। Eillrelnlldiultt Iv Pfg. (mit NM. Seilage 15 Psg.)
moaerZertung
Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.
Nr. 178
: lokal 0,60 MC, K4 ‘Xfltwrt lunaen Rabatt. U't.juyty.
Jrtitag, 5. August 1927.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
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Der entfesselte Wahlkampf.
Aus Wählerkreisen wird uns geschrieben:
Mehr als ein volles Jahr sind wir entfernt von der Zeit, die uns wieder Wahlen im Reich und in Preußen beschert. Nur wenn die politische Linie durch ein unvorhergesehenes Ereignis unterbrochen würde, hätten wir die Verpflichtung, schon früher zur Wahlurne zu gehen. Obmehl wir also jetzt 1927 schreiben und erst Ende 1928 die Wahlschlacht geschlagen werden soll, hat der Wahlkampf bereits einen Umfang angenommen, der mit Schau- dern der Zukunft entgegenblicken läßt. Sollen, so fragen sich ruhig denkende Menschen, über zwölf Monate hin tatsächlich die Schmutzkübel politischen Unrats über den Gegner ausgegossen werden, um ihn als Ausbund aller Schlechtigkeit und Verkommenheit den Massen vor Äugen zu führen? Die sachliche Kampfesweise scheint unbekannt geworden zu sein. Persönliche Verunglimpfungen' sind an der Tagesordnung. Es ist ja auch weit leichter, irgend eine politische Persönlichkeit in der Oeffent- lichkeit herunterzureißen, als gegen die Handlung einer Partei im ganzen mit sachlichen Argumenten vorzugehen. Anstatt die vereinten Kräfte der öf- fentlichen Meinung an wichtigeren Dingen, zum Beispiel an der Wahlrechtsreform, zu erproben, werden die Parteileidenschaften bis zur Siedehitze getrieben, nur um die eine oder andere Persönlichkeit zur Strecke zu bringen. Ist es angesichts eines solchen Zustandes ein Wunder, wenn so wenig überragende Führer im politischen Leben zu finden sind, wenn bedeutende Köpfe es vorziehen, sich allem anderen zu widmen, nur nicht der Politik?
Sonderbarerweise ist es, obwohl das Feuer des Wahlkampfes von allen Seiten tüchtig geschürt wird, vollkommen stille geworden in Bezug auf die Reform des Wahlrechts. Ab und zu fällt noch ein Wort, von einek Massenbewegung ist jedoch nichts zu merken, obwohl im Volke die Auffassung herrscht, daß die Handhabung des jetzigen Wahlrechts schwere Mängel in sich birgt, lieber die Richtung, in welcher fick eine Wahlreform zu bewegen hätte, wurde in den vergangenen Jahren ausgiebig geredet und geschrieben. In der Hauptsache handelt es sich bekanntlich darum, daß die Listenwahl in ihrer heutigen Gestalt keine unmittelbare direkte Wahl ist, sondern vieles mit dem Wahlmänner systern früherer Zeiten gemeinsam hat. Neben den Listen sind es die großen Wahlkreise, die den engen Kontakt zwischen Wähler und Ge- wähllen nie richtig in Funktion treten lassen können. Das Unpersönliche tritt iw den Vordergrund und so kommt es, daß hunderttausende von Wählern auf völlig aussichtslose hereinfallen, wodurch zum Teil Splitterparteien künstlich zum Leben erweckt werden. Das alles sind geläufige Dinge. Jedoch wie auf Kommando wurde die Wahlrechtsreformdebatte plötzlich in der Presse abgebrochen, um dem beginnenden Wahlkampf das ganze Fe'' zu überlassen. Sämtliche im Reichstag vorhandene Fraktionen freuen sich dartiber ncnürlich: denn nenn von außen der Anstoß nich^ kommt, glauben sie, es nicht nötig zu haben, die Wahlrechtsreform anzupacken. Es ist gewiß ein heißes Eisen, darüber besteht fein Zweifel. Aber es muß doch einmal angefaßt werden. Deshalb wäre es zu begrüßen, wenn zunächst der Wille des Volkes hinsichtlich der Wahlrechtsreform in der Presse unae- schminkt zum Ausdruck käme, um das Parlament zu einer Stellungnahme zu drängen. Soweit !die Geschäftslage im Reichstag übersehen läßt, sind während der bevorstehenden Tagung keine besonders großen Eeseßesmaterien zu 'erledigen. Das Wahlrecht könnte in den Wintermonaten re f armiert werden. Dann könnte auf Grund eines neuen Wahlrechts der Kampf um die Eroberung der parlamentarischen Sitze beginnen.
