen Par­tei gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzetti mit, daß die Belegschaft der Benzwerke in Mannheim beschlossen habe, am Mittwoch, den 24. August, mittag von 12 bis 12.15 Uhr, die Arbeit ruhen zu lassen.

verbot kommunistischer Umzüge im Bezirk Halle.

Die erheblichen Störungen der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit in den letzten Wochen, insbesondere die überaus erheblichen Angriffe auf die Hallesche Schutzpolizei am Sonntag und Mon­tag haben den Regierungspräsidenten in Merse­burg veranlaßt, auf die Dauer von drei Monaten der kommunifttschen Partei, dem Roten Front­kämpferbund und verwandten Organisationen sämtliche Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu untersagen. Das Verbot erstteckt sich auf den Polizeibezirk Halle und eine Anzahl Gemeinden des Saale­kreises.

Ernste Ausschreitungen in Paris.

Die Protestkundgebungen gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis haben auf den großen Pa­riser Boulevards am Dienstag zu mehreren ziemlich ernsten Zusammenstößen mit der Po­lizei geführt. An zwei Stellen kamen die Manifestanten mit einem starken Polizeiaufgebot das übrigens vom Polizeipräfekten selbst geführt wird, ins Gemenge. Die Manifestanten drangen in verschiedene Cafes ein und bemächtigten sich der Trinkgläser und anderer Trinkgefäße ,die sie als Wurfgeschosse gegen die mehrfach mit der blanken Waffe einschreitende Polizei benutzten. Auf beiden Seiten hat es eine Reihe von Verletzten gegeben; auch wurden verschiedene Verhaftungen vorgenom­men. Besonders ernst scheint der Zusammenstoß vor dem Gebäude des „Matin" zu sein, wo aus der Nähe geschossen wurde. Auch hier sind Polizisten und Manifestanten verletzt worden. Als die Polizei gegen die Menge vorging, flüchtete ein Teil der Manifestanten sich in die in der Nähe lie­genden Cafes. Die Besitzer sahen sich genötigt, ihre Lokale zu schließen. Vor der Porte Saint De­nis griffen Manifestanten mit Messern und mit Stöcken die Polizei an. VierPolizeibeamte wurden schwer verletzt. Am Place Clichy zerschlugen ungefähr 3000 Männer die Fensterschei­ben der Lokale, stürzten die Bäume um und demo­lierten wartende Autos. Am Boulevard Sebastopol wurden die Schaufenster eines großen Schuhhauses und die eines Feinkostgeschäftes zertrümmert und die Waren auf die Straße gestreut. Auf den Champs Elyfees wurden die Veranden und Fenster der Cafes eingeschlagen. An einer Stelle ist sogar eine Handgranate geworfen worden, ohne je­doch Schaden anzurichten. Am Carrefour Reaumur wurden Geschäfte geplündert. Die Manifestanten bauen an dieser Stelle mit Baumstämmen, Baum­zweigen und Automobilen Barrikaden. Bis 10 Uhr abends find nach einer Mitteilung der Polizeiprä­fektur im ganzen 57 Verhaftungen vorgenommen worden.

Gegen »/all Uhr abends waren die Zugcmgs- straßen zur amerikanischen Botschaft von einer dich­ten Menschenmenge belagert. Auch die Gegend des Triumpfbogens war durch eine Menschenmauer ab­gesperrt. Polizeiverstärkung wurden auf Automobi­len an diese Stellen befördert. Der Versuch, Barri­kaden am Carrefour Reaumur zu bauen, führte zu heftigen Kämpfen mit der Polizei, an denen sich sogar Bewohner der umliegenden Häuser be­teiligten, die von den Balkons herab mit allerhand Gegenständen die vorgehenden Polizeibeamten be- warfen. Es gab hier zahlreiche Verletzte. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. Gegen 10.30 Uhr gelang es der Polizei, diese Stelle zu säubern. In der Nähe der großen Boulevards, ebenso wie an den verschiedensten Stellen der In­nenstadt sind weitere Zusammenstöße zu verzeich­nen, bei denen die Polizei sogar von ihren Revol­vern Gebrauch machen mußte. Die Menge bemäch­tigte sich der die Bäume umgebenden Gitter, riß

venkmolreinweihung in vinant.

Prinz Leopold, der französische Minister Marin, der französische Marschall Francheti d'E s p e r e y und der belgische Landesverteidi­gungsminister de B r o q u e v i l l e haben am Dienstagnachmittag an den Feierlichkeiten zur Ent­hüllung des Denkmals teilgenommen, das dem Ge­dächtnis der im August 1914 von den Deutschen er­schossenen Bürger von D i n a n t und der französi­schen Soldaten, die im Laufe der Schlachten um Dinant fielen, errichtet wurde. Es wurden zehr. Reden gehalten. Der Bürgermeister von Dinant wies auf die Bedeutung des Tages hin und be­wies die Nichtigkeit der Legende über die angebli­chen Franktireurs. Prinz Leopold erinnerte an die Ereignisse von 1914, die alle zivilisierten Nationen vor Grauen versteinert hätten und erklärte noch: Das Gewissen der Welt wird immer diese grausige Vergangenheit von sich weisen und sich vor dem Andenken der unschuldigen Opfer verneigen. Mini­ster de Broqueville entbot namens der Regierung allen Vertretern der edlen Sache den letzten Gruß. Er beuge sein Haupt vor den ruhmreichen Krie­gern Frankreichs, die gefallen seien, damit es nicht. Belgier ohne ein Belgien gäbe und bringe ihnen ehrenden Dank und den Zoll unauslöschlichen Ge­denkens. "

