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uloaerZertung

Ar. 185

Samstag, 13. August 1927

Hut hie Vermnherung her RHeinlaiihheslltzuW

hingen Deutschlands auf Grund der Abrüstungs­bestimmungen des Versailler Vertrages seien.

Natürlich werden die deutschen Wünsche mit der Wegnahme von 5000 Mann Besatzu ngstruppen n i ch t befriedigt sein. Immerhin aber werden wir die freundliche Geste dankbar würdigen, wenn sich die Pariser Berichte hier wirklich bestätigen. Die Geste Briands muß ja umso überraschender kom­men, als die kfffentlichen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und den Ententestaaten, in der Hauptsache Belgien und Frankreich, in der letzten Zeit wieder einen erheblichen Grad von Leidenschaftlichkeit angenommen hatten. Schuld da­ran waren die Reden P o i n c a r e s . die Er­klärungen des belgischen Kriegsministers in der Reichswehrfrage, die Veröffentlichunoen in der Pazifistenzeitschrift „Die Menschheit" und auch der Bericht des französischen Generals Guillaumat über die militärischen Vorbereitungen Deutschlands im besetzten Gebiet.

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Das Pariser Blatt „Gxcelsior" hatte berichtet, daß in einer Unterhaltung zwischen Briand und v. Hoesch über „gerechte und vernünftige Gegenleistungen Deutschlands" für dieVer- Minderung der Truppenzahl im besetzten Gebiet verhandelt worden sei. Wie dir Tägl Rund­schau" feststellen kann, ist über Gegenleistungen Deutschlands nicht verhandelt worden, auch nicht zwischen Briand und Hoesch. Frankreich hat solche neue Gegenleistungen weder verlangt noch ange­deutet. Das Blatt glaubt ferner Grund zu der Annahme zu haben, daß die Ansicht französischer militärischer Kreffe. daß eine stärkere Heiabiktzung der Besatzungstruppen als höchstens 5000 Mann nicht in Fraae komme, nicht die Amicht des fran- stöschen Ministerium- sei. Man dürfe aber diese Zahl als fieber annehmen

ches zum Ausdruck zu bringen." gez. Reza Schah Pahlevi.

Auch die Präsidenten von Columbien und Cuba sandten telegraphische Glückwünsche.

Der Herr Reichspräsident hat diesen fremden Staatsoberhäuptern noch gestern telegraphisch sei- nen Dank zum Ausdruck gebracht. Außerdem sind beim Herrn Reichspräsidenten von zahlreichen deut­schen Vereinen und Verbänden im Auslande Glück- wünsche auf drahtlichem Wege eingegangen.

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Herr Reichspräsident hat sich, von seinem Ad­jutanten Major v. Hindenburg begleitet, Donners­tag abend mit dem fahrplanmäßigen Münchener Zug von Berlin nach Bayern begeben, um dort einen etwa vierwöchigen Erholungsurlaub auf dem Lande zu verbringen. — Reichspräsident v. Hin­denburg traf Freitag vormittag von Berlin kom­mend in München ein. Ein offizieller Empfang fand auf Wunsch des Reichspräsidenten nicht statt. Mit einem Kraftwagen der Landespolizei setzte der Reichspräsident, begleitet von seinem Sohne, die Fahrt nach D i e t r a m z e l l fort, bei der Ab­fahrt jubelnd begrüßt.

Mhmmkas Glückwunsch an Jeulschlanh

Telegrammwechsel am 11 Kugust.

