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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda unb ben Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Donnerstag, IS. August 1927

Nr. ISS

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

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Postscheckkonto Frankfurt a. M. Rr 4051.______:<_____

Vater des Vaterlandes.

Zur Hindenburgfpende.

Reichskanzler Dr. Marx hat dem von der Ge­schäftsstelle der Hindenburgfpende herausgegebenen und demnächst in Berlin im Verlag für Politik und Wirtschaft (Otto Stollberg) erscheinenden Hinden­burg-Volksbuch eine Würdigung Hindenburgs ge­widmet, in der es heißt:

Als am 12. Mai 1925 Generalfeldmarschall v. Hindenburg das Amt des deutschen Reichspräsiden­ten übernommen hatte, wurde keine leichte Bürde auf die Schultern eines Mannes gelegt, der sich bereits in einem langen Leben voll Pflichttreue und Hingabe in Frieden und Krieg für das Wohl des deutschen Volkes eingesetzt hatte. Die Ge­schichte kennt wenig Beispiele, in denen ein gleicher Dienst am Vaterlande in so hohem Alter gefordert wurde.

In der Ansprache, die ich am Neujahrstage des Jahres 1927 an den Reichspräsidenten gerich­tet habe, konnte ich bereits in Dankbarkeit und Genugtuung feststellen, daß sich die politische Lei­tung in zunehmendem Maße auf einen die ver­schiedensten Bevölkerungsschichten und Varteigrup- vierungen umfassenden Willen zum Wiederaufbau der deutschen Weltgeltung mit den Mitteln einer ebensosehr auf die friedliche Verständigung wie auf die Wahrung der nationalen Würde bedachten Politik stützen durfte. Der Ruf, mit dem Reichspräsident von Hindenburg bei seinem Amtsantritt in feierlich ernster Stunde das deutsche Volk über alle Sonderinteressen hinaus zur Mitarbeit an dem Wiederaufbau des deutschen Gemeinschaftslebens aufgefordert hatte, hat also reiche und kostbare Frucht getragen.

Der große Gedanke der Volksgemein­schaft hat in gemeinsamer Arbeit des Reichs­präsidenten, der Reichsregierung und des Reichstags das politische und wirtschaftliche Wollen des deut­schen Volkes in stets stärkerem Maße und weiterem Umfange erfüllt. Das Vorbild aber in dieser so erfreulichen Gestaltung ist Reichspräsident von Hindenburg gewesen.

. Wir dürfen und wollen, geeint in gleicher Liebe zum Vaterland, dem Reichspräsidenten am 80. Ge­burtstage in hoher Ehrerbietung Dank ausspre­chen für all sein Sorgen und Mühen um das Wohl des deutschen Vaterlandes. Den schönsten Ruhm, Vajer des Vaterlandes zu sein, wird ihm das deutsche Volk an diesem Tage dank­bar ztierkennen.

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An nähme st eklen für die Hindenburgfpende und alle Postanstalten, Eisenbahnschalter, Banken, Sparkassen und die bekannten Postscheckkonten (Z. B. Berlin 73 800).

, * Wildungen sucht Anschluß an Preußen, (ffitg. Funkm.) Wie dieWaldecksche Zeitung" be­richtet, hat der Gemeinderat der Stadt Bad W i l- d u n g en den Beschluß gefaßt, unabhängig von den zwischen den Reichsstellen, Waldeck und Preu­ßen schwebenden Auseinandersetzungen mit dem preußischen Innenministerium direkte Verhand­lungen über einen Anschluß an Preußen auf- zunehmen.

Annahme des kommunistischen Wißtranens- ootums in Schwerin. Die am Dienstag erfolgte Abstimmung im Landtag über ein Mißtrauens­votum gegen den demokratischen Justizminister Dr. Möller ergab die Annahme des Mißtrauens­votums nut 26 Stimmen der Rechten und der Kommunisten gegen 24 Stimmen der Sozialdemo­kraten und der Gruppe für Volkswohlfahrt mit Einschluß des Demokraten. Von den drei Kom­munisten fehlte einer.

Zur Zraqe -er Veamtenbesol-ung.

Eine Antwort des Reichsfinanzministers.

