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Fuldaer Zeitung

M 186.

Sonntag, 14. August 1927.

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Acklendruckerei, Fulda

Mariä Himmelfahrt.

Von unserem G.-Mitarbeiter.

Das Fest Mariä Himmelfahrt ist allem Anschein nach das älteste der Marienfeste und ein mariani- sches Hauptfest. In der Urkirche feierte man zu­erst als Feste den Todestag eines Märtyrers, weil dieser durch seinen blutigen Tod sicher mit Christus vereinigt war. Bald feierte man auch den Todes­tag nicht gemarterter Heiligen, die einen hohen sittlichen Ruf durch ihr Leben und ihre Wirksam­keit erlangt hatten. In den einzelnen Kirchen war nun deren Leben, Wirken und Tod bekannt. Da­gegen lag über Tod und Grabesruhe der Gottes­mutter keine geschichtliche Nachricht vor. Was uns vorhanden ist, sind Legenden aus dem 5. und 6. Jahrhundert, die z. T. wegen ihrer Anhäufung von fast abgeschmeckten Wunderberichten abzuleh­nen sind.

Bei dem Feste Mariä Himmelfahrt muß man zunächst den eigentlichen Kern herausschälen, der von Anfang an den Inhalt des Festes bildete. Es hieß in der alten Kirche: Entfchlafung, Dei- fetzung, Ruhe, Heimgang, Aufnahme der Gottes­mutter. Daraus geht hervor, daß man zunächst wie bei allen Heiligen an die Ausnahme der Seele der Gottesmutter in den Himmel gedacht hat. Daß Marias Seele gleich nach ihrem Tode der An­schauung Gottes teilhaftig wurde, war allen selbst­verständlich und ist auch nie in Zweifel gezogen worden. Schon in der Verkündigung war ihr durch Engelsmund die Begrüßung zuteil gewor- den:Du bist voll der Gnade". Das Fest des Todestages Mariens, ihres Geburtstages für den Himmel wurde so schon im 4. Jahrhundert be­gangen.

Später erweiterte sich dann der Kem des Fest­gedankens. Als die theologische Wissenschaft tiefer in Me Geheimnisse des Christentums eindrang, da die Person des Erlösers in seiner gottmensch­lichen Würde bis ins Tiefste erfaßt wurde, trat damst natürlich auch die Würde sseiner Mutter greifbarer vor das geistige Auge, obschon von An­fang an, auch schon aus den Evangilen die innige Hochachtung der Urgemeinde zu Maria durchschim­mert. Nach dem Konzil von Ephesus (431) trat der ganze Glanz ihres Bildes klarer und deutlicher hervor, und der Gedanke der leiblichen Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel drang immer mehr durch.

Wenn somit auch kein geschichtliches Zeugnis der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel beigebracht werden kann, dann kann aber trotzdem die theologische Wissenschaft und Dogmatik sie zu einem durchaus angemessenen und fast sicheren Satze stempeln. Die Gründe, die man hierfür beibringt, befriedigen den gläubigen Katholiken durchaus. Vor dem Auge des Gläubigen fchwobre ja ständig der Gedanke an Marias Mutterwürde. > In ihrem Schoße wurde der Leib Christi gebildet, den der himmlische Vater vor Verwesung bewahrte, ' der auferstand am dritten Tage in Gllorie. Wird da derSohn den Leib, der ihm seine Menschheit bereitete, worin er die Erlösung vollbrachte, nicht auch als- \ bald dem Grabe und der Verwesung entzogen ha­ben? Sterben mußte Maria, weil auch ihr Sohn i dem Tode Tribut gegeben hatte. Der Tod ist zwar ein Nebel, aber an und für sich nichts Un- . würiges, vielmehr unter Umständen ehrenvoll und - segensreich, aber die Verwesung' des Leibes ist eine grausame Entstellung, etwas Beschämendes, der Rest des Fluches über den Menschen, der Sünde Sold, wahrend der Tod Christi dem Tod den Sta- chel genommen hat. Die Kindesliebe Christi mußte : fetner Mutter das Unehrenhafte ersparen, mußte chr die volle Erlösung zurst zusichern, während diese der übrigen Menschheit erst am jüngsten Tage hatte geradezu ein kindliches Bedürfnis, seine Mutter auch leiblich nachzuholen und auch leiblich dafür zu belohnen, was sie ihm leiblich getan hatte. Diese theologi­schen Gedanken hat die fromme Legende im Lause der Jahrhunderte ausgeschmückt und die Kunst hat dann die beiden Gedanken zum Gemeingut der Gläubigen gemacht: die irdische Auffahrt Marias vor den erstaunten Jüngern und ihre Krönung zur Königin des Himmels.

