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Für unsere Frauenwelt

Nr. 189 vom 19. August 1927.

Verlage zur Zuldaer Zeitung

G e i b e l.

ZU

M. W. F.

machen!

(„Tit-Bits"./

glaube ich.

naten,

uns selber von

Glück barf. nicht viel Platz beanfpru-

wir die finden,

Ob zeihlich

Auch Feinde lassen sich nicht nach Belieben erwerben: sie wollen erkämpft sein.

*

Mehr als unsere Handlungen bestimmen oft ihre un­vorhergesehenen Wirkungen unseren Lebenslauf.

Ungetrübtes chen.

Notizen.

Bon Julius Loeb.

Fehler anderer verzeihlich oder unver­richtet sich nur zu sehr danach, ob wir ihnen frei wissen oder nicht.

Rechte Ehe.

Das ist die rechte Che, Wo zweie sind geeint, Durch alles Glück und Wehe Zu pilgern treu vereint.

Der eine Stab des andern Und liebe Last zugleich.

Das ist ein selig Wandeln, Und Ziel: das Himmelreich!

Die Srau im Beruf.

— Lehrstühle für haushalkungswisfenschaft. In den Vereinigten Staaten hat man nunmehr den Forderun­gen amerikanischer Frauen-Organisationen nachgegeben und verfügt, daß an den einzelnen Universitäten Lehr­stühle für sog. Haushaltungswissenschast eingerichtet werden.

damit beginnen. Bei schwacher Gesundheit des Kindes sollen aber vernünftige Eltern dasselbe lieber noch da­mit warten lassen. Darüber können sich dieselben auch mit dem Lehrer des Kindes beraten, der ja wohl mit am besten weiß, ob das Kind nun noch einen geregelten Musikunterricht vertrage oder nicht.

Dies dürften die Grundregeln fein bei normaler Be­gabung eines Kindes. Ein Wort fei noch darüber zu sagen, daß das Wagnis, ein Kind schon 1 2 oder 3 Jahre früher beginnen zu lassen, um so größer ist, wenn keines der beiden Eltern imstande ist, die häuslichen Uebungen des Kindes zu überwachen. Wenn dagegen eines von beiden den Uebungsstunden beiwohnen und dieselben beaufsichtigen kann, ist es eher zu wagen, früher anzufangen. __

Zeigt jedoch ein Kind, vielleicht aus einer musikalisch gut beaabten Familie, schon sehr frühe Interesse und Liebe für Musik, wagt es sich vielleicht schon selbständig mit Erfolg an ein Klavier oder eine Violine, und wird es förmlich von innen heraus zur Musik gedrängt, dann sollen die Eltern das Kind von einer verständigen erfahrenen Musiklehrkraft prüfen lassen. Dieselbe wird dann von Fall zu Fall entscheiden können, ob und mann der Unterricht zu beginnen sei. Es sollen sich aber viele Eltern sagen, daß unüberlegtes Herumtasten auf dem Klavier oder dauernd falsche Violintöne, selbst mit Ausdauer hervorgebracht, noch keine Schlüsse auf Be­gabung ziehen lassen. Viel mehr sei auf das Singen des Kindes zu achten, da in den meisten Fällen ein Kind, das tonrein und mit Liebe singt, auch imstande fern dürfte, ein Instrument mit richtigem Verständnis ipielen zu lernen. Der Musikunterricht darf selbstverständlich nur einer geprüften, strengen und dabei doch liebevollen Lehrkraft anvertraut werden. Daß neben der eigent­lichen Begabung für Musik: in der Hauptsache rhythmi­sches Gefühl, Unterschiedsempfindungen für Tonhöhen, musikalisches Gedächtnis noch andere Faktoren von aus­schlaggebender Bedeutung für die Fortschritte im Stu­dium sind, sei nicht zu unterschätzen/ Zur Erreichung eines bochgesteckten Zieles sind vor allem wichtig körper- licbe Gesundheit, gute Nerven, rastlose Energie und fort­dauernde Uebung unter bewährter, fachkundiger, -pater künstlerischer Leitung.

von der Anerkennung.