* Leon Daudet in Belgien. Die „Action Fran- caise" gibt bekannt, daß Leon Daudet, geleitet von Camelots du roi, sich nach Belgien begeben hat, um dort mit seiner Familie einige Wochen in der Sommerfrische zuzubringen. Bereits am Montag seien sämtliche Maßnahmen hierfür getroffen worden.
♦ Die rumänische öffentliche Meinung und die Erklärungen des Prinzen Carol. Das Pressebüro der rumänischen Gesandtschaft in Paris läßt das folgende amtliche, aus Bukarest eingetroffene Telegramm veröffentlichen: „Die Erklärungen des Prinzen Carol haben keinen Eindruck auf die öffentliche Meinung in Rumänien gemacht. Man ist der Ansicht, daß die Frage der Thronfolge endgültig gelöst ist und niemand daran denke, einen Appell an Carol zu erlöffen. Uebrigens lassen die jüngsten, von sämtlichen Parteien ohne Unterschied im Parlament abgegebenen Erklärungen keinen Zweifel in dieser Hinsicht. Was augenblicklich die öffentliche Meinung in Rumänien beschäftigt, sind die Fragen, die sich auf die Konsolidierung des Landes
Der deutsch-französische Handel.
Havas veröffentlicht über den Stand der deutschfranzösischen Handelsvertragsverhandlungen folgende Auslassung: Beide Delegationen setzen ihre Besprechungen aktiv fort. Obwohl die Auffassungen sich ziemlich genähert haben sollen, scheint es, unseren Informationen nach, daß ziemlich bedeutende Meinungsverschiedenheiten bestehen. Die französischen Delegierten wollen noch keine Genugtuung betreffend Leinen- und Seidenwaren erhalten haben. Die deutschen Vertreter andererseits versuchen noch, ihren Standpunkt betreffend die elektrische und mechanische Industrie durchzudrücken. Es bestätigt sich jedoch nach den von uns eingeholten Auskünften, daß die Verhandlungen bis Ende dieser Woche zu einem Er- g e b n i 5 führen werden. Wird Handelsminister Bokanowski in der Lage sein, seinen Ministerkollegen im Verlaufe des nächsten Ministerrats, der am Samstag dieser Woche zusammentreten wird, den Wortlaut des gegenwärtig in Beratung befindlichen Handelsabkommens zu unterbreiten? Das würde
W Mnue-KoOrellz vor dem 3ufamm* *id)?
wtb. Genf, 4. August. (Eig. Funkm.) Der Ver- tretet der schweizerischen Depeschen-Agentur erfährt von gut unterrichteter Seite, daß die Leiter der Delegationen, die an der Marine-Konferenz teil- nehmen, in ihrer Sitzung vom Mittwochabend feststellen mußten, daß ein Uebereinkommen nicht mö glich ist. Die Vollsitzung am Donnerstag wird demnach die letzte Sitzung der Marine-Konferenz sein.
Die Agentur Jndo Pacific meldet aus Tokio, daß die japanischen Behörden die Möglichkeit des Abbruches der Genfer Verhandlungen bedauerten. Japan habe seinen Delegierten Instruktion erteilt, sich jeder Einmischung zu enthalten, solange England und Amerika eine diametral entgegengesetzte Haltung einnehmen und zu gegenteiligen Konzessionen nicht geneigt seien. >
Amerika itnb die englischen Forderungen.
