Einzelbild herunterladen
 

r

Fuldaer Zeitung

6U5 -em Nachbargebiet.

schien einmal eine Ausnahme zu machen, hat es doch an Wirbelstürmen, Ueberschwemmungen, Erd­beben und ähnlichen Dingen nicht gefehlt. Wenn sie aber weiter behauptete, es werde dann von Juli ab besser, so hat sie eben geschwindelt. Dar­nach hätte das Unglück seht in China nicht mehr 'kommen dürfen, und es war doch sogar eines der fürchterlichsten. Die Revolution von Wien fiel auch in den Juli. Bon Rußland hört man alle möglichen Greuel, unter anderm sagt ein Bericht, daß vor kurzem aus Rache zwanziq Sowjetbeamte vergiftet worden seien. Jeder Tag bringt neue Hiobsnachrichten, und wer nicht am Blinddarm leidet, der hat eben Gallensteine. Am besten, man richtet sich auf dieser Welt so ein, daß man auf ihr niemals viel zu verlieren hat. Das hat neu­lich meisterhaft ein moderner Höhlenbewohner ver­standen.

Ordnung, Kind, Kissen und Wagen, laute Kommando­rufe von der Höhe trieben ihn zur Eile. Nun kam die Gnädige herab, sie zogen davon auf der wunderschönen Straße, der Mann schob den Kinderwagen und die Frau ging nebenher.

Inzwischen war das Frühstück der beinahe Hanomag­familie beendigt. Als der Mann sich nun zum Strande begab, um auch das Abwaschgeschäft auf sich zu nehmen, während die Frau sich zu einem Schläfchen anschickte, wandten sich meine Augen weg. Aber oh Schreck. Ueberall ähnlich aufregende Bilder. Wagen auf Wagen war inzwischen angekommen und auf der herrlichen

gibt, erzählt kurz darauf einer von seinem Abend­schoppen. Herr Müller kam etwas zu spät, aber dafür brachte er ein merkwürdiges Möbel mit, so etwas wie eine Haustür. Aber, was mll» denn das? Na, gibt Müller zurück, hab' halt die Haus­tür mitgebracht, da soll meiner Alten das Zufchlis- ßen schön vergehen! ....

Dann las ich weiter in Oskar Maria Graf: „Wir sind Gefangene." Ein Film der Kriegs­und Revolutionszeit. Teilweise in der Art des altehrwürdigen Simplizissimus. Nur war der

mherdem weit, und alles war vielleicht gelogen.

Und das Paradies der Frau ist auch heute noch nicht »ei uns zu finden. Aber freuet Euch, Ihr Ehefrauen, chaudert, Ihr Ehemänner, es ist schon ganz in die Nähe zerückt. Ein paar Bahnstunden und ein bißchen Wasser­fahrt wird es bald noch machen, dann sind auch unsere Frauen schon auf Erden im Paradies.

Wie ich das Paradies entdeckte? Ich lag im Gras, nicht weit vom Strande, sah in einen tiefblauen Him­mel, hörte das Rauschen der See, und glaubte, selber im Paradies zu sein. Vor mir lief eine blitzblanke Auto­straße der Küste entlang. Es war noch sehr früh, ich hatte keine Ahnung, was alles auf dieser Straße ge­schehen könnte. Und schon das erste Auto zeigte mir, daß wenigstens für Männer hier keine paradiesische Stätte war.

Es knirschte heran. Es hielt sehr plötzlich. Es war ein kleiner Wagen, wenn auch kein Hanomag. Aber es faß doch eine Hanomagfamilie darin, Vater, Mutter, Kind und Hund. Und der Vater sprang heraus, ergriff das schreiende Kind und rannte, vom Hunde umbellt, hinter ein Gebüsch. Indessen zündete sich die Dame am Steuer eine Zigarette an. Vaters Eile hatte nichts geholfen, er kehrte zurück, er durchwühlte das Auto, er schaffte Win­seln herbei, er wusch, er kleidete neu, er machte es nicht Mr ersten Mal,das sah man. Doch die Dame saß un-

Hexenschuß — es ist nur für alle Fälle . . . und eben des Originals wegen . . .