Die meisten Menschen glauben, daß sie zu wenig Anerkennung finden. Mit der Anerkennung ist das aber eine eigene Sache — man läßt sich gern anerkennen, aber man erkennt nicht gerne an!

Anerkennung wird genau so ungern gezollt, wie etwa Dankbarkeit. Um Menschen, die man anerken­nen muß oder denen man Dankbarkeit (meist sogar noch etwas mehr) schuldet, macht man gern einen weiten Bogen.

Neidlose Anerkennung des lieben Nächsten rechnet eigentlich schon zu den menschlichen Tugenden, ist dem­entsprechend nicht allzu verbreitet und wenig beliebt.

Nicht alles, was anerkannt wird, verdient auch aner­kannt zu werden, wie auch vieles, das niemals aner­kannt wurde, dennoch der Anerkennung wert gewesen wäre.

Eine Art der Anerkennung aber gibt es, die jeder in seinem Inneren besitzt, der untrügliche Barometer je- der menschlichen Handlung —- das Gewissen.

Und doch bedürsen die meisten Menschen der An­erkennung ihrer Mitmenschen. Nur der ganz Große lebt in jener eisigen Höhe, wo ihn weder Anerkennung noch Tadel trifft, der Alltagsmensch aber will die Mühen und Sorgen seines Alltags anerkannt sehen. Was für die Pflanze der Strahl der Sonne,- ist ihm die Anerken- rtung.

Das Werk eines anderen anerkennen, beweist die Größe des menschlichen Charakters; denn kleine Men­schen lieben zu verkleinern und nicht anzuerkennen.

Wir alle haben Stunden im Geben, wo uns ein we­nig Anerkennung bitter not tut. Wer es aber nie ver­standen hat, einen anderen restlos anzuerkennen, der darf sich nicht wundern, wenn auch er keine Anerken­nung findet. ^bams.

praktische winke.

— Um Obstflecke aus leinenen und baumwollenen Stoffen zu entfernen, wäscht man die betreffende Stelle zunächst in lauwarmem Wasser und legt sie dann eine Viertelstunde lang in eine Mischung, bestehend aus 10 Teilen Wasser, 2 Teilen Schwefeläther und 5 Tellen Alkohol, reibt sie danach in dieser Mischung noch etwas aus und spült unter der Leitung kräftig nach.

— Schuhwerk muß von Zeit zu Zeit von der afr haftenden Wichse oder Schuhereme gründlich gereinigt werden. Noch feucht ist das Leder dann von neuem einzufetten, bis das Fett nicht mehr etngefogen wird. Dann läßt man die Schuhe über Nacht stehen und wichst sie erst am nächsten Tage.

— Strohhüke, auch Panamahüte, kann man leicht selbst reinigen und bleichen, wenn man sie mit einer Mischung von einem Teil Salmiakgeist, drei Teilen Spi­ritus und vier Teilen Schwefeläther abbürstet und dann noch mit einer warmen Lauge aus venetianischer Seife nachbehandelt.

— Schuhbänder, die an ihren Enden die Metallhül­sen verloren haben, erschweren das Zuschnüren der Schuhe. Man umnähe die Enden, so daß sie eine harte, scharfe Spitze erhalten, oder gebe einige Tropfen Siegel lack darauf und drücke diesen mit den Fingern zu einer Spitze zurecht.

— kleine Risse in Möbelstücken kann man mit Bie­nenwachs schnell und billig ausbesfern. Man füllt das Wachs, nachdem es erwärmt wurde, in die Riffe und schabt alles Ueberflüffige mit einem stumpfen Instru­ment ab, damit die Politur nicht beschädigt wird. Nach einigen Tagen reibt man die ausgebesserten Stellen mit einem Poliertuch schön sauber.

f. Lederrücken an Büchern reinigt man am besten mit Magnesiapulver, das mit Benzin angefeuchtet wird.

f Ledersessel müssen von Zeit zu Zeit mit dünnem Seifenwasser gereinigt, hiernach mit einem weichen Lei- nentuch trocken gerieben und zuletzt mit etwas Eiweiß blank gerieben werden. Sie sehen dann wieder p:ächllp aus.

