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Nr. 169

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Jugoslawien und Albanien.

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Eine rätselhafte Krankheit. Aus Moskau wird gemeldet: Nach einer Mitteilung des Volks, kommissariats zur Gesundheitspflege sind in Jaros- law 25 Personen an einer bisher unbekannten Art von Darmentzündung erkrankt. Die Er­krankungen haben bis jetzt 18 Todesopfer gefordert. Man vermutet, daß es sich bei diesen Entzündungen um eine Erscheinungsform der s i b v rischen Pest handelt. Da in den letzten Tager keine neuen Erkrankungen mehr vorgekommen sind gilt die Epidemie für erloschen.

* Die Bestattung des Königs von Rumänien hat sich mit feierlichstem Gepränge vollzogen. Etwa 1000 Priester begleitetm den Zug nach dem Kloster Curtea de Arges, in welchem König Ferdinand neben den Gräbern König Carols und der Königin Elisabeth seine letzte Ruhe finden soll, ' *

* Die Bombenanschläge in Buenos Aires. 93 e. der Bombenexplosion vor dem Denkmal George Washingtons wurden Personen nicht verletzt. Di« Fassaden der benachbarten Gebäude erlitten nur leichte Beschädigungen. Die Polizei setzt die Nach- forschungen nach den Tätern eifrig fort, Die Bot- fchast der Vereinigten Staaten und die nordameri­kanischen Banken werden scharf bewacht.

In der geschlossenen Beratung der Konferenz bes Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold gab der Bundesvorsitzende Hörsing Bericht über den StandderBundesgeschäfte. Er teilte u. a. mit, daß die nächstjährige Verfassungsfeier an­läßlich des 80. Gedenktages der Frankfurter Natio­nalversammlung in Frankfurt a. M. stattfin­den solle. Für die nächstjährige Bundesgeneral­versammlung sei H a n n o v e r in Aussicht genom- men. Zum 8 0. Geburtstage des Reichs­präsidenten werde der Bundesvorstand dem Präsidenten Achtung und Ehrung ausspre­chen, die dem auf Grund der republikanischen Ver­fassung rechtmäßigen Präsidenten zukomme. Eine Beteiligung an von rechts geplanten Kundgebun­gen unter Schwarz-Weiß-Rot sei abzulehnen.

Dr. Schacht wieder in Berlin.

rotb. Berlin 25. Juki. (Gig. Fun km.). Nach der kurzen Unterbrechung seiner Amerikareise in London, ist wie die B. Z. erfährt, Reichsbankpräsident Dr. Schacht in Berlin eingetroffen. Er hat bereits heute vormittag seine Geschäfte wieder übernommen. Der Reichsbank­präsident wird möglicherweise dem Stellvertreter des Reichskanzlers, Justizminister Hergt, über seine New» Yorker und Londoner Ergebnisse berichten.

Die (Dftbefeftigungen.

Aus Paris wird gemeldet: Die Agentur Havas mewet, daß der Bericht der französischen und bel­gischen Sachverständigen, die mit der Besichllgung äer£ SerftörungSaiBeiten an den deutschen Unterständen im Osten beauftragt waren, dem Sekretariat der Botschafterkonferenz zugegangen ist. Der Bericht endete mit der Schlußfolgerung, daß die zu zerstörenden Befestigungswerke restlos niedergelegt worden sind.

panamerikanischer Arbeiterkongretz

wtb. Washington, 25. Juli. (Gig. Funkm.) Nachdem sich die Erregung einiger Delegierter über das energische Vorgehen der Vereinigten Staaten in Nicaragua in entsprechenden Resolutionen Luft gemacht hatte, endete der pan-amerikanische Ar­beiterkongreß gestern friedlich auf der gemein­samen Basis der Verurteilung der drit­ten (Moskauer) Internationale, der in einer Entschließung die Schuld an den ständigen Unruhen in Mexiko zugeschrieben wurde. In sei­ner Schlußrede betonte der durch Zuruf wieder­gewählte Präsident Green den ehrlichen Willen der Vereinigten Staaten mit sämtlichen Republiken Lateinamerikas in Freundschaft zu leben. Der Kongreß zeigte trotz der von gewissen Nicht- amerlkanern an den Tag gelegten Mißstimmung gegenüber den Vereinigten Staaten, daß man den nordamerikanischen Standpunkt der A b l e h - nung einer Zusammenarbeit mit Rußland als richtig anerkennt.