Der Mann im Monde.

Diese Geschichte ist wirklich ergreifend. Fährt da eine Dame nach Holland und trifft einen Blu­menhändler, der prachtvolle Zwiebelwurzeln lie­fert. Die Dame ist sehr zufrieden mit ihm und gibt willig ihren Namen für einen Katalog jener Firma her. Bald darauf bekommt diese Dame einen Brief aus Ungarn, und zwar von einem Manne, der seit Jahren jenen Katalog bezog und nun glücklich ist, einen Namen in einer Stadt zu kennen, wo zuletzt sein Bruder aufgetaucht und scheinbar völlig wieder verschwunden war. Ob man diesen Bruder nicht ausfirchig machen könne. Schließlich gelingt das durch Briefe, die man pofllagernd adressiert. Und nun kommt das Selt­same. Er stellt sich vor als Dr. I. und „riecht stark nach Huhn". Das kam daher, weil er mit Hühnern zusammenlebte. Ueberhaupt ein komi­scher Mensch, ebenso vornehm in seiner Haltung, wie ausgehungert in seinen Gliedern. In der Hand trägt er ein Körbchen und verkauft kleine Eier, die auf Hühner deuten, die zu wenig Futter bekommen. Die Dame gehört der Mittelstands- Hilfe an und'will etwas tun. Um sich erst einmal zu vergewissern, schickt sie einen von jenen jungen Leuten hin, die sich in jener Stadt zusammenqe- schlossen haben zu einem Verein, der seine Mit­glieder nur verpflichtet, Tag für Tag wenigstens eine gute Tat zu tun. Es geht also einer hin, weit in die Vorstadt hinaus, auf ein Gelände, wo abgegrenzte Bauplätze sind. Mit Erlaubnis der Besitzer hatte sich jener Mann auf einem dieser Plätze ein Loch gegraben. Es war eine richtige Höhle, die ht zwei Teile zerfiel. Drei Erdstufen führten hinunter, und in dem einen Raum wohn­ten die Hühner, in dem andern also der Mensch. Monate lang hatte er da schon gehaust, und es war das Ganze so traurig, daß jener Mann, der schon viel Wohnungselend gesehen hatte, einen ganzen Tag einfach geweint, ja geradezu geheult hat vor Mitleiden. Während so viele auf kost- barsten Teppichen gingen, hatte dieser nichts unter den Füßen als den kalten und feuchten Lehm. Während sich andere in weiche Betten legten und am Ende noch dabei klagten, streckte sich dieser

JVS

Sonntag, 7. August 1927.

K. K. v. UN- wirtschaft.

Festrede von Prof. Dr. Göh - Vriefs, gehalten bei der Eröffnungsfeier des Iubiläumsver» bandstages des K. K. B. in Essen.

I.

Eine Tat wider den Geist der Zeit: So erschien vor nunmehr 50 Jahren die Gründung des K. K. V. vielen, die von ihr hörten. An der Stirnwand des damals in seinen Grundmauern errichteten Gebäudes standen die Worte: Konfessionell, paritätisch, stän. d i s ch. Der Geist, der in jenen Jahren und in der Ge- neration von damals herrschte, konnte mit dieser Grün­dung nichts anfangen. Sie schien ihm entweder eine ro­mantische lebensunwirkliche Angelegenheit, oder die naive Tat von Hinterwäldern zu sein.