Gretchen ist bei seiner Großmutter gewesen. Der Vater hat sie auf dem Rad mitgenommen. Dort hat sie ein Vogelnestchen gesehen, über der Stalltüre. Und dw Vogelmutter hat den Kleinen Futter gebracht, und sie hat lange zugesehen. Rauchschwalben hießen sie, wußte Großmutter. Nachher habe sie mit dem Vater ganz r iete Blumen gepflückt, die sie der Mutter mitbringen wollten. Denn es wären ihre Lieblingsblumen, und die gibt es nut bei der Großmutter.

Am Heimweg war es sehr staubig, und sie hat chre Augen fest zugelassen. Der Wind wurde immer toller, und als es anfing zu regnen, stellten sie sich unter einen Baum. Der Vater nahm sie noch unter feinen Man­tel, und so ist sie garnicht naß geworden. Nachher war es lang nicht mehr so staubig, und der Vater sagte wie gut der Regen manchmal wäre. Alle Dächer hätten so fein geglämt und überall hingen noch kleine Regentrop­fen. Die Mutter hatte sich Sorge gemacht, daß sie nag geworden wären. Nun war sie froh und sagte, daß die großen Bäume so gut wären. Und über die Blumen hat sie sich sehr gefreut, und nächstens bringen wir ihr wieder solche mit.

Gretchens Erzählungen machen mir immer Spaß. Sie macht ihre Augen fein auf und ist empfänglich für alles Schöne und Gute. Sie hängt sehr an ihren Eltern. Aber ihre Mutter ist kränklich und wird kaum noch ein- mal das Blühen ihrer Lieblingsblumen erleben. Ich freue mich sehr, daß sich der Vater der Kleinen annimmt. Er ist mittlerer Beamter und seine Sonntage gehören Frau und Kind. Gretchen ist die beste aus ihrer Klasse und bringt nur gute Noten beim. Sie war noch nie ungezogen und ist zu allen freundlich und lieb.

Dann nehme ich Annemarie dran. Sie meldet sich seltener zum Erzählen, öfter zum Rechnen, und ich bin neugierig. — Wir durften gestern auf den Schützen­platz, mein Bruder und ich. Die Eltern waren mit dem Auto fortgefahren. Aber sie haben uns jedem 50 Pfg. gegeben. Wir haben erst lange ausgesucht, wo wir sie äusgeben sollten. Ich wollte sie viel lieber behalten. Wir standen ganz allein beim Karussell. Da rief der Mann: „Kommt, ihr dürst auch mal fahren. Es kostet nichts." Da haben wir uns aber gefreut und unser Geld ganz fesb in der Hand gedrückt. Sicher hat er gemeint, wir hätten keines. Und nachher ist mein Onkel gekom­men und hat uns jedem eine Apkeliine gekauft. Wir haben uns dann zu Haufe unser Geld fein aufgehoben. Jetzt haben wir schon 1 Mark zusammen und nächstens wollen wir es wieder so machen. Aber den Eltern ha­ben wir nur erzählt, daß es sehr schön war, und von unserem Geld nichts verraten. Sonst kriegen wir ja das nächste Mal nicht wieder so viel.

In der Annemarie steckt schon ein kleiner Kaufmann, wie es ihr Vater ist. Darum also hatte sie diesmal io gern erzählt. Ja, wenn sie was verdienen kann! Und gar wenn es sich um Geld bandelt! Da ist sie mach und lebendig. Ich werde sie nächstens zur Sammlerin des Kindheit-Jefu-Vereins machen. Da kann sie üch be­tätigen und das bringt sie nm besten fertig. Und da arbeitet ihr Sammeltrieb doch für einen guten Zweck. Und ehrlich ist sie, darum brauche ich keine Angst zu haben.