Neue Note Belgiens.

Die b e l g i s ch e Regierung hat dem deutschen Gesandten in Brüssel, Herrn von Keller, das nach­stehende Memorandum übereicht:

. In Beantwortung der Mitteilung der belgischen Re­gierung vom 19. Juli 1927 hat die Reichsregierung in einem Memorandum vom 20. ds. Mts. erklärt, daß sie die Bemerkungen ihrer früheren Note über die Senats- rebc bes ^crni Wehrministers aufrecht erhält. Die deutsche Regierung hat hinzugefügt, daß ein weiteres sachliches Eingehen auf die Frage sich für sie erübrige, oa Graf de Broqueville feine Erklärungen durch keine konkreten Beweise gestützt habe. Die Regierung des Königs beehrt sich, die Reichsregierung daran zu erinnern, das Herr de Brogueville von Anfang an die Grunde angegeben hat, die ihn daran hinderten, alle Nachrichtenquellen zu enthüllen. Darüber hinaus glaubt Herr de Brogueville, daß feine Erklärungen und Er- ^uterungen das deutsche Memorandum vom 18. Juli in entscheidender Weise widerlegen und geeignet sind, jede Zweideutigkeit auszuschließen.

. 3nbcm sie das Vorstehende der Reichsregierung mit- teilt stellt die belgische Regierung fest, daß die Antwort der deutschen Regierung vom 20. Juli über denjenigen Teil des belgischen Memorandums vom 19. Juli gänz- 11 d) schweigt, in dem die Regierung des Königs ihr Erstaunen darüber aussprach, daß Deutschland ihr Vor­wurfe über ihre Haltung machte, während ganz kürzlich noch offizielle, einer weiten Oeffentlichkeit zugänglich ge­machte Reichstagsdokumente gegen die belgische Regie­rung und das belgische Volk schwere Anschuldigungen wiederholt haben, deren Unrichtigkeit seit langem nach­gewiesen ist.

Wie wir hören, hat die R e i ch s r e g i e r u n g n i ch t d i e A b s i ch t, die belgische Note sofort wie­der zu beantworten.

Sozialdemokraten im Saargebiet

Parteitag der saarländischen Sozialdemokratie.

Der Parteitag der saarländischen Sozialdemo­kratie begann mit einer Vorfeier im Städtischen Saalbau, deren Höhepunkt die Reden Hermann Mullers- Berlin, Bracke- Paris und Win - ter-Wien bildeten. Hermann Müller wendete sich in klaren Worten mit der Aufforderung an die West möchte, endlich den Rückzugder Besatzungstruppen vom Rhein vor- nehmen zu lassen, was nach Locarno, Genf und Thoiry eine Selbstverständlichkeit sei. Bracke- Paris schloß sich den Worten Müllers an und be­tonte besonders den Standpunkt seiner Partei, die stets das Sa ar gebiet als deutsches ® e- b r e t betrachtet habe und betrachte. Für sie fei das Saargebiet nichts als ein widerrechtlich aus Deutschland herausgerissener Fetzen. Winter- Wien streifte die letzten Vorgänge in Wien und gab der Hoffnung der O e st e r r e i ch e r Ausdruck, ernst wie das Saargebiet zum großen Deutschland zurückkehren zu können.

Demonstrationszuge am Sonntag beteiligten sich 15 000 Personen. Bei dem anschließenden Massentreffen sprachen wiederum Müller-Berlin, Bracke-Paris und Winter-Wien, unter starkem Bei­lall ihrer Zuhörer und betonten im Namen der deutschen, der französischen und der österreichischen Sozialdemokratie das Festhalten an den Idealen der sozial!stischen Internationale.

Aus Belgrad wird gemeldet: Da es.. gewiß ist, ob der bisherige albanische Gesandte in Belgrad, Tfena Beg, auf seinen Posten zurückkehrt und da die albanische Regierung sich um das Agre­ment für den neuen Gesandten noch gar nicht küm­merte, beschloß der Minister des Auswärtigen, Ma- rinkowitfch, den Ministerialsekretär Miltschitsch nach Tirana zu entsenden, um die diplomati­schen Beziehungen wieder aufzunehmen Sofort nach der Wiederaufnahme der diplomatischen Be­ziehungen werden die jugoslawischen Konsuln auf ihre Posten zurückkehren.

hörsing geht.