Versuchen wir zu verstehen, warum der in jenen Zeiten herrschende Geist ein unter diesem Motto voll­zogene Verbandsgründung nicht ernst nahm. Konfes­sionell, paritätisch, ständisch: das sind Leitmotive aus einer Geisteswelt, die in jenen Tagen endgültig überholt zu sein schienen. Wenn wir dieses Leitmotiv aus der Stichwortformel auflösen, so besagt es: Wir Gründer des K. K. V. sind der Ueberzeugung, daß aus der Hal­tung zum Jenseitigen und Absoluten, aus der letzten menschlichen Zweckbestimmung die soziale Verbundenheit und oie sinnvolle Gliederung des sozialen Ganzen er- fließt. Das Absolute, die Transzendenz, ragt in die Zeitlichkeit und gibt ihr den entscheidenden Sinn, formt und prägt ihre Gestalt. Das Irdische kann nicht form­los überlassen, es muß seine Ordnung und sein Gesetz haben. Daraus die Folgerung: das Wirtschaftsleben ist keine Provinz entfesselter Naturgewalten des Triebhaf. ten, kein Gebiet unbedingter Eigengesetzlichkeit. Das wirtschaftliche Handeln steht und muß stehen unter so- zial-ethifcher Einklammerung. Vor der relativen Eigen- gesetzlichkeit der wirtschaftlichen Dinge stehen letzte ethi­sche Normen, die Gerechtigkeit insbesondere, Fundament alles befriedeten, gesellschaftlichen Lebens überhaupt. Alle menschliche Gesellschaft ist ihrer Natur nach ranggeordnete Gliederung. Das Konstruktionsele­ment der Gesellschaft ist nicht der auf sich allein gestellte souveräne Einzelne, sondern der in verbindlichen Ge­meinschaftszusammenhängen verschiedener Art eingebet­tete Einzelne; das maßgebende Strukturprinzip der Ge­sellschaft kann nicht das blinde, hemmungslose Gegen­einander der vereinzelten Kräfte sein. Wilde Konkur­renz ist eher das Mittel, Gesellschaft zu sprengen, als zu bilden und zu stabilisieren, denn in ihr führt die Frei­heit des Starken zur Unterjochung des Schwachen. Ueber dem begrenzten Recht der Konkurrenz steht der gesell-

Unverlangt eingereichte Beiträge

werden mit Rücksicht auf die Portoerhöhung nur dann zurückgesandt und Anfragen nur dann beantwortet, wenn ausreichendes Rückporto bei­gefügt ist.

Die Schrlftieitung der Fuldaer Zeitung.

ertönten. Aus der Küche kam der Mann, im weißen Anzug mit. erhitztem Gesicht und trug die Suppe auf. Die Hausfrau gab mir einen Wink, ihr ins Speise­zimmer zu folgen. Dort ließ sie sich am Tisch mit einer Miene nieder, als ob sie in ihrem eigenen Hause zum Essen eingeladen worden sei.

Ich fragte sie wirklich, ob ich hier vielleicht doch in Neu-Seeland wäre, aber sie verstand mich nicht. Und da merkte ich, daß längst Neu-Seeland über England gesiegt hatte. Was ich für eine Ausnahme gehalten, war die Regel. Ich habe in vier Wochen nur eine Frau gesehen, die selber einen Kinderwagen schob, aber sie hatte kein Kind darin, sondern drei, ollerdings ent­zückende Seidenp'nscher. Allen Junggeiellen ist daher dringend zu raten: „Nehmt Euch keine englische Frau!". Und allen Ehemännern: „Schickt Cure Frauen nie nach England, damit sie so etwas nicht sehen".

Denn der zweite Teil der neuseeländischen Refor­men ist dort noch nicht eingeführt. Das Geldverdienen obliegt dem Mann außerdem. Daoei darf er noch nicht einmal mit seinem schwerverdienten Auto zur weit entfernten Arbeitsstelle fahren. Am frühen Morgen muß er sich in die überfüllten Züge drücken, damit die teure Gattin, wenn sie glücklich um elf Uhr erwacht ist, eine Morgenfahrt unternehmen kann. Und abends muß er wieder nach Hause Hetzen, denn ich hörte eine Dame am Strande zu ihrer Freundin sagen: ,Was, erst halb sieben? Da habe ich ja noch eine gute Stunde Zeit. Mein Mann ist eben erst heimgekommen, und bis er mit dem Essen fertig ist, das dauert immer eine Weile."

Eines freilich haben die Männer noch nicht gelernt, das will ich auch verraten. Sie verstehen keine Riffe zu flicken und gefallene Maschen an Seidenstrümpfen hochzuziehen. Aber auch dies trübt das Paradies nicht. Die Damen warten eben geduldig, bis die Männer auch noch diese Kunst erworben haben. Aber inzwischen — — — Deutsche Hausfrau packt Dich da nicht doch das Grauen vor diesem Paradies?

