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Nr. 183

Donnerstag, 11. August 1927.

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* Parade vor dem Reichspräsidenten. Reichs­präsident v. Hindenburg besuchte am Dienstag nach­mittag mit seinem Sohn die Reichswehrkaserne in der Perlebergerstraße in Berlin. Es fand vor dem Reichspräsidenten eine Parade statt, an der

Der deutsche Botschafter bei Branö.

wtb. Jaris, 10. August. (Eig. Funkm.) Der deutsche Botschafter, Herr von Hoesch, der gestern nachmittag nach Paris zurückaekehrt ist, hatte heute früh eine längere Unterredung mit dem französi­schen Minister des Aeußeren, Briand. Zweck des Besuches war die Wiederaufnahme der durch die lange Krankheit des Botschafters unterbrochenen persönlichen Aussprachen Zwischen ihm und dem Minister des Aeußeren. Im Laufe der Unterre­dung kam dann eine ganze Reihe Deutschland und Frankreich interessierender Fragen zur. Sprache, wcckei insbesondere die gegenwärtig schwebenden Verhandlungen über den Abschluß eines deutsch-französischen provisor? sch en Handelsvertr ages einen breiten Raum einnahmen.

Fremdherrschaft zu schützen." — Der Zentrums- abgeordnete Fehrenbach hatte den Rat der Volks­beauftragten vergeblich zu bewegen gesucht, der. letzten Reichstag einzuberufen, damit dieser als Organ für den Gesamtwillen des Volkes auftreten könne. Der Rat der Volksbeauftragten iah den Reichstag als durch die Revolutionsaewalt mit» beseitigt an. Der allgemeine Volkswille fcllte durch die Nationalversammlung, zu der feder wahlfähige Deutsche mit gleichem Rechte wählen konnte, fest- gestellt werden.

Als nun am 19. Januar 1919 die Wahl der Nationalversammlung auf Grund des denkbar allgemeinsten und vollkommen gleichen Wahl-

Betrachten wir doch die damaligen Geschehnisse etwas näher.

Als nach beispielslosen Anstrengungen in vier- fahrigem Kamvfe der militärische Zusammenbruch kam und di" Meutereien der verschiedenen Trup­penteile und Ausstände der Massen, die die Macht an sich zoaen, eintraten, blieb auch der Zerfall der alten Zivilverwaltung nicht aus: es brach die ge­samte bisherige obrigkeitliche Staatsgewalt zusam­men . Am 9. November 1918 wurde durch Scheide­mann die sozialistische Republik au«gerufen In der Nacht vom 10. zum 11. November wurde der Rat der Volksbeauftragten gegründet, der sich als­bald an das deutsche Volk mit folgenden Worten wandte: ,.Die aus der Revolution hervorgegangene Regierung deren politische Leitung rein sozialistisch ist, setzt sich die Aufgabe, das sozialistische Pro­gramm zu verwirklichen. Sie verkündet schon feßt mit Gesetzeskraft folgendes", was dann aufgezählt wird. Sämtliche alten Gewalten waren vollkom­men ausgefchaltet. Die Arbeiter- und Soldaten­räte beherrschten die Lage. Im leßten Drittel des November erscheint bereits der „Aufruf des Voll­zugsrats des Arbeiter- und Soldatenrats Groß- Berlin und von Delegierten Badens und Banerns an die Arbeiter- u. Soldatenräte Deutsch­lands", der mit folgenden Worten beginnt: „Der Vollzugsrat des Groß-Berliner Arbeiter- und Sol­datenrats hat nach Verständigung mit den Volks- beauktraaten des Reicks unb Preußens dielen die,

vre Uabinettrbesprechung.

Die für Mittwoch angekündigte Beratung der Reichsregierung, die nachmittags um 4 Uhr begin­nen soll, wird, wie der „Lokalanzeiger" meldet, nicht in Gestalt einer formellen Kabinettssitzung sondern in der l o s e r e n F o r m einer Kabinetts­besprechung stattfinden. Cs werden an ihr üb­rigens nur Reichskanzler Dr. M a r x, Reichsaußen­minister Dr. S t r e s e m a nn und die vier deut sch- nationalen Minister der Reichsregierung, Schiele, Herqt, Koch und v. Keudell teilnehmen Ob Reichspostminister Dr. Schäßel an der Bespre­chung teilnehmen wird, ist noch nicht bestimmt

Dr. Eurtius, der nationalliberale Wirtschafts­minister, kann infolge Krankheit seine Kur nicht unterbrechen.

