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JVo 174.

Sonntag, 31. Juli 1927.

Fuldaer Zeitung

3. Blatt.

Druck bet Fuldaer AcNenbruckerel. Fulda

1

Thermometer

Das Caf6

In grosser Auswahl bei

Die Conditorei

Täglich Künstler-Konzerte

U

Besitzer: Gustav Hesse, Bahnhofstrasse 11 Tel 222.

ver­um un- drei den ab.

auf das bisher segensreiche Wirken der Stiftung auf­merksam zu machen und die Neubildung der Provinzial- kommissionen, soweit diese bei den einzelnen Provinzen nicht bereits durchgeführt ist, zu unterstützen. Der Mini- ster ersucht die Ober- und Regierungspräsidenten, sich des Wiederaufbaues der Stiftung nachdrücklich anzunehmen. _____________________

Die KnziehungsKraft von Berlin.

Auf dem Städtetag, der vor kurzem tagte, hat ber Berliner Oberbürgermeister Böß neue interes­sante Mitteilungen über die Bevölkerungsbewe­gung und insbesondere über die Anziehungskraft Berlins gemacht.

Die Zahl der in Berlin 1926 in Privathäusern und Hotels abgestiegenen, polizeilich gemeldeten Fremden belief sich auf 1,6 Millionen- darunter waren 195 877 Ausländer. Kaum oering-r dürfte die Zahl der Fremden fein, die in Privatwohnun- gen vorübergehend Aufnahme gefunden haben und nicht gemeldet wurden. Im Fernverkehr wurden im vergangenen Jahr 13 Millionen Fahrkarten verkauft; im Ortsverkehr wurden 1495,5 Millionen Personen befördert. 183 Personenbahnhöfe, 61 Güterabfertigungsstellen, 89 Straßenbahnlinien, 39 Omnibus-Linien und 53,3 Kilometer Schnell- bahnen dienen in Berlin dem Verkehr.

erfrischendes, kohlensaures Tafel-Getränk mit Citronen- Geschmack ist nahrhaft, wohl­schmeckend und verdauungsfördernd. Aus naturreinem Urstoff, frei von künstl. Erzeugnissen. Milchbestandteile enthaltend.

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dessen Titel heißt:Gefangene erlösen", Es ist ein Weckruf an Erzieher und Menschenfreunde von Strafanstaltslehrer Alois Ott. Kauf Dir's nur, es ist soeben in dritter Auflage in Landsberg a. Lech, Kommissionsverlag Derza, erschienen. Und wenn du nur soviel daraus entnimmst, daß du . niemals mehr einem früheren Strafgefangenen, der sich am Ende doch gebessert hat, ein hartes Wort sagst. Siehst du, wenn man dich nach die­ser oder jener Tat erwischt hätte, du wärest auch im Gefängnis. Und vor Gott bist du ganz be- stimmt schuldig. So erbarme dich deines Mit­menschen, der meist mehr schwach gewesen ist als

Beamtenfragen.

Preußische Stiftung für erwachsene Peamlenlöch ter. Die bisher alsKönig-Wilhelm-Stiftung für er­wachsene Beamtentöchter" wirkende Stiftung hat ihrer Namen inPreuß. Stiftung norm. König-Wilhelm-Stif. tung) für erwachsene Beamtentöchter" geändert und ihr« Satzungen den veränderten staatsrechtlichen Verhältnissen angepaßt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst auf Grund eines Runderlasses des preußischen Innenmini­sters mitteilt, hat das Kuratorium der Stiftung gebeten.