3. Blatt.

*"♦"* Druck der Fuldaer Ackleudruckerel, Fulda

schaftliche Formwille, die Idee des Ganzen als eines Ob. Aktiven.

Mit dieser grundsätzlichen Anschauung in den 70er Jahren auftreten heißt wirklich nicht die Grundsätze nach der Zeit, sondern die Zeit nach den Grundsätzen richten. In jenen Jahren stand der Liberalismus noch in seiner Hochblüte. Das Gründungsjahr des K. K. V. ist das Todesjahr des Bischoss v. Ketteler von Mainz, — sym­bolisch, daß der K. K. V. in diesem Jahre und in dieser Stadt grundqelegt wurde — des Bischofs von Ketteler, der nicht müde wurde, in liberalen und individualisti­schen Gedanken den Feind aller christlichen, sozialen und staatlichen Ordnung des Lebens zu sehen. Es war also mehr als eine zufällige Geste, wenn der K. K. V. über feine Gründungsakte das Stichwort: Glaube, Ge­meinschaft, Wirtschaftsordnung schrieb. Es war eine Absage an den Geist der Zeit, eine Absage lerabe des Berufsstandes, der sonst der Hauptträger bes liberalen und individualistischen Denkens war, ja in dessen Schoße der wirtschaftliche Liberalismus auf­keimte: des Kaufmanns st andes. Versuchen wir Jbie Gegensätze dieses liberalen Denkens gegen das katho­lische wirtschaftliche und soziale Denken zu formulieren: dex Liberalismus war weltanschaulich undogmatisch, aber dogmatisch int Wirtschaftlichen und Sozialen; Umgekehrt das katholische Denken. Betonfe der Liberalismus den Vorrang der wirtschaftlichen Dinge vor den sozialen, war ihm das Soziale gewissermaßen in das Wirtschaftliche eingeschlossen, so bestritt das katholische Denken den Pri­mat des Wirtschaftlichen und die bedingungslose Ab­hängigkeit des Sozialen von ihm. Erschien dem Libera­lismus die Ordnung der gesellschaftlichen Dinge als un­gewolltes, unbezieltes Ergebnis eines wirtschaftlichen Wettkampfes mit oder ohne Rückgriff auf die Metaphy- ik der prästabilierten Harmonie, so betonte die katholi-

Rund um die Woche.

Ich werd's dem Mann im Monde schreiben! — Herr» Müllers Abendschoppen. — Mir sind Ge- Gefangene. — Verlogenheit. — Lin moderner Höhlenmensch. — Hexenschuß.

= Cauteröacf). Ein 17jähriger Lehrjunge, den nan dieser Tage kurz vor Feierabend in den Keller ge- chickt Hatte, wurde dort aus einer bisher noch nicht auf. ,eklarten Ursache tot aufgef * ~

ft der Junge einer offenen Stell

,«klarten Ursache tot aufgefunden. Vermutlich ft der Junge einer offenen Stelle der elektr. Leitung zu iahe gekommen und wurde von einem Schlag getroffen.

— S Ichenheim, Krs. Schotten. Dem Landwirt Fi­cher von hier gingen mitten im Ort die Pferde durch. )er Fuhrmann wurde an die Wand gedrückt und konnte Ich nur dadurch retten, daß er die Zügel losließ. Die ßferde jagten in wilder Fahrt mit dem Wagen durch ■en Ort. Dabei wurde eine 72 Jahre alte taubstumme frau umgefahren und sehr schwer verletzt. Der l o d trat nach einer Stunde ein. Die Pferde konnten mch vieler Mühe, ehe weiteres Unheil eintrat, von ei- «em hiesigen Einwohner angehalten werden.

