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Anzeiger für die Lkadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 170.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Mktwoch, 27. Juli 1927.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 MC, auswärts 0,20 Ml. Reklamezeile: lokal 0,60 Mt, auswärts 0,80 Ml. Bei Wiederholungen Rabatt. :-: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr? 4051. :•:

54.Zahrg.

Die lkriegzschuldfrage.

Der nationalistische Pariser „Temps" veröffent­licht einen Artikel zur Rede Poincares in Orchies und sucht als Entschuldigung dafür, daß der franzö­sische Ministerpräsident immer wieder von der Vergangenheit spricht, anzuführen, daß, da der Friede eine moralische Frage sei, die Debatte über die Kriegsverantwortlichkeit nicht vermieden werden könne. Das Blatt setzt sich damit in Wider­spruch zu Poincare selbst, der erklärt hat, er spreche nur deshalb von der Kriegsverantwortlichkeit, weil deutscherseits diese Frage immer wieder auf­geworfen werde. Aber der „Temps" erweist dem französischen Ministerpräsidenten einen schlechten Dienst, wenn er in seinem Artikel schildert, wie die Unterschrift Deutschlands unter den Vertrag von Versailles zustande gekommen ist. Das Blatt gibt zu, daß Deutschland in Versailles nicht den freien Willen gehabt habe, den Inhalt des diplomatischen Instrumentes, dessen Unterzeichnung ihm aufgezwungen wurde, abzuändern. Das ist ein Zugeständnis dafür, daß unter dem Druck eines gut ausgerüsteten, starken Heeres auf deutschem Boden eine Unterschrift abgezwungen wurde, und daß infolgedessen die Verantwortlichkeit für das Unterschriebene zumindest eine bedingte ist.

Das Blatt fährt dann fort: Man muß Poincare loben, daß er sich der Aufgabe unterzieht, die Kriegsverantwortlichkeit immer wieder aufzuwer­fen. Für die Geschichtsschreiber der Zu­kunft wird es erstaunlich sein, die Hartnäckig» keit Deutschlands zu verzeichnen, mit dem gestiefelten und gehelmten Militarismus der Hohenzollern sich solidarisch zu erklären. Ein der­artiges Maß von Verirrung könne überraschen, denn wenn das gegenwärtige Deutschland willig und entschlosien die moralische Erbschaft des Kriegs­und Vorkriegs-Deutschland annehme, bleibe nichts anderes übrig, als Störungen des Friedens zu ver­hüten und sich auf neue Kämpfe vorzubereiten. Das könne Poincare nicht zuletzt dadurch, daß er auf diese Gefahr Hinweise und an die Aktion des Ge­fühls und der Vernunft zur Begründung des Frie­dens, der gegenseitigen Duldung und der gegensei­tigen Konzessionen appelliere, und dadurch mache er sich nicht nur um das Vaterland, sondern auch um diejenige Friedenspolitik verdient, die ein über­eifriger Pazifismus oft in empfindlicher Weise schädige.

Als die, die den Frieden schädigen, bezeichnet das „Journal des Debats" die linksgerichteten Füh­rer C a i l l a u x und Paul B o n c o u r, die in ihren Reden andere Gedanken zum Ausdruck ge­bracht hätten. Das Blatt findet es seltsam, daß Caillaux zu gleicher Zeit die Nationale Verteidi­gung und eine Politik der Konzessionen gegenüber Deutschland empfehle, Gedanken, die auch Paul Voncour in seiner Rede zum Ausdruck gebracht habe.

*

wtb. Paris, 26. Juli. (Eig. Funkm.). Die „Volonte" wendet sich gegen die Auslegung der Rede Poincare in der Frage der Kriegsverantwort- lichkeit durch den Temps. Das Blatt schreibt: „Wir denken keineswegs daran, die Geschichte zu verleugnen. Im Gegenteil, wir fordern, daß sie den Geschichtsforschern überlassen bleibt.Wir kennen heute noch nicht die vollständige Wahrheit über die Kriegsursache. Weder diesseits noch jen­seits des Rheins kann diese Frage gegenwärtig ge­löst werden. Das beste, was man tun kann, wenn man sich sein Gewissen von jeder Ungerechtigkeit reinhalten will, ist abzuwarten, bis sich endgültig über die im Versailler Vertrag eingetriebene offi­zielle „Wahrheit" ein Urteil fällen läßt. Eine Polemik hierüber ist geschichtlich betrachtet ver­früht und politisch aufreizend.