Mese beiden Gedanken liegen auch der liturgi­schen Fesffeier zugrunde. Weil der Gegenstand des Festgedankens in der hl. Schrift nicht berührt wird, so entnimmt die Lsturgie dieser nur allge­meine Texte, in denen ausdrücklich oder im typisch- übertragenen Sinne das Lob der Gottesmutter aus­gesprochen wird. Das Evangelium spricht so eigen­tümlicher Weise vom Besuch Christi bei Maria und Martha in Bethanien. Und hier muß gerade der

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Rund um die Woche.

Blume, Sichel und Grub. Tagungen und Sparsamkeil. Junglehrernot. Um der Sinder willen.

Bachstelze. (Ein Galgen.

Schon wollte ich eine ziemlich trübselige Plau­derei beginnen, da lese ich irgendwo die schönen Sätze, die noch nicht gedruckt sind:Der Som­mer ist immer so eine Zeit, da gehöre ich ganz meinem Manne. Er schenkt mir alle Blumen, die wir auf den Wiesen sahen, alle Bäume, die groß und stark an den Wegen und im Land stehen, die Büsche mit Blüten und Vögeln. Die Brücken und die Wasser darunter. Wie ein König schenkt er mir das alles so im Vorübergehen. Der 6cm» mer ist wie eine große Pause in einem Lied zum Einatmen. Wenn es Herbst wird, muß man das Lied können, gut können, denn im Winter soll man es singen, daß es wie eine Beschwörung den ganzen Sommer wieder heraufzaubert." Das ist schön und klug gesagt. Noch hast du Zeit, es auszuführen. Aber du mußt dich beeilen, denn die Sichel und die Sense sind tapfer am Werk. Das Schäflein graft wehmütig um seinen Pflock. Zwischen den blutroten Geranienblättern hängen schon andere, ganz zerfranst. Ach, du schönes, glühendes Leben, wie brennen deine Sonnen und wie ist doch all dein Brennen ein Verbrennen zugleich, ein Gruß und ein Abschied. Blume und Sichel und Grab ....