Unmittelbar nach der Vertagung des Reichs­tages hatten demokratische Abgeordnete unter Hin­weis auf die Aktion, die die sächsische Regierung in Uebereinstimmung mit dem Landtag in bezug auf die Beamtenbesoldung vorgenommen hat, den Reichsfinanzminister ersucht, auch für die Reichs­beamten noch vor dem 1. Oktober eine ähn­liche Maßnahme wie in Sachsen zur Durchführung zu bringen. Darauf ist jetzt, wie der Demokratische Zeitungsdienst mitteilt, eine Antwort Dr. Köhlers einqegangen, in der es u. a. heißt:

Bei den letzten Verhandlungen über die Beam­tenbesoldungsfragen im Haushaltungsausschuß des Reichstages habe ich eingehend die Gründe Lar­gelegt, die die von verschiedenen Seiten beantragte lausende Erhöhung der Beamtenbezüge oder die Gewährung einer einmaligen Beihilfe an alle Reichsbeamten bestimmter Besoldungsgruppen vor dem 1. Oktober 1927 unmöglich machen. Namens der Reichsregierung habe ich mich aber bereit er­klärt, die Unterstützungsmittel der Behör­den der allgemeinen Reichsverwaltung um rund 3 Millionen Rm. zur Linderung der Not derjent- gen Reichsbeamten, die sich in schwieriger wirt­schaftlicher Lage befinden, zu verstärken. Durch diese inzwischen durchgeführte Maßnahme ist er­reicht, daß derzeitigen wirklichen Notfäl- l e n wirkungsvoller entgegengetreten werden kann, als es bei einer gleichmäßigen Verteilung der vor­handenen Mittel' auf sämtliche Beamten bestimm­ter Besoldungsgruppen möglich wäre. Um bte zur Verfügung gestellten Mittel möglichst gerecht zu ver­teilen, habe ich es den Dienstvorgesetzten zur Pflicht gemacht, auch von sich aus die wirtschaftliche ^.age ihrex Beamten zu prüfen und von Amts wegen da zu helfen, wo sie es für notwendig halten, auch wenn in Not befindliche Beamte es aus irgend­welchen Gründen unterlassen, einen Unterstutzungs- antrag zu stellen. Die von mir getroffenen Maß­nahmen erscheinen mir im gegenwärtigen ^kr- punkt zweckmäßiger als das Vorgehen Sachten-, durch das allen Beamten Beihilfen tn bestimmten Hundertsätzen ihrer Dienstberüae gewährt werden.

Zurück nach Locarno".

Unterredung mit dem polnischen Außenminister.

Die WienerRcichspost" bringt eine Unter­redung ihres Berichterstatters mit dem gewesenen polnischen Ministerpräsidenten Skrzynski. In dieser Unterredung sagte Skrzynski u. a., das Ge­bot der Stunde, das zu überhören gefährlich sein könnte, heißt:Z u r ü ck n a ch L o c a r n o." Der Locarno-Geist kann den Frieden unseres Welt­teils garantieren. Deshalb muß er siegen. Jeder­mann weiß heute, daß Clemenceau und Lloyd George^schlechte Friedensverttäge gemacht ha­ben. Die Urheber dieser Verträge haben durch ihr schlechtes Verständnis für dis poli­tische Realität den Locarnopakt notwendig gemacht. Der Friedensverttag von Versailles war etn In st rum en t der Strafe. Der Locarno­pakt ist ein Instrument der Zusammen- arbeit. Erst Locarno stellte den moralischen Friedensvertrag dar. Der Locarnopakt ist keines­wegs nur für Deutschland von Vorteil. Auf dre Frage, ob Polen ein besonderes Interesse am Lo­carnopakt gehabt habe, sagte Skrzyinski, daß Bo­len wohl ein Interesse am Pakt gehabt habe. Die Politik von Versailles hatte zur Ruhrbesetzung ge­führt und drohte den Kriegsgeist in Europa zu verewigen. Das waren auch für Polen ganz trübe i Aussichten. Dazu kommt noch, daß der Ruhrkampf, \ wenn er weiter gedauert hätte, zu einer englisch- - deutschen Annäherung geführt hätte. Diele wäre aber erst recht für Frankreich und Polen verhängnis­voll gewesen, wenn nicht geradezu katasttophal. Dies ist das sehr realpolitische Jnteresie Polens am Locarnopakt Auf die weitere Frage, ob Skrzyinski an ein Ost-Locarno glaube, erwiderte er:Ich kann nur sagen, daß wir Polen gern unterschreiben würden. Meiner Ansicht nach wäre aber ein sol­ches deutsch-polnisches Locarno-Abkommen schwer zu erzielen. Aus dem westlichen Locarno hatte Deutschland große Vorteile. Ich glaube kaum, daß es in Deutschland irgendjemand gibt, der an krie- gerische Absichten Polens glaubt. In dieser Weise haben wir also nichts anzubieten. Warum sollte dann das Deutsche Reich einen Locarnopakt mit l uns unterschreiben?" Weiter erklärte Skrzynski. i ein gutes Verhältnis mit Deutschland » sei für Polen eine Notwendigkeit, so- t wie auch das Umgekehrte für Deutschland gelte. Das Verhältnis Deutschlands zu Rußland, faate < Skrzynsski weiter, ist für die volniiche öffentliche Meinuno der große Stein des Anstoßes. Man fühlt sich in Polen nicht ganz sicher, daß nicht, hier ein Dopvelsviel a»trieben wird. Wir misten nicht ganz, ob wir sämtliche Mmachunaen und Dereinbarunaen zwischen Rußland und Deutschland kennen. Scbließ- l'ch erklärte Skrzynski. er sei heute kein aktiver Politiker, aber es fei ihm unmöglich, länger ruhig zu sitzen und zuzusehen, wie der Locarnogedanke, der der einzige Weg für die Sicherstellung des Friedens sei, immer mehr bedroht würde.