Die Handelsvertragsverhandlungen.

Havas verbreitet folgende Mitteilung des fran­zösischen Handelsministeriums über die deutsch- französischen Wirtschaftsverhandlungen: In der ah- gelaufenen Woche ist in der HalMng der beiden Delegationen, die die Prüfung der letzten deut­schen Vorschläge fortgesetzt haben, keine Sten« derung eingetreten. Die deutschen Vertreter hal­ten an gewissen Forderungen fest, die die fran­zösischen Unterhändler als mit den Interessen der Industrie und des Handels des Landes unvereinbar betrachten. Man ist jedoch der Ansicht, daß un­ter allen Umständen in dieser Woche eine Ent­scheidung eintreten müßte, und man neigt der Auffassung zu, daß die Unterhandlungen zurt Un­terzeichnung des in Vorbereitung befindlichen Abkommens führen dürsten.

Äus dem besetzten Gebiet.

Inspektionsreise Sir Worthington Evans nach Wiesbaden.

Der englische Staatssekretär für den Krieg, Worchington Evan, wird in der Zeit vom 4. bis 7. 2Iug. die britische Besatzungsarmee in Wiesbaden besuchen. In ieinrr Begleitung wird sich General Sir snL.jr^ Kreithwaite befinden.

* Landsberg hörsings Nachfolger? Als Nach­folger Hörfings auf dem Posten des Oberpräsiden­ten von Sachsen ist den Blättern zufolge der lang­jährige Reichstagsabgeordnete OttoLandsberg in Aussicht genommen.

* Das englische Gewerkschastsgesetz. Das eng­lische Oberhaus hat in dritter Lesung die Eewerk- schastsvorlage angenommen. Das Unterhaus wird die daran vorgenommenen Aenderungen am Don- verstaa prüfen.

Genfer See-Abrüstungskonferenz.

Die Genfer See-Abrüstungskonferenz der drei Mächte Amerika, England und Japan har in der vorigen Woche eine zweite Unterbrechung er­fahren, weil sich das englische Kabinett Gelegen­heit geben wollle, die Einigungsmöglichkeiten in Ruhe zu überlegen und das äußerste Maß an Ent­gegenkommen gegenüber den amerikanischen Wünschen festzulegen. Bei der Einladung Cco- lidges an die europäischen Seemächte und an Ja­pan hat gewiß der Abrüstungsgedanke als idealer Beweggrund mitgesprochen. Es ist aber auch sicher, daß Coolidge die Konferenz aus w a h l t a k t i - scheu Gründen gewünscht hat. Er will Erfolge in der Hand haben, wenn er demnächst als Präsi­dentschaftskandidat wieder vor das amerikanische Volk vertreten soll. Seit dem Weltkriege sind Eng­land und Amerika durch starke Freundschaftsbande miteinander verbunden. Auf der Washingtoner Abrüstungskonferenz vor einigen Jahren, die das Verhältnis der Kräfte der großen Seerüstungs­einheiten für Amerika, England und Japan fest­legte, haben diese Bande ihr Haltbarkeit deutlich beweisen können. Die neuen Forderungen Ameri­kas, auch das Größenverhältnis für die Kreuzer und die kleinen Kampfschiffe festzulegen, hat diese Freundschaftsbande allerdings einer neuen Belastungsprobe ausgesetzt, die noch nicht bestanden ist, ja, das Freundschaftsverhält­nis sogar leicht zu bedrohen scheint. Die eng­lische Weltlage ist eine ganz anders als die ameri­kanische.