Wenden wir uns den großen Fragen des Le­bens zu. Eine Reihe von Tagungen find wieder gewesen. Ich weiß das wohl, daß auf diesen Ta­gungen viel Großes und Tjreffkiches gesprochen wird. Ich habe Sinn für das Wiedersehen man­cher Freunde. Ich trinke mein Gläslein mit all den andern, warum auch nicht? Aber dann kom­men doch die grübelnden Gedanken. Da ist die ungeheure Geldknappheit, und da ist, was mich manchmal förmlich beängstigt, das Steigen der Sachwerte im Preise. Das heißt mit andern Wor­ten, daß der Wert des Geldes zurückgeht. Ob wtr wohl in unferm vaterländischen Haushalt dar­auf achten, daß wir nicht mehr ausgeben als wir einnehmen? Diese Tagungen verschlingen eine Masse Geld. Es kommt der Wirtschaft zugute, der Eisenbahn, der Post, den Geschäften der Städte, den Wirten ufw. Sollen sie verdienen! Aber dieses, Geld probiert doch eigentlich nichts. Es wird ein Verdienst verausgabt, dem keine Einnahme in der gleichen Ebene entspricht. Ich bin nicht wirtschaftlich gebildet und lebe in diesen Dingen wstklich auf dem Mond. Sollte es auf der Erd« anders sein, als auf meinem glücklichen Stern wo man mehr auf den nächtlichen Gesang der Dichter und auf die Seufzer der Verliebten lauscht, als auf die Kursberichte und Börsenge­schäfte? Auf dem Mond ist es jedenfalls so, daß man von langsamer Verschuldung spricht, wenn man mehr ausgibt als man einnimmt. Dabei halbe ich die Zeit und die Arbeit, die solche Ta­gungen kosten, noch gar nicht berechnet, und Zeit rst doch Ged .... Aber ich glaube, daß wir vor­sichtig fern müssen in der Behandlung dieser wirt- schaftlich gänzlich unproduktiven Dinge. Gewiß, ich will die Feste nicht stören. Es aübt Tagun- gen, die einfach lebenswichtig sind. Und Ideale, wirkliche Ideale haben auch das Recht, zunächst einmal wirtfchastlich unproduktiv zu fein. Aber ich sthe die wachsende Armut breiter Schichten. Ach fächle wieder die Geschäfte, die nicht zahlen können. Ich höre, daß selbst die mächtige Hansa- Gesellschaft Zahlungsunfähig geworden ist Wir sind arm. Wir sind das Deutschland des Dawes­paktes. Wir müssen unsere Nerven zerfchinden in fremder Fron. Es ist einmal so. Sparen, deutsches Volk, wahrhaftig, du mußt sparen! Du Familienvater, du Stadtvater, du Postdirektor nebenbei gesagt, die Post hätte wirklich, ehe sie das Porto erhöht, für die nötigen Briefmarken sorgen können also wieder einmal sparen . . .

Viele Leute wissen nicht genug über die Not mancher Kreise, ich erinnere nur an das Jun g - lehrerprodlem. Was da auf der letzten Reichstagung wieder offenbar wurde, ist ja ge­radezu eine Tragödie, mag es immerhin etwas bester fein, als vor einigen Jahren. Junglehrer triffst du heute in allen möglichen Berufen. Der eine ist Schupomann, der andere verkauft Obst,

ein Dritter bedient eine Schreibmaschine, ein Vier­ter ist Grubenarbeiter und so geht das fort. Stell dir vor, Lehrer wird man doch meist, weil man ein Ideal hat. Nun sollen diese Leute, die nicht einmal eine Stellung haben, bis 1936 noch war­ten, ehe sie ihren Beruf ausüben können! Hei­raten können sie vorher natürlich auch nicht, wenn nicht die Frau sie ernähren soll was übrigens gelegentlich vorkommt, und dann näht sie Hem» den, während er auf der Bärenhaut liegt, liegen muß, und das ist etwas anderes wie Meth und Bärenhaut im alten Germanien. Helft, ihr Kauf­leute, ihr alle, die ihr Menschen anstellen müßt, doch diesen Junglehrern, damit sie wenigstens in etwa über die schweren Jahre hinwegkommen. Und dann wollen wir hoffen, daß es bis 1936 wieder mehr deutsche Kinder gibt, denn sonst weiß ich wirklich nicht, wie viele Schulen wir noch wer­den schließen müssen ....

Will aber doch, damit das Bild nicht zu biifter werde, hier von einer Mutter sprechen, die man mehr hätte feiern sollen, als andere Kanalschwim­merinnen. Wenige Tage nämlich, nachdem Ger­trud Ederle ihre Sportleistung vollbracht batte, glückte einer anderen Frau, der Amerika­nerin Frau Corson, das Gleiche. Mit eiser­nem Fleiß« hatte sie sich vorbereitet und erklärte schließlich nach vollbrachter Tat, sie habe es nur deswegen getan, um mit der Prämie ihren Kindern eine gute Erziehung angedeihen lasten zu können. Diese edle Tat wurde von einem ameri­kanischen Bildhauer in einem Bildwerk festgehal­ten, das er benannte: Um der Kinder willen . . .

