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Vellage zur Zuldaer Zeitung

Freud? und Leid.

Sucht dich die Freude, grüße sie Sie schmückt das Erdenleben; Gib Raum ihr, doch vergiß es nie, Daß Flügel ihr gegeben, Und wenn dich Leid und Weh ereilt, Mußt sie geduldig tragen Und hoffen, daß die Wunde heilt' Die Hand, die sie geschlagen.

Julius Sturm.

Die Lüge.

Bon Dr. A. B e r h o e o e n - Paderborn. Liebe Mutter!

Heute wollen wir einmal mitsammen von dem schlimmsten Fehler plaudern, den wir — Gott fei’s ge­klagt — nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Er­wachsenen in erschreckender Häufigkeit finden. Gelt, du weißt schon, daß ich die Lüge meine. Verderbt ist die Welt an der Lüge. Ist beinahe, als ob die Schlange zu Beginn des Weltgeschehens richtungsgebend gewesen sei für das ganze Geschehen. Wollen wir bessern, müs- sen wir bei unserer Jugend anfangen: Jugend von heute — Welt von morgen.

Ist es uns selbst schon einmal klar geworden, was

Lüge eigentlich heißt? Daß sie uns tief erniedrigte? So

erniedrigt, daß wir uns in Grund und Boden schämen,

wenn wir auf einer Lüge ertappt werden? Daß wir

mit einer Lüge auf den Lippen nicht den Mut aufbrin- gen, einem anderen frei ins Auge zu schauen?

Warum lügen wir denn eigentlich? Aus tausend nichtigen Ursachen, weil wir kein Verantwortungsgefühl haben. Weil wir uns drücken möchten vor den Folgen dessen, was wir angerichtet. Weil wir besser und mehr scheinen möchten, als wir sind, besser und mehr als an­ders.

Warum lügen unsere Kinder? Aus Eitelkeit. Aus Furcht. Aus Eitelkeit, weil sie, getreu unserem Bei­spiel, mehr sein wollen, als sie sind. Aus Furcht, weil sie ei­ner verwirkten Strafe entgehen wollen. Dämmen wir da nicht ein, bessern wir da nicht, dann sind unsere Kinder für das ganze Leben verdorben. Denn auf der Wahrhaftigkeit baut sich ein rechtes Leben auf.

Liebe Mutter, diese Besserung hälft du für schwierig, wenn gar für unmöglich. Schwierig, ja, aber warum? Weil wir selbst unwahrhaftig sind. Wenn ich eben sagte, daß wir die Lüge beim Kinde bekämpfen müßten, so ist das eigentlich falsch. Denn unser Kampf gegen i)ie Lüge beim Kinde ist kein direkter, eher ein indirek. 1er. Bei uns selbst anfangen! heißt die Parole. Also, wahrhaftig werden, liebe Mutter, in allem. Wie leicht lügen wir doch, auch in Gegenwart unserer Kinder. Und wissen doch, wie verderblich das Beispiel wirkt, insbe­sondere das Beispiel der Eltern. Seien wir doch ehr­lich: Wir verlangen von unseren Kindern Wahrheit und Wahrhaftigkeit, sprechen mehr oder weniger sal­bungsvoll von den lügenhaften Lippen, die dem Herrn ein Greuel seien, von den Lügen, die kurze Beine haben, von der Sonne, die es an den Tag bringt. Und wir selbst?

Aber nicht nur, liebe Mutter, daß wir selbst unwahr sind, wir verlangen Unwahrheit auch von unseren Kin­dern. Beispiele? In Hülle und Fülle. „Sag, ich wär nicht zu Hause!" „Sag der Lehrerin ich sei krank und du müßtest zu Hause bleiben." Das sind Fälle, die in ihrer Harmlosigkeit nicht nur einmal passieren! Da soll nun ein Kind lernen, die Wahrheit zu sagen! Un­überlegt ift's sicher, wenn wir so handeln. Aber das Nichtüberlegen entschuldigt die Tatsache nicht.