Für jeden sinnenden Menschen kommt im Juli einmal eine Stunde, in der er plötzlich bemerkt, daß die Tage kürzer werden. Wahrscheinlich ist es eine Abendstunde oder jene Zeit, wo man zwi­schen Licht und Dunkel in die Dämmerung hin­austräumt. Ach ja, so seufzt man dann, auch die­ser Sommer neigt sich schon wieder dem Ende zu. Es gibt schon Blätter, die welk sind, stirbt doch auch in der Natur da draußen manches im zar­testen Alter. Wie so ein Gedanke den andern ruft und ein Bild das andere, steht vor meinem inne­ren Blick auf einmal Deutschland, und ich batte die Vorstellung, als sei es ein Land, in dem es nur noch Bureaus gibt, schöne, rechtwinkeliqe, sau­bere Geschäftsräume. In allen saßen Menschm und schrieben und schrieben, und die Schreib­maschinen klapperten wie ein Heer von Störchen. In all diesen Räumen war es dunkel, und die elek­trischen Lampen brannten so, als ob nicht mehr ge­nügend Druck auf der Leitung fei, rot, so traurig, so dem Berlöschen nahe. Das hinderte aber die Maschinen nicht, weiterzuklappern, und es schien auch die Menschen nicht zu berühren, die da wie Mumien saßen, reglos und ihren Akten zugewondt. Sie machten den Eindruck von Rechnern, die über eine Rechnung sinnen, die nicht aufgehen will. In dem trüben Schein wuchsen sie gespensterhaft mit den Tischen und Papieren zusammen und bildeten eine Welt von Gestalten, die um so un­heimlicher wirkten, je lebloser sie waren. Der Strom aber wurde immer schwächer, und die Ge­schäftsräume verdüsterten sich immer mehr. Jetzt sahen sie schon aus, wie Fetzen alter Mauern und verdächtiger Häuser, über deren Toren in reg­nerischer Mitternacht eine späte rote Laterne müde schimmert . . . Das ist das Deutschland der Geld­knappheit und des Dawesvaktes. Gewiß, nur bringen nach und nach mehr Arbeitslose wieder an die Tische, aber es ist kein Strom in den Lam­pen. Man weiß, daß man für fremde Leute ar­beitet. ' Es ist nicht mehr das alte blühende Ge­schäft. Der Riesensauger des internationalen Ka­pitals schluckt zu viel in sich hinein. Wir sind alle nur Angestellte. Mögen darum die Later­nen brennen, wie mit Trauerrändern umflort, es ist ja auch Trauer im Lande.

Nun kommt die Post. Der arme Postbote! In strömendem Regen macht er feine Wege. Meistens wirft er feine Briefe in bcu Kasten, und niemand achtet des unermüdlichen Wanderers, der uns so viele Botschaften bringt, gute und böse. Der Post­bote erinnert mich immer an die gute alte Zeit. So ist er doch immer gegangen, damals schon, als noch in unserem Städtchen die Petroleumlampen sich mühten, die nächtlichen Finsternisse zu erhellen, als bann das Gas kam und dann das elektrische Licht. Ich habe diese Klasse von Menschen immer für die ehrlichsten auf der ganzen Welt gehalten. Ich glaube auch, daß sie ein gutes Herz haben, da ein rechter Postbote mit ganzen Straßen alle Lei­den teilt und auch alle Freuden. Er hat auch fo ein schelmisches Lächeln, weiß er doch um manches zarte Geheimnis. Es sollten die Menschen viel öfter und viel liebevoller an ihn denken und ihm auch einmal etwas Gutes tun, vor allem, wenn er eine große Familie hat. Heute bringt der Post­bote etwas Geld, und bann bekommt er jebesmal eine Zigarre.

Da liegen nun bie breißig Zeitungen des Nach­mittags, und ich gehe an die Arbeit. Schon bei der ersten komme ich nicht weiter. Es sind ba nämlich lauter Ueberschriften, bie mit Welt anfan­gen. Weltkonferenz, Weltrekorb, Weltfirma, Welt­finanz, Weltkrise, Weltromane. . ., warum nicht auch Weltkonsume . . . zum Kuckuck auch, ich lebe

von den Hochschulen.

--- Berlin bleibt bei der Deutschen Studentenschaft. Die Studentenoertretung an der Universität Berlin hat einen Antrag, den Austritt ava der Deutschen Stuben- tenschast zu erklären, abgelehnt.