Hevering wird Oberpräsidenk der Provinz Sachsen? . 2eE sozialdemokratische Oberpräsident der Pro- Jtng Sachsen, Hörsing, hat in seiner Amtszeit manche Unbesonnenheit begangen und seine Partei- genossen in der preußischen Regierung in Serie- ßenhett gebracht, den Gegnern des Volksstaates billiges Agrtationsmaterial geliefert. Sein törichter Aufruf an das Reichsbanner, dessen Leiter er ist aus Anlaß der Wiener Unruhen, hat jetzt den Fall' Hörsing zur Klärung gebracht. Aus Magde­burg wird gemeldet:

Wie das Wtb. erfährt, hat Oberpräsident Hör- sing fern Rucktrittsgesuch eingereicht. Der Grund ist in seiner Absicht zu suchen, sich der Leitung des Reichsbanners in Zukunft ganz wid­men zu können.

Auf der in Magdeburg am Sonntag abgehal- lenen Rerchskonferenz des Reichsban- ?-lr5 ?A.roorz-Rot-Gold gab der Bundss- fuyrer Hörsing bekannt, daß er sein Rücktrittsgesuch als Oberpräsident eingereicht habe. In einer län­geren Rede zur Begründung seines Schrittes führte aus:

3m alten Deutschland hätten die höchsten Beamten sich gegen ganze Volksschichten aussprechen können. Einem republikanischen Beamten sei es verboten, üben. Er selbst habe Kritik geübt an dem Parteiführer Hergt, nicht an dem Minister Hergt, an besten Rebe in Beuchen, da nach seiner Ansicht durch ^raM.S(L^cuf?erun9en von Parteiführern, die gleichzei. tig Minister sind, dem deutschen Volke außerordentliche große Schwierigkeiten bereitet würden. Er selbst könne frch als Bundesvorsitzender des Reichsbanners nicht mundtot machen lasten. Die Rechtsparteien hätten ge­glaubt, daß er als Oberpräsidenk schweigen müsse, und deshalb eine Hetze gegen ihn entfacht. Er sei aber nicht nur Reichsbannerführer, sondern gleichzeitig Abgeord­neter und Bevollmächtigter für den Reichsrat. In die­ser Eigenschaft fei er verpflichtet, Kritik zu üben. Er stände nunmehr vor der Alternative: entweder auf das Recht der Kritik zu verzichten, oder auf feinen Ober» präsidentensestel. Er wolle deshalb von seinem Posten als Oberpräsident zurücktreten, ganz besonders auch des- chalb, um der preußischen Regierung keine Schwierigkei­ten zu machen und um alles aus dem Wege zu räumen, was den Bestand der Preußenkoalition und die Schaffung einer republikanischen Regierung im Reiche für die Zukunft gefährden könnte. Die Haltung des Reichsbanners bleibe unverändert. Er habe nun als Bundesvorsitzender größere Ellenbogenfreiheit und werde sie für die Zukunft auch gebrauchen.

Von den Vertretern der Parteien, die anschließend an die Rede Hörsings sprachen, wurde der Rücktritt außerordentlich bedauert, der allerdings auch fein Gutes habe, da das Reichsbanner jetzt noch energischer als bisher für die Verwirklichung der großen republika­nischen Ziele sich einsetzen könne.

* Englisch-italienische Wirtschaftsverhandlungen. Wie der Korrespondent derMorning Post" in Rom meldet, steht die Bildung eines Konsortiums zwischen britischen Bergwerks besitz er. n und italienischen Fabrikanten zwecks Güteraus­tausches zwischen beiden Ländern bevor.

FuldaerZeriung

Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

ErscheiM sechsmal wöchentlich. Wochenbeilag-n^^i^H!''^______ ________

Dienstag, 26. 3nli 1927. M. .