Im amerikanischen Staatsdepartement lag der japanische Kompromißvorschlag noch nicht vor. Jedoch schienen die bisherigen Meldungen der Associated über den Inhalt nach der Auffassung in Washington nicht die ersehnte Möglichkeit zu einem positiven Ergebnis der Konferenz zu bilden. Es wird im Staatsdepartement darauf hingewiesen, daß England 387 000 Tonnen Kreuzer fertig oder im Bau habe und daß es weitere 680000 Ton- neu bewilligte. England würde hn Jahr 1931 eine Eesamttonnage von 455000 Tonnen haben. Das sei erheblich mehr, als Amerika zu bauen beabsichtige. Es wird betont, daß Amerika jede Zahl über 300 000 To nnen für übertrieben halte. Es sei zwar bereit, bis 400000 Tonnen zuzugeben, wenn andere Bedingungen in Bezug auf Schiffsalter und Kaliber erfüllt würden, Ameri- ka müsse aber gegenüber den jetzigen Vorschlägen, sich auf 300 000 Tonnen als das Höchstmaß zurückziehen, besonders da Englands Berechnung des Schiffsalters ganz unannehmbar fei. Kellogg berief sofort nach Empfang der Genfer Meldung der Associated Preß den britischen Botschafter und
setzte ihm den Standpunkt der Regierung auseinander. Der neue Vorschlag Japans müsse in Genf zwar formell besprochen werden, aber man glaubt hier nicht, daß die Vollsitzung am Donnerstag stattfinden kann. Gegenüber den täglich sich tote- derholenden Forderungen der „Newyork World" und anderer Blätter, daß Coolidge vermitteln und mit Baldwin in Buffalo sprechen solle, erfährt „Philadelphia Public Ledger" aus Rapid City, daß der Präsident nicht die Absicht habe, mit Baldwin die Marinekonferenz zu besprechen, schon mit Rücksicht auf Japan, das eine solche Besprechung als Zurücksetzung empfinden könnte. Da die demokratische „Baltimore Sun" in den letzten Tagen behauptete, daß die neuen englischen Vorschläge niedriger feien als die amerikanischen Zahlen und daher durchaus annehmbar wären, wurde im Staatsdepartement ausgeführt, daß die amerikanischen Vorschläge für Kreuzer, Zerstörer und Unterseeboote 640 000 Tonnen vorsahen, während England 737 500 Tonnen fordere. Dazu käme die Verringerung des Schiffsalters von 20 auf 18 Jahre für große und auf 16 für kleine Kreuzer. England verlange also etwa 100000Zon- nen mehr als Amerika. Von diesen733000 Tonnen sind 426 000 Tonnen für Kreuzer vorgesehen. Da aber England Freiheit innerhalb der Gesamttonnage verlangt, könnte es sogar mehr als 426 000 Tonnen Kreuzer bauen, ein Plan, dem Amerika niemals zustimmen wird. 300 000 Tonnen werden hier als ausreichend, jede Zahl über 400 000 Tonnen als undiskutierbar angesehen.
Kabinettsrat bt London.
Mittwoch-Nachmittag wurde in aller Eile eine Sitzung des englischen Kabinetts einberufen, die sich, tote verlautet, mit dem Vermittlungsvorschlag der japanischen Delegation in Genf befaßte. Es heißt, daß ein Telegramm mit Instruktionen nach Gens abgesandt wurde, das weder eine endgültige Annahme, noch eine Ablehnung des japanischen Vorschlages enthält.
Mfonö unter dem bMemiWen Terror.
Wie zahlenmäßig schwach die kommunistiiche Partei in Rußland ist, geht aus dem Bericht her- vor, den jüngst der Vorstand der russischen tont« munisttschen Partei veröffentlicht hat. Nach den statistischen Angaben hat sie Anfang 1926 1078 185 betragen; am 1. Januar 1927 war die Mitglieder- zahl auf 1210 954 gestiegen. Die in Rußland herrschende Partei umfaßt also gegenwärtig etwas mehr als ein Prozent der erwachsenen Bevölkerung des Landes. Die Mittel der bolschewistischen Regierungskunst bestehen in Terrorakten schlimmster Art. Diese Zustände sind nur im russischen Riesenreich möglich. Die Städte liegen räumlich weit von einander weg und die russische Landbevölkerung hat zu wenig Staatsgefühl und politische Schulung, um dem von den Städten ausgehenden Terror eine einheitliche Abwehrbewegung entoegen- stellen zu können.