Um das Forschungsinstitut für innere Medizin. Aus Heidelberg wird gemeldet: In der Bürger­ausschußsitzung erklärte Oberbürgermeister Professor Dr. Walz, daß das geplante Forschungsinstitut für innere Medizin nunmehr bestimmt nach Heidelberg kam- men wird. Es hätten sich viele Städte darum bemüht, aber Heidelberg hat das Institut behalten. Das Reich stiftet dazu einen einmaligen größeren Betrag und einen laufenden Zuschuß. Weitere Beiträge und Zuwendungen haben das Land Baden und die Stadt Heidelberg zu machen. Das Institut, dem noch einige schon in Heidel­berg bestehende Sonderinstitute medizinischer Art ange­gliedert werden sollen, wird von der Kaiser-Wilhelm-Ge- sellschaft geleitet. Zum Direktor wurde Geheimrat Krehl in Heidelberg bereits ernannt.

Berlin mit seinen 4142 000 Einwohnern läßt schon an Einwohnerzahl bie größten beutschen Städte weit hinter sich. Die nächstgrößte Stadt ist Hamburg mit 1079 000 Einwohnern. Berlin umfaßt ein Zehntel der gesamten Bevölkerung Preußens und vier Fünftel derjenigen des Frei­staates Sachsen. Es hat mehr Einwohner als die Mehrzahl der deutschen Länder. An räumlicher Ausdehnung ist Berlin die größte Stabt der Welt. Die Zahl der bebauten Grundstücke betrögt 90 000, die der Wohnungen 1180 000. Der Schwer­punkt dieser Wachstumsentwicklung lag in den Au­ßengebieten und in den ehemaligen Vororten. Alt- Berlin war in der Hauptsache schon im Jahre 1890 abgeschlossen. Ein erheblicher Teil der Vermeh- rung ist auf Zuwanderung von außen zu­rückzuführen. Das zeigt der Anteil der außerhalb Berlins Geborenen, der rund drei Fünftel der Ge- famtbevölkerung ausmacht. Die Reichshauptstadt ist wie ein Magnet, der aus allen Teilen des Rei­ches bie Menschen an sich zieht.

In den letzten Jahren vor bem Kriege mehrte sich die Berliner Bevölkerung jährlich 120 000 bis 130 000 Einwohner, von denen gefähr ein Viertel auf Geburtenüberschuß und Viertel auf Mehrzuwanderungen entfielen. In Kriegsjahren nahm bie Bevölkerung etwas 1919 hatte Berlin nach der Volkszählung nur noch 3 800 000 Einwohner, aber trotz der schweren Kriegsjahre ist die Einwohnerzahl dann wieder ständig gestiegen bis auf das Jnflationsjahr 1923. Im Durchschnitt der beiden Jahre 1924 und 1925 ergibt sich wieder ein Bevölkerungsqewinn von annähernd 80 000 Personen. Diese Zunahme be­stand fast ausschließlich aus Mehrzugewanderten. Der Geburtenüberschuß ist in den letzten Jahren nur geringfügig gewesen. Mit der Beseitigung der Wohnungsnot, der Hauptursache des Rückgangs der Geburtenzahl, und mit bem Aufhören der Nachwirkungen der Kriegs- und Hungerjahre auf die Sterbeziffer kann aber mit Sicherheit in den nächsten Jahren mit einem Wiedereinfetzen der na­türlichen Bevölkerungsvermehrung gerechnet wer­den. Bereits Mitte 1925 hatte bie Reichshaupt, stabt ihre Vorkriegseinwohnerzahl erreicht.

Während nun die Bevölkerungsentwicklung Berlins auf etwa 10 Jahre still gestanden hat, ist die Beschleunigung des Lebensrhythmus, des Ver­kehrs- und Wirtschaftstempos, bie nach bem Kriege fast allenhalben im Reiche beobachtet werben konnte, in Berlin in ganz besonders starkem Maße wirksam gewesen. Von 1921 bis 1926 sind in Ber­lin, einschließlich der Umzüge innerhalb Groß- berlins, jährlich durchschnittlich 612000 Personen als zugezogen und 560 000 Personen als fvrtge- zogen gemeldet worden. Mehr als 40 v. H. dieser Zu- und Fortzüge betrafen solche von und nach Auswärts. In dem Maße, wie bie Beseitigung der Wohnungsnot unb die Wiederbelebung' der Wirtschaft fortschreiten, wird sich voraussichtlich diese schon ungeheure Wanberbewegung noch er­heblich verstärken.