— MW- Am Donnerstagabend waren in der Stadt verachte von einem neuen S t r a ß e n b a h n u n g l ü ck verbreitet. Den Anlaß hierzu gab folgender Vorfall: Ein r ion Wilhelmshöhe abfahrender Straßenbahnwagen er« I m eine gafjrfförung, die große Aufregung verursachte. I Wahrend der Fahrt schlug plötzlich aus der Schaltan. age auf dem Führerstand eine Stichflamme empor, und I >as Innere des Wagens war im Augenblick von einer I (idjten Qualmwolke erfüllt. Der Fahrgäste, zumeist yrauen und Kinder, bemächtigte sich eine gewaltige Auf- I fegung. Mit lautem Schreien versuchte alles, aus dem I »fort zum Stehen gebrachten Wagen zu entweichen. Es I je(ang jedoch bald, die Leute zu beruhigen und sie von I •er Ungefährlichkeit der Situation zu überzeugen. Wie I 'estgestellt wurde, war die Isolierung der Schaltanlage si Brand geraden, ein Umstand, der verhältnismäßig I Acht eintreten kann und keine ernsten Gefahren in sich I chließt.

Die guten

Diiikopp- und BflHMinen

liefert bei günstigen Ratenzahlungen

Kircher-Ludwig, Fulda.

Also das hat mir doch imponiert. Stehe ich I schauerliche Naturkatastrophen vorausgesagt hatte da an irgendeiner Haltestelle der Elektrischen. Um “ -------- ’ ~ '

Strom zu sparen, fährt an dieser Ecke immer ein Wagen durch, sodaß man eben auf den nächsten warten muß. Das ging nun einem eiligen Herrn auf dte Nerven, und was sagt er in seiner Ent­rüstung? Nun, sagt er, ich werde über diese Uebelstände einmal an den Mann im Monde schrei- den . . . 2nf0, er hat nicht gesagt: ich werde an Hindenburg schreiben, auch nicht an Marr, auch nicht an einen Abgeordneten.... nein, an den Mann im Monde, worüber ich natürlich behaglich geschmunzelt habe. Schließlich sind die Elektrischen auch wirklich nicht dafür da, daß Strom gespart wird, sondern daß Menschen möglichst schnell be­fördert werden . . . Und wie so eines das andere

Das Paradies -er §rau. unrÜhnrf>amf~StCUCr' rau$te unl) $tnaus auf bie I Straße aufgestellt worben. Männer, Frauen, Kinder Von ffhorhnrh I ”ee" , I und Hunde waren zu Tausenden angekommen, stets

Von Eberhard Sauer-Fulda. I Mir begann es zu grausen. Gottseidank, das Kind I verrichtete der Mann jede nur denkbare Arbeit, stets

Das Paradies der Frau war vor dem Kriege in Neu- I war beruhigt. Der Vater hatte jedoch noch keine Ruhe, j faß die Frau zigarettenrauchend am Steuer, spielte mit Beelanb. Es muß für die Frauen beruhigend gewesen I ®r breitete ein Tischtuch auf den grünen Rasen, er baute I dem Hunde oder schlief auf der Düne. Und die Männer lein, daß es so etwas gab, wenn auch die wenigsten für I ®e[$irr malerisch auf, er ordnete Kuchen und belegte I taten ihre Pflicht nicht zähneknirschend, sie waren lich selber die Möglichkeit hatten, aus diesem Paradiese I Brötchen zu Bergen, er rannte zum Teehaus, um hei- I bereits fo weit herabgewürdigt, daß sie ihre Ernie- vorteil zu ziehen. Es war eine Hoffnung, mehr nicht. I &c3 2BaHcr 3“ Men. Dazwischen lief er wieder zu dem I drigung gar nicht mehr empfanden .sondern frischfröhlich tßürben jemals in Europa die schönen Zeiten herankom» I Wagen, beruhigte das quäkende Kind, fang in rauhem I Geschirr wuschen, Kinder trocken legten, und dann die men, in denen der Mann hinter dem Küchenherde I Baß ein Schlummerlied, holte Decken hervor, die er um I Badeanzüge für die Gattinnen vorbereiteten, fchwitzte, die Frau dagegen im Parlamente saß, ober fein lecker bereitetes Tischchen legte. Der Dame war es I Ich fand den Himmel weniger blau die See

Ichon vormittags spazieren ging? Neu-Seeland war | nach der vierten Zigarette hinter dem Steuer langweilig I schmutzig, den Rasen papierbedeckt und ich'stand auf.