Nach ihrer sozialen Lage bestehen die Mitglieder der Partei aus drei Hauptgruppen: 1. Arbeitern, 2. Bauern, 3. Beamte, Angestellte und andere Kreise. Es waren in der Partei organisiert Arbeiter: am 1. Januar 1925 582 300, am 1. Januar 1927 634 900, Bauern: am 1. Januar 1926 246 800, am 1. Januar 1927 297 400 Beamte und Angestellte usw., am 1. Januar 1926 249 085, am 1. Januar 1927 278 654. Die Arbeitergruppe ist also doppelt so stark als die beiden anderen Gruppen. Bemerkenswert ist aber, daß die Gruppe „Arbeiter" in zwei Abteilungen zerfällt, nämlich in die erste Abteilung: „Arbeiter an der Werkbank" und zwei tens „Arbeiter nicht an der Werkbank". Zur ersteren Abteilung werden jene Mitglieder der kom- munffttschen Partei gerechnet, die in die Beleg- schaftslisten eines Industrie-, Handels oder Verkehrsbetriebes oder eines staallichen Instituts eingetragen sind. Cs braucht also der einzelne nicht selbst an der Werkbank zu arbeiten, entscheidend ist vielmehr der Belegschastseintrag. Genau so
man noch nicht bejahen können. Nichts destoweni- ger dürfte keine Zweideutigkeit mehr über den Abschluß bestehen.
* Der Wehrwolf schließt sich dem Stahlhelm an. Zwischen dem Führer des Wehrwolfs, Kloppe, und Kapitän Ehrhardt, der jetzt im Stahlhelm führend tätig ist, haben Besprechungen stattgefunden, die einen weiteren Schritt auf dem Wege einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Verbänden ergaben. Äuch eine Reihe von Provinzverbänden haben in der letzten Zeit ihren Änschluß an den Stahlhelm vollzogen.
* Reichsminister a. D. Dr. Koch in Cambridge. Auf Einladung von Lord George nahm der der deutsch-demokratische Partei angehörende Reichsminister o. D. Dr. K o ch an der Tagung der liberalen Partei in Cambridge teil. Es fanden mehrere Besprechungen statt über die gemeinsame Arbeit für die Zukunft des europäischen Liberalismus, die zu bestimmten Abreden über eine dauernde Fühlungnahme führten. Außerdem sprach Koch in der Sommerschule vor der Versammlung über das Verhältnis des deutschen Liberalismus zur Sozialdemokratie, über das proportionale Wahlrecht, über den Reichswirtschaftsrat und die Betriebsräte.
* Aufruf des deutschen Großhandels zur hin- denburgfpende. (Eig. Funkm.) Der Präsident des Reichsverbandes des deutschen G r o ß- u n d Ueberseehandels, Geh. Kommerzienrat Dr. Louis Ravene, veröffentlicht im Namen des Verbandes einen Aufruf zur Hindenburg-Spende, in
verhält es sich mit den kommunistischen „Bauern". Auch hier gibt es „Bauern am Pflug" und „Bauern nicht am Pflug".
Die „Arbeiter an der Werkbank" machen etwa 30 Prozent des Bestandes der „Arbeiterpartei", die den russischen „Arbeiterftaat" regiert, aus. Die russischen „Bauern" gehören in ihrer Mehrzahl nicht zur Gruppe, die „am Pflug" arbeitet!
Die „Arbeiter nicht an der Werkbank" und die „Bauern nicht am Pflug" sind Emporkömmlinge, die ihrer bisherigen Arbeit entsagt haben und jetzt ein geboteneres Dasein führen können; sie sind „Staatsbeamte", Aufseher und Aufpasser geworden! Sie sind die Terroristen, die im Sinne der herrschenden kommunistischen Partei die Heber- wachung ihrer Kollegen und der Fabrikleitungen vorzunehmen haben. Ohne daß diese Personen eigentliche Spitzel im schlimmsten Sinne des Wor- tes sind, haben sie doch die Verpflichtung, die Stimmung der Belegschaft zu prüfen, antikommuni- stische Elemente zu enthüllen, die Vorgesetzten bei der Unterdrückung von Streikbewegungen und bei der Vornahme von Wahlen zu unterstützen, ulw. Im Jahre 1926 wurden 26 300 Arbeiter und 19 700 Bauern „befördert", das heißt, neu in den „Heber« wachungsdienst" eingestellt.