Edmund Halfer, Fulda

vorrn. Pelka-Rebentlsch

Ecke Karl-Kanalstrasse. Telephon 552.

Kaiser-Karls-Bad Lunge

in Bad Lippspringe (Bitte AdrM» beichten)

doch in meinem Zimmer, ick freue mich der Ge­ranien an meinem Fenster, ich putze mit Liebe den Staub weg, weil er auf meinem Tische liegt, was soll ich mit all diesen Weltdingen? Unb bie Menschen um mich herum, lebt nicht jeher in sei- nem Kreis? Hoben viels Mieter auch nur eine Ahnung davon, wer ihr Nachbar ist? Es sind doch diese Weltgrößen n-.tr imaginär, d. h. Größen der Einbildung, genau wie die berühmte Zahl in dem Satz des Moivre. (Dies nur für Mathema­tiker.) Hier wird mir der ungeheure Riß wieder deutlich, der durch unser Dasein geht. Eine ganze Fahrt von Vorstellungen wird uns ständig vor das Auge des Geistes gefilmt, die ganz unwirklich sind. Tausend D.ngr hört der Men ch tu heute und lieft er jeden Tag, bie sein eigentliches Dasein kaum berühren. Darum zerslattert alles so. Ein Einbruck jagt den anderen. Auswandern möchte ich in ein Land, wo ich leben kann, wie der Doum dort drüben. Er senkt seine Wurzeln in den Boden. Er scheint sich gar nicht für all das zu interessie­ren, was an ihm vorübereilt, Droschken, Autos, Menschen, Fahrräder, Käfer, Vögel unb Luftschiffe. Er zieht ben Saft aus der Tiefe herauf, stark. Von allen Lichtern kennt er nur bie Sterne, von denen er schweigend träumt, und von allem Lärm kennt er nur bie Stürme, wie sie sausen unb brau­sen. Tief will ich wurzeln in ber Ueberlieferung, dem heiligen Mutterboden. Zeit will ich behalten für die Sterne da oben. Unb die Stürme will ich lieben, die mir mit mächtigem Gebraus im Gemiite toben.

Aber nicht einmal auf bem ßanbe hat man mehr Sinn bofür. Kommt ba im nahen Schulzen­hof eines Tages die Mia zurück. Alle hoben sich auf sie gefreut, war sie doch ein so tüchtiges Mä­del. Unb ber Hof kann es brauchen, benn bie Söhne waren schon lange mehr in ber Wirtschaft als auf bem Acker, und bie Mutter hat sich ins Grab geweint, da ein Stück nach bem anderen verkauft werben mußte. So sehnten sich benn alle nach ber Mia. Mia wirb es schossen. Laß nur Mia zurückkommen. Hast bu gehört? Mor­gen kehrt Mia heim. Unb sie tarn auch, unb es sagten die Knechte unb Mägbe: (Bu'en Tag, Mia . . . Sie aber zog die Stirnfalten hoch unb sagte nur: Bitte sehr . . . aber nicht Mia, fonbern Fräulein Mia, verstanden? .... Ach, Mia hätte den Hof gerettet, aber so auch Fräulein Mia? . . . Als sie ins Zimmer trat, nahm, sie ein alter Freund an dem Arm, stellte sie gegen das Licht und sagte nur: Nun weiß ich doch wahrhaftig nicht, bist du nun ein Junge ober ein Mädel. Das war Mia .... Unb Jazz unb Schauturnen ber Damen, bas alles geht nun von ber Stobt aufs Lanb, unb bie Illustrierten unb die Maga- Sine, alles wandert mit . . . Wie kann es auch anders fein, wenn selbst große Kammermusikfeste, wie neulich in Baden-Baden nicht Besseres zu bie­ten wissen als eben Jazz und Hindemith ... Wo bleibt das heimliche Deutschland?