Das sind nur 4 Ergebnisse der Montagsstunde. Sind diese schlichten Erzählungen nicht feine Spiegel für Elternhaus, Erziehung und euletzt die eigenen natür­lichen Veranlagungen der Kinder? Da kann man in­teressante Studien machen. Wenn manche Eltern muß­ten, wieviel das Kind vom (Elternhaus) Familienleben in die Schule trägt. Und wie leid tun einem manche Kleine, die so wenig tiefere Anregung von daheim er­halten und sogar Sonntags sich ganz allein überlassen sind. Ein tauber, leerer Himmel ist es, der über ihrer Kindheit liegt und es wäre so leicht für die Ettern.

Kinder und Musikunterricht.

Im allgemeinen ist es nicht ratsam, ein Kind vor Be­ginn des 11. Lebensjahres mit Musik-, d. b- also mei­stens mit Klavier- oder Violinstunden anfangen zu las. sen. Die ersten vier Schuljahre stellen an geistige und körperliche Kräfte des Kindes fo fjolje Anforderungen, daß durch einen verfrühten Musikunterricht in den mei­sten Fällen sowohl in der Schule als auch im Musik­studium halbe Resultate erzielt würden, während der Beginn des letzteren nach dem 10. Lebensjahre beider­seits viel bessere Erfolge zeigt.

Nachdem in den ersten vier Schuljahren die Grund­lagen für alles spätere Sergen gelegt sind und ein gut- begabtes Kind selbständig genug fein dürste, um zu wis- sen, wie es feine Schulaufgaben erledigen muß, um vorwärts zu kommen, kann rußig mit dem Musikunter­richt begonnen werden, und bei normaler Begabung des Kindes macht dieses bann langsam aber stetig gute Fort­schritte. Ein Augenmerk sei auch darauf zu richten, was man dem Kinde für eine Schulbildung angedechen lassen will, und man muß darauf insofern Rücksicht neh­men, daß nicht der S ch u l w e ch s e l mit dem Beginn der Musikstunden zufammensällt. Ist also der Schul­wechsel z. B. an Ostern, dann soll das Kind entweder im Januar vorher oder, was noch ratsamer ist, im Sept.

Die $rau a's Erzieherin.

— Folgsamkeit. Aufs Wort folgen, das klingt etwas sehr bart, und nur zu leicht lassen sich Ettern verleiten, von dieser Forderung abzugehen. Irgend eine drollige Bemerkung, ein wintzig angebrachter Widerspruch reizen zum Lachen, und sofort werden die Eltern inkonfeguent. Dann heißt es wohl, einmal ist keinmal, aber schnell genug werden sich die Folgen einstellen, die beroetfen daß aus kleinen Anfängen recht große Unzuträgttchkeiten entstehen. Die Erziehung zur Folgsamkeit ist eine Er­ziehung zur Pünktlichkeit und Genauigkeit.

— Zartgefühl ist eine angeborene Eigenschaft. Wenn sie nicht vorhanden ist, kann sie kaum anerzogcn wer­den. Wohl aber kann man das Gegenteil von ihr, die Taktlosigkeit, dämpfen. So ist es immer in der Er­ziehung: man muß vorhandene schone Triebe hüten und pflegen und Räuber oder Wassertriebe beschneiden.

— Rein gehalten Mund und Hand! Diese Mah­nung kann Kindern nicht früh genug einaepräat wer­ben. Eine wesentliche Hilf dazu ist das Aufstellen ei­ner dem Kinde erreichbaren Waschgelegenheit in der Kinderstube, die selbständig zu benutzen es von früh auf gewöhnt werden muß, sobald Mund und Hände schmut­zig geworden sind. Ein zur körperlichen Reinlichkeit er­zogenes Kind wird auch leichter vor innerlichem Schmutz und Verrohung des Gemüt» zu bewahren sein.

ihn mit lichten Sternlein zu bestecken, an denen sie immer Freude hätten. Kinder sind doch so leicht glü-f!irh

Was Kinder erzählen.