Frner: Fragt dich dein Kind etwas, dann gib ihm Auskunft, so gut du kannst. Denn sobald ein Kind eine t^rage überschaut, mit Bewußtsein fragt, will es Ant­wort haben, die soweit reicht, als die Frage ging. Auf welche Fragen nun geben wir in unserem Unverstand, der gewiß auch gut gemeint ist, keine Auskunft? Auf die Fragen, die das „heikle Thema" betreffen, die „Auf- klärung". Da weichen wir aus oder aber wir lügen. Das Kind mit feinen hellen Augen weiß, daß wir lügen, geht zu anderen um die gleiche Auskunft und wird dann „aufgeklärt", meist in einer Weise, die rott—nie gut machen können. Warum haben wir solche Angst davor, unserer fragenden Jugend das heilige Geheimnis, das Wunder des Werdens, anzuvertrauen?

Aber, siebe Mutter, daß sich dein Kind gerade in derlei Fragen an dich wendet, feßt voraus, daß es dir ganz vertraut. Daß es weiß: Die Mutter hilft mir jederzeit; wie ich auch kommen mag. Vertrauen hinwie-

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>%le MuulMkliM ist oon allen Mimen öle nrirlungsoollsle unö mlrö es infolge ihrer MM unö MMelk M meinen.

„Einkochen" anno dazumal.

Von Hubert D. Stiller- Köln-Rhein.

Wenn der Sommer sich mit seinem Segen in Garten und Feld eingestellt hatte, dann begann in früheren Zeiten in Küche und Keller ein reges Treiben. Dieser „Einmache-Feldzug" der Mütter, wie Jean Paul einmal dar roidjtige Ereignis nennt, spielt in den Jugend­erinnerungen derjenigen Männer, die vor hundert Jah­ren geboren wurden, noch eine große Rolle. „Eine kleine Revolution erschütterte dann das ganze Haus", erzählt z. B. Bogumil Golz. „Auf dem Herde brann­ten gewaltige Feuer; Töpfe, Flaschen und Gläser, Be­hältnisse In den verschiedensten und phantastischsten For­men standen bereit, und jung und alt schleppten die Frische Ernte herbei, die nun zu dauerhaften Vorräten »erarbeitet werden sollten." Otto Bähr führt in seiner anschaulichen Kulturgeschichte einer deutschen Stadt ums Jahr 1825 dies Bild weiter aus: „Eingemachte Gemüse oder Früchte — die feinen und teuren Südfrüchte viel­leicht ausgenommen, konnte man nirgends in Läden kaufen. Die Hausfrau mußte sie selbst einmachen, und das geschah auch in fast allen Haushaltungen. Freilich war dis Kunst, in geschlossenen Blechbüchsen Nahrungs­mittel aufzubewahren, noch ganz unbekannt. Weißkraut (Sauerkohl), Gurken, Strünke (die geschnittenen Stengel von Sommer-Endivien) und „Schnippelbohnen" wurden mit Salz in großen Fässern eingemacht und fanden im Keller ihren Platz. Von Früchten wurden Kirschen, Heidelbeeren und Zwetschen in Gläser und Flaschen ein­gekocht und in der Speisekammer aufbewahrt. Preißel- beeren galten für ein sehr luxuriöses Obst und kamen in bürgerlichen Haushalten nicht vor". Man sieht, daß das Einkochen vor 100 Jahren bereits ähnlich vor sich ging wie auch heute noch, nur daß damals viel größere Vorräte eingesammelt wurden, um dem Winter mit Ruhe entgegen gehen zu können. Jene „Delikatessen­handlungen" wie sie als ein Zeichen der Zeit in den Gründerjahren überall auftauchten und die von manchen Kulturhistorikern als Maßstab des zunehmenden Luxus gekennzeichnet worden sind, gab es damals nach nicht. Wer etwas Gutes auf dem Tisch haben wollte, mußte mit eigenen Händen dafür sorgen und zur rechten Zeit fcine Dorkhrungen treffen. Besonders die Kinder ka-

Für unsere Frauenwelt.