geworden, sie war herunter zum Strand gegangen und I Woher mochten all diese Familien mit den merkwür- ließ den kleinen Hund hinter Holzstückchen her ins Was- I bigen Umkehrungen geheiligter Gebräuche fein? War fer springen. Als der Gatte meldete, daß alle Vorbe- I dies eine Versuchskolonie moderner Frauenrechtler, die reitungen zum Frühstück getroffen waren, nahm sie in I an ausgemergelten Arbeitslosen den zukünftigen Frau- königlicher Haltung auf einem Mantel Platz, und — der I enftaat einübte? Die hatten wohl einen Sonntagscms- Wahrheit die Ehre — den Tee hat sie wahrhaftig selbst I ftug an die See gemacht. Ich mußte doch zu Hause nach

eingeschenkt. I diesen Leuten fragen. Zeit zum Essen schien es ja

Ich beobachtete bleich vor Schrecken diese so weit in I ohnehin zu sein. Und ich schlenderte über die Hügel der der Kultur vorgeschrittene Familie, als plötzlich ein Kin- I Pension zu, in der ich am Abend zuvor abgestiegen verwogen von der Höhe der Klippe in beträchtlichem I war. Unterwegs begegneten mir noch einige Nach- Tempo herabkam, schreiend verfolgt von einem ziemlich I Zügler der Amazonenkolonie, offenbar in sozial min. beleibten Manne, den eine helle Frauenstimme nicht I derer Position, denn sie tarnen zu Fuß, entweder ohne allzu liebenswürdig zur Eile antrieb Der Wagen I Hund, oder ohne Kind. Die Kinder waren in schlechten kippte, das Kind schrie, Kissen ftreuten sich über den Sportwagen und die Hunde ebenfalls nicht gewaschen, grünen Hang. Der Mann ^brachte alles wieder in | Ihre Zugehörigkeit zu dem erwähnten Verein bekun­deten sie dadurch, daß auch hier der Mann jegliche Arbeit übernommen hatte, den Wagen fuhr, die Milch­flasche heraussuchte ober das Baby seitwärts in die Büsche trug.

Ich hatte nach so viel Aufregungen Hunger, aber die Aussicht auf Essen schien gering, denn die Pensions­mutter faß in einem eleganten Kleide vor ihrer Haus­tür und schien noch nicht im entferntesten daran zu denken, in die Küche zu gehen. Sie unterhielt sich höchst geistreich über das Wetter, und ich wollte sie gerade mit meinen Hungergefühlen betannf machen, als durch das Haus schmetternd des Gongs einladende Schläge

. — Hanau. Als ein Lastwagen mit Anhänger von panau nach Enkheim fuhr, fiel der auf dem Anhänger ^enbe Begleiter, als er sich eine Zigarre anzünden vollte, vom Wogen, wobei ihm die Räder des An- jangers über beide Seine gingen. Der Wagenführer »emertte den Unfall nicht und fuhr weiter. Erst die Snfaffen eines später vorüberkommenden Privatautos »rächten der Verunglückten ins Krankenhaus.

„ = Mi an. Bei dem Gleisübergang der Strecke vflaumheim—Großoscheim wurde dos Gefährt des Landwirts Heinrich Koch aus Großoscheim von einem JJerfonenauge überfahren. Dabei wurde der iwoliiahrige Sohn des Koch sofort getötet und dessen Dhitter schwer verletzt. Die Schuldfrage konnte noch nicht genart werden.

= Wiesbaden. In der Wohnung eines Südfrüchten. Händlers statteten Diebe einen Besuch ab und hießen ”e m dem Schlafzimmer unter dem Bett stehende Kaf- fette, in der siebentausend Reichsmark sich befanden, mitgehen. Scheinbar war dos Diebesgesindel tut orientiert, denn sie nahmen noch zum Transport der ■affette und des Geldes eine Handtasche mit

Neues aus Frankfurt.

= Opfer des Großstadtverkehrs. Am Freitag abend legen 19.30 Uhr wurde in der Kronprinzenstraße ein fünf« ünhalbjähriger Knabe von einem in voller Fahrt befind­lichen Straßenbahnzug erfaßt und überfahren. Das Rinb wurde in hoffnungslosem Zustande dem Kranken- saus zugeführt.