Montag ist's. Die kleinen Siebenjährigen freuen sich schon darauf, nun vom Sonntag erzählen zu dürfen. Hei, wie sie sich die Aermchen fast ausrecken. „So müßten die Finger auch manchmal im Rechnen kommen!", denke ich. Aber da versagen die meisten, denn ich habe eine pbantafiebegabte, kleine Gesellschaft vor mir. Es macht mir viel Freude, und ich lasse sie gern tüchtig erzählen. Hierbei lernt man am besten die kleinen Gemüter ken­nen und verstehen. Da zeigen sich die so ganz verschie­denen Veranlagungen.

Leni ist mit ihrem Vater spazieren gewesen. Sie hatte ihr schönes Sonntagskleidchen an und ganz neue Schühchen und Strümpfe. Ihre Tante hatte ihr neu­lich ein Korattenkettchen geschenkt. Das hatte sie auch an. Sie sähe sehr nett aus, hatte ihre Mutti gesagt und sie selbst hätte es auch gemerkt, als sie manchmal in ein Schaufenster geguckt hätte. Die anderen Mädchen hat­ten ihr garnicht so gut gefallen. Durch die Anlagen waren sie gegangen. Da waren die Bänke sein weiß angestrichen und die Lehnen grün. Und viele Blumen hatten sie gesehen. Und sie hätte so gern einen ganz dicken, bunten Strauß gepflückt, aber das fei verboten, hatte ihr Vater gesagt. Auf einmal wäre es dann ganz dunkel geworden und schnell hätte es angefangen zu reg­nen, immer fester. Und der böse Regen hätte ihr schönes Kleid ganz durchnäßt und die Strümpfe verspritzt und die Schuhe beschmutzt.

So ungefähr erzählte die kleine Leni und geriet da­bei in Eifer über den dummen Regen. Sie ist ein lie­bes Mädchen mit viel Schönheitssinn. Den hat sie wohl von ihrem Vater geerbt, der Architekt ist. An ihr ist nie etwas in Unordnung, und ihre Hefte sind „Musterhefte". Noch kann man sie nicht ein „Aeffchen" nennen, aber ihre Mutter wird sie bald dazu gemacht haben.

Lieselotte war auch spazieren. Aber als is an­fing zu regnen, da waren sie schnell in eine Erfrischungs­halle gelaufen. Und nun erschöpft sie sich im Aufzählen all der Leckerbissen, die sie und ihre Mutter gegessen haben, und die sie hat stehen sehen. Und nachher zu Hause hat sie garnichts mehr zum Abendbrot gewollt, so viel Süßes hatte sie verschluckt. — Die arme kleine Lieselotte! Das ist immer dasselbe Lied! Sie erlebt und sieht nie was Schönes. Oder es macht keinen Ein­druck auf sie. Immer erzählt sie vom Essen!

Sie kommt nie ohne Bonbons oder Schokolade zur Schule. Und bei Ausflügen ist ihr Rucksack am vollsten. Sie gibt ja dann großzügig her, aber erst bann, wenn sie selbst übersättigt ist. Ihre Ettern, die reich sind, scheinen ihrer „Einzigen" sonst nichts bieten zu können, oder selbst keine höheren Interessen zu haben. Schade um die Kleine!

Die Stau als Hausarzt.

— Die sog. Lungenkräuter haben zum Teil die Ei­genschaft, bas Aushusten bes Auswurfes zu befördern, zum Teil wirken sie zugleich hustenreizlindernb. Wenn es sich nun darum handelt, größere Schleimmassen zu beseitigen, sind die Kräuter der ersten Art (Schafgarbe, Spitzwegerich, Schlehenblüte) angebracht. Soll aber zu­gleich ein lästiger Reiz beseitigt werden, dann empfiehlt es sich, Kräuter der zweiten Art (Eibischwurzel, Islän­disch Moos, Lungenkraut) in Anwendung zu bringen, besonders zweckmäßig ist es, die Drogen nicht für sich, sondern zu gleichen Gewichtsteilen zu benutzen. Man kocht daraus in der Üblichen Weise einen Tee und trinkt morgens, mittags und abends eine Tasse!