«tr,

Nr. 184 vom 12. Huguft 1927.

berum ist bedingt von der Liebe. Wie oft und wie tief man auch über die Fragen der Erziehung Nachdenken ma9. sie schrumpfen zusammen, oder vielmehr sie wach­sen ins Riesenhafte, weil sie immer die Liebe im Aus­gangs- und Endpunkt, als erstes und letztes Erziehungs­moment haben. Wo Liebe ist, da ist für Furcht kein Raum, da gibt'- auch keine Lüge aus Furcht vor Strafe. Da kennt man nur eins: Durch nichts weh zu tun, durch nichts Betrübnis zu bereiten dem, den man liebt. Mit Strafen treiben wir die Lüge nicht aus. Ehrlichen Stolz sollten wir zu wecken versuchen; Junge, für alles, was du tust und läßt, muß du ganz einstehen, darfst dich nie feige der Verantwortung entziehen!

Wie du das machst, liebe Mutter, das ist dir über­lassen. Ich weiß, du wirst ganz andere Worte gevraa- chen. Denn du kennst deinen Jungen, kennst dein Mä­del besser. Ich gab aus der Fülle nur ganz wenig cn. Aber das Wenige mag genügen, dich zum Nachdenken anzuregen. Deine Kinder sollen dereinst die Ehrenkrone deines Alters werden. Daß sie's werden, dafür sorge heute.

pflichten des kranken.

Von Hedwig T e i ch m a n n - Miglitz (Mähren).

Nicht nur die Pfleger haben Pflichten zu erfüllen, auch die Kranken müssen solche erkennen, selbstverständ­lich nur solche Kranke, die hn Besitze ihrer moralischen Kräfte sind. Ich war lange Zeit hindurch Kranken- Pflegerin und lernte so manche Patienten kennen. Diele Menschen besitzen durch Gottes Gnade eine sanfte, gute Natur, sie sind geduldig und vermögen viel zu ertragen. Diese Menschen zu pflegen und zu warten ist nicht schwer. Sie läuten nicht stürmisch zwanzigmal, wenn sie eine Falte drückt, geben keine gereizten Antworten, jagen nicht rücksichtslos die ganze Familie herum, um irgendwelche flüchtige Laune zu befriedigen. Dies alles aber tun die Unbeherrschten in höchstem Grade. Für sie gibt es keine Rücksichtnahme, kein Erbarmen mit müden verzagten Gesichtern. Nicht eine Person genügt da zur Pflege, es mühen sich meist mehrere um solche Kranken ab. Und doch kann man es ihnen nie recht machen. Die harmloseste Frage gibt Anlaß zu einer gereizten Antwort. Kein freundlicher Dank lohnt die nimmermüde Hand der Frau, die oft noch außer der Pflege den ganzen Haushalt versorgen muß. Wo die Pflegerin auch über Nacht ihre Pflicht tun muß, präge sich der Patient fest ein, daß er sich möglichst ruhig verhalte, wenn es fein Leiden irgend zuläßt. Er bedenke, daß die Pflegerin ihre Kraft für den Tag braucht, daß jede geraubte Stunde der Nachtruhe chr etwas weg­nimmt, was unersetzbar ist. Beherrschung lerne jeder Kranke, nicht zuletzt sich selbst zulieb. Wie kann man helles Licht von einer Lampe verlangen, die ohne Unter- laß ihr Del hergibt, aber kein solches nachgefüllt be­kommt? Und ein freundliches Lächeln, ein geduldiges Ausharren, ein heiteres Wort hie und da. — das ist alles wie Del, wie Sonnenschein und bringt Licht in je­des, selbst das düsterste Krankenzimmer.

Männer sind im allgemeinen sehr ungeduldige Patienten, gfjnen fehlt die Duldsamkeit, an die die Frauen so früh gewöhnt sind. Besonders der eigenen Frau gegenüber lassen die Männer so gern ihrer Saune die Zügel schießen. Fremde Pfleger sind da oft bes­ser am Platze. Jeder Mensch nehme sich daher noch in gesunden Tagen vor: bei Krankheit geduldig und hei­ter zu fein, bas Unglück nicht selbst zu vermehren durch Zügellosigkeit und Ungeduld, nicht Me (iebften Men­schen durch harte, böse Worte zu verletzen. Wenn man auch weiß und entschuldigt: er ist krank, er leidet, die bösen, verletzenden Worte prägen sich doch ein und sie erheben ihr Haupt, wenn wir müde sind, sie machen uns traurig und unfähig, lange Leidenswochen mit der erforderlichen Liebe zu ertragen. Ein einziges lie­bes Wort, ein lieber Blick, ein dankbarer Händedruck gießen Kraft in die müdeste Seele.

wie bringt man Obstflecken heraus!