Verständigung mit Frankreich.

Unterzeichnung des deutsch-französischen Handelsabkommens.

wtb Paris, 17. Aug. (Eig. Funkm.) Havas gibt um 10 Uhr bekannt, daß das deutsch-franzö­sische Handelsabkommen heute früh von Handels­minister Bokanowski und Ministerialdirektor Poste unterzeichnet worden ist. Die Unterzeichnung durch den Minister des Auswärtigen Briand und Botschafter v. H o e s ch wird sicher im Laufe des Tages folgen.

KaHnettsfitymg vor Genf.

Das deutsche Reichskabinett wird, demB. T." zufolge, bevor der Außenminister nach Genf ab- reist, nochmals zu einer Sitzung zusammentreten. In dieser Sitzung, die für den 25. oder 26. August in Aussicht genommen ist, wird sich das Kabinett im einzelnen mit dem gesamten Genfer Fragenkomplex befassen, und Dr. Strese- mann voraussichtlich wiederum freie Hand für Gens gelassen.

* Streit um die Arbeitszeit in den Reichsver­waltungen. Der Eewerkschaftsbund der Angestell­ten teilt mit: Schon seit Monaten stehen die am Reichsangestellienfarifvertrag (Rat) beteiligten Or­ganisationen mit der Regierung in Verhandlungen über die Abgeltung der Ueberzeitar- beit der Angestellten in den Reichsverwaltungen. Das Angebot'der Regierung trägt den gesetzlichen Bestimmungen in keiner Weise Rechnung. Infolge- dessen sind'die Verhandlungen am Samstag, den 13. August, gescheitert. Die Tarisorqanisationen haben deshalb am 15. August beim Reichsarbeits­minister die beschleunigte Durchführung eines Schlichtungsverfahrens beantragt.

Vermehrte amerikanische Seerüstnng als Folge der gescheiterten Warinekonferenz. Admiral Gibson, der von der Marinekonferenz in Genf zurückkehrte, erklärte, daß die dortigen Beratun­gen den einen Erfolg gehabt hätten, dem amerika­nischen Volke die Augen zu öffnen über die Not­wendigkeit einer größeren Handelsflotte, aus der sich im Kriegsfälle schnell Hilfskreuzer bereit stellen lasten.

* Einfall persischer Banditen in Türkisch-Kur­distan. (Eig. Funkm.). Banditen aus Persien drangen an der anatolischen Grenze in Türkisch- Kurdistan ein. Der türkische Botschafter in Tehe­ran sandte einen Bericht nach Angora, über den Wechsel, der in den türkisch-persischen Beziehungen eingetreten sei. Die türkische Regierung unter­nimmt energische Maßnahmen gegen die Ban­diten.