Do bringt übrigens die Post noch ein Büchlein,

Reife unb Wanderung.

= wejerfahrten die Erholung vorn Alllag Viele wissen es schon und kommen alljährlich wieder, um sich in der reinen Weserluft an dem Anblick der ruhig wechselnden, bald romantischen, bald lieblichen Landschaftsbildes zu erfreuen. Die günstigen Bahnver­bindungen ermöglichen lohnende Tagesausflüge in Ver­bindung mit Weserfahrten nach Hameln, Höxter Carls- Hasen und Hann.-Münden. Wohlerhaltene alte Stadt­bilder entzücken den Fremden, reiche Wälder locken zu Wanderungen man vergißt den Alltag, kehrt dank­bar und bereichert heim. Das Oberweferbergland ist das Herz Norddeutschlands. (Jedes Derkehrsbüro und der Wesergebirgsverein in Hameln geben nähere Aus­kunft).

schlecht. Erleichtere ihm vor allem ben Rückweg zu einer Arbeit unb überhaupt zur menschlichen Gesellschaft . . . Manche Ziffern in bem Buch sind erschreckenb. 3 bis 4 Millionen Menschen gibt es in Deutschland, bie von einem Richter verurteilt sind. Allein durch Diebstahl unb Raub roe-ben jähr­lich 100 bis 300 Millionen Mark entweichet, Eine Million wird jährlich durch mutwillige Körperver­letzungen krank ober arbeitsunfähig . . . Sßunber« volle Einsichten unb Anregungen gibt bas Büchlein, Du, ber bu gefunb unb glücklich bist, gedenke ber Unglücklichen in ben Krankenhäusern unb hinter Kerkermauern. Cs sind Menschen wie bu. er­barme bich ihrer... Die Mode wechselt, eine Musik lost bie anbere ab, aber immer gleich bleiben bie Lumpen, bie ben Armen umhüllen, unb bie Seufzer in ben Zellen der Kranken unb der Ge­fangenen . . .

Der Mann im Monde.

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Rund um die Woche.

Das gelbknappe Deutschland. Der Postbote. phantastisches. Mia, Zaz; unb Hinbemith. Gefangene erlösen....

Lingeborenenjagd auf Elefanten.

Von Wolfgang Weber.

Diele Schwarze würden es kaum spüren, daß sie Un­tertanen der ftanzöstschen oder der britischen Regierung sind, wenn sie das Jagdverbot nicht daran erinnerte. Die" Wildschutzgesetze sind außerordentlich streng. Ist schon dem Europäer gegen eine sehr hohe Lizenzgebühr nur das Schußrecht auf zwei Elefanten jährlich gestattet, so werden die Eingeborenen in ihrer Iagdfreiheit so be- schränkt, daß oft genug ihr Unterhalt in Frage gestellt ist. Don manchen Tieren, z. B. Giraffen und Clenanti- lopen, darf jährlich nur ein Stück geschossen werden, von anderen Arten überhaupt nichts; so besteht für das weiße Rhinos und die weiblichen Elefanten mit Aus­nahme des Falles von Notwehr völliges Schußverbot. Natürlich reizt diese Notwehrklausel zu Uebertretungen, und es ist eine ganze Reihe von Fällen bekannt, in de­nen Europäer ganz einfach ein Tier schossen und dann angaben, von ihm angegriffen worden zu fein. Aber nirgends wird eine Verfehlung schneller bekannt als im dunkelsten Afrika, wo jede Bewegung eines Weißen von tausend Schwarzen aufs schärfste beobachtet wird. Ne­ben einer Geldstrafe, die in ihrer Höhe einer Vermö­genseinziehung gleichen kann, wird der Europäer für im­mer des Landes verwiesen. Noch weit strenger ist die Strafe für die Schwarzen, wenn diese die Jagdgesetze übertreten. Der Uebeliäter wird gehängt ober erschossen. Meistens kann man ihn aber nicht ausfindig machen, und { dann wird eine Strafexpedition abgesandt, die die um- liegenden Ortschaften zerstört oder wenigstens unter Strafe stellt, während das Vieh eingezogen wird.