Sobald die Zeit des reifen Obstes einfetzt, zeigen die Kleider, Blusen, Wäschestücke, Tischtücher und der­gleichen mehr, Obstflecke in den verschiedensten Größen. Unsere Jungen und Mädels sorgen dafür, daß nichts davon verschont bleibt. Da heißt es gar häufig zu den verschiedensten Hilfsmitteln zu greifen, um die unschönen Flqche herauszubringen. Es muß nun bet der Entfer­nung von Obstflecken darauf geachtet werden, ob diese Obstflecke von frischem Obst oder von eingekochtem her- rühren. Bei letzterem ist es ratsam, zuerst durch Wa­schen mit warmem Wasser den Zucker herauszubringen, erst dann geht es an die eigentliche Entfernung des Fleckes.

Sind Obstflecke in Tischtüchern, Servietten, Taschen­tüchern und dergleichen mehr, also in leinenen Geweben, legt man^die fleckigen Stellen über Nacht in Milch und spannt darauf die fleckige Stelle über einen Trichter, un­ter dem man einen Schwefelfaden entzündet hat. Der aufsteigende Schroefeldampf muß nun durch die fleckigen men dabei auf ihre Rechnung. „SButterbröter" zu Früh­stück und Abendbrot waren noch nicht üblich, überhaupt kam man mit sehr wenig Butter aus. Die „Pflaumen- mußstulle", die sich heute wieder ihr Recht erobert hat, war aber vielen eine schönere Erinnerung an die Herr­lichkeiten der Kindheit, als es unserer Generation die dickbelegtesten Butterbrote sind, und in Raabes Romanen wird die alte „Mußstulle" direkt zum Symbol der „ver­sunkenen Gärten des Kinderparadieses". Fontane trau­ert den „Sirupsemmeln" seiner Jugend als einer ver­schwundenen Delikatesse nach, und auch unsere Jungens waren mit Marmelade und Sirup, die der Krieg an die Stelle der Butter treten ließ, sehr zufrieden.

Das Einkochen von Früchten und Gemüse ist eine alte Kunst, die sich in der Literatur der Kochbücher weit zurückzuführen läßt und eine hohe Vollkommenheit er­reicht hatte. Das maßgebende Werk für die vornehme Küche, nach dessen Rezepten die Speisen in den ersten Gesellschaftskreisen eingelegt wurden, ist der zuerst 1667 in Paris erschienene „Parfait Eonfiturier" des Fran- zosen Lavarenne, oder wie der vollständige Titel des Bu­ches lautet: „Der vollkommene Einkocher, der über die beste Art unterrichtet, alle Sorten von trockenen und flüssigen Speisen, Kompotten, Früchten, Salaten, Gemü­sen und anderen Delikatessen schmackhaft und dauerhaft zu erhalten. Doch auch die deutschen Kochbücher blieben nicht zurück. Der „Kurmainzische Mundkoch" führt 19 verschiedene Arten auf, um Nüfse, Amarellen, Birnen, Zitronen, Pomeranzen, Ingwer, Quitten und Pfirsische einzulegen. Andere Kochbücher, wie das Nürnberger, das Salzburger, ziehen noch mehr Früchte in den Be­reich ihrer Kunstfertigkeit, so Weinbeeren. Hagebutten, Mispeln, Kalmus, Wegwart usw. Der Konservierung von Nahrungsmitteln im großen Stil wandte man sich zuerst in den Offiziersküchen der englischen Marine zu, wo ja bei weiten Seereisen die Haltbarkeit besonder» notwendig war. Hier wurde zuerst in luftleeren Büch­sen auch anderes als Gemüse und Früchte eingelegt, so frisches Fleisch und Fische. Diese Neuerung erregte sol­ches Aufsehen, daß Friedrich Wilhelm III. in Paretz ein Diner veranstaltete, bei dem der Merkwürdigkeit we­gen nur Speisen aus solchen Büchsen gereicht wurden. Es habe ja nicht schlecht geschmeckt, urteilte ein Teilneh­mer, ober diese Surrogate ließen doch recht viel zu roün-

Stellen hindürchströmen, und man wird bald feststel­len können, daß der Fleck verschwindet. Nach dem Schwe­feln wird das betreffende Stück durchgewaschen.