3uft vor dem deutschen Verfassungstage hat der Pariser Ministerrat den Vorschlag Bri- a n d s sich zu eigen gemacht, die französische Rheinlandarmee um 5000 Mann zu verringern. Vor etwa zwei Monaten gab es in Paris fortwährende Demarchen unserer diplomatischen Vertretung beim Auswärtigen Amt um eine Herabsetzung der Rheinlandtruppen zu erreichen. Alle diese Druckversuche sind ver­geblich geblieben, so daß das Wort von der Krisis der Locarnopolitik weiteres Echo gewann. Um dteselbe Zeit versuchte man auf dem Umweg über London die Meinung der Ententediplomatie für eine schnelle Verringerung der Besatzungsstärken zu beeinflußen. Das Echo, das aus England zu- rückschallte, war sehr wenig erfreulich, ja, je häufiger im Unterhause in dieser Frage interpel­liert wurde, umso kühler wurden die Regierungs» antworten. Schließlich zog man sich in knapper Höflichkeit auf das Versailler Diktat zurück. Wenn jetzt plötzlich Briand gewissermaßen von sich aus die Herabsetzung der Zahl der französischen Rheinlandtruppen befürwortet, so läßt es erken­nen, daß man in Frankreich die deutschen Vor­leistungen zwar als eine notwendige Voraus­setzung der französischen Gegenleistung ansieht, daß man sich aber durch die deutschen Vorleistun­gen, als da sind das Kriegsgerätegesetz, die Schlei- <ng der Ostfestungen und die Polizeibeamten­gesetze, in keiner Weise verpflichtet und gebunden fühlen will. Die Gegenleistungen, zu denen man sich bereit findet, sollen den Charakter einer schö­nen Geste bekommen, sie sollen unter keinen Um« ständen als Folge eines diplomatischen Drucks er­scheinen, oder etwa als ein Austauschakt gegen­über deutschen Vorleistungen, von denen ' man eben annimmt, daß sie selbstverständliche Verpflich-

Das amerikanische Zlottenprogranm

wtb. Washington, (Associated Preß), 12. Aug. (Gig. Funkm.) ^Das Marineamt beabsichtigt, dein Kongreß vorzuschlagen, außer den bereits bewil­ligten acht 10000-Tonnen-Kreuzern, zehn wei­tere zu genehmigen. Als Bauzeit sind je fünf Jahre vorgesehen, sodaß diese 18 Kreuzer 1935 vol­lendet werden. Außerdem sind 10 Kreuzer zu je 7500 Tonnen geplant. Die Zahl der Kampfflug­zeuge soll erheblich vermehrt werden, angeblich bir auf 1000. ________________________

Regierung$=Krife in Griechenland

wtb. Athen (Reuter), 11. Aug. (Gig. Funkm Die systematische Obstruktion der royalistischen Partei innerhalb des Koalitionskabinetts hat heute abend zu einem Zerfall des Kabinetts geführt. Der Minister des Innern und die andern feiner Partei angehörenden Minister verließen den Sitzungssaal des Ministerrats. Dieser Schritt ifi erfolgt wegen einer tiefgehenden Meinungsver­schiedenheit mit einem ihrer Kollegen bezüglich des Planes des Finanzministers, der darauf hinaus­lief, der Nationalbank das Recht der A u s g a b t von Banknoten zu entziehen und eine neu# Notenbank zu schaffen.

Die antimilitarisiische Propaganda.

wtb. Paris, 12. Aug. (Gig. Funkm.) Nach einem Telegramm des „Gcho de Paris" aus Nancy hat das dortige Kriegsgericht in Abwesenheit den Sekretär des Bezirksverbandes der republikani­schen Vereinigung der ehemaligen Frontkämpfer und den Direktor einer Arbeiterbuchdruckerei we­gen Vertrieb antimilitärischer Druckschriften zu 3 bezw. 4 Monaten Gefängnis und 100 bezw. 1000 Franken Geldstrafe verurteilt.

wtb. Berlin, 12. Aug. (Eig. Funkm.) Am Verfassungstage hat der P r äsiden t der Ver­einigten Staaten dem Reichspräsidenten von Hindenburg folgendes Glückwunsch-Telegramm übersandt:

„Ich entbiete Gurer Gxzellenz die besten Glück­wünsche anläßlich dieses bedeutenden Jahrestages und verbinde damit die Versicherung meiner größ­ten Hochachtung und meine besten Wünsche." gez. Calvin Coolidge.

DerKönigvonAegypten sandte an den Reichspräsidenten das nachstehende Telegramm:

„Gern benutze ich die glückliche Gelegenheit, die mir der Jahrestag des Inkrafttretens der deutschen Verfassung bietet, um Gurer Exzellenz meine be­sten Wünsche für das Gedeihen des Deutschen Rei­ches zum Ausdruck zu bringen." gez. Fuad.