England hat ein weitausgedehntes und viel­verzweigtes Kolonialsystem, von dessen Produkten es sein Leben fristet, womit an seine Seestreit- kräfte naturgemäß ganz andere Anforderungen ge­stellt sind, als an die Amerikas. England muß danach bestrebt sein, seine Ueberlegenheit zur See unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Es muß eins zahlenmäßige Festlegung der Stärke­verhältnisse der Seestreitkräfte, die für Amerika und England die Gleichheit stabilisiert, ablehnen. Da aber eine strikte Ablehnung eine Brüskierung der amerikanischen Politik im allgemeinen und des Präsidenten im besonderen bedeuten und schwere Mißstimmungen zur Folge haben würde, dürfte es setzt für die englische Bolitst darauf ankommen, zu versuchen, wie man das von Coolidge vorge­schlagene Zahlenverhältnis von 5:5:3 zwischen Amerika. England und Japan theoretisch anneh­men könne, ohne daß damit die faktische Situation zugleich in derselben Weise festgelegt werde. Um diese diplomatische Jnterpretatinnsmöglichkeiten drehen sich wahrscheinlich die Kabinettsverhandlun­gen, die in London in diesen Tagen gepflogen werden. Um einen Ausweg zu finden, ist in Genf dis Möglichkeit erörtert worden, daß England jenem Zahlenverhältnis zustimmt, wenn ihm gestat- tet würde, dis zahlreichen Handelsdampfer davon auszuschließen. Sie sind so eingerichtet, daß sie bei einem Kriegsausbruch leicht bewaffnet werden können. Es ist auch die Möglichkeit er­örtert worden, daß England das Zahlenverhältnis unter der Bedingung annimmt, daß Amerika die damit für feine Seerüstung gewonnenen Möglich­keiten nicht völlig ausnutzt. Aber die Amerika­ner wollen sich vorläufig auf solche Interpretations­künste nicht einlassen, nicht, weil sie vor der eng­lischen Sesrüstung besondere Furcht empfänden, sondern weil es ihnen daran liegt, nicht als die Blamierten zurückzukehren. Man wird aber wohl damit rechnen dürfen, daß die Amerikaner an gewissen Konzessionen nicht vorbeikommen kön­nen. Neuerdings wird ihnen der Vorschlag ge­macht, daß sie zulassen sollen, daß die Engländer statt 500000 Tonnen an Kreuzern und Zerstörern 600 000 Tonnen in Dienst halten dürften, jedoch soll dieses Mehr dadurch zustandekommen, daß eins be­stimmte Anzahl von Schiffen, welche die noch fest­zustellende Altersgrenze erreicht oder überschrit­ten hätten, beibehalten würden.

Die Besprechungen sollen am Dienstag in Genf weiitergehen. An der Washingtoner Konferenz haben seiner Zeit auch die Franzosen und die Italiener teilgenommen. Letztere sind auch bei der Genfer Konferenz anwesend, aber nur als „Zuschauer". Beide Staaten würden natürlich ein Fiasko der Konferenz nickit ungern sehen., weil bei einem Gelingen sich für sie die Notwendigkeit er­geben würde, ebenfalls ihrem Sesrüstungspro- gramm für Kreuzer und Zerstörer Beschränkun­gen aufzuerlegen. Dem moralischen und wirtschaft­lichen Druck der drei genannten Machte würden sie sich nicht lange widersetzen können. Deutschland kann natürlich nur wünschen, daß die Konferenz zu einem positiven Ergebnis führt, weil ihr Scheitern höchstwahrscheinlich neue große Wett­rüsten zur See und damit neue Kriegsmöglich­keiten zur Folge haben müßte. Die erste Wir­kung wäre jedenfalls ein aefpanntes Verhältnis zwischen England und Amerika, an dem fein Staat Europas Freude empfinden würde. Man sieht aber an den ganzen Vorgängen, daß auch eine Konferenz, die eigens zum Zweck der Friedens­sicherung einberufen wird, nicht immer diesen Zwecken ohne weiteres nachzukommen braucht. Die politischen Gesetze haben leider ihre besonde­ren bösartigen Tücken. *

wtb. London, 26. Juli. (Eig. Funkm.). Der Korrespondent des „Daily Telegraph" in Tokio bestreitet entschieden, daß die Blätter oder die öffentliche Meinung in Javan in zunehmendem Maße eine England feindliche Haltung zeigen. Im Gegenteil herrsche volles Verständnis für die Schwierigkeiten der Genfer Verhandlungen. — Der Marinekörrespondent der „Daily News" schreibt, der Gedanke, daß Japan die britische Auffassung unterstütze, ist durchaus irrig. Japan habe jetzt viel mehr Sympathie für die amerikanischen Vor- chläge als für die britischen. — Dem Washingtoner Korrespondenten der „Times" zufolge glaube Amerika keine wesentlichen Zugeständnisse mehr machen zu können. •<..