Handelt es sich um farbige Leinendecken oder farbige Baumwollstoffe, so spannt man die fleckigen Stellen über ein Gefäß und gießt einen Strahl kochenden Was­sers darüber. Sollte beim ersten Versuch der Fleck nicht heraus sein, muß das Verfahren wiederholt wer­den. Dann wäscht man mit lauwarmem Wasser, dem man einen Schuß Salmiak zugegeben hat, nach.

Obstflecke aus Seide werden am besten mit Brannt­wein entfernt, doch müssen die Flecke bann noch ganz frisch sein. Handelt es sich um ältere Obstflecke, muß nach dem Auswaschen mit Alkohol noch ein Waschen mit Seife folgen. Schwarze Seide muß erst in Seifenwas- fer angefeuchtet werden, ehe man mit Branntwein oder Spiritus arbeitet. Zwischen zwei weißen Tüchern muß dann die Seide trocknen.

Handelt es sich um Obstweinflecke, so legt man das betreffende Stück, ganz gleich ob Leinen oder Baum­wolle, einen halben Tag lang in Milch, bringt darauf das Stück in lauwarmes Wasser und spült kalt nach. Das darf aber nur bek ganz frischen Flecken geschehen. Sind solche Obstweinflecke bereits eingetrocknet, legt man das betreffende Stück einen Tag lang in warme Milch. Dann wäscht man den Fleck in derselben Flüs­sigkeit sauber aus und spült mit klarem Wasser nach.

Sehr vorsichtig muß man beim Entfernen von Obst- weinflecken aus weißen Wollstoffen vorgehen. Man be­feuchtet die befleckte Stelle mit Wasser an, bestreicht sie mit angefeuchteter Gallseife, reibt zwischen den Fingern den Fleck aus, spült ihn in klarem Wasser und bringt bas betreffende Stück zwischen zwei weiße Leinentücher zum Uebertrocknen. In noch müßig feuchtem Zustand er­folgt bas Bügeln, gleichfalls zwischen zwei weißen Lei­nentüchern.

Befinden sich Obstweinflecke in derben Leinenstof­fen, so reibt man sie kurzerhand mit Schweineschmalz ein und läßt es gut einziehen. Dann reibt man die Stellen mit grüner Seife noch gründlich ein, läßt sie einige Stunden lang liegen und wäscht darauf bas ganze Stück in lauwarmem Wasser.

Eier einzulegen.

Von Eleonore Mager- Rastatt.

Jetzt wird es allmählich Zeit an bas Einlegen bes Wintervorrates an Eiern zu denken. Früher war es üblich, die Wintereier schon im April und Mai zu kon­servieren, doch hat man bann oft üble Erfahrungen ge­macht, da die Haltbarkeit eines frischen Eies, selbst bei sorgfältigster Behandlung, nur eine beschränkte ist. Als bestes Konservierungsmittel gilt immer noch Wasser­glas ober Garantol, jedoch ist bei beiden Mitteln Vor­sicht beim Einkauf und bei der Verwendung am Platze; da Spritzer in die Augen schwere Verletzungen Hervor­rufen können. Vor dem Einlegen werden die Eier sau­ber gewaschen und in einer leichten Salzwasserlösung auf ihre Frische geprüft. Frische Eier sinken unter, weniger frische schwimmen in halber Höhe — und ältere schwimmen an der Oberfläche. Diese sollte man stets sofort verbrauchen, da sie sich doch nicht halten. Man (ege in der Regel nur mittelgroße ober kleine Eier ein, da große meist eine sehr dünne Schale haben, also leicht zerbrechen. Selbstverständlich bringt bann auch bas Konservierungsmittel durch die meist etwas poröse Schale leichter ein, was zum mindesten eine Qualitäts­minderung verursacht. Will man eingelegte Eier ver­brauchen, so wasche man sie zuerst sorgfältig ob und lege sie bann noch einige Stunben in klares Wasser, Sie werben dann wieder frisch.