Aus dem ganzen ergibt sich: Die kommuni- stifche Arbeiterpartei Rußlands ist gar keine Arbeiterpartei im eigentlichen Sinne. Sie stützt sich aufs Militär und die Heberwachungsbeamten und Arbeiter und unterdrückt brutal jedwede andere Meinung. Wie früher Rußland in der Hand des Zaren oder einer kleinen einflußreichen Gruppe am Zarenhof war, so wird es heute von einer kleinen Anzahl bolschewistischer Führer brutal und rücksichtslos regiert. Das Volk selbst hat nichts zu sagen; es ist entrechtet und wird geknechtet. Alles im Namen der „Freiheit". Wir danken für ein solches Regiment.
dem es u. a. heißt: Der Herr Reichspräsident von Hindenburg hat dem deutschen Volke und der deutschen Wirtschaft in feiner Selbstlosigkeit und seiner vorbildlichen Treue und Pflichterfüllung soviel Un« erdenkliches geleistet, daß es selbstverständliche Pflicht eines jeden deutschen Großhändlers sein muß, die Sammlung mit allen Kräften zu unterstützen und dazu beizutragen, daß durch das Zustandekommen einer möglichst großen Summe dem Herrn Reichspräsidenten eine besondere Freude zu seinem 80. Geburtstag bereitet wird.
* Keine Intervention des Gouverneurs im Falle Sacco-Vanzelli. Wie aus 33 o ft o n gemeldet wird, schließt die Entscheidung des Gouverneurs Fuller in der Angelegenheit der zum Tode verurteilten Anarchisten Sacco und Vanzetti, die kurz vor Mitternacht durch den Sekretär des Gouverneurs bekannt ‘gegeben wurde, mit den Worten: „Meine Prüfung des Falles Sacco-Vanzetti bietet mir keine genügende Rechtfertigung zu einer Intervention gegen den Strafvollzug. Ich glaube mit dem Gerichtshof, daß diese Männer Sacco und Vanzetti schuldig sind und daß ihnen die volle Freiheit, f; zu verteidigen, gewährt worden ist. Ich glaube weiter, daß kein Rechtsgrund bestand, um ihnen ein neues Verfahren zu bewilligen." — Der Sommersitz des Gouverneurs Fuller in Rye Beach und Newhampshire und das Krankenhaus, wo der Sohn Fullers liegt, der sich ein« Blinddarm-Operation hat unterziehen müssen, werben durch Polizeiwachen geschützt.
Die Geschichte der Semrnmspartei.
Wir haben schon früher unseren Lesern Mit teilung gemacht von der Herausgabe der großer Geschichte der Zentrumspartei, welche der frühere langjährige Landtags- und Reichstagsabgeordnete Dr. Carl Bachem in Angriff genommen hat und von welcher der erste Band im November vorigen Jahres erschienen ist.
Wie wir hören, sind der zweite und dritte Band im Druck fertiggestellt und werden in Kürze der Oefsentlichkeit übergeben werden. Auch der vierte Band ist zum Teil gesetzt und wird sicher in diesem Jahr noch erscheinen. Vielleicht wird es fogar, wie wir einer freundlichen Mitteilung des Verlags entnehmen, gelingen, in diesem Jahre auch noch den fünften Band herauszubringen. Man kann sich über den raschen Fortgang des Erscheinens nur freuen. In katholischen Kreisen hat der erste Band bisher reichen, vielfach sogar begeisterten Beifall gefunden und ist namenllich von der jungen Generation der Zentrumsportei, welche von deren Geschichte meist kaum etroae weiß, begeistert aufgegriffen worden. Vielleicht bahnt sich doch, wenn dieses Werk seinen Weg auch in die protestantischen Kreise unseres Volkes finbet, ein besseres Verständnis an für das Wesen und die Bedeutung des deutschen Katholizismus und der Zentrumspartei, als es bisher auf Grund der vorliegenden von nationalliberalen oder sonst liberaler Seite herausgegebenen Darlegungen der Fall sein konnte.