Nach dem Wiener Krawall.

Der Nationalrat Oesterreichs hielt am Moatag eine kurze Trauersitzung ab. Präsident Miklas hielt eine Ansprache, in der er zunächst der tiefsten Trauer über den Ausbruch der Bolksleiden- schäften Ausdruck gab, der wie ein Wetterstrahl aus heiterem Himmel über die sonst so lebensfrohe Stadt hereingsbrochen fei. An diesem Tage gelte die Trauer den unglücklichen Opfern, tiefftes Mit­gefühl den Verwundeten, den Hinterbliebenen und Angehörigen. Der Präsident drückte allen Faktoren des staatlichen und öffentlichen Lebens, die sich in der Stunde der Gefahr um die Wiederherstellung der Ordnung bemüht haben, den Dank und die An­erkennung des Parlamentes aus. Er erinnerte an den Appell zu ernstem und friedlichem Zu­sammenwirken, den er bet der Eröffnung des neuen Nationalrates an dessen Mitglieder gerichtet habe. Sie werden, sagte der Präsident, am besten dem Volke und seiner Arbeit dienen, wenn Sie dazu beitragen, daß bei dem österreichischen Volke die klare Erkenntnis immer mehr zunimmt, daß in einer demokratischen Republik ohne ge- genseitiges Verstehen und ohne feste staatliche Ord­nung ein Gedeihen des Volkes unmöglich ist. Er schloß mit dieser Kundgebung die Sitzung und be­raumte die nächste Verhandlung für Dienstag an.

Steiermark und Dien.

Der steiermärkische Landtag in Graz befaßte sich mit den Ereignissen des 15. und 16. Juli und dem anschließenden Generalstreik in Wien und der Steiermark. Zunächst wurden zwei Anträge der Mehrheitsparteien behandelt, die die Ver- stärkung der Gendarmerie betreffen, so­wie behördliches Vorgehen gegen den sozialdemo­kratischen Landtagsabgeordneten Wallisch, der in Bruck an der Mur eine fast zwei Tage dauernde Diktatur aufgerichtet hatte. Landeshauptmann Paul erklärte, in feiner Antwort, daß auch er die Bestärkung der Gendarmerie für unbedingt not­wendig halte. Er fei bereit, im Einvernehmen mit dem Präsidium alle Sckritte zu beschleunigen, die dazu führen, den Abg. Wallisch zur gesetzlichen Verantwortung zu ziehen. Namens der Parteien der Einheitsliste wurde eine Resolution gestellt, in der der Landeshauptmann ersucht wird, die Bun­desregierung zu veranlassen, zum Schutze der Re­publik, der ungestörten Entwicklung des Wirtschafts­lebens und der moralischen Gefundung des Volkes für folgende Gesetzesbeschlüße Sorge zu tragen:

1. die ungehemmte Pressefreiheit, unter deren Schutz in verantwortungsloser Weise die niedrigsten Instinkte des Volkes aufgestachelt wer­den, ist einzuschränken.

2 die Todesstrafe ist wieder einzuführen, da die Verbrechen in entsetzenerregender Weise sich mehren.

3. das Schwurgericht, das nach der Spruchpraxis die schwersten Verbrechen ungesühnt läßt und somit das Rechtsempfinden des Volkes vollständig untergräbt, ist zu reformieren

4. di öffentlichen Verkehrsmittel und lebens­wichtigen Betriebe find vor Stillegung durch einen politischen Generalstreik zu schützen.

65. das S ö l d n e r h e e r ist in eine Miliz nach dem Muster bet Schweiz umzuwandeln.