Ja, es will mir heute mit Humor nicht so recht gehen. Gtresemann ist wieder in Berlin. Das macht mir zunächst Freude, freue ich mich doch immer, wenn ich nur den Namen Stresemann höre. Ich denke halt stets dabei an eine Bachstelze, die an den Ufern der Spree spaziert. Hat sie einmal etwas Gutes gefunden, bann hebt sie bas Köpfchen, forbert die Zuschauer auf, nun aber doch redlich Beifall zu zollen, und wippt dabei mit dem Schwänzchen, als wollte sie sagen: Hab ich das nicht gut gemacht? Nicht gut gemacht? Nicht gut gemacht? Immer von unten nach oben und orn oben nach 'unten . . . Andererseits ist es doch eine ernste Sache, wenn Minstter und Volks­vertreter ihren Sommerurlaub unterbrechen. Es ift etwas los. Die Konferenz von Genf, die so kläglich auseinanbergegangen, wirb Folgen haben. Die Unfreundlichkeiten aus Paris und die kalte Schulter in London, das bedeutet allerlei und sicher nichts Gutes. Die Menschen heute sind alle ver­dorben durch Psychoanalyse. Sie meinen alle, man könne durch Erkenntnis etwas bessern. Halb un- halb ist das richtig, aber bei dieser Psychoanalyse ist Das ganz und gar unrichtig. Indem man grü­belt, tut man nichts. Ideale aber wollen verwirk­licht und nicht zergrübelt werben. Was notwendig ist. haben hundert Wirtschaftskonferenzen unb poli­tisch» Zusammenkünfte längst bargelegt. Ausfuh­ren, das fehlt nur noch. Unb bas enbet mit Bankerott. Armer unglücklicher Alfred Seidel! Er batte es erkannt. Das Grübeln führt zu nichts. Aber über diese Tatsache hat er bann selber wieder fo viel gegrübelt, daß er den Verstand selber ver­lor und sich in iunaen Jahren schon aufhängte. Nachdem er eine Philosophie der Verzweiflung ae- schrieben, blieb ihm nichts anders mehr übrig. Es heißt in feinem letzten Brief:Es stt letztlich die einzige Konsequenz, mich selbst zu nihilisieren . * Schopenhauer hat das nicht getan. Er hat eine Philosophie geschrieben, die andere zur Verzweif­lung bringt, selbst aber hat er gut gelebt unb wollte sogar Professor werben. Gott fei Dank sinb unsere Atheisten unb Relativisten unb über­haupt unsere Gelehrten heute nicht konseguent sonst gäbe es wahrhaftig unter ihnen viele Selbst­morde . . . Die Gescheitheit von heute führt an den Galgen. Drum mach es wie ich. Nimm dem« Weisheit nicht zu wichtig, nimm morgens eme gute Dusche, begieß deine Geranien und lebe!

Der Mann im Monde.

letzte Gedanke:Maria hat den besten Teil erwählt, der nicht von ihr genommen wird" in besonderer Weise von der Gottesmutter Maria gelten; sie stt ja vom Herrn begnadet worben, wie keine zweite Seele auf dieser Welt, darum auch verherrlicht

wie ferne andere. Die Epistel des Tages kündet $r,e,r^r,^untU{n5 himmlische Jerusalem. Das Selbstlob der Weisheit Gottes legt die Kirche in den Mund der allerseligsten Jungfrau.Wie die Zeder am Libanon erhöht unb wie die Zypresse

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auf dem Berge Sion, gleich der auserwählten Myrrhe gab ich lieblicher Wchlgeruch unb wie Zimt unb duftender Balsam hauchte ich Duft aus." Dann klingt alles aus in unserer Huldi­gung an den Herrn unb feine Mutter.