Besprechung Seipel-Bauer.

wtb. Wien, 25. Juli. (Gig. Funkm.) Nach Meldungen des christlich-sozialen neuen Montags- blattes fand gestern im Parlament eine längere Besprechung zwischen Bundeskanzler S e i p e l und dem sozialdemokratischen Führer Dr. Otto Bauer statt, der anscheinend augenblicklich die Opposition leitet. Die Verhandlungen dürften sich auch auf die morgige Sitzung des Nationalrates bezogen haben, in der die Aussprache über die Er­eignisse des 15. und 16. Juli stattfindet. Bundes­kanzler Seipel dürfte die Sitzung mit einer Stel- lungnahme der Regierung einleiten. Die heutige Trauersitzung des Nationalrats soll sich auf eine Gedenkrede des Parlamentspräsidenten Nik­las beschränken.

Außerordentliche Reichskonferenz der österreichischen sozialdemokratischen Partei.

Die Vertreter der sozialdemokratischen Partei waren in Wien zu einer außerordentlichen Reichs­konferenz, die streng vertraulichen Charakter trägt, zusammengetreten. Die Sitzung war bis abends noch nicht zu Ende. Es verlautet, daß neben der Besprechung der weiteren innerpolitischen Hal­tung der Partei nach den blutigen Ereignisfen der Vorwoche Gegenstand der Beratungen der Aus­schuß zur Beratung von Organisationsftagen der Sozialdemokratie sowie Maßnahmen bildeten, durch die verhindert werden soll, daß künftig wieder un­berufene und unverantwortliche Elemente die Mög­lichkeit zu Ausschreitungen finden. Die Organi- sationsmaßnahmen sollen sich daher auch auf den republikanischen Schutzbund erstrecken. Außerdem soll die Konferenz zu der vom Landbund angereg­ten Frage der Auflösung des National- I rates und zur Frage der Neuwahlen Stellung I nehmen.

Die polizeilichen Ermittlungen. I

Die Blätter melden, daß es der Wiener Polizei I gelungen ist, den größten Teil der vor einigen | Tagen aus einer geplünderten Waffenhandlung I weggeschafften Waffen und Munition in einem I Vereinslokal der sozialdemokratischen Jugendorgani- I fation wieder zu beschlagnahmen. Bei den Polizei- I liehen Ermittlungen spielten einige von Photo- I graphen während der Unruhen aufgenommene I Bilder eine bedeutsame Rolle. Die Photographien I wurden stark vergrößert, wodurch es möglich war, I eine große Anzahl von Personen, di« sich an den I Ausschreitungen besonders als Brandstifter be- I teUigten, festzustellen. I

* Am Grade v. Brentano. Aus Darmstadt wird I gemeldet: Am Sonntag vormittag waren zu Ehren I des verstorbenen Ministers v. Brentano alle Fah- I ven in der Landeshauptstadt auf Halbmast gehißt. I Um 11 Uhr fand nach Orgelvorspiel und Trauerge- sang in der Kapelle des Waldftiedhofs di« Ein­segnung der Leiche durch Dekan Kastell statt. Auf I der weiten Runde des von feierlichen Säulengruppen I umrahmten Vorhofes harrte inzwischen eine mehr­tausendköpfige Menge der Trauerfeier. Sie be- I siann, als sechs Offiziere der Schutzpolizei den I Hellen Eichensarg auf dem blumengeschmückten Auf- I bau vor der Kapelle aufbahrten und eine Ehren- I Hundertschaft der Schupo dem toten Minister mit I angefaßtem Gewehr die letzte Ehrenbezeugung er- I wies, wobei eine Kapelle einen Choral intonierte. I Während der Trauerfeier zog ein Flugzeug über I dem Friedhof seine Kreise. An der Bahre des To­ten sprach der sozialdemokratische Staatspräsident I Ulrich über den Menschen, den Anwalt und den I Politiker Brentano, mit dem er in der Vorkriegs­zeit manche scharfe Klinge zu kreuzen gehabt habe I und der doch mit ihm sich habe zusammenfinden I können in dem Staatsgedanken von Weimar. Mi- I nister Kirnberger, der den letzten Gruß der I Beamten aussprach, unterstrich die rückhaltlose Zu­stimmung, die Brentano dem neuen Staate gab; er habe es gekonnt, weil er wußte, daß sich Entwick­lungen nicht umbiegen lassen. Allerdings habe in der Weltanschauung des toten Ministers auch ge­legen, daß das Neue nur aus dem Men geboten werden könne. Für Reichspräsident und Reichs­regierung sprach der Präsident des Landesfinanz­amtes Darmstadt, G lässing. Den letzten Gruß und Dank der Zentrumspartei entboten Reichstags­abgeordneter Bockius, Domkapitular Lenhart und Abgeordneter S ch ü l. Anwesend waren nutzer dem hessischen Gesamtministerium auch Minister Stütze! für Bayern, Trunk und Remmele für Ba­den. Beyerle für Württemberg und Graf Adelmann

1 vorn Reichskommissariat für das besetzte Gebiet.