Das beste Mittel gegen ein Masfenfchlachten der Ele­fanten durch die Eingeborenen aber ist das Verbot ber Schußwaffen. Allerdings sind manchen Stämmen, be­sonders auf belgischem Gebiet, Flinten erlaubt; aber es sind nur Vorderlader und Modelle aus dem Jahre 1850, deren Verwendung sich so ziemlich auf die eines Schmuck­gegenstandes beschränkt. Ich entsinne mich einer Jagd am Helle, sie wär so ergötzlich, daß man ganz die Gefahr vergessen konnte, der die Schwarzen dabei ausgesetzt sind. Fünf Mann stellten sich im Halbkreis auf, schütteten ge­

waltige Pulvermengen in die Gewehre, ließen die Ku­gel in den Lauf rollen und nahmen einen Dickhäuter in der Entfernung von etwa 100 Meter aufs Korn. Man hörte einen Krach wie von einer Kanone, und als sich die Rauchwolke verzogen hatte, lagen die Schützen in­folge des Rückschlages allesamt am Boden, während der Elefant vergnügt weiter trottete.

In vielen Gegenden verzichtet man deshalb über­haupt auf die Kugel, und schießt mit dem Gewehr ver­giftete Pfeile. Das Gift hat eine sehr stark lähmende Wirkung, die aber für große Elefanten erst nach Tagen tödlich wirkt, so daß die verwundeten Tiere von den Jä­gern zuweilen Hunderte von Kilometern weit verfolgt werden müssen. Um sich diese Verfolgung zu erleichtern, suchen sich die Schwarzen einen etwas sumpfigen Boden aus, der dem Elefanten das Fortfchreiien sehr erschwert, während er die leichteren Menschen ohne weiteres trägt.

Auch diese Jagd mit den Giftpfeilen ist von den Be­hörden verboten, aber während man bei ihr immer noch ein Auge zudrückt, ist der Massenmord durch Feuer mit Recht der allerstrengsten Bestrafung ausgesetzt. Wenn der Wind günstig ist und eine Elefantenherde sich gerade in einem Gebiet ausgetrockneten Hochgrases aufhält, dann wird bei dieserFlammenjagd" ein Feuerwall rings um sie entfacht, und sämtliche Dickhäuter, auch Muttertiere und Kälber, gehen auf die kläglichste Weise zugrunde, nachdem sie verzweifelte Anstrengungen ge­macht haben, auszubrechen. Neben den ausgedehnten Bufchbränden, die durch diese bestialische Jogdmethode hervorgerufen werden können, ist auch meistens das El­fenbein durch das Feuer entwertet und das Fleisch ver­kohlt, fo daß für die Schwarzen nur ein winziger Bruch­teil der Tiere verwertet werden kann. Im östlichen Su­dan, dem Gebiet des weißen Nils, zeigt man heute eine derartige abgebrannte Fläche. Dort bleichen noch die Skelette einer riesigen Elefantenherde, die zur Zeit des Mahdi auf diese Weise zugrunde ging.

Aber es wäre verfehlt, deshalb über die Schwarzen wegen Grausamkeit den Stab zu brechen. Das Abbren­nen der Elefanienherden ist oft nur einMitiel zur Selbst­erhaltung, wenn mehrere Jagdzüge mißlungen sind und ein Stamm vor dem Hungertode steht; denn die anderen

Iagdsttten sind von einer derartigen Einfältigkeit, daß man sich über ihre gelegentlichen Erfolge viel mehr roun. dem muß als über die häufigen Unfälle. Die verbrei- tefte Methode ist folgende: Vier Schwarze bewaffnen sich mit gewaltigen Haumessern, schleichen sich an den Ele­fanten heran und schlagen ihm auf ein Kommando gleich­zeitig die Sehnen der Füße durch. Der geringste Fehl­schlag ober eine vorzeitige Witterung seitens des Elefan- ten, und der kühne Angreifer wird unweigerlich zer­stampft. Die Schwarzen verdanken den Mut dazu ihren Fetischen, die bei den Jagden mitgenommen werden und durch die sie sich unverletzlich glauben.