So atmet jedes Muttergottesfest immer wieder die tiefste Verehrung des göttlichen Erlösers. Chri­stus allein gilt unsere Gottesverehrung, auf ihn zielt in letzter Linie alles hin, weil er allein bas höchste Ziel ber Menschensehnjucht stt, die Mutter- gottesfefte sind gleichsam schattige Ruheplätze auf unferm Wege zur ewigen Heimat.

Die Galgenfrist.

Warum Strafaufschub für Getto und Danzetti?

Wie schon gemeldet, gab, knapp bevor die Hin­richtung Saccos und Vanzettis stattfinden sollte, Gouverneur Fuller bekannt, daß den Vemrteilten ein Aufschub des Strafvollzugs gewährt fei, damit der Oberste Gerichtshof von Massachu­setts über ben Einspruch der Verteidigung gegen die Weigerung des Gerichtshofs, einen Rechts - irr tum anzuerkennen, entscheiden könne. Der Aufschub gilt auch für den verurteilten portugiesi­schen Raubmörder Mad eiros, welcher im Ge­fängnis ausgesagt hatte, daß er an der Ermordung der Buchhalter beteiligt gewesen sei, wegen derer Sacco und Vanzetti verurteilt worden waren, unb der versichert hatte, baß die beiden italienischen Anarchisten keinen Anteil an der Tat gehabt hätten. Der Aufschub des Sttafvollzugs läuft auto­matisch bis zu der am 22. August beginnenden Woche.

Im Gefängnis war alles zur Hinrichtung vorbe­reitet gewesen. Der Scharfrichter hatte die elektri- schen Apparate in der Hinrichtungskammer nach­geprüft und insiandgesetzt und erwartete die Delin­quenten. Ein dreiviertel Stunden vor dem für die Hinrichtung angesetzten Zeitpunkt traf tele­phonisch die erste Ankündigung von dem Aufschub im Gefängnis ein, jedoch vergingen noch "toeiteri 40 Minuten, bis das von Fuller unterzeichnete Dokument ankam. Es kam zu keinerlei De­monstrationen. Das ganze Gefängnis war auf das schärfste bewacht. Auf ben Gängen, an denen sich die Todeszellen und die Hinrichtungs­zelle befindet, waren Maschinengewehre aufgestellt. Der Staatsrat beim Gouvernement von Massa­chusetts hatte sich um 8.30 Uhr abends, ohne zu einer Entscheidung gelangt zu fein, vertagt. Darauf hatte das Verteidigungskomitee für Sacco und Vanzetti noch um 11 Uhr nachts ein Telegramm an Coolidge abgefanbt, in dem es gegenden vorbedachten Mord" protestierte.

Tagungen.

---- Der deutsche joksttag in Jronffnrt a. M Für den deutschen Forstlag, der vom 21.29. August in Franksur! seine diesjährige Versammlung abhält, haben sich bis jetzt mehr als 1500 Teilnehmer aus Deuschland und Oesterreich angemeldet. In den beiden großen Hauptversammlungen am Montag und Dienstag sprechen erste Fachmänner über zeitgemäße Themata. Daneben laufen mehrere kleinere Tagungen und fachliche Vorführungen. Nicht weniger als fünf Tage sind Lehrausflügen gewidmet, die einmal in die nähere Umgebung führen, dann nach Darmstadt und in den Spessart. Drei Tage sind dem Besuch von Wiesbaden und seiner Umgebung bis nach Koblenz gewidmet. Mit einer Fahrt nach der Rheinpfalz schließt die Tagung.

Neues aus Frankfurt.

Stadtschulrat Södel aeftorben. Im Alter von 69 Jahren ist Stadtschulrat Heinrich Göbel unerwartet an den Folgen einer Erkrankung gestorben Das Frank, urter Schulwesen hat in ihm eine geschätzte Kraft der- loten. Namentlich auf dem Gebiet der ergänzenden Schulfürsorge, insbesondere bezüglich der Fürsorge für die Altstadtschulen hat Göbel sich bleibende Verdienstc erworben.