Der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, der sich zurzeit auf seinem Landgut in Lindenberg i. Alg. befindet, ist, wie das „B. T." erfährt, an ernem Blinddarmleiden erkrankt und kann an der Ministerbesprechung über die außenpolitische Lage und an der Verfassungsfeier nicht teil'« nehmen. _________

in keinen Grundzügen

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaqen: .Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk

Die Mtsozialisten.

Die am 15. Juli von August Winnig und Bern­hard Rausch gegründete Ortsgruppe Groß-Berlin der Altsozialisten hielt am Montag im Lehrerver- einshaus die erste Versammlung ab. Rausch sprach über das Thema „Staat und Nation" und wies darauf hin, daß sich aus den Trümmern des alten verfallenen Reiches im 19. Jahrhundert der deutsche National st aat herausgebildet habe. Die weltpolitische Unreife des deutschen Vol­kes sei von jeher das Verhängnis gewesen. Ein 70 Millionenvolk, dessen Lebensgrundlage durch Versailles in katastrophaler Weise eingeengt werde und dessen Bevölkerungsüberschuß nur vom indu­striellen Export leben könne, müsse seine Blicke aus den engen Bezirken des inneren Streites erheben und Ausschau halten nach neuem Lebens­raum. Zum Schluß betonte der Redner die Hin­wendung des Arbeiters zu Staat und Nation und die Opferbereitschaft für ihre Freiheit und ihre Größe. Das sei der Kern der altsozialistischen Auf­fassung.

Dor der Hinrichtung.

Richter Thayer hat es a b g e l e h n t, das To- desurteil gegen Sacco und Vanzettk zu widerrufen und die Hinrichtung aufzuschieben.

vombeuexploflon in Chicago.

meldet aus Chicago: In dem von 150 000 Italienern bewohnten Stadtviertel explo- derteeme Bombe in der katholischen zr i r che. Die Glasfenster und verschiedene Säu­len wurden zerstört. Es ist bezeichnend, daß nack der Erploston überall Fluoblätter verteilt wurden tn denen zu einer Protestkundgebung aegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis aufgefordert wird.

Dombenexplosion in Buenos Aires.

. mtb, Buenos Aires. 10. August. (Eig. Funkm.) Heute jruf) ervlodierten hier zwei Bomben, die kune bei dem Justizoebäude, die andere am Bahnhof von Vele-Sarsfield bei Buenos Aires.

Berliner Kundgebungen.

Dor der Berliner amerikanischen Botschaft sammelten sich im Laufe des Dienstag Demonstran­ten an, um gegen die bevorstehende Hinrichtung Saccos und Vanzettis zu protestieren. Ein Schuß- Polizeiaufgebot zerstreute sofort die Ansammlung. In den ersten Nachmittagsstunden wurde ein De- monstrattonszug gebildet, der in Hochrufe auf (?ofco und Vanzetti ausbrach. Zwei Demonstran­ten wurden menen Veraehens aegen das Bann- meilenges"tz verhaftet und der Abteiluna la des Serfmer Polireiprälidiunm einqeliefert. Ein kom- mun'stilcher Demoustratton«zua zog durch die Kö- masstraste. Em Ueberfastkomwando kwänate den Zug schließlich in die Landsberger Straße ab. wo der Zug aufgelöst wurde.

Zwischenfall in Amsterdam.

Bos dem Besuch der amerikanischen Journalisten in Amsterdam ereignete ück ein Zwischenfall. Als bte Amerikaner in drei Kraftwaaen vor d-m Ko­lonialinstitut ankamen, wurden sie am Einaanq von einer zahlreichen Menae juaendlich-r Kom­munisten mit Schimpfworten und Plakat-n auf denen die Freilassung Saccos und Vanzetti« ge­fordert wurde, empfangen. Die Polizei konnte die Menge, von der auch einige Steine auf die Amerikaner geworfen wurden, schnell zerstreuen. Die amerikanische Gesandtschaft wird polizeilich überwacht.

Mussolini zum Fall Sacco—vanzetti.