— Behandlung des Schnupfens mit Menthol. Man löst fünf Gramm Menthol in zweieinhalb Gramm Chlo­roform und zweieinhalb Gramm Alkohol. Cs werden von dieser Lösung einige Tropfen auf den Zipfel eines sauberen Taschentuches gebracht und eingeatmet, wo­durch eine augenblickliche Erleichterung entsteht. Im

Freien empfiehlt es sich, das Taschentuch direkt vor Mund und Nase zu halten, während es zu Hause genügt, bas Mebikament von Zeit zu Zeit in der angegebenen Weise einzuatmen.

Die Stau in der Küche.

Hochzeitssuppe. Man koche in einer guten Hühner- brühe etwas von bestem Tapioka, um sie feitmg zu machen. Dann schneide man Ochsenmark in kleine Scheibchen und füge sie nebst Spargelköpfchen und m Butter geschwitzten Hühnerklöhchen der Suppe bet. Bas Mark, Spargel und die etwa ebenfalls zugesugten Spargelstückchen sind zuvor in klarer Bouillon abzu- fodjcit

Cumberlanbfauce. Johannisbeergelee wird mit et­was englischem Senf verrührt, durch eine Prise Cayen­nepfeffer verschärft und kalt gestellt. Manchmal wird auch gewünscht diese Sauce in Muscheln zu verzieren, dann muß sie allerdings etwas steifer sein, rote tn der Sauciere. , ,, .

Kijott 125 Gramm Reis werden abgewaschen und abgebrüht, in leichter Fleischbrühe ober Wasser gekocht. Dann fügt man 25 Gramm Butter hinzu, 25 Gramm geriebenen Parmesankäse, etwas gekochten mageren Schinken, fein gehackt unb 2 rohe Eidotter. Das Ganze wird gut gemischt serviert. Es ist sehr nahrhaft unb leicht verdaulich.

Heiteres.

Er ist im Recht. „Gestern verkauften Sie meirro- Frau einige (Bier," sagte der ärgerlich aussehende Mann zum Händler. „Ja," antwortete dieser fröhlich, „ich glaube auch." — „Und Sie sagten ihr, sie seien frisch." „Stimmt." — „Aber Sie hatten kein Recht, das zu behaupten." — „Warum nicht? Ich hatte sie doch frisch von Fred Miller gekauft." — „Das glaube ich nicht. Fred Miller ist ein ehrlicher Mann." — „Ja — und er hat gesagt, sie wären sehr gut. Er tarn hier mit einem Korb voll herein und legte sie da auf diesen Tisch." — „Wann war denn das?" — „Vor etwa drei Mo-

Die Srau des eisernen Kanzlers.

Bismarck an seine Braut unb Gattin.

Don Johannes Dierkes.

Vor sich, im Nebellanb ihrer Träume, sehen heute viele Bismarck, breitspurig, in schweren Kürassierstiefeln, den Säbel an ber Seite unb ben Stahlhelm auf dem wuchtigen Kopfe; ober sie schauen ihn als Schmied an rauchender Esse, rote er aus Blut unb Eisen bas Reich zusammenschweißt; immer aber scheint er ihnen ein Draufgänger unb Tollkühner, ein Tatenriese, ber nur mit schweren Hämmern arbeitet. Wo seine Kanonen­stiefel klirren, schwankt alles; unb Neues wirb über Nacht....

Die Armen! Sie betrügen sich selbst und andere. Die Helden, die sie feiern, wandeln sie in flögt. Karikaturen um. Denn ber Heros hat neben bem Vollmaß von äu­ßerstem Ernst unb roher Kraft bie Fülle feinsten unb reinsten Sehens im Innern. So auch Bismarck! Gewiß war er ein harter Mann; in politischen Verhandlungen von einer strengen Logik des Verstandes, nur mit dem rechnend, was ist; sein Augenmerk nur auf praktische Lösungen gerichtet; sehr oft von brutalem Willen und eisernen Härten ließ er seine Kräfte in Zusammenhänge fließen, die er gegen andere ausspielte, um sie zu mei­stern. Und doch war er zutiefst innerlich wieder von einer Feinnervigkeit ohnegleichen.