Auch die Kritik von gegnerischer Seite, welche der erste Band des Werkes gefunden hat, ist bisher im allgemeinen durchaus wohlwollend und anerkennend gewesen. Man kann also damit rechnen, daß das Werk auf feiten unserer andersgläubigen Volksgenossen eine ruhige und sachliche 9ßür- bigung finden wird. Eine Kritik von Otto Flaske in der „Literarischen Welt", Nr. 18 vom 6. Mai 1927, beginnt: „Ich habe nicht gedacht, daß dieses Buch so interessant fein könnte." Sie sagt dann im weiteren: „Als historische Arbeit ist es ganz vorzüglich, klar gegliedert, übersichtlich geordnet, mit voller Beherrschung des Stoffes geformt. Es ist eines der Werke, die tief in die deutsche Wirklichkeit hineinführen." Es folgt bann eine längere ausführlichere Besprechung, bei welcher ber Verfasser auch auf bie tiefen Hinterarünbe. auf denen bas Werk aufgebaut ist, eingeht. Am Schluß heißt es: „Es ist ein Zufall, baß mir persönlich an dem Buch von Tackern bewußt würbe, baß ber uns alle bewegend? Gegensatz zwilchen radikaler und schrittweiser Behandlung der politiscken ober aeicllschattlichen Ideen sich in letzter Instanz zu der Frage nach dem freien Willen zuspitzt und damit in das Zentrum aller philosophischen und religiösen Fragen führt, daher er in ber Tat nur in Weltansckauungr-Svfteme'i beantwortet werden kann. Aber ich denke, daß dieser Zufall sehr zeitbedingt ist."
Damit kommt der Kritiker auf den springenden Punkt. Das Werk Bachems gibt nicht nur eine trockene, historische Darstellung der Geschehnisse, sondern entwickelt auf breitem Grunde den Gegensatz ber Weltanschauungen, welche in den Kämpfen des Liberalismus gegen den Katholizismus und in dem Aufstreben des Katholizismus zu neuer Kulturmacht in ber mobernen Z-it zur Geltung kommt. So bitbet bas Werk die Darstelluna eines gewaltigen Dramas, welches das höchste Thema der Wirklichkeit und Geltuna einer übersinnlichen, auf aeoffenbarter, für alle Zeit gültige Wahrheit beruhenden Weltanschauung gegen den Individualismus des Protestantismus und den philosovhr- schen „Idealismus" ber klastischen deutschen Philosophie, wie sie auf auf Kant, Fichte und Schelling beruht . „ .
Der erste vorliegende Band gibt allerdings erst die Grundlinie biefes Programms bes ganzen Werkes an. Aber nack bem packenben unb glänzenden Inhalt desselben darf wohl angenommen werden, daß die weitere Darstellung bemieniaen entspricht, was ber erste Band zu versprechen scheint. .....
♦ Weiterer Austritt aus der Kommunistischen Partei. Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Bohla ist laut „Lokalanzeiger" aus feiner Partei ausgetreten .In dem an die Zentrale gerichteten Schreiben heißt es nach einer Kem^eich- nung der terroristischen Patteimethoden u. a.: „Wir haben alles versucht, in der Pattei die Mitglie- derschast gegen diese eure Methode zu mobilisieren. Aber je stärker der Druck der Mitgliedet, desto brutaler werden eure organisatorischen Maßregeln." Das Schreiben nennt dann als Ziel der Opposition, „das Parteizersetzende hmwegzuwerfen".
* Landgerichtsdirektor Jürgens’ Rückkehr in den Justizbienst. Landgerichtsdirektor Jürgens, der nach seiner Rehabilitierung einen halbjährigen Erholungsurlaub angetreten hatte, wird, wie eine Berliner Korrespondenz mitteilt, anfangs September wieder in ben Justizbienst zurückkehren. Allerdings stehe noch nicht fest, ob er roieber als Richter amtieren wirb. Heber seine Entschädigungs- ansprüche ist bisher noch keine Entscheibung gefällt worden. ______
China.
Borodin als Geisel P-chstangs.
Der Korrespondent ber „Daily News" in Schanghai verzeichnet eine Meldung, wonach sich der bekannte russische Ratgeber Borodin als Geisel in den Händen deS Generals Fenz Pu- hsiangs befinden soll. Hierzu erfährt bie „Times" aus Schanghai: Einige Verwandte Feng Au- Hsings werben in Moskau, wohin sie ihn 1936 begleitet hatten, wie Gefangene behandelt. Feng Vu-Hsiang hat aus diesem Grundr lange aus die Gelegenheit gewartet, sich eines bolschewistischen Führers zu bemächtigen, um eine Bürgschaft svr die Sicherheit feiner Verwandte« zu cd)altes.