„Giornale d'Jtalia" meldet, daß der Vater des zum Tode verurteilten Sacco an den Premiermini­ster ein Telegramm gerichtet habe mit der Bitte, stck dasiir einzuseßen, daß sein Sohn, von dessen Unschuld er überzeugt sei, nicht hingerichtet werde. Der Premierminister sandte an den Podesta der Heimatgemeinde Saccos Zur Ue'-ermittlung an def- sen Vater eine telegraphische Versicherung, daß er mH seit langer Zeit für das Schicksal Saccos und Vanzettis interessiere, und daß er alles getan habe, was mit den internationalen Gebräuchen verein- , bar sei, um sie vor der Erekution zu retten.

Verfassung selbst

men wurde, unter stärkster Beteiligung insbeson­dere auch der christlichen Frauen vollzogen war, begann am 6. Februar 1919 in Weimar ein Gei­stesringen, das erst eine spätere, ganz objektiv urteilende Generation voll zu würdigen imstande fein wird Es wurde in der festigen Reichsver­fassung die Rechtsordnung geschaffen, die unter den gegebenen Verhältnissen erreichbar und erfor­derlich war. Die Nationalversammlung war Or­gan des Volkswillens, das Recht schuf, die neue Reicksverfasfung rechtsverbindlich zustande brachie. Wir erhielten die demokratische Republik. Hugo Vreuß lagt dazu mit Recht: „Man mag über die Republik und Demokratie denken wie man will: kann ein politisch Zurechnungsfähiger und Ehr­licher behaupten wollen, daß eine monarchische und nicht demokratische Verfassung jestt noch in Deutschland möglich gewesen wäre? Die Verfas­sung zieht rückbalüos uie Folgen aus

der gegebenen Notwendigkeit einer -»"cklen

Verwirklichung der Demokratie: aber sie zieht ihr ebenso rückhaltlos die sichernden Schrankender parlamentarischen Ordnung und des festgefügten Rechtsstaates". Dieser am 11. August 1919 in Kraft getretenen Reicksverfasfung bat sich jeder zu beugen. Das ist Gewissenspflicht. Er­wünschte Aenderungen sind in verfassungsmäßigem • Wege anzustreben.

Haben mir, frage ich schließlich noch, nicht Grund, uns dar Riüchsverfalluna — nnn her EtaalÄfnrn»

Obwohl bereits 8 Jahre seit dem Zustande- ■ Sicherheit wieder zu gewährleisten und die not» kommen der Weimarer Verfassung vergangen sind, i ist sich das deutsche Volk in der Bewertung dieses ;

rechts, das ter in die

wendigen Staatszwecke zu erfüllen. Einst begrün­dete Ansprüche früherer Machthaber auf die Re­gierungsgewalt haben in diesem Falle im Interesse des allgemeinen Wohles zurückzutreten. So hat auch Leo xin. im Jahre 1892 in zwei Rundschrei­ben die Bischöfe und Katholiken Frankreichs auf­gefordert, sich „ohne Hintergedanken und mit vol- r ter Loyalität" der Republik anzuschließen. Er hebt | hervor, daß die von Gott dem Staat gegebene Gewalt nicht zugleich einen ewigen, unoeräntwr» lichen Bestand seiner historischen und positiven Rechtsformen gewährleistet, und fährt unter Hin­weis auf die französischen Umwälzungen in den letzten hundert Jahren fort: „Solche Äenderungen sind keineswegs in ihrem Anfang immer recht­mäßig, ja es hält schwer, daß sie es seien. Den­noch bewirkt der höchste Gesichtspunkt des Gemein­wohls und der öffentlichen Ruhe die Pflicht, die neuen, im Besitzstände befindlichen Regierungen antzuerkennen, anstatt der alten tatsächlich nicht mehr vorhandenen. Auf diese Weise erscheinen die gewöhnlichen Regeln der Gewaltübertragunq als suspendiert: und es kann sogar kommen, daß sie mit der Zeit völlig aufgehoben werden. Doch wie es sich auch verhalten mag mit diesen außer­gewöhnlichen Umwandlungen im Leben der Völ­ker, deren Gesetze Gott allein zu berechnen vermag, deren Folgen der Mensch nutzbringend verwerten soll: Ehre und Gewißen verlangen auf alle Fälle eine aufrichtige Unterordnung unter die bestehen­den Gewalten; dieselbe ist gefordert im Namen jenes höchsten, unbestteitharen, unveräußerlichen Rechts, nämlich der gemeinsamen Wohlfahrt. — Georg Jellineck („Kampf des alten mit dem neuen Recht") meint, (Seite 8): „Auch in den gewaltigen Staatsumwälzungen der neueren Zeit stand nicht Reckt gegen Recht, sondern rechtlose Macht gegen I machtloses Recht Erst der Sieg jener Macht ver­leiht ihr, ähnlich wie wir es bei den zwffckenstaat- lichen Kämpfen beobachten können, die Eigenschaft einer Recht schaffenden Gewalt." Demaegenüber ergibt sich aus den eine religiös-sittliche Belehrung enthaltenen Darleaungen Leos XIII., daß nicht der äußere Machtsieg (die vollzooene Tatsachei das Un­recht zum Recht aestaltet, diese Wandlung vielmehr aus der Natur des Staates folgt, aus dem ihm I von Gott eingevflanizten Lebensprinzip: Salus I publica fuprema lex.