, --- Der zrankfurter Arbeittmarkt. Die Zahl der Ar- bertSsuchenden ist in der zu Ende gehenden Woche wie> der etwas gestiegen, nämlich von 13897 auf 14168. Di Zahl der angebotenen und vermittelten Dauerstellen uni Aushilfen ist nicht nennenswert gestiegen. ES konnten 984 Dauer- und 1056 AuShilfSitellen besetzt werden.

wie wird das Wetter?

Unser Gebiet bleibt auch weiterhin von der Süd­seite des über Mittel» und Westeuropa liegenden au«, gedehnten Tiefdruckgebietes beherrscht. Bei südwest. lichen bis westlichen Winden ist bei wechselnder Be­wölkung mit dem Auftreten von Regenfällen zu rechnen. Vom Westen her steigt der Luftdruck wieder stärker an.

Witterungsaussichten bis Sonntag abend: Zunächst noch keine wesentliche Aenderungen.

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Noch jemand ohne Fahrschein?

Von G. Halm.

In der Straßenbahn ... Die Dame nimmt ihre Handtasche aus dem Muff. Sie öffnet die Handtasche und nimmt ihre Börse heraus. Sie schließt die Hand, tusche und öffnet die Börse. Sie entnimmt ihr bas Fahr­geld und schließt sie wieder. Sie öffnet die Handtasche, legt die Börse hinein, macht die Handtasche wieder zu und schiebt sie in den Muff. Nun erwartet sie den Schaff, ner. . ..

Inzwischen sitzt neben ihr einer, der wühlt in allen Taschen feines Paletots, außen und innen, oben und un­ten, und sucht fein Geld. Ein Choliker offenbar. Er reißt in nervöser Hast den Mantel auf und untersucht Rock-, Westen- und Hosentaschen. Er findet nichts. Er betrachtet mißtrauisch seine Nachbarn rechts und link-, ob etwa Taschendiebe darunter seien. Er fährt mit zwei Fingern in den Stiefelschaft rechts und den Stiefelschaft links; nichts. Er reißt den Hut vom Kopf und wühlt verzweifelt in feinem Haar. Dann ein Gedanke: Er krempelt das Hutfutter um! Nichts! Er springt auf und will hinaus; da ein Leuchten übers ganze Ge­sicht: Ist nicht hinten in der Hofe noch die Portemonnaie- tafche? Er langt hinein; richtig! Strahlend vor Zufrie­denheit zicht er die Geldtasche heraus und entnimmt ihr ben Nickel.

(Es mar höchste Zeit. Der Schaffner ist eingetreten unb teilt Fahrscheine aus. Lässig unb nobel zieht eben ein Dandy mit zwei Fingern efh Geldstück aus ber Weste, winkt vornehm ab, nimmt mit zwei Fingerspitzen die Fahrkarte unb schiebt sie, ba ihm bei seinen überei» nanbergeschlagenen Beinen biefe Stelle gerade am näch­sten liegt, in ben umgekrempelten Rand bes Hosenbeins. Dann erstarrt er wieder zur Bewegungslosigkeit einer Götterfigur.

Ganz anders die Dame. Nach einer kleinen Aus- einandersetzung über ihr Fahrziel, in ber sie recht behält, weil sie es einfach änbert, löst sie ihren Schein; sie öffnet den Muff und zieht die Handtasche heraus, öffnet sie und entnimmt ihr die Geldtasche. Sie schließt die Hand­tasche wieder und öffnet statt ihrer die Börse. Da hinein legt sie ben Fahrschein, macht bie Börse zu unb die Hand­tasche auf, tut bie Börse hinein, knipst wieder zu und verstaut die Tasche sorglich im Muff.

Jetzt ist ber Choleriker an ber Reihe. Triumphierend lost er die Fahrkarte, steckt das Portemonnaie in die innere Westentasche und sucht krampfhaft nach einem Platz für feinen Fahrschein. Erst rollt er ihn auf unb legt ihn hinters Ohr. Dann, einer Eingebung folgend, nimmt er ihn wieder weg und schiebt ihn sauber geglät­tet unter bas Schweißleber im Hut. Noch nicht zufrie­den, zieht er ihn wieder hervor, faltet ihn ein paar* mal unb steckt ihn in bie umgeschlagene Stulpe seines Aermels. Dabei bleibt es fürs Erste.