Deutschlands plage.

Schlägerei zwischen feindlichen Stübern.

wtb. Berlin, 25. Juli. (Gig. Funkm.) Vor dem RestauxantParadiesgatten" in Rahnsdorf bei Berlin entstand gestern abend gegen 6 Uhr zwischen Angehörigen des Reichsbanners und Natio- nal-Sozialisten eine Schlägerei, in deren Verlauf ein Nationalsozialist mit einem Totschläger am Kopfe verletzt wurde. Der Täter konnte nicht ermittelt werden. Ein anderer Nationalsozialist er- hielt einen Schlag gegen die Stirn. Ein unbeteilig­ter Radfahrer wurde ebenfalls am Kopfe verletzt. Einem Reichsbannermann wurde ein großes Taschenmesser ab genommen. Außerdem wurde ein Totschläger gefunden .Die Fahne der Natio- nal-Sozialisten wurde befchlagnahmt, da sie zum Schlagen benutzt worden war. Vier Nationalfozialisten und sechs Reichsbannerleute wurden festgenommen.

Blutiger Kommunistenüberfall auf Stahlhelmer.

Reden in Kankreich.

Poincare. herriol und Painleve.

Bei den Feierlichkeiten aus Anlaß der SBoI«. lenoung bes Wiederaufbaues der im Kriege zer­störten stadt O r ch i e s hielt Ministerpräsident -p o t n c a r e eine Rede, in der er sich eingangs da» gegen wandte, daß ein Ueberfall von fftmnktireurs auf ein deutsches Kriegslazarett die Veranlassung zu der Zerstörung gegeben habe. In diesem Zu» lammenbong bezeichnete Poincar« auch den Bericht des deutschen Untersuchungsausschusses über di» belgischen Greuel als einen absurden Vorwand, uw den Versuch zu machen, solche Taten zu ent» schuldigen.

Poincare bemerkte sodann, daß, sobald Deutsch­land aufhöre, die Verantwortlichkeit der Zentral, machte für den Ausbruch des Krieges und die Aus» fchrertungen während des Krieges zu beftreiten, auch Frankreich von jenen Vorfällen wie von fernen Ereignissen sprechen werde, die in den Archiven der Geschichte verzeichnet sind. Nie- mand, so fuhr er fort, hat den dringenden Wunsch, zwischen Nachbarvölkern, deren Einvernehmen für den Frieden der Menschheit unentbehrlich ist, den Haß aufrecht zu erhalten. Frankreich wird auch weiterhin seine friedlichen Anstrengungen und sei­nen Versohnungsgeist zu beweisen fortsetzen. Es wäre vonseiten Frankreichs ein Akt des Wahnsinns, wollte es durch Abenteuer das groß angelegte Werk unterbrechen lassen, dem es sich vollständig widmen will. Der Friede ist Frankreich nickt nur teuer, er ist ihm sogar notwendig, und zwar sowohl der äußere wie auch der innere Friede. Die Regierung der nationalen und republikanischen Einigung bat alles getan, was sie konnte, aber ihre Aufgabe ist noch nicht erfüllt. Wir rechnen auf ^"Zusammenwirken der Kammern und die Un- terstutzung durch die öffentliche Meinung, um diese Iöfenroten$,e Ultil undankbare Arbeit erfolgreich zu

Auch Unterrichtsminister Herriot hat am toonntag bet ber Einweihung eines Gefallenen- denkmals in Dailly eine Rede gehalten, in der er ausftchrte: Unsere Pflicht ist, den Schwur zu Hal- ten, der diesen Soldaten, als sie zur Schlacht aus- zogen, geleistet wurde: Ihr müßt Euch opfern, benn ba« tft ber letzte Krieg! Der letzte Krieg? Nremanb kann schwören, baß es der letzte Krieg war, aber jeder kann schwören, daß er alles tun werde, damit es fo ist. Man mußte letzt das Friebensstatut vorbereiten, daß eines Tages in Europa und ber ganzen Welt re» gieren wirb.