Die geforderte Resolution wurde angenommen, sowie ein Antrag, der Maßnahmen gegen den poli­tischen Streik öffentlicher Angestellter verlangt.

Die wiener Gememdeschutzwache.

wtb. Wien. 26. Juli. (Eig. Funkm.). Der Ge­meindeausschuß für allgemeine Derwaltungsange- legenheiten genehmigte gestern mit den Stim­men der Sozialdemokraten die vom Bür­germeister vorgeschlagenen Verfügungen über die Aufstellung einer Gemeindeschutzwache bis zur Stärke von 2000 Mann. Sie erhält den . Namen „Gemeindewache" und gilt als Organisation des öffentlichen Dienstes. Am 1. September 1927 wird die Höchstzahl auf 1000 Mann herabgesetzt. Die Gemeindewache hat den Ordnungs- und Wachdienst in den städtischen Aemtern, Anstalten und Unter­nehmungen zu besorgen, ferner kann sie zum Er­hebungsdienst und zur Ueberwachung der Einhal­tung der landesgesetzlichen Vorschriften verwendet werden, die nach dem 1. Ott. 1925 erlassen wurden.

3« bett Wiener Vorgängen.

Wie das „Neue Wiener Tageblatt" meldet, wurde bekannt, daß ein städtischer Rech­nungsbeamter in der Sommerfrische in Ha ft genommen worden ist, weil er mit demjenigen Mann identisch sein soll, der am 15. Juli einen Schuß aus dem Rathaus abgegeben haben soll. Ferner wurden noch weitere 20 Personen wegen Beteiligung an ben Ausschreitungen und Brandstiftungen verhaftet. In das Landesgericht sind über 100 Demonstranten eingeliefert worden.

Freilassung des Abgeordneten Pieck.

wtb. Wien, 26. Juli. (Eig. Funkm.). Die vom Landesgericht gegen den deutschen kommunistischen Landtagsabgeordneten Pieck geführte Untersuchung wurde durch Zurücktteten des Staatsanwalts von der Anttage gestern eingestellt. Pieck wurde der Poltzei wieder übergeben. Diese genehmigte auf Wunsch Piecks dessen Abreise nach Deutsch- land, welche heute erfolgt.

Gewerkschaftliches.

= Gewerkschaftskongreß in Paris. In Paris be­ginnt als Auftakt des internationalen Gewerkschafts, kongreffes, der am 1. August Zusammentritt, der Kon- greß des allgemeinen Arbeiterverban­des, der C. G. T. Es wird auch die Frage erörtert werden, ob die Einheitsfront mit den Gewerk- djaften kommunistischer Richtung in Frankreich hexgeftellt werden kann,

Amerika gegen Rußland.

Die amerikanische Handelskammer hat sich in scharfer Weise gegen Rußland geäußert. Die scharfe Erklärung hat in wirtschaftlichen und politischen Kreisen Amerikas beträchtliches Aufsehen erregt. Es wird darauf hingewiesen, daß diese energische Ablehnung von Beziehungen zu Rußland eine tie­fere Bedeutung haben müsse. In einigen Kreisen wird angenommen, das amerikanische Abrücken von Rußland sei der von England geforderte Preis für ein Nachgeben seinerseits in Genf. Andere glau­ben, daß die Handelskammer die Resolution des panamerikanischen Arbeiterkongresses gegen den russischen Kommunismus unterstreichen wollte, um so die gewünschte Einheitsfront von Ka­pital und Arbeit in Nordamerika aufs deutlichste zu betonen. Da Hoover einen großen Einfluß auf die Handelskammer hat, wird in Fi­nanzkreisen angenommen, daß auch die Regierung die Erklärung billigt. Trotzdem wird hervorgeho- ben, daß die großen Unternehmungen der Ver­einigten Staaten sich durch Manifeste "nicht abhalten lassen werden, aufeigeneHandweiterGe- schäfte mit Rußland zu machen. Dps Er­gebnis scheint zu sein, daß die Großindustrie und die Großfinanz ruhig Geschäfte mit Rußland ma­chen, daß aber die große Menge von Exporteuren von Rußland fern gehalten werden soll, um eine scharfe Kontrolle über die Lage zu behalten und unbeschränkte Kreditgewährungen und etwaige größere Verluste zu vermeiden.