Nicht lange, fo besteigt ein Kontrolleur ben Wagen. Die Dame ist sehr würdig und gefaßt. Sie nimmt die Handtasche aus dem Muff unb öffnet sie. Dann ent­nimmt sie ihr bie zierliche Börse. Nachdem sie die Hand­tasche sorgfältig geschlossen hat, öffnet sie die Börse und nimmt ben Fahrschein heraus. Sie schließt bie Börse unb reicht ihren Fahrschein bem Aufsichtsbeamten, der ihn stirnrunzelnb unb mißtrauisch betrachtet, eine Ecke abreißt unb ihn ihr zurückgibt. Sie öffnet wieder bie Börse, legt ben Schein hinein unb schließt sie, öffnet bie Handtasche unb tut bie Börse hinein, schließt bie Tasche und schiebt sie in den Muff. Erledigt.

Der Kontrolleur steht vor dem Gigerl. Nachlässig sucht dieser im Knopfloch seinen Schein. Ohne Erfolg. Er fährt mit bem Finger in bie innere Handfchuhösf- nung. Wieber vergebens. Auch bie anbere versagt. Hm. Verlegenes Schweigen. Dann entschließt er sich, Rock- und Westentaschen zu untersuchen. Enblich hilft ihm ein Arbeiter aus ber Not, inbem er auf bie Hosen- krempe zeigt, wo ber Schein beim auch glücklich gefunden wird. Aber eine bittere Pille bekommt ber vornehme Jüngling noch zu schlucken; benn ber Retter aus ber Not kann sich nicht versagen, zu bemerken:Ihr markiert auch noch nit lange ber Jeck, jungen Hahr!"

Nun ber Choleriker. Aufgeregt fingert er schon lange in allen Taschen herum. Er breht bas Hutleder her­um, stülpt Portemonnaie und Brieftasche neben sich aus, ftchlt in bie Stiefelschälle unb zieht endlich einen zer­

knüllten Schein aus ber Westentasche.Der ist alt", sagt ber Beamte. Der andere besieht ben Schein, schiebt ihn roortlos in die Manteltasche und gräbt derweil in ben Hosentaschen unb in den Handschuhen herum. Dann holt er mit verklärtem Gesicht einen Fahrschein aus bem Mantel- heraus unb legt ihn vor:Das ist ja wieber ber alte!" sagt ber Kontrollbeamte. Jetzt kocht unser Choleriker vor Erregung, Mit fliegenben Händen be­tastet er alle Knopflöcher unb Nähte in seinem Anzug. Er breht alle Taschen um unb findet nichts. Er stampft mit ben Füßen vor Wut unb flucht; aber es hilft ihm nichts. Enblich sucht er zornschnaubend unb nicht ohne neue Schwierigkeiten einen neuen Nickel heraus unb lost eine neue Fahrkarte, bie er biesmal der Sicherheit hal­ber unter ben Trauring schiebt.

Kaum ist ber Kontrolleur abgestiegen, als unfern: Wutnickel eine Erleuchtung kommt. Es zicht wie Son­nenschein über seine Züge, er tastet in ben Aermelauf schlag hinein unb zieht seinen Fahrschein heraus. Ah, ba ist er!" ruft er erleichtert aus; bann, bas hoff­nungsloseZu spät!" begreifenb, zerfetzt er ihn in zwan. zig kleine Schnippel, tritt zornig mit bem Fuß auf und versinkt in finsteres Brüten.

Unb bas alles um einen Fahrschein! . . .

Freundschaft. Berliner:Sag' mal, warum haste eigentlich Schmollis mit mir jernacht?" Münchner: »Somit i gselchter Aff zu dir sag'n toi"