Die Frau als Erzieherin.

f. Freiheit erzieht nicht immer zur Selbständigkeit. Zuweilen werden Kinder, wenn sie weder Zügel noch Fessel fühlen, übermütig und schlagen wie ein junges Füllen aus. Sie tragen mehr Schaden als Nutzen nach Haus. Freilich, auch der zu große Zwang übt oft die gleiche Wirkung auf Kinder aus. Es ist immer die alte und beste Regel, nicht alles über einen Kamm zu sche­ren und erst das Wesen eines Kindes zu studieren, ehe man irgendwelche Erziehungsgrundsätze anroenbet.

Die Zrau im Beruf.

f. Weibliche Beamte und Angestellte im Reichsdienst Es gab am 1. April d. Js. bei den Hoheitsverwaltun­gen 441 Beamte und 8318 Angestellte weiblichen Ge­schlechts, bei der Reichspost 44 989 weibliche Beamte und 1237 weibliche Angestellte. UeberatI ist durchweg nicht nur feit 1923 der Abbau auch hier streng durchgeführt worden (selbst seit dem 1. Oktober 1926 ist die Zahl der weiblichen Beamten noch etwas zurückgegangen, wäh­rend allerdings die Zahl der weiblichen Angestellten ge, wachsen ist), sondern es ist auch von den Behörden auf die Dienste der verheirateten Frauen in großem Um-

schen übrig. Der große Feinschmecker Baron Vaerst erzählte in feiner 1851 erschienen „Gastrosophie" von ei­nem Gastmahl, bas aus lauter Pulvern in Büchsen be­stand. Man hatte die Auswahl aus hundert Suppen, indem man aus hundert verschiedenen Büchsen einige Messerspitzen Pulver in einen Teller mit heißem Wasser rührte. Auch für andere Speisen standen Essenzen und stärkste Extrakte in Bereitschaft, die man in kaltem ober heißem Wasser oerbünnte. Das Zeitalter ber Nahrungs­mittelchemie, das Justus oon Liebig eröffnete und in seinen vielgelesenen „Chemischen Briefen" sogleich volks. tümlich machte, war angebrochen und damit eine neue wissenschaftliche Form bes „Einkochens".

Blick in den Spiegel.

Von Hilbe Sitte-Hutter.

Ein letzter Blick in ben Spiegel, bas ist es, was viele Frauen gern vergessen. Kleine Fehler ber Toilette hü­ben dann den Grund zu Lächerlichkeiten. Selbst wenn man, ehe man das Haus verläßt, an sich prüfend herab- sieht, so ist das nicht dasselbe wie ein schneller orien­tierender Blick in den Spiegel. Der Spiegel — obwohl gleichermaßen ber kritische Detailmaler — gibt den Ge- samteinbruck ber Persönlichkeit rokber. Frauen, bie ba« heim selbst nähen ober burch eine Hausschneiberei ar­beiten lassen, wissen bie Hilfe bes Spiegels wohl zu schätzen. Selbst der geübte Blick ber Schneiderin kann täuschen, wenn es sich um die Rocklänge (resp. Kleid, kürze wie man jetzt wohl sagen muß) handelt. Dreht man sich dagegen vor dem Spiegel langsam einmal auf dem Absatz herum, so werden die kleinsten Fehler augen­fällig; der Fall einer Falte, die Tendenz zur Ungehor­samkeit zeigt und sich schief repräsentiert, eine zu tief eingesetzte Achsel und vieles andere mehr. Wichtig ist, daß ber Spiegel so steht, baß bas Licht voll auf bie spie­gelnde Fläche fällt und daß auch ein Beleuchtungskörper derart angebracht ist, daß man sich abends im „rich­tigen Lichte" besehen kann.