2>er Striegsminifter Painleve sagte in Novon aus Anlaß eines Festes ber Turner und Militär- vorbereitungs-Vereine: Frankreich ist entschlossen, den Frieden bis zum Tode gegen jeden Angriff zu verteidigen. Zum neuen Militärgesetz i. «rt£..erC daß die jetzige Herabsetzung der Effek- tiv-Bestande bis an die Grenze der Möglichkeit gehe.

Die deutsch-französischen HandelsvertragsverHand­lungen.

.. DieIournee Industrielle" berichtet, obwohl die deutsch«französischen Handelsvertragsverhand- lungen m absoluter Diskretion geführt werden, könne man mitteilen, daß die Arbeiten fort- g e setz t werden, und daß sie b efr i e d i g e n d e Fortschritte machen. In den letzten Tagen seien keine neuen Schwierigkeiten eingetreten,' die den Fortgang der Verhandlungen beeinflussen könnten.

China.

Nanking verpachtet das Opium-Monopol.

wtb. Shanghai, 24. Juli. (Gig. Funkm.). Die Nankinger Regierung hat ein Opium-Monopol ge­schaffen, das für die Provinzen Kiangsu und Tschikiang für 1 Jahr vergeben werden soll. Das höchste Angebot bettug iy? Millionen Pfund Ster­ling.

Der Reichspräsident weilte an der Ostsee und stattete am Sonntag der Stadt R o stock einen Besuch ab, wo ihn die Bevölkerung herzlich be­grüßte.

In einem Schlußwort erwähnte Hörsing, daß die Mitglieder der Zentrumspartei, die gleichzeitig dem Bundesvorstand angehören, also Dr. Kröhne und Joos, sich darüber beklagt hätten, daß sie nicht vor dem Aufruf an den deutsch-österreichischen Schutzbund ge­bärt wurden. Hörsing sagte, es fei keine Zeit mehr dazu gewesen, alle Mitglieder des Bundesvorstandes vorher zu befragen. Er habe infolgedessen ohne vorhe- rige Genehmigung durch alle Bundesvorstandsmitglieder den Auftuf erlaßen. Dieser Aufruf sei notwendig ge­wesen. lieber seine Formulierung könne man streiten. Daß dadurch eine gewisse Beunruhigung im Lager des Zentrums und der Demokraten entstanden fei, be­dauere er tief. Er zweifle aber nicht, daß diese Un­annehmlichkeiten bald beseitigt würden und kein ernster Konfliktsstoff Zurückbleiben werde.

Aus den übrigen Besprechungen der Reichskonferenz ist hervorzuheben, daß das Reichsbanner nun feine Tä­tigkeit vor allem auf das Land verlegen will. Auch eineWochenschau der Republik" werde' herausgegeben. Sogar ein Flugzeug fei dem Reichsbanner geschenkt worden.

Wie dieMontagspost" berichtet, wird als Nachfolger Hörsings auf dem Magdeburger Ober- präfibentenposten der frühere preußische Innen­minister KarlSevering genannt.

DerMontag" meldet aus Mikultschütz: Als die hiesige Ortsgruppe des Stahlhelms am Sonntag ihr Fahnenweihfest feierte, sammelten sich Massen von Kommunisten. Der Polizei gelang es während des Festzuges, Zusammenstöße zu ver­meiden. Nachdem sich aber der Hauptzug aufge­löst hatte, drängten sich zahlreiH Kommunisten um die einzelnen Stahlhelmer. Die Kommunisten feuerten Plötzlich blindlings in die Stahlhelmgrup­pen hinein. Ein unbeteiligter junger Mann wurde getötet. Die Kommunisten, von den Stahlhelm­leuten verfolgt, deckten ihren Rüchug durch wei­tere Pistolenschüsse, wobei eine ganze Reihe Stahl­helmer verletzt wurde. Drei Kommunisten wur­den vechaftet.________________________

S4.Zahrg

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.