— Das Frankfurter Wohnungsbauprogramm für 1928. Wie wir erfahren, befindet sich das Wohnungs- »ouprogramm für dos kommende Jahr bereits in Vor- »ereitung. Das Frankfurter Hochbauamt beabsichtigt wie in diesem Jahre auch im kommenden Jahre wieder 2000 ins 2500 neue Wohnungen — meist Familienhäuser — ju erstellen. Die Siedlung Praunheim soll um rund IM Wohnungen erweitert werden, außerdem soll eine jrofje Siedlung auf der Hundswiese im engen Zusam- nenhang mit der Bebauung des Grüneburgparks durch ’.*.e .?• G. Farbenindustrie gebaut werden. Gleichzeitig lundigt das Hochbauamt eine wesentliche Verbilligung »er neuen Wohnungen an, die durch besondere Bau- nethoden erzielt werden soll und die von den Wohnung- uchenden sicher sehr begrüßt werden wird.

= «ine neue katholische Kirche in Frankfurt. Die latholische Gemeinde St. Josef im Stadtteil Bornheim ragt sich bereits seit Jahren mit dem Gedanken der Er- ichtung einer neuen Kirche, da die jetzige St. Josefs- irche nicht mehr den Bedürfnissen der stark angewachse- ien Gemeinde genügt. Am Bornheimer Hong Hot sie esholb vor einiger Zeit ein Grundstück erworben, auf em die neu zu errichtende Kirche erstehen soll. Zur Erlangung von Plänen hatte die Gemeinde einen enge« en Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnis jetzt lorliegt Der erste Preis entfiel auf den Entwurf des frankfurter Architekten Martin Weber. Dieser Entwurf oll auch zur Ausführung kommen. Mit dem Bau, der inschließlich Pfarrhaus und Vereinshaus 450 000 Mk. rforbem dürste, soll bereits im kommenden Frühjahr »gönnen werden.

wie wird das Wetter?

.. Geber Westeuropa haben sich neuerdings Tiefdruck- törungen ausgebildet, die sehr wahrscheinlich ihr Ein- lußbereich auf die Witterung Mitteleuropas ausdehnen nerben. Cs steht Gewitterneigung bevor. Einen Witte- lungsumschlag werben die Gewitter jedoch nicht einleiten, ks ist vielmehr mit Rückkehr des sommerlichen Hoch- iruckwetters zu rechnen.

Witterungsaussichten bis Sontag abend: Wolkig, nach Newittertätigkeit nur wenig kühler, zeitweise südwestliche, jedoch vorwiegend südöstliche bis östliche Winde.

I Held am Ende doch nicht so dumm, wie er sich ge­legentlich macht, was dann wie Poise wirkt und wie verstecktes Raffinement. Dazu ist das Ganze zu sehr gesehen aus der Perspektiv- eines zu hart erzogenen Bäckerlehrlings, was zur Erkenntnis der Revolution nicht ganz ausreicht. Es sind Licht und Schatten auch nicht objektiv verteilt, denn so harm­los war die Münchener Räteregierung doch wohl nicht. Immerhin hat dieser plauderlustige Bäcker­sohn es doch verstanden, eine hübsche Änekdoten- sammlung zusammenzustellen, sie um den Mittel­punkt eines Helden zu gruppieren, manch Derbes und manch Ergreifendes und zuweilen echt Dichte­risches einzufchalten und vor allem zu zeigen, daß Revolutionen einen Menschen nicht besser machen und daß es töricht ist, von gewaltsamen Umwäl» | Zungen die innere Umwandlung unseres Geschlechts I ZU erhoffen. Eine Semmel wird gar in einer Nacht, aber ein Mensch, da muß schon länger dar­an gebacken werden, wie jeder echte Schulmeister weiß. Nachher dachte ich wieder der schrecklichen Zeiten, die wir nun glücklich hinter uns haben — oder vor uns, wer kann es sagen? Und ich sah im Geiste, wie mein seliger Vater die letzten Gold- füchslein einst aus dem Schränkchen nahm, um sie der Obrigkeit auszuliefern. Hätte er nur ein ein» Mes zurückbehalten, er lebte am Ende heute noch.