. Ferner ging von dem König von Perfien folgendes Telegramm ein:

»Die Wiederkehr des Jahrestages des deutschen Nationalfeiertages gibt mir günstige Gelegenheit, Gurer Exzellenz meine wärmsten und aufrichtig­sten Glückwünsche für die Größe des Deutschen Rei-

von den Fesseln des Versailler Vertrags könne die end- gültige Freiheit bringen. Ein neuer Völkerfrie- den könne nicht von beute .auf morgen kommen, aber wenn alle stark seien im Glauben an das Deutschland von heute, dann werde und müsse der Tag kommen, wo ein fteies und geachtetes Deutsches Reich seinen gleich­berechtigten Platz unter den Völkern der Welt ein- nehme.

Die „Germania" sagt von Kardorffs Rede: Es war eine Rede mit sehr vielen guten Gedanken, ober auch manchen Allgemeinheiten und vor allen Dingen zu vielen Einzelheiten. Die Pro- bleme, die der Redner alle anschnitt, wie z. B. die Stellung des Reichspräsidenten in der Verfassung, d-e Außenpolitik, die Rheinlandbesetzungen und Aehnliches hatten wohl besser in eine Volksver­sammlungsrede gehört, als in eine Festrede zur Feier der Weimarer Verfassung.

Die Berliner abendliche Verfassungsfeier, die von der Reichsregierung, von der preußischen Regierung und der Stadt Berlin gemein am im Hause d" Funkindustrie, das bis auf den letz­ten Platz gefüllt war, veranstaltet wurde, bot ein überaus eindrucksvolles Bild. An der Feier nah­men u. a. teil Reichskanzler Dr. Mar x, die Reichs- minifter S ch i e l e, o. K eu d e ll und S ch a e tz e l, Staatssekretär Meißner als Vertreter des Reichs­präsidenten, das preußische Staatsministerium unter Führung des Ministerpräsidenten Braun, Reichstagspräsident L o e b e und zahlreiche andere führende Persönlichkeiten. Nach einer Begrü­ßungsansprache des Oberbürgermeisters Dr. Böß, der zum Ausdruck brachte, daß ein neuer deutscher Bürgersinn in der Teilnahme der Stadt Berlin an dieser Feier zum Ausdruck kommen wolle, ergriff der preußische Kultusminister Dr. Decker das Wort zu einer gedankenreichen Festrede, die mit begeistertem Beifall ausgenommen mur.be. Danach hielt Reichskanzler Dr. M a r x die Schlußansprache. Mit einem dreifachen Hoch auf Volk, Vaterland und Republik und dem Gesang des Deutschland­liedes schloß die Feier. Im Anschluß daran brach­ten die verfassungstreuen Organisationen der preu­ßischen Regierung einen Fackelzug, der sich von der Funkhalle nach dem Reichstag bewegte.

Dem „Berl. Tagebl." wird geschrieben:-Als am 4. Juli die in Berlin wohnenden Angehörigen der

Rund um -en versassungstag.

Ueberall in Deutschland haben am 11. August Feiern stattgefunden, die der Bedeutung der Wei­marer Verfassung gerecht zu werden suchten. Der Grad der Wärme, in dem die Feiern stattfanden, war verschieden. In Bayern, das in der Zeit, als die Verfassung zustande kam, sich einem links­radikalen Regiment gebeugt hatte, will man am wenigsten von der Reichsverfassung wissen, weil die bayerischen Sonderbelange im Werk von Wei­mar nicht genug berücksichtigt seien. Aber auch in Bayern bahnt sich, vor allem in der akademischen Jugend, eine neue Entwicklung an. In Halle ist es zu einer Störung der Feier gekommen. Als ein Universitätsprofessor, der die Rede hielt, sich in Vorwürfen gegen den Kultusminister verlor, kam es zu einem Protest der Reichsbannerleute und spater zum Auseinandergehen der Teilnehmer.

Bemerkenswert war vor allem die

Rede des Abg. v. fiatborff, bie dieser volksparteiliche Führer im Reichstage hielt.