Spiegel: das heißt Kritik und Wahrheit. Denn er ist unser bester Freund, wenn er uns so reizend rote- derspiegekt, wie wir eben sind, und ist noch mehr unser Freund, wenn er uns von Mängeln an uns unter­richtet. Sie werden korrigiert und dadurch verhindert,

fange verzichtet worden. Am 1. Oktober 1923 bei­spielsweise waren unter ben 60984 weiblichen Beamten ber Reichspost 2718 Verheiratete, am 1. April 1927 wa­ren es unter 44 989 nur noch 268. Aehnlich liegen bie Verhältnisse auch sonst. Unter ben zurzeit beschäftigten 1237 weiblichen Angestellten ber Reichspost befinbet sich sogar keine Verheiratete, unter ben 8318 weiblichen Angestellten der Hohheiisverwaltungen sind nur 150, unter den 441 weiblichen Beamten nur 14 Verheiratete- Unb bas ist gut so!

Die Frau als Hausarzt.

f. Der gesundheitliche Wert der Pflanzenkost. Die Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen Linsen) enthalten viel Eiweiß. Sie verhalten sich in Bezug auf ben Harn- säurestoffwechsel ebenso wie bas Fleisch. Der Nervöse soll sie deshalb möglichst meiden. Dagegen sind Salate (ohne Essig und Pfeffer) sehr wertvoll (Mineralsalze); auch rohe Mohrrüben eignen sich zur Salatbereitung sehr gut. Von unseren einheimischen Früchten sind die Erd­beeren bie wichtigsten, ferner bie übrigen Beerensorten unb bas Baumobst. Gurken unb ihre Verwanbten kom­men erst in zweiter Reihe. Von ben ausländischen Früchten kommt ber Dattel unb ber Apfelsine ber erste Preis zu.

Die Frau in der Küche.

f. Pfifferlinge mit Ei. Die Pfifferlinge werben in bekannter Art gedämpft, auf ein Sieb geschüttet, mit Zwiebeln unb Butter gut geröstet, mit Salz, Pfeffer unb gehackter Petersilie gewürzt unb ein geschlagenes Ei darunter geschwenkt.

f. Tomatensalat. Einer ber beliebtesten Salate ist ber Tomatensalat. Die Tomaten werben in Scheiben geschnitten, mit viel Del, wenig Essig, Salz. Bfeffer unb wenig gehackter grüner Petersilie angemacht. Er wird mit grünem Salat ober Gurkenscheiben garniert

praktische Winke.

f. Waschstosse aller Art, befonbers bie bünnfaferigen Gewebe, dürfen nicht gestärkt aufbewahrt werden. Die seine Stoffaser würde sonst sehr leicht zerbrechen und ber Stoff zeigt ein rissiges Gewebe. Man rollt bie sauberen Kleidungsstücke aus Waschstoff zusammen und hebt sie, in ein glattes, sauberes Tuch zusammengebun­den, auf, bis sie zur Verwendung gelangen.

f. Das Durchschwitzen von Glaceehandschuhen räyt sich leicht vermeiden, wenn man sie vor dem Anziehen jedesmal innen mit etwas Taleum (gemahlenem Speck­stein) einreibt.

f. Die Küchenwäsche wird in ber Regel viel zu viel eingeschmutzt; sie muß bann schärfer gewaschen werben unb geht vor ber Zeit hierdurch kaputt. Sehr viel zur Schonung ber Wäsche unb zur Ersparung von Seife kann man beitragen, wenn man zum Abtrocknen der Messer, Löffel, Geräte, Töpfe usw. zuerst Zeitungspa- pter anroenbet und bann mit bem Küchentuch nacfr- trocknet.

heiteres.

Aus ber Schule. In einem Aufsatz hat eine Junge geschrieben: „Um 8 Uhr kam mein Vater nach Hause, bepackt wie ein Esel." Der Lehrer unterstrich bas Wort „Esel" mit roter Unter unb schrieb ein Ausrufezeichen an ben Ranb. Damit meinte er, daß es ungehörig ist- ben Vater mit einem Esel zu vergleichen Der Junge aber faßte bas Ausrufezeichen anders auf. Er schrieb in ber Verbesserung: „Um 8 Uhr kam mein Vater nach Hause, bepackt roie ein Kamel." („Flieg. Blätter").