Die Parteikämpfe in Rußland

man hat einen Kompromiß geschlossen, bei dem es noch zweifelhaft ist, ob er zum Frieden führt oder für die Opposition eine Falle fein soll. Ganz ge­wiß hat die regierende Gruppe weder die Zeit für reif gehalten noch so völlige Klarheit über den An­hang der Opposition gewinnen können, daß sie ei­nen radikalen Schritt bereits gewagt hätte. In

dem abgeschlossenen Kompromiß beißt es, daß die Opposition unbedingt und vorbehaltlos für die Ver­teidigung der Sowjetunion eintritt und zwar un­ter Beibehaltung des jetzigen Zentralkomitees der Partei und der jetzigen Leitung des Exekutivkomi­tees der kommunistischen Internationale. Die Opposition verurteilt auch entschieden alle Versuche zur Schaffung einer zweiten Partei in der Sowjet­union und bezeichnet sie als verderblich für die Revolution. Die Opposition erklärt sich bereit, alles zur Vernichtung aller Fraktionselemente ,zu tun, die sich als Folge besten gebildet haben, daß die Opposition angesichts des innerparteilichen Regi­mes gezwungen war, der Partei ihre wirklichen Anschauungen mitzuteilen, die dann in der im ganzen Lande gelesenen Presse falsch wiedergegeben worden sind. Aber diese Konzessionen verhindern die Opposition nicht, ihre Ueberzeugung aufrecht zu erhalten, daß die Partei auch während des Krie­ges nicht auf die Kritik und auf die Verbesserung der Linie des Zentralkomitees, falls sie unrichtig sein werde, verzichten könne. Dieser letzte Satz hebt die erst gemachten Konzessionen größtenteils wie­der auf. Die Kritik an dem herrschenden Regime wird also von der Opposition weitergeführt wer­den und damit auch die oppositionelle Gruppenbil­dung innerhalb der Partei weitere Nahrung er­halten. k

Der Kompromiß bedeutet also keine Beilegung des Streites, sondern seine Fortführung. Insbe­sondere wird man außerhalb Rußlands, wo die leiblichen Gefahren für öiffentierenöe Geister nicht so groß wie in Rußland selbst sind, den Mei­nungskampf weiter ausfechten. Die herrschende Gruppe in Moskau wird demgegenüber das ihrige tun, um sich zu befestigen. Die unglaublich zahl­reichen Verhaftungen, die in den letzten Monaten in Rußland erfolgt sind, beweisen das Maß ihrer Energie. Im übrigen dürften auch die endlosen Disziplinpredigten Ihre Wirkung nicht verfehlen, wenn auch solche Disziplinpredigten sich gewöhnlich dann häufen, wenn die Organisation an geistiger Kraft verliert und entsprechend sich selbst umso­mehr zum eigenen Zweck setzt. Aber diesmal kom­men der herrschenden Schicht die außenpolitischen Schwierigkeiten zu Hilfe, die jedem Appell an die Disziplin starken moralischen Nachdruck verleihen. Der Parteiapparat samt der Presse ist jedenfalls noch vollkommen in der Hand der herrschenden Gruppe, die Opposition bleibt auf Flugblätter an­gewiesen und die Hilfe vom Auslande her-