Am 11. August müsse man, so führte er u. a. aus, ber deutschen Vergangenheit, der deutschen Gegenwart und der deutschen Zukunft gedenken, wusse sprechen von deutscher Not, von deutscher Hoff­nung und von deutschem Glauben an bessere Zeit. Um die Bedeutung des Tages gebührend zu würdigen, müsse man sich der Novembertage des Jahres 1908 er­innern, in denen eine grenzenlose Verwirrung und Verzweiflung geherrscht habe. In wenigen Tagen sei das stolze Reich em Schutt -und Trümmerhaufen gewesen. In dieser schweren Zeit hätten zwei Männer mit ruhiger und fester Hand das deutsche Volk vor dem Untergang bewahrt: Hindenburg und Ebert. Hindenburg habe die Armee geordnet m die Heimat ge- 5rt, Ebert die Wahlen zur Nationalversammlung aus- chrieben und dadurch Ruhe und Sicherheit im In­nern gewährleistet. Der Abg. von Kardorff fand warme Worte, des Gedenkens für den verstorbenen Reichspräsi­denten und er führte Hindenburg als Kronzeugen für dessen Verdienste an.

Die von Friedrich Ebert einberufene National­versammlung habe Deutschland die Weimarer Verfassung gegeben. Durch sie seien die Hoffnun­gen von Deutschlands Feinden auf den inneren Zer- fall zunichte geworden, sie habe uns den V o I k s st a a t gegeben und darin liege ihre historische Bedeutung und die des heutigen Tages.

Zwei Fragen seien es, die die Weimarer Verfassung geregelt habe und die bis zu diesem Tage im Mittel- vunkt des innerpolitischen Streites ständen: Die Frage der Staatsform und die Flaggenfrage. Der Redner ging auf den Uebergana Deutschlands von der Monarchie zur Republik über und erklärte, daß es vielen schwer geworden fei, sich zur Republik zu bekennen. Mer heute muß em ieder einsehen, daß nur die deutsche Repub 11k Deutschland zur Freiheit und zum Frie- den stihren könne. Abg. von Kardorff ging sodann auf die Geschichte der deutschen Farben im einzelnen ein und erklärte, die Farben Schwarz-Rot-Gold müß­ten geachtet werden als die Reichsfarben und das Sinn- bild des großdeutschen Gedankens, aber ebenso auch die Farben Schwarz-Weiß-Rot als das Sinnbild der großen deutschen Vergangenheit. Ebenso wie die beiden deut- chen Reichsfarben nebeneinander geachtet werden müß- len, so sei es auch mit der Reichsverfassung des Für­sten Bismarck gegenüber der Weimarer.

Mit reichen Zitaten ging Abg. von Kardorff sodann auf die Entwicklung der Arbeiterbewegung und des Kulturkampfes ein. Die breiten Arbeiter­massen seien von dem Bürgertum nicht verstanden war- den in ihrem Streben nach Anerkennung. Nur wenn es Se, sie als tragende Pfeiler in den heutigen Staat auen, nur dann würde es möglich sein, daß Deutschland besseren Zeiten entgegengehe. Bei der Frage des Kulturkampfes beschäftigte sich der Redner mit dem Gegensatz zwischen den Konfessionen und kam zu dem Schluß, daß man hier aus der Vergangenheit l e r n en müsse. Deutschland brauche den k o n f e s s i o - Nellen Frieden ebenso wie den sozialen Frieden.

Zur Frage des Einheitsstaates erklärte W- georbneter von Kardorff, daß die Weimarer Verfassung Deutschland auf dem Wege zum Einheitsstaat wohlein großes Stück vorwärts gebracht habe, daß aber noch viel zu tun übrig bleibe. Unter Schonung des historisch Ge­wordenen und organisch Gewachsenen müsse auf diesim Wege weiter fortgeschritten werden.

Ausführlich beschäftigte sich Abgeordneter von Kar- borff alsdann mit dem Kampf zwischen den Parte i e n m Deutschland, die nach einem Worte des Rektors der Berliner Universität, Heinrich Tripel, die Macht im Staate hätten, wodurch ein Widerspruch zwischen Recht und Wirklichkeit entstände. Grundsätzlich mußte in der Reichsverfasmng versucht werden, dem Uebel, das durch die Wstimmung der Parteien nach propagandistischen Gesichtspunkten gegenüber der eigenen Ueberzeugung heraufbeschworen würde, abzuhelfen. Das könne geschehen durch eine Stärkung der Stellung des 'Reichspräsidenten.