Starker Tobak. Ein Chicagoer erzählt: „Bei uns ist jetzt ein Theater eröffnet worben, das ist so groß, baß wenn bie Zuschauer ber letzten Reihen mit unreifem Obst nach bem Schauspieler werfen, biefes verfault auf der Bühne ankommt." — „Da sollten Sie aber mal erst unsere neue Dper sehen", erroibert ihm ein Newyorker, „wenn ba von ben hintersten Bänken mit rohen Eiern geworfen wirb, flattern biefe als ausgewachsene Hühner ben Sängern um die Köpfe." („Fliegende Blätter")^

Sprüchlein über die Frau.

Sin liebes Weib und ein guter Humor, helfen uns immer weiter.

Wer sie zu Genien erkor, braucht keine Himmelsleiter.

Mit Bitten herrscht die Frau und mit Befehl der Mann, Die eine, wenn sie will, der andre, wenn er kann.

Johann Christian !i ::

Die Frauen haben immer anderthalbmal recht! Französisches Sprichwort.

baß bie stets spottbereite Deffentlichkeit uns belächelt. Da ist die Nase zu weiß gepudert, bie Ansteckblume „schlägt" sich mit ber Farbe bes Hutes (wir wählen schnell einen anderen), hier wieder ist eine Masche, bie heimtückisch bas Bein hinabläuft.

Cs gibt Frauen, bie ftunbenlang vor dem Spiegel ste­hen unb gouftieren. Je nun. Es ist schon richtig, sich selbst zu ftubieren. Denn bie Erkenntnis bes „Typs" ist bie oberste Notwendigkeit, auf ber eine inbioibuelle ge­schmackvolle Kleibung sich aufbaut. In ben Tagen bes „Familienentscheib" über ben Bubenkopf würbe viel Zeit vor bem Spiegel verbracht, bas Haar so täuschenb nach innen geschlagen, baß es wie geschnitten erschien. „Soll ich? Soll ich nicht?" Der Spiegel riet ab, ber Spiegel riet zu — so unzuverlässig kann dieser Geselle, bem man bis auf ben Grunb feiner roieberfpiegelnben, alles offenbarenben Persönlichkeit sehen kann (was beim männlichen Geschlecht boch immerhin ein seltener Fall ist) sein — je nach ber Laune ber Dame. Nach voll- brachter Tat war man entzückt unb trug im Seiden, papier eingewickelt die wallende Schönheit der sonst streng geflochtenen Zöpfe heimwärts. Der Bubikopf aber brachte eine „neue Note" in bie Erscheinung ber Frau.

Weit gefehlt, zu benken, bah „bie arme Seele Ruh hat". Heute steht Mabame roieber als Fragestellerin vor dem Spiegel: ob Eton, ob Locken-, ob Titus-, ob Pagenkopf? •

Doch auch darüber hinaus ist ber Spiegel unser be­ster Freunb. Er schmeichelt, wenn wir voll Freube in ber neuen, natürlich fabelhaften Toilette vor ihm para­dieren, so daß es vorkommt, baß eine kleine Frau sich an sich selbst berauscht. So schön ist sie! Wie sollten ba andere, roie sollten jene, für welche sie sich schmückt, ihrem Reize widerstehen, wenn selbst ber spröbe „glä­serne" Freunb alle Reflexe ber Zustimmung wirft, da» Bild ber gouftierenben, tänzelnden, ft-udio erregten Frau nimmermüde roiebergibt. W, Menzel schrieb 'ein­mal: „Ein Spiegel ist besser als eine ganze Reihe Ah- nenbilber“.

Versäumen wir barum nicht, biefe Wahrheit stets aufs neue zu ergründen. Dr- frfcf. wvp ?>,-n Snie-l, der automatische Gewohnheit werden soll, sei bie Klossifi- jkrung der Frau, der Toilette, die (Betätigung der ge- schmack- und reizvollen Persönlichkeit!