Die Verhandlungen des Zentralkomitees der kommunistischen Internationale in Moskau über die Behandlung der Opposition in der Partei ha­ben mit einem Kompromiß geendet. Die jetzigen Herrscher Stalin und B u ch a r i n haben es nicht gewagt, die Oppositionsführer Trotzki und Sinowjew aus dem Exekutivkomitee auszu­schließen, was man vorher erwartet hatte. Es ist nicht ganz klar, um welche konkreten Dinge es sich bei diesen Meinungsverschiedenheiten handelt. Man wird den kritischen Parteiverhältnissen wohl dann am ehesten gerecht, wenn man von Mei­nungsverschiedenheiten der Führer über die bessere Anwendung der kommunistischen Lehre spricht. Die herrschende Gruppe sowohl wie die opponierende Gruppe betonen beide mit Emphase, daß sie die ur- eigentlichen Vollstrecker des Willens Lenins seien. Sie seien die eigentlichen Träger des Le­ninismus. Was aber hat Lenin gelehrt, was hat Lenin praktiziert und was ist der reine Leninis­mus? Wer handelt im unmittelbaren Sinne Le­nins, derjenige, der die in den theoretischen Schriften Lenins niedergelegten Ansichten anwen­det, oder derjenige, der sich zur reformistischen Praxis des bereits legendären Parteihäuptlings bekennt? Man weiß, daß Bucharin einer der ra­dikalsten Doktrinäre des Bolschewismus gewesen ist und zur neuen Wirtschaftspraxis Lenins sehr oft in Gegensatz geriet. Man weiß, daß Sinowjew, als er noch Leiter der kommunistischen Jnternatio- nale war, eine unumschränkt individualistische Po­litik gemacht hat, die schließlich seinen Sturz her- beiführte. Die Außenpolitik Sinowjew in den kom­munistischen Sektionen der nichtrussischen Länder war lediglich von Selbstzwecken der kommunisti­schen Organisation bestimmt, so wie Sinowjew selbst sie auffaßte. Das Regiment Lenins dage­gen war bei aller Ditakturfchroffe erheblich sachli­cher und objektiver. Was also heißt Leninismus, was ist die richtige und reine Lehre Lenins? In den Kampf der beiden Richtungen mischen sich ganz gewiß Erwägungen kommunistisch theoretischer Art hinein, das Grundmotiv des Gegensatzes ist aber ohne Zweifel in letzter Linie der Ehrgeiz der Füh­rer. Eine Diktatur ist darauf angewiesen, von fort­gesetzten Erfolgen zu reden. Stellen sich Mißerfolge ein, so bekommt der Ehrgeiz beiseite-gestellter Füh rernaturen natürlich ausreichende Nahrung, nicht nur um zu demonstrieren, daß man es bester kann, sondern auch um anzudeuten, daß der allein selig­machende Weg des Parteipapstes Lenin zum Un­glück verlassen worden sei.' Cs handelt sich also letzten Endes um einen Kampf, um Macht und Führung innerhalb der Partei, es ist der Ehrgeiz der Politiker, der, obgleich sie von derselbenWelt­anschauung" inspiriert sind, nicht den gleichen po­litischen Weg zu gehen vermögen.

Wie eingangs gesagt, ist die Oppositionsgruppe nicht in Acht und Bann erklärt worden, sondern

England und Arabien.

Der anfangs Juli zwischen dem englischen Ge schäststtäger Gilbert Clayton und Ibn Saud zum Abschluß gebrachte englisch-arabische Vertrag bedeu­tet eine Erweiterung des Bündnisvertrages von 1915 und des Grenzvertrages vom November 1925, durch den die beiden britischen Mandats­gebiete von Transsordanien und Mesopotamien eine gemeinsame Grenze erhielten.

Bereits im Jahre 1915 erkannte Ibn Saud durch den Bündnis-Vertrag in Auswärtigen An­gelegenheiten England als Protektor an. Durch den Uebergang des Königsreiches Hedschas an Ibn Saud wurde eine neue Gage geschaffen, der der neue Vertrag Rechnung tragen soll. In diesem Vertrage wird zunächst die Ebenbürtigkeit Ibn Sauds als Verttagspartner und feine volle Unab­hängigkeit von der englischen Regierung aner­kannt. Die Frage der Hedichas Bahn ist zu Gun­sten Ibn Saud geklärt geklärt worden. Desglei- chen zeigte England in der Frage der Rückgabe der ©täfote Maan und Akaba an Hedschas Ent­gegenkommen. (Diesen wirtschaftlich unbedeuten­den Städten hatte man in englischen militärischen und politischen Kreisen aus empirestrategischen Gründen bisher große Bedeutung beigemessen ) Ferner stellte England, ähnlich wie in den Ab­machungen von 1915 Ibn Saud jährlich eine grö­ßere Summe zur Verfügung. England darf da­für eine englische Militärkommission in Nedfchd unterhalten und hat das Recht, auf einem im Ver­trag umschriebenen Teil des Hedschas eine Flog­st cttion ejnzurichten und Flugzeuge zu stationieren Diese Vertragsklausel stellt jedenfalls wobt das mi­litärische Aeauivalent für die Herausgabe von Maan und Akaba dar.