Der Reichstagsabgeordnete streifte weiterhin außen- ?.?,.^klsche Fragen und forderte insbesondere die notige Einsicht gegenüber der Bedeutung der in ter- nationalen Wirtschaftspolitik. Die Gefahr eines neuen Weltkrieges müsse unter allen Umstän- den vermieden werden, da sie den Untergang der alten europäischen Kulturwelt bedeuten würde Deutschland habe seinen Friedenswillen durch die Eintritt in den Völkerbund und feine Entwaffnung bewiesen TwtzdVm standen aber heute noch fremde Truppen in der zweitep und dritten Besatzungszone und Deutschland habe im Da w e s P l a n Reparationslasten zu erfüllen bte weit über seine Kräfte gingen. '

Die deutsche Außenpolitik sei ihren Leidensweg ge­gangen und werde ihn weiter gehen bis die F r e i h e i t beS St Beines erzielt sei. Wenn Rat Henau die- ser Verständigungspolitik zum Opfer gefallen sei und mich Stresemann nicht über Mangel an Opposition klagen könne, so müsse doch festgestellt werden, daß sich heute alle großen Parteien zu dieser Außenpolitik be- kennen. Der Redner rechtfertigte die Politik Strese- manns bann noch im einzelnen ünb erklärte, dieser müsse sich unter Umständen über diese Opposition fogar freuen, nämlich wenn sie sachlich sei.

In warmen Worten gedachte der Redner dann noch der Bevölkerung des besetzten Gebietes uno der Saar, der deutschen Minderheiten und zu­letzt der Toten des Weltkrieges, und schloß seine Aus- fuyrungen mit einer Mahnung zur Einigkeit und einem Bekenntnis des Glaubens an die deutsche Zukunft. Die ^be Deutschland zur freiesten Demokratie der Welt gemacht, aber trotzdem sei es von der wahren vreiheit doch noch weit entfernt. Erst die Befreiung

Vereinigten Staaten den Tag ber Unabhängigkeits- - erkläruna feierten, hatte bas H o t e l A b l o n Un- ■ ter ben Linben bas Sternenbanner auf bem j Dache gehißt unb im Teeraum würben Fähnchen in ben Farben ber Vereinigten Staaten verteilt. Von bem heutigen beutschen Verfassungs­tag, auf ben jeher national empfinbenbe Deutsche stolz sein müßte, nimmt basselbe Hotel, in welchem auch zahlreiche beutsche offizielle Persönlichkeiten zu wohnen pflegen, keinerlei Notiz. Wir freuen uns ber versöhnlichen Stimmung, bie bar- aus spricht, baß ein Berliner Hotel bie Flagge eines Landes, mit dem wir noch vor neun Jahren im Kriege waren, in so ausfälligen Formen hißt. Aber: am amerikanischen Freiheitstag bie ameri­kanische Flagge hissen unb am beutschen Verfas- fungstag bie beutsche Flagge verleugnen, sich ber Farben also schämen, unter denen heute Reichs- präfibent, Regierung unb bie große Mehrheit bes Volkes ben beutschen Verfassungstag begehen, ist eine ungewähnliche nationale Würde­losigkeit.

Eine Schimpfkanonade.

An dem Tage, an dem der Abg. v. Kardorff in Gegenwart des Reichspräsidenten und der deutsch- nationalen Minister die Entstehung und Bedeutung der Verfassung vorurteilslos und großzügig wür­digte, konnte man im deutschnationalen „Berliner Lokal-Anzeiger" die folgenden Ausführungen lesen:

„Nichts spaltet die deutsche Nation so unerbitt­lich mit Messern der Scham, der Erbitterung und des Parteienhasses, wie die Erinnerung an alles, was vom 9. November 1918 zum 11. August 1919 geführt hat: die Schmach selb st bereiteter Niederlage; der ekelhafteste Putsch, der jc Revolution nannte; die schamloseste Selbsternied­rigung, das klägliche Schauspiel der Wei­marer Nationalversammlung, das die Stadt der Musen zu einem Capua hinter Stachel­draht machte, zu einem Capua, in dem am furcht­barsten Tag ein Erzberger, — einer ber „ganz Großen" biefer Republik — ins Kneipbuch schrieb: „Erst schaff bein Sach, bann trink unb lach!" Jn- bes ringsum Deutschlanb brannte. Kein Tag ist so wie biefer als ein Mark- unb Merkmal tiefster innerer Zerrissenheit zwilchen die auseinander-

Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblatt. S» '»ÄS, »ä LU

gefetzten Hälften ber Nation, zwischen Links unb Rechts, zwischen Einst unb Jetzt gesetzt; keiner eine so messerscharfe Geistesscheide, wie gerabe biefer. Bhn ber Nation als Nationalfeiertag aufzwingen, heißt einen I a h re s- und F e i e r t a g d e s H a s- f e s schaffen. Niemanb wirb benen, bie biefen Tag ZU feiern ein Bedürfnis fühlen, ihr Vergnügen miß­gönnen. Aber der Zwang, der gegen Millionen ausgeübt wird, ihn mitzufeiern, ist eine tief u n - sittliche Befleckung des Schildes die­ser Republik. Eine unübersehbare Saat von Gewissenszwang, Unwahrheit, Heuchelei, Spionie­rerei, Klimmspäherei, Bespitzelung, Gesinnungs­schnüffelei. Eine Verunreinigung des deutschen Hauses."

Die Weltgeschichte geht über die Wutausbrüche dieser Leute von gestern zur Tagesordnuna über.

Der Zwischenfall in Halle.

wtb. Halle, 12. Aug. (Eig. Funkm.) Wie zun Verlauf der gestrigen Verfassungsfeier, auf der es Zu Zwischenfällen kam, ergänzend mitgeteilt wird, hatte der Festredner, Prof. Dr. M e n z e r, bereits längere Zeit gesprochen, als er durch das Absingen des Reichsbannerliedes an der Fortsetzung seiner Rede gehindert wurde. Da ein Teil der Festteil­nehmer mit den Ausführungen des Redners, die u. a. Angriffe auf den Kultusminister D r. Becker enthielten, nicht einverstanden war, rief man ihm zu: „Wo bleibt die Republik, die Ver­fassung?" Die Versammlung schloß nach einer Rede des Reichsbannerführers mit dem Gesang des Deutschlandliedes.

wtb. Merseburg, 12. Aug. (Eig. Funkm.) Der Regierungspräsident von Merseburg hat auf Grund des eingehenden Berichts des Präsidenten von Halle, ber ber gestrigen Derfasiungsfeier in Halle selbft beiwohnte, wegen überaus schwerer An­griffe, bie der Festredner, Universitätsprofessor Dr. Menzer, auf den Kultusminister D r, B e ck er gerichtet habe und wegen des sonstiger Inhaltes der Festrede dem Kultusminister ein­gehend berichtet und im Hinblick auf die äußerst starke Erregung, die die Ausführungen Prof. Men- zers ausgelöst hatten, die sofortige Entsendung eines Untersuchungskommifsars drin­gend angeregt.

3n Paris.

Zur Feier des Verfassungstages veranstaltete der deutsche Botschafter in Paris, Herr v. Hoesch, ein Abendfest im Garten der Botschaft, wozu über 400 Einladungen an die in Paris le­benden Deutschen ergangen waren. Der deutsche Botschafter begrüßte die erschienenen Gäste. In einer Ansprache gab er zunächst seiner Freude Aus­druck, nach langer Krankheit endlich wieder im Streife feiner Pariser Landsleute weilen zu kön­nen. Der Botschafter sprach dann über das auf­blühende neue Deutschland und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf da- Deutsche Reich, die deutsche Heimat, das deutsch, Volk und den Reichspräsidenten.

China.

Zwist innerhalb der Hankaner Regierung.

wtb. London, 12. Aug. (Gig. Funkm.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet, gestern in London eingetroffenen .Nachrich­ten aus Peking zufolge feien ber Honkouer Außen­minister Tschen unb ber Finanzminister Sun gezwungen worben, Hankau zu verlassen, nachbem sie einen neuen Streit mit General Fang gehabt hätten.

Sin „Faschisten-fiorps" in Schanghai.

wtb. London, 12. Aug. (Gig. Funkm.) „Ti­mes" »Mlbet aus Schanghai, dort fei ein aus Chi-

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