Dieser Grundsatz sanktioniert auch die Weima- I rer Verfassung. Die Vorgänge der Umwälzung I in Deutschland Ende 1918 und Anfang 1919 waren I derart, daß der bekannte Rechtsaelehrte Ziteimonn I kurz vor seinem 1924 erfolaten Tode schrieb: „Wir I konnten den rätselhaften Vorgang der ursprüng- I lichen Rechtsentstehunq in feinem ganzen Verlaufe I beobachten. Vor unseren Augen wurde. . . Un- I recht zu Recht."

gegenüber, möchte sie als dem deutschen Volke von Revolutionären zu Unrecht aufgezwungen betrach­tet sehen. Vor mir liegt die Aeußerung eines auch im katholischen Leben hervorgetretenen bayrischen Oberregierungsrates, der auf ein Werbeschreiben des Verbandes katholischer Beamtenvereine Deutschlands hin der Berbandszenttale auf einer Postkarte unter anderem folgendes mitteilt:

Es scheinen mir — unmaßgeblichst — die Grundsätze Ihres Verbandes trotz ihrer äußerlichen Fernhaltung von Parteipolitik innerlich sich den Grundsätzen der Zentrumspattei allzusehr zu nähern, wie ich aus einigen Aufsätzen ihrer Verbandszeitschrift ersehe. Ihre Stel­lungnahme zur Weimarer Verfassung und zur demokra­tischen Republik ist weit verschieden von der Auffassung, die wir süddeutschen katholischen Beamten haben. Wir unternehmen zwar nichts gegen die Verfassung der Re­publik, halten aber den jetzigen Zustand für uner­wünscht und gewaltsam und durch Hochverrat herbei- gefühtt. Wenn wir auch dem Volke pflichtgemäß jetzt als Beamte dienen, können wi runs außerhalb des Dien- stes nicht auf den Boden der durch Hochverrat geschaf­fenen Tasachen stellen. Wir wären Diener unseres Kö­nigs und hoffen es wiedr zu werden. Der Zentrums- „Katholizismus" hat sich in der Gefahr für das Kaiser­reich und die Monarchie nicht bewährt.

Das, was in den andern Staaten, wie zum Beispiel in den Vereinigten Staaten oder der Schweiz, geradezu eine Heilighaltung der Verfas­sung herbeigeführt, nämlich die Ueberzeugung von der Uebereinsttmmung von Recht und Verfassung, wodurch allein d>e Autorität der Staatsgewalt rich­tig hockoebalten werden kann, ist bei vielen Deut­schen hinsichtlich der Weimarer Verfassung noch nicht vorhanden.

Die Unverständigen, kleinlichen Nörgler und solche, die aus bö-williger Nerkleinerungssucht un­ser heutiges Staatswesen herabsetzen, sollen hier unbeachtet bleiben. Ich wende mich an die, die aus innerster Ueberzeuguna heraus noch ernste Beden­ken gegen die Autorität unserer Verfassung Vor­bringen zu müssen glauben. Diese sagen meist: Wie kann eine rechtlose Macht ein durch irgend einen Umstand einmal machtlos gewordenes Reckt aufheben und eine Staatsgewalt herbeiführen, die Anspruch auf unbedingte Anerkennung und Au­torität erheben darf? Sie zweifeln also am Charakter unserer Verfassung als einer wirklichen Rechtsverfassung, die im Gewissen verbindlich ist. Dem gegenüber sei folgendes ausgeführt:

Die Natur hat uns Menschen zum Leben in der Gemeinschaft bestimmt. Das in der sittlichen Ordnuna wurzelnde Reckt ist die Norm für das Gemeinschaftsleben. Das positive Reckt fetzt ein be- stimmtes menlcklickes Gemeinwesen voraus, in dem es gilt, weil die dazu berufene Autorität es fest­gesetzt hat Die Unterwerfung unter di" Anord­nungen staatlicher Autorität ist sittliche Pflicht, so­weit nicht etwa ein höhere«, aus der Ler aetema zu entnehmendes Gesetz entgegensteht. Ohne solche Unterwerfung würden wir zur Anarchie gelanaen. Die Gesamtheit der Bestimmungen und Einrichtun­gen, die sick auf die Obrigkeit des Staates bezie­hen, und die Herrsckaftsverhältnisfe in großen Zü­gen regeln, be,zeichnen wir als die Verfassung des Staates. Sie ganz besonders muß als Grund­lage staatlicher Autorität fest und unerschütterlich gelten, soll nicht das allgemeine Rechtsbewußtsein geschwächt und schließlich alle Ordnung umgestürzt werden. Die Revolution al« gewaltsamer Um­sturz der zu Reckt l-estehenden staatlichen Ordnung ist unerlaubt. Ist solcker Umsturz aber einmal er­folgt und sind durch ihn alle früheren Obrigkeits­träger derart ausgefchaltet, daß ihre Wiederein­setzung in die frühere Machtstellung unmöglich ist, liegt gar die Gefahr eines vollständigen Chaos vor, wenn nicht alsbald eine neue Regierung anerkannt wird, die die notwendigsten Anordnungen für das Gemeinwohl treffen kann, so tritt vom naturrecht­lichen Standpunkt aus die Verpflichtung des Vol­kes ein, sich im Wege der Selbsthilfe die mögliche neue Staatsverfassung zu geben, um Ordnung und

Immer noch unerledigt.

Die deutsch-französischen Handelsverkragsverhand- lungen.

Die Havasagentur berichtet über den Htand der deutsch»französischen Handelsvertragsverhandlun- flen, daß es trotz der vielen Sitzungen noch nicht gelungen fei, zu einem provisorischen Handelsab­kommen zu kommen, und daß deshalb Handels­minister Dokanowfki im Ministerrat mitgeteilt habe, er werde seine geplante Abreise nach den Vereinigten Staaten aufschieben. Nichtsdesto­weniger, so heißt es in der Havasmeldung weiter, feien im Laufe der letzten Tage Fortschritte erzielt worden. Die Fragen der allgemeinen Klau- flen und der Schlüsselindustrien seien grundsätzlich geregelt, nichtsdestoweniger bleibe aber noch eine gewisse Anzahl von Punkten hinsichtlich der Tarife strittig. Unter diesen Umständen könne man über N-» Dau-r der letzten noch notwendigen Verhand­lungen keine Voraussage machen. Man sei jedoch der Ansicht, daß bis zum Samstag ein gün­stiger Abschluß erzielt werden könne.

| exekutive Regierungsgewalt übertragen. Er ha | sich aber das weitestgehende Kontrollrecht über bi)

Regierung vorbehalten." Am 9. Dezember roiri) dann in einer gemeinsamen Sitzung des Vollzugs

I £ate der Arbeiter- und Soldatenräte und dei I Rats der Volksbeauftragten eine Vereinbarung ge I troffen und bekanntgegeben, in der es beiße: „Beid I (der Rat der Volksbeauftragten und der Vollzugs I rat der Arbeiter und Soldaten), geschaffen burd I die Revolution, streben demselben politischen Ziest zu, dem deutschen Volk die sozialistische Republi!