* Internationale Pressekonferenz in Genf. Die vom Völkerbundsrat einberufene Konferenz von Pressevertretern wird sich unter dem Vorsitz des Besitzers des „Daily Telegraph", Lord Burnham, am Mittwoch in Genf versammeln. Diese Kon­ferenz entspricht einem Beschluß der Völkerbunds« Versammlung. Sie soll einen ersten Versuch der in­ternationalen Zusammenarbeit zwischen der Presse und den Negierungen vermittels des Völkerbundes sein. An dieser Konferenz werden sich etwa ein­hundert der hervorragendsten Persönlichkeiten des international. Journalismus beteiligen: Direktoren der Nachrichtenagenturen, Journalisten, Leiter der offiziellen Pressebüros usw. Auf der Tagesordnung der Konferenz stehen hauptsächlich technische Fra­gen.

* Eine Spionin in Rußland hingerichtet. Dar , Zentral-Exekutivkomitee der Sowjetunion in M os. kau hat das Gnadengesuch der Frau Klepi­kowa, die vom Revolutionsgericht dec baltischen Flctte wegen Spionage zugunsten Englands zum Tode verurteilt worden war, abgelehnt. Das Ur­teil ist am Dienstag vollstreckt worden. — Die Vollstreckung des Todesurteils an den ftühecen zaristischen Generalen A n n e k o w und Denis- s o w wurde bis auf weiteres fixiert.

* Keine Kandidatur Dawes und Hoovers. Ge­neral Dawes erklärte auf Anfrage, daß er nicht beabsichtige, für die Präsidentschaft zu kandidieren. Handelssekretär Hoover, der von seinemUrlaub zu- rückgekehrt ist, teilt gleichfalls mit, er beebsichtige nicht zu kandidieren. Er werde nicht sein Amt nie­derlegen, um seine Nominierungskampagne vorzu- beeriten, sondern er hoffe, daß Coolidge als Kan­didat aufgestellt werden würde. „Newyork Tri­büne" erklärt, daß die Lage noch ganz ungeklärt sei, daß aber die Mehrheit der Republikanischen Partei noch auf eine Wiederwahl Coolidges hoffe.

sie aus und versuchte, mit den eisernen Gitterstäben die Polizei zurückzutteiben. Gegen 11 Uhr wurden hier im ganzen 11 Verhaftungen vorgenommen. Mehr als 20 Polizeibeamte sollen nach den bis- herigen Feststellungen Verletzungen erlitten haben.

Aus Rouen werden gleichfalls Zwischenfälle gemeldet. Die kommunistische Pattei hatte für gestern abend eine Kundgebung anberaumt, die von etwa 800 Personen besucht wurde. Berittene Polizei ging gegen die Manifestanten vor. Drei Beamten wurden mehr oder weniger schwer ver- letzt. Fünf Manifestanten wurden verhaftet.

Höllenmaschinen in Rlontpellier.

havas meldet aus Montpellier: In der Nacht zum Dienstag wurde nach Beendigung einer Protestkundgebung gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis eine Höllenmaschine gegen die Polizeistation eines Arrondissements geschleu­dert. Sämtliche Fensterscheiben der Polizeistation und der benachbarten häufer wurden zertrümmert. Ein Polizist wurde leicht verletzt. Der Einwohner bemächtigte sich eine Panik. Von der Höllen­maschine selbst war nichts aufzufinden. Drei Stun­den später explodierte eine zweite Höllenmaschine, die gegen das Denkmal der Jungfrau von Or­leans, dreißig Meter von der Polizeiwache ent­fernt, geschleudert wurde. Sie richtete nur eini­gen Sachschaden an. Bisher hat man keine An­haltspunkte über hie Urheber des Anschlages.

Neue Kundgebungen in Genf.

Am Dienstag abend kam es in Genf kurz vor 18 Uhr in der Nähe des amerikanischen Konsu ates zu einer großen Menschenansammlung. Die Poli­zei sperrte hierauf neuerdings alle zum Konsulat führenden Straßen ab. Da gewisse Elemente der Aufforderung, sich zurückzuziehen, nicht unverzüg­lich Folge leisteten, wurden von der Feuerwehr zwei Motorspritzen in Tätigkeit ge­setzt, deren Wirkung sich sofott fühlbar machte. Die Menge, welche hauptfächlich aus Neugierigen bestand, zerstreute sich langsam. Die Polizei nahm zehn Personen fest, die alle verletzt waren. An verschiedenen Punkten der Stadt sind Absperrungen vorgenommen worden, insbesondere in der Nähe des Völkerbundspalastes.

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Der von den Manifestanten am Montag anqe- richtete Sachschaden wird auf zirka 100 000 Franken geschätzt. Es wird als selbstverständlich Settachtet, daß der am Gebäude des Völkerbund- seketariats verursachte Schaden vom Kanton Genf gedeckt wird.