Ablehnung der Begnadigung Kowerdas.

Aus Warschau wird gemeldet: Der vom Stand­gericht eingebrachte Anttag auf Umwandlung der lebenslänglichen Kerkerstrafe gegen den Mörder des, Sowjetgesandten Wojkow, Kowerda, in eine 15j jährige Kerkerstrafe im Wege eines Gnadenaktes des Staatspräsidenten wurde mit Rücksich darauf, daß das Verbrechen an einem affreb liierten Vertreter einer auswärtigen Mack/ verübt worden ist, ab gelehnt.

* Brentanos Nachfolger im Hessischen Landtag. Wie das „Mainzer Journal" meldet, wird als Nachfolger des verftorbenen Staatsministers und Landtagsabgeordneten von Brentano der Rek­tor Winter in Mainz in den hessischen Land­tag eintreten.________________

* Danöverunglück in England. Bei Hebungen der englischen Luftflotte stießen in der Nähe von London zwei Flugzeuge zusammen. Ein Flugzeug stürzte ab und wurde zertrümmert. Der Führer war sofort tot.

♦ Nachklänge zur Februar-Revolution in Por­tugal. Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Lissabon sind wegen Beteiligung an der Febr.- Revolution in Portugal 18 Offiziere und 68 Un- teroffiziere aus dem Dienst entlassen wor­den.

* Verhaftung eines argentinischen Anarchisten. Nach einer Meldung des „Matin" aus Buenos Aires fft der argentinffche Anarchist Miguel Nos- cigo unter der Beschuldigung festgenommen worden, ein Bombenattentat gegen die amerikanische Botschaft in Buenos Aires und gegen die ameri­kanische Gesandtschaft in Montevideo unternommen zu haben.

Minderhertsfragen in Süö|Iawien.

Der Unterrichtsrninister in Belgrad erließ eine Verordnung, durch die die Frage der Lehrerbil­dung für Minderheitsschulen geregelt wird. Danach werden schon im nächsten Schuljahr in der Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalt in Zornbor u n- garische und in der Lehrerbildungsanstalt in Äersec deutsche und rumänische Lehrstühle errich­tet. Für jeden Lehrer wird die Erlernung einer Minderheitssprache obligatorisch gemacht. Dis genannten neuen Kollegien haben nicht nur Gram­matik, sondern auch Literatur und Geschichte der Minderheiten vorzutragen. Von den Minderhn.ts- sprachen müsien wöchentlich ebenso viele Stunden gehalten werden wie von der südsiavischen Spracye.

3ur Lage in Portugal.

Havas berichtet aus Lissabon: Minister- Präsident General Carmona hat im Verlauf eines Interviews erttärt, die Regierung habe davon Kenntnis gehabt, daß Ruhestörer, die im Lande Unordnung hervormfen wollten, verzweifelte Be­mühungen entfalten, um die Sage zu ver­wirren. Die Regierung werde jedoch, gestärkt durch das Vertrauen des Heeres und der Marine, derartige Versuche nicht zulassen. Sie verfüge über die Mittel, ihre Aufgabe durchzuführen und fürchte die Machenschaften ihrer Gegner nicht.

Norüasrika.

Eröffnung der Eisenbahnlinie Tanger-Fez.

Wie Havas aus Tanger meldet, ist gestern die Effenbahnstrecke Tanger-Fez durch eine spanisch- raitzösische Gesellschaft eröffnet worden.

* Der polnische Gesandte in Moskau bei Tschil- cherin. Der polnische Gesandte Patek ist nach Mos- lau zurückgekehrt. Er wurde von Tschitscherin empfangen.

* Die im Zusammenhang mit der Ermordung O'Higgins verhafteten freigesprochen. Aus D u b- l i n wird gemeldet: Die zehn Personen, die wegen einer Verschwörung zur Ermordung des irischen Ministers O'Higgings angeklagt waren, sind mit der Begründung freigefprochen worden, daß für Schuld kein Beweis erbracht worden fei.