I zu sichern. Der Rat der Volksbeauftragten häl: unbedingt an der durch die Revolution gegebener Verfassung fest, die ohne Zustimmung des Voll zugsrats der Arbeiter- und Soldatenräte nicht ab geändert werden kann. Aus der Stellung des Bollzugsrats ergibt sich das Recht der Kontrolle dem Rat der Volksbeaufttagten liegt die ihm über, tragene Exekutive ob." Sodann tritt am 16. De. zember 1918 im großen Sitzungssaals des preußi­schen Abgeordnetenhauses der Kongreß der Dele-

l gierten der Arbeiter- und Soldatenräte Deutsch- lands zusammen, der den Wahltermin der Natio­nalversammlung auf den 19. Januar 1919 fest, sitz und die Bildung eines Zentralrats aus dem Kongreß heraus bewirkt. Am 21. Dezember 1918 geben der Zentralrat der Deutschen Soziali­stischen Republik und der Vollzugsrat der Arbeiter­und Soldatenräte Groß-Berlins folgendes bekannt: „Der .Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Re­publik hat sich konstituiert und die Geschäfte für das Reich und Preußen übernommen. Der Voll­zugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte Groß- Berlins führt die Geschäfte für Groß-Berliner An­gelegenheiten wetter". Der Zentralrat ist dann trotz mannigfacher Schwierigkeiten, die sich beion- ders aus dem Verhalten der radikalen Unabhän­gigen ergaben, bis auf weiteres provisorische Re­gierung geblieben Die Regierungsgewalt stützte sich stets auf den Teil des Volkes, der die Neu­gestaltung wollte und durchzuführen in der Lage war. Irgend ein Vorgehen hiergegen wäre nutz­los^ aewefen und hätte nur zur vollen Anarchie geführt. Um letztere zu verhindern, hatten sich auch Teile des Volkes, die nicht zu den Trägern der Revolution gehörten, darunter die Oberste Hee­resleitung unter Hindenburg und ein großer Teil- der Beamtenschaft, der Regierung zur Nersüguna gestellt und Wilhelm II. hat in seiner Abdankungs­urkunde alle Beamten des Reiches und Preußens fowie alle Offiziere, Unteroffiziere - und Mann­schaften der Bundeskontingente des Treueides, den sie ihm als Kaiser, König und obersten Befehls­haber geleistet, mit folgendem ausdrücklichen Zu­satz entbunden: „Ich erwarte von ihnen daß sie bis zur Neuordnung des Deutschen Reiche« den Inhabern der tatsächlichen Gewalt in Deutschland helfen, das deutsche Volk gegen die drohenden Ge­fahren der Anarchie, der Hungersnot und der

uldaerZertung

Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

sich Kompanien der sämtlichen in Berlin anwesen­den Regimenter beteiligten.

* Botschafter v. Hösch wieder in Paris. Nach völliger Wiederherstellung seiner Gesundheit ist Botschafter v. Hösch in Paris eingetroffen und hat die Geschäfte der Botschaft wieder übernommen. — Der deutsche Botschafter in Moskau, Graf Brock- dorff-Rantzau, ist von Berlin nach Moskau zurück- gekehrt und hatte sofort eine Unterredung mit Tschitscherin.

* General v. Schönaich Reichstagskandidat? Die „Tägl. Rundschau" teilt mit, die deutsche Frieden sgesellschaft beabsichtigt, sich bei den nächsten Reichstags- und Landtagswahlen mir einem eigenen Kandidaten zu beteiligen. Als Kandidat wird Generalmajor v. Schönaich ge­nannt. Die Deutsche Friedensgesellschaft will even­tuell auch eine nahestehende Partei unterstützen, wenn diese sich bereit erklärt, einen der Friedens­gesellschaft genehmen Kandidaten aufzustellen.

* Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Albanien und Südslawien. Haoas mel­det aus Tirana, daß der französische Gesandte in Albanien den interimistischen südslawischen Ge­schäftsträger Niltschitsch dem Generalsekretär im albanischen Außenministerium vorgestellt habe. Da­durch seien die normalen diplomatischen Bezie­hungen zwischen Albanien und Südslawien wieder ausgenommen.

Mehr Achtunsi vor der Reichsversassung!

Von Landgerichtsdirektor Dr. M a r x - Köln.

unter den schwierigsten Verhältnissen zustandege- . fommenen Werkes durchaus nock nicht einig gewor­den. Ein wesentlicher Teil der Volksgenossen stehi unserer Verfassung sogar noch bewußt ablehnend

Die Seerüffungen.

Coolibge billigt das Bauprogramm des Rlarine- deparkements.

Coolidge billigte das vom Marinedepartement aufgestellte Bauprogramm, das in offiziellen Krei­sen als gemäßigt bezeichnet wird.

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