Was mich in dem europäischen Leben zurzeit am meisten empört, ist dasjenige, was auch in Krieg und Revolution fo viel unnützes Leid ver­ursacht hat, ich meine.die Verlogenheit. Da ha­ben nun die Engländer und Amerikaner über Kreuzer geredet, und es ging doch in Wirklichkeit um Petroleum. Diese Petroleummagnaten fangen langsam an, den heiligen Krieg gegen den Dolsche- wismus zu predigen. Ihr braven Leute! Na- türlich ist der Bolschewismus eine gottlose Ange- . . ... - ----- -----

le genbeit und natürlich ist es eine Schande Euro- | "t,enö für Abend auf ein erdiges Lager. Daß er

pas, daß alle ruhig zufehen, wie ein großes und I dabei tuberkulös geworden war, versteht sich. Wäh-

edles Volk zu Tode gequält wird. Aber Begeiste- I renb wieder andere in lustiger Gesellschaft saßen

rung für Petroleum und Naphta, das ist noch kein | unb tapfer „okulierten, hat dieser Wasser getrun-

heiliger Krieg . . . Geschäft hier und Geschäft da. | Jein kleines Ei geschlürft und zugeschaut, wie

Pfui Teufel! Und so lebt schließlich der Bolsche- I leine Bruder und Schwestern, die Hühner, zur

wismus vom Oelgeschäft . . . Wie verlogen war I Ruhe setzten. Um das gröbste Wasser abzuleiten, auch die ganze Geschichte mit Orchies und wie ver- I er ein paar Backsteine über eine Höhle gelegt, logen ist überhaupt der ganze berühmte Haß I und so hat er also gehaust, ein geprüfter Doktor. Poincares. Es geht da doch gar nicht um Haß I em Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts, in einer und Liebe, es geht einfach um die beste Mechode, I großen, reichen Stadt. Bis ihn die Mittelstands- möglichst viel für Frankreich herauszuschlagen. I bisse doch erreicht hat, um es ihm etwas zu er« Auch die Leute, die sich wegen der Zerstörung'von | leichtern. Man sollte jeden Tag ein paar solche Lehmbrucks „Kniender" in Düsseldorf entrüsten, I Geschichten lesen, um einmal selber nicht mehr zu kann ich nicht ganz ernst nehmen, obwohl ich das I klagen, dann aber auch, um zu helfen. Vielleicht Bubenstück natürlich auch verurteile. Wäre da näm- I hast du nicht weit bis zu einer Wohnung, in der lich wirkliches Kunstverständnis die Hauptsache, so I es ähnlich aussieht.

hätte man erstens ein so zur Andacht und Weihe I Nun Schluß! Will schnell noch ein Dutzend stimmendes Bild nicht derartig an die große Straße I Briese schreiben, denn morgen beginnt die Porto- s-r n- , zweitens bleibt es merkwürdig, daß I erhöhung. Von da an schreibe ich natürlich nur k'wse. Liebe zur Kunst fo lammgeduldig zuschauen, I noch Postkarten. Und dann will ich noch zu einem wie m Dutzenden von Schaufenstern und Illustrier- I Bäckermeister, der Herenschüsse repariert. Er tastet ten die „Kunst" zur Dienerin der Gemeinheit roiA I einfach die Wirbelsäule entlang, sagt: Da ist die ~~tr, Und schon so weit, daß man heute mit der I Stelle.... Nimmt einen Hammer, legt seine Wahrheit Sensation machen kann, vergleiche so I flache Hand auf die Stelle und schlägt auf die manches aus den Erinnerungen des berühmten Hand. Du gehst sofort geheilt von dannen und Vnnzen Domela. Wahrhaftig, es werden unsere I springst wie ein Reh. Auch Verrenktes bringt Rinder einst nicht mehr rot werden, wenn sie die er in Ordnung und macht das so svielend, als Wahrheit sagen... I handle es sich um Kuchenmänner. Den suche ich

•<rn .übrigens heute auch die Propheten. I jetzt auf und sehe immer mehr, wieviel köstliche Iene^ Pariserin, die für das erste Halbjahr 1927 I Originale es unter uns gibt. Hab zwar keinen