Frauen unb Kinder bleiben während der gefährlichen Stunden zu Hause unb bringen für ihre Angehörigen Opfer dar. Man versammelt sich vor der Häuptlings- 4ütte um ein gewaltiges Lagerfeuer unb wartet dort bte Rückkehr der Helden ab. Werden sie viel Fleisch erbeu­ten oder gar mit Elfenbein wiederkehren? Oder wird chnen ein Unglück zugestoßen sein?

Doch zu allzulangem Grübeln ist kein Neger aufgelegt, auch wenn draußen die Gefährten in Gefahr sind und man morgen vielleicht nichts zu effen haben wird. Sorge unb Angst werben mit einem ordentlichen Schluck ©in- ger-bier heruntergespült.

Lob der Zeitung. Wohl kaum eine Errungen­schaft der modernen Kultur wurde in der Zeit ihres Entstehens so umfämpft wie dir Zeitung. Während die einen sie alsErfindung des Teufels" brandmarkten und verdammten, begrüßten sie die anderen mit heller Be­geisterung. Ganze Bücher wurden für und wider sie ge­schrieben. Eines der bekanntesten war bieZeitungslust" von Stieler, die Ende des 17. Jahrhunderts erschien und voller Begeisterung für bie Zeitung Partei nahm. Es heißt darin:Billig soll ein Zeitungsschreiber in hohen Ehren gehalten und von jedermann in Städten unb Län. dem geliebet und gelobet werden, da er sich keine Mühe unb Sorge und Kosten verdrießen läßt, seinen . Mitbür­gern und Nächsten auf fo schöne Weise und wie durch ein Wunder zu dienen, daß sie von ihm gleich einem Götter­ausspruche so viel Begebenheiten unb Wunder erlernen, unb es ihnen nicht mehr als einige Pfennige zu stehen kommt". So ber Enthusiast des 17. Jahrhunderts. Wir

aber haben uns an das Wunder der Zeitung längst ge­wöhnt!

Bestrafte Unvorsichtigkeit. Als im Jahre 1557 die Türken wieder einmal in Ungarn eingefallen waren, mußte das befestigte Schloß zu Nagy-Ida einer aus Zi­geunern bestehenden Truppe anvertraut werden. Wider aller Erwarten hielten sich die braunen Söhne der Puszta recht wacker, fo daß sich die Moslims zur Auf- Hebung der Belagerung veranlaßt sahen. Während des Abzugs der Feinde schrien chnen die Zigeuner nach: Ihr würdet uns gewiß nicht entkommen, wenn wir noch Pulver hätten." Als di« Türken dies hörten, kehr, ten sie um, erneuten ihren Sturm auf das Schloß und eroberten es. Mehr als 1000 Zigeuner mußten ihre prahlerische Unvorsichtigkeit mit dem Leben bezahlen.

Allerlei Weisheit. Galli berichtet uns, daß vor 2300 Jahren die Etrusker schon Zahntechniker besaßen. An einem bei Faleri aufgefundenen Schädel vermochte er festzustellen, daß man damals bereits verstand, kunstge­rechte Golddrücken zu machen. In Frankreich kommt auf jeden siebenten Einwohner ein Fahrrad.

Bemerkungen.

Don Julius Loeb.

Zwischen einer Geistreichelei und einer Dummheit besteht der Unterschied ost nur in der Wertschätzung des Autors.

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Die Wahrheit wird zuweilen nackt dargestelli. aber doch nicht, damit sie ein jeglicher nach feiner Weise bekleiden kann.

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Tugend ist eine wagerechte Linie, Kraft eine senkrechte, Geschicklichkeit eine krumme Linie.

e

Bei unseren Handlungen sollen wir uns stets an die bestehenden Regeln halten; bei unseren Urteiler jedoch ber Ausnahme nicht vergessen.

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Liebe ist oft nur Egoismus 1« iroeien.