Clanton teilte im Verlauf der Verhandlungen mit, daß nach der enalischen Regierung vorliegen­den Informationen Sowjetrußland beabfidjfigte, im Machtbereiche Ibn Saud's eine intensive Pro­paganda aufzuziehen. England fei bereit, Ibn Saud in der Abwehr des Bolschewismus zu unter« stützen. Ibn Saud stimmte der Einrichtung einer antibolschewistischen Stelle in seinem Machtbereiche zu.

Dem Abschluß voraus gingen Verhandlungen Claytons mit dem italienischen Gouverneur Gaspe- rini, die sich um die aus dem italienischen Protek­torat in d"m Saud benachbarten Jemen-Gebiet re­sultierenden Ri>!6ungsflöchen zwischen stistienstchei und englischer Arabien-Politik drehten. Diese Der- Handlungen führten zu befriedigendem Ergebnis

Zu beachten ist Ibn Saud's Stellung zu Frank- reich. Er hat seine Sympathien für die aufstän­dischen Syrier nie verleugnet und erst setzt den flüchtigen Syrier-Führer Sultan Astrasch mit 'ei­nem Anhänger aufgenommen, nachdem er vorbei die Aufständischen bereits mit Waffen und Muni­tion unterstützt und stillschweigend geduldet hatte daß ihm unterstehende Beduinen-Stämme mit der syrischen Aufständischen gemeinsame Sache mac; ten. _______________________

Die Wirren in China.

Weiterer Vormarsch der Nordtruppen.

Aus zuverlässiger Quelle wird gemeldet, daß chinesischen Südtruppen eilig das Nordufer des P a n g t f e räumen. Die Truppen Suntfchu- anfangs, des Kommandeurs der Nordtruppen, rücken mit großer Schnelligkeit vor. Taufende von Flüchtlingen sind aus Nanking und Tschingking nach Schanghai abgereift.

Times" meldet aus Peking: Fast alle führen­den Mitglieder der Nankingregierung sind in Schanghai eingetroffen. In Nanking herrscht Panik. Man befürchtet einen Konflikt zwischen den Nationalisten und den vorrückenden Nordtrup­pen. Sunschuansang, der Führer der Nordtruppen, hat an das Kabinett telegraphiert, er erwarte irr kurzer Zeit in Nanking und Schanghai zu sein.

Die 5acco-vanzetti-5lnaelegenheit

Vombenattentat auf einen Geschworenen.

Am Dienstagmorgen wurde das Haus v< Lewis Mc. H a r d y in East-Milton, der als Ge> schworener in dem sieben Jahre zurückliegender ersten Prozeß gegen Saeco Vanzetti tätig war, durch eine Explosion zerstört. Mc. Hardy war zufällig abwesend, dagegen befand sich seine Familie im Haus. Obwohl die Feuerwehr die Be- troffepen nur mit großer Mühe aus den Trüm» mern des zerstörten Hauses bergen konnte, ist k e i» ner ernstlich verletzt worden. Wie weiter berichtet wird, befand sich Mc. Hardy, als sein Haus durch eine Explosion zerstört wurde, in sei­ner Wohnung. Alle Anwesenden erlitten Schnitt- und Stoßverletzungen. Die Polizei äußert die Meinung, daß die Explosion mittels einer Bombe herbeigeführt worden ist.

Bombenanschlag in Buenos Aires.

wtb. Buenos Aires, 17. Aug. (Eig Funkm) Auf den Leiter der hiesigen Kriminalpolizei wurde heute nackt ein Anschlag verübt. Auf dem Balkon seines Prirathauses wurde eine Bombe zur Explo­sion gebracht. Die Hauswand wurde zerstört, ver­letzt wurde niemand. Die Polizei vermutet Z u- sammenhänge mit der Sacco-Vanzetti- Angelegenheit.

Freitag Entscheidung des Obersten Gerichtshöfe»

wtb. London, 17. Aug. (Eig. Funkm.). Nach einer Agenturmeldung aus Boston hat sich der oberste Gerichtshof feinen Beschluß in der Sacco- Vanzetti-Angelegenheit bis Freitag vorbehalten.

* König Fuad kommt nach Paris. Der König von Aegypten wird am Samstag, den 20. ds. Mts" aus Venedia kommend in Paris eintreffen.