In seiner Seele war ein Liebeverlangen und ein Liebenkönnen, von dem nur ahnt, ber sie sich erschließt. Unb sie zeigt sich am schönsten in Bismarcks prächtigen Briefen an feine Braut und Gattin Johanna von Putt- fammer.

Gleich einer der ersten Brautbriefe verrät uns die Gemütstiefe Bismarcks, wenn wir da lesen: „Wer ist mehr verpflichtet unb berechtigt, Leiden und Kummer mit Sir zu teilen, Deine Krankheit, Deine Fehler zu tragen, als ich, ber ich mich freiwillig bazu gedrängt habe, ohne

durch Bluts- und andere Pflichten dazu gezwungen zu fein? — Meine liebe Johanna, muß ich Dir nochmals jagen, daß ich Dich liebe, fans phrase, daß wir Leid und Freud miteinander teilen sollen, ich Dein Leid, Du das meine, daß wir nicht vereinigt sind, uns einander zu zeigen und mitzuteilen, roas dem anderen Freude macht, sondern, daß Du Dein Herz zu jeder Zeit bei mir aus» schütten darfst und ich bei Dir, es enthalte, was es wolle --" (21. Februar 1847).

„Bemühe Dich nicht", schreibt er im nächsten Briefe, „eine steife, glatte Hecke zu werden van Hause aus. Die bann kräftig unb grün nur dann bastehen, wenn sie wild hinauswächst unb vom Gärtner mitten durchs Leben beschnitten wird, und das werde ich ja doch nicht über mein Herz gewinnen; wachse beliebig als Waldrose; das läßliche Moos und die allzu scharfen Dornen wollen wir uns beide bemühen, schmerzlos oder doch vorsichtig zu entfernen .... Leb wohl! Heut nacht „steh ich in finstrer Mitternacht", unb Du „schickst ein fromm Gebet zum Herrn, wohl für den Liebsten in der Fern." (22. Februar 1847).

Ein andermal schreibt er ihr vor Berlin: „Hätte ich erst den Landtag hinter mir, könnte ich Dich gesund um­armen und mit Dir in ein Jägerhaus im tiefsten grünen Wald und Gebirge ziehn, wo ich kein Menschengesicht als Deines sähe! Das ist so mein stündlicher Traum; das rasselnde Räderwerk des politischen Lebens ist meinen Ohren von Tag zu Tag widerwärtiger; ist es Deine Ab­wesenheit, ist cs Krankheit, ist es Faulheit, ich möchte allein mit Dir in beschauerlicher Naturschwärmerei sein." (26. Mai 1847).

Und mit welchen Gefühlen begeht Bismarck den Ge­burtstag seiner „geliebten Banne"! „Ich will Deinen Geburtstag damit feiern, daß ich Gott inbrünstiger als an anderen Tagen bitte, daß er Dich mir am Leben und gesund erhalte, daß er mir Friedfertigkeit unb Demut verleiht, um mich bie gerechte Liebe unb Treue gegen Dich nicht bloß in Gefühlen, fonbern auch in meinen

। Taten mit unwandelbarer Sanftmut und Sorgfalt stets ' beweisen läßt." (9. April 1850).

Bismarcks Che mit Johanna war eine echte Kamerad- I schäft; in der aufreibenden Arbeit b* politischen Le- * bens ist es ihm Bebürfnis, sich mit ihr auszusprechen; in ber Ruhe unb Stille seiner Häuslichkeit finbet er neue Kraft fürs öffentliche Wirken. Wie sehr er die Häus­lichkeit schätzt, zeigt das Folgende aus einem Briefe vom 18. Juli 1849: „Die Bäume standen still unb hoch neben mir, bie Luft voll Sinbenblüte; im Sorten schlug eine Wachtel, und hinten über Arneburg lag der letzte klaß- rote Saum des Sonnenuntergangs. Ich war recht von Dank gegen Gott erfüllt, und vor meine Seele trat das ruhige Glück einer von Liebe erfüllten Häuslichkeit, ein stiller Hafen, in den von den Stürmen des Weltmeeres wohl ein Windstoß bringt, der die Oberfläche kräuselt, aber dessen warme liefen klar unb ruhig bleiben, so lange bas Kreuz bes Herrn sich in ihnen spiegelt; mag auch bas Spiegelbilb oft matt unb entstellt zurückstrah- len, Gott kennt sein Zeichen boch." — Unb in einem Briefe vom 14. Mai 1851 heißt cs: „--ich habe Dich

geheiratet, um Dich in Gott unb nach bem Bebürfnis meines Herzens zu lieben, unb um in der freuten Wett eine Stelle für mein Herz zu haben, bie all ihre dürren Winde nicht erkälten, unb an ber ich bie Wärme des heimatlichen Kaminfeuers finde, an das ich mich dränge, wenn es draußen stürmt und friert; nicht aber, um eine Gefellschaftsfrau für andere zu haben, und ich will Dein Kaminchen hegen und pflegen unb Holz zulegen und pusten und schützen, unb schützen gegen alles Böse und Fremde, denn es gibt nichts, roas mir teurer, lieber und notwendiger ist, als Deine Liebe und der heimat­liche Herd."

Dieses Sehnen nach Familienglück ist eine der tiefsten Empfindungen Bismarcks. In feinem Herzen blieb trotz aller staatsmännischen Arbeit stets das Verlangen nach der Ruhe und dem Glück, die dem arbeitsmüben Mann nur bas liebende Weib gewähren kann: „Ich habe ko

eine fixe Jbee", so schreibt er in einem Briefe vom 10. Februar 1851, „die mich in allem Getriebe verfolgt, in einem ganz einsamen, tiefen Gebirgstal im warmen Sommer, dicht am Bach, mit dem Kopf auf Deinem Schoß zu liegen, und über mir durch den Dampf ber Zi­garre unb bie grünen Baumroipfel ben blauen Himmel anzusehen unb von Dir angesehen unb geliebt zu wer­den, unb so sehr lange gar nichts zu tun.“ — Aus einem Briefe vom 3. Juli desselben Jahres rühren bie bekann­ten Worte: „Ich begreife nicht, wie ein Mensch, ber über sich nachdenkt unb boch von Gott nichts weiß ober wissen will, fein Leben vor Verachtung unb Langeweile tragen kann. ... Ich weiß nicht, wie ich bas früher ausgefallen habe; sollte ich jetzt leben wie bamals, ohne Gott, ohne Dich, ohne Kinder, ich wüßte doch in der Tat nicht, warum ich dies Leben nicht ablegen sollte wie ei» schmutziges Hemd."

Erschütternd tritt uns Bismarcks Verlangen nach sei­nem Weibe unb dem Frieden ihrer Häuslichkeit in späteren Jahren entgegen: „Wenn man zu lange Mini­ster ist und dabei Erfolge hat, so fühlt man deutlich, wie ber falte Sumpf von Mißgunst und Haß einem allmählich höher unb höher bis ans Herz steigt; man gewinnt keine neuen Freunde, die alten sterben oder treten in verstimmter Bescheidenheit zurück, und bie Kälte von oben wächst, wie bas die Naturgeschichte ber Fürsten, auch der besten, mit sich bringt. — Kurz, mich friert geistig, und ich sehne mich, bei Dir zu sein unb mit Dir in Einsamkeit auf bem Lanbe."

Das finb nur wenige Stellen aus ber reichen Ge- bantenfülle ber Bisrnarckschen Briefe an Braut unb Gattin. Sie genügen, um zu zeigen, wie bei aller äußeren Härte unb Strenge unb Knorrigkeit Bismarcfr im Innern er von einer gerabezu wunbervoll. Weichhei: unb einem gemütstiefen Empfinden sondergleichen war. So steht er vor uns als ein großer Mensch unb je. unb nur so will ihn unser Herz.